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Nr. 216 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefien)

Mittwoch, 16. September (951

Oas neue Weltbild.

Don Professor Dr. Paul Kirchberger.

(Nachdruck verboten.)

Die Alten dachten sich die Welt noch sehr einfach. Sie nahmen nur vier Grundelcmente: Feuer. Wasser, Lust und Erde an und waren der Mei­nung. Daß sich durch deren Mischung die ganze reiche, bunte und mannigfaltige Welt ergeben müsse. In der Neuzeit hat srcilich der Begriff der Elemente .inen anderen Inhalt bekommen, vor allem aber n'l ihre Zahl gewaltig gewachsen: nehmen wir doch an. dah es nicht weniger als 92 Grundstoffe gibt! Diese stattliche Zahl erleichtert nicht gerade die Arbeit der Naturforscher, denn feder Grundstoff Kat sozusagen ein OM.be res Gesicht, andere Eigenschaften, ein an­deres Verhalten seinen Brüdern gegenüber, und so beansoruchl jeder einzelne dieser 92 Gesellen die volle Aufmerksamkeit, den unermüdlichen Forschung», eifer der Jünger der Naturwissenschaft.

Zwar schien eine Vereinfachung zu winken: die 92 Elemente sind gar keine wirklichen Elemente in dem früher gedachten Sinne. Denn ihre kleinsten Teilchen, die Atome, sind aus anderen Urbestand- teilen zusammengesetzt, von denen e» nur noch zwei gibt, die Protonen und die Elektronen, und erst diese Urbestandtcile verdienten wirklich diesen Warnen Aber so schön diese Erkenntnis war, ein­facher ist die Welt durch sie nicht geworden: denn nun galt es natürlich zu erforschen, wie die 92 Atomarten aus diesen beiden Urbestondtellen aufge- baut sind. Und dies eben ist nicht einfach, denn wir dürfen uns den Aufbau solcher über olle Vor­stellungen hinaus winziger Gebilde nicht nach dem Vorbild uns vertrauter Gröhenverhältnisse denken.

Bis vor kurzem glaubte man, Daß die Atome des­selben Stosses untereinander gleich seien, so daß man nur 92 Atome zu untersuchen brauchte. Das Hot sich nun aber auch geändert Von sehr zahlreichen Grundstoffen steht fest, daß ihre Atome Gemenge verschiedener Atomarten sind, und ihre Verschieden­heit beruht just in dem allerinnersten und ver- borgenden Teil des Atoms, dem Stern. Wie sich ge­zeigt Hot, ist für denselben Grundstoff etwa Blei nur die elektrische Ladung des Sterns die gleiche: fein Gewicht aber kann selbft bei Atomen desselben Stoffes ganz verschieden ausfallen, was natürlich auf eine Verfchiedenheit der inneren Zusammen- setzung hindeutet. Vielleicht allerdings braucht uns Die hierdurch vermehrte Schwierigkeit nicht über­mäßig zu beunruhigen: denn über die Art. wie sich die Atomkerne aufbauen und zufammengeholten werden, wissen wir nicht viel mehr als nichts. Nur beim Stern des Walferftoffatoms. der überhaupt nicht zusammengesetzt ist, erledigt sich diese Frage von selbst. Die übrigen 91 Atomkerne find uns ihrem Wesen nach saft gänzlich unbekannt.

Die nächsthöheren Gebilde nach den Atomen sind die Molekeln. Wie sich diese aus den Atomen auf­bauen, darüber entwirft der Chemiker viele schöne Zeichnungen, und diese Zeichnungen sind sein Lebens- dement, ohne das er fo wenig arbeiten kann wie der Geograph ohne Landkarten oder der Techniker ohne Papier und Reißschiene. Run beweisen frei­lich auch Szunderttausende von Chemikern entworfene Molekelzeichiiungen noch nicht, daß man Die Strafte auch wirklich kennt, die in der Molekel wirken und sie zusammenhalten: aber jedenfalls nahm man dis vor kurzem an, daß die Molekeln einfacher chemi­scher Verbindungen untereinander gleich feien. Aber weit gefehlt! Die Forfchungen von Proseffor Bon- Hoffer zeigen uns, daß auch hier die Natur min- der einfach ist, als man dachte. Die allereinfachste Molekel, die man sich denken kann, die aus 2 Wasser- ftosfatomen bestehende Wasserstossmolekel, tritt in zwei Formen auf. Nun kennen wir aber Molekeln, die aus vielen Duttenden, unter Umstanden gar aus Hunderten von Atomen bestehen. Und jedes einzelne dieser Atome ist ein Wunderbau an Mannigfaltig- feit gegenüber dem einfachen Wasserstosfatom! Sollte

Wenn man einen Verstärker verschlucken könnte . ..

Allerlei von Lautsprechern.

Don Karl Ammon.

(Rachdruck verboten?)

Erstaunlich gering ist die Energie, die in Ge­stalt der Sprachschwingungen vom Munde eines Sprechenden ausströmt. Würde man diese Energie in Wörme urnsehen. fo würde eine Million Men­schen eineinhalb Stunden sprechen müssen, da­mit man mit der so erzeugten Schwingungs­energie eine Tasse Tee trinkfertig warm machen könnte. Wenn man nun noch bedenkt, daß der Schall im Quadrat der Entfernung abnimmt, dah man also beispielsweise in der vierfachen Entfernung nicht ein Viertel, sondern nur ein Sechzehntel der Lautstärke bekommt, so wundert man sich, fcafj man einen Redner in einiger Ent­fernung überhaupt noch verstehen kann. Dah man ibn noch versteht, kommt daher, dah ein gutes Lchr noch Töne oder Geräusche hört, deren Energie dem Gewicht von ein Drittel Millimeter eines Menschenhaares entspricht. Die gewöhnliche Sprache übt einen tausend- bis zehntausendmal so starken Druck auf das Trommelfell aus. Trotz­dem ist ein Redner eben nur in feinem nächsten Llmkreis zu verstehen, besonders natürlich im Freien, und da er nicht gut einen Verstärker verschlucken kann, ha) man diesem ilcbelftand da­durch abgeholfen, dah man ihn in ein Mikro­phon sprechen läßt und die Sprache durch Laut­sprecher wiedergibt. So kann man einen Redner einer beliebig groben Versammlung hörbar ma­chen. da der Zahl der ausstellbaren Lautsprecher keine Grenze gesetzt ist. Aehnlich liegen die Ver­hältnisse bei der Liebermittlung von Musik

3n letzter Zeit sind nun auf dem Gebiet des Lautsprecherbaues ganz ungeheure Fortschritte zu verzeichnen. Lim dies einmal einem gröberen Kreise vorzuführen, hat die Firma Siemens und Halske vor einiger Zeit Pressevertreter ein­geladen, um ihnen zunächst in Hafelhorst bei Siemensstadt verschiedene Lautsprecher zu zeigen. Insbesondere die Riffellautsprecher, derWi Schall- blatt aus einem geriffelten Aluminiumblatt von nur drei Zehntel Millimeter Stärke besteht, ge­ben die Oberschwingungen sehr gut wieder und sprechen sehr laut, ohne dah man jedoch dabei die Empfindung hat. als schrien sie. Die Wir­kung wird noch verbessert, wenn man gleichzeitig

Aus Natur und Technik, e

wirklich, wie man bisher angenommen hat, bei die­sen hochzusarnrnengesetzten Molekeln eine Einfach­heit bestehen, die die bescheidene Wasierstosfmolekel nicht zeigt? Sollten sie, wie man bisher annahm, in nur einer Ausgabe erscheinen, wo ihre schlichte Schwester, die Wafserstoffmolekel in zweifacher Form auftritt' Das ist nicht gerade wakrichcinlich, aber wer will sagen, wieviel Molekelarten es bei hoch- zusammengesetzten organischen Stossen, wie etwa bei unseren künstlichen Farbstoffen und dergleichen, geben mag?

Aber lasten wir einmal die Molekeln! Mehr Aufmerksamkeit als sie werden die Stosse erregen, die sich aus ihnen aufbauen. Bis vor einigen Jahren war man der Meinung, daß Stoffe von chemisch gleicher Zusammensetzung auch sonst gleich fein müßten, abgesehen etwa von einigen schon länger bekannten Ausnahmen. Daß beispielsweise chemisch reines Kupfer immer derselbe Stoff fei, daran hat bis vor kurzem niemand gezweifelt. Jetzt ist man auch hierin klüger und vor allem vorsichtiger geworden Die meisten festen Stoffe sind ÄriftaUe oder bestehen aus Kristallen, und die Art und Weise der SinftaUbilDung kann auch bei gleichen Grundstoffen aanz verschieden sein. Man wußte ja längst, daß Graphit, Rutz und Diamant im Grunde dasselbe, nämlich Kohlenstoff, seien, aber man hielt solche Verschiedenheit bei chemischer Gleichheit für eine Ausnahme. In Wirklichkeit zeigen auch ganz bekannte Metalle eine kaum minder große Verschiedenheit wie etwa Ruß und Graphit, je nachdem, ob ihre Teilchen zu einem einheitlichen Kristall angeordnet sind oder nicht, was man aber von außen gar nicht zu sehen

braucht. Gerade die letzten Jahre haben sehr merk­würdige Erkenntniste über die Natur der sog.Ein­kristalle" gezeigt, das sind Stoffe, die, ohne daß man es ihnen von außen ansieht, einen einzigen Kristall bilden. Ihr Aussehen ist das alte geblieben, aber ihre Festigkeits- und Elastizitätseigenfchaften sind vollständig und in höchst auffallender Weise geändert, und vielleicht findet mancher bis jetzt noch rätselhafte Baustoff druck), mancheUebcrmübung des Stoffes", ufro. in den Erscheinungen derEin­kristalle" ihre Erklärung.

Aber noch sind wir immer erst bei den Grund- stoffen angelangt, aus Denen sich doch Die eigent- liche Welt erst aufbaut! Daß Die Natur, Die, wie wir sahen, schon in Den winzigsten Ureinheiten eine solche Mannigfaltigkeit unD Buntheit liebt, nun auf einmal einfacher und einheitlicher verfahren sollte, werden wir nicht annehmen. Aber wir wollen ihr auf dem sich immer weiter verästelnden Weg nicht mehr folgen. Je weiter Der Ausbau aus Den ein­fachen Grundstoffen gebt, unD je tiefer Das Auge Des Forschers in Die Erscheinunaswelt eindringt, um Jo erstaunlicher wächst Der Formenreichtum Der latur, um so mehr verzweigt sich Der Weg, Den sich Der einfache Blick als glatte, gerade Bahn vor­stellte. Solange es Menschen gibt. Die über Diefe Frage nachdenken, wird immer wieder her Fall eintreten. Daß sich bas, was einfach, klar unb ein- heitlich erschien, als zusammengesetzt, schwierig unb unterschieblich herausstellt, unb hinter Den alten unD gelösten Rätseln werden immer wieder neue unb ungelöste auftauchen, so baß bie Freunbe bes Rätselratens nie dazu kommen werden, ihre Hände in den Schoß zu legen.

Oer Gchraubhahn.

Warum man ihn so ost herumdrehen muh. Ein kleiner Beitrag zur Geschichte der Technik.

Don Max Fischer.

Kürzlich wurde unter einigen Technikern er­örtert, warum man eigentlich einen Wasserlei- tungshahn (Vild 1) fo oft herumdrehen müsse, um ihn zu offnen und zu schließen. Unter den

Bild 1. Schraubhahn.

Jüngeren tauchte dann die Meinung auf, das sei doch eigentlich sehr unzweckmäßig, ein Hahn, wie er etwa an einem Weinfaß sei (Bild 2), erfülle diesen Zweck viel besser, denn den brauche man nur um einen rechten Winkel zu drehen, um ihn auf- oder zuzumachen: gemeint war ein Hahn, der einfach aus einer kleinen, schwach kegelförmi­gen Walze besteht, die von oben her in die Lei­

tung eingesteckt ist und mit einer Durchbohrung in die Leitungsrichtung oder rechtwinklig dazu gestellt werden kann, ein sogenanntes Küken.

3a, so waren in der Tat die WasserleitungS- hähne in der ersten Zeit aber sie hatten einen schweren Rachteil: Sie brachten nämlich die Röh­ren, die damals noch meist aus Vlei bestanden, zum Platzen, und dies aus folgendem Grunde: Wenn sie offen sind, also das Wasser aussliehen lassen, so bewegt sich die ganze Wassersäule in der Leitung durch den Hahn bis zur Austrittsstelle. Wird nun der Hahn plötzlich um 90 Grad gedreht und dadurch gsschlossen, so wird damit diese ganze Wassersäule ruckartig zum Stehen gebracht, denn Wasser ist ja bekanntlich nicht zusammendrückbar. Das läßt sich nun das Wasser ebensowenig gern gefallen wie irgendein anderer bewegter Körper, da ja allen bewegten Körpern Beharrungsver­mögen, daS heißt das Streben au eigen ist, eine Bewegung, die sie haben, fortzusetzen. Wird nun dem Wasser der Weg durch den Hahn versperrt, so schiebt das weiter von diesem entfernte Wasser in der Leitung infolge deS Beharrungsvermögens nach und preßt das Wasser hinter dem Hahn sehr stark: dieses Wasser kann nirgends aus- weichen, weil es durch die Rohrwandungen daran gehindert wird. Es wird aber eben nur so lange Daran gehindert, wie die Rohrwandungen diesen starken Druck aushalten, und das ist eben nicht immer der Fall. Insbesondere Dieiröhren wer­den bei jedem solchen Stoß etwas gedehnt, bei jedem folgenden etwas mehr bis sie dann schließlich ausreihen.

Als man den Grund dieses Platzen- der Was- scrleitungsröhren erkannt hatte, kam mgn aber

einen Kegellautsprecher sprechen läßt, weil sich die beiden Lautsprecher in der Tonwiedergabe günstig ergänzen. Ganz besonders laut sprechen Die Dlatthaller, die sowohl im Freien wie auch in groben geschlossenen Räumen solche Blatt- Haller befinden sich z. B. im Sitzungssaal des Reichstages benutzt werden können. Der neueste dieser riesigen Blatthaller, den man Gi­gantlaussprecher getauft hat. wurde uns dann in Siemensstadt vorgefuhrt. Er führt feinen Ra­inen mit Recht, denn er nimmt ein Kilowatt elektrische Leistung auf, das ist soviel wie fünf­undzwanzig Glühlampen, und strahlt volle zwei­hundert Watt als Schallenergie ab. Man hört ihn noch auf zwanzig Kilometer deutlich. Seine Leistung entspricht ungefähr der von zweitausend guten Zimmerlaussprechern. Mit der Energie eines Zimmerlautsprechers könnte man nämlich ein Ge­wicht von etwas über fünf Gramm in der Se­kunde 1 Meter hoch heben, die Schallenergie des Gigantlautsprechers aber würde in der Sekunde ein Gewicht von zehneinhalb Kilogramm 1 Meter hoch heben können. Selbst die Stimme dieses Lautsprechers ist in der Rähe nicht unangenehm. Man beherrscht mit ihm selbstverständlich die größten Versammlungen. Ein Pressevertreter meinte scherzhaft, die Firma fei sehr schlau: Das Gebiet des Fernsprechers sei nun so ziemlich abgegraft, und da habe sie den Gedanken gesaht. etwas Reues zu machen, das an Stelle des Fern­sprechers treten solle: wenn sich nämlich jeder einen Gigantlaussprecher kaufe, fo brauche man überhaupt keinen Fernsprecher mehr, denn dann könne man jedem anderen alles so zurufen.

Dann wurde uns noch etwas sehr Interessan­tes gezeigt, nämlich die Ltarteinrichtung auf der Trabrennbahn in Mariendorf bei Berlin. Dort wird der Trabersport ausgeübt, bei dem der Ausgleich der Wettbewerber nicht durch Ge­wichtszugaben. sondern durch Enssernungsvor- gaben von einem Vielfachen von zwanzig Meter bewirkt wird. Es kommt daher vor. dah bei grossen Feldstärken zwölf und mehr Startmarken erforderlich sind. Da die Fahrer in erster Linie auf ihre Plerbe aufpassen, übersahen sie häufig die Zlaggenstartzeichen. so dah Fehlstarts die Folge waren. Die Zuschauer schrieben die Schuld dafür dann dem Starter zu. und da die Leute bei solchen Rennen gewöhnlich etwas aufgeregt sind, so kam es vor. dah sie ihn zu verhauen Drohten. Aber die Fahrer beschwerten sich, die KommandosFertigmachen?", ..An die Plätze!", ..Eins zwei drei--ab! seien nicht mit

den richtigen Zeitabständen gesprochen worden.

Kurz, es gab eine Menge von Quellen für Mei­nungsverschiedenheiten. Dem hat man nun auf eine sehr witzige Weise abgeholfen: Man hat die Kommandos aul eine Schallplatte gespro­chen und dafür gesorgt, dah sich diese immer gleich schnell dreht. Die Kommandos werden dann durch mehrere Lautsprecher gegeben, so dah sie jeder Startende hört. Ihre zeitlichen Abstände sind natürlich nun immer ganz genau gleich: darüber kann es keinen Streit mehr geben.

Damit aber noch nicht genug: An jedem Start­punkt wird quer über die Bahn ein starkes Gummiband gezogen, dessen Durchbrechung vor dem Start 50 Mark kostet. Run befindet sich auf der Schallplatte hinter dem Wortab! ein Kon­takt: wenn die Radel auf diesen Kontakt kommt, so werden sämtliche Gummischnüre auf der In­nenseite der Bahn genau gleichzeitig frei, und da sie sehr stark gespannt sind, so schnellen sie sofort weg. Das geht so schnell, dass man es gar nicht sieht: man sieht eben noch die Gummi­schnur, und auf einmckl ist sie nicht mehr da

Der Start wurde uns vorgemacht. Die Fahrer schätzen die Zeit zwischen den Kommandos so ge­nau ab. dah sie in voller Fahrt gegen das Gummiband rennen und dort gerade ankommen, wenn es wegschnellt, so dah man beim Zuschauen glaubt, sie hätten es zerrissen. Eie verlieren also gar keine Zeit, wenn sie geschickt sind.

Die Sache mit dem Kontakt auf der Schall­platte wird übrigens auch noch zu anderen Zwecken ausgenutzt: Wenn man Musikstücke spie­len will, die auf einer Schallplatte keinen Platz haben, so verwendet man dazu Schallplattentische mit zwei Plattentellern. Zuerst spielt man die eine Platte. Sie hat am Ende einen Kontakt, der die andere Platte einschaltet, so dass die Musik ohne Llnterbrechung weitergeht. Inzwischen hat man dann die erste Platte gegen die dritte aus­gewechselt, die dann durch einen Kontakt auf der zweiten Platte eingeschaltet wird usw. Da­mit die Töne beim Ablaufen der Platte nicht verzerrt werden, läuft unter beiden Platten je ein schweres Schwungrad dauernd um. mit dem die Platten bei ihrer Einschaltung gekuppelt wer­den, so dass sie sofort mit der richtigen Geschwin­digkeit laufen. Solche Einrichtungen werden z. D. auch zur Wiedergabe des Tones bei Tonfilmen benutzt, denn nicht immer sind die Töne mit auf die Filme gelichtbildert. Gerade in den letzten Jahren hat man sich der Physik der Töne mehr als bisher gewidmet, und das Interesse für dieses Gebiet ist namentlich infolge der grohen Ausbreitung des Rundfunks stetig im Wachsen.

noch nicht gleich auf den Schraubhahn: Man suchte dem Fehler erst auf andere Weise bei- zukommen, und zwar dadurch, daß man auf je­de- LeitungSende einen Windkessel setzte (Bild 3). eine mit der Spitze nach unten zeigende eiserne Blase, die mit Lust gefüllt war. Wurde nun der Hahn plötzlich geschlossen, so schoss das 'Was­ser in die Blase hinein, indem e- die darin ent-

Dild 2. Fahhahn.

haltene Lust zusammendrückte und durch den zu­nehmenden Druck allmählich gebremst wurde, so kam eS langsamer zum Stehen, al- wenn die Blafe nicht vorhanden gewesen wäre. Aber so ganz be­friedigten auch diese Windkessel nicht, denn wenn sie wirklich hätten wirksam sein sollen, so hätten sie viel grosser und damit auch teurer sein müs­sen, alS sie eS waren.

AuS diesen Schwierigkeiten befreite unS der Schraubhahn: Mit ihm kann man das Wasser nicht plötzlich, ruckartig absperren: indem man ihn zuschraubt, macht man die Austrittsöffnung ganz allmählich enger und verlangsamt damit den Wasserstrom in der Zuleitung stetig. So kann nie ein Schlag in der Leitung eintreten wie beim Faßhahn, und deshalb platzen auch jetzt die Wasserleitungsröhren in den Häusern nur noch ganz selten. Aber daS wissen die jüngeren Leute nun nicht mehr, weil sie den früheren unbefrie­digenden Zustand nicht mehr erlebt haben. Des­halb wollte ich ihnen einmal erzählen, warum man

Bild 3. Windkessel.

den WasserleitungShahn mehrmals herumdrehen muß, um sie vorErfindungen" zu bewahren. Freilich: Aufmachen konnte man den Wasser­hahn ohne Schaden in der alten Art, also plötzlich. Falls also ein Ersinder etwas am Wasserhahn ver­bessern will, so erfindet er vielleicht einen, den man zwar schnell offnen, aber nur allmählich schließen kann. ES gibt übrigens auf diesem Ge­biete auch sonst noch allerlei zu erfinden, bei­spielsweise einen Hahn ohne Dichtungsscheiben oder Dichtungskegel aus Leder ober Gummi, die

Eisenbahnwagen auf Gummirädern.

Dor einigen Jahren ging ein Aprilscherz durch die Zeitungen, die Eisenbahn haoe sich entschlos­sen, bei ihren O-Zug-Wagen Gummiräder ein- zusühren. Aber was gestern ein Aprilscherz war, kann heute durch die großen Fortschritte der Tech­nik Wirklichkeit werden: In Frankreich werden tatsächlich zur Zeit Versuche mit einem auf Luft­reifen lausenden Schienenkrcsstwagen gemacht. Der Kraftwagen sieht aus wie ein großer Autobus und erinnert durch feine geduckte Gestalt an den deutschenKrukenberg". Er besteht auS dem 20 Fahrgäste fassenden Aufenthaltsraum, je einem davor und dahinter liegenden Gepäckraum unb der davorgespanntenLokomotive", die sich aber der Form des PassagierraumS genau anpaßt unb burch einen Zaltenbalg mit ihm verbunden ist. Das ganze Fahrzeug hat 10 Räber, nämlich 4 unter der Lokomotive, 2 unter dem vordem unb 4 unter dem Hinteren Gepäckraum. Sie haben Luftreifen mit 6 Atmosphären Druck und dicht daneben Reisen aus Stahlblech von etwas größe­rem Durchmesser, die die Rolle der Spurkränze spielen. Durch die Luftreisen läuft der Wagen sehr ruhig, und hastet so sest an den Schienen, daß er schnell beschleunigt unb auf kurze Strecken abgebremst werden kann.

Der Wagen ist für Eisenbahnnebenlinien be­stimmt unb soll hort an Stelle selten fahrender Züge einen häufigeren Verkehr vermitteln. Seine Regelgeschwindigkeit beträgt 90 Kilometer in der Stunde, liegt also außerordentlich hoch. Deson- ders bemerkenswert ist seine grosse Leichtigkeit, so daß fast ein Drittel des Gesamtgewichts von der Rutzlast gebildet wird. Das ist ein ganz ausserordentlich günstige- Derhältnis. Gerade diese Leichtigkeit gestattet in Verbindung mit dem guten Haften der Reifen auf den Schienen die Anwendung einer fo grossen Geschwindigkeit für kurze Strecken. Jedenfalls find diese Versuche äußerst wertvoll, denn auch bei uns in Deutsch­land mutz der Verkehr auf den Haupt- und Re­benlinien so umaeftaltet werden, bah an Stelle des zusammengeballten Verkehrs mit selten und verhältnismähig langsam fahrenden Zügen häu­fig und fd)neWahrende Sinzelfahrzeuge eingesetzt werden Während man in Deutschland mit dem ,Krukenberg", dem sogenannten Schienenzeppelin, die Schaffung eines Fahrzeuges für grohe Ent­fernungen verfolgt, also eine ilmgeftaltung deS Schnellzugverkehrs, zielt der französische Wagen auf eine entsprechende Ilmgeftaltung deS Per- sonenzugverkehrs ab.