Wird Frankreich sich an einer Hilfsaktion beteiligen?
Frankreichs große Chance.
Deutschland hat mit heroischer Selbstbesinnung den Kamps gegen die Finanzkrise ausgenommen. Die Hoffnung, daß das Ausland verständnisvoll dieses schwere Ringen unterstützen würde, hat sich wenigstens bislang nicht erfüllt. Wohl hat man uns ermutigende Worte gesagt, die Möglichkeit einer Hilfe auch ausgiebig erörtert, aber die entsprechenden Taten sind leider nicht gefolgt. Das europäische Solidaritätsgefühl, das früher so lebhaft gepriesen wurde, erwies sich als eine leere Phrase. Unter diesen Llmständen blieb Deutschland keine andere Möglichkeit, als den Versuch zu unternehmen, allein und aus eigener Kraft heraus der schwierigen Lage Herr zu werden. Die Reichsregierung ist dem deutschen Volke mit gutem Beispiel vorangegangen. Sie hat nicht verzagt kapituliert, sondern in rastloser Arbeit, die Tag und Rächt in Anspruch nahm, dem drohenden Chaos entgegengewirkt. Wir wissen, daß jedem einzelnen harte Einschränkungen beoorstehen, aber wir dürfen, hoffen, daß die von der Regierung getroffenen Maßnahmen geeignet sind, eine Sanierung der deutschen Wirtschaft herbeizuführen. Ein Volk, das entschlossen ist, sein Schicksal zu meistern und das sich vertrauensvoll hinter seine Führung stellt, kann nicht zugrunde gehen. Die eingeleitete deutsche Selbsthilfe schafft zugleich die Möglichkeit, daß das Ausland, das sich bisher noch zögernd abseits hielt, wieder Vertrauen zu uns faßt und damit eine schnellere Ueberwindung der gegenwärtigen Notlage sich anbahnt.
Alle Verhandlungen, die bisher geführt worden sind, und alle aus dem Ausland eintreffenden Rachrichten weisen uns immer wieder darauf hin, dah die Entscheidung über eine ausreichende fremde Hilfe in Paris zu suchen -ist. Selbst wenn sich die Meldung bewahrheiten sollte, dah in amerikanischen Kreisen eine Aktion für Deutschland ohne französische Beteiligung erörtert wovden sei, wird man doch damit rechnen müssen, dah die anderen Staaten eine Hilfe aus 'lange Sicht — und auf die kommt es für Deutschland an — ohne Frankreich nicht in die Wege leiten. Gerade Paris aber hat bisher für die deutschen Schwierigkeiten wenig Der- ständnis gezeigt. Die französische Presse hat bis in die letzten Tage hinein den Eindruck zu erwecken versucht, als wenn Deutschland seine Rot mahlvs übertreibe. Es hat auch nicht an Stimmen gefehlt, die der Meinung Ausdruck gaben, dah Frankreich durch die deutsche Krise nur gewinnen könne. Man wird annehmen können, dah die amtlichen Pariser Stellen diesen Standpunkt nicht teilen, aber auch das offizielle Frankreich nimmt eine Haltung ein, die sich noch immer von der bei der Annahme des Hooverplanes bewiesenen Kurzsichtigkeit nicht frei zu machen vermochte. Gewiß, man hat offiziell Deutschland gegenüber keine politischen Forderungen gestellt, aber es ist doch kein Zweifel darüber geblieben, dah Frankreich eine etwaige Hilfe von der Erfüllung politischer Garantien abhängig zu machen gedachte. Die deutsche Regierung muhte ein solches Ansinnen ablehnen. Es ist nicht zu leugnen, dah die deutsch-französischen Beziehungen sich dadurch verschlechtert haben und dah in Deutschland ein Gefühl starker Verbitterung Platz greifen mußte. Mit Sentiments allein aber ist keine Politik zu machen.
Frankreich ist eine beispiellose Chance geboten, die es ermöglichen würde, das deutsch-französische . Verhältnis auf eine ganz andere Grundlage zu stellen. Es bedarf nur eines gewissen psychologischen Verständnisses in Paris, um zu der Erkenntnis zu gelangen, daß Frankreich als der glücklichere der beiden Partner den ersten Schritt zur Wendung der Dinge tun muß. Es ist dazu mühelos in der Lage. Wenn es sich heute aufrafft, um sich entschlossen an die Spitze einer Kreditaktion für Deutschland zu stellen, schafft es damit eine Atmosphäre, die nicht ohne günstige Folgen bleiben kann. Viele Sünden der Vergangenheit würden damit gut gemacht werden können. Es böte sich die Möglichkeit zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die die Aussicht auf eine grundlegende Besserung auch der politischen Beziehungen eröffnete. Der Besuch der deutschen Staatsmänner in Paris könnte unter diesen Umständen eine Schicksalswende für Europa bedeuten.
Frankreich hat sich so oft als den Verfechter der europäischen 3dee hingestellt. Es hat jetz-t Gelegenheit, zu beweisen, daß es ihm ernst i st mit seiner Sorge um Europa. Denn nicht nur um Deutschland geht es im Augenblick. Die Schwierigkeiten, die wir gegenwärtig durchleben, wirken sich bereits drastisch im mitteleuropäischen Raume aus. Die letzten Rachrichten aus Oesterreich, Ungarn und Rumänien sind, wie es heißt, in Paris bereits mit Besorgnis ausgenommen worden. Will man es dahin kommen lasten? dah ganz Mitteleuropa in einen chaotischen Zustand gerät? Es hat beinahe den Anschein, als ob es in Paris zu dämmern beginnt, daß ein weiteres Abseitsstehen verhängnisvoll wäre und dah eine entschiedene Initiative im wohlverstandenen eigenen Interesse Frankreichs läge. Richt nur Deutschland, alle Welt wartet auf Frankreich. Roch ist es Zeit, das erschütterte Vertrauen wiederherzustellen, Frankreich braucht nur die große Gelegenheit zu nutzen, die ihm noch einmal geboten ist.
Stimson und Henderson in Paris.
Rege Bermittlerarbeit der beiden Außenminister.
Paris. 15. Füll. (TU.) 3n Paris frühstückt man hinter wohlbehüteten Türen und läHt von den Tafelgesprächen hochpolitischer Ratur keinen Laut an die Oeffentlichleit dringen. 3e tiefer das amtliche Schweigen ist, um so lebhafter schwirren die Gerüchte und um so brennender wird die Frage, ob Henderson tatsächlich mit einer v o rg ez e ichne ten politischen Marschroute nach Paris gekommen ist und die Vermittlerrolle zwischen Frankreich und Deutschland zu übernähmen gedenkt. Ger englische Außenminister hat am Mittwoch- Vormittag prvgrammähig die Pariser Kolvnial- ausstellung besucht. 3m Anschluß daran stattete er Außenminister Br i and einen Besuch ab, mit dem er auch am Quai d'Orsay frühstückte. Qln dem Essen nahmen außerdem der Minister- präsident, der Finanzminister und der Kolonial- amnifter teil. Man vermutet, daß neben der im
Mittelpunkt stehenden Erörterung der deutschen Finanzlage die Frage der französisch-italienischen Flottenverständigung eine besondere Rolle spielt. Henderlvn soll angeblich auS London einen ganz bestimmten Plan mitge- bvacht haben, der ein für beide Parteien annehmbares Kompromiß darstellen soll. Wie andererseits verlautet, habe er die Absicht, auf die französische Regierung einzuwirken, den geplanten Dau des 23 000-t-Panzcrkreuzers aufzugeben. um dadurch Deutschland moralisch zu verpflichten, auch seinerseits auf die Durchführung des Flottenbauprogramms zu verzichten.
Der amerikanische Staatssekretär Stimson traf am Mittwochnachmittag, aus Rom kommend, in Paris ein. Auch Stimson soll angeblich mit gewissen Vorschlägen am die französische Regierung herantteten, die geeignet seien, eine Verständigung mit Italien herbeizuführen. Da an dem vom Donnerstag vom amerikanischen Botschafter in Paris gegebenen Frühstück neben den französischen Ministern auch der englische Außenminister Henderson teilnahm, nimmt man an, daß sich bei dieser Gelegenheit die Vertreter der drei Großmächte eingehend über dieLage in Deutschland unterhalten haben, um dabei die Möglichkeit zu erörtern, die im Augenblick für eine Hilfsaktion besteht.
Frankreichs Bedingungen.
Finanzielle Garantieen und Besserung der politischen Atmosphäre.
Paris, 15.Juli. (WTB.) Die havasagenlur beschäftigt sich in einer Auslassung mit den Unterredungen zwischen Staatssekretär Stimson, Staatssekretär Henderson und Ministerpräsident Laval und stellt weitere Unterhandlungen in Aussicht. Außerdem wird in der Auslassung darauf hin- gewiesen, daß der französische Minister- r a t, der am Freitag Zusammentritt, sich ebenfalls mit dem Problem beschäftigen wird, das der Gegenstand der Aussprache der Minister gewesen ist, nämlich mit der Frage einer eventuellen finanziel-
len Hilfe f ü r Deutschland. Es heißt in dieser Auslassung:
So, wie die Dinge augenblicklich liegen, wird die öffentliche Meinung Frankreichs, die weit davon entfernt ist, sich über die gegenwärtige Lage in Deutschland zu freuen und ohne die Verantwortlichkeit der Lage zu untersuchen, sich nicht weigern. einer eventuellen finanziellen französischen Mitwirkung ins Auge zu blicken. Die französische öffentliche Meinung verkennt in der Tat nicht, daß der Krieg eine mehr und mehr gegenseitige Abhängigkeit der Völker zur Folge gehabt hat, und Frankreich verneint nicht die Verpflichtung der internationalen Solidarität. Aber die Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit den Beziehungen zu Deutschland gemacht habe, dürften fatalerweise die Leiter der französischen Politik nicht dazu führen, das französische Nationalvermögen in gewagten Operationen anzulegen. Deswegen kommt für Frankreich nicht in Frage, Deutschland Kredite zu eröffnen, ohne dah es als Gegenleistung s u b st a n - zlelle Garantien gibt, welche durch ein gemeinsames Abkommen der interessierten Finanzmini st er festgelegl werden müssen. Die ins Auge gefaßte Operation wird tatsächlich von solchen Ausmaßen sein, daß sie nicht ohne die Mitarbeit der amerikanischen, englischen und französischen Banken gelingen werde, die sich zu einer gemeinsamen Anstrengung vereinigen müßten, und die ihnen gleiche Rechte und gleiche Interessen geben würden. Es versteht sich von selbst, daß diese technischen Bedingungen nicht genügen würden, um die deutsche Währung zu retten, wenn sich nicht während der Periode der Wiederaufrichtung von einer politischen Stabilität begleitet fein werde, ohne die ein internationales Vertrauen und Kredite nicht möglich seien.
Wie wird Frankreich sich entscheiden?
Vor neuen Besprechungen.
Paris, 16.3ult. (WTB. Funkspr.) Heute, vor der Abreise Hendersons nach Berlin, wird, wie die Morgenpresse betätigt, eine bedeutsame Besprechung zwischen den beiden angelsächsischen Ministern und Ministerpräsident Laval in Anwesenheit der zuständigen Fachminister stattfinden. Es ist anzunehmen — wenigstens lassen die Auslassungen der Morgenpresse darauf schließen — daß alsdann die Stellung der französischen Regierung zur Frage einer Deutschland zu gewährenden größeren Anleihe festgelegt sein wird, so dah der britische Staatssekretär in der Lage sein werde, die Reichsregierung über die Möglichkeiten der zu ergreifenden Maßnahmen zu unterrichten. Mehrere Blätter scheinen diesen Weg allerdings nicht für den rechten zu halten und fordern eine direkte deutsch-französische Aussprache und Verständigung. Schon die Agentur Havas hat in dem oben wiedergegebenen Kommunique die Bereitwilligkeit der Franzosen, sich an einer Kreditoperation zu betätigen, festgestellt, und die Morgenpresse bestätigt diese Auffassung.
„Petit Parisien" schreibt: Die Besprechung am Quai d'Orsay hat einem allgemeinen Meinungsaustausch über die Rotwendigkeit gedient, Deutschland zu helfen, falls es den ausdrücklichen Wunsch äußert und zu diesem Zweck eine günstige politische Atmosphäre schafft, ohne die das für den deutschen Kredit so unerläßliche Vertrauen nicht wiederkehren könnte. Der englische und der französische Standpunkt stimmen hierin durchaus überein. Höchstens könnte man auf die Verschiedenheit aufmerksam machen, daß die englische Regierung, wie übrigens auch die Vereinigten Staaten, die Frage der finanziellen Hilfeleistung und der polittschen Garantien mit dem Abrüstungsproblem verbinden und so die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz von 1932 erleichtern müßte. Die rechtsstehenden Blätter, die der Mission Henderson ausgesprochen mißtrauisch gegenüberstehen, verlangen eine politische Einigung zwischen Deutschland und Frankreich als Vorauss ehung einer finanziellen Aktion und geben zu verstehen, daß Frankreich für die Regelung seiner Beziehungen zu Deutschland der englischen Vermittlung nicht bedürfe.
Was sagt man in England und Amerika.
Zuversicht in Reuyork.
Reuhork, 15. 3uli. (WTB.) Die Morgenblätter sind sichtlich bemüht, der durch die gestrigen Rachrichten aus Europa verursachten Beunruhigung, die in grotesken ^leberschriften der Sensattonspresse ihren Ausdruck fand, entgegenzutreten. Sie warnen das Publikum davor, unkontrollierbaren Gerüchten Glauben zu schenken. „Rew Bork Times"' meldet aus offiziellen Kreisen aus Washington, daß man eine gewisse Erleichterung der deutschen Krise sehe. „Herold Tribüne" hebt aus der gleichen Quelle hervor, daß die von der deutschen Regierung begonnenen Maßnahmen durchaus den Beifall der amerikanischen Verwaltung finden. Gleicherweise wird auch aus Wirtschaftskreisen betont, die Grundlage der deutschen Wirtschaft sei gesund, die deutsche Regierung sei vertrauenswürdig und das deutsche Volk sei unter normalen Verhältnissen durchaus jedes Kredites wert. Aber die deutsche Bevölkerung überlasse sich augenblicklich so sehr der Panikstimmung, daß erst ein gewisser Grad der Beruhigung erreicht werden müßte, ehe die Voraussetzungen für größere Kreditaktionen vorhanden wären.
Diese Voraussetzungen würden durch die vorgesehenen Besprechungen der europäischen Regierungen sicher geschaffen werden.
Optimismus in London.
Deutschland darf nicht den Kopf verlieren.
London, 16. 3uli. (WTB. Funkspruch) Die Morgenpresse billigt einmütig die von der deutschen Regierung getroffenen Rotmaßnähmen. „Morning-Post" sagt: Die deutschen Finanzbehörden 'haben durchaus nicht ihre Bemühungen auf- gegeben, das Vertrauen wieder herzustellen. Die Rachrichten aus Deutschland zeigen erfreulicherweise, daß die Lage, toerrn auch mit durchgreifenden, so doch mit gesunden Mitteln behan- d e 11 wird und wenn das deutsche Publikum nur veranlaßt werden kann, den Kopf nicht zu verlieren und die Währung sorgfältig kontrolliert bleibt, dann ist fein unüberwindliches Hindernis für eine allmähliche Besserung der Lage zu sehen. Der Berliner Korrespondent der „Times" meldet: Es ist bemerkenswert, daß trotz der ©orgeir zu denen die nächste Zukunft Anlaß gibt, die allgemeine Stimmung des deutschen Volkes keine wirklichen Zweifel an der Zukunft des Landes erkennen läßt.
Kommunistentumulte.
Die Polizei verhindert Demonstrationen.
Berlin 15. 3uIL (WTB.) Aus Anlaß des kommunistischen Reichserwerbslosentages kam es im Reich mehrfach äu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. 3n Dresden wurde die Polizei bei der Festnahme eines Rädelsführers tätlich angegriffen, so dah sie von der Schußwaffe Gebrauch machte. Eine Frau und ein Angreifer wurden verletzt. Sieben Personen muhten festgenommen werden. — Auch in Leipzig- Lindenau wurde die Polizei von Demonstranten angegriffen, und zwar wurde ein Polizeiauto beschossen. Die Beamten erwiderten das Feuer. Verletzt wurde niemand. 3m ganzen wurden 40 Demonstranten zwangsgestellt. — Auch 'n Breslau kam es abends im Anschluß an eine Kundgebung der Erwerbslosen gegen die Rotverordnung zur Bildung verbotener Umzüge, die von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels aufgelöst wurden. Ein Polizeibeamter wurde tätlich angegriffen. Er mußte sich durch einen Schreckschuß seiner Angreifer erwehren. 3n Karlsruhe versuchten die Kommunisten in der Stadt trotz des Tlmzugsverbotes zu demonstrieren. Ra-
mentlich in der Altstadt kam es verschiedentlich zu größeren Ansammlungen, so dah die Polizei gezwungen war, die Menge mit dem Gummiknüppel auseinanderzutreiben. 3n Schwerte kam es zu schweren Zusammen st öhen zwischen Erwerbslosen und der Polizei. Trotz des polizeilichen Verbots versuchte eine Anzahl Erwerbsloser zu demonstrieren. Die Polizei schritt ein, wurde aber mit Steinen beworfen, so dah sie Schreckschüsse abgeben muhte. Jedoch bedrängte die Menge die Beamten weiter so stark, daß diese sich gezwungen sahen, scharf zu schießen. Der Arbeiter Weinhold aus Schwerte wurde tödlich getroffen, ein anderer Demonstrant schwer verletzt. Mit Hilfe des -Heber* fallkommandos aus Hagen gelang es schließlich, die Demonstranten zu zerstreuen.
Keine Putschabsichten der NSDAP.
Berlin, 15.3uli. (TLl.) Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Hauptmann a. D. Göring, gibt folgende Erklärung ab: „Unsere Gegner benutzen den derzeitigen kritischen Zustand, um die alten Lügenmeldungen von einem beabsichtigten gewaltsamen Putsch der ÄSDAP. wieder erneut aufzuwärmen, um damit LInruhe auch in die eigenen Reihen zu fragen. 3ch erkläre, daß diese ebenso gelogen
ist, wie derartige Rachrichten bisher Lügen waren, Die Partei steht nach wie vor auf depi Boden der Verfassung. Schon au8 Demunftsgründen muh sich jeder heute sagen, daß die Partei nur abzuwarten braucht, bis das Schicksal der Errettung Deutschlands die Bewegung rufen wird.
Minister Kränzen freigesprochen.
Berlin, 15. 3uli. (ERD.) 3n dem Prozeß gegen den braunschweigischen Staatsminister Dr. Franzen verkündete das Schöffengericht Berlin- Mitte unter Vorsitz des Amtsaerichtsrats Dr. Herzfeld, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Der Minister war beschuldigt, den Landwirt Guth am 13.Okt. v.3. nach einem Vergehen begünstigt zu haben, um ihn der Bestrafung zu entziehen.
Oer Hooverplan in Funktion.
Berlin 15. 3uli. (WTB.) Die deutsche Regierung hat am heutigen Fälligkeitstage, dem 15. 3uli 1931, an die Dank für 3nternatio- nalen Zahl'ungsausgleich von der monatlichen Rate der Reparatidnsverpflichtungen nur den unaufschiebbaren Teil der Annuität gezahlt, der auch die Monatsrate des Anleihedienstes der Boung-Anleihe enthält. Den Monatsanteil des Anleihedienstes der Dawes-Anleihe hatte die deutsche Regierung bereits zu Anfang des Monats gezahlt. Die B3Z. hat der deutschen Regierung bzw. der Deutschen Reichsbahngesellschaft Zug um Zug gegen die Zählung einen entsprechenden Betrag zurückerstat- t e t. Damit ist die erste fällige Reparationszahlung im Feierjahre im Sinne des Hooverplanes geregelt worden.
Oie Reichsbahn zahlt Gehälter und Löhne.
Berlin, 15. 3uli. (ERD.) Wie die Deutsche Reichsbähngesellschaft mitteilt, hat die Reichsbahn die fälligen Gehälter für die Angestellten und die Löhne für die Arbeiter aus den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gezahlt. Die Bahn hat ferner die Garantie der Einlagen bei den Reichsbahnsparkassen übernommen.
Aus aller Welt.
Drei Kinder lebendig verbrannt.
3n einer kleinen Ortschaft in der Rahe von Debreczin sind drei Kinder im Aller von eins bis drei 3ahren, die von den Eltern allein zu Hause gelassen wurden und m i i Streichhölzern spielten, in der abgeschlossenen Wohnung bei lebendigem Leibe verbrannt.
Lin Schnellzug überrennt einen vollbesetzten Autobus.
Der Schnellzug Bukarest-Konstanza überfuhr bei der Station Nogosaia einen vollbesetzten Autobus, dessen Führer die Schienen überqueren wollte, weil die Schranken nicht geschlos- s e n waren. Der Autobus wurde von dem Schnellzug erfaßt und überschlug sich. Infolge Explosion des Motors geriet der Wagen in Brand. Die Folgen waren verheerend. Es sind fünf Tote und 18 Schwerverletzte zu beklagen. Der Führer ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
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Wettervoraussage.
Mit dem Abzug der Kanalstörung, die sich mittlerweile nach Dänemark fortbewegt hat, bringt kühle ozeanische Lust vor. Unbeständigkeit des Witterungscharakters, lebhafte Westwinde und mehrfache Niederschläge in Schauern sind die Folge. Von Süd- westen her steiat der Luftdruck kräftig an, der durch die kühle Luft seinen Weg weiter nach dem Festland findet und auch für uns später wetterwirksam wird, jedoch wird sich anfänglich noch die Rückseite der abziehenden Störung etwas auswirken, so daß wechselhaftes Wetter und vereinzelt geringe Schauer auftreten.
Aussichten für Freitag: Roch wechselnd wolkig, jedoch mehr aufheitämd, keine oder nur vereinzelt geringe Schauer, mäßig warm.
Aussichten für Samstag: Wechselhaftes Wetter, nur leicht wolkig, sonst aufheiternd, wärmer.
Lufttemperaturen. Am 15.3ult, mittags: 19,9 Grad Celsius: abends: 15,Q Grad Celsius: am 16.3uli, morgens: 14,8 Grad Celsius. Maximum: 20,0 Grad Celsius; Minimum: 13,7 Grad Celsius. Riederschläge: 0,7 Millimeter. Sonnenscheindauer: 31/» Stunden.
Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 15.3ult, abends: 20,2 Grad Celsius; am 16. 3uli, morgens: 16,4 Grad CelsiuS.


