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Nr. 294 Erstes Matt

18s. Jahrgang

Mittwoch, (6. Dezember 1931

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrafte 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot,' für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

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Oer deutsche Ausfuhrüberschuß finkt.

Erste Auswirkungen des Pfundsturzes und der Gchuhzollmaßnahmen des Auslandes.

Berlin, 15. Dez. (111.) Die Auhenhandels- ergebnissc für den November 1931 lassen bereits die schwere Beeinträchtigung erkennen, die der internationale Warenaustausch durch währungs - und handelspolitische M a ft- nahmen in der letzten Zeit erfahren hat. Der deutsche Ausfuhrüberschuß ist von 383 Millionen Reichsmark im Oktober auf 256 Mil­lionen Mark im November gesunken. Unter Berücksichtigung der Tributsachlieferungen übersteigt der Wert der Ausfuhr den der Einfuhr nur noch um 267 Millionen Mark gegenüber 396 Millionen Mark im Oktober. Die A u s f u h r ist von 866 Millionen Mark im Oktober auf 738 M i l - lionen Mark im November zurückge­gangen. Dazu kommen noch die Tributsachliefe­rungen im Werte von 11 Millionen Mark gegenüber 13 Millionen Mark im Vormonat. Die Einfuhr hat sich wertmäßig mit 482 Millionen Mark gegen­über 483 Millionen Mark im Oktober ungefähr gehalten. Mengenmäßig ist sie um 4 v. h. ge­stiegen, da die Durchschnittswerte erbeut zurückge- gangeu sind.

von dem Rückgang der Ausfuhr dürfte entsprechend der Entwicklung in den Vorjahren rund ein Drittel auf jahreszeitliche Einflüsse zurückzuführen sein. Z w e i d r i t t e l der Ausfuhrabnohme sind zweifellos als die ersten Auswirkungen der Absaher schweru n- gen anzusehen, die der deutschen Ausfuhr im Aus­lande bereitet werden. Insbesondere läßt sich der die Ausfuhr hemmende Einfluß der zahlreichen W ä h - rungsentwerkungen bereits deutlich er­kennen.

Der Ausfuhrüberschuß im deutschen Außenhandel ist also, wie zu erwarten war, im Monat Aovember mengen- und wertmäßig im Verhältnis zu den Vormonaten nicht unerheblich zurückgegangen, ist aber höher als im Monatsdurchschnitt von Januar bis Juni. Die Schätzungen des Layton-Derichtes, daß der Aus­fuhrüberschuß für 1931 rund zwei Milliarden Mark betragen werde, werden also noch über­troffen, und voraussichtlich wird der Gesamt­überschuß an 2,7 bis 2,8 Milliarden Mark heran­reichen. Leider ist nicht damit zu rechnen, daß sich diese Entwicklung 1932 fortsetzen wird, denn der Zollkrieg aller gegen alle, der mit äußerster Rücksichtslosigkeit von England eingeleitet worden ist, der auch schon die Schweiz veranlaßt hat, ihre Handelspolitik auf eine neue Grundlage zu stellen, wird der deutschen Ausfuhr viel zu schaffen machen. Hinzu kommt, daß die reinen Ziffern des Außenhandels die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge nicht ohne weiteres decken, denn gerade bei einem Ausfuhrüberschuß kommt es darauf an, ob er dem Ausfuhrlande tatsächlich Gewinn bringt oder nicht. Bei der deutschen Ausfuhr ist das vielfach nicht der Fall, denn sie geschieht zu Preisen, die unter den Gestehungs- k ost en liegen. Sie geschieht auch zu Bedin­gungen^ die sonst im normalen Zahlungsverkehr nicht üblich sind.

Der deutsche Ausfuhrüberschuß von 1931 in Höhe von 2,7 Milliarden Mark wird voraus­sichtlich einmalig sein und bleiben, eignet sich also nicht dazu, für die Stillhalteverhandlungen oder gar für das Tributproblem zur Grundlage gemacht zu werden. Die Tatsache, daß Währungs­krisen sich wie die Glieder einer Kette anein- cnderzureihen drohen, muß den internationalen Warenaustausch noch mehr erschüttern, woran nicht ändert, daß anscheinend England durch die Preisgabe des Goldstandards handelspolitisch nicht viel gewonnen hat. Wenn nun auch Japan den Goldstandard aufgibt, so braucht das international nicht solche Auswir­kungen zu haben wie der englische Vorgang, denn der Ven ist nicht einmal in Ostasien ein so anerkanntes Zahlungsmittel wie das englische Pfund. Japans Wirtschaft und Märkte sind durch den immerwährenden Bürgerkrieg in China sowie vor allem durch das mandschurische Aben­teuer schwer gefährdet, denn der größte Teil der japanischen Ausfuhr muh in Ostasien unter­gebracht werden.

Wie stark das Pendel unter dem Druck der Wirren im Fernen Osten zuungunsten Europas ausschlagen kann, zeig-'n die wachsenden Schwierigkeiten Hollands. Für Hol­land sind die indischen Kolonien nicht nur eine Kraftquelle ersten Ranges, sie sind auch die eigentliche Stütze des holländischen Kapital­marktes und der Wirtschaft. Als Zuckerausfuhr- lond wird Riederländisch-Jndien nur von Kuba, als Tabakausfuhrland nur von der Union über­troffen. Run hat der deutsche Außenhandel im Aovember zu dem bemerkenswerten Ergebnis geführt, daß die Ausfuhr nach den Ländern mit erschütterter Valuta durchweg erheblich z u r ü ck g e g a n g e n ist. Wenn also auch Holland den Gold­standard preisgeben sollte, so können die Fol­gen für Deutschland unübersehbar sein, weil Holland und seine Kolonien unter den Ausfuhrländern an er ft er Stelle stehen.

Cs gibt nicht nur in Frankreich noch Leute, die Deutschland für unbedingt zahlungs­fähig halten, die behaupten, es könne zmU min­

desten die ungeschützte Tributrate aus eigener Kraft aufbringen. Die französische Taktik geht offenbar dahin, zunächst einmal alles zu ver­langen, das heißt, den Voung-Plan in vollem Umfang aufrecht zu erhalten. Dieser Taktik ent­spricht die Formel, der politischen Tributlast den Vorrang einzuräumen, hinter der die Privat- schulden auf alle Fälle zurückzutreten haben. Frankreich weiß ganz genau, daß es mit dieser 'Formel nicht durchdringen kann und wird, denn schon der Versuch dazu würde das ganze in­ternationale Kreditgebäude in sich zusammen­brechen lassen. Frankreich will aber unter allen Umständen die ungeschützte Tributrate sichern, vor allem deshalb, weil sie f a st in vol­ler Höhe an Frankreich abgeführt werden muß. In diesem Sinne läht Frankreich in der ihm willfährigen internationalen Presse auch schon die Fühler ausstrecken, um so die Ein­nebelung der öffentlichen Meinung vorzubereiten, daß,' wenn Frankreich in Sachen der geschützten Tributrate irgendwelches Entgegenkommen ge­zeigt, dies ein Anrecht darauf gibt, die unge­schützte Tributrate ohne jeden Rachlah zu fordern.

Der Haken ist nur auch hier wieder, daß Deutschland weiter politische Tribute in keiner Form auf bringen kann, daß es dies auch mit Rücksicht auf die internationale Wirtschaft nicht tun darf, weil die Tribute

die eigentliche Ursache der internationalen Wirtschaftskrise sind. Wenn schon 1932 der I e: sHe Ausfuhrüberschuß infolge des Zollkrieges aller gegen alle einschrumpft, so wird es in Deutsch­land sogar sehr schwer sein, die für den Zinsen- dienst der privaten Schulden erforderlichen Sum­men aufzubringen. Dieser Zinsendienst beträgt ungefähr 1,8 Milliarden, eine Summe also, die voraussichtlich im nächsten Jahre durch die Ausfuhr nicht mehr hereinkommen kann, es sei denn, dah ein völliger Umschwung der Politik, die bisher dos internationale Ver­trauen zerstört hat, den Völkern den Weg frei­gibt. Dieser Umschwung kann aber nur von Frankreich kommen, denn solange Frankreich hartnäckig auf deutsche Tribute pocht, wird die Wirtschaftskrise sich verschärfen, werden die Völ­ker und Staaten gezwungen sein, sich vor zoll- und währungspolitischen Maßnahmen gegenein­ander zu schützen. Damit ist aber auch die Zer­reißung des Voungplans durch die wirtschaftliche Entwicklung gegeben, also nicht durch den bösen Willen Deutschlands, denn der Voungplan setzt eine internationale Wirtschaft voraus, die ununterbrochen im Auf­stieg begriffen ist, die es möglich macht, durch die Kreditpolitik der DIZ. neue Märkte zu er­schließen. Weil diese Entwicklung nicht möglich gemacht worden ist, deshalb ist auch der Bvungplan erledigt.

Die Arbeit des Reichskommiffars für Preisüberwachung.

Vor einer Verordnung über Preisschilder. Senkung der kommunalen Werk-Tarife.

Berlin, 15. Dezember. (TU.) Amtlich. Der

Reichskommlsfar für Preisüberwa­chung wird nach Abschluß der in diesen Tagen durchgeführten Verhandlungen mit Vertretern der Bäck er-, Fleischer- und Friseurver- bände in kürze eine Verordnung über Preisschilder erlassen. Die Verhandlungen, die mit dem Fleischer- und Friseurgewerbe über die Preisgestaltung stattgefunden haben, stehen eben­falls vor dem Abschluß. Montag hat der Reichskommissar mit den deutschen Straften- und Kleinbahnverwaltungen verhandelt und das Verfahren festgestellt, nach dem auf Grund der Bestimmungen der Notverordnung Tarif- crmäftigungen mit möglichster Beschleunigung in Kraft gesetzt werden können.

Der Reichskommissar nahm am Montag an einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Städtetages teil, in der die Möglichkeiten einer Senkung der kommunalen Werk- Tarife erörtert wurden. Eine Senkung der Ta­

rife wird ermöglicht durch den Rückgang der Gestehungskosten, Lohnsenkung, Zins- fenfung und Kohlenpreisherabsetzung. Ls wurde auch die Möglichkeit eines Eingriffes in den Bereich der indirekten Besteuerung der Kommunal- belriebe erörtert Die Reichsregierung steht jedoch auf dem Standpunkt, daft vor jeder Reichs- Hilfe alle Steuermöglid)teiten aus­sen u h t werden müssen und hat sogar bei der Umschuldung der kurzfristigen Kredite die Gemein­den durch die Notverordnung vom 6. Oktober genö­tigt, die Tarife zu erhöhen. Es ist unter diesen 21m- siänden im Augenblick noch nicht zu über­sehen, in welchem Ausmaft eine Senkung der städtischen Tarife, die an sich aufter Frage steht, erfolgen wird. Am Mittwochnachmittag findet eine Sitzung des Vorstandes des Deutschen Städtetages statt, an der ebenfalls Dr. Goerdeler teilnehmen wird. Es ist zu erwarten, daft in dieser Sitzung über das Ausmaß der Tarissenkung Klarheit ge­wonnen wird.

Gewerkschaften und Notverordnung.

Eine Rücksprache mit der Reichsregierung.

Berlin, 15. Dez. (TU.) Die Besprechung der gewerkschaftlichen Spitzenverbände und Deamten- bünde, die am 14. Dezember 1931 beim Reichs­kanzler stattfand, galt den verhängnis­vollen Auswirkungen .der Rotver- verordnung auf die Lage der Arbeit- nehmerschalt und der Beamten. Die Gewerkschaftsvertreter führten insbesondere aus, daß 'die Rotverordnung di? Arbeitnehmer und Beamten vor allem deshalb schwer belaste, weil die Preissenkung der Lohn - und Ge - haltssenkung nichtvorangehe. Sie ver­wahrten sich ferner gegen die durch die Rot- Verordnung festgelegte Sonderbehandlung der Bergarbeiter und der Gemeinde- und Staatsarbeiter, durch die der Lohn dieser Arbeitergruppen zum Teil erheblich noch unter den Stand vom 10. Januar 1927 herabsinke. Rachdem die Reichsregierung den Weg der Deflationspolitik beschritten und Löhne und Gehälter auf den Stand vor der Rationali­sierung zurückgedrückt habe, müsse die Regierung nunmehr die Preissenkung auf der ganzen Linie schnell und durchgreifend in die Wege leiten und alle Tarifverträge für allgemein-ver­bindlich erklären. Die Vertreter des Deutschen Gcwer.schaftsbundcs wandten s ch b.sonders gegen die empfindlichen Kürzungen der Bergarbeiter­löhne und der Löhne der Arbeiter in den öffent­lichen Betriebe. Ebenso hart sei die Lage vieler Angestellten. Eine Besserung der Geschäftslage auf dem Binnenmärkte sei direkt abhängig von einem vollen Erfolg bei der Auf­lockerung und Senkung der Preise der Lebens­mittel und Bedarfsartikel, der Tarife für Verkehr, Strom, Gas und Wasser und von einer gut durchgeführten Miet- und Zinssenkung sowie von einer Preis­minderung bei den Urftoffen.

Der Reichskanzler wies in feiner (Entgeg­nung u. a. darauf hin, daft wir in einer strukturel-

len Krise stehen und Dinge machen müssen, die andere Länder einfach durch verlassen des Goldstandards einfacher machen könnten. An der Senkung der Bergarbeiterlöhne sei man wegen der notwendigen Preissenkung bei der Kohle leider nicht vorbeigckommen. Ebenso könne man auch die Löhne der öffentlichen Arbeiter nicht unberührt las­sen, wenn ein Teil der Beamtengehälter noch weiter gesenkt werde.

Der Vizekanzler bemerkte dazu, daft es besser sei, eine organisierte Senkung dieser Löhne zu vollziehen, als daft später durch leistungsschwache Gemeinden die Löhne willkürlich noch stär- ker gemildert würden. Der Reichsarbeitsmini- ster bemerkte zu den Bergarbeiterlöhnen, daft wir vor der Frage standen, ob weitere 80000 oder 90000 Bergarbeiter entlassen werden müftten, oder ob man durch Lohn- und Preisauflockerung die Weiterbeschäftigung derselben erreichen will. Zur Ardeilsbeschaffungs- frage führte der Kanzler aus, daft für 2 5 0 Mil­lionen Mark durch die Reichsbahn Vergebungen erfolgen, daft die Gesell­schaft für Arbeitsbeschaffung mit 400 Millionen Mk. in Betracht komme und daft schlieftlich den Ländern und Gemeinden geholfen werden müsse, aus der Hauszins st euer, insbesondere auch aus den Rückflüssen nach wie vor Mittet für den Woh­nungsbau zu geben. Besonderes Gewicht wäre auf die Durchführung der Preissenkungsvorschriften gelegt 3n Sonderheit werden auch die öffent­lichen Tarife alsbald eine Herab­setzung erfahren. Der Reichsarbeitsminister hob besonders hervor, daft die Regierung unbedingt die kollektiven Arbeitsverträge hal­ten will. Der Reichskanzler betonte am Schlnft,

daft vom Erfolg in der Preisfrage der wesentliche Zweck der Notverordnung, nämlich die Voraus­setzungen für die Ingangsetzung der Wirtschaft z« schassen, abhängt.

Oer AOGB.

Berlin, 15. Dez. (ERB.) Der Bundes-Aus­schuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts­bundes trat zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, um vor allem zu der lohnpolitischen Lage, die dÄch die Rotverordnung entstanden ist, Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende L e i p a r t berichtete über die Besprechungen mit der Reichs­regierung. Bei diesen Besprechungen habe er die Hinausschiebung der Lohnsenkung gefordert, bis die Preissenkung sich tatsächlich ausgewirkt haben werde. Er habe weiter kritisiert, daß die Rotverordnung nichts für die Arbeitsbeschaffung vor­sehe. Auch gegen die Verschlechterung der Sozialversicherung habe er sich aus­gesprochen. Die Lohnsenkung auf den Stand vom 10. Januar 1927 bedeute praktisch in den meisten Fällen die Herabsetzung auf den Stand von 1925? Die Rotverordnung sehe vor, daß die Parteien bis zum 19. Dezember die Vereinbarungen über die neuen Lohnsätze treffen sollten. Das sei schon technisch nicht möglich. Wenn man sozusagen durch einen Schiedsspruch des Reichspräsidenten neue Löhne festsehe, dann müsse auch verlangt werden, daß diese neuen Löhne allgemein­verbindlich erk lärt werden und daß nicht durch Außenseiter diese niedrigen Löhne nochmals gedrückt werden.

In einer Entschließung erklärt der Dun- desausschuß: Die schwerwiegenden Bedenken gegen einen allgemeinen Lohnabbau bestünden unvermindert fort, um so mehr, als in den Maß­nahmen zum Abbau der Preise keinerlei Bürg­schaft für einen auch nur annähernden Aus­gleich der Kaufkraftminderung zu er­blicken sei. Riemand kann ein größeres Inter­esse am wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschland, an politischer Beruhigung und an der Erhaltung eines geordneten Staatslebens ha­ben als die Arbeiterschaft. Es sind aber st ä r k st e Zweifel berechtigt, ob die Rotverordnung das deutsche Volk diesem Ziele näherführen wird. Der Bundesausschuh fordert von der Regierung, daß nunmehr alle dem Preisabbau dienenden Maßnahmen nicht weniger rücksichtslos durchgeführt werden als die außerordent­lichen Eingriffe in den Lohnstanö und in das kollektive Arbeitsrecht. Die Gewerkschaften wer­den von sich aus alle Anstrengungen machen, auf einen fühlbaren Preisabbau hinzuwirken. Weiter verlangt der Bundesausschuh, dah schnell­stens ein großzügiges Arbeitsbe­schaffungsprogramm durch geführt wird zur endlichen Entlastung des Arbeitsmarktes und zur Behebung der Arbeitslosennot.

Die ühristlich-Sozialen gegen eine Einberufung des Reichstags.

B e r l in, 15. Dez. (VDZ.) Die Deichstags­fraktion der Christlich-Sozialen hat nach einem Bericht ihres Vorsitzenden Simpfendorfer zu der Vierten Rotverordnung und zur poli­tischen Lage Stellung genommen. Der Dolksdienst "betrachtet die Rotverordnung in erster Linie unter dem Gesichtspunkt ihrer Bedeutung für dieFortführungderDefreiungspoki- t i k. Um die zweifellos vorhandenen Mängel der Rotverordnung zu beseitigen, wird der Volks­dienst sofort die nottoenöigen Schritte unter­nehmen. Für die breitesten Volksschichten sind die ihnen neu zugemuteten schweren Entbehrungen erträglich, wenn diePreissenkung mit rück-, sichtsloser Energie durchgeführt wird. Die zu­künftige Haltung des Volksdienstes wird davon abhängen, ob die Regierung in den bevorstehen­den außenpolitischen Kämpfen auch weiterhin den festen Willen erkennen läßt, die endgültige Befreiung von den Tri­buten mit zielklarer Entschlossen- h e i t und unbeugsamer Härte zu sichern. Solange das geschieht, kann die Regre- rung auf die Unterstützung des Volks- dien st es rechnen. Von einer sofortigen Einberufung des Reichstages kann sich der Volksdienst nach allen bisherigen Erfah­rungen eine Förderung des Freiheits­kampfes nicht versprechen.

Senkung des Reichskrafiwagentarifs.

Berlin, 15. Dez. (WTB.) Amtlich. Der Reichsverkehrsmini st er hat mit sofortiger Wirkung folgende Aenderung des Reichskraftmagen­tarifs angeordnet: Die im Abschnitt I vorgesehenen Frachten für Ladungen von bis zu 1000 kg und die im Abschnitt II vorgesehenen Frachtsätze für die Ge­wichtsstufen von 1001 bis 3600 kg werden um 15 v.H., die Übrigen Frachtsätze im Abschnitt II um 5 v.H. ermäßigt. Diese Tarifänderung ist als Zwischenlösung anzusehen. Die im'Ta­rif enthaltenen Tabellen werden deshalb auch zu­nächst nicht neu aufgestellt. Cs ist beabsichtigt, den in der Verordnung über den Ueberlandverkehr mit Kraftfahrzeugen vorgesehenen Tarifbeirat in der ersten Hälfte des Monats Januar einzuberufen. Seine Aufgabe wird es sein, zu den zalftreichen, seit der Neuregelung des Güterfernverkehrs mit Kraft fahrzeugen geäußerten Wünschen Stellung zu neh­men und eine Grundlage für die Entschließung des Reichsverkehrsminsters über die organische Neugestaltung des T a r i f s zu schaffen. Die Tarifarbeiten sollen so beschleunigt werden, daß der neue Tarif am 1. Februar in Kraft treten kann.