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weil die evangelische Kirch« den Staat alsGottes- ordnung bejahe, dürfe sie die staatliche Gewalt in dieser ernsten Stunde an dreierlei erinnern: Zunächst daran, daß plan mäßige und be­wußte Beschimpfung dessen, was an­deren heilig sei, die Dolksgernein- schäft an der Wurzel zerstöre. Sodann handele es sich bei der heutigen Gottlosenpropa- ganLa nicht um eine geistige Auseinandersetzung zwischen Deutschen, sondern um politische Propaganda, die aus dem Auslände nach Deutschland hereingetragen werde. Endlich müsse man sich darüber klar fein, daß die Fundamente dersozialenOrd- nung Aechtsbewußtsein, Familie und Achtung vor dem Menschenleben,, damit stehen und fallen, bah a b s o l u t e A o r m e n i m Volks­leben anerkannt werden. Dia Propaganda der kommunistischen Freidenker gehe darauf aus, alles in den Schmutz zu treten, das be­deute. wenn es gelänge, das Ende d«er deut­schen Kultur überhaupt. Welche Maß­regeln zu ergreifen seien, möge von den zu­ständigen staatlichen Organen erwogen werden. Aufgabe der Kirche aber sei es, den Beweis dafür zu liefern, daß die Kräfte des christlichen Glau­bens im deutschen Volke viel stärker seien, als die Gegner meinen.

Das Attentat

auf 0r. Goebbels.

Die Polizei bezeichnet die Berichterstattung desAngriff" als gro . cn Unfug.

Berlin, l6. März. (VDZ.) Die Feuerwerker und die kriminalistischen Sachverständigen des Berliner Polizeipräsidiums haben die Feuer­werk s k ö r p c r, die dem nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Dr. Goebbels durch die Post zu geschickt worden sind, untersucht unb bezeichnen, wie das Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger von zu - st ä n d i g e r Stelle hört, den Gedanken, daß es sich um ein Attentat gehandelt haben konnte, als absurd. Cs handelte sich um eine Papphülle, die etwa 25 Zentimeter hoch und 5,5 Zentimeter im Durchmesser hatte. Der Deckel der 'Rolle war durch Bindfaden mit einer Streichholzschachtel im unteren Teil der Rolle verbunden. Don dieser Streichholzschachtel waren die Reibflächen nach innen gekehrt und auf jeder Seite der Reib­flächen je fünf Streichhölzer so angeord­net, daß beim schnellen Oeffnen eine Entflam­mung möglich gewesen wäre. Sn der Schachtel selbst war in Papier eingewickelt etwas Schwarzpulver vorhanden, das wahrschein­lich einem Feuerwerkskörper entnommen ist. Eine Entzündung wäre schon deshalb schlecht möglich gewesen, weil dieses Pulver eingehüllt war. Sn der Schachtel selbst befanden sich ferner acht kleine Feuerwerkskörper, sog.Frösche", wie sie von Kindern als Scherzartikel benutzt werden. Das ganze war in eine Kiesschicht ein­gebettet. Wenn es zu einer Entzündung ge­kommen wäre, so hätte es lediglich einen Knall gegeben, ohne weiteren Schaden anzu­richten.

Wie die Polizei ferner mitteilt, habe jedoch große ilnruljc in der Bevölkerung die Be - richterstattung der nationalsozialistischen ZeitungDer Angriff" ausgelöst, in der von ernster Bedrohung des Abg. Dr. Goebbels die Rede war. Snfolgedessen erwägte man im Polizeipräsidium die S t e l l u n g e i n e s S t r af- antragesgegendenAngriff" wegen groben^ n fug s. Daß die ang blich Bedrohten selbst die Gefahr nicht so hoch einschähten, schließt die Berliner Polizei auch aus der Tatsache, daß die Feuerwerkskör-er bereits am Freitag­mittag bei Dr. Goebbels eingegan­gen sind, daß aber erst am Samstagmittag tele­phonisch der Polizei davon Kenntnis gegeben wurde. Der Grobe-äknfug-Paragraph ist bisher gegen die Presse kaum angewendet worden. Die Polizei kann wegen groben älnfugs allerdings Polizeistrafen verhängen. Gegen die Presse besitzt sie ein solches Recht aber nicht. Deshalb ist in diesem Falle ein Strafantrag bei der Staats­anwaltschaft notwendig. Der Polizeipräsident er­wägt einen solchen Strafantrag deshalb, weil er von einer die Bevölkerung derartig beunruhigen­den Berichterstattung wie der LesAngriffs" eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit befürchtet.

Jas Genfer Zollfriedensabkommen.

Keine Einigung über das Inkrafttreten. Frankreichs Ratifizierung fehlt noch.

G e n f. 16. März. (TLl. Funkspruch.) Die dritte Tagung der Eur opäifchen Zollwaffen- st i l l st a n ds k o n f erenz ist am Montagvor- mittag unter dem Vorsitz des früheren holländi­schen Ministerpräsidenten C o l i j n eröffnet wor­den. Sämtliche 26 europäischen Regierungen sind vertreten, die deutsche Regierung durch Ministerialdirektor Dr. Posse. Die Konferenz hat die alleinige Aufgabe, über das endgültige Snfrafltrcten, oder den Zusammenbruch des Handelsabkommens vom 24. M^rz 1930 zu entscheiden, das eine Stabilisierung der gegenwärtigen europäischen Zolltarife und ein allgemeines Verbot der Kündigung der laufenden Han­delsverträge enthält. Die Konferenz wurde mit einer kurzen Ansprache des Präsidenten er­öffnet, der feststellte, daß das Handelsabkomnkim bisher lediglich von 12 Staaten ra­tifiziert fei, und somit das Schicksal des Abkommens also in Frage gestellt sei.

Ministerialdirektor Dr. Posse erklärte, daß die de utsche Regierung bestrebt gewesen sei, die Zustimmung der gesetzlichen Körper­schaften zu dem Handelsabkommen sobald wie möglich zu erreichen, jedoch wäre es der deut­schen Regierung nicht möglich gewesen, die vor­gesehene Ratisizierungssrist vom 25. Sanuar ein­zuhalten.

Das Handelsabkommen wäre im Reichsrat jedoch bereits angenommen, der Reichstag habe dos Abkommen in der zweiten Lesung angenom­men und würde das Abkommen heute in der dritten Lesung annehmen, voraussichtlich könnte daher die Rotisizierungsurkunde in der nächsten Woche übersandt werden. Die deutsche Regie­rung müsse sich jedoch ihre Entscheidung über die Bedingungen des Inkrafttretens noch Vor­behalten und außerdem ihre Zustimmung von der Ratifizierung einer gewissen Zahl von Staaten abhängig machen, erkläre jedoch bereits, daß sie das Abkommen nur im Falle der An­nahme durch Frankreich und England in Kraft treten lassen könne.

Der Vertreter der französischen Regie­rung, Elbel, erklärte, daß das Handelsabkom­men im Hinblick auf die gegenwärtigen Verhand­lungen der gesetzgebenden Körperschaften nicht vor dem 1. April d. S. im Senat zur Ver­handlung gelangen konue.

Sm Hinblick auf diese wenig befriedigenden Er­klärungen fah sich der Präsident gezwungen, an die Vertreter der zwölf Staaten, die das Abkom­men bereits ratifiziert haben, die Frage zu richten, ob sie zu einem sofortigen, bedingungs­losen Snfrafttrctcn des Handelsabkommens un­ter sich bereit feien. Die Frage wurde von sämtlichen 12 Staaten abgelehnt, wo­bei^ jedoch Finnland, Stalien und Holland aus­drücklich das gesamte Snfrafttreten des Abkom- kommens von der Ratifizierung durch Deutsch- land abhängig machten. Der Präsident stellte sodann ausdrücklich fest, daß kein einziger Staat sich bereitgefunden habe, das Abkommen bedin­gungslos in Kraft treten zu lassen. Unter diesen llmftänben müsse das Abkommen am 1. April dieses SahreS zwangsläufig feine Wirkung unb Bedeutung verlieren, wenn man nicht sofort eine Rotlösung finde, die im Hin­blick auf die schwerwiegenden Folgen eines Zu­sammenbruchs des Abkommens notwendig sei. Er schlug sodann vor, das Handelsabkommen zunächst mit aufschiebender Wirkung zu einem spä­teren Zeitpunkt in Kraft treten zu lassen, unter der Bedingung der Ratifizierung bestimm­ter Staaten.

Dieser vcrmittlungsvorschlag wurde jedoch vom Ministerialdirektor Posse abgelehnt. Ec erklärte, Deutschland wolle zu einem endgültigen Beschluß über das sofortige Inkrafttreten des Handels­abkommens gelangen, wenn das Abkommen nicht am 1. April für die europäischen Staaten in Kraft trete, sei es hinfällig. Posse schlug da­her vor, daß lediglich über das Inkrafttreten des Abkommens zum 1. April verhandelt würde,

jedoch unter der Bedingung der Rallsizierung durch bestimmte Staaten.

Aus den Erklärungen des französischen Regierungs­vertreters entnehme er, daß begründete Aussicht der Ratifizierung des Abkommen durch Frankreich vor­liege. Durch die bevorstehende Ratifizierung seitens Deutschlands und Frankreichs sei ein großes Hinder­nis für das Inkrafttreten des Vertrages beseitigt. Der französische Regicrnngsvertreter schloß sich dagegen dem Vermittlunasvorschlag des Präsidenten an und empfahl der Konferenz, das Abkommen zu­nächst bedingungsweise mit aufschie­bender Wirkung für einen späteren Zeitpunkt anzunehmen. Der englische Ver­treter schlug den Abschluß eines Protokolls über das Inkrafttreten des Handelsabkommens zu einem Zeitpunkt vor, der auf einer späteren Kon­ferenz fc st gesetzt werden solle. Präsident (So­li jn schlug vor, das Handelsabkommen mit der auf­lösenden Bedingung in Kraft treten zu lassen, daß es zum l.Iuni oder 1.Juli d.J. außer Kraft tritt, falls bis dahin nicht die Ratifizierung von einigen bestimmten Staaten vorliegt, hierzu wurde deutscherseits erklärt, daß in diesem Falle Frankreich an die Verpflichtungen des Handelsabkommens nicht gebunden wäre, während Deutschland durch die Folge der Ratifizierung des Abkommens verpflichtet wäre, f e i n p Handelsverträge

Berlin, 16. März. Sm Reichstag wurde die zweite Beratung des Haushalts des Reichs­arbeitsministeriums fortgesetzt. Abg. Lambach (Kons.) zieht aus einem Vergleich der deutschen Arbeitslosenzahlen mit denen Englands und Ame- kas den Schluß, daß die große Arbeitslosigkeit) in Deutschland nicht zurückzuführen sei auf die Besonderheit der deutschen Sozial- und Taris- Politik oder gar auf mangelnden Arbeitswillen. Wir haben heute in Deutschland neun Mil­lionen Arbeitswillige mehr als vor dem Kriege. Die älrsache der mangelnden Deschäftigungsmöglichkeit ist die große Ver­armung des deutschen Volkes. Die Frage der hohen Tributlasten an das Ausland ist heute auch zu einem vordringlichen Problem der deut­schen Sozialpolitik geworden.

Abg. Fahrenbrach (Z.) führt aus. die Voraussetzung für eine gute Sozialpolitik sei eine gesunde Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der Reallohn dürfe nicht weiter gesenkt werden, aber notwendig fei eine weitere Senkung der Lebens­haltungskosten durch stärkeren Druck auf die Kartelle und Syndikate. Die Schlichter solllten endlich aus der Warnung des Ministers vor weiterem Lohnabbau praktische Konsequenzen ziehen.

Abg. L e m m e r (Stp.) wünscht ein schnelleres Tempo bei der Einführung des Heimstättengesetzes. Die begrüßenswerte Idee der Arbeitsgemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern werde dadurch gefährdet, daß gewisse Elemente im Unter­nehmerlager jetzt die Konjunktur zu einem General­angriff gegen die Sozialpolitik und gegen die Real­löhne ausnutzen wollen. Die Arbeitsgemeinschafts­idee kann nur bann praktische Bedeutung erlangen, wenn die Unternehmer mit der notwendigen Sauber­keit die Trennungslinie zum Rechtsradikalismus ziehen.

Die Aussprache wird bann abgebrochen und das Genfer Handelsabkommen mit 231 gegen 106 Stimmen bei drei Stimmenhaltungen an­genommen. Dafür haben gestimmt die Kommu­nisten, Sozialdemokraten, die Staatspartei, ein Teil des Zentrums, und ein Teil der Deutschen volksparlei.

nicht zu kundigen. Dadurch würde sich Deutschland bei Verhandlungen gegenüber Frank­reich in einer unhaltbaren und einseitig gebundenen Lage befinden.

Dr. Posse schlug vor, eine sofortige Vereinba­rung innerhalb des Kreises der Staaten herbei- zuführen, die das Handelsabkommen unter sich bereits am 1. April d. 3. in Kraft treten lassen wollen, um so einen unmittelbaren Druck auf die Staaten ausüben zu können, die das Abkom­men noch immer nicht ratifiziert haben. Auf englischer Seite stand man jedoch dem deutschen

Vorschlag ablehnend gegenüber.

Colijn wies darauf hin, daß die Hauptver­antwortung für das gesamte europäische Z"ll- waffenstillstandsabkommen heute allein beim europäischen Ausschuß liege. D <er könne das Handel abkommen auf seiner Ma tagung er­örtern. Damit könne die volle Verantwortung für das Schicksal dieses Abkommens auf den euro­päischen Ausschuß übergehen. Ein Snkrafttreteir des Abkommens zum Suni oder Suli d S. werde dann möglich sein, indem der europäische Aus­schuß direkt bei den einzelnen Regierungen auf die Ratifizierung des Abkommens dränge. Sn einer viel bemerkten Rede wies der Vertreter der Schweizer Regierung darauf bin, daß offenbar die Zeit für den Abschluß eines derartigen Zoll- stabilisierungsabkommens noch nicht reif sei, da die Parlamente zahlreicher Länder dieses an uch harmlose Abkommen noch immer nicht rati­fiziert hätten.

Es folgt bann bie Beratung bes nachträglich auf die Tagesordnung gesetzten Antrages Dr. Breitscheib (Soz.):

Der Reichstag spricht seinen Abscheu ge­gen die politische Mordhetze aus, bie im­mer roieber zu politischen Bluttaten führt. Die Reichsregierung wirb ersucht, im Einvernehmen mit den Regierungen ber Läpber unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, ber bie Möglichkeit bietet, bie Aufforderung zum politifchen Mord wirksamer zu bekämpfen, unb schärfere Bestimmungen über ben hanbel mit Waffen unb mit Munition bringt."

Qlbg. Sollmann (Soz.) begründet den sozial­demokratischen Antrag. Er wird dabei fortwäh­rend durch kommunistische Zwischen­rufe unterbrochen. Sollmann antwortet: Shre nervösen Anfälle werden im Lande bci den Arbeitern einen sehr schlechten Eindruck machen! Sn keinem Lande der Welt sind Politische Bluttaten so häufig wie in Deutschland. Das ist eine S ch ma chfürVolkundKultur. Wir beklagen bei diesen Politischen Mordtaten alle Opfer und wir verurteilen alle Täter, gleichviel welcher Partei sie angehören. Wir verlangen das Einschreiten des Staates gegen diejenigen, die mit den Mitteln der Gewalt die Gegner ihrer Politik unterdrücken wollen. Die Banditen und Totschlä­ger müssen aus dem politischen Meinungskampf entfernt werden. Den politischen Mördern und den intellektuellen Dlrhebern ihrer Morde muh endlich das Handwerk gelegt werden.

Abg. Hennes (Chr.-Soz.Vb.) erklärt, seine tbreunbe verurteilten bie entsetzliche Art des poli- t'schen Kampfes, wie er heute geführt wirb. Im letzten Jahre finb 300 Menschenleben in Deutschland politischen Mordtaten z u rn O p f e r g e f a H e n. (Hört! Hört!) Besonders bedenklich ist es, baß solche Mürber von manchen Kreisen noch als Helden gefeiert werden. Rein, Mord bleibt Mord, auch wenn er sich gegen den politischen Gegner richtet. Wir wollen aus dem politischen Meinungskampf nicht nur ben Mord entfernen, sondern and) jede persön­liche Verunglimpfung. Vom Staat verlan­gen wir, daß er alles tut, um solchen Gewalttaten ein Ende zu machen.

Der Reichstag nimmt das Genfer Handelsabkommen an. Sortierung ber sozialpolitischen Debatte. - Ein sozialdemokratischer Antrag fordert schärfere Bekämpjnng politischer Bluttaten.

Jetzt ists Frühling an derAppia

Von Dr. Gusiav W. Gberlem, Rom.

Rom, im März.

Die Schneeglöckchen sind längst verblüht. Vor Sahren einmal, droben im Rorden, ich weih nicht mehr, ob am Limmatquai in Zürich oder am Hauptmarkt in Nürnberg, habe ich die glän- zenden Zwiebelchen im Schaufenster liegen sehen und mir die Tasche damit vollgestopft, habe sie in meinen ©arten gepflanzt, unter Orangen und Oleander, und ganz darauf vergessen. Bis plötzlich im Februar das Wunder geschah. Cs lag Schnee und ich schrieb darüber ein Feuilleton, denn so etwas ist am Tiber kein alltägliches Er­eignis, und wie mein Blick einmal durchs Fenster fiel, jener abwesende Blick, der gar nichts sieht, da war's mir doch, als läutete es wo, ich weiß nicht, ob vom Fraumünster in Zürich oder von der Frauenkirche in Nürnberg ... eg läutete hei­matlich über den römischen Schnee .... Oster­glocken muhten es fein

Aber ich sehe schon, man kann das doch nicht beschreiben. Genug, seither kommen die Schnee­glöckchen alle Sahre wieder, mit einer rührenden Pünktlichkeit, ganz gleich, ob der Februar mit jenen trotzigen Gebärden droht oder nicht. Wochen ist's nun schon wieder her.

Die Mimosen haben ihr Gold auf der Straße verstäubt, in der Via Veneto zwischen die Räder von Mietsdroschken gestreut, als ob das Hoch­zeitskarossen wären, in die ersten Teeschalen im Freien geblasen und einem strahlenden Leutnant in die Rase, daß er niesen mußte wie ein ge­wöhnlicher Aktenmappenmensch. Frech war das. Aber schön.

Denn toenn in Rom der erste Leutnant niest, dann bricht der Frühling aus. Man braucht ihm jetzt nur entgegenzufahren. Auf der Via Anpia begegnet man ihm mit Sicherheit. Er nimmt Dort Sonnenbäder.

Gleich nach dem berühmten Grabmal der Cccilia Metclla, wo die Fremden umkehren, weil es so in ihrem Führer steht, fallen die hohen Mauern, von denen die Straße eingewandet wird, und machen den süßesten Frühlingsversen Platz, die es gibt: den blühenden Mandelzweigen, den jungmädchenhaft erschauernden Pfirsichzweigen.

Rein, dessen braucht sich kein Dichtersehling zu schämen, wenn er den ersten Lenz mit der ersten Liebe zusammenbringt, nur ungereimt sollte man'S lassen. Sch gebe den ganzen Klopstock (in Klam­mern gesagt: sogar manches Werk einer schreck­lich großen Subiläumsgroße) für einen blühen­den Pfirsichzweig.

Zu beiden Seiten marschieren jetzt Zypressen mit wie Soldaten. Sie tun so feierlich, als kämen sie gerade vom Garnisonsfriedhof, und sie stehen still vor offenen Gräbern. Gräber verlangen Ernst, Sammlung, Gesetztheit. Aber das ist ja gerade der Frühlingszauber der Appia, daß einem hier nichts ferner dünkt als ein zeremoni­eller Zylinder. Hier atmet Heiterkeit jede Gruft, die Aschenurne ist eine Vase voll luftiger Gänse­blümchen, das Ustrinum ein Tempel ber Auf­erstehung. Da ruht der ehrwürdige M. Scrvilius Quartus, man kann es lesen, dort der Quintus Apuleius Pamphilus, ich grüße Seneca und die Horatier und die Claudier und die ©uriatier.

Ruht? Ach nein, ruhte muß es heißen. Wo sind sie jetzt alle, die großen Herrschaften? Wo treibt ihr Staub durch die Lüfte? Welcher Wandervogel hat das letzte Stücklein Knochen aus der Asche jener hohen Dame mitgenommen, vor der einst Männer und Sklaven auf den Knien lagen? Koche ab, o Wanderer, und stelle die Thermosflasche in die Mulde für die Grab­beigabe! Greife, auf dem Epigraph sitzend, in k»e Zupfgeige und finge, finge: Es ist der Früh­ling kommen, mir ist so froh zumut ...

Du machst dich keiner Blasphemie schuldig. Du grüßt nur die unvergängliche Sugendseele der Via Appia. Sie weiß nichts von dem, was un­serer Eitelkeit unsterblich scheint, sie allein ist ewige Große.

Wenn die Automobile nicht den Spuren der Biga folgen würden, dann wüchsen die Gänse­blümchen auch zwischen den Vielecken des antiken Basaltpflasters. Grün wuchert. Die Pinien rau­schen im blauen Wind der Ewigkeit. Alles ist so einfach und alles ilebertreibung. Vor einem Nym- pliacum, das dazwischen einmal auch als Festung dienen mußte, liegt ein dicker Smyrnateppich aus Schnee, nein, aus weißer Wolle, nein, aus lauter Gänseblümchen. Sch werfe mich hinein und mein Bulli frißt die Zeitung. Da steht drin, daß es in Zürich seit fünfzig Stunden schneit und Züge

im Schnee stecken blieben und die Gräfin Bethlen dreimal das Bein gebrochen hat, weil sie auf vereistem Boden ausgerutscht ist.

Die Gräfin ist eine schone Frau. Sch will ihr einen Armvoll Rarzissen von der Via Appia schicken ...

Hochschulnachrichien.

Rektor unb Senat ber Technischen Hochschule Darrn stabt haben dem technischen Direktor ber Berliner Eisenhoch- unb Brückenbaufirma Breest & Eo., Dr. Hans Schmuck! er, in Anerkennung seiner hervorragenden Verbienste um bie Entwick­lung bes neuzeitlichen Stahlbaus, insdesonbere bes Stahlskelettbaus unb Hallenbaus bie Würbe eines Dr. in g. h. c. verliehen.

Amtlich wirb bie Versetzung bes o. Professors Pr. Willi) V o r k a st n e r von ber Universität Frank­furt in gleicher Eigenschaft nach Halle bestätigt; ihm wurde der Hallesd;e Lehrstuhl ber gerichtlichen Mebizin an Stelle von Prof. Pictruski) übertragen.

Professor Dr. Alfred S ch i 11 e n h e l m, Di­rektor der Medizinischen Klinik an der Hnibcrfi- tät Kiel, hat den an ihn vor längerer Zeit ergangenen Ruf an die älniversität Wien als Rachfolger des in den Ruhestand getretenen Prof. Wenckebach abgelehnt.

Professor Dr. Arnold Eucken in Göttin­gen, dem das an der Münchener Technischen Hochschule neuerrichtete Ordinariat für physi­kalische Chemie angeboten wurde, hat den Ruf abgelehnt.

Professor Dr. Dagobert Frey in Wien hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Kunstgeschichte an der ilnioerfität Breslau als Rachfolger von Prof. A. Grisebach ange­nommen.

Professor Dr. Fritz v. Bruch hausen in Münster hat den Ruf auf den durch die Emeritierung von Prof. R. Weinland an der älnmerfität Würzburg erledigten Lehrstuhl für Pharmazie und angewandte Chemie zum 1. April 1931 angenommen und bereits seine Er­nennung zum etatSmäßigen Ordinarius in Würz­burg erhalten.

Ernannt wurde Professor Dr. Georg Sovs in Sena vorn 1. April 1931 ab zum ordentlichen Professor für theoretische Physik daselbst.

OieKätibtx" für sechs Personen.

Tie Schmierendirektoren früherer Zeiten ver­fügten oft nur über ein beschränktes Personal, fühlten sich aber trotzdem verpflichtet, die klassi­schen Dramen mit der großen Anzahl von Rollen aufzuführen. Arn schlimmsten dürfte dabei wohl SchillersRäubern" mitgespielt worden sein, denn es wird uns des öfteren berichtet, daß sogar die Rollen der beiden feindlichen Brüder von ein unb demselben Schauspieler dargestellt wurden. Es gab bon den wichtigen Repertoire-Stücken Bühnenein­richtungen, die auf den Mangel an verfügbaren Kräften Rücksicht nahmen. So konnte man, wie 2llbert Boree in seinen Theatererinnerungen cr- -ahlt, für dieRäuber" eineAusgabe A für 10 Darsteller benutzen, sowie eineAusgabe B für acht und eineAusgabe C für sechs Personen. Sn dieser letzteren Fassung waren nicht weniger als zehn große Rollen und außerdem die ganze Räuberbande durch Briefe ersetzt. So wurde z. B. die Szene, in der Kosinsky auftritt, so gegeben, daß der Räuber Moor plötzlich einen Brief aus öer Tasche zieht und sagt:Schreibt mir da a junger, böhmischer Edelmann er heißt Kosinsky , i soll ihm seine Geliebte sie heißt Amalia retten helfen, die in den Klauen eines Tigers ihr Leben verseufzt. Ra, dös kenn' man jo machen." Da kann man nur sagen: Gott grüß die Kunst!

Zeitschriften.

Der Kunst wart (Callweh, München). Es ist bekannt, daß der Reichspräsident und die gegenwärtige Reichsregierung als besonders wich­tige Aufgabe die sogenannte Osthilfe betrachten. Sm Märzheft des Kunstworts befaßt sich einer Der besten Sachkenner, Hermann Ullmann, mit dem ganzen Fragenkomplex, und zwar in einer vollkommen unvoreingenommenen Weise, so daß die Ostprobleme in den weitesten historischen und volkspvlitischen Rahmen gestellt werden. Aus dem sonstigen Snhalt sei hervorgehoben ein Auf­satz über Kokoschka (mit Bildern), eine klassische Erzählung des englischen Dichters Thomas Hardy, ein Aufsatz über den schwäbischen Bauerndichter Christian Wagner, aus dessen Werk das eigen> lich Dichterische hcrausgeholt wird.

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Der Aeichskanz land zurückgekehricn ständigen zur For genen Doche begann dem Reichskanzler na teil Deichssinanznm Ix'itSimnistcr Dr. 6 tär im Veichswirtsc lenburg, Reichs und von der preuhisö Dr. Höpker-Af' Dr. Schreiber, s o r t g es ü h r t we vor allem die Frc schäft. Auch die l rung der neuen endgültig gelöst.

Im Laufe des spä chends trat in bei Leichskanzlers DerschUmmerut sich im Laufe des Hchwache bemerkt Zustand des Kranken

Die Reichstagssro »alen Dolkspa stark besuchte Sitzunc glückwüuschte der Al der Fraktion Dr. 0 b burtstage. Danach wt der politischen Lage d menben Arbeit murde, und zwar nc schaftlichen Abgeordn «Ntik geübt, die der gestrigen Weimarer ' gemacht hat.

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