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denplan einer Dorfschule nicht aufweisen Doppelt so gern lernte Inga nun, da Wetteifern mit Ebba war!
In Ebbas Schulklasse war Ostern die von den Kaufmannsleuten des Dorfes
Roman von Fr. Lehne.
GUrheberschuh durch C. Ack.rmann, Romanzentrale Stuttgart.)
men. Sie war ein uneheliches Kind von deren Tochter, die Modistin in Berlin gewesen, dort aber gestorben war. Vom Vater wußte man gar nichts, und so waren die älteren Leute gezwungen, das Mädchen zu sich zu nehmen. Lotte hieß sie, nannte sich aber Loio und trug das Stupsnäschen sehr hoch, weil sie aus Berlin kam. Ihre Kleidertasche barg immer etwas Besonderes, Bonbons oder Schokolade und sonstiges Raschwerk, das sie ja genug im Laden der Großeltern fand.
Die Lotte war ein frühreifes, boshaftes, schwarzhaariges Ding, das direkt ein störendes Element unter den anderen bildete, denen sie mit ihren Erzählungen aus Berlin zu imponieren suchte. Richts war ihr gut genug: alles tadelte und verwarf sie. Ganz kokett und städtisch zog sie sich an, auch darin abweichend von den Mitschülerinnen, jeden Tag mit einer anderen lebhaften farbigen Haarschleife, um Reid zu erregen.
Auf Ebba hatte sie es ganz besonders abgesehen: sie suchte Streit, wo sie nur konnte, und war erbost, wenn man ihr nicht recht gab und zu Ebba hielt, der sie nicht gönnte, dah sie auf dem Schlosse verkehrte. Wäre Ebba nicht so sehr nachgiebig und verträglich gewesen, hätte es jeden Tag Zank in der Schule gegeben. Der
Arbeitsamtsreform.
Zur Frage der Zusammenlegung des Arbeitsamts Wehlar mit dem Arbeitsamt Gießen.
Die Entfernung zwischen den beiden Städten Wetzlar und Gießen beträgt 13 Kilometer. Die Kreisstädte in Oberhessen liegen 50 bis 70 Kilometer von Gießen entfernt, und es wird in allen Kreisen die Tätigkeit des Arbeitsamts zur Zufriedenheit der Beteiligten ausgeübt. Die größten Entfernungen für Orte des Kreises Wetzlar nach Gießen sind 30 Kilometer. Ein Teil der Orte vom Arbeitsamtsbezirk Wetzlar hat sogar nach Gießen nähere und bessere Derkehrsverbindungen, als nach Wetzlar. 3n der Presse („Wetzlarer Anzeiger". — D. Red.) wurde die Sache auch so dargestellt, als wäre Gießen wirtschaftlich ein ganz unbedeutender Platz und Wetzlar das große Zentrum. Dah dem nicht so ist, geht aus folgenden Zahlen hervor: Die Krankenkassen der Stadt Gießen weisen nach den letzten Aufstellungen einen Stand an Pflichtmitgliedern auf von 11 700, die Stadt Wetzlar einen Stand von 8250, im Kreise Giehen-Land 9000 und Wetzlar- Land rund 6900. Auch der Kreis Friedberg mit Rauheim weist einen bedeutend größeren Mitgliederstand auf, als der Kreis Wetzlar. Auch dort wurde seinerzeit im Hinblick auf die „eigenartigen" Verhältnisse ein besonderes Arbeitsamt verlangt. Es hat sich aber gezeigt, dah auch ohne ein selbständiges Arbeitsamt die Bedürfnisse von Rauheim und Friedberg ihre Berücksichtigung finden. Die geringe Zahl der Angestellten, die vom Arbeitsamt Giehen in Rauheim und Friedberg beschäftigt sind, zeigt, daß bei entsprechender Einrichtung auch in Wetzlar Personal eingespart werden kann. Von Wetzlar wurden auch Vorschläge gemacht, den Arbeits- amtsb zirk Weh . r dadurch lebensfähig zu machen, dah man Gebietsteile von anderen Arbeitsamts- bezirlen dem Arbeitsamt Wetzlar zuteilt. Derartige Vorschläge werden natürlich auch von anderen Städten gemacht. Man kann von Wetzlar oder Dillenburg, kurz von jedem Ort aus, einen Kreis ziehen und diesen Ort zum Mittelpunkt des Kreises machen: wer aber die Verkehrsverhältnisse und die Gestaltung der Landschaft berücksichtigt, der wird finden, dah das Arbeitsamt Dillenburg Gebiete umfaßt, die nur sehr schwer Wetzlar oder anderen Arbeitsämtern zugeteilt werden können. Die Dillenburger könnten dann auch mit Recht sagen: „Wenn wir schon irgendwo anders zugeteilt werden sollen, warum dann nach Wetzlar und nicht gleich nach Giehen?" Man wird keinem Anbeteiligten klar machen können, warum in einer Ent- fernung von 13 Kilometer zwei Arbeitsämter ihren Sih haben sollen. Ein Blick auf die Derkehrskarte zeigt auch, dah die Forderung, den Sih des Arbeitsamts etwa von Giehen nach Wehlar zu verlegen, unberechtigt ist und die Interessen aller oberhessischen Kreise verletzen würde. Auch dem Amt würde ein größerer Betrag an Reise- und Fahrtkosten entstehen. Die Gründe, die Wetzlar für das Weite, bestehen eines selbständigen Arbeitsamtes geltend machen kann, könnten mit dem gleichen Recht von einer großen Anzahl Städte und Kreise geltend gemacht werden: es könnten sogar in vielen Fällen noch bessere Gründe vorgebracht werden Es ist deshalb zu wünschen, daß auch in W e h l a r die s a ch l i ch e n, allgemein gültigen Belange über den Lokalpartikularis- m u s gestellt werden. Dr. Engler.
Oer Landkreis Hanau am Ende.
WSN. Hanau, 15. Nov. In einer Versammlung der Kreisabteilung Hanau im Verband der Preußischen Landgemeinden teilte Landrat Kai« f e r (Hanau) mit, dah infolge der großen Rück«
Vom Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M. wird uns geschrieben:
der Errichtung der Reichsanstalt war das Bestreben der zentralen Verwaltungsorgane der Rcichsanstalt darauf gerichtet, die Landesarbeits- amtsbezirke und die Arbeitsamtsbezirke unter weitgehender Zurückstellung der gegebenen politischen Grenzen in erster Linie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten abzugrenzen. Die Bezirke sollten eine Größe erhalten, bei der mit möglichst niedrigen Kosten ein genügender Verwaltungsapparat geschaffen werden kann. Schon damals machten sich gegen die Zusammenlegung von Gebieten aus verschiedenen Bundesstaaten starke Widerstände geltend, so daß das von den Verwaltungsorganen gesteckte Ziel nicht ganz erreicht wurde. Die Entwicklung hat aber gezeigt, daß die kleinen A r - b e i t s a m t s b e z i r k e sich nicht bewäh« r e n. Der Spcn kommissar, die Prüfer des Deutschen Rechnungshofes und der Reichsanstalt vertreten einheitlich die Auffassung, daß die kleinen Arbeitsämter zusammengelegt werden sollen. Der Vorstand der Reichsanstalt wird sich in den nächsten Monaten darüber schlüssig werden, wo zusammengelegt werden kann und muß. In den Versammlungen der Spitzenverbände von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und anderen Körperschaften wird, weil nur auf diesem Wege eine Ersparnis an Beamtenaufwand erzielt werden kann, für alle Derwaltungszweige eine Zusammenlegungvon Verwaltungs« behörden verlangt. Wenn es aber an die Durchführung geht, dann wehren sich die lokalen Organisationen gegen die Aufhebung ihrer Behörde, und es wäre ein Wunder, wenn es in Wetzlar anders wäre.
Um allen Beteiligten eine sachliche Prüfung zu ermöglichen, sollen die Gründe, die für das Landesarbeitsamt bestimmend sind, dargelegt und einige Unrichtigkeiten richtiggestellt werden. In verschiedenen Aeußerungen wurde angezweifelt, daß durch die Zusammenleguna mit Gießen eine Ersparnis erzielt wird. Erspart wird das Gehalt des 1. Vorsitzenden. Der Nebenstellenleiter wird nach einer niederen Gruppe bezahlt. Des weiteren wird sicher eingespart eine Arbeitskraft in der Kasse und eine Arbeitskraft in der übrigen Verwaltung. Nach dem von einem Fachmann aufgestellten Organisationsplan kann eine Ersparnis von 20 000 bis 25 000 Mark im Jahr erzielt werden. Es ist zu beachten, daß in einem großen Arbeitsamt die einzelnen Abteilungen der Arbeitsvermittlung, Arbeitslosenversicherung, Kasse usw., an der Spitze mit erfahrenen und gut geschulten Kräften besetzt werden können. Andere Arbeitskräfte können in einem großen Amt besser ausgenutzt werden, wie es in einem kleineren der Fall ist. Durch Einteilung kann erreicht werden, daß die untergeordneten Arbeiten auch von Angestellten der unteren Gehaltsstufe aus« geführt werden. An den verantwortlichen Stellen in der Kasse wird man in der Regel Kräfte haben, die sich bereits durch langjährige Tätigkeit bewähr- ten. Den wirtschaftlichen Bedürfnissen, die in Wetzlar etwas anders liegen wie in Gießen wird ebenso wie in anderen Arbeitsamtsbezirken durch entsprechende Vorkehrungen in der Arbeitsvermittlung Rechnung getragen. Die Nebenstelle in Wetzlar behält alle die Einrichtungen, welche von den Wirtschaft und von den Arbeitsuchenden benutzt werden, so daß Reisen nach Gießen nur in ganz seltenen Fällen notwendig werden. Im Arbeitsamt Gießen ist die zwischenörtliche Vermittlung von Arbeitskräften in die Landwirtschaft in starkem Ausmaß gelungen, was im Wetzlarer Gebiet bis jetzt nicht möglich war. Durch seine gut organisierte Vermittlung hat das Arbeitsamt Gießen für die Reichsanstalt schon große Ersparnisse erzielt.
diesem Zwecke sollen allmonatlich Zusammenkünfte «veranstaltet werden.
Ilse Schmidt-Wissendorff.
Oas Zugenlherbergswerk in Gießen und Oberheffen.
Auch das Jahr 1930 hat, wie die früheren Jahre, dem Iitgendherbergswerk im Gau Main-Rhein- Lahn-Fulda, dem das Herbecgswerk unserer Heimatprovinz untersteht, in jeder Hinsicht erfreuliche Fortschritte gebracht. Die Zahl der Mitglieder und Ortsgruppen ist gewachsen, schöne, neue Jugendherbergen sind entstanden. Allerdings ging die allgemeine wirtschaftliche Rot auch am Iugendherbergswerk nicht spurlos vorüber.
Es bestehen im Gau nach dem Jahresbericht vom Jahre 1930 im ganzen 29 Ortsgruppen, davon in Oberhessen 6, nämlich in Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Giehen, Ridda und in Schlitz. Die Zahl der Mitglieder des Gaues betrug 4492 am Ende des Jahres 1930 gegen 4296 am Ende des Jahres 1929. Die Verteilung der Mitglieder auf die oberhessischen Ortsgruppen ist folgende: Alsfeld 44, Büdingen 30, Friedberg 54, Gießen 300 (Gießen wird nur von Wiesbaden mit 343 und von Frank- fairt a. W. mit 1663 Mitgliedern übertroffen), Ridda 21 und Schlitz 82. Don den Spenden zur Unterstützung des Werkes seien die Zuschüsse des hessischen Staates, der Provinz Oberhessen und der Stadt Gießen erwähnt. Mit Unterstützung der Gemeinden und Kreise konnten am 18. Mai 1930 hie Jugendherbergen in Gedern und Büdingen ihrer Bestimmung übergeben werden. Im Frühjahr wurde eine schöne Herberge in Lauterbach eingeweiht. In Friedberg dagegen harrt die Frage einer Reubeschaffung der Jugendherberge noch der Erledigung.
Die Benutzung derHerbergen hat auch im Jahre 1930 eine wesentliche Zunahme erfahren. Sie stieg im Gau von 169 132 im Jahre 1929 aus 202 909 in 1930. Die Hebemachtungen in den Her- bergen der Provinz Oberhessen beliefen sich auf 13 359 (1927: 9460, 1928: 11 061, 1929: 13 161). Unter den oberhessischen Jugendherbergen steht in der Benutzung die Jugendherberge H e r ch e n - Hain mit 4063 Heber nach hingen an erster Stelle: die Hebernachtungszahlen der übrigen oberhessischen Jugendherbergen sind: Alsfeld 516, Büdingen 723, Butzbach 391, Friedberg 641, Gedern 703, Herbstein 657, Hoherodskopf 893, Laubach 153, Salzhausen 90, Schlitz 170, Schotten 545 und Gießen 2549. Gießen steht demnach an zweiter Stelle in der Frequenz. Don den Herbergsbesuchern in Gießen waren 2279 männlich und 270 tveiblich.
Die Bedeutung des deutschen Jugendherberg- loerks wird nach und nach immer mehr anerkannt, der Segen, den es bringt, dars nicht unterschätzt werden. Mögen sich daher Behörden und Private bemühen, das Bestehende zum Wohle unserer Jugend zu erhalten.
Bornotizen
— Tageskalender für Montag: Stadt- lheater Gießen, „Voruntersuchung", 20.15 bis 22.45 ll.hr. (Geschlossene Vorstellung.) — Lichtspielhaus, Kahnhofstraße: „Hirsekorn greift ein!"
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am morgigen Dienstag findet als 7. Vorstellung im Dienstag-Abonnement die Wiederholung des Lustspiels „Liebe und Film" von J Francois de Croisiet unter der Spielleitung des Intendanten statt.
— Ein kunstgewerblicher Stoffmai- kursus findet am Donnerstag, 19. November, 15.30 Uhr und 19.30 Uhr unter der Leitung des Dunstmalers Heinrich Bode- Wetzlar im Hotel „Hrinz Carl" statt. Den Teilnehmerinnen wird Gelegenheit gegeben sein, unter sachkundiger Anleitung Weihnachtsarbeiten anzufertigen. Näheres ist aus her heutigen Anzeige ersichtlich.
Seine fleißigste, aufmerksamste Schülerin war das Töchterchen.
Riemals hatte Lehrer Lenz, der mit Leib und Seele seinem Berufe ergeben, so gern unterrichtet wie nun, da die kleine Ebba wie ein verirrtes Prinzehchen zwischen der pausbäckig gesunden Dorfiugend sah. Unverwandt ruhten ihre großen, blauen Augen auf seinem Gesicht, lasen ihm die Worte von den Lippen ab, und jede Frage wußte sie zu beantworten. Er war sehr streng, um ja keinen Reid gegen Ebba unter den Klassengenossen aufkommen zu lassen. Ebba war sehr beliebt, und in den Pausen tollte und spielte sie mit den anderen, dah ihr lustiges Kinderlachen bis in die Küche der Frau Lenz drang, die manchmal vor das Haus trat, um die Kinder zu beobachten. Weit wurde ihr Herz, sah sie das M.ädelchen mit den wehenden Locken zwischen den anderen Kindern im Ringelreihen oder im Fangspiel. —
So war Ebba neun Jahre alt geworden, sie war ein sehr begabtes Kind, dem das Lernen spielend leicht fiel. Immer noch war sie täglich auf dem Schlosse: Inga hätte sie am liebsten ganz bei sich behalten. Zu ihrer Freude hatte Ebba jetzt mit ihr zusammen bei ihrer Erzieherin allerlei Unterrichtsstunden, die der Stun-
vergessen: das kleine eigene Geben nahm alles Sorgen, alles Interesse für sich in Anspruch.
Mit Interesse hatte auch damals das gräfliche Paar auf dem Schlosse von dem aufregenden Fall gehört. Man hatte den Lehrer kommen und sich von ihm berichten lassen. Die Herrschaften waren ungefähr im gleichen Alter wie die Lehrersleute, ein schönes, vornehmes Paar. Dem bisher einzig geblieb.nem Kin^e, dem zehnjährigen Hanno, sollte zu dieser Zeit ein Geschwisterchen geboren werden, und zur Freude der Eltern war es ein Mädchen, das in einer Augustnacht den ersten Schrei tat.
Hnb im Laufe der Jahre fand man, daß das nur wenig ältere Lehrerstöchterchen eine passende Spielgenossin für die kleine Komtesse sei.
Fast jeden Tag nun trippelte Ebba an der Hand des Bruders oder der Mutter oder eines Dieners vom Schlosse nach dem Herrenhause, das kaum eine Viertelstunde vom Dorfe entfernt war. Dort wurde das bildhübsche, graziöse, freundliche Kind ebenfalls sehr verwöhnt.
Mit großer Liebe hing Christel, der ein schlanker, hübscher, nun vierzehnjähriger Bub geworden, an der kleinen Pflegeschwester, er war ihr Spiel- geführte, ihr Beschützer. Don ihm konnte sie verlangen, was sie wollte: er stieg für sie auf die Bäume und holte ihr von den obersten Zweigen die schönsten Kirschen, Dirnen, Aepfel, was gerade reif war.
Zum Winter sollte er nach der Stadt aufs Gymnasium kommen. Sein Vater und der Pfarrer hatten ihm Stunden gegeben, damit er die nötige Klassenreife bekam. Schwer wurde es allen, sich voneinander zu trennen; doch die Ausbildung des Knaben verlangte es. Er wollte gern studieren, was den Wünschen seiner Eltern nur entgegenkam.
Auf dem Wege nach dem Schulhause muhte Frau Lenz am Pfarrhause vorbei. Der Psarrer und seine Frau saßen dort im Garten und riefen ihr ein paar freundliche Worte zu, und sie muhte für einige Minuten eintreten. Klein-Ebba war auch hier wie zu Hause, und mit ihrer kindlichen Lieblichkeit brachte sie auch in dieses stille ernste Haus Glanz und Sonne.
Als Frau Lenz mit dem Kinde wieder gegangen, sahen der Pfarrer und seine Frau sich bedrückt und schweigend in stummem Verstehen an, einer las in der Seele des anderen.
„Ist es dir nicht auch ausgefallen?" Leise, wie ein Hauch, fiel nach einer langen Weile diese Frage von den Lippen der Frau, die mit ihrem silbergrauen Haar, das in breitem Scheitel ihr gütiges Gesicht, das eine frühere Schönheit ahnen lieh, umrahmte, einen so ungemein sympathischen Eindruck machte.
Er nickte.
„Ja, Emilie, verblüffend ist sogar diese Aehn- lichkeit."
Ties und schwer seufzte die Fran, da an alte, nie vernarbte Wunden gerührt wurde.---
Auf dem Heimwege plauderte Ebbas reizender Wund unaufhörlich von dem, was sie erlebt, gegessen, getrunken, gespielt. rl
„Du bist wohl sehr gern auf dem Schlosse, Ebba?" fragte Frau Lenz, und beinahe wie Eifersucht klang es durch die Frage.
Klein-Ebba nickte eifrig, daß die blonden Locken um das reizende Gesicht flogen. Sie hing sich im den Arm der Mutter. »Ja, Mutti, aber bei beir bin ich doch am liebsten! Du bist die allerbeste Mutti."
Frau Lenz konnte nicht anders, sie muhte das Mädelchen auf den Arm nehmen, und in über- Mellender Liebe küßte sie das herzige Gesichtchen. Klein-Ebba war ihr alles, ihr ganz großes ängst- [ ch gehütetes Glück, das ihr das verlorene eigene Kind ersetzte. Mit Ebba war wieder Freude und Glück in das Lehrerhaus eingekehrt, die junge grau erblühte in neuer Gesundheit und Frische, und täglich dankte Christian Lenz dem Himmel fir seine Güte. Wie hatte die Sorge um das Seine hilflose Wesen, das vor fünf Jahren vor L?ret Tür gelegen, seine Frau in Anspruch genommen, dah sie ihrem schweren Leid nicht mehr irachhängen konnte!
Prächtig gedieh die kleine Ebba in der sorgsamen Pflege, und jeder Tag liefe sie mehr in Sas Herz und in die Liebe ihrer Pflegeeltern tzineinwachsen — und nicht blofe in deren Herz — Tas ganze Dorf nahm die Kleine für sich in Anspruch, sie war aller Kind.
Raturgemäfe hatte das Ereignis, dafe vor dem Lehrerhaus ein Kind ausgesetzt worden war, alle Semüter im Dors aufgewühlt. Das hatte einen Tankbaren Gesprächsstoff gegeben, und nicht müde wurde man, sich in den kühnsten, abenteuerlichsten Vermutungen zu ergehen; man sprach von ausgesetzten Prinzenkindern, und „Prinzehchen" nannte man das kleine Wunder von Mensch, das Ra so zierlich auf seinen Füfechen einher trippelte, uerhätschelt, verwöhnt von allen Seiten, bis der Lehrer bat, diesem Einhalt zu tun und vor allem nicht in des Kindes Gegenwart von seiner Herkunft zu sprechen, denn Ebba durfte doch niemals erfahren, dah die Lehrersleute nur ihre Pflege- eitern waren!
Man sah es ein und versprach hoch und heilig strengstes Schweigen. Lind mit der Länge der Zeit cerlor sich allmählich auch die Erinnerung an [eneö seltsame Ereignis, man hatte es beinahe
Oer Goeiheiurm bei $ranffurt
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Der neue Aussichtsturm auf der Goethehöhe im Stadtwald von Frankfurt a. M., der anläßlich des Goethejahres errichtet wurde, stellt mit 43 Meter Höhe das größte Holzbauwerk Deutschlands dar.
stände, die alle Gemeinden bei dem Arbeitsamt für die Krisenunterstützungsbeiträge hätten, die Reichsanstalt die Steuerüberweisungen für den Kreis sperren ließ Es handle sich hier um Beiträge, die der Kreis unbedingt nötig hätte, um die Unterstützungsgelder aüszahlen zu können. Wenn in dieser Woche nicht Hilfe werde von oben oder außen, dann sei der Kreis am Ende.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
-.- Watzenborn-Steinberg, 15. Novemb. Unser Mitbürger Joh. Häuser, Bahnhofstr 29, konnte heute seinen 9 0. Geburtstag begehen. Er erfreut sich noch körperlicher und geistiger Rüstigkeit.
Kreis Büdingen.
WSN. Nidda, 13.Nov. Gestern gegen 18.30 Uhr entgleisten beim Rangieren im Bahnhof Ranstadt der Strecke Gelnhausen—Gießen von einem Güterzug die Lokomotive und der Packwagen. Da die Aufgleisuna längere Zeit in Anspruch nahm, mußten die Reisenden von zwei Personenzügen in Ranstadt umsteigen. Die Aufgleisung war gegen 22.30 Uhr beendet.
preutzen.
Großfeuer in Trebur.
WSN. Groß-Gerau, 15. Nov. In Trebur bei Groß-Gerau entstand heute abend aus bisher unbekannter Ursache in einer mit Frucht gefüllten Scheune Feuer, das sich mit rasender Geschwindigkeit über m-ehrere Wohngebäude und weitere neun Scheunen erstreckte. In kurzer Zeit stand halb Trebur in Flammen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Viel Vieh ist umaefommen, und viel Frucht fiel den Flammen zum Opfer. Die benachbarten Feuerwehren, auch die Berufsfeuerwehr von Mainz, mußten mit Rücksicht auf die große Gefahr nach Trebur eilen.
Lehrer und der Pfarrer sogar sprachen mit Lottes Großeltern, dah die Lotte verträglicher sein solle. Die alten Leute sagten kleinlaut zu allem „ja", hatten aber nicht die geringste Macht über das vorlaute Enkelkind, das ihnen längst über den Kops gewachsen war. Die besten Bonbons naschte sie im Laden, die Mandeln und Rosinen, und wenn sie ihr drohten, sie müsse wieder nach Berlin, lachte sie und sagte: „Lieber heute als morgen!“ Dennoch ließ sie es sich sehr wohl sein bei den Großeltern: der kleine Kramladen mit dem vielen guten Sachen und der Garten mit dem Obst, das man gleich von den Bäumen und Sträuchern essen konnte, waren ungeahnte Herrlichkeiten für das Kind, das in einem engen, hohen Hause in durnpser Stube aufgewachsen, das bisher nie gewußt, wie wonnig ein Sommer auf dem Lande war. Gründlich kostete die Lotte das nun aus.
Alle Ermahnungen der Großeltern verlachte sie: ein yanz vorlauter Fratz war sie, die nicht eine einzige Freundin unter den Kindern hatte, was sie doch wurmte. Durch allerlei Bosheiten suchte sie sich dafür zu rächen: in der Schulpause ging es daher selten ohne Streitigkeiten ab.
Und dann war es einmal, daß Frieda Heitmann, die Tochter des größten Bauern im Dorfe, die Geduld verlor und ihr zurief: .,Du hast hier still zu sein und uns in Ruhe zu lassen — — du — Bankert du!"
Lotte Mähler wurde leichenblaß, dann glühend- rot. Sie schlug eine grelle Lache auf. „Darum also seid ihr so frech und ärgert mich immer so? Dann dürst ihr aber auch nicht mit Ebba Lenz spielen, die ein größerer Bankert ist als ich! Ich habe wenigstens eine Mutter gehabt, die aber gestorben ist, sonst wäre ich noch bei ihr! Aber wo sind Ebba Lenz ihre Eltern? Die haben überhaupt nichts von ihr wissen wollen und sie deshalb ausgesetzt, und Lehrers haben sie blofe angenommen. Sie ist nur ein Findelkind, und das ist das Schlimmste! Wer weife, wo sie herstammt, ob ihre Eltern nicht Seiltänzer oder Kunstreiter oder gar Zigeuner sind. — Zigeuner sehen Kinder immer aus — die Ebba braucht wirklich nicht so eingebildet zu sein!" stieh sie triumphierend hervor.
Betreten sahen sich die Kinder an; was hatte die Lotte da gesagt? Eine bange Stille herrschte: sie wagten kaum, nach Ebba zu blicken, die kalkweiß und zitternd dastand.
Die meisten Kinder wußten gar nichts, und die größeren, die vielleicht doch einmal etwas von ihren Eltern gehört, hatten geschwiegen, es schliefe- lich auch vergessen.
Frieda Heitmann faßte nach Ebbas Hand. „Sie lügt! Höre nicht auf die LügnerinI"
(Fortsetzung folgt)


