Ausgabe 
16.3.1931
 
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Der Kurs der Volkspartei.

Eine JRefre Oingeldeys in München.

München, 15. März. (CRB.) Auf dem Der- trotertyges des Landesverbandes der Deutschen Volkspartei in Bayern sprach der Parteivor- sitzende Dingeldey. An unserem heutigen Elend seien nicht nur Boungplan und Wettwirt- schaftslr.se schuld, sondern das Sy st em eines entarteten Parlamentarismus, der sich seit der Weimarer Verfassung weiterent­wickelt habe unter Mithilfe aller Parteien. Die Abkehr von diesem entarteten Parlamentarismus müsse heute unser innerpolitisches Ziel sein. Der internationale Sozialismus sei eine schwere Gefahr für das deutsche Volk. Der So­zialismus in nationalem Gewände bedeute eine noch schwerere Gefahr, wenn sein Führer nicht den Weg finde, einmal klar und deutlich auszusprechen, wie er sich die Maß­nahmen zur Bettung unseres Volkes denkt. Auch Wirtschafts- und finanzpolitisch gesehen stünden wir vor einer Gefahr; weniger sei die Gefahr eines weiteren Anschwellens der Erwerbslosen­zisfern gegeben, als vielmehr die Gefahr des Versiegens der S te u e r q u e l len. Gegenüber solchen Schwierigkeiten könne die Reichsregierung nur den Weg erhöhter Sparsamkeit beschreiten. Das System eines laienhaft geführten Wohlfahrtsstaates müsse schleunigst aufgegeben werden. Die Bestrebungen des Reichskanzlers, daß Deutschland die Vor­aussetzungen für die Wettbewerbs­fähigkeit mit der internationalen Wirtschaft wiedergewinnen müsse, seien zu unterstützen, nicht zuletzt deshalb, damit wir bei künftigen Verhandlungen zur Revision unserer

Tributverpflichtungen auch einmal ein Rein nicht nur deklamieren, sondern auch durchhalten könnten. Die Rechtsopposition habe leider durch ihren Auszug aus dem Reichstag jede positive Beeinflussung der Entwicklung aus der Hand gegeben. Die Deutsche Volkspartei unter- stütze die Regierung Brüning als ein­zige z. Z. sichtbare Verkörperung des Willens zur inneren Reform. Sie erwarte aber vom Reichskanzler, daß er von den Sozialdemo­kraten für die Bewilligung der Rate des PanzerkreuzersB sich nicht von dem grundsätzlichen Weg abdrängen lasse.

Es sei eine Schicksalsfrage, namentlich für die französischen Staatsmänner, zu erkennen, daß der Weg der Zwangsmethode am Ende zu einer gewaltsamen Entladung eines entehrten Volkes führen müßte. Solange Frank­reich nicht ablasse von der Politik einer Hege­monie in Europa, die sich auf ein machtloses, krankes Deutschland stützt, solange könne Deutsch­land die russische Karte nicht aus dem Spiel herauslasien. Dr. Dingeldey ging mit Dr. Schacht völlig einig, daß die Frage der Tributlasten nur in ihrer Gesamtheit auf dergan- zen Front angepackt werden könne, allerdings nach diplomatischer und wirtschaftlicher Rü­stung. Es gelte, zur Erreichung des Zieles bestehende Gleichgültigkeit draußen in der Welt gegenüber der Tributfrage zu bekämpfen und im Innern einen starken, einigen Willen zu schaffen. Den Schluß der Ausführungen des Redners bildeten Erörterungen über die Anträge der Fraktion zur Verfassungsreform.

wirtschaft im Wettbewerb mit den ausländischen Erzeugnissen stehe, sei es besonders zu begrüßen, daß die Ausstellung eine Fülle von Erzeugnissen der Kochkunst von dem Einfachsten bis zu dem Fein­sten biete, die nur aus deutschen Erzeug­nissen hergestellt seien. Die bis zum letzten Ham- merschlag fertige Messe und Ausstellung ist die größte der Ausstellungen, die auf diesem Gebiete seit vielen Jahren in der Reichshauptstadt veran­staltet worden sind.

Der Reichsfinanzminister fordert sachliche Arbeit.

Keine neue Besteuerung der Produltion.

Berlin, 15. März. (VDZ.) In der Vorstands­sitzung der Deutschen Staatspartci sprach Reichs- finanzminister Dietrich über die politische Lage unter besonderer Beerücksichtigung der finanziellen Verhältnisse. Er unterstrich dabei die frühere Er­klärung der Reichsregierung, daß die Einkom­men- und Vermögens st euer nicht wei­ter belastet werden solle. Das Defizit in der Rcichskasse sei zwar groß; aber auch England und sogar Amerika hätten große Defizite Ende März wurden mit den Ressorts noch einmal Ver­handlungen zum Zwecke weitererEin- s parungen stattfinden. Aber bei diesen Ein­sparungen solle nicht in gesetzliche Rechte eingegriffen werden, sondern sie müßten im wesentlichen b e i den sachlichen Ausgaben erfolgen. Das R e p a r a t i o n s p r o l> l e m fei nicht zu lösen, wenn in anderen Ländern uns gegenüber der Kredit verknappt wird und wenn unsere Ausfuhr durch Dämme gesperrt wird. Im Laufe der nächsten Monate werde es dar/ius an= kommen, unsere Handelspolitik mit der Agrarpolitik zu einem vernünftigen Ausgleich Zu bringen. Dazu rpüßte aber auch von agrarischer Seite das Notwendige geschehen. Die Landwirtschaft habe sich leider zu wenig um die Warnungen vor einer zu großen Schweineaufzucht gekümmert. Rein wirtschaftliche Warnungen würden in dieser Zeit überhaupt zu wenig beachtet gegenüber der beispiellosen Hetze, die die Gemüter vernebelt und die Stimmungen aufpeitscht. Zum Verzweifeln liege trotz der schwierigen Lage fein Grund vor. Es heiße jetzt sachlichweiterorbeiten und die Nerven nicht verlieren.

politischer Mord in Hamburg Ein kommunistisches Bürgerschastsmitglied im Str.^ßenautobus erschossen.

Homburg, 15. Marz. (WTB.) Das fommu- nislische Bürgerschaftsmilglied h e n n i n g ist in der letzten Rächt gegen O.4O Uhr in einem Autobus, der von Zollenspieker nach Hamburg fährt, kurz hinter Ochscnwörder erschossen worden. Hen­ning befand sich in Begleitung eines Parteigenossen Cahnbley. 3n Fünfhausen befliegen drei Männer den Omnibus, die zunächst ruhig Platz nahmen, plötzlich erhoben sie sich, zogen Pi st ölen aus der Tasche und riefen den Fahrgästen zu:Hände hoch!" Dann fragten sie Henning, ob er das kommunistische Bürgerschafts- Mitglied Andrs sei und forderten ihn auf, seine Papiere zu zeigen. Als Henning hierauf seinen Romen nannte, erwiderten sie:Dich suchen wir gerade!" 3m gleichen Augenblick gaben sie eine Anzahl Schüsse auf Henning ab, sprangen alsdann aus dem Blagen und schossen a u d) von draußen weiter in den Dagen hinein. Henning war sofort tot.

Außer ihm wurden noch zwei Damen und ein 'Mann von den Kugeln getroffen. Am schwersten oer- letzt ist eine neben Henning sihendeLehrerin Frl. M., die an einer Berufsschule bei Homburg tätig F ist- Sie erhielt fünf Schüsse in den Ober- , schenket, wegen deren sie in ein Hamburger r Krankenhaus aufgenommen werden mußte. Einer zweiten Frau aus Hamburg wurde der Daumen abgeschossen. Der zweite im Dagen anwesende Kommunist erhielt einen leichten Streifschuß am Kopf. Da er sich tot stellte, feuerten die Attentäter weiter keine Schüsse auf ihn ab. Die schwerverletzte Lehrerin stolperte aus dem Dogen heraus und setzte sich auf den Fußsteig. Einer der Attentäter sprang

Gießener Gtaditheater.

Gastspiel Max Adalbert, Berlin: Ter Mann, der schweigt".

Cs gibt neuerdings dieleMänner" in der Lite­ratur; zum Mann, der den Mord beging, und zum Mann, der die Ohrleigen bekam um nur einige herauszugreifcn --gesellt sich hier der Mann, der schweigt.

Ein Spiel in drei Akten nach O. Malin von Fritz Friedmann- Frederich : das ist ein merkwürdig schwaches und stellenweise einfach Peinliches Stück zwischen plattem Schwank und sentimentaler Rührseligkeit, ein Stück mit auffal­lend matten Aktschlüssen, von dem man nicht be­greift, wie der Komiker Max Adalbert darauf verfallen konnte.

Der Mann, der schweigt, ist ein kleiner franzö­sischer Beamter mit dreitausend Franken im Mv- nak, Pflichteifrig, gewissenhaft, schüchtern und ohne Ellenbogentalent gegen Fremde und im Beruf,... aber launenhaft, brummig und housthrannisch im eigenen Sjeim gegen seine Frau Alice, seine junge Richte Jeanette und sein Dienstmädchen.

Diesem Mann, Emile Durand, passiert es, daß er nach Jahren seinen Jugendfreund Pierre Bon­din auf der Straße trifft, der in allen Stücken die Umkehrung feines Wesens verkörpert: zu­dringlich bis zur Taktlosigkeit, schlechter und fau­ler Beamter mit dem doppelten Einkommen, dazu mit einem unwiderstehlichen Maulwerk, das ihm eine gehobene Position und viel Glück bei den Frauen beschert hat.

Dieser unmögliche Mensch bringt in des schweig­samen Mannes Familie ein, indem er sich zwang­los zum Essen cinlädt, den Hausherrn ärgert, sich bei den Frauen beliebt macht; ja, es gefällt die­sem Junggesellen hier so gut, daß er eine Woh­nung im gleichen Hause mietet imb sich ohne viel zu fragen bei der Familie seines Freundes in Pen­sion begibt.

herbei, legte ihr einen Mantel unter und sprach Dorte der Entschuldigung zu ihr.

Ls sind insgesamt 15 Schüsse abge­feuert worden, außerhalb des Dagens wurden 6 bis 7 Patronenhülsen gefunden. Der Dagen ist stark demoliert. Die Täter sind junge Leute im Alter von 20 bis 25 3 ahren. Sie stiegen bei Beginn der Fahrt in den Wagen, ohne irgend­welche Aufregung zu verraten. Dem Kontrolleur fiel es auf, daß die jungen Leute keinGeldbeisich hatten und daß ein Einwohner aus Ochsenwerder für sie die Fahrt bezahlte. Rach ihrer Tat ergriffen sie nicht sofort die Flucht, sondern hielten sich noch einige Minuten vor dem Gefährt aus und tiefen: Sind sie auch wirklich beide tot?" Dann liefen sie querfeldein und stoben auseinander.

Das Attentat auf den Hamburger Polizeirat. Hamburg. 14.März. (TU.) Die staatliche Pressestelle teilt mit: 3n der krirninalpolizei- lichen Vernehmung des Polizeioberwachtmeisters P o h l, der den Anschlag auf den Regierungsrat Lassally verübt hat, sind bisher folgende Feststellungen gemacht worden: Pohl gibt zu, den Vorsatz gehabt zu haben, Lassalv) zu erschießen. Er ist daran lediglich durch eine Ladehemmung, die nach dem ersten Schuß cingetreten war, behindert worden. Die der Vernehmung beiwohnende Sekretärin des Regierungsrates hat gehört, daß Pohl die Dienstpistole noch wiederholt abgedrückt Hot. Wenn Pohl auch nicht Mitglied der RSDAP. gewesen ist, so besteht doch kein Zweifel darüber, daß er in ihrem Sinne tätig zu sein versucht hat. Er war regelmäßig Gast in natio­nalsozialistischen Lokalen, brachte nationalsozia­listische Zeitungen in die Diensträume mit und versuchte bei seinen Kameraden für die in der nationalsozialistischen Presse vertretenen An- schauüngen Propaganda zu machen. Dies war der Grund der Einleitung des Diszipli­narverfahrens, in dessen Verlauf Pohl seine Tat begangen hat. Regierungsrat Lassally hatte den Auftrag erhalten, außer den Polizeiober- Wachtmeister Pohl auch noch den Polizeiober- Wachtmeister Möller wegen Beteiligung an na­tionalsozialistischer Propaganda zu vernehmen. Oberwachtmeister Möller saß während der Ver- nehmung Pohls wartend im Vorzimmer.

Der häusliche Frieden ist schwer gefährdet. Alice droht den Verführungskünsten Picrres zu ver­fallen, der jedoch nichts dabei findet, sich hinter ihrem Rücken mit Jeanette zu verloben. Emile wittert Unheil, wagt aber, schüchtern wie er ist, dem draufgängerischen Jugendfreund nicht die Meinung zu sagen. Von Eifersucht gequält, kommt er unvermutet nach Hause, findet Pierre nebenan bei seiner Frau und sinkt gebrochen auf einen Stu^I, da er die Situation vollkommen mißver­steht: die Frau hat soeben in einer heftigen Szene Pierre den Laufpaß gegeben.

Erst am andern Morgen, im dritten Akt, kommt die erlösende Wahrheit an den Tag. Emile, der un Amt ganz überraschend zu einer führenden Stellung avanciert ist, überzeugt sich von der Un­schuld seiner Frau, hat auf einmal die Sprache wiedergefunden und sagt mit kräftigen Worten ytCTrc alles, was er seit langem gegen ihn auf Dem Herzen hat. Run ist aber auf einmal auch fein Grund mehr da, dem Eindringling die Tür zu weisen; er wird in den Schoß der Familie aufgenommen, er bekommt die junge Richte und Emile, der starke und glückliche Mann mit der toiebergefunöenen Sprache und Seelenstärke schließt seine getreue und unschuldige Frau ge­rührt und verliebt in die Arme.

Ein schwaches, mattes, unentschiedenes und un­befriedigendes Stück. Adalbert spielt zwei Akte lang eine peinliche, passive, kaum ent­wicklungsfähige Rolle, und der große Ausbruch im dritten kann für den Leerlaus zuvor keines­falls entschädigen. Wollte er einmal, was an nch ou begrüßen gewesen wäre, eine menschlich und psychologisch ernstzunehmende Rolle spielen- so hatte cm wertvolleres Stück mit höherem spezifischen Gewicht gewählt werden müssen.

Das Parfüm meiner Frau", jenes Lustspiel, mit dem sich Adalbert seinerzeit bei uns vor- ftelltc, war gewiß eine höchst unbeträchtliche An- geLegengeit; aber es gab ihm die Chance, aus ßch herauszugehen, seinen Wortschwall, seine ^rockenheit, seinen berlinerischen Witz spieleii zu

Aach der Tat wurde auch er festgenommen, da man bei ihm gleichfalls einen gelade­nen Dienstrevolver fand. Ob zwischen Pohl und Möller eine Verabredung bestanden hat, steht nicht fest. Das nationalsozialistische Hamburger Tageblatt" schreibt, daß außer Ober­wachtmeister Pohl nod) fünf oder sechs andere Polizeibeamte unter der Be­schuldigung nationalsozialistischer Betätigung zur Verantwortung gezogen worden seien, nachdem man sie wochenlang überwacht habe.

Keuerüberfall auf Nationalsozialisten in Essen.

Essen, 14. März. (TU.) 3n der Rächt zum Samstag wurde ein Trupp von 15 Ra - tionalsozialisten, der sich von einer Ver­sammlung auf dem Heimwege nach Essen-Kray befand, an der Zeppelinbrücke von unbekann­ten Tätern beschossen. Rach Darstellung der Polizei wurden zwei Salven von insgesamt 20 Schuß auf den Trupp abgegeben. Bei der letzten Salve wurde der 18 Fahre alte, in Kray wohnende Anstreicherlehrling FriÄ)rich Felgendreher durch Kopfschuß lebens­gefährlich verletzt. Felgendreher ist am Samstagmittag, ohne das Bewußtsein wieder­erlangt zu haben, seinen Verletzungen erlegen. Die polizeilichen Ermittlungen wur­den sofort eingeleitet. Vermutlich liegen der Tat politische Gegensätze zugrunde. Für die Ermitt­lung der Täter hat Der Regierungspräsident in Düsseldorf eine Belohnung von 1000 Mark aus­gesetzt.

ASg. Münchmeyer.

München, 15.März. Wie derVölkische Beobachter" mitteilt, fand vor dem Amts­gericht Magdeburg die Hauptverhandlung gegen den nationalsozialistischen Reichstagsabge­ordneten Pfarrer a. D. Münchmeyer wegen unbefugter Titelführung in elf Fällen statt. Der Angeklagte wurde 'auf Kosten der Staatskasse in sämtlichen Fällen freigespro­chen. 3n der Urteilsbegründung wurde nach dem Bericht des ..Völkischen Beobachters" besonders betont, daß die Entziehung des TitelsPfarrer" durch die Kirchenbehörde im Wege der Verfü­gung unwirksam war, da rein rechtlich eine Verfügung für eine solche Entziehung nicht aus­reiche, aber auch tatsächlich eine solche Verfügung ni<f)t hatte ergehen dürfen, weil Münchmeyer in vollen Ehren aus seinem Amte geschieden

Hier erzielt er nur eine dürftige Annäherung an frühere Glanzleistungen; auch Adalbert kann, darstellerisch, nicht davon leben, den größeren Teil des Abends die beleidigte Leberwurst zu mimen; das gelingt ein paar Minuten lang, in em paar drastischen Situationen und witzigen (Be­rn er hingen, ermüdet aber auf die Dauer, zu­mal auch die große Szene des dritten Aktes schauspielerisch ohne tiefere, für Adalberts Eigen­art charakteristische Wirkung bleibt. Cs hat feinen öinn, zu leugnen: dieses Gastspiel war eine Ent­täuschung.

Aus dem Ensemble (Regie: Fritz Fried­man n - F r e d e r i ch) ist zunächst Heinz Sar­now zu nennen, der als Adalberts Gegenspieler und nicht ohne ihn stellenweise zu kopieren, den Eindruck der beiden ersten Akte beinahe mehr beherrscht als der berühmte Gast.

Von den Damen bot die kleine Colette C o r d e r in einer Rebenrolle die amüsanteste Leistung, während Marta Maria Rewes (Alice) und Hilde Auen (Jeanette) ziemlich konventionell wirkten und nirgends über den provinziellen Durchschnitt hinausragten.

Die Gastspielleitung hatte Willi Schur. Das Haus war gut beseht. Die Aufnahme: sehr freundlich. hth.

Goethe-Bund.

Tichtcrabend: Karin Michaelis.

Zum gestrigen Vortragsabend in der Reuen Aula war die namhafte dänische Dichterin Karin Michaelis einer Einladung des Goethe- Bundes gefolgt. Der Abend wurde eingeleitet mit kurzer Begrüßung und Einführung durch den 1. Vorsitzenden, Dr. Otto Henning Der einen zusammenfassenden Ueberolick über Leben s- gang und Schaffen der Karin Michaelis gab die wichtigsten Bücher der Dichterin kennzeich­nete, ihre herzlichen Beziehungen zu Deutschland betonte, auf ihre literarischen Lieblingsthemen hinwies und ihre humanitäre, weltoffene und mitfühlende Wesensart rühmte. Der Redner schloß

sei. Er sei heute noch befugt, den Titel Pfarrer a. D. zu führen.

Reichstagsabgcordeter Münchmeyer, Der vom Schöffengericht Köslin wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgcseh z u Drei Monaten; Gefängnis und wegen unbefugter Titelfüh­rung zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, hatte gegen dieses Urteil Beru­fung eingelegt. Bei der Berufungsverhandlung vor der Großen Strafkammer Köslin in Pom­mern war Münchmeyer nicht erschienen, da er nach feiner telegraphisch eingegangenen Entschul­digung am gleichen Tage einen Prozeß in . Magdeburg wahrzunehmen hatte. Die Große Strafkammer verwarf die Berufung, so daß das Urteil rechtskräftig wurde.

Mißglückter Anschlag auf ör. Goebbels.

Berlin, 14. März. (TU.) Die (Bauleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei teilt mit:

Freitag mittag wurde auf den Berliner Gau­führer der Rationalsozialisten, den Reichstags­abgeordneten Dr. Goebbels ein Anschlag versucht, der nur durch die Kaltblütigkeit der Beteiligten vereitelt werden konnte. Mit der Post wurde eine größere, als Päckchen aufgege­bene Papprolle auf dem Bureau der Gau- leitung in der Hedemannstraße 10 abgeliefert Die Sendung trug die Privatanschrift b c s Dr. Goebbels, die der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wurde, durch ein Urteil, da« derAngriff" in den letzten Tagen zu veröffent­lichen gezwungen war. Das Päckchen fiel dem mit_ den Posteingängen Beauftragten auf, und er äußerte seinen Verdacht gegenüber Dr. Goeb­bels, der nun sofort die Ocffnung des Pa­ketes in seiner Gegenwart anordnete. Unter den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen wurde zunächst die Außenhülle der Sendung entfernt. Sehr schnell bestätigten sich die Vermutungen. Die Papprolle enthielt nämlich acht Stück vollstarke Explosivkörper, die mit einer Pulver- ladung verbunden waren. Wenn die Sendung ahnungslos geöffnet worden wäre, hätte der Oeffnende zweifelsohne sehr schwere Verletzungen zu mindest erlitten. Wie von der Polizei hierzu mitgeteilt wird, ist von der RSDAP. am Samstagmittag eine Anzeige bei der Krimi­nalpolizei erstattet worden, worauf Kriminal­beamte die Untersuchung dieser Angelegen­heit aufgenommen haben.

Kleine politische Nachrichten.

Im Reichstag wurde das Genfer Zollfrie­densabkommen beraten, das von Abgeordneter» der Landvolkpartei und der Konservativen Volks» Partei scharf kritisiert wurde, aber mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, des Zentrums, der Staatspartei und der Mehrheit der Deutschen Volkspartei in zweiter Beratung Annahme fand.

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Reichskanzler Dr. Brüning hat den Vorsitzenden der deutschnationalen Reichstagsfraktion Reichstags­abgeordneten Dr. Oberfohren anläßlich der Voll­endung des 50. Lebensjahres telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt.

Das Aerztekonsilium stellte Sonntag früh fest, daß das Allgemeinbefinden des Samstag abend operierten früheren Reichskanzlers Hermann Müller zufriedenstellend sei. Der Patient hat die Rächt ruhig verbracht.

ImVölkischen Beobachter" erläßt Adolf Hitler einen Aufruf zur Gründung einer natio- n a 1 s o z i a 1 i st i s ch e n Studentenkampf, h 11 f e. Er betont, daß wieder Der deutsche Student Zum Bannerträger der Zukunft unseres Volkes ge­worden sei. Als Führer der nationalsozialistischen Bewegung appelliere er an die alte Akademikerschaft, am Kampf um unsere Hochschule aktiv teilzunehmen.

Die I n d u st r i e - und Handelskammer Breslau hat an das Auswärtige Amt, das Reichswirtschaftsministerium und die Reichskanzlei folgendes Telegramm gerichtet:Nachdem der vor einem Jahre zwischen Deutschland und Holen paraphierte Handelsvertrag von dem polnischen Sejm genehmigt wurde, scheint es nunmehr auch an der Zeit, die Inkraftsetzung des mit Der eindringlichen Ditte an Die Hörerschaft. Die Bestrebungen des Bundes in Den gegen­wärtigen wirtschaftlichen und kulturellen Rot­zeiten tatkräftig zu unterstützen.

Anschließend betrat Frau Michaelis das Po­dium, umaus der Werkstatt einer Dichterin" von sich selbst, von ihrem Leben und Schaffen mit humorvoller Urwüchsigkeit und Drollig gc- b^cnc,m Deutsch zu erzählen. Sie erklärte zu­nächst Diese Werkstatt mit einer schönen Offenheit für einen Schweinestall und berichtete Dann von Au.'uerckvürdigen Begebenheiten ihrer frühen Kindheit und Mädchenzeit. Ihr erscheinen ge­rade die ersten Lebensjahre mit ihren wechseln- Den und bleibenden Erlebnissen und Eindrücken von entscheidender Bedeutung für Die menschliche unD dichterische Entwicklung. Eine Fülle von ernsten und heiteren Erinnerungen an das Eltern- bauL und die Schule, an Unordnung und frühes Leid an die wunderlichen Ausgeburten einer überströmenden Phantasie, an erste Liebe und erste Selbstmordgedanken, an Die schüchternen literarischen Anfänge, die ersten großen Erfolge; Bericht vom dichterischen Schaffen und von Der Weltberühmtheit, von Der unverständigen Vctter- ftabt und von der Kritik. Alles in aHlem: ein buntes und sehr persönlich gefärbtes Bild er­lebten und gestalteten Lebens. Bemerkenswert in der Gegenüberstellung: Das Bekenntnis zum Glau­ben nicht an eine übersinnliche Welt, son­dern an Die menschliche Verantwortung.

-Zum Schluß gab es eine kurze Vorlesung; erst ein ganz knapper, aber als Selbstzeugnrs wesentlicher Abschnitt aus einer Erzählung; dann ein größeres Kapitel unter Der ÜberschriftLe­bensgefahr" aus einem neuen Buch ..Vagabundin des Herzens", welches Die Lebensschicksale einer jungen dänischen Malerin in Amerika behandelt. Die mit einem schönen und ursprünglichen Tem- ^ament geschriebene und gelesene Erzählung schildert ein zwischen elementaren Raturkata­strophen zwischen Feuer und Wasser gleichsam sich entscheidendes Liebeserlebnis zweier jungen Menschen. ö

Die zahlreiche Hörerschaft folgte dem Dor- trage angeregt und lebhaft gespanitt unD dankt« Der Dichterin zuletzt mit lebhaftem BeifaLl.

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