Ausgabe 
17.2.1931
 
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es sich Herr Brüning aber einfallen lassen, an­gesichts der Aussichtslosigkeit seiner Lage die Diktatur der schwarzroten Koalition zu er­richten, dann würde die nationale Opposition diesem Versuch nicht tatenlos zusehen.

Kündigung in Ruhrbergwerken.

Essen, 16. Februar. (WTB.) Infolge Absatz­schwierigkeiten hat sich eine Anzahl Bergbauunter­nehmungen genötigt gesehen, beim Stillegungskom­missar Entlassungen von Arbeitern in größeremUmfangezu beantragen. So wollen die Bergwerksgesellschaften Hibernia in Herne auf ihren SchächtenSchlägel und Eisen I und II" in Herne undBlumenthal" in Recklinghausen i m ganzen450Arbeiter,die Vereinigten Stahl­werke AG. in Essen auf ihren ZechenFröhliche Morgensonne" undZentrum I/I1I" zusammen 590 Arbeiter und Angestellte, die Berg­baugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke auf den Schachtanlagen IV, VIII, III/VII, Wcstende und Zentralkokerei Westende 1600bis 1700Ar- b ei ter entlassen. Die Vereinigte Stahlwerke AG. in Essen nimmt an, daß über ihre Anträge hin­aus in der nächsten Zeit noch weitere Kün­digungen ausgesprochen werden müssen.

Anläßlich der Bundesgründungsfeier des Reichsbanners am 22. Februar ist es der Leitung des Bundes gelungen, mit dem Ber­liner Polizeipräsidium Vereinbarungen zu treffen, nach denen das Reichsbanner in geschlosse-

schlecht, aber leise und taktvoll sagt es, um nieman» den zu blamieren:

Die Birne schmeckt aber sehr nach Apfel."

Wie wir erfahren, empfing der Kanzler den Führer der Deutschen Volkspariei, Abgeordneten Dingeldeh, zu einer längeren Aussprache, in der alle aktuellen Tagesfragen erörtert wurden. Dabei dürfte es sich auch um den Vertrag der preußischen Staatsregierung mit der Evangelischen Kirche gehandelt ha­ben. Wie verlautet, hat diese Frage in den letzten Tagen eine erhebliche Zuspitzung erfahren, da Preußen bisher nicht zu einer Schuhbestimmung gegen parteipolitische Einflüsse dei der Besetzung der obersten Kirchenämter za bewegen war.

aus dem Reichstag an jedem Sitzungstag rund 3000 Mk. an Diäten eingespart würden. Es heißt dann weiter: Wenn der Rumpfreichstagfleißig" wäre und, sagen wir, in diesem Jahre nur noch 100 Sitzungen abhielte, würden 300 000 Mk. zur Verfügung stehen, die im Sinne unseres An­trages an die Bedürftigsten unter den ausge­steuerten Erwerbslosen zur Verteilung kommen konnten. Das ist ganz unstreitbar eine Summe, mit der sich sehr viel Rot und Elend in diesen Kreisen lindern liehe. In Ihrem Schreiben vom 14. d. M. geben Sie ja selbst zu, daß infolge unseres Auszuges aus dem Boungparlament gewisse Beträgein der Reichstagskasse" v e r b l e i b e n. Ganz überflüssigerweise fügen Sie hinzu, daß über diese Beträge nicht wir zu verfügen hätten, da sie uns nicht ge­hörten. Wir haben nicht dergleichen behauptet, sondern lediglich beantragt, der Reichstag wolle beschließen, diese Beträge nicht in der Reichskasse zu belassen, sondern sie dem ge­dachten Zwecke zuzuführen. Das Recht, einen solchen Antrag zu stellen, wollten Sie uns nicht nur pflichtwidrig bestreiten, sondern Sie haben darüber hinaus den unqualifizierbaren Versuch gemacht, unsere Handlungsweise und die Motive, denen sie entsprang, in der gröblichsten Form im Interesse Ihrer Partei agitatorisch gegen uns auszubeuten.

Die Fraktion der Wirtschaftspartei des Preußischen Landtages teilt ihre Z u - stirnrnungzu dem Volksbegehren des Stahlhelms mit. Eie trete für das Volks­begehren schon deshalb mit Rachdruck ein, weil sie als erste Fraktion des Preußischen Landtages mehrfach Anträge auf Auflösung des Landtages eingebracht habe. Die Partei stehe demnach rest­los hinter dem Volksbegehren.

Die Krise in der Wirtschaftspartei,die mit dem Austritt des Reichstagsabgeordneteni Colosser endete und ihren vorläufigen Ab­schluß in der Erklärung des jetzigen Parteivor­sitzenden Drewitz gefunden hatte, er werde ge­gen Colosser die Beleidigungsklage an- strengen, zeitigte spater ein Flugblatt, in welchem nun Colosser angegriffen wurde. Jetzt hat Colosser daraufhin gegen Drewitz Belei­dig ungs klage angestrengt. In dieser Klage wiederholt Colosser alle öffentlich gegen Dre­witz erhobenen Angriffe.

Die Vorfinanzierung des Reichs« bahnvorzugsattiengeschäfis.

Berlin, 16. Febr. (WTB. Amtlich.) Die Verhandlungen über die Veräußerung der Forderungen, die das Deich an die Reichs­versicherungsanstalt für Angestellte aus dem Verkauf von Reichsbahnvorzugs­aktien hat, sind abgeschlossen.

Hiernach erhält das Reich den Gegenwert von 18 der zwischen ihm und her Reichsversiche­rungsanstalt für Angestellte vereinbarten Mo­natsraten in einem Gesamtbeträge von rund 11 9,5 Millionen Reichsmark auf der Grundlage eines Diskontes von 6,5 Prozent noch vor Abschluß des Rechnungsjahres 1930 ausge­zahlt, so daß die im Haushalt für das Rech­nungsjahr 1930 a ls Einnahme aus dem Ver­kauf von Reichsbahnvorzugsaktien veranschlagte Summe von 300 Millionen Mark damit er­reicht ist.

An der Transaktion sind folgende Ban­ken beteiligt: Lee Higginson & Co., Danque de Paris et des Pays Das, Schweizerische Kre­ditanstalt, Schweizerischer Bankverein, R. M. Rothschild and Sons, Baring Brothers & Co. Ltd., Higginson & Co., I. H. Schroeder & Co^ Mendelssohn & Co., Amsterdam, Aederlandsche Handel-Maatschappij R. V., Skandinaßtska Kre- ditaktiebolaget.

in weitausladenden Klängen, wie auch für das Abgeklärte, Entrückte in derSapphischen Ode", die sie ganz in der mezza voce durchführte.

Wogen der Begeisterung durchzogen das leider nur schlecht besuchte Haus, die sich mit jeder Zu­gabe (fünf Gesänge von Brahms, Händel, Schu­bert, Wolf) steigerten.

Am Flügel war Dr. Stefan Temesvarh, zu­mal bei Schubert und Brahms, wie immer, als ein Gleicher, Mitschaffender tätig; die Begleitung einigen Zugaben trug stark den Charakter des Improvisierten.

Man wird Eva Liebenberg in kommenden Zei­

gen Krise eingenommen hat, beschäftigt die Oef- fentlichkeit in erheblichem Maße. Man geht davon aus, daß König Alfons XI11. die Forderung San- chez Guerras, seine Funktionen wäh­rend der Tagung der Konstituante ruhen zu lassen, angenommen hat. Der Madrider Sonderberichterstatter desJournal" erklärt dazu, diese Forderung Sanchez Guerras genüber dem König sei noch dadurch besonders peinlich geworden, daß der König die Verpflich­tung übernommen habe, in einem zu veröffent­lichenden Dokument die von ihm gebillig­ten Bedingungen be k a n n t z u g e be n. Sc, unwahrscheinlich es auch klänge, der König Hobe alles angenommen. Wenn die ver- verfassunggebende Versammlung das Verhalten des Königs als gerechtfertigt anerkenne, würden sich seine Gegner verpflichten, ihm alle seine Rechte zurückzugeben und sich ihm gegen­über als loyale Untertanen betrachten. Welches Risiko stelle diese Volksabstimmung für Al­fons XIII. dar, der doch im Laufe seiner Regie­rungszeit in Hunderttaufenden von Fällen Un­zufriedenheit habe Hervorrufen müssen! Welcher Triumph wäre es für ihn, wenn er diese Krise siegreich überwinde!

Fünftagewoche in der Berliner Metallindustrie.

Berlin, 16. Febr. (ERB. Eigene Meldung.) Wie dieD. Z. am Mittag" mitteilt, ist heute das Abkommen in Kraft gesetzt worden, das zwi­schen den Gewerkschaften und dem VerbandDerlinerMetallindustriel- ler abgeschlosfen wurde zu dem Zweck, einen weiteren Abbau von Angestellten und Ar- beitern zu verhindern. Die Durchführung des Abkommens bedeutet für die Arbeiter die Einführung der Fünftagewoche, für die Angestellten späteren Arbeitsbeginn und früheren Arbeitsschluh.

Wie von Stahlhelmseite mitgeteilt wird, hat die Zahl der älnterschriften für das Volksbe­gehren des Stahlhelms bereits 20000 überschritten. Die Sammlung der Unterschriften! dauert an. Im Laufe des Dienstags wird die Unterschriftensammlung an den preußischen Innenminister weitergeleitet werden.

immer wieder gern in Gießen begrüßen. Dr. H.

problematisches aus der Kinderstube. Von Dorothea Hofer-Oernburg

Abends im Bett gibt es eine Birne. Es ist eben schön, wenn man alle Prozeduren hinter sich Hot, wenn sie oufhören, einem mit allem möglichen in Rase und Ohren herumzubohren, mit kaltem Wasser r>ciß zu machen und zu begießen; wenn man sauber und appetitlich im Bettchen sitzt und das Haar hinter den Ohren langsam und fühlbar trocknet. Es ist schön, diesen ganzen Dust von frischer Wäsche und Erwartung anzusaugen und zu sehen, wie die Birne geschält, geteilt und entkernt wird. Man spürt ihren zarten Saft schon lange zuvor auf der Zunge und man läßt sie spitz ein wenig herauslugen, atmet tief und freut sich.

Möchtest du^ nicht einmal einen Apfel versuchen? Er schmeckt so gut, so gut. Du glaubst es gar nicht komm, probier mal.

Wenn sie einem ungefragt etwas besonders an­preisen, kann man ruhig annehmen, daß irgend etwas nicht stimmt.

Nein, keinen Apfel, eine Birne, ich mag keinen Apfel... ich mag..."

Gut, also nur keinen Skandal es ist ja gar fein Apfel, schou?Beiß hinein fest! Gelt, das ist ein gutes Birnchen?"

Baby beißt hinein und wundert sich. Weniger, daß man es für so dumm halt, daran ist es ja ge­wohnt ... aber, daß Bettlies schwindelt, das ist peinlich.

Ja, es beißt hinein und es wird ihn schließlich ja

auch aufesse«, der Apfel tst wirklich nicht einmal

Kleine politische Nachrichten.

Sir Eric Drummond, der Generalsekretär des Völkerbundes, der den Völkerbundsrat bei der 100-Jahrfeier der Llnabhängigkcit von Uru* guay vertreten hatte und bei dieser Gelegen­heit Brasilien, Argentinien, Chile, Peru, Pa­nama und Kuba besucht hat, ist von seiner Reise zurückgekehrt.

AusfuhrMgang um 128 Millionen Mark Die Handelsbilanz für Januar.

Die Diäten der Nationalsozialisten

Ein Briefwechsel zwischen Stöhr und Lobe.

erkennbar; sie löst sich von den Lippen und ver­breitet sich sammetartig weich schwebend im Raume. Diese Fähigkeit wird durch die volle Ausnutzung aller Resonanzfaktoren ermöglicht. Daß Eva Liebenbergs Ton von allen Hemmnissen frei ist, dafür zeugt ihr Desichtsausdruck beim Singen; nirgends eine Verzerrung, wie man ihr oft bei heutigen Sängern begegnet; ja bei Eva Liebenberg gewinnt das Gesicht beim Singen an schönheitlichem Reiz.

Dieses hohe stimmtechnische Können wird nicht zum Selbstzweck, sondern zum Ausdrucksmittel einer starken musikalisch-künstlerischen Persönlich­keit, bei der sich Seelisches und Körperlichkeit völlig durchdringen. Man konnte beobachten, wie Eva Liebenberg sich zu jedem Liede innerlich umstellte, und wie diese innere Bereitschaft in ihrem Gesicht, in ihrer Körpergebärde sichtbar wurde; ein inneres Erleben, das über die üb­liche Podiumsgewohnheit hinaus geht. Ihrem unbegrenzten Gestaltungsvermögen ist nichts un­möglich; sie kann es wagen, zyklische Gesänge wie Beethovens Gellertlieder durchzuführen, weil sie jeder Ginzelregung völlig gerecht zu werden vermag; da ist feine Wendung, die nicht mit größter Sorgfalt zu ungetrübter Gestaltungs- klarheit geführt würde. Andrerseits wird man angesichts der Fülle und Klangfarbe ihres Or­gans nichts gegen die Aufnahme solcher Lieder in ihr Programm einwenden können, die ur­sprünglich einer Männerstimme zukommen, weil sie durch ihr starkes Einfühlungsvermögen dem Komponisten bis zum letzten zu folgen vermag.

Beethovens Gellertlieder kann man als geistige Vorläufer der späteren großen geistlichen Chorwerke ansehen. Jedes einzelne Lied wurde zum Spiegelbild starken subjektiven Erlebens, er­füllt von jener Innerlichkeit im religiösen Er­fühlen, die vom Menschlichen zum Ahnen des Göttlichen leitet. Rur einer so bedeutenden Sängerpersönlichkeit wie der Eva Liebenbergs ist es Vorbehalten, abseits von den gangbaren Schubertgaben unserer Konzertprogramme in das Reich des weniger bekannten Schubert vor­zudringen.Dann fühl ich, daß ich fingen darf" ausSehnsucht" wurde zum Motto für ihr wei­teres Gestalten. ImUnglücklichen" erhob sie sich zu packenden, tragischen Momenten; in derAuf­lösung" inneres Aufwallen; imZürnenden Bar­den" heldische Erhabenheit. Bei Brahms fand sie Töne für das Idyllische, Schlichte, Volkslied- Hafte ebenso wie für den Strom de» Lyrischen

Gießener Konzertverein.

Liederabend Eva Liebenberg.

Vergleicht man den Eindruck, den man vor Jahren gelegentlich eines Symphonieikonzertes von Eva Liebenberg haben konnte, mit dem, der einem am letzten Sonntag zuteil wurde, so ist dcr letztere bei weitem als der stärkere zu bezeichnen. In der Zwischenzeit hat die Künst­lerin sowohl an technischer Vollkommenheit wie auch an musikalisch-geistiger Reife gewonnen.

Rach dem jetzigen Stande ihres Könnens zu urteilen, liegt hier ein Fall deutscher Stimrn- bildungskunst vor, der den unwiderleglichen Be­weis dafür bringt, daß die neudeutsche Stimm­bildungsschule durchaus imstande ist, eine ge­radezu ideal zu nennende Durchbildung der Stimme zu gewährleisten, die durchaus nicht den Vergleich mit den Ergebnissen italienischer Stimm- bildungskunst zu scheuen braucht, ja, die selbst in unserer oft genug als nicht gesanglich be­zeichneten deutschen Sprache die romanischen Hochstforderungen zu erfüllen vermag. Unter all den Sängerinnen, die wir im Laufe der Jahre hier in Gießen hören konnten, wird man Eva Liebenberg eine bevorzugte Stellung einräumen müssen.

Die Entwicklung der Altstimme ist für den den­kenden Stimmbildner ein ebenso schwieriges und brennendes Problem wie der Aufbau der Tenor­stimme. Es gilt hier, die Drücke zu schlagen von der durch Raturveranlagung gegebenen Tiefe zur Höhe hin. Entweder bleibt oft der Mittellage klangliche Expansion versagt (daher die sprich­wörtliche Bezeichnung von demLoch" in der Frauenstimme), oder die Höhe kann nicht zu voll­wertigem Klanggut geprägt werden. Bei Eva Liebenberg führt eine einheitlich geformte Klang- funktion durch den ganzen Stimmumfang hin­durch; jeder Ton in jeder Lage ist kreszendofähig und beherrscht den Raum; der Text ist zu klang­licher Kraft, die Koloratur zu ausgeglichener plastischer Klarheit erwachsen; kurzum, hier ist das oft angefeindete Einregister zur unableug­baren Tatsache geworden; die Lehre von der Registerlichkeit hat in diesem Fall eine glänzende Widerlegung gefunden. Ganz besonders die mezza voce besitzt hohe Vorzüge; sie erscheint nicht als ein abgedrehter Klangstrom, wie man ihn oft als vermeintlicheKopfstimme" hört; bei ihr ist stets der Ausgang von der einheitlichen Klangstruktur

Was sic, die Großen, anbelangt, so müssen sie früher einmal musterhaft brav und reizend gewesen sein.... Sie haben nie gelogen, wie sie es heute mit Borliebe tun; sie haben nie jemand übervorteilt, haben immer von allem das kleinste Stück genom­men, sind geradezu hinreißend zuvorkommend zu ihren Eltern gewesen und haben vor allem nie etwas kaputt gemacht. Sie haben nichts von niemand gewollt und ihrer höchste Tugend war, daß sie sich nie, aber auch gar nie gewundert haben. Mit einem Wort, sie haben sich ziemlich zu ihrem Nachteil ver­ändert und standen in krassem Gegensatz zu allem, was Baby als nett und angenehm empfindet.

Manchmal indessen geben sie sich ein und die an­dere Blöße. Sie wissen es gar nicht, wie sehr sie sich verraten und einem wieder einigen Lebensmut damit machen, wenn sie es gerade am wenigsten beabsichtigen.

Siehst du, Baby", sagte der Vater und meint es gut ...,siehst du, wenn du so bleibst, so bös und unartig, dann wird dir etwas schreckliches pas­sieren! Du wirst nämlich und das kannst du mir heilig glauben dann genau so ungezogene Kin­derchen bekommen, wie du jetzt eins bist. Denke mal denke das bloß aus. Das willst du doch gewiß nicht? Oder?"

Gottegott", sagte das arme, von erblicher Be­lastung so schwer bedrohte Kind, ohne zunächst vor­wärts in diese düstere Zukunft zu sehen, sondern mit vollkommenster Logik das Wesentlichste an die­sem Bekenntnis erfassend,Gottegott, Vati! Mußt du aber ungezogen gewesen sein!

*

Oh, aber es gibt einen Gedanken, der so ist und der alles erträglicher macht, was man sich in diesen Tagen der Kleinheit gefallen lassen muß. Einmal wird es aufhören, das Tyrannentum, und die Zeit der Unterdrückung wird einmünden in die Zeit der Rache. Es wird hinreißend fein, Bettlies zu ver­hauen, ihr aber bestimmt auch alles zu verbieten, sie herumzukommandieren, sie ins Bett zu stecken, sie mit kaltem Wasser zu waschen und alle Abend mit Griespapp zu füttern! Hetze, Bettlies hüte dich. Treib es bei Zeiten nicht zu weit, denn:Wenn ich erst einmal groß bin und du klein Aber öannT

Berlin, 16. Februar. ($il.) DerRatronal- sozialistische Parlamentsdienst" veröffentlicht einen neuen Briefwechsel zwischen dem Reichs- tagsprüsidenten L ö b e und dem nationalfozia- listischen Abgeordneten Stöhr zur Frage des Diätenverzichtes der nationalsozialisti- fchen Reichslagsabgeordneten. Re chstagspräsi- dent Löbe faßte feine Ansicht folgendermaßen zusammen: Für den Monat Februar find alle Diäten von allen Abgeordneten erhoben, und es ist davon kein Pfennig in der Reichstags­kaffe vorhanden. Für den März kündigen Sie im Bries vom 12. Februar an, daß Ihre Ab­geordneten auf die Aufwandsentschädigung nicht verzichten. Es könnte sich also nur um Be­träge handeln, die im März weg en der Fehltage nach dem Gesetz abgezogen werden müssen. Lieber diese Beträge aber haben Sie nicht zu verfügen, da sie den fehlenden Ab­geordneten nicht gehören, sondern in der Reichstagskasfe verbleiben, die ja fehlenden Abge­ordneten keine Aufwandsentschädigung auszah­len darf. Mir ist also immer noch nicht klar, welche Beträge Sie im März für die Ver­wendung in Aussicht nehmen, falls Ihre Fraktion nicht in den Reichstag wiederkehrt.

In dem Antwortschreiben des Reichstagsabge- vrdneten Stöhr wird zunächst hervorgehoben, daß nach dem Auszug der nationalen Opposition

Export betreiben, der nur eine furchtbare Ver­schleuderung deutscher Werte bedeutet. Das Ausland sieht mit scheelen Augen auf diesen Dumping-Export und es wird nicht lange dauern, dann werden wohl neue Hochschutzzölle gegen d i e deutsche Ausfuhr errichtet werden. Wir müssen um jeden Preis exportieren, um uns notdürftig am Leben zu erhalten. Wie lange sich dieser mit ungeheueren Verlusten verbundene Dumping-Export aufrechter­halten läßt, ist nur noch eine Frage der Zeit, denn er ist nur möglich, weil b i e Inlandspreise die Verluste der Ausfuhr noch immer einigermaßen decken. Wenn nun aber der Jnlandsmarkt immer enger wird, und daher auch die Gewinne aus den inländischen Ueberpreisen, dann kann auch die deut­sche Industrie nicht mehr den Export zu Verlust- preisen aufrechterhalten. Im Fahre 1930 hatte Deutschland zwar nominell einen Ausfuhrüberschuß von 1800 Millionen, aber gerade diese Zahl zeigt, wie ungesund unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind. Wenn sich im Januar der Rückgang der Aus­fuhr besonders bemerkbar macht, dann ist das um so bedenklicher, weil gerade der Export von Fertigerzeugnissen sich erheblich vermindert hat.

Reichskabineti und Agrarvorlage.

Berlin, 17. Febr. (TU) Das Reichs- k ab inett wird am Dienstagnachmittag über die Agrarvorlage des Reichsernährungsministers Schiele Beschluß fassen, in der es sich, wie be­kannt, um die Verlängerung der Getreidezoll- ermächtigung und Einfuhrscheinregelung, um Zoll­ermächtigung für die landwirtschaftlichen Vcr- edelungsprodukte und für Hülsenfrüchte und um Holzzölle handelt. Die Vorlage soll voraus­sichtlich noch nach der Kabinettssitzung am Diens­tag den parlamentarischen Körper­schaften zugeführt werden. Wie die Deutsche Tageszeitung" erfährt, wird sich das Kabinett auch mit dem Gesamtplan zur Ret­tung der Landwirtschaft beschäftigen, der auf Grund der Besprechungen zwischen dem Kanzler und dcr Grünen Front vom Reichsernährungs- minister fertiggestellt und dem Kabinett zugeleitet wurde. Da der Gesamtplan aber nur den Cha­rakter einer Denkschrift trägt, so können die in ihm enthaltenen Maßnahmen erst in einer wei­teren Sitzung zur Deschlußfasfung kommen.

Oie Oeuifchnationalen und der Reichstag.

Berlin, 16. Febr. (TU.) Gegenwärtig wird vielfach die Frage erörtert, ob und wann die Deutschnationalen in den Reichstag zurückkehren, wobei u. a. auf die bevorstehende Beratung des Wehrhaushalts und der O st h i l f e hin- gewiesen wird. Die parteiamtlichen Mit­teilungen der Deutschnationalen Volkspartei nehmen hierzu wie folgt Stel­lung: Die Regierungsparteien haben sich mit der Sozialdemokratie gegen die deutschnationale Oppo­sition verbündet. Run sollen sie sehen, wie sie mit diesem Bundesgenossen allein fertig werden. Sachlich ist hinzuzufügen, daß das neue Ost- Programm, nachdem fast ein Jahr nutzlos verstrichen ist, so unzulänglich ist, daß die Deutschnationalen es nicht als eine Einlösung des Wortes des Reichspräsidenten betrachten können. Sachlich ist zum Wehretat zu sagen, daß die Deutschnationalen der Reichswehrleitung ins­besondere nach dem letzten Erlaß des Generals von Hammerstein, mit absolutem Miß­trauen gegenüberstehen. Sie soll sich also an feine jetzigen Freunde wenden, wenn sie Hilfe braucht. Vielleicht kommandiert die Sozialdemo- fratie nach bewährtem Muster 20 Mann ab. ^Gegenüber den Versuchen, ein Abbröckeln der ^Obstruktion zu konstruieren, kann nur auf die ^Rede Dr. Oberfohrens in Kiel hingewiesen wer- -iben, in der er die einstimmige Meinung der Fraktton wiedergibt, wenn er sagt:Unsere An­hänger müssen in Zukunst auf kleinere Vorteile, die auf dem Wege des Kuhhandels erreicht wer­den könnten, verzichten. Jetzt geht es ums Ganze." Die Deutschnationalen halten es mit dem König von Sachsen:Macht Euren Dreck nlleene! Sollte

Berlin, 16. Febr. (WTB.) Die Handelsbilanz für Januar ergibt bei einer tatsächlichen Einfuhr von rund 625 Millionen RM. einen Ausfuhrüber­schuß in Höhe von 100 Millionen RM.; einschließ­lich der Reparationssachlieferungen übersteigt im Januar der Wert der ins Ausland abgesetzten Waren die Einfuhr um 150 Millionen RM. Gegen­über dem Vormonat ist die Einfuhr um 82 Millionen RM. gesunken. An der tat­sächlichen Einfuhrabnahme find zu 46 Prozent Roh­stoffe und halbfcrtige Waren, zu 34 Prozent Lebens­rnittel und Getränke und zu 20 Prozent Fertigwaren 'beteiligt. Die Ausfuhr einfchließlick) der Repa- rationsfachlicferungen ist gegen Dezember um 128 Millionen RM. zurückgegangen. Der Rückgang beruht fast ausschließlich auf dem um 122 Millionen RM. verminderten Absatz von Fer­tigwaren, der bei fast allen Jndustrieerzeug- nissen zu beobachten ist.

*

Das ist doch ein recht bedenkliches Zeichen für die furchtbare Wirtschaftskrise in der sich Deutschland befindet. Deutschland hatte noch immer im Januar einen Ausfuhrüberschuß von 150 Millionen, aber das ist nur möglich, weil b i e Einfuhr immer weiter sinkt und wir einen Dumping-

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