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Das Wahlergebnis in Gießen.

Sozial­demokratie

k

=

Kommunisten

Kommunistische 1

3

Z.

Deutsche Dolkspartei

Deutsche

j:

ZL c

£

demokraten

Christi. Sozialer Dolksdienst

5

Partei

Hessischer

qungquv.z

Deutschnat. 'NnlMHarMi

Sozialistische Arbeiterpartei

'S«! e- (9'0 ~

1.

Wahlbezirk......

222

41

200

5

39

14

2

20

1

6

0

424

2.

258

36

139

4

61

31

6

26

7

13

5

478

3.

300

44

156

7

44

19

6

17

9

4

3

8

465

4.

241

32

112

1

47

19

5

25

5

45

16

532

5.

308

35

176

4

26

16

7

19

8

1

4

10

8

384

6.

218

53

179

4

27

5

1

17

8

1

6

8

3

476

7.

243

61

99

2

59

13

3

34

1

4

89

3

578

8.

269

137

60

2

47

19

3

36

3

1

70

6

566

9.

227

125

65

4

63

36

9

50

7

3

59

12

606

10.

173

82

38

2

106

rf)

3

30

10

3

8

8

12

689

11.

203

43

44

2

110

18

7

56

6

1

7

0

10

558

12.

127

48

26

1

97

42

8

34

6

1

52

1

471

13.

157

53

36

2

61

18

3

47

12

1

3

18

6

460

14.

422

49

67

5

30

35

2

38

5

1

L

26

493

15.

184

27

116

3

73

21

2

28

9

E

►6

6

493

16.

210

23

132

3

43

19

2

17

5

.

6

1

4

413

17.

220

. 37

114

2

58

15

2

18

2

8

5

436

18.

189

49

106

3

42

50

5

15

7

1

46

4

443

19.

69

13

14

4

5

4

5

8

4

9

7

47

Insgesamt

4240

988

1879

60

1038

524

81

535

111

26

924

161

9012

Stimmberechtigt waren in der Stadt ließen 24740 Personen. Abgegeben wurden 19696 Stimmen, da o waren 117 ungültig, so daß 19679 gültige Stimmen verblieben. Tie Wahlbeteiligung belief sich aus 80%. (Bei der ReichStagSwahl am 14. Sept. 1930 78,72%, bei der Landtagswahl am 13. Nov. 1927 51,46%.)

Sie Wahl in oberhessischen Städten.

Friedberg. 1. SPD. 1530 (R. 1828, 2.518), 2. Ztr. 521 (R. 478, L. 343); 3. KPD. 694 (01.519, 2. 262); 4. Komm. Opp 33 (R 0, 2. 0); 5. DBP. 348 (R 709, 2 545); 6. DStp. 175 (R. 435, 2. 607); 7. Radikaldem. 78 (R. 0, 2 0); 8. Chr.-Soz Bolksd. 315 (R. 338, 2. 0); 9. Bolksrechtp 10 (R. 41, 2. 254); 10. Hess. Lbd. 119 (R. 143, 2. 241); 11. Dn. Dolksp. 143 (R. 155, 2. 269); 12. Soz. Arbeiters 130 (R 0, 2. 0); 13. NSDAP. 2340 (R. 903, 2 0).

Bad - Nauheim. Stimmber. 6300. Abge­gebene Stimmen 5050 - 80 Prozent. 1. Soz. P. 799 (N. 1378, 2. 974); 2. Zentr. 471 (N. 782, 2.246); 3. Komm. P 480 (N. 468, 2. 196); 4. Komm. Opp. 22 (N 0. 2. 0), 5. DDP. 172 (N. 706, 2. 519); 6. DStp 129 (N. 557. 2. 623); 7. Radikal- dem. 116 (N. 0, 2. 0); 8. Chr.-Soz. Dolksdienst 286 (N. 406, 2. 0); 9. Dolksrechtp 19 (N. 62, 2. 238); 10. Hess Lbd 22 (N. 70, 2. 115); 11. Dn. Dolksp. 316 (2t. 580, 2. 502); 12. Soz. Arbeiterp. 86 (R. 0. 2. 0); NSDAP. 2124 (R. 1651, 2. 0).

Butzbach. Stimmber. 3116, abgegeben» Stim­men 3006 - 88 Prozent. 1. SPD. 914 (2t. 899, 2. 641); 2. Ztr. 221 (2t. 181, 2. 191); 3. KPD. 218 (2t. 189, 2. 146); 4. Komm. Opp. 24 (2t. 0. 2. 0). 5. DDP 242 (2t. 410, 2. 367); 6. DStp. 82 (2t. 407, 2. 217); 7. Nad.-Dem. 68 (2t. 0. 2. 0); 8. Chr.-Soz. Dolksd. 66 (2t. 147, 2. 0); 9. Bolls- rechtp 6 (2t. 26, 2. 82). 10. Hess. 2bd. 21 (R. 37, 2.60); 11. Dn. Bp. 52 (2t. 61, 2.311); 12. SAP. 11 (2t. 0, 2. 0); 13. NSDAP. 1019 (21 384, 2. 0).

Dilbel. 1 SPD. 1527 (1774); 2. Ztr. 250 (235); 3. KPD. 654 (524); 4. Komm. Opp. 35 (0); 5. DBP. 91 (287); 6 DStp. 14? (232); 7. Nadikald. 21 (0); 8. Chr.-Soz. Dolksd. 90 (58); 9. Dolksrechtp. 2 (9). 10. Hess. 2bd. 6 (39); 11. Dn. Dp. 17 (30); 12. SAP. 73 (0); 13. NSDAP. 906 (349).

Büdingen. Stimmberechtigt 2400, abgegeben 2108, ungültig 21. 1 Sozialdemokratische Partei 462 (R 472); 2 Zentrum 57 (50); 3. Kommunistische Partei 179 (218); 4. Kommunistische Opposition 21;

5. Deutsche Bolkspartei 108 (227); 6. Deutsche Staatspartei 81 (382); 7 Radikaldemokraten 6, 8. Christi.-Soz. Volksdienst 38 (20); 9. Dolksrecht- Partei 2; 10. Hessischer Landbund 8 (25); 11. Deutschnationale Volkspartei 87 (98); 12. Sozialistische Arbeiterpartei 7; 13. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 1031 (438).

Nidda. Stimmber. 1609, abgegebene Stimmen 1309, ungültig 12 Stimmen. 1. SPD. 333 (2t. 264) . 2. Ztr. 59 (53); 3. KPD. 31 (32); 4. Komm. Opp. 12 (0); 5. DLP. 55 (139); 6. DStp 31 (2C2);7. Rad - Dem. 24 (0); 8. Chr.-Soz. Dolksd. 57 (47); 9. Dolksrechtp 9 (10); 10. Hess. Lbd. 4 (27); 11. Dn. Dp. 35 (24); 12. SAP. 9 (0); 13. NSDAP. 638 (163).

*

Schotten. Stimmberechtigte 1681, abgegebene Stimmen 1471, ungültige 3. Sozialdemokratische Partei 289 (2t. 384, 2.230); Zentrum 40 (21.8, 2.14), Kommunistische Partei 105 (2t. 19, 2.56); Kommunistische Opposition 7 (2t. 0, 2.0); Deut­sche Dolkspartei 24 (2t. 129, 2.105); Deutsche Staatspartei 9 (2t. 80, 2.190); Radikaldemokra­ten 31 (2t. 0, 2.0); Christl.-Soz. Dolksdienst 69 R. 41, 2.0); Dolksrechtpartei 0 (2t. 3, 2. 15); Hes­sischer Landbund 43 (R. 64, 2.214); Deutschnat. Dolkspartei 9 (R. 20, 2.93); Sozialistische Ar­beiterpartei 18 (2t. 0, 2.0); Nationalsoz. Deutsche Arbeiterpartei 824 (2t. 508, 2. 0). e

Lauboch. Stimmberechtigt 1295, abgegebene gültige Stimmen 1074, ungültig 1. Sozialdemokra­tische Partei 174 (R. 155, L. 60); 2. Zentrum 16 (R. 18, L. 7); 3. Kommunistische Partei 21 (L 6); 4 Kommunistische Opposition 1 (R. 23); 5. Deutsche Volkspartei 15 (R. 109, L. 95); 6. Deutsche Staats­partei 6 (R. 40, 2. 19); 7 Radikaldemokraten 14; 8 Christl.-Soz. Dolksdienst 21 (R 34); 9. Volks- recht-Partei 12 (R 15); 10. Hessischer Landbund 24 (9t 98, L 95); 11. Deutschnationale Dolkspartei 30 (R. 12, L. 52); 12. Sozialistische Arbeiterpartei 3; 13 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 737 (9t. 335).

Kuriositäten aus derGeschichte des Autos.

Don Dr. Herbert Gchmidt-Lamberg

Als Erfinder und Konstrukteure des wirklich ersten Kraftwagens haben sich nicht weniger als 416 Personen aus aller Welt bezeichnet, davon mehr als zwei Drittel in den Vereinigten Staa­ten, der Rest gut verteilt über England, Deutsch­land, Frankreich und Ruhland. Einige dieser Prätendenten aus den Lrfinderthron waren so energisch, dah sie gerichtliche Klagen anhängig machten, wobei eine Re he merkwürdiger Umstände zutage kamen. So konnte eine Gesellschaft russi­scher Ingenieure, darunter L h l o b o w und P u- t i l o w . nachweisen, dah sie in dxr Nähe des klei­nen Wolgaortes Pyostrow bereits in den Jah­ren 1887 und 1888 regelmähige Fahrten über ziemlich weite Entfernungen ausgcführt hatten mit einem Motorfahrzeug, das stark an den ersten Kraftwagen von Benz erinnerte. Als Zeugen wurden eine Anzahl Einwohner des Oertchens herangezogen, die zuerst als Passagiere mitge­nommen worden waren. Die Klage ChlobvwS und PutilowS wurde aber abgewicsen.

Ein amerikanischer Erfinder. Jerome HenntS, führte sogar den Nachweis, dah er zur Besörde- rung seiner Felderträgnissc schon um 1890 einen motorisch betriebenen Traktor verwendete. Hennis Sab an, dah er niemals daran gedacht habe, sein Intall könnte einst Weltbedeutung gewinnen. Sr habe sich vielmehr ängstlich gehütet, die Art sei­ner Maschinerie anderen zu erklären, er habe sie möglichst verborgen gehalten. Im Moment, als die ersten Kraftfahrzeug! abriken größeren Stile- entstanden seien, habe er erst bemerkt, dah er gegen seine wirtschaftlichen Interessen gehandelt habe. Man hat aber in New Orleans, wo seine Klage anhängig gemacht wurde, wenig Wert aus seine Angaben gelegt. Sr wurde abgewiesen.

Unter denjenigen, die aus dem Klagewege um die Anerkennung ihrer Priorität rangen, befan- den sich auch Atoei Chinesen. Beide hatten auf amerikanischen Universitäten. Pale und Harvard, studiert, und kamen im Jahre 1897 nach Schang­hai zurück. Hier errichteten sie die ersten chine­sischen Äraftfabneuge, die sich allerdings in der Hauptsache auf die Herstellung von Ersatzteilen beschränkten, im übrigen aber amerikanische Kraft- Wagen einführten. Da fic jedoch schon nach kur­zer Zett gewisse amerikanische 2i»en,en verletzten, wurde gegen sie eine Klage angestrengt, bei deren Austragung sie angaben, dah sie es erst gewesen seien, die zwei bekannten nordamerikanischen Kraftfahrzeug-Konstrukteuren neue CBkge zur

Vervollkommnung gewiesen hätten. Der Prozeß dauerte bis zum Jahre 1905, dann legte sich die amerikanische Regierung mit diplomatischen Machtmitteln ins Zeug und die beiden muhten erfahren, dah es schwer ist, gegen den Mächti­geren anzukämpfen.

Nichts ist natürlicher, als dah die Auffichtsbe- hörden in der ersten Zeit eines zunehmenden Kraftverkehrs es gar nicht leicht fanden, sich mit den Eigenarten dieses neuen Verkehrsmittels an- zusreunden Viele Polizeigewaltige versuchten es mit dem Erlaß drakonischer Vorschriften, von denen Proben folgen follcn. In Rom wurde noch im Jahre 1907 die Zirkulation der Kraftwagen in den Hauptstraßen nach 9 Uhr abends verbo­ten. In Gens wurde die Aufstellung von Auto­mobilen vor Warenhäufern, Cafös. behördlichen Gebäuden und an Parks gänzlich untersagt, weil man eine Cuftocrgiftung dadurch befürchtete. Ueberhaupt sollten .menfchenreiche Gegenden" nur in schneller Fahrt durchmessen werden. Als der Schauspieler G i a m p i e t r o nach einem Gast­spiel in Prag im November 1911 nach Hause fuhr, wurde sein Wagen von einer Polize,Patrouille angebalten, und der Künstler bekam ein Straf­mandat, weil es verboten sei. nacht- tönende Si­gnale zu geben. Das gleiche passierte auch Ca­ruso in Edinburgh, wo er säst um die gleiche Zeit gastierte. Hier war es zwar nicht verboten. Signale zu geben, aber .nicht an viel befahrenen Wegkreuzungen, weil dadurch Gefahr der Unauf­merksamkeit bei anderen Fahrzeuglenkem erregt würde" In Frankreich war es bi- um 1910 ver­boten, nacht- im Kraftwagen sich In die Nähe von Kasernen. 25efeftigungen, Waffenlagern und Posten zu wagen. Wer gegen diese Verordnung verstieß, konnte mit Freiheitsstrafen bi- zu einem Jahre Gefängnis belegt werden.

Eine besonders merkwürdige 2krorbnung wurde erst 1912 In Nischni Nowgorod ausgehoben. Es war hier den 2astwagensührern nur dann erlaubt, die großen Marktstraßen der Stadt zu durchsah- ren, wenn sie den sogenannten gelben Schein be­saßen Diesen Schein bekamen aber nur solche Händler, die mehr al- 500 Rubel jährliche Um- sahgaben zahlten. Man wollte damit da- Vor­dringen der kleinen Geschäftsleute verhindern.

Es dürfte bekannt sein, dah es den Farbigen in zahlreichen Städten in Uebersee verboten ist. Kraftwagen zu steuern oder auch nur solche zu benuhen. Weniger bekannt dürfte sein, dah eS ©emcinben und Staaten gibt, die den Frauen die Führerschaft, manchmal fogar da- Benutzen der Kraftwagen untersagen. Die nocdamerikanischen .Staaten Colorado, Wyoming, Montana und Utah

Al-feld. Stimmberechtigte 3371, abgegebene Stimmen 3263 = 92 v. H.» Ungültige 22. Soz. Partei 830 (21941, 2.445); Zentrum 72 (R. 77. 2.69); Kommunistische Partei 222 (2t. 156, 2. 134); Komm. Opposition 7 (2L 0, 2.0); Deutsche Dolks­partei 120 (R. 399, 2.281); Deutsche StaatSpartei 82 (21. 153. 2. 0). Radikaldemokraten 8 (2t. 0, 2. 0). Christi. So;. Dolksdienst 29 (R 63, 2.0), DolkS- rechtpartei 4 (R. 31, 2.233); Hessischer Landb. 26 (R. 40, L. 85); Deutschnationale Volk-Partei 36 (R. 66, 2.216); Sozialistische Arbeiterpartei 10 (2t. 0, 2.0); Nationalsoz. Deutsche Arbeiterp. 1797 (21.908, 2.0).

2auterbad). Stimmberechtigte 3434. abge­gebene Stimmen 3006, Ungültige 15. Sozialdem. Partei 882 (R. 1028, 2.639), Zentrum 39 (2t. 32, 2.28); Kommunistische Partei 156 (R. 79, 2.38); Deutsche Dolkspartei 120 (R. 254. 2.315); Deutsche Staatspartei 25 (2t. 145, 2. 141); Radikaldemo­kraten 6 (2t. 0.2.0); Christlich-Soz. Dolksdienst 20 (2t. 0, 2.0). Dolksrechtvartei 4 (R. 23, 2. 94), Hess. Landbund 9 (2t. 17, L 48-;Deutschnationale Dolks­partei 89 (X 59, 2.219); Sozialistische Arbeiterp. 7 (2t. 0, 2.0); Nationalsoz. Deutsche Arbeiterpar­tei 1642 (R. 1028, 2. 0).

Schlitz. Stimmberechtigte 1888, abgegebene gültige Stimmen 1678. 1. Sozialdemokratische Par­tei 340 (2t. 354, 2. 309), 2. Zentrum 21 (2t 24, 2. 11); 3. Kommunistische Partei 85 (2t. 61, 2. 50); 4. Komm. Opposition 6 (R 0, 2. 0); 5. Deutsche Dolksp. 620 (R. 495, 2. 641); 6. Deutsche Staats­partei 4 (R. 26, L. 47); 7. Radikaldemokraten 2 (2t. 0. 2.0), 8. Christl.-Soz. Dolksdienst 19 (2t. 59. 2. 0); 9. Volksrechtpartei 2 (2t. 0, 2. 13); 10. Hes­sischer 2andbund 37 (2t. 51. 2. 53); 11. Deutsch- nationale Volkspartei 35 (2t. 50, 2. 61); 12. Sv-. Arbeiterpartei 8 (R. 0, 2. 0); 13. Nationalsoz. Deutsche Arbeiterpartei 499 (R. 363, 2. 0).

Aus der provlnzwlbouptstad»

Gießen, den 16. November 1931.

Winternot und koloniale Arbeit.

Wir wissen es, ober vielmehr, wir wissen es immer noch nicht alle, bah wir in einer Zeit höchster beut- scher Not leben. Alles um uns scheint schwankend geworben zu sein, unb wir spüren, bah überall, wohin wir blicken, bringenbe Hilfe nottut. Unsere Gegenwart ist Kampf unb Not Unb biese Gegen­wart hält uns so gebunben^ bah wir fast unbewuhi alles Fernerliegende zur Seite zu schieben geneigt sind Unb als etwas Fernliegendes kann uns im ersten Augenblick in bieser unserer Gegenwart bie Arbeit ber kolonialen Vereine in unserer Stabt sinb es in erster Linie ber Frauenbund ber Deut- chen Kolonialgesellschaft unb bas Rote Kreuz für Uebersee erscheinen Zwei Fragen tauchen auf Haben wir noch ein Recht zu kolonialer Arbeit? unb Dürfen wir heute in ben kolonialen Verbänben, über bie Heimat hinaus, in bie Ferne wirken? Diese beiben Fragen sinb so eng in bas Gewebe der deut- schen Not verflochten, bah jeber einzelne sich mit ihnen auseinanbersetzen muh

Was ist überhaupt koloniale Arbeit? Ihr Ziel ist seit ben Tagen von Versailles immer dasselbe. Wie- oergewinnung ber uns entrissenen Kolonien Auf­gabe ber zentralen Organe ber deutschen Kolonial- gesellschaft ist es, von ber beutschen Reichsregierung eine auf bieses Ziel gerichtete Auhenpolitik zu for­dern und ihr die dafür geeigneten Wege zu zeigen, sowie alle Mittel zu ergreifen, die ihr zur Förderung einer solchen Auhenpolitik möglich sind Aufgabe der zentralen unb örtlichen Wcrbestellen ist es, bas Der- ftänbnis für bie Notwenbigkeit ber Erreichung bieses Zieles zu wecken unb ben Willen zum gemeinsamen Kampfe aller Volksgenossen für bieses Ziel zu stählen.

Haben wir überhaupt eine Berechtigung zu biesem Ziel? Gerabe ber Zerfall unserer Wirtschaft, ber Millionen wertvoller Menschenkräfte brachlegt, for- bert gebieterisch eine Neuorbnung der kolonialen Fragen ba eine Entwicklung bcs auf engem Raum ' abgeschlossenen beutschen Voltes ohne überseeische Ko

geben heute noch keinen Führerschein für Frauen aus. Wenn Kraftwagen aus anderen Staaten die­ses Gebiet durchfahren, müssen männliche Chauf­feure als Begleiter vorhanden sein. Notwendigen­falls stellt man in den einzelnen Polizeibezir­ken auch Lotsen die bis zu den Grenzen der Staaten als osslzieUe Begleitung mitgegeben wer­den. Auch in Haiti und Honduras bestehen ähn­liche Vorschriften

Noch ungalanter ist die Regierung von Liberia, die überhaupt den Frauen das Autosahren ver­bietet. Hierfür werden gesundheitliche Gründe an­gegeben. Man drückt natürlich ein Auge zu. wenn die Damen der englischen oder amerikani­schen Kaufleute, die hier schwunghaften Handel treiben, einmal die Vorschrift übertreten. Auch in Kambodja besteht für die einheimischen Frauen ein solches Derbot, obwohl der König von Kam­bodja. der in Paris und Washington studiert hat. höchst moderne Reformen anstrebt. QTber vielfach hindern auch religiöse Vorfchriften die Frauen erotischer Länder an der Benutzung des Autos.

Es hat einer geraumen Zeit bedurft, ehe das Automobil sich allgemeine Anerkennung errungen hatte. Die Möglichkeit einer 2krbrängung bet bisher üblichen anderen Verkchrssahrzeuge tonnte man noch um 1910 nicht ahnen, wenn man hört, daß e- beispielsweise der spanisch« KriegSmini- ster noch im Mai dieses Jahres für unangebracht hielt, sich auf einen allzugrohen Train von Kraftfahrzeugen au stützen Diese würden allzu« leicht beschädigt, schon ein einfacher Schuß mache sie verwendung-unfähig. Auch Schükri Pa­scha, der Im Weltkrieg hervorgetretene türkische General, sagte bei den Manövem 1909, dah man .wohl ein gefallenes Pferd schnell ersehen, aber schwerlich einen zerschossenen Kraftwagen wieder reparieren könne". In der russischen Armee wurde 1911 noch vorgefchrieden. daß die Kraftfahrabtei­lungen fo ausgebildet werden sollten, dah sie hauptsächlich alS Meldefahrer hinter der Front verwendet werden könnten, von einer Einsetzung im Feuerbereich müsse man gänzlich absehen. Der Polizeipräsident von Stockholm bestimmte noch 1915. dah die Kraftfahrzeuge anderen DerkehrS- mitteln den Dortritt au lassen hätten, weil diese in der überwiegenden Mehrzahl und allgemein die wichtigeren Funktionen zu erledigen hätten. Beim deutschen Roten Kreuz gab man zu Beainn des Krieges noch dem Pierdegespann für ben Ab­transport der Verwundeten aus der Feuerlinie den Vorrang; erst im Stellungskrieg auf Aer- schossenem Boden muhte man erkennen, dah hier daS Kraftfahrzeug mit Gebirgsketten (Tank- anorbnung) weit bessere Dienste zu leisten in der

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Lage fei. In Frankreich, Italien und Schwekvn bestand am längsten eine LuruSsteuer auf die Ein­fuhr ausländischer Kratt-, auch Lastwagen, weil diese .nicht unbedingt notwendige Gegenstände für die Wirtschaft des Landes seien".

Die Doktordissertation Schillers stehl gegenwärtig oel dem Berliner Antiquar Paul Graupe zur Versteige­rung. Das schmale Heft ist für die Bibliothek eines Büchersammlers eine fast einzigartige Rarität.

Ionien nicht möglich ist. Wie lebenswichtig für unser Volk der Besitz von Kolonien ist, geht aus den Worten des französischen Kolonialministers Paul Raynaud hervor, die er anlählich der (Eröffnung der Pariser Kolonialausstellung sprachDas europäische Frankreich ist der 23. Teil des Reiches, das wir be­sitzen. Durch unsere Kolonien, die mit dem Mutter­lande vereinigt sind, die unsere Hauptabnehmer bil­den, und deren Reichtum uns zuflieht, besitzen wir eine gewaltige Macht Ohne unsere Kolonien waren wir nicht in der Lage, der Wirtschaftskrise Herr zu werden Wir würden Millionen Arbeitsloser haben. Das sollten sich die Leute einprägen, die üoer unsere Kolonialpolitik abfällig reden "

(Es ist also klar, daß wir aus den Lebensbedürf­nissen des deutschen Volkes die Begründung der kolo­nialen Ziele herleiten müssen. Und diese Bedürfnisse sind nicht nur unb nicht erst aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozwlen Not entstanden. Das deutsche Kolonialproblem' ist ein Raumproblem, und dieses ist älter als die gegenwärtige Not, und seine Lösung greift weit in die deutsche Zukunft. Daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, Immer wieder neue Kräfte für die koloniale Idee zu ge­winnen Wenn die Not in der Heimat auch noch so ß ist. wir dürfen darüber die Not der deutsch-n

gewanderten nicht vergessen Denn auch sie ist ungeheuer Brechen die Deutschen In Südwest und Ostafrika wirtschaftlich zusammen, so ist nicht nur die letzte koloniale Stütze für uns verloren, sondern diese Deutschen werden auch von den Regierungen ihrer Gastländer ausgewiesen unb nach Deutschland be­fördert, wo sie das Heer der Arbeitslosen vermehren und dem Reiche viel mefy Geld kosten, als wir jetzt zu ihrer und ihrer Kinder Unterstützung herausfenb- den Der Vorwurf der unserer kolonialen Arbeit heute so oft gemacht wird, keine Gelder für die Deutschen In Afrika zu verwenden, solange die Deut­schen in der Heimat Not litten, wird also den Tat­sachen nicht gerecht Wir dürfen nie vergessen, dah jeder Ausgewanderte seinen PleN in der Heimat einem anderen Arbeitenden Überlaßen hat (Es ist also nicht nur unsere Pflicht, den Deutschen In lieber- fee, die uns ihren Raum überliehen, noch eine Weile zu helfen, bis sie über ben schwersten Anfang hinaus sinb, es ist auch unser Vorteil.

Aus all biefen Erwägungen heraus hat die Orts­gruppe Giehen des Kolonialen Frauenbundes be­schlossen, ihre Arbeit in diesem Sinne fortzusetzen, die Mitglieder zu immer engerer Zusammenarbeit anzuspornen und das Intereffe wachzuerhalten Zu

Man frört das Gt-as wachsen.

Der Direktor des Berliner Institut- sür ölet» trizitätslehre, Prof. Dr Reich, berichtete an einem Vortragsabend der Gesellschaft für tech­nische Physik unb bes Verein- Aur Förberung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unter­richt- über bedeutsame Tiersuche zur Feststellung bes PslanzenwachstumS mit Hilfe der Elcktron- röbre. bie in biesem Falle al- Meßinstrument gilt unb sich bunt) Überaus große Empfindlich­keit auSzeichnet. Der Gelehrte nahm In feinen Ausführungen Bezug auf ben a. B. im Laut­sprecher vielsach austretcnden Pfeifton. der her­vorgerufen wirb, wenn zwei gegeneinander nur wenig verstimmte Schwingkreise eine Koppelung erfahren. Legt man nun zwischen die leicht be- wcglichcn Kondensatorplatten ein Im Keimen be­findliches Gerstenkorn, so werden die beiden Plat­ten bei- der Weiterentwicklung de- Korns bAw. bei besten Wachsen au6einanberqcbränqt Selbst die denkbar geringste Lageveränderung ist meßbar unter Zugrundelegung der Höhe des Pselstons. Es ist also erwiesen, daß daS Wachsen der Pslan- zen auf elektrischem Wege tatsächlich hörbar ist.

3eiffd)riften.

Zwei Künstler, die dem deutschen Volke aus Ihrem reichen Innenleben viel geschenkt haben, hat man in den letzten Tagen zu Grabe getragen den Maler Lester Ury unb den Dichter Arthur Schnitzler. Beider Andenken ehrt die neueste Nummer der 9 11 u ft r i r t e n Zeitung (I. I Weber, Leipzig) durch einen Ueberblirf über ihr künstlerisches Schaf­fen. Don Ury sind auherdem einige seiner Werke im Bilde oiebergegeben, die Erscheinung Schnitzlers ist in einem ganzseitigen Portrat festaehalten. Ein Zeugnis für die moderne deutsche Architektur. Mies von der Rohes Dillenneubau In Brunn, wird In einem illustrierten Aufsatz von Prosestor Dr. Max (Eisler gewürdigt. (Einen Umriß der Gestaltungs­kraft des bedeutenden deutschen Schauspielers Wer­ner Krauß gibt der bekannte Theaterschriftsteller Julius Bad; einige Maskenaufnahmen illustrieren den Text sehr überzeugend Zahlreiche Bilder aktuellen unb künstlerischen Charakters, Modisches, Belletristisches und Belehrendes wechseln miteinander ab. so daß jeder Leser in dieser Nummer etwas für ihn Passendes finden wird.