Ausgabe 
16.1.1931
 
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tat vorbereitet hab', In Ban die beteiligten Regierungen auf bi:21 e ft p u n f t e b e r b e u t- schen Entwaffnung aufmerksam gemacht worben feien. 3n dem amtlichen Dementi wird verschwiegen, ob die Dotschafterkonferenz sich mit der deutschen 2lbrüstung beschäftigt hat oder nicht und ob nicht das Zirkular dem Völker- b u nd zugeleitet wurde. Man wird also auch die­se- amtliche Dementi mit Vorsicht aufnehmen müssen.

Rach einem Funkspruch aus London kann es al- sicher angenommen werden, daß Hen der- s 0 n die Gelegenheit der Erörterung der Präsi- dentenwahl zur Abrüstungskvnfe- r e n - sowie die Fest.ehung des Datums der Kon­ferenz dazu benutzen wird, um das Abrüstungs- Problem in weitem Rahmen und im Zusammenhang hiermit die politische Entwicklung in Europa mit den übrigen Mitgliedern des Döl- kerbundsrates zu besprechen. Die verschiedenen Standpunkte, die von den einzelnen Rationen zu den technischen Einzelsragen eingenommen würden, böten ihm Gelegenheit, die Ansichten gewisser Staaten zu korrigieren. Dieser Hinweis erst-eckt sich zwei eilos aus D e u t f cb l a n d. Die eng ische Poliük würde nicht verseht en, falls notwendig, den2Vint mit dem Zaunpfahl" zu ge­ben. Sie werde baran festhalten, baß das von Lord Eecil befürwortete Protokoll die Hinterlage der Abrüstungskonferenz ab eben solle. Sie werde sich aber mit den Ansichten, die Lord Ce:il nach seiner Rückkehr von Genf als Privatmann aukge prochen hat, nicht unbedingt identisizieren, was be'on- ders hinsichtlich der von Lord Celli gewünschten englischen Garantien gilt. Deutschland werde jedenfalls im Augenblick nicht miteiner ^Unterstützung Englands bei der Verfol­gung seiner Ziele rechnen dürfen.

Zur Herabsehung der Beamtengehälter in Italien.

Die Nationalsoziali st ische Deutsche Arbeiterpartei, Ortsgruppe Gießen, Pressestelle, bittet uns um Aufnahme folgen­der Notiz:

In Italien sind vom 1. Dezember an die Ge­hälter um 12 d. S). gekürzt worden. Zahlreiche Zei­tungen haben die Nachricht in großer Aufmachung wicbergegeben in der deutlichen auch ausgesproche­nen Absicht, zu zeigen, wie sehr die deutschen Be­amten doch auch bei Abzug von 6 v. H. gegenüber ihren italienischen Kollegen im Vorteil seien. Wie derB e a m t e n - B u n d" feststellt, liegt die Sache aber wesentlich anders: 1928 sind die italienischen Beamtengehälter, weil Italien nicht zur Goldwäh­rung zurückkehrte, im Verhältnis zum Jndexstand auf das 4,9- bis 6,48fache der Vorkriegsgehälter er­höht worden, fo z. B. in Klasse I von 15 000 auf 74 000 Lire und in Klasse XI von 2250 auf 14 580 Lire. Der Kurswert der italienischen Lira hat sich aber in den letzten Jahren erheblich gebessert. Die Lira notierte nach dem Kursblatt der Berliner Börsenzeitung Nr. 28b vom 18. November 1930 100 Lire = 21,905 NM. Das bedeutet, daß die Gold­lira nur noch etwa das 3,3fache der stabilisierten Lira von 1930 wert ist. Im Verhältnis zu der 1928 Dorgenommenen Erhöhung auf das 4,9- bis 6,48- foche der Vorkriegsgehälter würde also eine Reduk­tion von 12 d. S). nach dem gegenwärtigen Kurs­stand eine Annäherung der augenblicklich weit über den Goldwert der Dorkriegszelt erhöhten Gehälter an die Goldgehalter vor dem Kriege bedeuten, wei­ter nichts. Inzwischen sind auch die Ausführungs- bcstimmungen zu der Kürzungsverordnung bekannt geworden. Danach wird den italienischen Beamten zunächst überhaupt nichts abgezogen, sie behalten die 12 d. S). solange als persönlich», nicht pensions- fähige Zulage, bis bei einem Aussteigen in die nächste Gehaltsstufe durch die eintretende Erhöhung des Einkommens der Gehaltsabzug kompensiert wird. Nur neueintretenbe Beamte erhalten gleich die verringerten Bezüge. So stehen unsere italieni­schen Kollegen auch nach der Kürzung erheblich günstiger da als wir, da sie 100 v. H. ihrer Frie- densrealgehälter erhalten, während wir uns auch bisher schon mit rund drei Viertel davon begnügen mußten (Die höhere Schule in Sachsen 23,1930)."

Kleines Dorf in Weiß.

Uon Oiemar Moer.ng.

Wie eine Herde, Rücken an Rücken und eng- aneinanüergedrängt, so liegen sie in der Ebene, die kleinen Häubchen, schlummernd unter der weihen Last, die ihre Dächer bis über die spitzen Giebel bedeckt. Ein Sp.ei.zeug, gut aufbewahrt und in Watte verpackt kaum, daß aus einer der ruhigen Essen zu Zeiten Rauch sich wirbelnd in die graue Dämmerung des Schneehimmels emporringelt, ein kleines Leben zu künden.

3n den großen Städten ist es anders. Ohno Macht scheint dort der Winter, weiter geht das Leben wie immer, vielleicht, daß die Straßen, ewig trüb, das graue Antlitz nur noch tiefer verschleiern. Aber die Trambahnen lärmen fort <nif ihren klirrenden Schienen, die Schlote der Fabriken, finstere Riesen, speien ihren Qualm ungehemmt in die dunstige Lust, ohne sich um ben Schnee, der auf den hohen Dächern liegt, au kümmern. Mag sich der Tag um ein geringes kürzer zeigen, die schreienden Lichter der Aus­lagen in den Läden, die flammenden Rellamen, auf flackernd über wimmelnden Märkten, über­tönen den großen Gang der Jahreszeiten, ein künstliches Leben schassend, ein Treibhaus ab­sonderlicher Illusionen, phantastische Bühne, in deren Hintergrund das Wirken der Zeit nur schattenhaft wie in einem undeutlichen und zer­brochenen Spiegel mifbuntelt

§ier aber ist Winter: großes Schweigen und Stille des Traumes, in der dunkle Engel das Land mit weiten Fittichen beschatten.

Kniehoch liegt der Schnee in der Dorfstraße, Schnee, der den Schritt aufsaugt wie ein Sumps, bet die Menschen in ihre Häuser verbannt und weiße Mauern zwischen ihnen baut.

Und Kälte weht über das Land, die einem ben Atem verschlägt, mit eisigen Fäusten alles umwürgt und die leeren Hecken hinter den schwarzen, frostigen Lattenzäunen zittern macht.

Und Stille. Stille und weiße Oebe, wo im Frühjahr der Sämann mit breitem Schritt über die braunen Sieder wanderte, im Sommer zur Ernte das Dengeln der Sensen klirrend von den Feldern berüberflang und bad helle Ge- lächter garbenbindender Mägde, wo im Herbst zur Kirchweih bunte Paare sich tanzend auf dem Singer tummelten. Stille, wo zwitschernd die Schwalben wie blaue Pfeile zwischen den Häusern

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Besoldungsordnung. - 40-Siundenwoche in Staatsbetrieben. Mlialsteuer.

WHP. Darmstadt. 15. 3an. 3m Finanz- ausschich des Hessischen Landtags entspann sich heute eine ausgedehnte Aussprache über den sozialdemokratischen Antrag,Hes­sen möge bei der Reichsregierung dahin wirken, daß 1. in kürzester Frist ein neues Besol­dungsgesetz geschaffen wird, durch das neben einer Verminderung der Spannungen zwilchen ben einzelnen Gruppen auch eine we­sentliche Senkung der Gehälter der oberen Gruppen erfolgt, 2. die Pen­sionen derart gekürzt werden, daß die nach den Hundertsätzen sich ergebenden Pensions­beträge bis zu 5000 Mk. voll zur Auszahlung gelangen, von 5000 bis 8000 Mk. werden nur 80 Prozent und über 8000 Mk. nur 70 Prozent dieser Beträge ausbezahlt. Ueberfchneidungeu sind zu vermeiden. Pensionen über 10 000 Mk. werden nicht mehr ausbezahlt".

3n der Aussprache zeigte sich, daß die Be­amt e n D e r t r e t e r der Regierungs­parteien nicht einer Meinung waren. Finanzminister Kirnberger erklärte, daß et wohl dem Absatz 1 des Antrages, aber nicht dem 2. Teil zustimmen könne. Er sei anderer Ansicht über die wohlerworbenen Rechte der Beamten als die Antragsteller. Für eine Sonder­regelung in Hessen könne er nicht eintreben, zu­mal vom Reich eine Regelung des gesamten Fragenkomplexes zu erwarten sei. Aus dem Aus­schuß heraus wurden im übrigen gegen die For­mulierung des Antrages Bedenken laut und die Antragsteller nahmen deswegen einige textlich: Slenöcrungen vor. Der Ausschuß verlangte dann von der Regierung eine klare Entschei­dung, wie sie sich zu dem sozialdemokratischen Antrag stelle. Das Kabinett, das zur Zeit nicht vollzählig in Darmstadt anwesend ist, wird so­bald als möglich zu der Frage Stellung neh­men. Dann will der Ausschuß die Abstimmung vornehmen.

Eine längere Aussprache verursachte der An­trag der Äbg.Galm-Angermeier (Komm. Opp.), in allen Staatsbetrieben die 40-Stun- denwoche bei entsprechendem Lohnausgleich einzuführen. Don der Dedeutung der Frage, die Arbeitslosigkeit durch Arbeitszeitkürzung zu lindern, war der Ausschuß überzeugt. Einige SIbgeorbnete erhoben jedcxh Bedenken, in Hessen eine Sonderregelung vorzunehmen, da das Reich eben mit Hochdruck an einer Gesamtrege­lung dieser Frage arbeite. Die Regierung teilte mit, daß sie dem Antrag in der Forstwirt-

Die Hoffnungen, die große Kreise des deutschen Volkes angesichts der prekären außenpolitischen Lage auf ein Bündnis mit den faschistischen Ita­lien setzen, haben General Ludendorsf. bejen Ruf als militärischer Organisator und strategischer Sachverständiger ersten Ranges durch seine politi­schen Extravaganzen nicht erschüttert werden formte, veranlaßt, seine Auffassung über die sich aus einem deutsch italienischen Dünd ns ergeben­den militärpolitischen und stra egischen Folge­rungen in einer Broschüre nieder; alegen, die den Titel hat: ^Weltkrieg droht" (Ludendorffs Dolks- warte, Verlag, München).

Der künftige Weltkrieg, den 2ubenÖor?f für den Fall eines deutsch-itglienischen Bündnisses kommen sieht, spielt sich fast nur auf deutschem, österreichischem undungarischem Bo­den ab. Diese wehrlo,en L mder sind bekanntlich schon heute von ihren westlichen und östlichen in Waffen starrenden Rachbarn dauernd bedroht. Letztere verbündete Staaten, und zwar Frank­reich, Belgien, Polen, T chechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien nennt Ludendorff dashori­zontale Bündnissystem" (horizontale Linie West-Ost). Der italienische Gegenspieler

schäft und in den Weinbaubetrieben Rechnung getragen habe, wo die 40-Stun- denwoche eingeführt worden sei. Der Antrag wurde durch die Antwort der Regierung für erledigt erklärt. Einige Ausschußmitglieder waren der Meinung, daß die Frage des Lohn­ausgleichs dazu führen würde, daß man Wohl die 40-Stundenwoche einführen, aber keine neuen Arbeitskräfte ein st eilen, menschliche Arbeitskraft vielmehr durch verstärkte Rationalisierung und Mechanisierung ersetzen würde. Die Frage des vollen Lohnaus­gleichs sei eben von entscheidender Bedeutung bei der Kürzung der Arbeitszeit. Die Regie­rung wird ersucht zu prüfen, in welchen staat­lichen Betrieben eine Kürzung der Arbeitszeit ohne beträchtliche finanzielle Mehrkosten noch möglich ist.

Von Regierungsseite wurde darauf hingewiesen, daß z. D. in den Landes-Heil- und -Pflegeanstal- ten die gewünschte Regelung undurchführbar fei. Ein sozialdemokratischer Antrag, Arbeiter­entlassungen in staatlichen Betrieben zunächst nicht vorzunehmen, bis die 40-Slundenwoche ein­geführt sei, wurde ebenfalls für erledigt erklärt. Ein Antrag der Slbgg. Galm-Angermeier (Komm. Opp.) zur Behebung der Arbeitslosig­keit die Autodurchgangs st raße Frank- furtHeidelberg zu bauen, wurde der Re­gierung als Material überwiesen. Die Durch­führung der Straße, die allgemein begrüßt wurde, scheitert zunächst an den b e s ch r ä n k t e n M i t- t e In der beteiligten interessierten Länder und Provinzen.

SIbschliehend erledigte der Ausschuß die ver­schiedenen Anträge zur F i l i a l st e u e r, in denen eine stärkere steuerliche Heranziehung der Warenhäuser und Filialgeschäfte gefordert wird. Während der Beratung wurde von volkspartei­licher Seite beantragt, den Filialsteuersatz auf 200 Prozent zu erhöhen. Die Re­gierung wies darauf hin, daß durch die Rot­verordnung vom Dezember eine solche Steuer­erhöhung unmöglich fei, da die Filialsteuer einen Teil der Real st euer darstelle. 3m übrigen arbeite die Reichsregierung an einer Umstellung der Desteuerungsgrundlagen für Filicllgefchäfte und Warenhäuser, die abgewartet werden möge. Die vorliegenden Anträge der Volkspartei, des Landbundes, der Deutschnatio­nalen und der Rationalsozialisten sowie ®in* gaben des Hessischen Einzelhandels wurden mit 9 gegen 2 Stimmen für erledigt erklärt.

stellt dieses bereits heute bestehende, in Europa als ausschlaggebende Macht geltende Bündnis das vertikale System" (Linie Rv^d Süd» auf. Dies System umfaßt Deutschland, Oesterreich, Ungarn und 3talien.

Das Hand in Hand mit den europäischen Aus­wirkungen des Faschismus gehende Bündnis zwi­schen den aktivistischen Kräften deS italienischen Faschismus und des russischen Bolsche­wismus, und ebenso b';e feit Rapallo vorhan­dene Fühlung Moskaus mit Deutsch­land läßt Ludendorff sich positiv auswirken. Der General nimmt an, daß auch England, daS einem Machtzuwachs Frankreichs auf dem Fest­lande nicht langer untätig zusehen will und sich durch die franzölifchen Luft - und U-Dootrüstungen bedroht fühlt, sich auf die Seite Deutschlands und 3'taliens stellt.

Wir betrachten nunmehr in großen Zügen die Stärkeverhältnisse. Für Frankreich und feine Ver­bündeten, desgleichen für Italien, Deutschland, Rußland und England ergeben sich etwa d i e gleichen Stärken von je rund 12 bis 13 Millionen Mann. Die großen Schwächen des ita­lienischen Dimdes liegen auf der Hand. Zunächst

istesdieWehrkvsigkeitDeutschlanbS, OesterreichsundUngarns, obwohl deren Verstärkung durch Freiwillige in der überschläg­lichen Berechnung der Gesamtstärken reichlich vor­gesehen ist. Dann ist es die große Entfer­nung der sicher nicht mit voller Begeisterung in den Krieg eingreifenden russischen Qlrmee von den innereuropäischen Kampfplätzen. Schließ ich wird auch Eng lanb für Ben Landkrieg weniger in Betracht kommen als für Flottenunterneh- mungen.

Die wehrlo'en Staaten Deutschland und Oester­reich sind, wie Ludendorff voraussagt, vorn ersten Mobilmachungstage ab dem Eindringen! der hochmodern ausgerüsteten und überwältigend stärkeren Armeen Frankreichs, Belgiens, Polens, der T.chechei und 3ugoslawiens ausgesetzt. Ungarn wird infolge feiner isolierten Lage zugleich von Tsche­chen, Jugoslawen und Rumänen überrannt und vernichtet. Polen und Rumänen haben zunächst die erste Abwehr gegen die sich langsam verstärkenden und zögernd vorgehenden Russen zu übernehmen. Ein lleines an den Ostseeküsten landendes eng­lisches Heer üennag d'.eUeberrennung und Besetzung Rord- und Mitteldeutsch­lands durch Franzosen, Belgier und Polen wenig aufzuhalten. Oesterreich und Süd- d e u t s ch l a n d werden Aufmarsch- und Kampfgebiet der Italiener, welche sich gegen Frankreich südlich der Donau, etwa von Regensburg bis zum Bodensee, mit nordwestlicher Front zur Schlacht bereitstellen. Zwischen Triest und Klagenfurt kommt es bereits etwa- am 12. Mobilmachungstag zu gewaltigen, mit wechseln­dem Glück geführten Kämpfen zvi chen 3talienem und Jugoslawen. 3n ganz Deutschland tobt ein furchtbarer Volkskrieg: umsonst ovfern sich die schwachen deulschen Rcichswehröi'vi ionen und die Freiwilligen. Ostpreußen fällt nach helden­mütigem Widerstand durch Reichswehr und Be­völkerung in die Hände der übermächtigen Polen, verblutet sich im Volkskriege und geht zugrunde. Ostpreußen erlebt das Schicksal Ungarns.

Die Entscheidungsschlachten zwi­schen Italien und Frankreich, ein Kampf von Millionen, spielen sich bereits in der 4. und 5. Mobilmachungswoche ab. Italien bringt -war, nach Abgabe der Armee gegen Jugoslawien und von Grenzschutz truppen gegen die Schweiz und westlich gegen Frankreich noch etwa 4 Mil­lionen Kämpfer zur Schlacht. Cs wird aber in feiner Front von Franzosen überlegen angegrif­fen, zugleich in seiner rechten Flanke über Passau von der tschechischen Armee angefallen. Die deutsche Bevölkerung südlich der Donau wird durch die Schlacht zermalmt.

Am Ende der 5. Mobilmachungswoche fluten die Italiener völlig geschlagen in die Dor­berge der Alpen zurück, die Sieger bleiben im Angriff, und das italienische Heer verfällt be­reits nach sechswöchigem Krieg der Vernichtung. Italien hat also mit seinen Hauptkräften Deutsch­land gar keine Unterstützung leihen kön­nen. Der Kampf gegen das mittlerweile durch etwa 200 000 Türken verstärkte Sowjetheer er­starrt nach furchtbaren Kämpfen im Stellungs­krieg, denn auch Frankreich ist nicht mehr in der Lage, den Polen und Rumänen erfolgreiche Hilfe zu bringen.

Nebenher geht der Krieg * ur See mit stei­gender Heftigkeit. England behält hier das Heft in der Hand. Mit seiner Hilfe halten sich auch im allgemeinen die Seekräfte Deutschlands und Italiens. Ungeheure Werte werden in den Mce- resfluten versenkt. England verhindert zwar Frankreichs Seeverbindungen mit Afrika und bom­bardiert die französische Rordküste. Cs verliert! aber durch Abfall und Aufstand in feinen Kolo­nien sehr bald ihr Ansehen und ihre Machtstel­lung. In allen Erdteilen wütet die farbige Rasse gegen die Weihen. Aegypten wird unabhängig. Die Türkei wird Großmacht. Währenddessen wü­ten in ganz Europa innere Kämpfe und Revo­lutionen, und niemand weih, wie lange noch!?

Riemand weiß zwar, wieweit einmal dieses furchtbare Bild, das Ludendorff hier vorn Zu­kunftskriege entwirft, im einzelnen zutreffen würde, wenn die politischen Voraussetzungen dazu ge­schaffen werden, aber unsere ernsthafte Beachtung verdient diese militärpolitische Studie zweifellos.

Warnung vor Illusionen.

Luden-orff tvantf vor falschen Hoffnungen auf ein -euisch-iialienisches Bündnis.

entlangschossen, wo ewig schnatternd Gänse und Enten am Teich lagen und in wohliger Satt­heit hie und da ein Hälmchen Gras zupften, wo auf den Hosen wirbelnd und immer neidisch das Hühnervolk umherflatterte. Rur der Hahn ist unentwegt geb ieben! Stolz, Herr der Erde, steht er auf weißem Gipfel und sendet, mit großartiger Geste die glänzenden Federn schüt­telnd, seinen goldenen Schrei aufreizend wie eine Fanfare in das Schweigen, bis aus der Feme ein Bruder Antwort gibt: Zeichen, daß das Geschlecht der Hähne noch lebe!

Blind, gleich toten Augen, starren die Fenster aus gekalkten Häuserwänden. Doch innen, auf der anderen Seite, mag nun vielleicht ein Kind vor ihrem Zauberspiegel hocken und die Märchen­gärten silberner Eisblumen staunend betrachten, durch seltsame Wälder glitzernder Palmen sich träumen und die verwunschenen Landschaften der Sehnsucht.

Auf dem gefrorenen Wllder schlillrrn ein paar Knaben, doch ohne vielen Lärm und mit emsiger Geschäftigkeit in daS Spiel vertieft.

Selbst der Dorfbrunnen hat sich in Würde gekleidet. Feierlich steht ec da in seinem Stroh- mantel, den Arm ein wenig zur Seite gehoben und das Tun der Kinder nachdcnkllch betrachtend. Und die uralten Bäume in der Allee seufzen sinnend in dem weißen Kleid, mit dem der Winter ihre karge Bloße verschonte und träu­men von Frühling und Sommer, der Zeit, da aus den Tiefen der Erde die Säfte emporsteigen und seltsam beglückend und süß durch Wurzeln und Zweige strömen, da in warmen Rächten schwel­lend die Knospen Platzen und das Laub im wogenden Atem abenteuerlicher Winde rauscht.

Doch es ist Winter, und so ist es gut. So will es der Herr, der über sie herrscht, der sie im Wandel der Zeit blühen läßt und welken, und ihre frieeenöen Leiber mit der weichen weihen Decke des Schnees wärmend umhüllt.

Rur bie, beiden Fahnenstangen auf der Fest- toiefe wollen das nicht ein sehen. Da stehen sie, nackt, mager und frierend im Wind und vor Kälte mit ihren frostigen Leinen klappemd. Kaum, daß ihnen die kleinen weihen Hütchen auf den Köpfen bewahrt bleiben. Freilich im Sommer da trugen sie allenthalben buntes Flittcrzeug am dürren Leib und schwenkten und flatterten luftig mit ihrem farbigen Kram, stolz und unsolid über die ehrwürdigen Kronen der Bäum» dahinprunkend.

Zeitschriften.

D e r K n n st w a r t. (G. D. W. Callweh, Mün­chen.) Das Januarheft bringt u. a. einen lesens­werten Aufsatz überDie Ständevrdnung und die Stufen der gesellschaftlichen Entwickelung" von Georg Weippert. Hans Grimm erzählt In seiner schlichten Art eine Südwester BegebenheitTod durch Feuer": der Staatsrechtlehrer Carl Schmitt entrollt in seiner kürzlich gehaltenen Berliner Rede ein sachliches Bild über die politische Si­tuation in Deutschland. Eine farbige Wieder­gabe nach einem hervorragenden, wenig bekann­ten Selbstbildnis Corinths aus der Städtischen Galerie in München, sowie Bilder von Anton Faistauer bereichern da» Heft.

Run stehen sie da und frieren erbärmlich in ihrer jammervollen Bloße. Aber das hat schon feine Richtigkeit: Hochmut kommt vor dcm Falle!

Bricht die Dämmerung herein, so leuchtet wohl hie und da ein kleines Licht in den Kammern auf, roter Schein in der Dunkelheit, Wegzeichen für den Irrenden. Sonst aber verschmilzt alles mit dcr großen Einöde der Ebene, versinkt in dcr Dunkelheit des Schweigens wie in einer fin­steren Wolke von Schatten. Und nur der Kirch­turm reckt noch fern seine spitze Rase in die Rächt und schnuppert besorgt nach dem Wetter.

heiraten, aber der Witwe nimmt man die gleiche Tat in den meisten Kreisen noch sehr übel. Die frühen Verheiratungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren, die früher üblich waren, haben oft zu un Sen Ehen geführt und sind daher jetzt einge-i

. An die Stelle der Konventionsehe ist viel-- fach die Liebesheirat getreten, aber man verehelicht sich auch heute noch in China sehr früh, und ein Junggeselle von über 25 Jahren ist eine Seltenheit. Die Scheidung gehört zu den ältesten Einrichtungen in China, und noch heute gelten die sieben Schei- dungsgründe des alten Gesetzbuches: Unfruchtbarkeit, Liederlichkeit, Eifersucht, Geschwätzigkeit, Diebstahl, »orfam gegen die Eltern des Mannes und Aus-

as weibliche Schönheitsideal in China hat sich kaum verändert, und noch immer entzücken jene Reize, die chinesische Dichter vor Jahrtausenden schil- dertentDie Schläfen ihres Hauptes find wie eine Heuschrecke, ihre Augenbrauen wie geflügelte Seiden­motten, ihre Wangen gleichen der Mandelblüte, ihre Lippen dem Pfirsich, ihre Taille ist wie eine Weide, die Augen glänzend wie tanzende Wellen in der Sonne und ihre Fußtapfen wie Lothusblumen." Ein weit verbreiteter Irrglauben behauptet, daß die Töchter in China vielfach sofort nach der Geburt getötet werden und daß schwarze Karren von Tür zu Tür fahren, um die Leichen dieser unerwünschten Kinder fortzubringen. Nun dürfte allerdings in einem fo volkreichen und fruchtbaren Land wie China eine gewisse Zahl von Säuglingen beseitigt werden, aber im allgemeinen liebt der Chinese auch seine Töchter, und die Chinesin begrüßt ihr Er° scheinen mit Freude. Gegen den vielgestaltigen Aber­glauben, der in China mit der Frau verknüpft ist, wird jetzt eine rege Propaganda entfaltet.

Oer Aufstieg der Chinesin.

In dem von Bürgerkriegen, Räuberbanden und Hungersnöten heimgesuchten Reich der Mitte ist eine der wichtigsten Bewegungen, die zu einer neuen Formung der Gesellschaft führen dürften, der Auf­stieg der chinesischen Frau. Es gibt schon heute eine S Anzahl weiblicher Beamter, Lehrer. Aerzte, maten ufro., und wenn alle die Millionen der Töchter des H.mmels zum politischen Bewußtsein er­wacht fein werden, werden sie eine gewaltige Macht darstellen. Die Frauenbewegung hat in China, wie ein Mitarbeiter derTimes^ ausführt, einen frucht- baren Boden, denn der Einfluß der Mutter ist stets im Reich der Mitte von größter Bedeutung gewesen, seitdem die beiden bedeutendsten Weisen des Landes, Konfuzius und Menzius, von ihren Müttern auf­erzogen wurden und diesen die höchste Verehrung zollten. Frauen haben in der chinesischen Geschichte öfters eine wichtige Rolle gespielt. Freilich Pan Hui-pan, die im ersten christlichen Jahrhundert das BuchWeibliche Vorschriften" verfaßte, würde große Augen machen, wenn sie einer modernen Chinesin begegnen würde.Die Tugend der Frau", so hat sie gelehrt,besteht nicht in besonderen Fähigkeiten oder Klugheit, sondern in ihrem bescheidenen Auf­treten und ihrer unverletzlichen Keuschheit." Die zigarettenrauchenden geschminkten Damen von heute, die sich mit dem andern Geschlecht ungeniert an einen Tisch setzen, würden nicht ganz nach ihrem Sinne fein Trotz ihrer fortschrittlichen Gesinnung hält aber auch die moderne Chinesin die Heirat für ihre wichtigste Pflicht, denn die uralte Ahnenver- ehrung verlangt von ihr, Erben hervorzubringen. Wenn eine Frau dem Manne keine Erben schenkt, dann kann er sich von ihr scheiden lassen oder eine Ncbenfrau nehmen. Die Ehen werden durch Hei­ratsvermittler zustande gebracht, die in China sehr geehrt sind. Ein Witwer kann sich sofort wieder ver-