heilen einer Abänderung unterworfen sein werden. Die beiden deutschen (Staatsmänner werden am 5.Juni in London eintreffen. Noch am Abend desselben Tages findet ihnen zu Ehren ein D a n* kett im Foreign Office statt, und am folgenden Tage, Samstag, den 6. Juni, begeben sie sich in Kraftwagen nach Chequers, wo sie zum Frühstück eintreffen werden.
Der Reichskanzler und der Reichsauhenminister verlassen Chequers wieder am Sonntagnachmittag. Am Montag gibt die englisch - deutsche Vereinigung den deutschen Staatsmännern ein Frühstück. Am Rachmittag findet ein Tee und Empfang im Institut für auswärtige Angelegenheiten statt, und am Abend gibt der deutsche Botschafter ein offizielles Bankett auf der deutschen Botschaft, zu dem die Mitglieder der britischen Regierung, die Führer der Oppositionsparteien und die höchsten Beamten des Foreign Office mit ihren Damen geladen sind. An das Bankett schließt sich ein großer Empfang an. Am Dienstag, den 9. Juni, fahren der Reichskanzler und der Reichsauhenminister über Southampton nach Deutschland zurück.
Bei ihrem Besuch werden, wie Reuter zu berichten weiß, Reichskanzler Brüning und Reichsauhenminister Dr. Curtius auch vom König im Buckingham-Palast empfangen werden.
Deutscher Sieg vor dem Haager Gerichtshof.
Die deutschen Minderheitenschulen in Ostoberschlesien.
Haag, 15. Mai. (WTB. ) 2n einer öffentlichen Sitzung hat der Ständige Internationale Gerichtshof seine gutachtliche Entscheidung im deutsch-polnischen Streitfall wegen des Besuches der deutschen Minderheitenschulen in Polnisch-Oberschlesien bekanntgegeben. Der Gerichtshof hat sich in dieser Entscheidung völlig auf den deutschen Standpunkt gestellt und die Frage, ob denjenigen Kindern, die auf Grund der im Jahre 1927 in Polnisch-Oberschlesien abgehaltenen Sprachprüfungen von den deutschen Minderheitsschulen ausgeschlossen worden sind, auch jetzt noch im Hinblick auf diese Tatsache der Zugang zu den Minderheitenschulen verweigert werden könne, gemäß dem deutschen Antrag in negativem Sinne beantwortet. Diese Entscheidung wurde mit elf Stimmen gegen die eine Stimme des polnischen Beisitzers des Gerichtshofes abgegeben.
Die französische Rechte.
Die Fraktion Marin fordert Aufrechterhaltung der Verträge.
Paris, 15.Mai. (WTB.) Die Republikanische Vereinigung, der rechte Flügel der bürgerlichen Fraktionen Frankreichs, hält unter dem Vorsitz von Louis Marin in Lyon ihren Iahreskongreß ab. Der von dem elsässischen Abgeordneten Oberkirch vorgelegte Bericht über die auswärtige Politik verurteilt die deutschösterreichische Zollunion als Verstoß gegen die Verträge und fordert schnelle und wirksame wirtschaftliche und finanzielle Hilfe für Frankreichs „treue Alliierte" Tschechoslowakei, Südslawien, Rumänien und Polen, ferner die uneingeschränkte Anwendung des Bvungplans ohne Schmälerung des Gläubigeranspruchs Frankreichs. Mit der Behauptung, daß Frankreich bereits große ^Konzessionen in der Sicherheitsfrage ge- änacht habe, wird verlangt, daß bei der Ab- zrüstungskonferenz FrankreichsDerteidigungsmittel solange unangetastet bleiben, als die Friedens- -organisation nicht auf solider juristischer Grundlage und einer wirksamen internationalen Streitmacht beruhe. Zum Schluß wird die Aufrecht- erhaltung der Verträge gefordert, die allein eine wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit der Völker begünstigen könnte.
Der Fliederbusch des Kätchens von Heilbronn.
Von Anton Schnack.
Er, der uralt ist, geneigt von der Last vieler Jahre, vieler stürmischer Winter, herzlicher Frühlinge, glühender und von Gewittern befegter Sommer, der das Geheimnis einer tiefen uitö rätselhaften Liebe überschattete, wächst an der Lende eines Bergstrahenhügels, der so feurig ist, daß Wein und Edelkastanien auf ihm gedeihen. Im Schatten einer verwahrlosten und dunklen Mauer hat er seine Wurzeln in den Boden eines Ruinenhofes gesenkt, um hier, müde und fast schon legendenhaft, zu sterben. Vielleicht wölben sich iwch die Rächte eines Jahrzehnts über chn. Vogel werden sich, vorüberziehend, auf ihn setzen, Madchenherzen werden Glanz und Erschütterung aus der Hypnose seines Daseins und seiner Vergangenheit mit sich in die Städte und die Fluß- dorfer nehmen. Er wird sterben. Er wird sterben und doch ewig lebendig bleiben, denn die Liebe hat btefen Dusch begnadet und zum Heiligtum gemacht.
^eJ*er tem Dorfe Schriesheim wächst er im morschen und von Efeu überzogenen Gemäuer der Strahlenburg. Das Dorf, das an den Burg- bügel stoßt, ist alt und von kühler Enge. Die Burg ist zerfallen. Lieber einer einzigen Giebel- Wand steigt ein hoher schlanker Turm.
.unten ist das Land weit gebreitet. Fern und verwren wachst die Ebene. Lieber Daumwäldern fließt der Sommertag, steht das Sieb der Sterne oder stürzen die Gewittergüsse.
Der Stamm ist knorrig und dick, die Rinde vernarbt, zerrissen und geschwärzt. Der Saft .^L-'ist Nicht mehr stark. Eine Stutze halt seine Jahrhunderte. Ich trete zu ihm ,clne öerf$mufct€, graue, verwaschene Tafel kse: „Unter diesem Fliederbusch ruhte das Katchen von Heilbronn."
Dieser Busch beschattet das lieblichste Antlitz und das reinste Herz. Unter diesem Busch lag der keuscheste und einfältigste Leib, dem ein weißes und unverstocktes Blut das unerschütterliche und erhabene Gesetz gab
War sie zierlich, war sie klein und behend, oder war sie von tolanter, aufgeschossener Schönheit? OSar sie blondgesträhnt, oder wand sich schwarzes
Wirtschastsdebatte im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 13. Mai. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung zur Einzelberatung des Wirtschaftsetats.
Abg. Schott (VP.) spricht über die große Rot der Landwirtschaft. Trotz einer auf manchen Gebieten befriedigenden Ernte hätten die ins Bodenlose gesunkenen Preise, namentlich für Wein, Kartoffeln und Vieh, die saure Arbeit der Landwirte ohne Erfolg gelassen. Die DVP. halte die Angliederung des Wirtschaftsministeriums an das Innenministerium als selbsttätige Abteilung für durchaus möglich. Wir Landwirte aus dem Westen unterstützen vorbehaltlos die Tätigkeit des Landwirtschaftsministers Schiele. In der Frage der Sonntagsheiligung möge die Regierung in der Erntezeit auf die Landwirtschaft Rücksicht nehmen.
Abg. Dr. Müller (Lbd.) fordert Verbilligung des Feldbereinigungsverfahrens und Rachprüfung der Richtlinien zur landwirtschaftlichen Umstellung auf den wirtschaftlichen Erfolg. Die Tributzahlungen wirken mörderisch auf die Landwirtschaft, während gleichzeitig die Lasten der öffentlichen Hand ins Ungeheure stiegen. Ein Abbau der Sozialleistungen lasse sich nicht mehr hinausschieben. Der Hauptpunkt der Agrarkrise liegt neben der Produttions- und Absahkrise in der bevölkerungspolitischen Richtung. Der Mensch müsse nicht Objett, sondern Subjekt der Wirtschaft sein. Der Sozialdemokrat Hilferding hatte seinerzeit Richtpreise für Getteide festgesetzt, die wir heute noch nicht erreicht haben, und trotzdem wagten die Sozialdemokraten einen ungehemmten Feldzug gegen die Zollpolitik der Reichsregierung. Der Agrarindex ist vielmehr vom 1. April 1930 zum 1. April 1931 von 112 Prozent auf 105 Prozent gesunken. Die Landwirtschaft erhalte für ihre Produktion zusammen 12 Milliarden, während die Verbraucherschaft dafür 25 Milliarden zahlen müsse. Es müsse Sache der Verbraucherschaft fein, diese Zwische ns Panne herabzudrücken. Der Schutz der Viehwirtschaft, die Chemie- und Kohlenproduttion übersteigt, bringe volkswirtschaftlich und nationalpolitisch den größten Ruhen. Die hessische Regierung müsse unter allen Umständen für Zölle zugunsten der landwirtschaftlichen Veredelungsproduktion eintreten.
Abg. Mann (S.) rechnet es der Privatwirtschaft an, Schuld an der heutigen Wirtschaftskrise zu sein. Milliarden seien zu einer sinnlosen Rationalisierung verpulvert worden. Die Reichsbahn vergebe chre Aufttäge mit einer Zahlungsfrist bis zu 1933 bei 7prozentiger Verzinsung. Leider sei kaum mit einer Belebung am Dau- marft zu rechnen. Gegen Versuche, die soziale Gesetzgebung jetzt zu zerbrechen, werde sich die Sozialdemokratie mit aller Macht entgegenstellen.
Abg. Wesp (Z.) erklärt: Die Arbeiterschaft verzeichne im Vergleich zu den Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft nur Lohnabbau, Abbau am Urlaub, an den Familien- und Ueberstunden- zulagen. Die deutsche Arbeiterschaft werde den leeren Phrasen der Kommunisten nicht folgen, denn die wahren Zustände der Sowjetunion würden mehr und mehr bekannt.
Abg. Blank (Z.) sieht einen Grund für die Verschuldung der Glashausbesitzer in dem langen Winter des Vorjahres und der Schleuderkonkurrenz aus Holland und dem übrigen Ausland. Es sei notwendig, daß die Regierung die Lust der Bauern zur Feldbereinigung nicht tötet
Abg. Dr. We rner (Rtsoz.) kritisiert, daß bei Tagungen der Landwirtschaftskammer von dem Präsidenten Hensel politische Töne angeschlagen würden. Trvh der Rotmaßnahmen der Regierung pfeife dieses System auf dem letzten Loch. Deutschland werde immer wehr zu einer Kolonie der fremden Finanzmächte, die auch die deutsche Landwirtschaft zum Erliegen bringen wollten. Anerkannt werden müsse, daß wenigstens das Wirtschaftsministerium sich des Mittelstandes angenommen habe.
Abg. Dr. Müller (Ldb.) weist die Vorwürfe des Vorredners gegen die Landwirtschaftskammer zurück. Der Auszug der Rationalsvzialisten habe die Landwirtschaft geschädigt und die Reichsregierung nach links gedrückt. Auch in der Politik rächten sich Unterlassungssünden.
Rach polemischen Erwiderungen der Abg. Dr. Werner und Lux gegen Dr. Müller kündigt Minister Korell ein Enquete über den Verdienst des Bauern an. Eine Gegenüberstellung zwischm Dauer und Industriearbeiter sei undiskutabel, denn der Landwirt verfüge noch über „Besitz". — Einzelberatung Dienstag der kommenden Woche.
Das Arbeiislosenproblem.
Die Brauns-Kommiffion berät weiter.
Berlin, 16. Mai. (BDZ.) Am Freitag ist die vom früheren Reichsarbeitsminister Brauns geführte Sachverständigenkommission für die Ausarbeitung von Maßnahmen gegen die Erwerbslosigkeit zusammengetreten. Das Arbeitsprogramm umfaßt weitere Teilfragen aus dem Arbeitslosenproblem. Im besonderen will man sich mit der Zusammenlegung der Wohlfahrtserwerb s- losen- und Krisenfürsorge beschäftigen, ferner die Eingliederung oder Ausschaltung der Saisonarbeiter aus der generellen Regelung erörtern und die (Stellung der verheirateten erwerbstätigen Frauen in der Arbeitslosenversicherung regeln. Rach Informationen aus unterrichteten Kreisen ist es der Kommission bisher unmöglich, einen Termin für den Abschluß ihrer Arbeiten bekanntzugeben. Dies ist deshalb von Bedeu- tung, weil die Reichsregierung den Wunsch hat, eventuell erforderlich werdende neue Rotoer - orbnungen noch vor der geplanten Englandreise des Reichskanzlers zu erlassen.
Arbeitsdisziplin im Gojwetparadies.
Moskau, 16. Mai. (TU.) Der Mangel an Äualitätsarbeitern und die anhaltende Arbeiterflucht Haben die Sowjet- behörden zu neuen außerordentlichen Maßnahmen gegen diejenigen Arbeiter veranlaßt, die
Ebenholzhaar um die Stirn? Keiner beschrieb sie, und wer sie beschrieb, sah nur das Ideal seiner eigenen Sehnsucht. Ihre Liebe wurde zum Symbol der Liebe. Sie zu finden in den Schwestern und Mädchen ihrer Zeit, war Sehnsucht der Dichter, der Abenteurer, der aufgerissenen Herzen, der Feurigen, der Glühenden, der Tragischen, der Besessenen und der Weisen.
Welche somnambule Seele brannte dieses Kind, trieb dieses Ding aus Duft, Unberührtheit und siebzehn Jahren weit den Reckar herunter wie unter dem Ruf eines großen und unwiderstehlichen Befehls, aufgewühlt von einem wilden und unbezähmbaren Blut, das Mysterium einer wunderbaren Liebe zu erfüllen. Einer Liebe, die aufbricht, die heimatliche Süße der Kemenate verläßt, den bitteren Gang der Verachtung, der Preisgabe und der Qual geht, die der Eltern, der Gespielen und Geschwister nicht achtet und in das Dunkel wandert, nur vom unverlöschbaren Licht des eigenen Herzens geführt. Einer Liebe, die über Bergrücken schreitet, Bäche und Wässer durchwatet, sich von Beeren nährt, den Hunger mit Brot der Dörfler und Dauern stillt, die getrieben wird durch Gewitternächte und Regenabende, die chm nachschreitet, dem Gott, dem Großen, dem Erwählten, dem Funkelnden, dem Fürstlichen, unablässig, ungehemmt, unaufhaltsam, unhaltbar, immer im Atem der Geliebten, von dem Saum seines Gewandes und dem Glanz seiner Rüstung gestärkt, angetrieben und beglicht, und Kraft, Hoffnung und Stärke ziehend aus den Spuren seines Schrittes, aus dem Schatten seiner Rähe und dem Hufschlag seines Rosses.
rief in dieses Herz? Wer lockte dieses Dlut? Wer erfüllte dieses Kind, schamhaft und demütig, und zwang es, die elterlichen Gewölbe und Stuben zu verlassen, das reine und helle Himmelbett mit dem Gras und Moos der Wälder und Wildnisse zu vertauschen, wer betörte diese taubenhafte junge Seele mit der leiden- schaftttchsten und brausendsten Musik, wer befahl diesem wandelnden Engel und Mädchen nur nach dem zu schauen, der ihr voranritt, der sie verachtete und der sie nicht sah, der nicht erkannte, welche Gnade diese Kinderstirne feurig erfüllte welche Größe dieses Herz adelte und welche Demut diesen Leib betaute?
Dieser Busch, wild und einsam, müßte heilig ftin. Glanz von hundert Gedichten ist um ihn. ©ufje und schöne Musiken klingen in seinen Arsten Denn unter ihm lag sie, das Mädchen, das
durch ihr Verhalten „das Tempo des sv- zialistischen Aufbaues" hemmen. Das Präsidium des Obersten Gerichtshofs hat beschlossen, alle die Arbeiter und Angestellten zur Verantwortung au ziehen, die sich eines Bruchs des Arbeiter- oder Angestelltenverttags schuldig machen. In der offiziellen Mitteilung wird her- vorgehoben, daß die mangelnde Arbeitsdisziplin schwere Schädigungen für die ganze Sowjetwirtschaft Hervorrufe und daß deshalb mit allen Maß- nahmen vorgegangen werden müsse, um den so - zialistischen Aufbau zu sichern. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß unter die neue Verordnung auch leitende Beamte und Angestellte sowohl der Sowjetverwaltung wie der Fabriken und Werke fallen.
Wegeners Heldentod in -er Arktis.
Die letzten Spuren des Forschers im Grönland-Eis gefunden.
Ein ausführliches Radiotelegramm der Hilfsexpedition, die im Grönland-Eis nach dem vermißten deutschen Forscher suchte, gibt jetzt Einzelheiten über die Tragödie, die sich im letzten Winter dort abgespielt hat. Rach einem 40-Ta ges- marsch voll unendlichen Strapazen hat Wegener am 30. Oktober die sog. Station Eis mitte, die 400 Kilometer westlich und 500 Kilometer von der Ostküste Grönlands entfernt liegt, erreicht. Er mußte nach und nach alle Schlitt en lasten zurücklassen, und seinem Begleiter Dr. Löwe erfroren sämtliche Zehen. Trotz der schweren Stra-
Kätchen, die aus Schickfalszwang Auf gebrochene, von den Sommerfliegen umschwirrt, über ihr zitternde Mittagsstille und sommerliche heiße Himmelsbläue, voll Erwartung im gläubigen und begnadeten Herzen, während der Geliebte oben saß in den Türmen oder Gemächern, lachend pokulierte oder im Minnedienst der Blumensprache Pflag.
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Kätchen von Heilbronn: dich trieb kein böses Wort, dich trieb kein Schlag, dich trieb keine Verachtung von dem hinweg, was du einmal als den Glanz, als die Süße, als den Atem und das Glück deines Daseins erfühlt hast.
Dein Rame ist ein silberner feuriger Hymnus der Liebe.
Dein Rame ist die Lobpreisung der Einfalt.
Dein Rame ist das Symbol des lebendigen und einzigen Gesetzes.
Selig der Mann, den du liebtest. Selig die Liebe, die du lebtest. Selig dein Leben, in dem Liebe das Einzige war. Selig die Gewalt, die dich auftrieb zu Gefolgschaft und Schicksal. Glück überregnete dich. In deinem Herzen blühte die köstliche Weisheit. Deine Liebe ward deine Un- sterblichkeit.
Wir besteigen den Turm. Fürstlich liegt das Land nach Süden, Osten, Rorden, Westen. Dunst verschleiert alle Horizonte. Silberstreifen brechen auf aus Flüssen, Wassern, Bächen. Aufgewölbt ist der Frühlingstag.
Aufgewölbt wie der Himmel war dein Herz, Kätchen von Heilbronn, ausgebreitet in unerschöpflichem Reichtum, bezaubernder Schönheit unb Adligkeit, wie die zu Füßen liegende Landschaft war dein Gefühl.
Erde nehme ich mit von dieser Stelle, ein Blatt von deinem Sttauch. Ich will es einer schenken, daß sie es als Talisman über dem Herzen trage ...
Oer Mann, dem nichts passieren kann.
in Natal (Südafrika, ist der englische Flieger Kidstvn mit seinem Begleiter abgesturzt. Beide waren sofort tot. Das ist Fliegerlos. Ein Fliegerschickfal unter vielen. Ein Schicksal, mit dem sie zu rechnen pflegen ... daß es fte irgendmal, irgendwo ereilt. Sie wollen ja gar nicht im Bett sterben ...
Oiber biefer Äibfton fällt aus der Reihe, denn er wollte im Bette sterben, er lächelte über das Fliegerlos. Ihm konnte nichts passieren. Gr war
pazen gönnte sich Wegener nur eineinhalb Tage Ruhe unb brach dann mit seinem grönländischen Begleiter wieder nach Westen auf. Wegen?» wollte anscheinend auf alle Fälle d i e Haupt- gruppe der Expedition im Westen schnellstens wieder erreichen, um dort die wissenschaftlichen Arbeiten zu überwachen. Bei ihrer Suche nach Wegeners Spuren fand die Hilfsexpedition 15 0 Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt W e g e n eT s Schlitten und nach weiteren 60 Kilometer auch feine Skier, die er wie ein Wegezeichen im Schnee auf gestellt hatte. Das sind die letzten Ueberrefte, die man von Wegener gefunden hat. Es ist nun wohl nicht mehr zweifelhaft, daß der geniale Forscher, dessen Verlust für die deutsche Wissenschaft unersetzlich ist, den Heldentod im Eise gefunden hat. — Der Polar- forfdjer Peter Freuchen schreibt im „Politiken": Daß man Wegeners Schneeschuhe im Schnee auf- geftecft gefunden habe, zeige, daß er sie zu einer
• 1 ®’Ucn zurückgelassen ljabe, als er sie niajt langer gebrauchen konnte. Dies war bei dem 184. Kilometer. Dort beginnt der festere Schnee, der sich in der Randzone befindet, wo Ski unverwendbar ober beschwerlich sind: aber auch dort befinden sich die aefährlichen Gletscherspalten, und es sei wahrscheinlich, daß der berühmte Forscher in einer solches ^Spalte umgetommen ist.
Aus aller Welt.
Schwerer Verkehrsunfall bei fiaffcl
3n dem dicht bei Kussel gelegenen Dorf Ober- kuufungen ereignete sich am Abend des Himmelfahrtstages ein schwerer Verkehrsunfall. In der Rähe der Gastwirtschaft Bah fuhr ein Kasseler Personenauto in eine Gruppe Ausflügler, die auf dem Wege nach Hause begriffen war. Ein Bauarbeiter erlitt eine Gehirnerschütterung und llaffende Kopfwunden, während sein fünfjähriger Sohn neben schweren inneren Verletzungen ebenfalls eine Gehirnerschütterung babontrug. Eine dreizehnjährige Schülerin erlitt einen Armbruch, während eine zu der Ausflüglergruppe gehörende Ehefrau einen Rervenschok bekam. Rach Anlegung von Rot- Verbänden wurden die drei Schwerverletzten dem Krankenhaus zugeführt. Wie Augenzeugen berichten, ist der -Unfall darauf zurückzuführen, daß das Unglücksautv einem entgegenkommenden Motorradfahrer ausweichen wollte, wobei es zu weit rechts an die abfallende Straßenseite kam. Anscheinend hat nun der Fahrer angesichts der Menschengruppe die Geistesgegenwart verloren, denn das Fahrzeug steuerte direkt auf die Fußgänger zu und warf sie zu Boden. Es rannte dann gegen eine Haustür, die vollkommen zertrümmert wurde. Der Wagen mußte abgeschleppt werden.
Faschistische Ohrfeigen für Toscanlni.
Sn Do l o gn a sollte Toscanini, der gefeierte Dirigent der Mailänder Scala und der Dayreuther Festspiele ein Konzert geben. Man forderte ihn auf, die musikalischen Darbietungen mit dem Königsmarsch und der faschistischen H Y m n e zu eröffnen. Als er sich weigerte, wurde er gevhrfeigt. Die Faschisten veranstalteten danach große Demonsttattonen in den Straßen der Stadt.
Ein polnischer Spion verhaslek.
Der vor einigen Tagen in Danzig unter Spionageverbacht verhaftete Student an der Technischen Hochschule, Falkenbacher aus Ingolstadt, Hat ein Geständnis abgelegt, daß er für den pv Inis ch en Rachrichtendien st gegen Bezahlung gearbeitet unb seit Monaten für ihn in den deutschen Grenzgebieten Spionage getrieben habe. Fallenbacher ist über 20 Jahre alt unb bayerischer (Staats* ungehöriger. Er stand kurz vor dem Examen. In der vergangenen Woche hat er einer anderen in Danzig vertretenen ausländischen Macht angeboten, ihr Material, namentlich aus Königsberg unb auch aus ben pommerschen Grenzgebieten zu verschaffen. Interessant ist ferner, daß ihm ber polnische Agent, mit dem er in Verbindung stand, geraten hatte, der Rational- sozialistischen Partei Deutschlands beizutreten, um
unantastbar. Er meisterte nicht nur die Maschine, er meisterte sogar ben Zufall und das Unglüct
Kidston — in England ein Begriff, der Mann, dem nichts passieren kann. 1899 geboren. Anno 14 Seekadett auf dem Kreuzer „Hogue", dem Wed- bigen von „U9“ den Torpedo in ben Bauch jagt. Kibston schwimmt zweieinhalb Stunden lang. Da trifft er auf ben Kreuzer „Aboukir", der ihn aufnimmt. Wenige Minuten später hat Webdigen auch ben „Aboukir" torpediert. Hunderte ertrinken. Kibston schwimmt weitere anderthalb Stunden und wird gerettet. Das geht so in dieser Art weiter. Er ist bei Kriegsende 19 Jahre alt und ist hundert Lebensgefahren entronnen.
Mit dem Geld beS steinreichen Vaters unternimmt er Reifen nach Afrika, aber abseits von der großen Straße. Löwen, Elefanten begegnen ihm in aussichtslosen (Situationen. Kidston behält fein Leben. Kibston wirb Motorrennfahrer. Bei einem Rekordversuch bricht die Maschine entzwei, Kidston wird ins Wasser geschleudert und gerettet. Er wird Flieger. 1928 fliegt er durch Afrika. Sem Flugzeug stürzt ab — in ben reißenden Weihen Ril. Kibston rettet sich. Ein Jahr später verunglückt er als Motorrennfahrer im 150-Kilo- meter-Tempo. Hautabschürfungen — das ist alles.
1930 sitzt er in einem Flugzeug mit anberem bekannten Persönlichkeiten ber britischen Luftfahrt. Das Flugzeug stürzt brennenb ab. Acht Personen kommen ums Leben. Kibston schüttelt sich, zündet eine Zigarette an, bestellt ein Ersatzflugzeug unb fliegt weiter. 1931, im März, fliegt er von London nach Capstadt, in sechseinhalb Tagen. Rekord! Lind ohne Llnfall. Kreuz unb quer geht es durch Südafrika. Unb bei Dan Reenen ereilt ihn das Schicksal.
Ein Schicksal, bas nach menschlichem Ermessen vorauSzusehen ist. Richt — nach bem Ermessen des Betroffenen. Wenn man so unb so oft gesiegt hat, glaubt man an ben Endsieg. Richthofen erfocht achtzig Luftsiege unb glaubte nicht mehr an bie Möglichkeit eines unglücklichen Ausgangs. Er schien unverwunbbar — für Feind unb Freund. (Begrabe, der Rekordfahrer, lachte über ben Aberglauben, ber ba sagte, jebe Glücksserie habe ein Enbe. Er verunglückte mit dem Motorboot, baS er so nebenbei fuhr.
Das Glück läßt sich nicht zwingen. Erfolgreich ist ber Spieler, ber beizeiten aushort. Aber bie meisten können nicht aufhören. Unb das Schicksal ist zynisch genug, ihnen so lange recht zu geben — bis es zu spät ist.


