Ausgabe 
16.9.1931
 
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ja eine dauernde Storungsquelle sind, oder einen Hahn, dessen Inneneinrichtung nicht allmählich zerfressen wird vielleicht könnte man Wasser­leitungshähne aus nichtrostendem Stahl machen kurz, einen Hahn, der nie tropft, keinerlei In­standsetzungen erfordert und immer brav seine volle Schuldigkeit tut. Wenn wir einen solchen Hahn bekämen, das wäre sehr schön. Den Fah- hahn aber wollen wir am Weinfaß lassen und ihn nie wieder an die Wasserleitung anbauen, denn sonst ärgern sich die Wasserleitungsröhren wieder, wie früher, die Platze an!

Oberheffen.

Ltnenigettliche Obstversorgung der Bedürftigen.

WER. Schotten. 15. Sept. Im Hinblick aus die außerordentlich reiche Obsternte, bei der vor­aussichtlich eine restlose Erfassung und Verwer­tung des Obstes den Besitzern der Baumstucke nicht möglich sein wird, regt das Kreis amt Schotten in einer Bekanntmachung an die Bürgermeistereien des Kreises Schotten an, so­wohl von den Gemeinde-, wie auch von den privaten Obstbaumstücken den bedürf t tg e n Gemeindegliedern eine Anzahl von Bau» men mit Obst kostenlos zur Verfu- gung zu stellen. Die Zuweisung der Baume an die Bedürftigen soll von den Bürgermeistereien im Einvernehmen mit dem Gemeinderat bzw. mit den privaten Besitzern erfolgen. Die Bedürftigen sollen sich das Obst selbst brechen, ev. unter Auf­sicht der Gemeinde. Das auf diese Weise zur Verfügung gestellte Obst könnte als Win ter - Hilfe angerechnet werden. Auf diese Weise wäre auch den Obstdiebftählen wirksam vorge­beugt. Diese Anregung verdient auch anderwärts Beachtung und Aachahmung.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck. 14. Sept. Am Freitag wurden in der hiesigen Schule die Aeichsjugendwettkämpse ausgetragen. Es beteiligten sich 147 Kinder, davon 76 Mädchen. Die Knaben der Oberstufe (14) turn­ten den vorgeschriebenen Fünfkampf: Oberstufe Mädchen und Unterstufe Knaben und Mädchen den Dreikampf. 107 Kinder konnten die vorgeschrie­benen zwei Drittel der Höchstpunktzahl erreichen. Damit entfallen auf unsere Schule 11 Urkunden des Herrn Reichspräsidenten und 96 Llrkunden des Herrn Staatspräsidenten. Knaben-Ober-- stufe. Fünfkampf (14 Teilnehmer, 9 Sieger): 1. S. E. Immcl, 86 Punkte: 2. P. Haas, 85; 3.

. Döll und K. Hofmann, 78; 4. A. Rohrbach und W. Balser, 75; 5. H. Rau, 72; 6. O. Hofmann, 71; 7. W. Lepper, 68 Punkte. Mädchen-Ober- st uf e. Dreikampf (20 Teilnehmer. 11 Sieger): 1. M. Loh. 67 Punkte; 2. A. Dörr und F. Obern­dorfer. 50; 3. C. Schmidt, 48; 4. E. Kreiling. 47; 5 F. Müller. 44; 6. E. Kling und A. Dellof. 42; 7. W. Iung und Qlt. Weller. 41; 8. E. Gräf und H. Seibert. 40 Punkte. Änaben-Unter- stufe. Dreikampf (57 Teilnehmer, 42 Sieger): 1. K. Scherer, 62 Punkte; 2. E. Rohm, 61; 3. W. Eisenhut, 60; 4. K. Lepper. 58; 5. A. Seibert, 57; 6. W. Schreiner, 56; 7. A. Göbel, 55; 8. A. Ob­wald, 54; 9. E. Kreiling und E. Schäfer, 53; 10. O. Schmidt und K. Sinofzik. 52; 11. H. Vogel, 51; 12. W. Röhl, W. Lindenstrut und W. Wicke, 50; 13. A. Schnabel, H. Voigt, W. Faatz und W. Dapper, 49; 14. W. Größer, K. Kreider und H. Stephan, 48; 15. O. Strack und K. Schwarz, 47; 16. O. Rohm, R. Eckhard, E. Weller und H. Krei­ling, 46; 17. E. Hildebrand, E. Kling und W. Römer 45; 18. P. Riemaher, 44; 19. O. Erb, H. Abel, W. Dechert und W. Ohwald, 43; 20. E. Loch, 42; 21. A. Erb und W. Hildebrand, 41; 22. A. Rodenhausen und K. Weller, 40 Punkte. - Mädchen-Unterstufe. (Dreikampf (56 Teil­nehmer, 44 Sieger): 1. A. Wirbelauer, I. Braun und E. Schmidt. 60 Punkte; 2. 21. Wünch, 59; 3. M. Schäfer und E. Dech. 58; 4. L. Schäfer. 57; 5. H. Hofmann und E. Oßwald. 56; 6. G. Abel und I. Schneider, 52; 7. H. Balser. 51; 8. M. Bierau und T. Kreiling. 50; 9. T. Hammel. I. Rößer, H. Weller, L. Peters und E. Seibert, 49; 10. E. Hahn, E. Bellos, E. Iunker und 21. Weh- ling, 48; 11. M. Lungershausen. H. Hof, F. Schöffmann und E. Iung, 47; 12. C. Döringer und

L. Weller, 46; 13. H. Schnepp, E. Schäfer und G. Weller 45; 14. M. Becker und H. Möser. 44; 15 M.'Schnabel. F. Hildebrand und E. Kreiling. 43- 16 E. Ringel und I. Schreiner. 42; 17. 21. Velten, I. Schäfer. L. Laub. I. Pausch und G. Fey. 40 Punkte.

§ Beuern. 15. Sept. Bei der B ü r g e r m ei­st e r w a h l am 30. August waren drei Kandidaten ausgestellt worden. Nach dem Wahlergebnis hätte am letzten Sonntag zwischen dem seitherigen Bürger­meister Georg Wilhelm Lindenstruth und dem Kandidaten der SPD. Ludwig Pfeiffer Stich­wahl stattfinden müssen. Nachdem aber Ludwig Pfeiffer eine Wahl abgelehnt hat, muß nach der hessischen Landgemeindeordnung die ge s a m t e Wahl wiederholt werden. Vom Kreisamt Gie­

ßen wurde der neue Wahltermin auf Sonntag, den 11 Oktober, festgesetzt.

T Lollar. 15. Sept. Ein seltenes Iubiläum konnte der 1. Vorsitzende des hiesigen Turn- und Gesangvereins, Reichsbahnassistent Philipp H a r b u s ch, feiern. Seit 25 Iahren ge­hört er dem Vorstand des Vereins an. Aus diesem Anlaß versammelten sich die Mitglieder am Samstagabend im VereinslokalGasthaus zum Schwanen" zu einer schlichten, eindrucksvollen Feier. Der 2. Vorsitzende, Landwirt L. F o r b a ch. beglückwünschte den Iubilar im Ramen des Ver­eins und dankte ihm für seine treue, ersprieß­liche Arbeit als Vorstandsmitglied und Vorsitzen­der. Als Dankeszeichen überreichte er ihm einen vom Männerchor gestifteten Sessel, während der

Schloß Alteichen

bcr Schauplatz, mit dem sich der neue Vornan bei beginn beschäfllgl.

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3n der nächsten Nummer derIllustrierten des Gießener Anzeigers" tritt die zur Zeit am häufigsten gedruckte deutsche Romanschriftstellerin

Armv von varrhuss

mit dem Erstabdruck ihres neuen Originalromans in die Oeffentlichkeitr

Lüge um Liebe

Im Mittelpunkt der Handlung dieses neuen Romans steht der große Lebenswunsch, den wohl jeder Mensch heimlich im Herzen tragt und auf besten Verwirklichung er sehnsüchtig wartet.

Die lebenswahr gezeichnete Hauptperson ist Ioachim Rademacher, der kleine Angestellte mit der großen natürlichen Begabung, dem die Ver­hältnisse den Weg versperren, der stch durch Lüge sreimacht und fich den Weg ebnet zu einer glänzenden Laufbahn als kühner Erbauer von Bergbahnen. Um seiner Liebe willen tut Rademacher Schritte, die er vor stch selbst kaum verantworten kann und spielt die Rolle des Milliardärssohnes.

Oie spannende Darstellung seiner seelischen und geschästlichen Konflikte, der Kampf um die echte Liebe, den die Schwester seiner irrtümlich Aus- erkorenen führt, und die ihn schließlich sein Lebensglück finden läßt, wie er es stch erträumte, ist der Inhalt dieser reizenden Erzählung. Sie ist an Ursprünglichkeit der ErfindungundgeschickterVerknüpfungderHandlung

ein kleines rNeMeewevk.

Frauenchor ein sinnreich mit Sängeremblemen besticktes Kissen als Gabe darbrachte, das von der Handarbeitslehrerin. Frl. Weimar, entworfen und von Frl. Dingel ausgeführt war. Der Vorsitzende des Gaues Gietzen-Stadt und -Land im Hessischen Sängerbund überbrachte die Glück­wünsche dieses Bundes und schmückte den Iubilar mit der Ehrennadel desHSV." für 25jährige Vorstandstätigkeit. Der Dirigent. Berufsschul­lehrer Eberle, betonte die Wichtigkeit harmo­nischer Zusammenarbeit von Vorsitzenden und Chorleiter und überreichte dem Iubilar ein ihm gewidmetes Lied, das der Gemischte Chor hierauf diesem zu Ehren zum Vortrag brachte. In be­wegten Worten dankte der Geehrte für die Aus­zeichnungen. Die Feier wurde wirkungsvoll er­gänzt durch Liedervorträge des Männer-, Frauen- und Gemischten Chores, die von dem in dem Ver­ein herrschenden ernsten Streben Zeugnis ab­legten. Der Turn - und Gesangverein kann übrigens in diesem Iahr auf sein 7 0 j ä h - riges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß ist beabsichtigt, in nächster Zeit einen L i e* der abend zu veranstalten, zu dem die Vor­bereitungen bereits im Gange sind.

* Geilshausen, 15. Sept. Heute vormittag ereignete sich hier ein schwerer LlngMsfall. Der etwa 36jährige Monteur Ianz geriet bei Re­paraturarbeiten an einer Starkstromleitung irr­tümlicherweise mit einer Leitung in Berührung, die noch unter Strom stand und erlitt Ver­brennungen an Händen und Beinen. Durch die Gießener freiwillige Sanitätskolonne wurde der Verunglückte nach der Chirurgischen Klinik in Gießen gebracht. Sein Befinden ist den 31m- ständen entsprechend gut. Zu ernsteren Befürch­tungen besteht kein Anlaß.

J Lauter, 15. Sept. Die Feldbereini­gung ist nunmehr beendet, und die Zuteilungspläne liegen zur Einsicht auf. Das Unternehmen hatte sehr unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden. Ueber einen Teil der Schwierigkeiten half man sich durch die Einführuny einer freiwil- ligen Arbeitsdienst pflicht hinweg. Jeder Grundbesitzer konnte den auf ihn entfallenden Lasten­anteil durch Beteiligung am Wegebau und an den Verschleifungsarbeiten abverdienen.

# Grüningen, 15. Sept. Bei den O b st o e r st eigerungen unserer Gemeinde und des Kon- sortiums wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Während andere Orte des Kreises über sehr ge­drückten Obsterlös berichten muß man die hiesigen Preise in Anbetracht der Wirtschaftslage und der outen Obsternte als außergewöhnlich hoch bezeichnen. Birnen waren noch zu erstehen; aber für Aepfel und Zwetschen wurden oft höhere als Marktpreise ge­boten. Es kamen Aepfel pro Zentner bis auf 8 bis 9 Mark und Zwetschen auf 7 bis 10 Mark.

0 Bellersheim, 15.Sept. Am vergangenen Sonntag wurde hier das Jugendfest gefeiert. Ein stattlicher Festzug bewegte sich durch die Straßen dem Festplatz am Walde zu. Fast die gesamte Ein wohnerschaft hatte sich hier eingefunden. Nach Be­grüßung und Ansprache durch Lehrer Philipp folgten in bunter Reihenfolge Liedervorträge, Dekla­mationen, Aufführungen und Spiele der Schul­jugend. Ganz besonderen Beifall fanden ein Märchen­spiel, aufgeführt von Schülerinnen und Schülern der Oberklasse, und zwei Theaterstückchen, die die Kleinen unter Leitung von Lehrer S ch m i dt darstellten. Das Schlußwort sprach Bürgermeister Müller. Jedem Kind wurde eine Brezel mit aus den Heimweg ge­geben.

00 M u s ch e n h e i m, 15. Sept. Die hiesige Volks­schule führte die Reichsjugendwettkämpfe durch. Es wurden Sieger: 1. Knabengruppe: 1. Wilh. Meusel, 61 Punkte; 2. Otto Reif, 57 P.; 3. Adolf Weil 48 P.; 4. Otto Stumpf, 45 P.; 5. Wilhelm Schwartz 41 P.; Vorklasse: 1. Otto Weisel, 55 P.; 2. Oskar Friedrich, 51 P.; 3. 5)cf). Alles^ 50 P.; 4. Karl Krall, 49 &; 5. Karl Becker, 46 P.; 7. W. Gasche, 44 P.

ch Münzenberg, 15.Sept. Unsere Gemeinde gilt als eine der obstreichsten der ganzen Wetterau. An Qualität steht unser Obst mit an der Spitze im ganzen Kreis Friedberg. Von den edlen Apfelsorten sind vor allem Goldparmänen in großen Mengen, ferner Goldreinette von Blenheim, Baumanns Rei­nette u. a.m. vorhanden. Fachleute schätzen den zu erwartenden Ertrag des Gemeindeobstes auf mehr als 2100 Zentner. Da bei den Landwirten

Gießener Etadttheater.

Bernauer und Oesterreicher:

Der Garten Eden".

Wir haben diesen ziemlich wurmstichigen Para­diesapfel schon vor vier Jahren serviert bekommen; wir gaben damals unsere Ansicht über das Fabri­kat von Rudol Bernauer und Rudolf Defter- reicher ausführlich geäußert und können sie nach der gestrigen Wiederholung vollauf bestätigen. Das literarische Niveau und die innere Haltung des Stückes brauchen nicht noch einmal zur Diskussion gestellt zu werden; was eine Wiederaufnahme in den Spielplan allenfalls rechtfertigen könnte, ist die schwer bestreitbare Tatsache, daß dieser Reißer mit entschiedenem handwerklichen Geschick und sicherem Instinkt für Bühnenwirksamkeit von erfahrenen Theatermännern vom Stapel gelassen ist.

*

Der Regisseur F a s s o 11, der die Neuinszenierung besorgte, hat das erkannt und ausgenutzt: die effekt­reiche Aufführung entsprach durchaus der raffinier­ten Machart der vier Akte; immerhin wäre gelegent­lich eine Dämpfung wenn nicht des Tempos, so doch der Lautstärke (erster und dritter Aktschluß) empfeh­lenswert gewesen. Das Stück wirkt auch so, dafür haben die beiden Autoren gesorgt.

*

Es waren wieder, wie inAlt-Heidelberg" neue Leute am Werk; zum Teil in ansehnlichen Ausga­ben. MU der Paraderolle der Tilly Hasselberger stellte sich Edith Berger vor: wenn man von eini­gen zu früh angefetzten und daher stimmlich forcier­ten Steigerungen absieht (die wir beim ersten Auf­treten in einem derartigen Stück begreiflich finden) eine von gesundem Temperament und erfreu­licher Wandlungsfähigkeit zeugende Talentprobe.

*

Als Nachfolger von Bäuerle fah man Karl Hey - fer (Generaldirektor Gleffing): im ersten Akt ziem- lief) nüchtern und farblos, im letzten wesentlich inter­essanter; die Rolle ist wohl kein besonders geeigneter Maßstab zur Beurteilung. Man wird weitere Pro­ben abwarten müssen.

Eine hübsche, mit diskretem Humor ausgestattete Charge bot Wolfgang Kühne als Onkel Wernecke. In kleinen Aufgaben: Gert Geiger, Walter M i chel, Maria Sachse.

Die Partie der Rosa spielte Frau Schubert- Jüngling mit dem gleichen Elan wie vor vier Jahren. Recht sympathisch behandelte S ch e l ch e r die nicht ganz leichte Rolle des jungen Liebhabers.

Vom alten Ensemble ferner: Maria Ko ch, Hub, Volck und Fasso11, der sich einen Sonderapplaus holte. .

Das Haus war überhaupt in angeregter Stim­mung und sehr beifallsfreudig.y

Plauderstündchen mit Venezuela.

Don per Schwenzen.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Kurz vor Mitternacht, ich bin müde, da schrillt das Telephon vom Schreibtisch her. Ach, Unsinn! Natürlich wieder aus derTaverne", Leute, denen es nicht genügt, daß sie allein ihr Geld vertrinken ich bin nicht zu Hause Himmel hier ist doch kein UeberfallEommanbo, das Amt läutet Alarm! Hier Wilhelm 2469"Versuchsgesprach Venezuela, Marakey, bleiben Sie am Apparat." Blitzschnell schießt es mir durch den Kopf: Venezuela, war ich nicht, kenn' ich niemandem wer in ...

Hallo, hier Holl! Ich bin in Marakey, in Vene­zuela, mein Lieber, nett, daß du zu Hause bist. Wir sprechen drahtlos zwischen Marakey und Nauen, das erste Privatgespräch zwischen Venezuela und Deutsch­land. Die Leitung wird erst in einigen Wochen er­öffnet. Bin ich gut zu hören?"

Ausgezeichnet ist er zu hören, eine Freude, ihn zu hören. Da, links in meinem Sofa ist noch die Vertiefung zu sehen, die Heinzens Schwergewicht in langen gemütlichen Abenden meinem Möbel im« & rinderte, da liegt die Revue mit dem luftigen Ge- icht unter dem Bild seiner jungen Frau und er, er redet und strahlt mit einer Stimme, blank und heiß vor Sonne und Freude über Ozean und Kon­tinent in meine Ohrmuschel. Auf dem Dachgarten des LuxushotelsJardin" sitzen die beiden, Gaste des Präsidenten der Republik. Ananas und Kokos­nüsse wachsen ihnen in den Mund. Heinz, glücklicher Junge! Hier in Deutschland wächst einem schon gar nichts mehr in den Mund und Hände, die sich nicyt verzweifelt rühren, bleiben leer und unbeschenkt. Mitternacht ist es, und auf meinem Schreibtisch drohen die Schlagzeilen der Abendblätter mit Not­verordnungen, mit Beförderungssverre und Pen- sionskürzunaen. Nacht über Deutschland. Seltsam, wie viele Gedanken um diesen erregten Augenblick

schwingen wie diese Stimme eines Freundes die dunkle Nachtstunde illuminiertHallo! Hier ist Tag, mein Junge, sechs Uhr nachmittags, Musik und Eleganz. Wir werden gleich zum Cocktail gehen und auf euer Wohl trinken. In zwanzig Minuten genau wollen wir miteinander anstoßen, über die halbe Erd­kugel hinweg, abgemacht?"Abgemacht! In die kleine Stampe will ich gehen, den ulkigen Bier­laden gleich rechts in der Berliner Straße, wo wir die Abfchiedsmolle tranken ..."

Heinz versteht mich schlecht, merke ich. Das kommt daher, ich spreche zu laut, zu schnell, zu aufgeregt. Alle Wetter noch einmal, fo drahtlos international daherzuplaudern, fo von Cocktail, Bier und allerlei Krimskrams, fo unvorbereitet und ohne eigentliches Thema was foll man da fo in der Eile sagen. Soll ich über den Ozean rufen, daß ich heute Kalbs- leber gegessen habe? Eine Sensation tut not. Da, da kommen die erlösenden Worte von drüben:Ich habe auch zwei Krokodile geschossen!"Na, also! Weid­mannsheil! Habe ich recht gehört, Krokodile?" Jawohl: Katharina, Richard, Oskar ... usw. gleich Alligator!"Ja, habe verstanden. Kann ich etwas für dich tun?"

Sage allen, die es wert sind, Venezuela sei ein Paradies und feine Menschen von bezaubernder Lie­benswürdigkeit. Ich, ein deutscher Journalist, eröffne mit diesem unserem Speach als erstem Versuchs­gespräch mit einem deutschen Fernfprechabonnenten diese drahtlose Leitung, von der die Regierung Vene- zuelas hofft, daß sie ein segensreiches Mittel im ideellen wie im kommerziellen Austausch beider Vol­ker werde. Erbaut wurde die Radioanlage, über die wir sprechen, von einer deutschen Firma ..."

Dann wurden mir Grüße aufgetragen, Lotti kam ans Telephon, lachte und pries denGarten" des Glücks sprach hörbar aus dem Schimmer tropischer Sonne, aus bunten Blumen und Früchten, aus weicher Musik einer paradiesischen Umgebung heraus. Mit vielen kleinen Sätzen, mit Ausrufen, zusammen­hanglos und munter, wie das Wesen der Heiterkeit ist. Ja, aber, der Cocktail, und guten Abend ober gute Nacht, nach, welcher Sonne du gegrüßt sein willst ..."

Ich lege den Hörer auf, und das Band von Berlin- Charlottenburg nach Venezuela-Marakey ist zerrissen. Und nun hinunter und ein Glas Wein ... und lang­sam angestoßen, mitten durch das verwunderte Stau­nen des Kellners, die Wand und die Nacht und über den Ozean hinweg bis an zwei kleine Cvcktailglaser an der Bar im Harbin" ...

Zeitschriften.

Berliner Monatshefte", herausge- geben von berZentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen", 9. Jahrgang, Septemberheft, Qua- derverlag, Berlin NW. 6, Preis 1,50 Mark. Drei viel umstrittene Probleme bilden den wesentlichen Inhalt dieses Heftes: Die militärischen Besprechun­gen zwischen England und Belgien vom Jahre 1906, der belgische Franktireurkrieg und die Mitwisserschaft der serbischen Regierung am Attentat von Sara­jevo. Der offene Brief Dr. R. P. Oßwalds an den Lowener Professor Mayence zeigt die große Kluft, die die Anschauungen Deutschlands und Belgiens in der Fraktireurfrage immer noch trennt und be­tont die Notwendigkeit, durch eine internationale Untersuchungskommission alles vorhandene Material prüfen zu lassen, um zu einer endgültigen Klärung dieses Problems zu gelangen. Dr. Alfred o. Wegerer wendet sich gegen..den ehemaligen serbischen JJti- nifter Jancovic, der in feinen Erinnerungen jede Mitwisserschaft am Attentat von Saraieoo leugnet. Wegerer weist ihm zahlreiche Irrtümer nach, die ihm bei feinen Erinnerungen unterlaufen sind. Ein BeitragGraf Fredericks und die ruffische Mobil­machung 1914", sowie neue russische Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges und zum Kriegsausbruch vervollständigen den Inhalt.

Die Arbeitsdienstpflicht, über deren Einführung in Deutschland seit Kriegsende ber Streit der Mei­nungen geht, ist in einem einzigen europäischen Lande gesetzlich eingeführt: in Bulgarien. Es ist inter­essant zu hören, was Bernhard Lewandowski in ber neuesten Nummer ber 111ustrirten Zeitung (J.J. Weder Leipzig) von der Tätigkeit der Trudo- waken (Dienstpflichtigen), denen er sich zum Studium der Einrichtung einreihen ließ, erzählt. Man erkennt aus der Schilderung die hohe wirtschaftliche Bedeu­tung der Arbeitsdienstpflicht, die in einem Agrarland wie Bulgarien leicht und reibungslos durchgeführt werden kann, die jedoch in einem Industrieland wohl auf größere Schwierigkeiten stoßen würde. Prof. Erich Sterns AusführungenDas Kind ist des Man­nes Vater" werden bei allen Anklang finden, denen das Wohl der Menschheit am Herzen liegt. Von kulturgeschichtlichem Interesse sind die Beiträge ,^Hah- nenkampf auf Bali" von Dr. Paul Wirz undKopf- arbeiterinnen in Portugal" von H. Seemann. Die Kontinentalverschiebung, eine Theorie des großen Grönlandforschers Alfred Wegener, behandelt Rudolf Hundt in einem illustrierten Aufsatz: er zeigt hier, wie die Forschungen ber deutschen Gronlandexpedi- tion diese Tyeorie bestätigten.

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