Ausgabe 
15.7.1931
 
Einzelbild herunterladen

Der Devisenverkehr bei der Reichsbank.

Zugang an Devisen. - Gesicherter Markkurs im Ausland.

Berlin, 14. 3ült. (ERB.) Wenin auch der Devisenverkehr durch öle Schließung der Börse offiziell aufgehört hat, fo verweigert die Reichs- bank keineswegs die Hergabe von Devisen, son­dern Wst gemäß den Bestimmungen des Dank- gesetzes aus Dewangen Reichsbanknoten gegen Devisen ein. Allerdings werden von ihr die Devisen nurnoch gegen sos ortige Dar­zahlungin Reichsbanknotenabgege­ben, und zwar zu Kursen, die ungefähr mit denen vom Samstag, dem 11. 3uvi, überein stim­men. Durch die verschärfte Anwendung der Kre- dikrestriktion werden von der Reichsbank n u r noch Wechsel! mit ganz kurzer Fäl­ligkeit diskontiert, was praktisch ein nur 40- bis SOProzentiges Hereinnehmen der tatsächlichem Einreichungen bedeutet. Dies hat dazu geführt, daß der Reichsbamk seitens der Damken, die durch die Verschärfung der Kredit- restriktioin zur Abgabe von Valuten gezwungen sind, Devisen zufliehen. Die Reichsbank hat infolgedessen in den beiden letzten Lagen keine Devisenverluste aufzuweisen, sondern sogar einen Zugang von Devisen.

Da damit die verschärfte Restriktion den beab­sichtigten Zweck erreicht hat, ist es vorläufig fraglich, ob es zum Erlaß der angekündigten Devisen- verordnung kommt, die bekanntlich nur mit internationaler Zustimmung erlassen werden kann, da im Anschluß an den Youngplan die Einlösungspflicht der Reichsbank festgelegt wurde. In Fachkreisen steht man nach den gemach­ten Erfahrungen des Jahres 1924 der Wiederein­führung einer Devisenzwangswirtschaft skeptisch ge­genüber, weil man wie damals eine starke Verknap­pung an fremden Geldsorten schon im inoffiziellen Handel in Devisen befürchtet. Die Tatsache, daß die Reichsbank ihrer Einlösungspflicht durchaus nach­kommt. hat ihren Eindruck auf das Ausland nicht verfehlt. Rach den anfänglichen schwachen Markkursen, die wohl auf den ersten Einfluß einer gewissen Panikstimmung zurückzuführen wa­ren, hat sich eine allgemeine Erholung durchgesetzt. Der Schutz der Währung ist also nach wie vor durch die Reichsbank gewährleistet. Außer­dem liegt in der Verringerung des Mark­umlaufes an sich ein sehr wirksamer Schutz der Währung.

Die Bankfeiertage.

Berlin. 14. 3üli. (WTB.) Die Reichs­regierung hat eine weitere Durchführungsver­ordnung zu der Verordnung über Bankfeier­tage erlassen. Danach gelten die Dankfeiertage als staatlich anerkannte allgemeine Feiertage, auch im Sinne der Wechselordnung und des Scheckgefetzes. Sind in gericht­lichen, verwaltungsgerichllichen und verwaltungs­behördlichen Verfahren für die Zahlung von Gebühren, Auslagen oder Vorschüssen oder für den Rachweis einer folchen Zahlung Fristen vorgesehen, an deren Ablauf sich Rechtsnachteile knüpfen, und fällt der letzte Tag der Frist auf einen Dankfeiertag, so endet die Frist nicht vor Ablauf einer Woche nach dem letzten Dankfeiertage.

Steuern muffen bezahlt werden.

Berlin, 14. 3uli. (TA.) Amtlich wird mit­geteilt: Die bestehenden wirtschaftlichen Verhält­nisse haben in gewissem Umfange zu einer Stok- kungderSteuerzahlungen geführt. Eine derartige Stockung muß im 3meresse der Allge­meinheit mit allen Mitteln bekämpft werden. Gerade in Zeiten, wie den gegenwärtigen, ist besonderer Wert darauf zu legen, daß jeder seinen steuerlichen Verpflichtungen pünktlich nachkommt. Gehen die geschuldeten Steuern nicht pünktlich ein, so wird, wie bisher, mit Einziehung im Rach- nahmeverfahren, Mahnung und Beitreibung vor­gegangen werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch trotz der beiden Dankfeier­tage Steuerüberweisungen von den Dan­ken, Sparkassen und Postscheckämtern, sowie Scheck­zahlungen jederzeit vorgenommen wer­den können. Das giltauchfür die3nhaber von Konten bei der Darmstädter und Rationalbank.

Börsenruhe bis Ende der Woche.

B e r 11 n, 14.3uli. (MTD.) Der preußische Mi­nister für Handel und Gewerbe hat an alle preußischen Wertpapierbörsen ein Telegramm gerichtet, wonach Re Wiederaufnahme des Dörsem^rkehrs in dieser Woche zu unter­lassen ist.

Die Parteien zur Krisis.

Die Deutschnationalen.

Die Forderung nach Shstemwechsel im Reich und in Preußen.

Stettin, 14. 3uli (TU.) Am Dienstag fand hier eine Wirtschaftstagung der DRDP. statt, zu der zahlreiche Wirtschafts- und po- llkifche Führer der Partei erschienen waren. Der stellvertretende Parteidorsitzende, von Winterfeld, setzte sich mit der Aufforderung an die nationale Opposition auseinander, sich hinter die Regierung Brüning zu stetem Für die nationale Opposition, so erklärte er, könne nur eine Regierung in Frage kommen, die von ihrem Gei st e und von wahr­haft nationaler Tatkraft erfüllt sei. Es müsse endlich Schluß gemacht werden mit dem ewigen Schielen nach der Meinung des Auslandes: Las Steuer muffe sofort herurn- -geworfen werden. Einer nationalen Regie­rung gegenüber werde das Ausland mit seinem ' Vertrauen nicht warten lassen.

Geheimrat Q u a a h bezeichnete in fernem Refe­rat die Tributfrage als grundsätzlich erledigt. Eine nationale Regierung werde keinenPferr- nig mehr als Tribut in das Ausland gehen lassen. Gegenüber den Beschwichtigungsversuchen der Reichsregierung könne es sich jetzt nur darum handeln, sobald als irgend möglich die Zügel deS Reiches zu ergreifen. Quaatz wandte sich gegen alle Schönfärberei unserer jetzigen Lage unb schloß mit der Parole: »Kampf ist die erste Bürgerpflicht»"

Rach weiteren Referaten wurden zwei Ent­schließungen angenommen, in denen u. a. ge­fordert wird, die völlige Beseitigung der Repa- rationslasten als erste Voraussetzung für Deutsch­lands Gesundung. Der heimischen Erzeugung und Arbeit ist der Vorrang vor ausländischer Arbeit und Ware zu sichern. Dazu gehört der Schutz der deutschen Landwirtschaft. Rücksichten auf in­ternationales Wohlwollen dürfen keine Rolle spielen. Den schaffenden Kräften in Deutschland hat der besondere Schuh und die besondere Für­sorge des Staates zu gelten. Dazu gehören die Einschränkung der Wirtschaft, der öffentlichen Hand, Beseitigung der Zwangsbewirtschaftung des Arbeitsmarktes und Umgestaltung der So­zialgesetzgebung unter dem Gesichtspunkt, dah Fleiß, Sparsamkeit und Selbstverantwortung die Grundlagen aller Wohlfahrt sind. Ziel einer sol­chen Sozialpolitik hat nicht die Rente, sondern die Arbeit zu sein.

3n der zweiten Entschließung heißt es: Der Zusammenbruch der Wirtschaft ist ohne jedes Bei­spiel in der neueren Geschichte. Der große ge­schichtliche Augenblick, der durch das Eingreifen Hoovers und durch Mussolinis Verzicht auf die Tribute gegeben war, verrann nutzlos, weil die Regierung Brüning unter dem Einfluß des Mar­xismus sich von der französischen Führung nicht loslösen kann und will. Die Erfüllung der Aus- landverpflichtungen und die Finanzierung der marxistischen Donzenwirtschast im 3nnem durch weitere Aufnahme neuer Schulden unter gleich­zeitiger Annahme entwürdigender politischer und militärischer Bedingungen wäre ein Verbrechen an der Ration. Durch Preisgabe des zweiten Panzerschiffes würde die an sich so schwache Lan­desverteidigung gegen die ständig drohende Ge­fahr polnischer Angriffe eine weitere entscheidende Schwächung erfahren. Diese WiAenSlosigkeit führt Volkswirtschaft und Staat ins Verderben. Ret­tung in letzter Stunde ist nur möglich, wenn eine von nationalem Willen erfüllte und geleitete Regierung gleichzeitig im Reich und in Preußen eingesetzt wird, die zur Riederkämpfung des volksverderblichen Marxismus entschlossen ist. Wir richten an den Reichspräsidenten, Feldmarschall v. Hin­denburg, die freimütige und dringende Ditte, in diesem entscheidenden Augenblick deutscher Ge­schichte dem deutschen und dem preußischen Volke diese nationale Regierung mit den entscheidenden Vollmachten zu geben. An das preußische Volk

richten wir die Mahnung, sich der Entscheidungs­stunde des 9. August bewußt zu fein. Es gilt, Preußen nicht zu zerstören, sondern zu erobern.

Hitler zur Krise.

Zur Ncbernahme der Verantwortung jederzeit bereit.

München, 14. 3uli. (TA.) Auf eine Anfrage des Reuterbureaus in Berlin äußerte sich Adolf Hitler zur Krise wie folgt: Das Eintreffen die­ser Krise wurde von uns seit 3ahren vorhergesagt. Schuld daran finö die Friedensverträge mit ihrem nicht nur das politische, ftmöem auch das wirtschaftliche Leben der Völker bedrohenden und vernichtenden Folgen. Die letzte und schwerste Folge wird das Hineintaumeln in das bvlsche wistische Chaos sein. AnsereDor- schläge zur Besserung der Lage sind solange un* durchführbar, ckls nicht ein durchgreifender Shstemwechsel in Deutschland eine klare antibolschewistifche Front herstellt. Rur auf dieser eindeutigen Grundlage ist noch eine Rettung von Staat und Wirtschaft vor der bolsche­wistischen Katastrophe möglich die sonst ganz Europa in schwer st e Mitleidenschaft ziehen wird. Wir sind jederzeit bereit, die Verantwortung für eine Sanierung allein oder mit anderen zu übernehmen.

Die Sozialdemokraten.

Scharfe Kritik am kapitalistischen System.

Berlin, 14.3uli. (DDZ.) Der Parteivor­stand, der Parteiausschuh und die Kontrollkom­mission der SPD. haben in gemeinsamer Sitzung am Dienstag eine Kund gebungAn das deutsche Volk" beschlossen, die u.a. besagt: ..Die Krise hat sich verschärft. Zusammenbrüche großer 3ndustrie- und Bankunternehmungen zeichnen ihren Weg. Mit ihnen bricht die Lüge von dermarxistischen Mißwirtschaft" zusammen, die erfunden wurde, um von den wahren Schul­digen abzulenken: Dem kapitalistischen System und seinen Vertretern. Die bankrotten Finanzmagnaten und 3ndustrieherzöge sind keine Marxisten, sondern Geldgeber der antimarxisti­schen Propaganda. Die Sozialdemokratie fordert seit 3ahren unermüdlich die Stärkung des gemeinwirtschaftlichen Einflusses, die Unter ft eltung der kapitalistischen Riesenunter- nefjmungen unter die wirksame Aufsicht des Staates. 3hre Forderung blieb unerfüllt. 3etzt verlangen die bankrotten Dekämpfer des Marxis­mus Rettung durch den Staat. Das kapitalistische jlnternefymertum ruft nach Hilfe des Auslandes. Aber ein wesentlicher Teil dieses Antemehmer- tumes hat den verhängnisvollen Wahlsieg der nationalistischen Reaktion im September vorigen 3ahres bezahlt und ihr kredit­zerstörendes Treiben bis zum heutigen Tage mit allen Mitteln gefördert.

3n der Stunde höchster Gefahr fordern wir entschlossene Umkehr. Der Mißwirtschaft der Danken und der Schwerindustrie, die die Wirt­schaft in den. Abgrund führt, muß ein Ende be­reitet werden. Staatliche Hilfe ist nur gerecht­fertigt, wenn der staatliche Einfluß im 3nteresse der Allgemeinheit dauernd ge­sichert bleibt. Eine gründliche Deveinigung der Wirtschaft muh herbeigeführt werden ohne Rück­sicht auf kapitalistische Sonderinteressen. Ar­beiter und Angestellte sind durch unbedingte Sicherung ihrer Ansprüche auf Lohn, Gehalt oder Unterstützung vor den verderblichen Folgen der Krise, deren unschuldige Opfer sie sind, zu schützen. Mit Rachdruck erneuern wir die Forderung nach Abänderung der Notverordnung vom 5.3unü und nach Beseitigung des verfügten sozialen An­rechtes. Ausländische Hilfe tut not. Dazu bedarf es einer Außenpolitik der Ver­ständigung, die weder mit herausfordernden Haßparaden belastet ist, noch auf leere Prestige- bedürfnisse Rücksicht nimmt.

Der Parteiausschuß beschäftigte sich dann mit Organisationsfragen. Es wurde betont, daß die Einheit und Geschlossenheit der Par­te i in der gegenwärtigen Zeit mehr denn je eine unbedingte Notwendigkeit sei. Es müsse alles unter­bleiben, was Geeignet sei, diese Geschlossenheit zu gefährden. Diese letztere Bemerkung richtet sich ein­deutig gegen d i e Opposition in der Reichs- tagsfraktion um Seydewitz, Ströbel und Genossen, die in der ZeitschriftDer Klassenkampf" zur Ein­sendung von Zustimmungserklärungen für ihren gegen die Politik der Reichstagsfraktion gerichteten Standpunkt aufgefordert hatten. Mit der Frage der Reichstagseinberufung hatte sich der Par­teiausschuß nicht zu beschäftigen, da das Angelegen­heit der Reichstagsfraktion ist. Es gilt jedoch als sicher, daß die Sozialdemokraten gegen eine Reichstagseinberufung im jetzigen Zeitpunkt fein werden.

Kleine politische Nachrichten.

ReichspräsidentvvnHindenburgist am Mittwochvormittag mit dem fahrplanmäßigen

Ostpreuhenzuge von Reudeck auf dem Bahnhof Friedrichstraße wieder in Berlin einge- trvffen.

3n Stuttgart ist im Mer von 84 3ahren Wittlicher Geheimer Rat Friedrich von Payer, der letzte kaiserliche Vizekanzler, nach kurzer Krankheit verschieden.

Ministerialdirektor Schäfer und Oberregie­rungsrat Dr. Lehmann vom Reichsjustizmini­sterium waren in D r emen, um sich über dent Stand des Verfahrens gegen die bis­herigen Leiter des Rordwollekonzerns, Brüder L a h u s e n, näher zu unterrichten.

Der Reichsousschuß der Erwerbslosen hatte kürzlich beschlossen, am 15. 3uli einen Reichs- erwerbslosentag in Form von Demon­strationen und Kundgebungenals Protest gegen den Hungerfttdzug der Brüning-Regierung" durchzuführen. Der Berliner Polizeipräsident hat diese Kundgebung für Berlin verboten.

Der Katt Barckhausen.

Eine aufsehenerregende Kriminalaffäre in Berlin. Selbstmord oder Verbrechen?

Die Phantasie des Kriminal-Schriftstellers kann mit der Wirklichkeit kaum mehr Schritt halten, wenn man auch zugestehen muh, daß der Detek­tivroman dem Verbrechen manche Anregung ge­geben hat... Aber die Sorgfalt in der Durchfüh­rung wird dem Mann an der Schreibmaschine nie in dem Maße gelingen, wie dem der Praxis. Sein 3ntereffe ist naturgemäß größer. Edgar Wal­lace wird sicher manchesmal vor Reid erblaßt sein, wenn er in den letzten 3ahren die Talent seiner Schüler" vernahm. 3hnen sind Tricks ein­gefallen, die alles in den Schatten stellen, was er jemals ersonnen hat.

Den Gipfelpunkt an raffinierter Aeberkegtheit hat aber zweifellos der Fall erklommen, der in die Kriminalhistorie unter dem RubrumDok­tor Barckhausen" eingehen wird. Die ge­wiegtesten Kriminalisten Berlins stehen vor einem Rätsel. And wenn sich heute auch die Waagschale immer mehr zu der Ansicht neigt, daß doch ein Selbstmord vorliegt, so kann sich diese Annahme nur auf psychologische Aeberle- gungen stützen, nicht aber auf Indizien. Die sprechen eine deutliche Sprache: Mord.

Dr. Barckhausen, Inhaber einer großen Jndustrie- firma, ehemaliger jugoslawischer Generalkonsul, wird in der Nacht vom Sonntag zum Montag mit einer Kugel im Herzen im Wohnzimmer seiner Töchter tot aufgefunden. Seine Rechte umklammert einen Totschläger und ein Stück einer blauen Kra­watte. Alle Anzeichen eines ooranaegangenen Kamp­fes find vorhanden, der Schreibtisch ist umgestürzt, die Leiche weist an der Hüfte Verletzungen auf, eine Zehe des rechten Fußes ist gebrochen. Unter dem Schreibtisch, einige Meter von dem Erschösse- ncn entfernt, liegt der Revolver, aus dem die tödliche Kugel stammt. Ein Aktenregal mit Doku­menten ist durchwühlt, alles liegt im wüsten Durch­einander auf dem Boden.

Und doch die Selbstmordhypothese? Dr. Barck­hausen befand sich in einer sehr schwieri­gen finanziellen Lage, eine Hoffnung, wieder .etwas Geld in die Hände zu bekommen, war gerade zunichte geworden: man hatte fein ge - ft offenes Auto, für das er in diesen Tagen einen Schadenersatz von 15000 Mark er­halten sollte, unter merkwürdigen Begleitumständen wiedergefunden. Mit feftgezogenen Brem­sen stand es mitten in der Elbe, nachdem es offen­bar rückwärts ins Wasser gefahren worden war. Zu alledem kommt. Laß Dr. Barckhausen vor kur­

zem einesehrhoheLebensversicherung abgeschlossen hatte. Man könnte es verstehen, wenn er durch einen Selbstmord seine Familie mit dieser Summe vor dem völligen Ruin bewahren wollte.

Wie hätte aber angesichts dieses Tatbestandes der Selbstmord vor sich gehen sollen? Dr. Barckhausen mühte sich mit der linken Hand er­schossen haben, was für einen ausgesprochenen Rechtshänder außerordentlich schwer ist, die Rechte hielt ja den Totschläger und die fremde Krawatte. Rach dem tödlichen Schuß hätte er noch den Revolver unter den Schreibtisch legen, Liesen darüber Umstürzen und sich selbst noch einige Meter entfernen müssen.

Aber nicht genug damit. Auch die übrigen Vor­bereitungen erforderten eine geradezu phan­tastische, minutiöse Genauigkeit. 3m Dibliotheks- zimmer lag ein angefangener Brisf an seine Gat­tin: ganz harmlos berichtete er von einem Kino­besuch. Auf dem Fensterbrett des Zimmers, in dem man die Leiche fand, waren Spuren zu sehen, so als wenn jemand auf diesem Wege hinaus­geklettert sei. Ein entsprechender Fuhabdruck be­fand sich <iuch im Garten. Die fremde Krawatte, der fremde Revolver, die Verletzungen an der Hüfte und am Fuß was für eine unbeirrbare Entschlossenheit spräche aus all diesen sorgfältig zusammengetragenen falschen 3ndizien, was für eine konzentrierte Aebrrlegung!

So seltsam es aussehen mag und doch ist diese Hypothese nicht von der Hand zu weisen. Sie hat neben den erwähnten finanziellen, noch andere Gründe für sich: der äußerst wachsame, große Schäferhund war am Tage vorher ver­schwunden. Sein Herr erzählte der Haus­angestellten, der Hund wäre überfahren worden, er hätte ihn vergiften lassen müssen. Damit war ein gewichtiges Argument gegen die Annahme eines Aeberfalls oder Einbruchs beiseite ge­schafft. Die Familie ist verreist, das Hausmädchen hatte am Sonntag Ausgang die Berechnung konnte, nein, sie mußte stimmen.

Die erfahrensten Kriminalisten stehen vor einem Rätsel. Alles spricht für Mord. Aber sie wollen doch nicht recht an ihn glauben. Obwohl falls man an der Selhstmorbtheorie festhält diese sorgfälttge, bis ins Detail durchdachte Vor­spiegelung eines Verbrechens in der Kriminal­geschichte aller Länder einzigartig wäre.

Dr. W. Schindler.

Aus aller Well.

Religionskämpfe in Indien.

3n der Stadt Stinagar in Kaschmir kam es zu wilden Ausschreitungen, als eine mohammeda­nische Menge das Gefängnis zu stürmen besuchte, in dem mehrere ihrer Glaubensgenossen das Arteil wegen aufhetzerischer Propaganda gegen die Hindus erwarteten. Die Menge über­wältigte einige Gefangenenwärter und durchschnitt die Telephonleitungen, wurde kedoch schließlich von der feuernden Polizei zurückgetrieben, wobei neun Mohammedaner getötet und eine größere Anzahl schwer verwundet wurde. Aus Wut über seinen Mißerfolg zerstörte dann der Mob die Verkaufsläden der Hindus, drang in die Häuser der Geldverleiher em und setzte schließlich $ine Reihe von Gebäuden in Brand. Man befürchtet, daß sich die Bewegung auf ganz Kaschmir, das eine sehr starke moham­medanische Bevölkerung hat, ausdehnen wird. Die Anruhen hatten ihren Grund darin, daß vor etwa vier Wochen ein Hindu-Sergeant das Ge­betbuch eines mohammedanischen Kameraden zum Zeichen seines Anwillens auf den Boden ge­schleudert und dadurch entweiht hatte.

Eine furchtbare Jamilienttägöbie.

In dem kleinen Dorf Ohlenstedt im Kreise Oster­holz bei Bremen kam auf dem Grundstück des Land­wirts Seedorf ein Brand aus, der sich mit über­raschender Schnelligkeit über das ganze Besitztum ausdehnte und dem der Besitzer und seine vier Kinder zum Opfer fielen. Wie sich herausgestellt hat, hat der Landwirt gegen Mitter­nacht das Feuer selbst angelegt, nachdem er seine vier Kinder im Alter von eineinhalb bis acht Jahren auf der Diele des Hauses versammelt und auch fein Lieblingspferd dort festgemacht hatte. Bevor die Feuerwehr aus dem Nachbarort zur Stelle war, stürzte das brennende Dach des rings von Flammen umzingelten Gebäudes in sich zusammen und begrub den etwa 40jährigen Besitzer mit seinen vier Kindern unter sich, lieber die Ursache war bis« her in Erfahrung zu bringen, daß Seedorf di.e furchtbare Verzweiflungstat aus wirtschaft­lichen Gründen begangen hat, denn am heu­tigen Dienstagoormittag sollte, wie schon mehrmals vorher, bei ihm wieder gepfändet werden.

18 Soldaten unter einem Kraftwagen begraben.

3n Spani sch - Marokko stürzte in der Rähe von Villa Sanjurjo ein Militärlastwagen mit 18 Soldaten in voller Fahrt um und be­grub alle 3n fassen unter sich. Ein Sol« : bat ist tot, drei wurden in hoffnungslosem Zu­stand aus den Trümmern hervorgezogen. Die 14 anderen erlitten so schwere Verletzungen, daß ihre Aeberführung in ein Militärlazarett notwendig wurde.

Oie Wetterlage.

£ösi

io

25E

Aberdezl

<nc

v.

18

30

- -A

7

W6 H» Ml

* wen j

o

16

©Wolkenlos. ® neuer. O naiv oeoecrt » womite DeoecKK Regen # Schnee Graupein * Nebel K Gewitter.©Windstille.O» seh» (elchter Osi 4 massiger "Sodsüowesi Q stürmischer «ordwesfc öle Pfeile fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen stenenden zaii» len gehen die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mit gleichet® «uf heeresniveau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Das neue Fallgebiet im Westen hat sich bereits bis nach dem Kanal und nach Holland fortbewegt. Sein Riederschlagsfeld an der Vorderseite wird uns unter südwestlichen Winden am heutigen Tage und während der kommenden Rächt über­queren. Heber den britischen 3nseln folgt bereits kühlere ozeanische Luft nach, welche beim Ein­treffen auf dem Festlande im Laufe des mor­gigen Tages zu unbeständigem Wetter mit Schauern oder Gewitterstörungen führen wird. Dabei reißt jedoch die Wolkendecke wieder auf und vorübergehende Aufheiterung tritt ein. Am Freitag wird weitere Aufheiterung zu erwarten sein, denn mit der kühlen Luftzufuhr erfolgt gleichzeittg Luftdruckanstieg.

Aussichten für Donnerstag: Anfangs bedeckt mit Riederschlägen, dann wechselnd wolkig.