Ausgabe 
17.6.1931
 
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Gießener Gtadttheater.

II. Berliner Gastspiel:Nju" von Ossip Dymow.

Don Dymow (1878 geboren) hat man gesagt, er stelle eine Mischung aus Maeterlinck und Tsche­chow dar. Das mag für seine Erzählungen zutref­fen; bei diesem Stuck hat man eher den Eindruck, Strindberg auf russisch zu erleben. Obwohl es bei Strindberg keine so lyrischen Stellen und auch jedenfalls durchaus nichts au lachen gibt. Hier sind einige Szenen nicht ganz frei von einer ungewoll­ten Komik.

*

Man wird sich vom Film, der nach diesem Stück geschrieben und seinerzeit auch hier gegeben wurde, noch erinnern, worum es sich handelt. Eine Alltags­tragödie nennt Dymow diese nicht sehr dramatische, nicht einmal allenthalben tbeaterwirksame Folge von kurzen Szenen; ein Eheschauspiel; die Geschichte einerunverstandenen Frau". Aus dem Jahre 1908.

Die Bezeichnung deutet schon an, daß das Ganze nicht mehr sehr aktuell und manchmal schon wie von vorgestern wirkt. Die unverstandenen Frauen sind seit Ibsen ein wenig aus der Mode gekommen und Heutigentages ziemlich rar geworden. (Ganz abgesehen davon, daß diese Frau Nju nicht nur unverstanden", sondern außerdem reichlich Über­spannt und manchmal einfach hysterisch ist.)

*

Die Fabel beruht auf einer bedenklichen Voraus­setzung; über die Exposition könnte man den An­fang einer kleinen frühen Novelle von Thomas Mann als Motto schreiben:Es gibt Ehen, deren Zustandekommen sich die belletristisch geübteste Phantasie nicht vorstellen kann."

So eine Ehe ist das hier: zwischen Nju, der mäd­chenhaft zarten, sensiblen, verträumten, von Launen und Stimmungen hin und hergeworfenen Frau ... und ihrem hausbackenen, nüchternen, tolpatschig verliebten, erheblich älteren Gatten.

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Es ist klar, daß Nju sich beim Ball in den jungen Dichter verliebt, der sofort auf sie eingeht. Es kommt zu einer nächtlichen Eifersuchtsszene mit wilder Revolverschießerei, als der Gatte die beiden in seiner Wohnung überrascht. Zum Glück gehen die Schüsse in der Dunkelheit daneben. Nju trennt

sich von ihrem Gemahl. Der will sie nicht hergeben, überschüttet sie mit Zärtlichkeiten, läuft ihr nach, winselt um Liebe, um Kameradschaft wenigstens.

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Sie stößt ihn zurück. Aber auch der Dichter er­weist sich als herbe Enttäuschung. Er liebt sie nicht mehr, hat sie wohl nie geliebt. Er ist übrigens jedenfalls nach allem, was er sagt weniger ein Dichter als ein ziemlich hundeschnäuziger Literat. Auch dies ist also nicht die wahre Liebe, nicht die Erfüllung. Sie reden aneinander vorbei, sie streiten und quälen sich und verstehen sich nicht mehr.

Was bleibt da übrig, als daß die von ihrem (ge­liebten verlassene Nju sich das Leben nimmt, mit dem sie nichts anzufangen weiß. (Das ist eine von den ohnehin wenigen Lösungen, die für das Ver­hältnis zu dreien im Leben und in der Literatur noch der uralten Arithmetik der Liebe zu finden waren.)

Den melancholischen Evilog spricht der Gatte; während der Dichter sich seinerTraurigkeit" wie einem ästhetischen Genuß hingibt, liest jener in Njus hinterlassenem Tagebuch; und da findet sich das überflüssige und peinliche Geständnis, daß die tote Nju ein Kind erwartete ... ohne zu wissen, wer der Vater sei. Dann fällt der Vorhang.

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Die Nju spielt die Schauspielerin Lottina B a a r t; sie erscheint für diese diffizile Rolle sehr geeignet und gibt sie etwa auf einer mittleren Linie zwischen der Koppenhöfer, an deren Profil und deren dialek­tische Schärfe man erinnert wird, ... und der Berg- ner, deren nervöse Ueberempsindlichkeit man bei ihr wiederfindet. (Die Bergner war seinerzeit die N)u im Film, neben Jannings.)

Als den Gatten sah man Ernst Ludwig Fran­ken, der in den ersten Szenen das Beste gab, sich aber bis zuletzt mit der psychologisch etwas kompli­zierten Rolle nicht ungeschickt abfand.

Als der Dritte, der Dichter, wirkte Kurt Unser: ein versierter Sprecher, ober kein Liebhaber, was anfänglich als Mangel empfunden, später jedoch aus der Entwicklung der Szenenreihe heraus gebilligt werden muß, weil es der Anlage dieser wenig sympathischen Figur entspricht.

Regie führte, mit kräftigen, theatralischen Akzen­ten im sauberen Zusammenspiel, Herr Franken.

Das Publikum bedankte sich mit Beifall für ein literarisch ernstgemeintes Stück, das freilich zum mindesten für diese Jahreszeit eine zu schwere, bittere und im Grunde recht unbefriedigende An­gelegenheit darstellt. hth.

Nie Geschichte vom Lesezeichen

Don Siegfried Jacoby.

In einem großen Lesesaal stand ein Buch

Viele Bücher sind an den Wänden, aber nicht jedes wird gleich viel gelesen. Dies bleibt ein Jahr lang wie zugebunden, jenes wird nie zur Hand genommen. Um andere reißt man sich, so daß der Leser früh aufstehen muß, soll ein anderer ihm nicht zuvorkommen.

Das Buch, von dem oben nicht zu Ende gesprochen wurde, war ein chemisches Werk. Nachdem es lange unbemerkt bageftanben hatte, fiel es einem jungen Mann in bie Hänbe. Er kam abenbs, nahm es aus ber Reihe, fanb es seinem Verlangen entsprechen!) unb begann es zu ftubieren. Daß er es unberührt fanb, machte es ihm lieb. Als Lesezeichen legte er ein Stückchen Papier hinein, bas er in feiner Tasche fanb. Dreimal in ber Woche, wenn er sein berufliches Tagewerk vollbracht hatte, kam er unb rückte bas Lesezeichen zehn Seiten weiter. Der Inhalt war keiner von benen, bie man beim Ueberfliegen faßt. Der junge Mann wollte lernen unb war gewissen- haft. Wenn es so weiterging, brauchte er ein Viertel­jahr, um bamit zu Enbe zu kommen. Wer will, be- rechne baraus bie Seitenzahl.

Er war auf Seite 107, ba entbeckte er etwas Er­staunliches, ein Aweites Lesezeichen ein hübsches, kleines Bilb zwischen ben Seiten 10 unb 11. Es war etwas stärker als bas Papierstückchen, bas noch immer ben ersten Lefegang bezeichnete, unb nicht zu übersehen. Als er bas Buch auf ben Tisch legte, schlug es sich von selber ba auf, wo bas Bild lag.

Er betrachtete es mit Muße. Es war fein unb sauber, es duftete, es gehörte einem Mädchen. Die Leserin marschierte etwa in gleichem Schritt wie er. Als er bei Seite 200 anlangte, hatte sie etwa die Hälfte bewältigt. Sie machte ihm das Buch nie strittig, war nie zu sehen. Sie hatte wohl am Vor­mittag Zeit. Auch ihr Fleiß blieb sich gleich. Ver­

folgte auch sie sein Lesezeichen? Er sah immer zuerst nach, wie weit sie gekommen war unb freute sich ihres regelmäßigen Fortschritts.

Plötzlich, er hatte gerabe bie Seite 320 um« geschlagen, blieb bas Bilb bei Seite 220 liegen. Er hatte zwanzig Seiten bewältigt, bie Leserin erst zehn. Kam sie seltener? Las sie langsamer? Er las an ihrer Stelle nach unb fanb einiges, was, wenn auch nicht ihm, Schwierigkeiten bereiten konnte.

Auf bem Bilb, noch immer Lefezeichen, war unbe­schriebener Platz. Nach langer Ueberlegung machte er mit bem Bleistift, ben er beim Lesen in ber Hand zu halten pflegte, ein Fragezeichen auf bas frembt Blatt.

Als er bas nächste Mal nachsah, war bas Frage­zeichen bünn unterstrichen. Ein Zeichen wie von einem fernen Stern. Er würbe kühn. Er schrieb mit leichter Schrift, bie man zur Not fortrabieren konnte; Kommen Sie schwer weiter?"

Die in großen, doch unverkennbar mädchenhaften Buchstaben hingeschriebene Antwort lautete:Ich verstehe die Formeln nicht mehr."

Darauf er:Samstag abend acht Uhr."

Sie kam. Es lohnte, sie zu sehen. Sie war hübsch und frisch, man durfte die Wissenschaft über ihr ver­gessen. Don nun an lasen sie zusammen. Das Lese­zeichen lenkte ihr Schicksal zum Guten.

Die Geschichte konnte sich auch anders wenden. Die Inhaberin des Lesezeichens still von den Möglichkeiten! Es soll durchaus nicht empfohlen werden, durch jedes Lesezeichen Botschaft auszu­senden.

Oochschulnacbnchten.

Professor Dr. jur. Friedrich Klausing in Frankfurt hat einen Ruf nach Marburg auf den Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht er- halten. 1921 wurde Klausing in Frankfurt Ordi­narius für deutsche Rechtsgeschichte, deutsches Privat, recht, bürgerliches Recht und Handelsrecht, einschließ, lieh Genossenschaftsrecht als Nachfolger von H. Planitz.

Der durch das Ableben von Professor P. Iren» belenburg an der Universität Berlin erledigte Lehrstuhl der Pharmakologie ist dem ordentlichen Professor Dr. med., Dr/ med. vet. h. c. Wolfgang Heubner in Heidelberg angeboten worden.

eine Mehrheit in diesem hohen Hause gewiß wäre. Diese Verbesserungsvorschläge würden dann als Gesehesnovelle zur Notverordnung in der Oktobertagung des Reichstags ihre parlamen­tarische Erledigung finden können und müssen. Jeder andere Weg führt nach reiflichster Prü­fung der Reichsregierung zu keinem positiven Ergebnis. Das mit Bestimmtheit zu erwartende negative Ergebnis sofort einsehen­der Reichstagsberatungen würde aber auf anderen Gebieten, über die Reichsregierung und Reichsbankpräsident in den erwähnten po­litischen Besprechungen keinen Zweifel gelassen haben, von den unheilvollsten Folgen begleitet sein. Diese mit zu verantworten, sieht sich die Reichsrsgierung nicht imstande. In ihrem Auf­trage habe ich daher die Erklärung zu wieder­holen, daß die R e i ch s r e g i e r u n g einen Be­schluß des Aeltestenrate-s auf Einberufung des Reichstages mit ihrer Demission beantworten würde."

Erklärung der Reichstags­fraktion der DVp

Berlin, 16. Juni. (BDZ.) Die Reichs­tagsfraktion der Deutschen Bolks- partei gibt folgende Erllärung aus:

1. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolks- partei hat stets weitere Massenbelastun- g e n und neue Steuern nur nach dem Aus­schöpfen aller Möglichkeiten der Ausgaten- senkungen und nach Der Durchführung von Re­formen nach einem einheitlichen Finanz- und Wirtschaftsplan für tragbar angesehen. Die Rot­verordnung enthält aber auf diesem Gebiet nur völlig unbefriedigende Ansätze.

2. Die Reichstags^raktion hat weitere Lasten für das deutsche Volk nur für tragbar erklärt, wenn gleichzeitig im schnellen Tempo und ent­schlossen die Revision der T r i b u t l a st e n von der Reichsregierung ingang gebracht wird.

3. Die Reichslagsfraktion hält die Reichs- regierung in ihrer gegenwärtigen Zu­sammensetzung nicht für geeignet zur Durchführung der genannten Aufgaben und ver­langt vielmehr unter der Führung des Kanzlers eine Regierung, in der für den schweren Ab­wehrkampf der Ration parteipolitisch nicht ein­seitig gebundene, vom ganzen Volk anerkannte Persönlichkeiten vertreten sind, durch die allein die Vertrauensgrundlage wieder ge­schaffen und erhalten werden kann.

4. Die Reichskagsfraklion nimmt davon Kenntnis, daß auf Grund ihrer letzten Beschlüsse zwischen dem Reichskanzler und dem Araktionsvorsihenden ein­gehende Verhandlungen über die in der nächsten Zeit auf dem tributpolitischen und innerpolitischen Ge­biet von der Reichsregierung zu ergreifenden Maß­nahmen stattgefunden haben, die zu einem vollen Einvernehmen führten. Die Fraktion vertraut darauf, daß durch die weitere Fühlungnahme ihres Vorsitzenden mit dem Reichskanzler Gewähr für die alsbaldige Durchführung dieser Maßnahmen geboten ist.

5. Die infolge der Tributkrise entstandene, durch die auÄändischen Kapitalabzüge in gefährlichstem Umfange vermehrte Krisengefahr für das ganze Deutsche Reich und seine Wirtschaft erfor­dert schnell st es Handeln. Die Gefährdung der Zahlungsfähigkeit des Deutschen Reiches ist gleichbedeutend mit einer Gefährdung der Existenz Äs Beamtentums, der gesamten Wir'schatt und ungeheurer Vermehrung der Arbeitslosigkei. Dir Reichstagsfraktion weist darauf hin, daß die Deutschnationale und die Rationalsozialistische Partei durch ihre Presse jede Bereitschaft, auch bei Erfüllung der von der DVP. vorstehend auf- ^geführten Bedingungen eine Mitverantwor­tung zu übernehmen, für die beiden genannten ''Parteien eindeutig abgelehnt haben.

, Aus allen diesen Gründen hat die Reichstags­fraktion der Deutschen Dolkspartei die von den genannten Parteien im Qlelteftenrat gestellten An­träge auf Einberufung desReichstages abgelehn t."

Nie GpO. begründet

Berlin, 16. Juni. (DDZ.) Die sozialde- kratische Reichstagsfraktion gibt fol­gende Mitteilung heraus:

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion war am Dienstag den ganzen Tag über im Reichstag versammelt, um zu den Anträgen auf Einberufung des Reichstags Stellung nehmen. Zunächst wurde beschlossen, die Einberufung des Haus­haltsausschusses des Reichstags zu verlangen, um dort die Möglichkeiten der Verbesserung der Rot­verordnung zu prüfen. Rach der ersten Sitzung des Aeltestenrats gab der Re ichs k an zle r den Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion Er­klärungen zur Rotverordnung ab, aus denen her­vorging, daß die Reichsregierung bereit ist. bei den Ausführungsbestimmungen für die QKi Iberungen von Härten Sorge zu tragen.

Von entscheidender Bedeutung für die Haltung der sozialdemokratischen Fraktion war eine wei­tere Erklärung des Reichskanzlers, er fei bereit, unter der Voraussetzung, daß das finanzielle Gesamtergebnis nicht gefährdet werde, die Ver­handlungen mit der sozialdemokratischen Frak­tion fortzusehen. Er sei auch gewillt, im ge­gebenen Zeitpunkt der Einberufung des Reichs­haushaltausschusses zuzustimmen und an seinen

Arbeiten mitzuwirken.

Angesichts dieser Erllärungen faßte die sozial­demokratische Reichstagsfraktion folgenden Be­schluß :

Nachdem die Regierung sich zur alsbaldigen Ausnahme von Verhandlungen zur Aenderung der Rotverordnung bereit erklärt hat, nimmt die so­zialdemokratische Fraktion von der Einberu­fung des Haushaltungsausschusses angesichts der bedrohlichen Finanz- und Wirt­schaftslage im gege ntoärtigcn Zeitpunkt Abstand."

Englische Kommentare.

London, 17. Juni. (WTD. Funkspruch.) Die heutigen Morgenblätter geben durchweg ihrer Befriedigung über die Abwendung der deutschen Kabinettskrise Aus­druck.

Reuter hebt hervor, daß der Kanzler durch seine Festigkeit und seine unerschütterliche Haltung einen großen Sieg errungen habe, und jetzt, vorn Reichstage und von den politischen Parteien in Ruhe gelassen, sein Programm der finanziellen Reform durchführen werde, um zu einem angemessenen Zeitpunkt eine Erleichterung der deutschen Reparationslasten beantragen könne.

Dr. Brüning triumphiert", so über­schreibtRews Chronicle" einen Artikel, in Dem darauf hingewiesen wird, daß die deutsche politische Krise, die seit einigen Tagen in der ganzen Welt Besorgnis hervorgeruseir habe, durch einen großen Sieg Brünings beendet worden sei. Trotz des Geschreies der Politiker habe der Kanzler seinen Willen durch- geseht.

Hoesch bei Briaud.

Paris, 16.Juni. Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte nach bem Empfang bes Diplomati­schen Korps burch ben Präsibenten ber Republik eine längere Unterrebung mit Außenminister Brianb.

Oie oldenburgische Regierung gestürzt.

DIbenburg, 16.Juni. (TU.) Der von ben Nationalsozialisten gegen bas Kabinett Cassebohm eingebrachte Mißtrauensan­trag würbe heute vom Lanbtag mit 24 gegen 4 Stimmen bei 20 Enthaltungen angenommen. Dafür stimmten neben ben Antragstellern bie Deutschnationale Volkspartei unb bie Kommunisten, bagegen bie Staatspartei, bie Deutsche Volkspartei unb bie Lanbvolkpartei. Der Stimme enthielten sich Zentrum unb Sozialbemokratie. Der Ministerpräsi» bent erklärte, bie Regierung trete zurück unb erwarte, baß ber Lanbtag sich eine beschleunigte Neubilbung bes Kabinetts angelegen sein lasse. Es ist anzunehmen, baß bie Rechtsparteien versuchen werben, eine Neu- bzw. Umbildung bes Kabinetts herbeizuführen. Ob sich babei eine Erweiterung nach rechts ergeben wirb, ist noch sehr fraglich, ba bie SPD., bas Zentrum unb bie Kommunisten, sowie bie Staatspartei über insgesamt 24 Stimmen von 48 verfügen.

Rücktritt des österreichischen Kabinetts.

Wien, 16. Juni. (TU.) Der Vertreter des öster­reichischen Canbbunbes in ber Regierung, Innen­minister Winkler, hat heute vormittag seinen Rücktritt erklärt. Der Rücktritt wird damit be-

Bundeskanzler Dr. End e r.

gründet, daß seine Partei nicht die Verantwortung dafür übernehmen könne, daß die Regierung wei­tere Haftungen für die Kreditanstalt eiugehe, wovon die nächste 80 Millionen Dollar betragen mühte.

Auf den Rücktritt des Ministers Winkler hin wurde der in Urlaub weitende heeresminister V a u g o i n verständigt, der am Rachmittag im

Auto in Wien eintraf. Sofort nach feinem (Eintref­fen trat der 211 l n l ft errat zu einer kurze» Sitzung zusammen, In der beschlossen wurde, dem Bundespräsidenten den Rücktritt des Ge­samtkabinetts bekanntzugeben. Wie es heißt, wird Bundeskanzler Dr. Ender mit dem ver­suche betraut werden, eine neue Regierung zu bilden.

Vertrauenskundgebung für Ender.

Wien, 16.Juni. (WTB.) Die Christlich- Soziale Vereinigung des Nationalrates hielt heute nachmittag unter bem Vorsitz bes Ob­mannes Dr. B a r e s ch eine Sitzung ab, um zu ber burch bie Gesamtbemission ber Regierung Dr. Enber geschaffenen Lage Stellung zu neh­men. Der Klub brückte bem Bundeskanzler Dr. Enber einstimmig unb unter großem Beifall bas volle Vertrauen aus unb ersuchte ihn ein- bringlich, falls er vom Bundespräsidenten mit ber Bildung ber neuen Regierung betraut wer­ben sollte, biefem Auftrag Folge zu leisten.

Gesandtenbesuch bei Schober.

Wien, 16. Juni. (WTB.) Im österreichischen Parlament erschienen heute ber englische Ge- fanbte Phipps unb ber italienische ©efanbte 21 u r i t i, bie vom Generalsekretär bes Aeußeren Peter empfangen mürben unb bann mit bem Vizekanzler unb Außenminister Dr. Schober eine Unterrebung hatten.

Oie Stützungsaktion für die Kreditanstalt.

Wien, 16. Jmri. (WTD. Meldung der amt­lichen Rachrichtenstelle.) Der Hauptausschuh des Nationalrates hielt heute abend eine mehrstündige Sitzung ab, in der Finanzminister

Lieber 500 Todesopfer bei der französischen Dampfer-Katastrophe.

ÄüftenbampferSt. Philibert".

Der französische

Paris, 17. Juni. (WTD. Funkspruch.) Sine dritte Liste mit den Namen der Opfer deS ^Unterganges desS t. P h i l i ber t" um­faßt 38 Namen. Die bisher veröffentlichten bei­den Listen brachten 465 Namen, so daß die Zahl der Opfer nunmehr mit 503 Na­men abschließt.

Heute früh werden die (Baggerarbeiten aufge­nommen, um die neue Lage des Schiffswracks

festzustellen und die Fahrtrinne totebei frei zu machen. In dem Rumps des unter- gegangenen Schiffes sollen sich noch die Leiche« von 200 Personen befinden.

Das nur 9 Meter tief liegende Wrack behin­dert die Schiffahrt, die an dieser Stelle außer­ordentlich lebhaft ist, sehr stark. DaS Wrack muh daher unverzüglich gehoben werden.