Ausgabe 
15.8.1931
 
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darüber bestehen.

bultion nicht nur im Interesse der Landwirt­schaft sondern der gesamten Volkswirtschaft nach­drücklichst Gebrauch zu machen."

Berlin, 14. Qhig. (TU.) Der Reichs-Land- bund richtete am 13. August ein Schreiben an die Reichsregierung, in dem es u. a. heißt:

Der Herr Reichskanzler hat letzthin ^nehr- fach die Notwendigkeit der nationa­len Selbsthilfe betont. In das Gebiet der nationalen Selbsthilfe gehören auch alle die­jenigen Maßnahmen, die es v e r h i n d e r n. d a h Deutschland unnötig ausländische Waren kauft und deutsches Geld für diese Waren ins Ausland fließt. Die aus den Vorgängen der letzten Wochen heraus entstandene Devisen-B ewi r t scha f 1 un g hätte ein geeignetes Mittel der nationalen Selbst­hilfe werden können. Nun hören wir, daß De­visen ohne nähere Nachprüfung des tatsächlichen deutschen Bedarfs den Importeuren im Nahmen ih.res frü­heren normalen Importes gegeben werden sollen. Dadurch entfallen alle die Er­wartungen. die die Landwirtschaft an dieses Mittel der nationalen Selbsthilfe geknüpft hatte. Es

Der französische Gegenbesuch verschoben

Oie Franzosen kommen erst nach der Völkerbundstagung nach Berlin.

OerJteichslandbundfordertBeschränkung der Einfuhr ausländischerAgrarprodukte.

Schuh der bäuerlichen DeredelungSwirischast durch scharfe Kontrolle der Devisenbewirtschaftung.

Oie Meinung der presse.

Das ärztliche Veto kam der französischen Politik nicht ungelegen.

Inaftat poh iMjettee für die IngesnummcT bb zum Nachmittag vorher.

Prtit für 1 mm Höhe für Anzeige, von 27 mm Brette örtlich 8, answätt» 10 Neichrpfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mrx Brette 35 Rlichspfennig, Platzvorschnft 20'/, mehr.

Thefredalitem7.

Dr. Fnedr. Will). Langt. Deranttvortlich für Polttili Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Ted (Ernft Dlumschein und für den LnzeigenteU Max FiU«, sämtlich in Gießen.

Sine diplomatische Krankheit?

Vas sagt man in Paris zur Verschiebung?

Paris, 15. Aug. (TU.) Noch vor Bekanntwerden des (Kommunique gab dasJournal des Debüts" der Vermutung Ausdruck, daß die Krankheit Briands in diesem Falle alsdiplomatisch- bezeich- n e t werden könne. Der Außenminister sei mit einer Beschleunigung der Reise unzufrieden gewesen, da ihm daran liege, sein während der letzten Verhandlungen gesunkenes Prestige vor dem Berliner Besuch in Genf wieder aus­zurichten. Ob diese Version zutrifst, läßt sich natürlich nicht sagen, aber auch andere Blätter, die dem Außenminister nabestehen, schreiben, Briand habe die Zurücksetzung seiner Person während der Vlinisterbesprechungen in Paris und London höchst

bitter empfunden und jooUe nicht alsAn­hängsel- Laval» nach Berlin gehen. Er rech­net vielmehr damit, daß sich ihm während der Genfer Ratstagung die Gelegenheit zu einer Festigung seines persönlichen Ansehens bieten werde, und daß er im Anschluß daran in Berlin eine seiner Vergangen­heit angemessenere Rolle spielen könne.

Was nun den Ministerpräsident Laval und seine engeren Freunde im Kabinett anbelangt, so liegt die Vermutung sehr nahe, daß sie die Bedenken der Aerzte aus politischen Gründen b e - grüßt hätten, da es ihnen auf diese Weise mög­lich geworden sei, die Vertagung ihres Besuches zu begründen, ohne Deutschland durch weniger kräftige Einwendungen vor den Kopf zu stoßen. Da auch

der nationalen Selbsthilfe aekn dürfte wohl kein Zweifel mehr d daß ein gait) erheblicher Teil deS bisherigen Agrarimportes überflüssig und schädlich gewesen ist und sehr wohl durch heimische Produkte ersetzt werden kann. Es ist daher nicht zu verstehen, daß von dem in der Devisen­ordnung gegebenen Wittel, die Erzeugnisse der bäuerlichen Deredelungswirtschast zu schützen, nichtGebrauchgemacht werden solle. Ins­besondere verweisen wir auf die Notwendigkeit und Möglichkeit der Abdrosselung von Fetten aller Art, insbesondere auch von Tra­nen. von Obst, Südfrüchten, Gemüse, Wein, sowie der Molkereiprodukte u.a.

An die Reichsregierung richten wir daher den dringenden Appell, von den ihr jetzt zur Ver­fügung stehenden Möglichkeiten deS Schutzes der bäuerlichen Deredelungspro-

aeständnisse Deutschlands bestehen, wie sie die französische Politik bei diesem Besuch offen­bar erhofft hätte. Nun solle Deutschland erst weiter geknetet werden, um endlich mürbe zu werden. Dazu werde die Genfer Völkerbundstagung zwei­fellos nach Kräften aus genutzt werden. Auch die ^Börsenzeitung" schreibt, eS komme sicherlich den leitenden Qluhmern der französischen Politik nicht ungelegen, daß das Urteil der Aerzte Briands ihnen die Möglichkeit gibt, die Berliner Reise erst zu einem Zeitpunkt anzutreten, der für die französische Politik nach der Meinung deS Quai d'Orsay geeigneter ist als die Tage vor der Genfer Ratsversammlung. Offensichtlich ist den Franzosen die Lage noch nicht geklärt genug, man begrüßt eS, daß auf der Genfer Ratstagung zunächst die Möglichkeit eines neuen AbwägenS der Kräfte nach den Wirren der letzten Wochen gegeben ist.

DieD A Z." sagt, eS sei wohl kein« Beleidi­gung. wenn man die Mitteilungen der fran­zösischen Presse als wahr unterstelle, daß mehr als Briands kränklicher Zustand politische Ge­sichtspunkte für die Absage an Berlin maßgebend gewesen seien. Ansang September beginne die Völkerbundsversammlung in Gens. In den drei oder vier Wochen der großen internationalen Börse hoffe wohl der französische Außenminister unter Zuhilfenahme der Atviv- s p h ä r e n t h e o r i e, die sich für seinen Stand­punkt niemals schlecht bewährt habe, die deutsche Festung sturmreif zu machen. DasBerliner Tageblatt" ist der Mei­nung. daß es ziemlich unwesentlich sei, ob der Berliner Besuch Ende August oder im September stattfinde. Nicht sehr glücklich sei aller­dings eine Regie, die durch wechselnde Mitteilungen über die Frage des DesuchsdatumS Gelegenheit zu überflüssigen Erörterungen gebe.

General-Anzeiger für Vberhesien

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Vellage»: Vie Illustriert« Vleßener Familiendlätter Heimat im Bild Tie Scholle Seiati-Bejagsprets: 2.20 Reichsmark und SO Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.

ßernsprechanschlliße nrtt er 5 a m m elnumm er225L Inschrift für Drahtnach­richten Lazelaer Sietze».

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das Gutachten des Haager Gerichts­hofes noch nicht vorliege und der neue Botschafter Francois Poncet seinen Berliner Poften noch nicht angetreten habe, lasse sich eine Beschleunigung der Reife schwer rechtfertigen. Schließlich wurde ein­deutig untersttichen, daß eine vorläufige Füh­lungnahme auf dem gewohnten Gen- fer Boden die Lage klären und die Grenzen der Berliner Aussprache abstecken müsse.Ere Rouvelle" hofft, daß die deutsch-französischen Ministerunter, redungen sich in einer entspannteren A t - mosphäre abspielen würden, wenn die Zoll­unionsfrage endgültig vor der Ministerzusam- menkunft geregelt ist. Sollte die Verzögerung der Reise dieses Ergebnis haben können, dann dürfe man sie nicht bedauern.

Berlin, 15. Aug. (ERB.) DieG e r m a n i a", das Berliner Organ des Zentrums, bedauert, daß der Gesundheitszustand Briands einen Besuch ver- zögern werde, dem man in Deutschland mit einem mehr als konventionellen Interesse entgegensetze. Angesichts der Rolle, welche Briand Jahre hindurch in den deutsch-französischen Beziehungen gespielt habe, wäre es in der Tat bedauerlich gewesen, wenn Laval seine Reise nach Berlin ohne'seinen Außen­minister hätte antreten müssen. Der französische Be- such werde im Spätherbst ebenso wertvoll wie im gegenwärtigen Augenblick fein. Es solle sich ja in Berlin ebenso wie in Paris und London nicht um bestimmte konkrete Derhandlungspunkte drehen, die in einer ganz bestimmten Phase der Entwicklung einzusetzen hätten, sondern um die Fortführung eines Gespräch», das auch in Berlin gewiß nicht sein Ende finden werde, vielleicht werde wahrend der Septembertagung des Völkerbundes in der einen oder anderen Frage eine Klärung erreicht, die einen Anknüpfungspunkt für weitere (Erörterungen biete. Wenn auch dieser Gegenbesuch mehr fein solle als eine bloße freundliche Geste, so dürfe man doch von ihm ebensowenig fertig e Resultate er­warten wie von dem Pariser Zusammentreffen.

Di« .Deutsche Tageszeitung" verweist auk eine Aeußerung deS ..Journal deS Däbats'. daS von einer »diplomatischenKrankhett BriandS" spricht. Die .T a ge S zei tun g hält eS für zweifellos, daß der Besuch nicht aus- geschvben worden wäre, wenn Laval und Briand den Augusttermin für vorteilhaft gehalten hätten^ Ohne jeden Zweifel seien es vorwiegend Gründe der französischen Politik, die den Franzosen ein Hinausschieben des Besuches wünschenswert erscheinen ließen. Vermutlich hät­ten die Sondierungen in Berlin ergeben, daß keine Aussicht auf,ausreichend«' Zu-

Oas Stillhaltekonsortium hat sich geeinigt.

Die Bedingungen für die Verlängerung der deutschen Kredite.

Basel. 14. Aug. (TU.) Der Vereinigte Etillhalteausschuß, dessen Mitglieder tele- graphisch nach Basel berufen worden waren, hat am Freitag in den Räumen der BIZ. seine erste große Aussprache gehabt die 3% Stunden dauerte. Entgegen den ersten Meldungen nahmen die Mitglieder des Sachoerständiaenausschusses an diesen Besprechungen nicht teil. Auch die deutsche Stillhalteabordnung ist den Verhandlungen fern- geblieben. Der Vereinigte Stillhalteausschuh hatte die Aufgabe, nachdem bereits im einzelnen mit England, Frankreich und den Vereinigten Staaten Stillhalte- abmachungen getroffen wurden, nunmehr für sämtliche Gläubiger Deutschlands eine gemeinsame Verlängerung der kurzfristigen Kredite zu vereinbaren. Als Derhandlungsgrundlage gilt der amerikanisch-eng- lisch.deutsche Vorschlag, welcher eine Stabilisie­rung der Kredite auf sechs Monate oor- sieht. Das Stillhaltekonsortium hat sich auf einen einheitlichen Vorschlag hinsichtlich der Be- dingungen unter denen eine Verlängerung der kurz- friftigen Kredite an Deutschland bewilligt werden soll, geeinigt und sofort der deutschen Delegation davon Mitteilung gemacht. Die Verhandlungen mit den deutschen Dankierdelegierten wurden sofort aus­genommen. Sie sollen morgen fortgesetzt werden. Heber die einzelnen Bedingungen, wie Verzinsung und zusätzlich« Garantien, verlautet noch nichts.

Die Aerzte erlauben Briand ' die Reise nicht.

Line amtliche Mitteilung.

parls, 14. Aug. (IDIB.) Ministerpräsident Laval Hal da» solgende mit dem deutschen Lol- schaster o o n h o e s ch vereinbarte Lommuniqus der presse übergeben:

2Uan weiß, da» ministerpräsident Laval gestern den Besuch de» deutschen Botschafter» von hoesch empfangen hat, der ihn sowohl wie Außenminister Briand im Auftrage der deutschen Regierung ossiziell eingeladen hatte, nach Ber­lin zu kommen. Das für die Reise vorgeschlagene Datum war der 26. und 27. August. Minister- Präsident Laval, der Herrn von hoesch für die Ein­ladung dankte und sie a n n a h m , hatte ihm gesagt, daß er, soweit e» da» Datum angehe, keine end­gültige Entscheidung treffen könne, weil Außenminister Briand gegenwärtig nicht In Pari» fei Der Ministerpräsident hat heute nachmittag von neuem Herrn von hoesch empfangen. Er hat ihm milgeteilt, daß die Aerzte Professor v a q u e , und Dr. M a r j , die beauftragt worden waren, sich über den Gesundheitszustand de» Außenminister» Briand auizusprechen, zwar mit der lebhastesten Befriedi­gung die F o r t s ch r l 1 t e feftgefleUt hätten, die jeder lag zur vollständigen Wiederherstellung de» Außen­minister» bringe. Sie haben jedoch zum Ausdruck gebracht, daß sie ihm nicht vor feiner Ab­reise nach Genf eine Unterbrechung in der Ruhekur auf dem Lande gestalten könnten, die ihm für einen Monat verordnet sei, und deren Ruhen nach einer so kurzen Frist durch die Anstrengungen einer offiziellen Reise nach Berlin aufgehoben werden könnten. Unter diesen Umständen sind Ministerpräsident Laval und Botschafter von hoesch In der Erwägung, daß die Teilnahme de» Außenminister» Briand bet diesem Besuch unerläßlich fei, sich darüber einig, daß die Reise der französi- schen Minister nach Berlin auf ei n Datum ver­schoben wird, da» so nahe wie möglich nachdem Ende der Dölkerbundstagung liegt

Laval telephoniert mit Brüning.

Line gute (tiefte.

Part», 14. Aug. (WIB.) Ministerpräsident Laval hat sich heute abend telephonisch mit Reichskanzler Dr. Brüning In Verbin­dung gesetzt. Er hat ihm nochmal» fein Be­dauern zum Ausdruck gebracht, wie zuvor dem deutschen Botschafter von hoesch, sich wegen des Gesundheitszustandes des Außenminister» Briand nicht zum ursprünglich vorgesehenen Datum nach Berlin begeben zu können. Er hat hinzugesügt, daß er nach role vor den sehnsüchtigen Wunsch habe, die in Pari» im vorigen Monat ein- geleileten Besprechungen sobald wie möglich wieder aufzunehmen.

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Der Anruf des französischen Ministerpräsidenten beim Kanzler hat feinen Grund nach Auffas­sung Berliner amtlicher Kreise wohl in dem Bedürfnis des Ministerpräsidenten Laval, auch vor der Oes f en tlichkei t zu doku- mentieren, daß die Verschiebung der Berliner Reise nichts mit irgendwelchen Poli­tischen Gründen zu tun habe. Ein solches Telephongespräch zwischen den beiden Chefs der französischen und der deutschen Regierung ist immerhin keine alltägliche Angelegenheit Es dürste vielmehr das erstemal gewesen fein, daß zwischen ihnen diese zwanglose und im Ver­gleich zum sonstigen diplomatischen Verkehr ver­trautere Form der Verständigung angewendet wurde. Das Gespräch hat nach französischen Dar­stellungen etwa 20 Minuten gedauert Auch daraus ergibt sich daß es abwegig toäreL hinter der Verschiebung des Besuches andere Gründe zu suchen als den in Frankreich imb in Deutschland gleichermaßen bedauerten Gesundheitszu­stand Briands. Iedenfalls hat man in Berliner amtlichen Kreisen durchaus verstanden, was der fraiHÖsische Ministerpräsident mit diesem Anruf zum Ausdruck bringen wollte, und hat die freundliche Geste mit Genugtuung begrüßt

Nr |89 Erster Blatt M- Jahrgang Samstag, 15. August 1931

GietzenerAnzeiger

Wille zur Sanierung.

Der Au-gang des Volksentscheids In Breuh.n hat der Reichsregürung eine neue Frist gege­ben, in der sie die Neuordnung der staatSpoliti- schen Verhältnisse in Deutschland vvrwIrtStreiben muß. Der Reichskanzler wird sich am ersten dar­über klar geworden sein, daß eS nur eine kurze Zeit!Panne ist, die ihm für di«Durch­führung der wichttgsten Reformen zur Verfügung steht Die für das Frühjahr in Aussicht stehen­den Wahlen werden nach einem zweifellos schwie­rigen und harten Winter erst die Probe aufS E rempel sein, ob der Kanzler mit dem Pfunde zu wuchern verstand, das chm das Volk in sei­ner Mehrheit durch seine ruhige und besonnen« Haltung während der Iulikrtsis und seine Ein­stellung zum Volksentscheid erneut anvertraute. Aber Zeit ist jetzt nicht mehr zu verlieren. Mit kleinen Mittelchen, die durch Notverordnung ver­schrieben werden, um hier ein Loch zu verstopfen, während dort sich fchvn ein neueS. größeres auf­tut mit diesem Rezept ewiger Dehelssmaßnah- men kommt man nicht weiter. GS muß ganz« Arbeit getan werden, und der wohlmeinende Arzt wird, wenn er daS Leben deS Pattenten ge­fährdet sieht, in kluger Voraussicht auch nicht vor der Anwendung deS Messers zurückschrecken, um rechtzeitig Auswüchse zu beseitigen, die den innerlich gesunden Körper zu überwuchern und zu ersttcken drohen. Wir kommen um diese Ra­dikalkur nicht herum, wenn wir nicht Volk, Staat und Wirtschaft in langsamem Siechtum zugrunde gehen lassen wollen. Ie länger wir unS gegen die Anwendung schärsster Mittel sperren, je aus­sichtsloser wird die Operation, je schmerzlicher der verspätete Eingriff. Nach den trüben Erfahrun­gen der letzten Monate muh es auch dem letzten Volksgenossen klar geworden fein, daß wir jahre­lang weit über unfere Verhältnisse gelebt haben. DaS ständige Auherachtlassen ökonomischer Grundgesetze, daS in den ersten Fahren nach dem Kriege die Inflation begünstigte, trieb durch di« Aufnahme langfriftiger Anleihen und schließ­lich durch eine rasch in- Riesenhafte wachsende, kurzfristige AuSlandverfchuldung zur Scheinblüte einer geborgten Konjunktur, die in dem Augen­blick furchtbar zusammenbrechen mußte. In dem Mc ausländischen Geldgeber in ihrem Vertrauen zu der Solidität deS deuttchen Geschäftsgeba­rens wankend wurden und sich weigerten, eine Wirtschaftspolitik weiter zu finanzieren, die je länger je mehr den gesunden Kern der deuttchen Wirtschaft auSzuhöhlen drohte und eines Tages den Gläubigem eine taube Nuß hinterlassen muhte. Mit der Purnpwirtfchaft der letzten Iahre ist eS bei der öffentlichen Hand wie bei der Pri- vatwirttchaft zwangsläufig vorbei. Wir wissen, daß uns bestenfalls die nach dem Abzug der letz­ten Monate noch vorhandenen sremden Kapitalien verbleiben, daß wir aber für absehbare Zeit nicht mit neuen rechnen können und uns also mit dem einrichten müssen, waS wir haben. DaS ist eine klare Situation, und es wäre schon der erste Schritt zur Besserung, wenn das Volk alS Gan­zes und jeder einzelne von unS dieser eisernen Notwendigkeit unbefangen und fest ins Auge schauen würde, statt immer noch sich der trü­gerischen Hoffnung hinzugeben, daran sei doch viel zweckbcwuhte Schwarzmalerei und im kritischen Augenblick würde man uns schon ein Loch öff­nen, um hindurchzuschlüpfen. Aber diesmal gibt eS kein Sichdrücken vor unbequemen Entschlüssen. Wir müssen neu beginnen, auf schmälerer Bast­ei nen kleineren, aber auch solideren Bau aufzu» führen, als der war, der am schwarzen 13. Iuli in Trümmer sank.

Es hat wenig Zweck, mit der Suche nach den Schuldigen für die Katastrophe kostbare Zeit zu verlieren. Wir waren allzumal Sünder und müssen gemeinsam erneut anS Werk gehen. Aber wir dürfen nicht in den Aufräumungsarbeiten stecken­bleiben. Der Zeit der Notverordnungen, die von heute auf morgen den dringendsten Bedarf der Staatsfinanzen mehr schlecht als recht sicher­stellten. ohne wirtlich freie Dahn zu schatten, kann nicht schnell genug ein Ende gesetzt werden. Und das um so eher, als die bisher verfolgt« Methode, den Reichshaushalt zu sanieren durch Abwälzung der brüdenöfben Lasten auf andere Schultern, durch die Finanzkatastrophe der Ge­meinden und den rapiden Rückgang der Steuer­einnahmen bereits ad absurdum geführt worden ist. Daß auch der schematische 2(bbau der Gehälter nicht der Weisheit letzter Schluß ist, hat auch der Reichskanzler anerkannt, als er im RcichSrat erklärte, die Krisis sei nicht bloß durch Senkung des Einkommenniveaus zu beseitigen. Aber vir stehen allerdings unter dem Zwang, alle Aus­gaben in der öffentlichen, wie in der privaten Wirtschaft den Einnahmen anzupaffen. Daß es mit dem umgekehrten Rezept nicht länger geht, lehrt uns der Zusammenbruch unserer Steuer­politik, die im einträchtigen Zusammenwirken von Reich, Ländern, Gemeinden undSozialinstttuten di« Wirtschaft auSgepreßt hat, wie eine Zitrone und nun sich dem vis-ä-vis de rien sieht. Staat und Gemeinden werden also nicht länger dem drän­genden Gebot der Stunde ausweich?n können, sich von den Aufgaben zu entlasten, die sie In einer durch gefüllte Kasten expansionslüstern gewor­denen Zeit an sich gezogen haben, die aber auS dem Rahmen ihrer eigentlichen Verwaltungs­ausgaben weit herauSsallen. Die für den Aus­gleich der öffentlichen HauShalte notwendige Sen- hing der Ausgaben setzt eine rigorose Beschränkung t der Aufgaben voraus. AlleS andere bleibt Flick­werk, mit dem man nie zum Ziel gesunder StaatS- finanzen kommt. Hat der Staat bislang Mtlliar- den irrtb aber Milliarden in Form von Steuern und Abgaben auS der Wirtschaft herauSgepumpt

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