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Jft hat durch Verfügung I« - öle Auslösung der
■Beuern genehmigt. Dir Mn. Zum Liquidator ist
m ausgcsordert, ihre Jor- stkanntmachung des Aus dcrnsalls sie bei der Aer» ng bedarj es nicht, wenn hung aktenmähig gellend
inem der nächsten Amls- ung.
,'senschaft.
leister.
äages in Oberschlesien.
inben des Kreiser.
in obiger Angelegenheit, 16, weisen wir hiermit zur
Kinkel.
samles.
die Bertriebszeit der Los- im Bolksstaat Hessen zu mg und Bekämpsung der :rt wird.
?t des Dolksstaates hes,en lerussarbeiter der Inneren Geldspenden durch Ausruse 11932.
Hr. 64 Erstes Statt
181. Jahrgang
Dienstag, IZ.Hlärj 1931
6t Id) e in 1 lüglich, «mtza Sonntage anb feiertags Beilagen thf 30urtriert»
Etetzrnri Jantihenblitt« Heimo« im Bild
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Monal, Sejugroretr.
2.20 NeichsmarK und 30 fReidjsptenmg ftu Träge» Lohn auch bei Nichterscheinen emjelner'Jhimmern infolge höhere, Gewalt, Hernl'irechanlchlüste
anterSammelnummer2251 Snldjnfl tüi Drahtnach- eichten Bnjetger -testen, poßscheckionio:
$ra*f1urt am Main 11686
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur.
Dr Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für Öen Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biegen.
Ein verlorenes Treffen.
Der Sport möge verzeihen, daß die Politik in seine Regionen eindringt. Es gibt aber gewisse Dinge, die namentlich in unserer bedrängten Gegenwart von der politischen Betrachtungsweise nicht zu lösen sind, ilr.ö dahin gehört sehr sogar das erste Fußballspiel zwischen den Rationalmannschaften von Deutschland und Frankreich, das am letzten Sonntag im Stadion von Colombes stattsand. Das Spiel hat einen fast symbolhaften Dcr.aus genommen: D e deutsche Rationalelf unterlag mit dem einzigen Tor des Tages, und sie schoß cs auch noch selbst — in ihr eigenes Tor.
Das deutsche Publikum, das aus sportlichem Interesse an der Pariser Veranstaltung teilnahm, hat politisch auch ins eigene Tor geschossen; cs trägt mit die Schuld daran, daß mindestens st immun gsm ätz ig für Deutschland hierbei auch auf politischem Felde ein Treffen verloren gegangen ist. Wenn die Rleldungen richtig sind, daß fünfzehntausend Menschen aus dem Reiche teilweise in Sonderzügen nach Paris verfrachtet wurden, um dieser ersten RachkriegsZegegnung von zwei Rationalmannschaftcn auf dem Fußballplatz beizuwohnen. so verrät das mehr als regstes sportliches Interesse; es verrät eine ebenso bedauerliche wie bedenkliche nationalpolitische Instinktlosigkeit. Richts gegen den Sport als völkerversöhnendes Eleinent! Richts gegen die sportliche Betätigung deutscher Staatsangehöriger im Ausland, also auch nichts gegen diese Fußballreise nach Paris, obwohl man freilich hätte wünschen müssen, daß sie nicht so repräsentativ ausgezogen worden wäre. Denn hier bereits begannen die ersten Peinlichleiten, Dinge, die der so sehr auf sein Prestige bedachte Franzose noch sehr viel schärfer empfunden haben wird als ein großer Teil der deutschen Oefsentlichkcit. Roch vor dem Eintreffen der deutschen Mannschaft auf französischem Boden hörte man. daß, um Reibereien und feindselige Demonstrationen des französischen Publikums zu vermeiden, die beiden Rationalhymnen nicht gespielt werden sollten, obwohl das sonst bei derartigen repräsentativen Sportbegegnungen schön r Brauch ist. Erst vierundzwanzig Stunden vor dem Spiel muhte der französische Außenminister vermutlich auf Ersuchen der deutschen Botschaft, dekretieren, daß di« Rationalhymnen gespielt werden sollten. Die französischen Veranstalter zogen sich in einer geradezu verletzenden Weise dadurch aus der für sie os,en- bar peinlichen Affäre, daß sie erklärten, in ganz Paris fei nicht eine einzige Schallplatte mit dem Deutschland-Lied aufzu reiben gewesen, so daß das cr'aunle Spvrtpublikum statt dessen ein Potpourri zu hören bekam, in dem die ersten Takte des PreuhenliedcS den Ton an gaben.
Zufall oder Absicht: Wenige Tage zuvor hatte der berüchtigte Professor Friedrich Wilhelm Förster vor der polnischen Propagandazentrale in Anwesenheit hervorragender Persönlichkeiten der französischen Politik und des polnischen Gesandten einen Vortrag über d i e „Verpreu- ßung Deutschlands" gehalten, in dem er FranKeich und Polen geradezu beschwor, unter allen Umständen am Versailler Diktat festzuhalten, auch nicht abxurüften, und überhaupt Deutschland keinerlei Zugeständnisse zu machen! Der polnische Diplomat klatschte natürlich zu der Auf- forderung Försters demonstrativen Beifall, und man wird es uns nicht verübeln dürfen, wenn wir nach solchen Vorgängen die verschiedenen Pannen bei der deutsch-französischen Sportbegegnung mit besonders geschärftem Mißtrauen verfolgen. Die Marseillaise selbstverständlich kam klar und deutlich zum Vortrag, und was vorher bei der verpatzten deutschen Rationalhymne wie Ironie, wie beabsichtigter Hohn wirkte, bedeutete für das gesamte französische Sportpublikum im Stadion von Eolombes eine sehr betonte Demonstration des einheitlichen nationalen Willens, von dem ganz Frankreich uns gegenüber beseelt ist. Daß angesichts solcher Vorgänge die französische Fußballmannschaft eine Einladung des deutschen Botschafters zum gemeinsamen Tee mit den Sportvertretern Deutschlands nicht annahm, sondern die Rotwendigkeit eines älebungsspiels als Entschuldigung vorschob, klingt hiernach fast wie eine Sclbst-
• Verständlichkeit.
Am grav erendsten aber ist unserer Meinung nach die Tatsache, daß alles dies sich sozusagen unter den Augen von fünfzehntaufend Reichsdeutschen ab'pieten konnte, daß cs der sehr regen Propaganda für dies Sportereignis gelang, fün zehntausend Menschen über den Rhem nach Paris zu ziehen. Hat niemand unter diesen fün> zehn tausend an die Wirkung einer derartigen Invasion auf die Mentalität der französischen Bevölkerung gedacht? Hat sich niemand überlegt, daß das deutsche Volk sich derartige Dinge einfach nicht leisten darf in einem Augenblick, da die Reichsregierung und alle sonst dazu berufenen politischen und wirtschaftlichen Sielten Deutschlands alles tun, um eine vernünftige Lösung der Tributfrage vorzubereiten? Wie will man es denn heute dem französischen Rentner und Bauer begreiflich machen, daß das deutsche Volk sich amRande des Abgrundes befindet, wenn das gleich« Deutschland imstande ist, für fünfzehn- tau end Menschen die Mittel zur Teilnahme an einer Sportbegegnung aufzubringen! Seien wir sicher, daß uns diese Argumente früher oder später von der französischen Presse um die Ohren geschlagen werden, und so sehr jedermann in
Oie Verwilderung der Gitten im politischen Kamps.
Oie Hamburger Bluttat.
Festnahme der Täter.
Hamburg, 16. März. (IDIB.) Amtlich. Die kriminalpolizeilichen Nachforschungen in der An- gelegenheit der Erschießung des kommunistischen vürgerichastsmitgliedes Henning haben dazu geführt, daß zwei an der Tat beteiligte Personen sich selb st der Polizei gestellt haben. Es sind dies der am 16. Februar 1959 in Segeberg geborene ledige srühere Polizeiwachtmei- st er Albert Ern st Jansen und der am 27. Mai 1905 in Wittingen, kreis Isenberg, geborene Handlungsgehilfe Otto Ernst Heinrich Bammel Beide sind Mitglieder der Rational- s o z l a l i st i s ch e n Partei. Der dritte Täter ist der am 11. August 1903 in München geborene Hans Aloys hoeckrneyer, der gleichfalls Mit- glied der Nationalsozialistischen Par- l e i ist. Er wurde im Stadtteil St. Georg auf offener Straße fest genommen. Jansen hat hat ausgesagt, datz er Henning für dasBür- gerschaftsmitgliedAndrsgehalten und plötzlich in sinnloser Wut aus ihn geschossen hatte. Bammel will sich ohne Heber- legung an dieser Schießerei beteiligt haben. Beide bestreiten, daß eine Verabredung vor- gelegen hätte. Diese Aussagen stehen in Widerspruch zu den bisherigen Zeugenaus- sagen, die eine planmäßige Vorbereitung der Tat vermuten'lassen.
Die bei dem Anschlag verletzte Lehrerin ist gestern im Krankenhaus operiert worden; der Eingriff ist g l a I t o e r l a u f e n. — In der Bürger- schäft hat die D v P. einen Antrag eingebracht, in dem der Senat ersucht wird, bei der Reichsregierung darauf hinzuwerken, daß der Transport von Personen aus Lastkraftwagen durch relchsgefehliche Vorschriften an eine polizeiliche Genehmigung gebunden wird. — In einem Flugblatt der Kommunistischen Partei wird zu einem politischen Massenstreik in den Betrieben am Tage der Einäscherung des ermordeten Henning aufgefordert.
Eine Erklärung der Gaule lung Hamburg der ASDAp-
Hamburg, 16. März. (CRD.) Zu der Mordtat in den Vierlanden giot die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, GauHamburg, folgende Erklärung ab: Die Täter sind zur Zeit der Tat Mitglieder unserer Partei gewesen. Ihre Tat w'.rd von uns auf das schärf st« Der« urt« ilt. S.e haben sich hiermit ausunscren Reihen auf Grund der Anordnungen unseres Führers Adolf Hitler selbständig ausgeschro'- s e n. D'.e Gauleitung hat, nachdem sie cr'ahren hatte, wer die Täter waren, sofort die Polizei mit den Ramen derselben bekannt gemacht und zwei der Täter veranlaßt, sich Dienstag 2.30 Uhr freiwillig zu stellen, was auch geschehen ist. D r Ram« des dritten Täters ist ebenfalls der Polizei mitgeteilt worden. Die besonders verabscheuungswürdige Art und Weise der Ausführung der Tat hat
bei mrs den Eindruck erweckt, daß die Täter I durch Locksp itzel zu ihrer Tat veranlaßt worden sind.
Eine Erklärung Hitlers.
München, 16. März. (ERD.) Zu dem Anschlag auf das kommunistische Hamburger Dür- gerschaftsmitglied Henning ve öfscn icht Adolf Hitler soeben folgende Erklärung: Ich bedauere und verurteile die Tat der Hamburger Parteigenossen auf das schärfste. Ich sehe ober in den Tätern nur die unglücklichen Opfer einer seit Monaten ungestraft betriebenen Blut - und Mordhehe der kommunistischen Antifcr. Zahlreiche Parteigenossen sind dem verbrecherischen Witten dieser Mordpropaganda zum Opfer gefallen, offensichtlich ohne daß die staatlichen Behörden zu einer entsprechenden Abwehr geschritten wären. Soeben ist wieder ein junger Rationalsozialist von diesen Mordbuben erschossen worden, wäh- rend ein anderer auf daS schwerste verwundet, augenblicklich noch mit dem Tode ringt. So sehr ich daher die Tat verurteile, so groß ist mein Mitleid mit den verirrten unglücklichen Parteigenossen, die sich durch ihr Handeln selbst aus der Bewegung ausgeschlossen haben. Das menschliche Mitleid aber zwingt mich, sür ihren Rechtsschutz um so mehr aufzukommcn, als dadurch vielleicht die Möglichkeit geboten wird, das gesamte Deutschland auf die Leiden aufmerksam zu machen, denen heute Zehntausende von Rationalsozialisten wegen ihrer deutschen Gesinnung w Heios preis- gegeben sind. Ich habe daher Rechtsanwalt Dr. Frank II. (München) beauftragt, die Verteidigung der drei Täter zu übernehmen und werde die Kosten hierfür aus Eigenem bestreiten.
Llmfaffendes Zeitungs- und Versammlungsverbot.
Hamburg 16. März. (WT2) Der Hamburger Senat hat heute auf Grund des Artikels 48 Absatz 4 der Rcichsverfassung eine Verordnung erlassen, die das Erscheinen unddieVer- breilung der nationalsozialistischen Zeitungen ^Hamburger Tageblatt" und „Blatt der Riedc;. a sen", sowie der kommunistisch e n B l ä t t er »Han burgcr Do k^zcitu g" und ^Rorddeu.she Zeitung' und aller Er io Yb a.ter mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres verbietet. Gleichzeitig werden bis auf ^weiteres Versammlungen der RSDAP. und der KPD. sowie der Hilfs» und ilnterorgani- sationen und Gruppen dieser Parteien unter freiem Himmel und in geschlossenen Räumen verboten. Um- und Aufzüge sowie Versammlungen jeder Art unter freiem Himmel sind nach der Verordnung nur mit polizeilicher Genehmigung zulässig.
Oas Urteil im großen Kasseler Kommunistenprozeß.
Kassel, 16. März. (111.) Im großen Kasseler Kommunistenprozeß wegen Sprengung einer nationalsozialistischen Versammlung in Greben st ein wurde nach mehrtägiger Ver- Handlung am Montagabend das Urteil gegen die Angeklagten, 93 Mitglieder des Kampfbundes gegen den Faschismus, gefällt. Don den 93 Angeklagten wurden 8 2 fr eigesprochen. Zwei Angeklagte würden wegen Hausfriedensbruchs und schweren
Landfriedensbruchs z u j e f e ch s M o n a t c n 3 ro c l Wochen Gesängnis, zwei weitere wegen schweren Landfriedensbruchs zujcscchsMona- ten Gefängnis verurteilt. Drei Angeklagte erhielten wegen einfachen Landfriedensbruchs drei Monate, zwei andere wegen Hausfriedensbruchs je zwei Monate, ein weiterer Angeklagter wegen Hausfriedensbruchs einen Monat Gefängnis. Ein jugendlicher Angeklagter wurde zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.
Gegen die Verrohung des polttischen Kampfes.
Ein ernster Appell deS Kasseler Landcskirchentags.
WSR. Kassel, 16. März. Der Lande-- kirchentag Hessen-Kassel hat eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Mit ernster Sorge sieht der Landeskirchentag eine in erschreckendem Ausmaß zunehmende Verwilderung der Sitten beim Austrag politischer undweltanschaulicher Gegen s ä tj c. Wir verkennen nicht, daß die wirtschaftliche Rot, die gegenwärtig schwer auf breiten Massen unseres Volkes lastet, geeignet ist, die Gemüter zu verbittern, die Leidenschaft zu erhitzen und die Gegensätze zu verschärfen. Die Landeskirche kann zwar die äußeren Quellen, aus denen diese Rot flicht, nicht verstopfen, weiß sich aber verpflichtet, die Röte in helfender und seelsorgerischer Liebe zu mildern. Darüber hinaus aber fühlen wir uns verpflichtet, unsere cpangeli- -schcn Glaubensgenossen in allen Parteien daran zu erinnern, daß toi r alle der Ordnung und den Gesetzen des Staate« Achtung und Gehorsam schuldig sind, und daß Leidenschaft und Haß nicht aufbauende, sondern zerstörende Kräfte innerhalb der Volksgemeinschaft sind. Wenn in Versammlungsräumen und auf offenen Straße politische oder toeltanschauliche Meinungsverschiedenheiten nicht selten in gewalttätiger Weise ausgetragen werden, wenn dabei manches blühende Menschenleben zugrunde gerichtet, ja, wenn sogar mit bl ui gern Bürgerkriege gedroht wird, so dürfen wir zu solchen Erscheinungen des öffentlichen Lebens nicht schweigen. Wir warnen nachdrücklichst vor solchem Spiel mit dem Feuer, rufen zu gegenseitiger Duldung und brüderlichem Derstehen auf und richten an alle die ernste Mahnung, an der ilebcrtoinbung solcher beklagenswerten öffentlichen Mißstände mit* zuarbeiten.
Die Propaganda der Gottlosen.
Eine Mahnung des (Heneraljuper- inlcndcnlen Dibelius.
Berlin, 16.März. (Täl.) In einer Predigt am letzten Sonntag ging Generalsuper- intenöent D. Dr. Dibelius auf die bevorstehende Konferenz der deutschen Innenminister ein, die sich mit der kommunistischenGott- losen-Propaganda beschäftigen soll und sagte u. a.: Es müsse Klarheit darüber sein, daß es bei den geplanten Schutzmaßnahmen nicht um die Kirche gehe, sondern um den Staat. Die Kirche wünsche ihren Kampf gegen den Angriff des Aktivismus nicht mit Gesehen und politischen Verordnungen zu führen. Sie brauche nur Freiheit für d i e Entfaltung ihrer inneren Kräfte, aber cs gehe um den Staat, älnd
Deutschland weiß, daß diese Betrachtungsweise schief ist. so sehr hätten wir doch gewünscht, kmh auch die Sportbegeisterung etwas mehr i m Rahmen einer selbstverständlichen nationalpolitischen Disziplin geblieben wäre, um der französischen Propaganda gegen uns gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, auch nur mit solchen schiefen Beweisgründen gegen Deutschland zu operieren.
Oie Behandlung Weingartners in Frankreich. Paris, 17.März. (WTB. Funkspruch.) Die sozialistische .Erc Rouveile" protestiert gegen die Behandlung Weingartners durch die sranzö.ischcn amtlichen Stellen. Das Blatt schreibt: Die geistige Zusammenarbeit sei das erste Bestreben des Vö'.k.rbundes gewesen. Roch bevor Deutsch- land in den Völkerbund eintrat, hätten deutsche und französische Gelehrte, Wissenschaftler und Künstler die Grenze in beiden Richtungen überschritten. Man wolle sich nicht mit der Frage aushalten, ob Weingartner seine älnterschrift unter dem Manifest der 93 zurückgezogen habe oder nicht, und ob er Deutscher, Oesterreicher, Schweizer oder Italiener sei. Man wolle nur die grundsätzliche Frage aufwerfen: Darf heutzutage, während man für die Annäherung Deutschlands und Frankreichs arbeite, ein deutscher Künsller, der 1914 inmitten der entfesselten Leidenschaften aller Völker das Manifest der 93 unterzeichnet hat, in Frankreich „als unerwünscht" angesehen werden? Habe man von den zahlreichen französi schen Schriftstellern und Künstlern, die in den letzten Jahren in Berlin mit Beifall ausgenommen wurden, Rechenschaft verlangt, über das, was sie während des Krieges dach- |
ten oder über die Worte, die sie aus Patriotismus damals ausgesprochen hätten? Habe nicht auch Stresemann 1914 und 1915 Annek- tiondabfic.yten vertreten und doch sei er in Paris mit Beifall begrüßt worden, als er den Kellogg- Antikricgspakt unterzeichnete?
Nationalsozialismus und katho ische Kirche.
Ein Bischosserlaß der Erzdiözese Paderborn.
Berlin, 17. März (CNB.) Dem Beispiel der Kölner Kirchenprov..z folgend, haben jetzt auch die Bischöfe der Paderborner Kirchen- Provinz eine Kundgebung erlassen, in der sie zu dcn großen öffentlichen Gegenwartsfragen Stellung nehmen. Eingangs wird auf das immer herausfordernder sich gebärdende Treiben der F r e i d e n ; ter hingewiesen. Zur Abwehr der Gefahren für Kirche und Staat wird mit Nachdruck zur Einheit und Geschlossenheit gemahnt.
Ein besonderer Teil der Kundgebung befaßt sich mit dem „Nationalsozialismus". Dazu sagt die Kundgebung u. a.: Der Nationalsozialismus ist nicht nur eine politische Partei, sondern a u ch ei n e Weltanschauung. In dieser Eigenschaft nimmt er zur Religion Stellung und erhebt Forderungen auf religiösem Gebiet. Das Programm der NSDAP, sieht namentlich im Paragraphen 24 im offenen Gegensatz zur katholischen Religion. Der Satz: „Freiheit aller religiösen Bekenntnisse, soweit sie nicht gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Raste verstoßen, ist direkt gegen die christlichen Grundsätze gerichtet, denn er macht das Gefühl einer Rasse zum Richter über religiöse Wahrheiten, über Gottes Offenbarung
und über Zulässigkeit des von Gott gegebenen Sittengesetzes. In seinen letzten Konsequenzen leugnet er den universalen Eharakter der katholischen Kirche. Auch in dem sonstigen Schrifttum der Partei ist die Behandlung religiöser Fragen im Geiste des Nationalsozialismus teils eine sehr verschwommene und phrasenhafte, teils direkt feindlich geqen die katholische Kirche. Bei den Nationalsozialisten vermissen wir das bestimmte unwandelbare religiöse Programm. Dazu kommt, daß die Nationalsozialisten in vielen Fällen die Gegner ihrer Anschauungen unter Anwendung von Gewalt bekämpfen oder damit bedrohen, sogar das Recht-des Gebrauches gewalttätiger Mittel für sich in Anspruch zu nehmen.
Mögen auch viele Katholiken durch die älnzu- sriedenheit mit heutigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen sich zum Anschluß an die RSDAP. haben bestimmen und durch religiös ftirgenbe R^d ^e"dungen von Wahlredem haben täuschen l s cn, so h g n wir doch daS Ver'.rauen, daß sie in ernster Erwägung der vorstehenden Gedanken und angeführten Tatsachen die pflichtmäßige Warnung ihrer Oberhirten, die einzig aus religiösen Gründen cr'olgt und sich mit den Warnungen der Übrigen Bischöfe Deutschlands deckt, zur Richtschnur ihres ferneren Verhaltens nehmen. Da jeder, der einer Partei bei» tritt, das ganze Programm der Partei und ihre Arbeit in ihrem Geiste unterstützt, so ist f ü t katholisch e Christen die Zugehörigkeit zur RSDAP. unerlaubt, „solange und soweit sie kulturpolitische Auffassungen tunb- gibt, die mit der katholischen Lehre nicht txreinbat sind".
Die Kundgebung ist unterzeichnet von Erzbischof Caspar (Pad:rbern). Bischof Josef Damian (Fulda) und Bischof RicolauS (Hildesheim).


