Ausgabe 
17.1.1931
 
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sind, bah die Frage der Weiterzahlung an das Ausland akut wird, dann wird eine sehr st a r t e F a u st notwendig sein, um alle mög­lichen Bewilligungen für irgendwelche Zwecke zu verhindern. Wenn das geschähe, kämen wir von der einen Krise nur in die andere. Wir wollen aber gerade aus den Krisen heraus: wir wollen in geordnete und gefestigte Zustände hinein. Das hat Dr. Brüning als sein Ziel bezeichnet und das muh das Ziel sein von allen denen, die am deutschen Baterlande noch nicht verzweifeln.

Oberbeffen.

Gemeinderat in Schotten.

c. Schotten, 14 San. Für die jüngste Ge­meinderatssitzung hatte ein hiesiger Gärt­ner den Sitzungssaal festlich mit Blumen ge­schmückt aus Freude darüber, daß offenbar nach den letzten Aachrichten an die Aufhebung von hessischen Kreisen nicht mehr gedacht wird Bürgermeister Menget sprach den Dank für diese Aufmerksamkeit aus und gab der Hoff­nung Ausdruck dah Schotten Kreisstadt bleiben möge.

Für die Holzversteigerungen wurden vom Gemernderat die Bedingungen, Gewährung von zwei zinslosen Raten, festgesetzt. Die Stadt hatte eine Bersteigerung abgehalten und dabei verhältnismähig gute Preise erzielt. Es wurden erlöst durchschnittlich für Scheitholz 12 bis 14 Mk.. für Knüppel 7 bis 8 Mk. Snsgesamt wurden etwa 5000 Mk. erlöst.

Die Wirtschaft t n der Turnhalle hat der Turn- und Gesangverein wieder in eigne Regie übernommen, die Wirtschaftskon­zession und Bedürfnisfrage wurde vom Ge­meinderat befürwortet.

Der Reubau zum städtischen Krankenhaus wird als Erholungsheim für Schwestern des Roten K reuzes eingerichtet. Mit dem Alicefrauenverein zu Darmstadt ist eine ent» sprechende Vereinbarung getroffen worden. Das Heim soll bald eingerichtet in Betrieb genommen werden.

Der hiesige Motorradklub beabsichtigt, tüt seine jährlich wiederkehrenden Rennen ..Rund um Schotten" einen praktischen Start- und Z i e l p l a tz zu schaffen. Für diese Zwecke wird dem Klub von der Stadt ein entsprechendes Grundstück überlassen

An Pfingsten wird wieder der übliche Prä­miierungsmarkt stattfinden.

D r Vertrag mit der Reichspost über die Ein­richtung eines Selbstanschluharntes wird für das Jahr 1931 verlängert. Die Stadt sollte den Betrag von 10 000 Mk. zuschiehen, damit das Amt eingerichtet werden kann.

Siadtvorstand in Lauterbach.

O- Lauterbach. 14 Ian In der jüngsten Stadtvorstandsslhung. der ei sten im neuen Jahre, wurde zunächst die Rechnung derStadt und des Elektrizitätswer- k e s vom Vorsitzenden. Bürgermeister Walz vorgetragen Der Gemeinderat genehmigte die Rechnungen. Der Rechnungsrest der Stadt betrug am Ende des Rechnui» rsjahres 1929 gleich 71 982 Mark, der des Elektrizitätswer es 20 655 Mk. Der Bürgermeister gab ferner einen Bericht über den Vermögens- und Schulden stand der Stadt. Seinen Auslührungen war zu ent­nehmen. dah die Stadt rund 406 000 Mark an Kapitalien au genommen hat, aufzunehmen seien tür die Cniertwa serleitung noi) etwa 30 000 Mk Die Stadt hat 134 600 Mk ausgeliehen

Dei der Errichtung des Hochbehälters für die Ensertwalserleitung find durch Sprengungen Felsen a n g e f a I (e n. Es wurde beschlossen, diese Felsstücke durch die Firma A. Bonacker in Heblos zu Strahenmaterial klopfen zu lassen.

Um für die Zukunft die im Kreise Lauterbach abzuhaltenden Prämienmärkte rentab­le r zu gestalten, fand eine Besprechung der in Frage kommenden Bürgermeister in Lauterbach statt, mit dem Ergebnis, dah vorbehaltlich der Zu­stimmung der Gemeindevertretungen nur alle zwei Iahte ein Prämienmarkt statt- finden solle, und zwar 1931 in Lauterbach und Grebenhain, 1932 in Schlitz und Herbstein usw. Der Gemeinderat Lauterbach konnte sich dieser Ausfassung nicht anschließen, fonbem beschloß, den Prämienmarkt, wie seither, alljähr'ich abzuhalten. Mit den Vorarbeiten und der Ausführung wurde ein Ausschuß beauftragt.

Aach den seitherigen Abmachungen mit der Oberpostdirektion Darmstadt sollte die Stadt für den beabsichtigten Postneubau lediglich den Bauplatz unentgeltlich stellen, während die Post- behörde sich bereit erklärt hatte, die Kosten der Baureifmachung des Platzes in Höhe von etwa 9000 Mark selbst zu übernehmen Die Postbehörde ist nunmehr an die Stadt herangetreten, auch noch diese Kosten zu übernehmen. Der Gemeinderat lehnt diese Forderung ab. Mit der Ob.rpostdirek- tion soll in Kürze nochmals verhandelt werden

Die Provinzialdirektion Oberhessen, Abteilung Tiefbau, beabsichtigt, die Kurve in der Lin­denstraße gegenüber dem Beamtenwohnhaus der Bezirkssparkasse zu verlegen. An den Kosten, die etwa 2200 Mk. betragen hat sich die Stadt mit * */8 zu beteiligen. Die Kosten werden bewilligt, der notwendige Geländeerwerb jedoch soll durch die Provinz geschehen.

Landkreis Gießen.

0 2 o 11 a r. 16 San. Heute g gen 14 Uhr ver­unglückte in der Radiator.nabteilung der Buderusschen Eisenwerke in Lollar der etwa 40 Jahre alte Elektromonteur August Kern aus Marburg. Der bedauernswerte Mann kam bei der Arbeit an einem Motor in die Transmission, wobei ihm von dem ®etriebe ber rechte Arm völlig herausgerissen wurde und er außerdem noch ernste Schädel­verletzungen davon rüg Der Schwerverletzte wurde von der Freiwilligen Sanitätslolonne vom Roten Kreuz in Gießen nach sofortiger ärztlicher Hilfeleistung der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt, wo er in ernstem Zustande dar- nieberlicgt. Der beklagenswerte Mann ist ver­heiratet und Vater eines Kindes.

§ Saubringen, 16. San. Bei der einzigen Brennholzversteigerung in unserem Gemeindewald wurden für je 2 rm Kiefernscheit 20 bis 23 Mk.. Kiefernknüppel 16 bis 18 Mk.. Fichtenknüppel 13 bis 15 Mk. bezahlt. Kiefern- reifer kamen durchschnittlich 5 bis 7 Mk je fünf Raummeter Fichtenstangen erster Klasse brach- ten pro Stück 2,50 bis 3 Mk., 2. Klasse 1.50 bis 2 Mk., 3. Klaffe entsprechend weniger.

t Treis a. d. Lda., 15. San. Der Turn­vereinGut Heil" veranstaltete in V-illS Saal einen gut besuchten Märchen- uni)

Theaterabend. Die Turnschulen brachten da- MärchenHänsel und Gretel" sehr ansprechend zur Darstellung, die Turner führten einen Schwank auf. Die Leitung der Aufführungen lag in der bewährten Hand des 1. Vorsitzen­den Lehrer Walter. Die musikalischen Ein­lagen bestritt die Kapelle Becker. -1- Bei der hiesigen Holzversteigerung aus den fis­kalischen Waldungen kosteten im Durchschnitt 1 Raummeter Buchenscheit olz 10 Mk.. Buchen­knüppel 7 Mk., Eichenknüppel 4 Mk., Kieseni- knüppel 4 Mk., Buchenreisig 1 bis 1,50 Ml., Buchenstöcke 5 Mk.

'Bersrod, 15. San. Der Gesangverein Sängerkränz" feierte fein 35jähriges Bestehen in Form eines Familien- i abends Rach dem deutschen Sängergruß und einem Chorlied überreichte der Vorsitzende Sa!- b Hofmann den sechs Gründern und Ehrenmit­gliedern des Vereins je eine Erinnerungsnadel. Sm Anschluß daran wurden einige humorvolle Gedichte zum Besten gegeben, die allen Beifall fanden Der Chor des Vereins, der unter ber Leitung seines Dirigenten Karl Sommcrlad, V Beuern, eine gute Schule genossen hat, erfreute mit einigen Liedern Ehrenmitglied Konrad Hof- ' mann dankte im Ramen der Gründer dem Vor- \\ sitzenden und den Mitgliedern für die Arbeit im Dienste des Vereins. Musik und Tanz be- i schlossen den Abend.

-f- Grünberg, 14. San.Di ehiesige Orts- i gruppe des Vereins für lTH 6 Deutsch­tum im Auslande (VDA.) hielt ihrs Hauptversammlung ab. Aus dem Sah- resbcricht des Vorsitzenden. Studi nrats A. S e y» I bo 1 d, war zu entnehmen, daß die Zahl der Mit- | glichet von 66 auf 74 gestiegen ist. An der I Pfingsttagung des Hauptvereins in Salzburg beteiligten sich 33 Erwachsene und Sugendlichc. bei dem Sugenbtreffcn dcs Landesverbandes in Büdingen war die Grünberger Schulgruppe mit 82 Mitgliedern vertreten. Am 4. September wei. le die auf einer Rundreise durch Hessen befind­liche Kämtnergruppe hier und veranstaltete in der Turnhalle einen Kärntner Bolksabend und für die Schulen von Grünberg und der Üf.:< gegend eine Schülervorstellung. Aus ber Reä» nungsablage ergab sich, baß von den Einnah­men ber Ortsgruppe im Betrage von 309 Mk, die Summe von 270 Mk. an den Landesverband abgesührt wurde, während die an der Ober­realschule unter Leitung von Studienrat Dr. Heil bestehende Schulgruppe von ihren 966,87 Mark betragenden Einnahmen 449 85 Mk. nach Darmstadt ablieferte. Der Vorstand blieb in seiner seitherigen Besetzung bestehen. Die dies­jährige Pfingsttagung des Hauptvereins findet in Aachen statt, zu der sich von hier jeden­falls wieder eine größere Zahl Teilnehmer zu- fammenfinben wird.

' Watzenborn-Steinberg. 16 San. D?r Fußballklub .Teutonia" hielt im Saale des Gast­hauses ..Zur Krone" sein fünfjähriges Dtiftun s- feft ab Der Saal war bis auf den letzten besetzt. Rach dem Eröfsnungsmarsch hielt ein Vorstandsimta ied ein» Tlnfvraa.e in ber es aus die Sportbewegung allgemein und den Werde­gang des Vereins im besonderen hinwies. G.au- Fuhballsachbearbeiter Henkel. Gießen, sprach dann über Zweck und Ziele des Westdeutschen Spielverbandes". Rachdem ein Violinsolo non den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommen wurde, brachten Mitglieder des Vereins einen Dreiakter zur Aufführung, der rückhaltlosen 'Del- fall fand. Tanz beendete den Abend.

O Holzheim, 15. San. Der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein kann m diesem Jahre auf fein zehnjähriges V ° | stehen zurückblicken. Sn einer Versammln. im Rathaus wurde die am kommenden Son-- tag im Saale des Gastwirts Sarnes stattfin­dende Lokalausstellung besprochen Die Anmeldungen zu der Schau, der am Sams g eine Prämiierung vorausgeht, find äußerst zahl­reich. Als Preisrichter wurde Herr M o o g l (Echzell) gewonnen.

)( Li ch. 16. San. Pfarrvikar Dr a ubt erhielt mit rückwirkender Kraft vom 1. Dez. 1930 die hiesige 2. Pfarrstelle endgültig übertragen. - Sm Holländischen Hos" fand unter dem Vorsitz des Obmanns Konrad Schone die Generalversamm­lung des hiesigen Obst- und Gartenbau­vereins statt. Postmeister i. R Rau hielt av? Grund reicher Erfahrung einen lehrreichen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag übe« Obstbaumschädlinge und deren sachgemäße Be­kämpfung. Dem Rechner des Vereins tourte | nach Prüfung der Rechnung Entlastung und Dank für feine Arbeit zuteil. Sm weiteren Ver­lauf des Abends fand eine Verlosung von Samen, Bäumen. Sttäuchern und Blumen, sowie die Ver­steigerung eines Blumenkorbes statt. Sn bet Pausen erfreute die Kapelle Schmidt mit musi­kalischen Darbietungen.

D Lich, 16. San. Bei der gestrigen zweitem HolAüerfteigerung der Stadt im Distrikt Großyäuserberg wurden, je nach Qualität und Abfuhrmöglichkeit des Holzes, geboten für je zwtt Raummeter Buchenscheiter 20- 22 Mk., Hain- buchen-Scheiter 14 16 Mk., Eichen-Scheiter 10 bis 14 Mk., Buchen-Knüppel 14-18 Mk., Hain- buchen-Knüppel <10 14 Mk., Eichen-Knüppel 7 bis 9 Mk., Buchen-Stöcke 8-10 Mk., Eichen- Stöcke 68 Mk., Cichen-Rutzscheit, 2,20 Meter lang, 12 Mk., Eisbeer-Stämme 2. Klasse pro Fest? meter 6,25 Mk., und Buchen-Wellen 1820 Mk, je 100 Stück.

Kreis Friedberg.

Bad-Rau heim, 16. San. Auf sein 25jähriges Bestehen blickte heute der hiesige Volksbildungsverein zurück, d.e von Prof. Dr. Strecker gegründet worden ist. Er hat ein gutes Stück Volksbildung ^arbeit inner­halb des Rhein-Mainischen Derbandeö für Volks­bildung geleistet, was ihm vor allem auch da­durch möglich war, daß er von. der Stadt weit­gehende Unterstützung erfahrt. Ti,' Stadtverwal­tung stellt die Räume für die Bibliothek und das öffentliche Lesezimmer im altenRathaus zur Verfügung und hat außerdem die umfangreich­städtische Bücherei den Beständen des Vereins angegliedert. Vorsitzender des Vereins ist geg n- toärtig Rektor Staubach, Büchereiverwalter Lehrer P o r t fj.

Kreis Büdingen.

t). Borsdorf. 13 San. Heute wurde hier eine größere Brennholzversteigerung des Forstamts Ridda abgehalten. Steigliebhaber batten sich sehr zahlreich eingefunben. Ihre Ge­bote zeigten gegen dem vorigen Sahre nur eine geringe Abnahme der Preise. Für Buchenscheiter 1. Klasse wurden 12 bis 14 Mk.. für Buchen­knüppel 8 bis 9 Mark für Buchenstöcke 6 Ml., für Bucheuknüppelreisig 2 M'. und für Buchen- pammreisig 2,50 Mk. pro Raummeter gelöst.

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Eine Erinnerungsmedaille zum 18. Januar 1931, die des Münchner Bildhauers

Wtedereroberung des für ihn ungemein wich­tigen Dorfes Montretout ganz besonders ab­gesehen. Begreiflich, daß uns an jenem schick- salsreichen Tage keine Zeit blieb,Freudenfeuer" gnzuzünden.

Ader die richtige Feierstirnrnung hatten wtr an diesem Tage .doch. Dazu trug auch das sei- nige ber ..Freiroiwein" bei, den es am 18. Sa- nuar für alle deutschen Soldaten unseres Front­abschnitts gab und von dem ausgiebig Gebrauch gemacht wurde D:e feindlichen Granaten, die uns unsere Ruhe zu rauben trachteten, konnten uns nicht um unser freudiges und stolzes Gelühl bringen, daß wir das Unsere zu dem Werke mvtbeigetragen hatten, das im Spiegelsaal von Vcr ail.es seinen Abschluß sand. Der Mutterwitz unserer Soldaten war ohnedies nicht kleinzukrie- gen. und so war für uns der 18. Sanuar 1871 ein richtiger Feier- und Freudentag, trotz der brenzlichen Situation an der Montretout-Schanze Sif orta in der Klosterschute.

Die heute 74jährige Barbara Kroger, die bei den ^Ursulinerinnen" erzogen wurde, erzählt.

Fiebernd, wie wir Mädels die ganzen Kriegs- geschehnilse versolgt hatten, sahen wir auch dem Tage der Proklamation in Versailles entgegen Schon Tage lang vorher waren wir mit dem Aus­schmücken ber Klosterkapelle und ber Auhenfront des stattlichen Hau es in der Lindenstraße in Ber­lin beschäftigt, in dem wir auswuchsen. Frohe Lie­der^ singend es ist im Kloster gar nicht so trübetümpeltch", wie viele Leute annehmen wanden wir Girlanden aus Tannenkränzen und brachten in sämtlichen, nach der Straße zu ge­legenen Doppelfenstern des dreistöckigen Gebäu­des Wachskerzen an. denn so machte man damals Festbeleuchtung

im Bayerischen Hauptmünzamt nach dem Entwürfe Karl Götz geprägt wurde

Mater Elekta, die uns Vierzehnjährige erzog und betreute, hielt uns ständig über die letzten Reuigkeiten von der Front aus dem Laufenden. Wir wußten auch, daß der 18. Sanuar schul­frei sein sollte Run hatten wir Mädels Pfennig» weise eine Summe zu einem Glückwunsch- telegrammanöenÄaifer angebracht. das an bieiem Sage an ihn abgehen sollte.

Als wir am Abend des 17. bereits in unteren Betten waren, brachte Mater Elekta noch eine neue Schülerin zu uns, die eben erst nach weiter Reise eingetroffen war und deren Raine wir nicht kannten Wir beachteten sie nicht weiter Als wir nun am nächsten Morgen von einer der Schwe­stern mit dem Ruse .Viktoria! V i k t o r i al" geweckt wurden, dachten wir zunächst daß d i e .,R e u e" so hieße, und niemand von uns stimmte in den Subelruf ein Erst als wir gefragt wurden, ob wir denn die Bedeutung des Sages vergessen hätten, rieten auch wir .Viktoria! Viktoria das Deutsche Reich ist gegründet!"

Dann zogen wir unsere Sonntagskleidung an und gingen zum Gottesdienst in die schön ge­schmückte Kapelle Die gesagt, war schulfrei und in Begleitung von Mater Elekta gingen wir durch die nunmehrige Reichshauptstadt, deren Hiuser durch Girlanden und aus den Fenstern heraus- hängende Teppiche festlich geschmückt waren. Und als in Versailles die Proklamation ihren Anfang nahm, begannen alle Kirchenglocken zu läuten.

Zu Ehren des Tages gab es em b. sonders reich­haltiges Mittagessen und bann bei beginnender Dunkelheit den Hauptspaß das Anzünden der Kerzen in unseren Fenstern. Ein nochmaliger Spa­ziergang durch das est.ich beleuchtete Be.l.n schloß sich an. Und am stolzesten waren wir, als einige Zeit später sich ber Kaiser durch eine Depesche für die Glückwünsche der jungen Ursuliner-Zög- linge bedanken lieh

(Sin Blick nach Ost und West.

Äon Professor D Dr Jod Bredr, ehern. Reiche-mimster,

Reichskanzler Dr. Brüning hat eine größere Reise durch den deutschen und preußischen Osten unternommen, um sich persönlich ein Bild zu machen von ber dortigen Lage. Er hat dadurch dem deutschen Volke sinnfällig vor Augen ge­führt, welche großen und schwierigen Aufgaben wir zur Zeit haben Zu der großen Weltkrise auf industriellem Gebiete kommt hinzu eine Ostkrise. die wesentlich agrarischer Art ist und l sich nur auf den deutschen Osten erstreckt Diese Krise gefeilt sich rein äußerlich jener anderen zu

* und hat ursächlich und begrifflich kaum etwas mit ihr zu tun Unsere innere Lage wird aber da­durch sehr verschlimmert, daß ber deutsche Osten gerade zu dem Zeitpunkte große Anforderungen an uns stellt, in dem wir ohnehin schon mit ge­waltigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Der deutsche Osten ist agrarisches Ge­biet, darin beruht feine Bedeutung für Deutsch­land. Sm Weltkriege wäre es ganz unmöglich gewesen, so lange Zeit durchzuhalten, wenn nicht der mehr industrielle Westen große Zufuhren aus dem agrarischen Osten hätte bekommen können. Seht ist der freie Weltverkehr wieder hergestellt und nun meldet sich bie gewaltige Kon­kurrenz auf agrarischem Gebiete Wenn wir heute unsere Grenzen öffnen wollten, wäre die ganze östliche Landwirtschaft dem sicheren Unter­gänge geweiht. Wenn aber trotz hoher Schutz- zötte dennoch die Rot nicht behoben werden kann, so sind dafür noch weitere Erscheinungen als Ur­sache anzusehen.

Zunächst darf man nie vergessen, dah vor dem Kriege die östliche Landwirtschaft in weitem Um­fange polnische und galizische Wan- derarbeiter verwendete, die außerordent­lich billig waren. Dies ist heute nur noch in sehr geringem Umfange möglich, weil selbstverständ­lich zuerst die einheimischendeutschen Arbeiter beschäftigt werden müssen. Diese sind aber erheblich teurer, weil das ganze Kultur- niveau des deutschen Aroeiters ein sehr viel höheres ist. So stellen sich heute die Unkosten bei der Bewirtschaftung eines Rittergutes so hoch, dah kaum noch ein Gewinn herauskvmmt. Wirk­lich bestehen kann beute wohl nur noch der kleine Bauer, der selbst mit seinen An­gehörigen feine ganz« Arbeitskraft anftrengt. Daher ist heute die Siedlung das wichtigste, was überhaupt im Sntcreffe des deutschen Ostens geschehen kann. Wir müssen uns nur klar darüber werden, dah damit die Möglichkeit, uns im Rot­salle m i t eigener Kraft zu ernähren, er­heblich vermindert wird. Mehrere kleine Bauerngüter liefern zusammen sehr viel we­niger Ueberschuh an Nahrungsmitteln, als ein einzelnes Rittergut auf demselben Boden

Die zweite Ursache für die Rot des Ostens liegt mdenhohenSteuern. Hierüber braucht eigentlich kaum noch etwas gesagt zu werden denn diese Rot ist überall die gleiche. Steuern im engeren Sinne und Soziallasten bilden dabei eine einheitliche Masse für denjenigen, der sie zahlen muh. Was der deutsche Landwirt im Osten heute an Steuern aus seinem Besitz heraus­wirtschaften soll, ehe überhaupt an einen eigenen Gewinn zu denken ist. übersteigt meist von vorn­herein seine Leistungsfähigkeit. Cs will aber schei­nen, als sei das gegebene Heilmittel für den Dcivtschen Agrarier überhaupt nicht eine Er- I

Höhung bet Zölle, ! andern eine Herabsetzung ber Steuern. Diese ist aber deswegen wie­derum so schwierig, weil das deutsche Volk - vertreten durch den Reichslag! so viel an fortdauernden Ausgaben bctoilligt bat. dah schlechterdings ohne die bestehenden Steuern nicht auszukommen ist.

Wo sollen nun die Mittel Herkommen, um dem Osten diejenige Hilse zuteil werden zu lassen, die er dringend gebraucht? Der Reichskanzler hat sich allenthalben sehr vorsichtig ausgedrückt und bei allen Zusagen und Versprechungen stets die Finanzlage in den Vordergrund gestellt Er hat auch mit vollem Rechte scharfe Worte ge­funden gegen diejenigen, die heute mit agita­torischen Anträgen östlichen Agrariern Hilfe­leistungen vorspiegeln, die weit über das Mah des Möglichen hinausgehen. Wo soll also das Geld hergenommen werden für solche Hilfe, und wo soll ein Ersatz gefunden werden für die Steuersummen, die im Osten nicht mehr eingezogen werden können ober sollen? Hier müssen wir den Dingen klar ins Auge sehen

Ein weiteres Anziehen bet Steuerschraube ist in Deutschland unmöglich Wir werben in kom­mender Zeit durch die Arbeitslosen in eine immer schwieriger werdende Lage hineinkommen. Wir können auch nicht mit steigenden Steuereingängen rechnen, sondern werden im Gegenteil mit fallen­den rechnen müssen. Es kommt daher mit zwingen­der Rotwendigkeit näher und näher der Zeit- punkt, an dem wir die Verpflichtungen aus dem Voungplan nicht mehr er- füllen könne n. Es kommt gar nicht in Frage, daß wir beabsichtigen, den Voungplan zu .,zer- reihen", es kommt nur darauf an, ob wir rein fachlich in ber Gage sind, die Verpflichtungen zu erfüllen. Kein Mensch kann uns zumuten, für die Zahlungen an das Ausland uns selbst zu­grunde zu richten, auf dem Punkte find wir aber bald angekommen. Wir wären auch bereit, unter einer Bedingung unsere Verpflichtungen zu er­füllen, wenn nämlich das Ausland uns so viele Waren abnähme, dah wir unsere Arbeitslosen beschäftigen und die Produkte aus­führen könnten. Solange lediglich Barzahlung von uns verlangt wird, solange muh das Ausland damit rechnen, dah die Tatsachen eines Tages stärker sind als alle Berechnungen

Es wäre zu wünschen, dah der Reichskanzler aus seiner Reise in den Osten diese Folgerung ziehen möchte. Er wird im ganzen deutschen Volke großes Verständnis finden. Dr. Brüning ist kein Mann von tönenden Reden: er ist ein Mann von sehr ruhiger ileberlegung. Sm Aus­lande hat er sich einen Rus erworben, der es ihm leichter machen wird als manchem andern Staatsmann, die nüchterne Wahrheit auszusprechen und dann die Folgerungen zu ziehen. Wenn er den schweren Schritt unter­nimmt. wird er in Deutschland zahllose Freunde finden, die sich hinter ihn stellen und chn unter­stützen.

Sn einem Punkte möchten wir wünschen, daß Dr. Brüning gerade zu solchem Zeitpunkte sich als starker Mann erweisen möge Er hat letzt auf seiner Reise in den Osten betont dah das freudige Bewilligen von allen möglichen Ausgaben ein Ende haben müsse. Wenn wir auf dem fünfte anjjtlouimen