Samstag, 17. Januar 1951
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
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gründlich untersucht wird, und daß wirksame Garantien und Kontrollen für die Einhaltung des Genfer Abkommens, überhaupt für den Schutz der
soll und sich auch nicht durch die triumphierende Betrachtung — wie herrlich weit wir's seit dem grauen Mittelalter doch gebracht haben — im unbeschwerten Vergnügen am reinen Spiel, am übermütigen Einfall und bunten Mummenschanz stören lassen darf. —
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Das englische Vorbild der heimatlichen Stomöbie soll nicht ernster aufgefaßt werden, als es gemeint | war: ein Kulissenscherz, der zum Lachen reizt, und eine vorweggenommene Laienpredigt aus weiblichem Munde (an die schmunzelnden Herren und die nachsichtig lächelnden Damen von heute) über einen Goethe-Iext. wie er sich ausgezeichnet findet in „Hertnann und Dorothea" und daselbst im VII. Gesänge. Erato, also lautet: „Dienen lerne beizeiten das Weib nach ihrer Bestimmung!"
Hof versammelten Mannschaften. Der Kronprinz geleitete ihn in die Antichambre de la Reine zur Begrüßung der zahlreichen Fürstlich- ketten, die hier schon versammelt waren. Dann formievte sich der Zug und betrat d i e Spiegel galerie, der König in der ihn* fern seines 1. Garde-Regiments zu Fuß. Während die Galerie durchschritten wurde, hörten wir die feierlichen Klänge des auf Wunsch des Königs gewählten 66. Psalms: „Jauchzet Gott, alle Lande!" Dann trat der König in das Halbrund vor den Geistlichen, den Helm in der Linken. _ .
2lls der Ceneralmusikdirelior Goldschmidt, der den Soldaten-Sängerchor dirigierte, das Schlußzeichen gegeben hatte, ertönte das Kenn* mando: „Helm ab zum Gebet!" ilnd dann begann Hofprediger Rogge seine Predigt.
Es folgte das Lied „Run danket alle Gott". Rachdem Hofprediger Rogge den Segen erteilt hatte, formierte sich der Zug auss neu« und König Wilhelm, der vor die Stufenbahn getreten war, erklärte mit festen Worten, daß er die Kaiserwahl annehme. Auf sein Zeichen verlas sodann Bismarck, der den blauen Wattenrvck seines Kürassier-Regiments trug, die Kaiser- Proklamatin unter Hochrufen auf den neuen Kaiser. Dann kam die Gratulationseour, so daß der Festakt sich bis 1 ilhr mittags hinzog. Dur Feier endete mit dem Hohenfriedaergrr Marsch.
Zu den Glücklichen, die um 5 Uhr KU dem Galadiner in der Präfektur von Versailles geladen waren, gehörte ich leider nicht ...
Vor Belfort als Ordonnanz.
Der 86jährige Fritz M. aus dem Cöpe- nicker Altersheim, der den F.ttzug bei den Demminer Ulanen mitmachte, erzählt:
Leider, leider durste ich nicht mit der Regi- mentsabordnung mit nach Versailles. Die Demminer Ulanen lagen damals in einem Dorf vor Telfort, und da es an der Front nach wie vor
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Als wir an des Reiches Wiege Pate standen
Wie wir vor 60 Jahren den 18. Januar 1871 feierten.
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reich, aber auch Frankreich an Polen gefesselt ist. Nimmt man dazu die bekannte Stellung Englands und Italiens, so scheint dw ganze Frage zu einer hoffnungslosen Erstarrung oerurteitt zu sein. Offensichtlich ist das kein Zustand, in dem sie auch nur eine absehbare Zeit gehauen werden kann. Denn die Kräfte, die elementar m ihr tätig sind, werden immer stärker uiw drangen nach vorwärts. Es m u ß hier zu einer Losung, zu einer Möglichkeit, nebeneinander zu leben, gekommen werden, so schwierig, ja hosfnungslos die Dinge hier zu liegen scheinen.
Die Loge Polens selbst? Zalelki hat betont, daß sich die Außenpolitik Polens mehr denn je aus die konsolidierten Kräfte der Nation stützen könne, die durch das Parlament repräsentiert würden. 2115 er das sagte, muß er zugleich gefühtt haben, daß Die Situation Polens dieser Behauptung durchaus nicht entspricht. Weder sind die Kräfte Polens heute konsolidiert. noch ist das Parlament, der Sejm, in der Lage, sie zu repräsentieren. Der Marschall befindet sich ganz weit weg, in Madeira oder aus der ttahrt dahin. Negiert er nun eigentlich in Polen oder w c r regiert in Polen? Ist eine Linie der Außen- Politik vorhanden außer der, daß man starr un den Friedensverträgen festhält, daß man die Minderheiten vergewaltigt, daß man sich mit einer Isolierung abfindet, die Polen zum willenlosen Bundesgenossen Frankreichs macht? Die Predigt der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes, die wir durchaus auch der deutschen öfs<ntlichen Meinung gegenüber in dieser schweren Zeit für notwendig halten, hat sich ebenso, nein viel stärker an die Adresse Polens zu richten. Denn in dem, was es innen- und außenpolitisch tut, ist wirklich nicht viel gesunder Menschenverstand und Vernunft zu । erkennen.
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Gießener Stavtiheater.
William Lhakespcare:
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,O daß sie herrschen, lenken, trotzen wollen, # Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen! .
Das Lustspiel „The laming of the shrew", dessen ! Entstehungszeit, nicht sicher bekannt, in.die Jahre .wischen 1589 und 1603 verlegt wird, gehört zu den . leichtesten, heitersten, sorglosesten Werken feiner Gattung: es ist vollkommen aus der Laune eine-, Augenblicks geboren, gebunden an seine Epoche, vbantastisch bis zur Groteske und am wenigsten ,Jett- gemäfr in irgend einem Sinne ... vom modernen Zuschauer aus betrachtet.
Fünf Akte mit Vorspiel ereignen sich teils m Padua, teils im Landhause des Helden Pettuchw. Die Freude des Dichters an der Gestattung und Ausschmückung seiner Fabel — eine trotzige und 1 störrische Jungfrau wird durch den starken Willen ihres Freiers in ein sanftes und liebevoll gehorsames Eheweib verwandelt — halt ihnt bis.zur aller- . letzten Szene so in Atem, daß er das Vorspiel am ' Ende völlig vergeßen hat und nicht daran denkt, die Rahmenhandlung mit einem Epilog zu schließen.
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Denn die fünf Akte des eigentlichen Stückes waren ursprünglich als eine Darbietung gleichsam aus zweiter Hand gedacht, als ein Theaterspiel aus dem Theater, wie es etwa im „Hamlet" zur zentralen Szene mit großer Kunst und lebendiger Bühnenwirkung gestaltet wurde.
Bemerkenswert, mit wie leichter, spielerischer Hand dieses Stück geschrieben wurde: das Motto der so achtlos beiseite geschobenen Einleitung, die ja wie ein Vorwand zur szenischen Entwicklung der Haupthandlung wirkt, steht im Grunde der ernsthasten Komödie viel näher als die fünf Akte, die innerlich nicht das mindeste damit zu tun haben. Erst unsere eigene Zeit hat die Anregung aufgegriffen, und der betrunkene Kesselflicker Schlau, dem Shakespeares barocke Laune das Stück von der gebändigten Katharina vorspielen läßt erschien, flüchtig verwandelt, als schlesischer Landstreicher in Hauptmanns herrlichem Rüpelspiel.
Das Publikum dankte mit einmütigem Beifall, und insbesondere die Herren der Schöpfung, die sich den ganzen Abend gelabt hatten, gingen erhobenen Hauptes nach Hause. "kn.
Hochschulnacbnchten.
Dr. Heinrich Hopf, Privatdozent an der älnivcrfitär Berlin, wurde als Nachfolger von Prof. H. Wehl (jetzt in Göttingen- zum d. Professor für höhere Mathematik an der lögen. Technischen Hochschule in Zürich berufen. — D. Ernst Wolf. PrivatdozMt in Rostock, hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchenge'chichte in der evangelisch-theo.ogischen Fakultät dir Universität Bonn als Rachfo^er von Professor Peterson angenommen. -- Prof. 2k. Dr. Hans Leube in Leipzig hat den Ruf an die Universität DreSlau angenommen; er übernimmt dort den Lehrstuhl der Kirchen- geschichte als Rachfolger von Prof. Kohlmeyer.
Als Regiments-Abordnung in Versailles.
Generalmajor a. D. von D., einer" der ältesten Offizier- der asten Armee, statte uns die nachfolgende Schilderung aus seinen persönlichen Erinnerungen zur Verfügung.
Der Ee'chühdonner von St. Cloud und vmn Mont ValÄien lag über Paris, als toir Abordnungen von den einzelnen Regimentern und am 18. Januar 1871 im Hofe von Ver^ail.es versammelten. Obgleich ich inzwischen ein uraster Mann geworden bin, werde ich nie die Begeisterung vergeben, als p.öhlich die Standarte auf dem Dache des Schlosses hoch ging.
Am Eingänge zum Vorsaal des Salon de la Paix herrschte scharfe Kontrolle, daß kein Unbefugter zu der Feier Einlaß fände, aber ohne großen Erfolg, denn viele, viele schlichen sich m rhr:m Jubel mit ein. ohne zurückgewiesen zu W UnöSann schufen Hofmarschall Graf v. P e r- p o n ch e r und Oberhofmarschall Graf v. P u ck- I et Ruhe durch gebieterisches Aufklop en mit dem Palasch. Roch heute sehe ich un Spiegelsaal des Versailler Schlosses den Altar vor mit, an dem der Hof- und Garnisvnprediger Ist. Rogge feines Amtes waltete. Wir waren uns in diesen Minuten vor der Feier der Große des Augenblicks bis ins Innerste bewußt: der aste Traum unserer Vater sollte in Erfüllung gehen, es sollte wieder ein geeintes Deutsches Reich flCQIuf der Stittenbühne, von der aus später die Kaiser Proklamation verlesen wurde, hatten inzwische nöic Fahnenträger mit ihren zahnen und Standarten Aufstel.ung genommen; den gerollten Mantel feldmarschmäßig über der Brust.
Hm 12 ilfjr mittags traf König Wilhe.m ein begrüßt von dem brausenden Jubel der im
Die feinere Pointierung eines so erbaulichen Traktates beruht für den modernen Zuhörer vielleicht nicht minder auf der von Goethe weislich gewählten Fortsetzung der pädagogischen Ermahnung (im VII. Gesang nachzulesen'» — als auf der grotesken Spannung zwischen dem mittelalterlich an- mutenöen Rezept für Ehemänner aus elisabethanischer Zeit ... und der sehr selbständigen, selbstbewußten, auf Gleichberecht gung gegründeten Haltung der Frau unseres Jahrhunderts von der sich wiederum der große William Shakespeare nichts träumen lasten konnte.
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Die vielfach verzweigte, ausgesponnene und figurenreiche Nebenhandlung - vom vergessenen Vor- spiel völlig zu schweigen — mit ihren mancherlei Verwechslungen, Vertauschungen, Intrigen, Parallelen und Kontrasten zur Hauptfabel interessiert uns nicht sehr: das ist Beiwerk und nichts als Spiel zur Ausschmückung und Belebung der entscheidenden Szenen zwischen Katharina und Petruchiv.
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Katharina, ein Weltkind, „unerträglich bös und wild, zänkisch und trotzig über alles Matz ... ; Petruchid, ein wunderlicher und wahrhast wunder- tätiger Heiliger, der Mann mit dem enernen Wil- len und der starken Faust, der feine Lust dann findet, die aufsässige und bockige Braut mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und nut drastischen und wenig wählerischen Mitteln klein zu kriegen — so Nein daß sie zuletzt, wie ein schnurrendes Kätzchen, dem'Mann zu Willen ist, daß sie demütig und zitternd, dem Machtwort ihres Herrn und Gebieters untertan die Sonne für den Mond und einen allen Mann für ein holdseliges Mädchen erklärt.
Die Bekehrung der paduamschen iantippe geschieht mit so barbarischen Mitteln und ift im M- | jten Grunde so unwahrscheinlich, daß man sich nicht
Gefechte mit den Franzo'en gab. b'.ieb uns auch am Tage der Proklamation allzu viel Zett zum Feiern nicht. . , ,, ,
Aber am Abend waren wir doch recht lustig, als die Ablösung gekommen war und wir wieder Quartier bcz'ehen konnten. Von Weihnachten her stand in meiner Stube noch eine Erle, die ein Kamerad und ich uns geschlagen hatten, damit sie uns in Frankreich den heimatlichen Weih- nachtsbaum ersehen jollte. Geschmückt war sie mit selbst zusarnmengeklststerten Ketten und allerhand Zauber, den Mudding aus Demmm mir geschickt ^Qliit unserem Quartierwirt, einem sranzöfischen Bäckermeister, standen wir ausaezstchnet. Er spendierte uns eine Pulle alten Ro'.weins, und ich kann heute m>l> erzählen, wie hemlich sie uns schmeckte und wie wir unter fernem Geschutzdvnnei. auf den Schmied des nunmehr geeinten Deutschen Reiches, auf Bismarck, anstießen.
Reichsgrundung unter Geschühfeuer.
Oberst a. D. v. W. erzählt aus seinen Feldzugserinnerungen.
Ich machte den Feldzug 1870/71, der durch die Gründung des Deutschen Reiches gekrönt wurde, im zweiten Rassauischen 2nfantcr.e-Regiment Rr. 88 mit. Am 18. Januar 1871, als tn Versailles der feierliche Proklamationsakt vor sich ging, lag mein Regiment unter schärfstem Feuer in Chaville, an der großen Straße Paris-Ber- sallles, unweit vom Mont Valer.en.
Bon hier aus erfolgte Dann der letzte fraii- zöstsche Ausfall gegen das 5. preußische Armeekorps, zu dem auch mein Regiment gehörte, tn Dem ich damals als älnlerofstzier Diente.
Ich kann also wohl sagen, daß w.r das Fest Der Reichsgründung unitcr Geschützdonner begingen. Denn mein Regimen! hatte die Montretrut- schanze besetzt und der Feind hatte es auf Die
Man sah eine hübsche, belebte und farbige Aufführung. Fassott führte Regie; die von 'hm gewählte Bühnenfassung verzichtet auf das Voripiel vollkommen, was an sich schade ist; aber die opieb führung kann ihren Standpunkt mit inneren und äußeren Argumenten triftig begründen: einmal wird entschieden Zeit gespart; außerdem fehlt dem Vorspiel, wie schon angeöeutet wurde, sowohl die innere Verbundenheit mit dem eigentlichen Stuck als auch das ergänzende und abrundende Gegenstück eines Epilogs.
Auch sonst ist die hier zugrundegelegte Buhnem bearbeitung auf eine glückliche und dramaturaisch geschickte Art dazu angetan," den in der Urfassung ziemlich schwerfälligen, wettläufigen und umständlichen Text zusammenzulcgen, zu kürzen, über» flüssigen und aufhallenden Beiwerks zu entkleiden und zu vereinfachen.
So ließen sich fließende Verwandlungen ermöglichen; überhaupt war das Ganze auf ein munteres und spielerisches Tempo eingestellt und wurde im Stil eines ausgelassenen Faftnachtsstückes bei gedämpfter Bühnenmusik abgewickelt. Die Schauplätze waren von Löffler mit märchenhaft bunten, luftigen Kulissen begrenzt. Die Kostüme von H u - b e r schienen nicht gerade aus Dem Padua zu Shakespeares Zeiten zu stammen, glichen vielmehr einer phantasievollen Mischung aus Biedermeier, Cowboy-Wildwest und spanischer Tracht, was alles in allem indessen zu Der unbekümmerten Auf machung des Lustspiels nicht übel paßte.
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deutschen Minderheiten und der dazu geschloßenen Verträge gegeben und hergeftellt werden. Dafür ist der Völkerbund verantwortlich. An dieser Verantwortung muß er mit größtem Nachdruck angepackt werden. Der „Manchester Guardian" sagt mit Recht: „Wenn die Minderheitenschutzver- träge überhaupt etwas bedeuten, so ift für den Völkerbund hier unbedingt der Fall des Handelns." Dabei find die Ziele der deutschen Politik ganz klar gesteckt: Sicherheiten für die Minderheiten und das Beschwerdeversahren, Minderhettenftatut überhaupt und ständige Minderheitenkommission — alles in der speziellen Anwendung auf die deutsch-polnischen Streitigkeiten. Dabei darf aber die öffentliche Meinung bei uns nicht vergessen, daß unser Beschwerde- material umfangreich ist, die polnische Entgegnung desgleichen und daß diese Maste von Beschwerden schwerlich endgültig jetzt erledigt werden kann.
Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Vettre- tung auch die großen und größten Hintergründe des deutsch-polniichen Gegensatzes in Genf zu Wort kommen läßt. Man sieht ja überall in der Welt, welchen Gefahrenherd für den europäischen Frieden die heutige deutsche Ostgrenze darstellt. Jener Artikel Herriots konstatiert auch diese Gefahren. Aber man will trotzdem d i e P f l i d)t e n_niett
sehen, die man Demgegenüber zu erfüllen hat. Selbst ein Mann wie Herriot, der für den Frieden eintritt, deutet nicht mit einem Wort an, was nun geschehen soll, um diese Gefahren rechtzeitig zu beschwören. Sonst müßte er nämlich sagen, daß Frankreich eingreifen müsse, die einzige Macht, die etwas in Polen erreichen konnte. Aber Die fühlt sich mit Polen verbunden wegen Des
Katharina, Die Widerspenstige: Hilde schwend; es war ein Vergnügen, ihrer Verwandlung — nachdem man sich psychologischer Bedenklichkeiten gutgelaunt entschlagen hatte — zu folgen: Wandlung vom störrischen, stampfenden, fauchenden,, mit Kratzen und Maulschellenverteilen sich wehrenden, rotbeschopften Unband zum sanften, willfährig
der Tagesordnung sind, das ganze de.utfch° polnische Verhältnis, also auch die Frage der deutsch-polnischen Grenze steht. Dor seinem Auswärtigen Ausschuß hat er versucht, sich zu wappnen, und zweifellos in geschickter Weise. Er macht die versöhnliche Geste, daß die polnische Regierung den deutsch-polnischen Handelsvertrag dem Sejm zur Ratifikation oorlegen will. Irgend etwas wird die deutsche Regierung darauf tun müssen. Daß er in der Abrüstungsfrage vollständig Den französischen Standpunkt: erst Sicherheit, Dann Abrüstung! aufnimmt, verwunDert niemand. Die Hauptsache aber war seine Stellung zu der Minderheiten
frage.
Er behauptete, daß die Minderheiten durchaus gesichert seien und wandte sich dagegen, daß man „dieses Problem aus der Atmosphäre rein sachlicher und vernünftiger Erwägungen auf das politische G e l e i s schieben wolle". Dieser Schachzug, bei dem Zaleski zugleich aussprach, daß es zweifelhaft fei, ob eine solche Taktik im Interesse der Minderheiten selbst liege, ist ohne Zweifel geschickt. Er versuchte die Berechtigung des deutschen Standpunktes in Genf von vornherein zu diskreditieren, indem er in Der Welt die Vorstellung erwecken will, als wolle Deutschland sie bloß zu einem großen Angriff auf Polen benutzen. Mit dem nötigen Geschick ist dem von Deutscher Seite ohne Zweifel z»i begegnen, aber diese Geschicklichkeit muß
dem» föttäig Prelsverlellunf EammiVEimJflJD tallllllllllllllllliliiiiiiiiiiiig Union Samliaii, 17. Anil. abcnb38‘2Ubt s"ll Kneipe Ter illorufliib.
anroenbung zum Schluß Den staunenden Zuhörern mit Grazie oorzutragen wußte.
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Den Petruchio spielte Hauer, und es mgchte ihm offensichtlich selber Spaß, einmal aus dem Dollen schöpfen zu können und mit Peitschenknallen und muskulösen Kraftgebärden den starken Mann zu mimen. Der in seinem trauten Heim wie in einem Löwenkäfig umherwirtschaftet und unerschütterlich auf Den groben Klotz Den gröberen Keil unD aus einen Schelmen anDerthalbe fetzt.
Auch Die übrigen Mitwirkenden waren gut ola- ciert. Den geprüften Vater Baptista gab Karl V o l ck — in einer Shakespeare-Maske — mit behäbigem Humor und wirksamer Betonung. — Bruck, als Diener Iranio, war diesmal darstellerisch und mimisch erfreulich gelöst und beweglich; eine geschmeidig ins Lustspiel sich einfugende Figur. — Auch Linkmann (Grumio) und Hub (Gre- m'.o) die beiden Komiker, brachten ihre heiteren Pointen treffsicher unter die Leute. — Das zweite Brautpaar wurde von Elisabeth W i e l a n b e r, der sanftmütigen Schwester, unb Wefener, als verkapptem Lateinlehrer, anmutig gegeben. — Schelcher, Zingel (als untergeschobener Vater» unb Fassott wären aus bem vielstimmigen Ensemble noch zu erwähnen.
3m Augenblick überragt alle außenpolitischen .-xrogen unser Verhältnis zu Polen, das : allmählich eine kaum zu überbietenöe Spannung angenommen hat. Es ist bezeichnend, daß sich in Iländischen Blättern z.B. von Herrwt oder m
„Neuen Züricher Zeitung besondere Leitartikel Der lleberschrift: „Die deutsch-polmsche Span-
tg" finden. Ebenso bezeichnend ist, daß in Der nser Presse so gut wie niemals die Verlichtung Frankreichs ausgesprochen oder »rtannt wird, im Interesse des europäischen Frie- .5 auf Polen vermittelnd einduroirten. Um bedauerlicher, daß bei der D ft r et f e des utschen Reichskanzlers Kundaebungen olqt find, die jedenfalls D.c Einheitlichkeit des itschen Willens in Den Oftfragcn vor dem Aus- id in Frage stellen konnten.
sehr zu begrüßen war es, bah der Kanzler, Der, loie alle Mitglieber bes Kabinetts, nicht aus dem Men flammt, in dieser ern ten und intensiven Mise, wie cs seiner gewissenhaften Natur entspricht, lvrt Fühlung genommen hat. Er mutz damit dem putschen Osten Vertrauen, Selbstvertrauen, ciiigeslößt haben, und er hat ihm auch die Mahnung zu politischer Vernunft und zur Verantwortung ausgesprochen. Daß Deutsch- lind für seinen Osten sorgen muß, auch mit schweren Opfern und warum, das braucht nicht besonders belegt zu werden. Nötiger ist der Hinweis, daß die innerdeutschen Ostfragen immer im großen Zusammenhang der europäischen O st - fragen überhaupt betrachtet werden müssen, Die ja eine Einheit find: unsere Oftnöte, Deutsch- Lxnbs Verhältnis zu Polen, bie deutsch-rustischen Beziehungen, Rußlands Verhättnis zu Polen unb uieberum schließlich Polens Verhältnis zu Frank- reich, womit ber Kreis geschloffen ift im Sinn Der Einheit unb im Sinn ber Verbindung mit den ocsarnteuropäischen Fragen. Keine deutsche Ostpolitik orößeren Stils ist zu führen, die diesen Zusammen- lang und diese Einheit nicht beachtet!
Zu unseren bekannten Beschwerden, um die fetzt In Genf gekämpft wird, ist die Grenzverletzung durch polnische Militarflug- , e u g e hinzugekommen. Wie immer sich das Er- sianis auch herausstellt: im Augenblick war es . iirfach eine Frage des Taktes, daß nach den (Ereignilfen in Oberschlefien, bei Anwesenheit des Kanzlers unb direkt vor Genf die polnische Regie- rung Anweisung zu geben hatte, dergleichen zu vermeiden. Die deutsche Presse ist vollkommen einhett- lich in dem Hinweis, daß das deutsche Volk im lieberfliegen deutschen Gebietes durch polnische Mi- | [itärfliegcr gerade am Tage des Kanzlerbesuches . eine Absicht sieht. Sie weift darauf hin, daß diese Flieger ja nicht an der Grenze, sondern 6 0 km von ihr entfernt über Oppeln erschienen sind. Selbstverständlich betont ein solcher Vorfall die ttn- hiltbarteit der Zustände an unserer, rote die^.Gcr- mania" direkt sagt, „sogenannten Ostgrenze ge- L-a be jetzt vor Genf ganz befonbers stark.
Der deutsche Außenminister ging dort hm mit einem gewaltigen Material, bas in drei Roten Deutschlands niedergelegt ist. Vergeste man letzt m diesen Kampftagen nicht, daß, wie auch die einzelnen Parteien zu ihm stehen, er dort in Genf als der Vertreter, als der Anwalt des Deut- fchen Reiches spricht! (In diesem Zusammen- hange, in dem in Genf die Ostfraaen so m den Vordergrund rücken, sei auch dem Bedauern bar iiber Ausbruck gegeben, daß durch eine mnenpott- tische Entwicklung dem Danziger Freistaat |cin hervorragender Vertreter Dr. Sa hm genommen worben ist, dem Danzig in ben langen Jahren feiner Tätigkeit in Genf ungeheuer viel zu per« Lnttn t>at. In Senf ift Dr. eal,m flerabe ie8t tun ber Streit um ©hingen heraufzieht, auch durch den tüchtigsten Verwaltungsbeamten nicht zu ersetzen und ber Staat Danzig wird die Kosten dieses Wechsels zu bezahlen haben.) ,
Der polnische Außenminister fühlt natürlich, daß es in Genf um Großes geht, daß hinter den beut« schen Minberheitsbeschwerben, die der Gegenstands
vorhanden sein.
Dazu ist nötig, sich darüber klar zu fein, was in Genf diesmal in der deutsch-polnischen Streitfrage überhaupt heraiiskommen kann. Das konkrete und realpolitische Ziel Deutschlands ist: den Terror Polens und bie Verletzungen bes Gen- er Abkommens in Oberschlefien, sowie überhaupt
Polens nachzuweisen, daß das vom Völkerbünde Abruftungsstandpunktes, womit Polen an Frank-
Sie deutsch-polnische Spannung.
^ttupenpo»iNfcye um|0)au.
Lon Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin.
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