fllieber, die legensreiche Emrichmng der jungen Stolen ne nach Kräften zu unterstützen.
|| Detlersheim. 16.2m 1.3onuar scheidet wegen vorgerückten Alters die Hand- arbeitSlehrcrin Frau Slisabeth ßingner auS dem hiesigen Schuldienst au». 3n unermüdlichem Eifer und großer Pllichttreue hat sie über 30 3ahre lang die Mädchen in die SUmft de» Strickens und Rähen« eingeführt. Den Unter» richt in den Handarbeiten übernimmt vorn 1. 3a» nuar ab Fräulein Helge Thimm (Hungen).— Bei der Treibjagd in unserer Gemarkung wurden 91 Hasen zur Strecke gebracht.
df. Langsdorf. 16. Dez. Wieder hatte ein Ehepaar das seltene Glück, das goldene Ehe - j u b i l ä u m zu begehen. 2lm 15. Dezember waren der Landwirt Johanne« Weisel und seine Ehefrau Anna. geb. Heil. 53 3ahre verheiratet. Der Ehemann steht im 78., sein« Frau am End« deS 71. Lebensjahres. Den 3ubilaren wurden die üblichen Glückwunschschreiben deS Herrn Deichs- Präsidenten. der Hessischen Regierung. deS Kreis- amteS, der Gemeind« und der Stirche überreicht.
r Rodbeim bei Hungen. 16.Dez. Lehrer H. Dietrich von hier bestand vor der staatlichen Prüfungskommission in Darmstadt die Musik» stehrerprüfung mit .Gut".
Kreis Friedberg.
4 Stirch'Göns, 16. Dez. In unserer Gemeinde wurde eine Sammlung von Natura- I l i e n durchgeführt, die 24,70 Zentner Kartoffeln, I
12 Zentner Gemüse und 8 Zentner frisches Obst erbrachte. Die Lebensmittel wurden von der Freiwilligen EanitätLkolonne des Roten Kreuzes nach Butzbach gefahren und von dort aus an die De dürftigen des Kreiser Friedberg oerteili. Außerdem wurde durch die Konfirmanden eine G e l d s a m m- l u n g oerar.stattet, die den Betrag von 31,95 Mark ergab.
4 Pohl - Göns. 16 Dez. Die im benachbarten Kirch Gönr, wurde auch hier für die Winterhilfe eine Sammlung von Lebensmitteln durchgeführt, die folgendes Ergebnis zeitigte: 19,55 Zentner Kartoffeln, 15,88 Zentner Gemüse und 3.65 Zentner frisch:» Obst. Die Geldsammlung erbrachte den Betrag von 41,75 Mark.
Abbruch der Mainzer Kasernen.
WSR. Mainz. 16. Dez. Dach dem Entwasf» nungSabkvmmen müssen di« Kasernen b'.S zum 3ahre 1932 abgebrochen sein, sofern sie nicht anderen Zwecken, militärisch« natürlich ausgenommen, dienstbar gemacht worden. Die Rot der Zeit erschwert jedoch die Ausführung grober Projekte. so dab nach Ansicht der Behörden ein anderer Weg als die Abreibung derKaser» nen gegenwärtig kaum gangbar erscheint. Am Montag ist der Abbruch der Prinz-Earl-Kaseme in Angriff genommen worden. Der Platz wird nach den zur Zeit bestehenden Absichten einplaniert werden.
tage. Das Polizeiamt teilt mit: Am dritten Weihnachtsfeiertag — Sonntag. 27. Dezember — können in Gießen bie Friseur- und Barbiergeschäste in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und die Metzgerläden in der Zeit von 8 bis 10 Uhr offengehalten werden.
• • Echulperfonalie. Die Lehrerin Frieda Weitzel an der Volksschule zu Homberg (Kreis Alsfeld) wird auf ihr Rachsuchen mit Wirkung vom 1.3anuar 1932 auS dem Schuldienst entlassen.
• • Feuerwehrauszeichnuna. Im Auf- trage des Kreisamtes Gießen überreichte Branddirektor B r a u b a ch in der letzten Monatsverfomm- luna der Freiwilligen Gaiifchen Feuerwehr dem 1. Obmann Heinrich Vo! A in Anerkennung feiner 40jährigen, treuen Dienstleistung bei der Freiwilliaen Gallschen Feuerwehr in Gießen das Ehrenzeichen und Urkunde des hessischen Gesamtministeriums.
• • Zeugen gesucht. Der Polizeibericht mel- bet: In der Nacht zum 5. Dezember, gegen 2 Uhr, wurden bei einer Schlägerei im Settersweg (beim Hause des Derkehrsvereins) zwei Studenten erheblich verletzt. Personen, die sachdienliche Angaben für die Ermittlung der Täter machen können, werden ersucht, der Kriminalabteilung Mitteilung zu machen.
• • D i e Postautolinie Gießen —Krofdorf ist vor den Weihnachtsfeicrtagen Sonntags auf Fellingshausen ausgedehnt worden. Der Sonntags-Waaen ab 11.50 Uhr fährt (ab Krofdorf 11 Uhr) zuerst nach Fellingshausen, hott dort die Fahrgäste und geht bann planmäßig ab Krofdorf 11.50 Uhr über Wißmar—Launsbach nach Gießen. Die Rückfahrt nach Fellingshausen erfolgt mit dem Wagen ab Gießen Bahnhof 17.35, ab Oswaldsgar- ten 17.39, ab Krofdorf 17.55 Uhr. Fellingshausen mar in der ersten Zeit der Pestautolinie Gießen— Krofdorf ständig ongescblossen, doch mußte diese Strecke spater infolge Unrentabilität aufgegeben werden. Mit den jetzigen Sonntagsfahrten ist auch den weiter abliegenden Orten Crumbach, Frankenbach usw. eine günstige Fahrgelegenheit nach Gießen geboten.
D i e Edeka-Genossenschaft Dießen hielt — wie man unS berichtet — im Kaufmännischen Vereinshaus unter Leitung des Vorstandsmitglieds Kaufmann Erle ein« gutbesuchte Milgl eder-Bersammlurg cb. in der der Derbands- sekretär Sendler vom Edeka-Derband deutscher kaufmännischer Genossenschaften Berlin ein Referat über die „Organisation des Verkaufs" hielt. Der Redner ging von der Entwicklung aus, die der Einzelhandel in seinen verschiedenen Formen durchlaufen fj*t, gab wichtige Anregungen und zeigte die erprobten neuzeitlichen Wege auf, die geeignet feien, die Leistungsfähigkeit des genossenschaftlich organisierten Kolontalwaren- und Feinkost-Einzelhandels zu erhalten und weiter zu erhöhen. Die Ausführungen wie auch die Hinweise auf die seit 3ahresfrist^bestehende und schon über 1700 Mitglieder zählende Spar- 'und Arbeitsgemeinschaft der 3ungfaufleute fanden viel 3nteresse.
Oberheffen.
Aufhebung -es Finanzamts Homberg.
WSR. D r ü n b e r g, 16. Dez. Rach einer Mitteilung im „Deichsanzeiger" wird nach Butzbach jetzt auch das Finanzamt Homberg auf» Gehoben. Bon den au diesem Finanzamt zäh- enden Gemeinden werden Alsfeld 8 und Grünberg 20 zugeteilt.
„Münchhausen im Vogelsberg.^
+ Schotten, 15. Dez. Dor hundert 3ahren lebte in Schotten ein alter Haudegen, Oberförster L a e t u s, ein echter Weidmann, der durch seinen derben Humor, sein Jägerlatein und seine Aufschneiderei weithin bekannt und berüchtigt war und die ehrsamen Beamten und Bürger der Stadt öfters durch Berulkungen in Aufregung versetzte. So lockte er e n:s Abends in der Ai ter- kälte die hohe Obrigkeit und den Stammtisch in den vpießwald und ließ sie erfolglos nach einem
angeblich erfrorenen Handwerks burschen suchen, der nur in der Phantasie deS Herrn LaetuS emittierte. Der verstorbene Schriftsteller Otto Müller, ein Schottener Kind, hat in einer heiteren Erzählung diele historische Persönlichkeit des Oberförsters der Rachwelt «-halten Den alten Stoff hat unser derzeitiger Lokaldichter Dr. med. Karl Koeniger (Schotten) aufgegriffen und daraus unter dem Titel .Münchhausen imDogels- berg" eine bühnenwirksame Pos'e geschallen. Am vorigen Sonntag ging das Stück in der überfüllten Turnhalle zum erstenmal über die Bretter. Die Rollen lagen in den Händen altbewährter, einheimischer Kräfte, die vorzügliche Leistungen boten. Die Bühne zeigte naturgetreue Bilder von den Schauplätzen der Handlung vor dem RathauS, im Gasthaus .Krone , auf dem Schottener Sommermarkt und vor der Wohnung deS Oberförsters. 3n der alten, schmucken Tracht, die damals herrscht«, nahmen sich die Darsteller prachtvoll auS. Guter, oft derber Humor durchweht daS Stück, das von Anfang bis Schluß das Publikum mitreißt. Eine wertvoll«, sehr gut passende Musik hat der (Siebener Komponist Paul Duchwald dazu geschrieben mit zahlreichen reizvollen Gesangseinlagen, Duetten und Tänzen, die die Zuhörer begeisterten. Schöne Stücke aus der guten alten Zeit führt der Autor vor Augen, ein .Vogelsberger Datterich" ist unS erstanden, ein echt oberhessisches Volksstück, dem man die weiteste Verbreitung wünschen kann.
Landkreis Gictzen.
OO Kleln-Li nden, 16.Dez. Zum Besten der Anstalten in Bethel-Bielefeld nahm der hiesige EvangelifcheFrauenvereln eine Sammlung von Kleidungsstücken vor. Es tonnten zwei Kisten mit Kleidung und Schuhen, sowie ein ansehnlicher Geldbetrag als Weihnachtsgabe den Anstalten übersandt werden.
♦ Klein-Linden, 16. Dez. Das langjährige Mitglied der hiesigen Kirchengerneindevertretung, Landwirt Johann Georg Schmidt, Veteran von 1S66 und 1870 71, kann am Freitag, 18. Dezember, seinen 8 9. Geburtstag feiern. Herr Schmidt ist der älteste männliche Einwohner unserer Gemeinde.
sk. Reiskirchen, 16. Dez. In unserer Gemeinde haben die Holzhauerarbeiten be- aonnen. Es werden etwa 40 Arbeitslose und Ausge- steuerte abwechselnd beschäftigt. Don den Arbeitslöhnen sollen 40 Prozent für Gemeindegefälle einbe- hatten werden. Es wird in diesem Jahre weniger Holz geschlagen, als bisher.
=.= Watzenborn - Steinberg, 16. Dez. Der 6 Bezirk des Provinzialverbandes oberhessischer Geflügelzüchter veranstaltet hier am kommenden Samstag und Sonntag in den Gasthäusern „3um grünen 'Baum" und ,Lur Krone" seine 2. Be- zirksschau. Es kamen bereits über 300 Einzel- nummern zur Anmeldung.
• Watzenborn-Steinberg, 15. Dez. Auch in unsrer Gemeinde hatte sich vor einem halben Jahre eine Sanitätskolonne des Roten Kreuzes gebildet, die sich aus Mitgliedern von hier und dem benachbarten Hausen zusammensetzt. Am Sonntagnachmittag fand im hiesigen neuenJRat- Haussaal die Prüfung der Kolonne durch den Leiter des Oberhessischen Verbandes, Sanitätsrat Dr. Hahn (Vad-Nauheim), statt. Die Ausbildung der Kolonne hatte der hiesige Arzt Dr. Fabel in vor- bildlicher Weife übernommen und durchgeführt. Bei der theoretischen Prüfung, sowie bei den praktischen Hebungen sah man durchweg sehr gute Leistungen, die von großem Eifer der Kolonne Zeugnis ab- legten. Die Hebunaen ließen erkennen, daß die Mannschaften allen Anforderungen der ersten Hilfe- Iciftung gewachsen sind. Nach der Prüfung sprach Sanitätsrat Dr. Hahn über die Entstehung des Roten Kreuzes und über dessen ideelle Aufgaben auch in der heutigen Zeit. Er dankte dem Kolonnenarzt und den Kameraden für die guten Leistungen. Auch bat er den anwesenden Bürgermeister und einige zur Uebung erschienene Gemeinderatsmit»
Q.Jt.-'fport
Frauenturnen im Gau Hessen OT.
Zu einer planmäßigen Ausbildung- - taaung unter Leitung des GausrauenturnwartS Rudolf Paul, Gießen, traten über 103 Leiter und Turnerinnen aus 45 Frauenabteilungen der Turnvereine des Gauverbandes Hessen DT- am Sonntag in der Turnhalle des Tv. 1845 au Gießen an. Abteilungsleiter Ludwig 3 o st von der Turngemeinde Friedberg konnte bei dem erfreulichen Fortschritt auf dem neuzeitlichen Gebiet der „Be- wegungLschule" mit schon schwierigeren Hebungen die Lehrarbeit beginnen, der Gaufachwart leitete vorbereitende Grundformen für die allgemeinen Freiübungen, die in einfachem Aufbau mit Rhythmen volkstümlichen Liedgutes für das Deutsche Turnfest 1933 zu Stuttgart heraus- kommen. Statt der allgemeinen Freiübungen will das Mittelrheinische Kreisturnfest zu Trier 1932 Keulenübungen bringen, deren erste Gruppe von dem Abteilungsleiter Heinrich Schneider, Wetzlar, im geöffneten Reihenkörper durchgeführt, und deren weitere drei Gruppen in Einzeldarstellungen veranschaulicht wurden. 3n ähnlicher Weise wurden für die Wettkämpfe der genannten beiden großen Berbandsfeste die Geräteübungen in ihren verschiedenen Formen und Abstufungen in Angriff genommen. Mit einigen Volkstänzen führte die Abteilungsleiterin Frl. Luise Schwarz, Friedberg, die Hebungsstunden zu Ende.
3m Mittelpunkt der anschl'.eßrnden Besprechung stand die Ausgestaltung des Gauwett- kampfes, für den die volkstümlichen Pflicht- Übungen vom Kreisfest zu Trier übernommen werden sollen in der Zusammenstellung eines 75-Meter-Laufes, eincS Weitsprunges und eines in der Wurfart freigestellten Weitwurfes mit dem Voll- bzw. Stohball im Gewicht von 800 Gramm, wozu für den Aufbau des volkstümlichen Vierkampfes noch Kugelstoßen kommt. Die Abstufung in je zwei Stufen der Turnerinnen und 3ugenötutnerinnen soll beibehalten werden, aber für letztere (12 bis 13 3ahre alt) bei gleichen Geräteübungen sich nur in entsprechenden Maßen der vollstümlichen Hebungen auswirken.^ie all
gemeinen Freiübungen deS Vorjahres, die bet dem ® auf rauen turnen zu Butzbach dem Regen- Wetter Aum Opfer fallen muhten, sollen nochmals dem Schauturnen eingegliedert werden Zu An- sang nächsten IcchreS findet zu Gießen ein außerordentlicher Gaulehrgang statt, bei dem choristische Bewegungsgruppen, wie sie daS Trierer KreiS- sest statt Volkstänzen bringen wird, in den Unter- richtSplan ausgenommen werden.
Handball im Gpu Hessen (O.T.)
Die 1. Mannschaft des To. 1 8 4 6 G i e ß e n zeigte in dem Treffen hegen To. Heuchelheim nicht die Leistungen, die man nach den letzten Spielen erwartet hatte. Wenn sie auch schon am Samstag gespielt hatte und mit Ersatz antreten mußte, so hätte ihre technische Ucberlcgenheit, die besonder» in der 2. Halbzeit stark heroortrat, einen glatten Sieg gewährleisten müßen. So aber reichte e» nur zu einem mageren 2:2. Die Heuchelheimer zeigten einen großen Eifer und konnten überraschend bi» zur Pause 2:0 führen. Dann allerdings konnten sic das Tempo nicht mehr holten. Trotzdem die Gießener in dieser Zett das Gäftctor förmlich belagerten, erzielten sie nur ein Unentschieden, da ihr Sturm nicht die gewohnte Durchschlagskraft zeigte. Außerdem war der Heuchelheimer Torwart kaum zu schlagen.
Die 2. Mannschaft verlor nach ausgeglichenem Spiel gegen To. Krofdorf 5:3.
Handball im Lahn-Vünsberg'Gau.
(Yauklafse:
lvarbenkeich I — Londorf I 1:3 (1:1).
Ein harter Punktkampsl Die Platzbes.tzcr traten nur mit 10 Mann an und begaben sich damit von vornherein etwaiger Chancen. Da» . aann äußerst lebhaft. Bereits in dir 13. Minute führten die Londorser mit 1:0. Bald darauf gliH Garbenteich aus. DaS Spiel wurde nun härter Mit 1:1 ging eS in die Pause. Rach der Paufe spielte Londorf überlegen und konnte zwei weitere Tore für fich buchen, während die Anstrengungen der Platzbesiher vergeblich blieben. (Der Vorschau zu diesem Spiel am Freitag ist berichtigend nachzutragen, daß der Sieger nicht In Garbenteich,
WessenMdbinich?
Roman von 3r. Lehne.
(Hrh.bcrschutz durch E. Ackcrmann, Romanzentrale Stuttgart.)
31 Fortsetzung Nachdruck verboten
Angela lächelte ein müdes, entsagungsvolle- Lächeln.
.Das werden Sie doch müssen."
Dine wilde Angst stieg in Bertha Lenz auf.
„Oleinl“ rief sie, .— nein! Warum srnd Sie gekommen? Ich gebe 3hnen Ebba nicht! Riemall!"
.Ich bin gefommen — nicht, um 3hnen Ebba zu nehmen, sondern Sbba zu ihrem Glück zu verhelfen."
.SbbaS Glück ist hier in ihrem Slternhause."
Angela schüttelte den Kopf.
.Ebbas Glück heißt Hanno Reinshagen! Hnd weil ich eS weiß, will ich ihr dazu verhelfen — Frau Lenz machte große Augen.
.Steht daS in Ihrer Macht?"
.Ware ich sonst hier?"
.Wie sollte Ihnen das möglich sein?"
.ES ist mein Geheimnis! Verzeihen Sie, doch ich kann nicht darüber sprechen!"
.Rach allem, waS vorgefallen ist. ist doch daS ausgeschlossen I Rie werden die gräflichen Herrschaften in eine Verbindung deS SohneS mit Ebba einwilligen — mit Ebba — dem Findellind —"
.Ich werd« eS dennoch erreichen!"
Frau Lenz sah mit Unruhe und Zweifel Angela an.
»Mer find Sie?" fragte sie fast heftig.
.Sie wissen eS! Die Tochter deS Pfarrers Sturm —"
und sonst — sorfchend, fürchtend suchte Bertha Lenz in dem für sie so rätselhaften Gesicht der andern.
.Angela Graf, die — ich darf eS wohl sagen — die bekannte Tragödin!"
.DaS haben Sie vor? Ich muh eS willen — Sie haben etwa- vor! Aber meine Ebba gebe ich nicht her, wenn Sie sie kaufen wollen!"
Ein müdeS, ergebenes Läheln flog über Angelas ausdrucksvolles Gesicht.
„Sbba ist nicht zu kaufen! Sie haben eS selbst gehört — und wenn sie ein Königskind wäre — Sbba bleibt Sbba Lenz wie bisher, bis sie Sbba Reinshagen wird!"
Wie ein Marmorbild, beinah« regio«, stand die Frau da-, nur die Augen lebten, diese großen Augen.
Und dann sprach sie weiter. auS jedem Wort spürte man das abgrundtiefe Leid das die Seele dieser Frau beschwerte - .glauben Sie. Frau Lenz, ich will die Zuneigung und das kindliche
Vertrauen, das mir Ebba entgegenbringt, leichtsinnig verscherzen? Ich dürste nach Ebbas Liebe — und fürchte ihre Verachtung! Darum muh für sie stets Geheimnis bleiben, was bis jetzt für sie Geheimnis war! Und vor allem mit Rücksicht auf Sie, Frau Lenz! Denn wenn ich jemanbem zu tiefster Dankbarkeit verpflichtet bin — so sind Sie es! Und diese Dankbarkeit verpflichtet zu strengstem Schweigen Ebba gegenüber — bis über den Tod hinaus! Und dieses Schweigen ist Strafe und Buße und Sühne! Ich will im Harzen Ebbas als ihr Schutzengel leben — als nichts anderes! — Sie soll stets nur an eine Mutter denken — an Sie —1"
Angela neigte den Kops, als sie die letzten Worte mit kaum verständlicher Stimme sprach.
Da streckte ihr Frau Lenz, einem plötzlichen Gefühl gehorchend, beide Hände entgegen.
Hnd diese Hände wurden ergriffen, mit schmerzlichem Druck gehalten, dann wieder fallengelassen.
Angela nahm aus dem Körbchen die blauseidene Decke, das Päckchen Windeln. Sie hielt das Heine Zeug in den ausgestreckten Händen und sah mit einem unbeschreiblichen Blick daraus — mit einem Blick, der Bertha Len; tief ins Herz schnitt, so voller Schmerz und Abwesenheit.
Dann drückte sie das Gesicht hinein, um den Aufschrei der Qual zu ersticken, der sich auS ihrent Herzen emporrang.
Tränen schossen Bertha Lenz in die Qlugen.
Leise ging sie hinaus, der Frau die Wohltat deS Alleinseins zu lassen — der Frau, die jetzt vielleicht die schwerste Stunde ihres Gebend durch- kämpfte, die als Sühne für ihre Schuld sich daS unerhörte Opfer auferlegte, dem heißgellebten Kind« sich niemals als Mutter zu offenbaren. —
18.
Am andern Vormittag machte Pfarrer Sturm Besuch auf den, Schlosse.
Man empsing den verdienten Seelsorger und Freund sehr freundlich. Inga brannte darauf. RähereS von ihm über Ebba zu hören. Er berichtet«, daß sie Gesellschafterin bei seiner Tochter fei.
Man war sehr erstaunt, zu hören, daß er eine Tochter hab« — niemals hatte er ja von einer solchen gesprochen — und noch erstaunter, als er daS Röt'.gfte von ihrem Künstler- und LebenSgang erzählte.
.Ah — die berühmte Künstlerin Angela Gras, deren Bild ich erst kürzlich in einer illustrierten Zeitschrift sah, ist Ihre Tochter, Herr Pfarrer?" rief Inga eifrig, .hoffentlich werd« ich fie kennenlernen!
.Wenn eS angenehm ist, wird meine Tochter sich erlauben, den Herrschaften am Rachmittag ihre Aufwartung zu machen!"
Man unterhielt sich über allerlei
2llS Pfarrer Sturm fich verabschiedete, überlegte Inga einen Augenblick: dann sagte sie kürz
.Ich mußte dich sehen, Sbba, Liebste! Ganz einfach hab' ich Herrn Pfarrer begleitet!"
Mit einer Reuaierd«, die sie nid)t ganz verbergen konnte, sah sie der jetzt langsam näher- kommenden Angela entgegen. Sie muhte die Schönheit und Vornehmheit dieser Frau bewundern, di« vom RimbuS einer hohen Künstlerschaft umflossen war.
.Die Eltern werden sich sehr freuen, gnädige Frau. Sie heute nachmittag zu sehen!" bemerfte Inga, nachdem Sbba sie vorgestellt.
Frau Angela lächelle ein eigene# Lächeln.
.Ich werd« mir die Ehre geben!“
,O — Lbba, ich habe so viel Sehnsucht nach dir gehabt! Hnd so viel hab« ich dir zu erzählen! Aus jeden Fall muß ich dich länger sprechen. Jetzt möchte ich wieder gehen, um pünktlich zu Tische zu sein!"
»Ich begleite dich!"
Als Ebba und Inga Arm In Arm durch da» Dori gingen, fuhr fast au» jedem Fenster ein Kopf heraus. Die Reu^erd« plagte die biederen Dorfbewohner zu sehr. WaS ging im Lehrerhause vor? Leider batte man die schöne Dame, bei der Sbba in Stellung war, noch gar nicht recht zu Gesicht bekommen.
ES mußte doch nicht» an dem sein, waS die Lotte Mähler geklatscht — man hatte eS gleich nicht geglaubt. Die Lotte war gerade die richtige! In Berlin war sie jetzt: die Großeltern sagten zwar, sie sei in einem Geschäft: aber da» war nicht wahr! In einem kleinen Weinrestaurant war sie Kellnerin! Sie hatte «S dem Schmied Franz ja selbst gesagt, mit dem sie immer gegangen! Die Ebba Lenz war doch eine ganz andere! Genau so fein und vornehm wie die Komtesse Inga war sie!
Ausführlich mußte Sbba nun der Freundin berichten, wa» sie seit ihrer Flucht au» Dresden getan und wie sie zu Angela Gras gekommen!
böse, sehr böse mühte ich dir eigentlich sein, Sbba! Wie hast du unS in Aufregung gestürzt! Die Matz hat dich schon unter Räubern und Zigeunern vermutet, und so wie Hanno an jenem Tag war, hab« ich ihn nie gesehen! Er liebt dich. Ebba —“
.SS war ein Traum. 3nga!" wehrte Tie müde lächelnd ab — .und viel zu schön, um Wirklichkeit au werden! Du kennst daS unüberwindliche Hindern'» —“
.Ach. ob so unüberwindlich? Kürzlich erst hat er zu Mama gefügt, daß er dich nie vergessen kann und er schwerlich eine andere heiraten wird! Vielleicht wirkt mein Beispiel ansteckend auf ihn! Denn ich behaupte meinen Willen I" Inga drückte Eoba» 3m ganz fest — .du — soll ich dir ein Geheimnis verraten? Mein Geheimni», da» für die Fain-lie aber kein» mehr ist — darum bin ich ja mit Mama sehr gespannt — Ich warte auf Shristel —" (Fortsetzung folgt)
entschlossen: .Ihr erlaubt, dah ich Herrn Pfarrer begleite; ich möchte Ebba begrüßen."
Da der Graf seine Zustimmung gab, konnte die Gräfin nicht gut widersprechen, obwohl ihr noch immer schönes Gesicht eisige Abwehr war. Inga kümmerte sich nicht darum; sie war froh, sich einmal aussprechen zu können. Zu Pfarrer Sturm hatte sie vollstes Vertrauen Sbba war doch ganz unschuldig — dah die Mama so nachtragend und ungerecht sein konnte!
Rachdenklich hörte der alle Herr an, WaS der rote Mund da hervorsprudelte.
»Lieb« Komtesse Inga, zu meinem Bedauern erfuhr ich, daß Ihr töchterliche« DerhältniS nicht so ist, wie eS wohl sein müßte!" warf er sanft mahnend ein
Inga verstand Wohl den leifen Tadel.
Erregt entgegnete sie — * trage wirklich nicht die Schuld daran ^ei^™ .rrer! Ich lasse mich nicht in eine Ehe 3tol3gCn" gegen die sich mein ganzes Ich sträubt! ist der einzige Grund, weshalb ich mit Man.^ auf -gesvanntem Fuß stehe! Hnd wenn Sie ehrrjch fein wollen. Herr Pfarrer, so müssen Sie zuu'ben, dah ich recht habe!"
.Man soll nicht mit Widerwillen in eine She gehen! Doch müssen Sie bedenken, Komtesse 3nqa, daß die Frau Gräfin nur 3hr Glück will —
.Ich weiß es. Herr Pfarrer: doch mein Glück sieht anders auS, als Mama eS will — und nie werden wir darum in diesem Punkt Zusammenkommen! Ihnen H«rr Pfarrer, kann ich eS ruhig gestehen: ich möchte die Pfarrirau von Reinshagen werden! Hnd da« ist der Mama zu wenig; sie wlll höher mit mir hinaus! Doch Christel Lenz und ich sind uns seit unserer Kinder- Acit gut, und nicht- wird mich von ihm abbringen! Mama kann auf bieten, was sie will!"
Liebevoll schaute der Pfarrer dem jungen Mädchen in das erregte Gesicht.
.Wenn Frau Gräfin sieht, dah Ihre Liebe keine törichte, romantisch« Mädchenträumerei ist. sondern die echte tiefe Frauenliebe, wird sie eines Tages sicher ein Ginsehen haben! Werben Sie um das Verstehen Ihrer Mutter in Geduld! GotteS Wege sind oft wunderbar!"
Sr begleitete Inga nach dem Schulhause zu Sbbn die mit Frau Angela im Garten war. Beide suchten Schneeglöckchen Die warmen Sonnenstrahlen hatten die ersten Frühlingsboten her- vorgelockt, und Ebba hielt schon ein Sträußchen davon in Händen
.Sbba -!"
Die Gerufene wandte sich um.
Da sah sie Inga ReinShagen» rotwangige« Gericht über dem Zaun.
.Inga!" jubelte he überrascht.
Sie lief ihr entgegen, und lachend und weinend gelten sie sich umfangen.


