Ausgabe 
15.7.1931
 
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Hr. 165 Erster Blatt

181. Jahrgang

Mittwoch, 15. Zuli <951

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GktzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur.

Dr. Friede. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.Iyyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Tla$ Filler, lämtiid) in Bietzen.

Wozu wird Frankreich sich entscheiden?

Henderson in Paris.

Ter Ltaatdselrctär versucht eine deutsch' französische Verständigung anzubahnen Paris. 14. Juli. (1DIB.) Um 17 Uhr ist der englische Staatssekretär Henderson in Beglei­tung seines prlvalsekrelörs Selbg in pari» fin­get r offe n. Henderson wurde von dem Direktor der Abteilung für europäische Angelegenheiten im Außenministerium im Rumen Brianbe begrüßt. Er wird am Donnerstag mit dem Rordexpreß Paris verlassen, um stch nach Berlin zu begeben.

Aus der Fahrt von Calais nach pari» erflärle Henderson einem Vertreter de» Reuterbüros, die Unterredungen, die er in Paris und Berlin haben werde, beziveckten vor allem die Meinung»- Verschiedenheiten auszugleichen und das Werk Hoover» vorwärts zu bringen. 3n ver­schiedenen Kreisen sei die Meinung ausgetaucht, daß die britische Regierung ihre hilse für Deutschland mit verschiedenen Bedingungen verknüpft. Dem sei nicht so. Die britische Regierung habe den plan Hoover» vorbehaltlos angenommen und sie wünsche lediglich eine Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten zu sinden. Lr vertraue daraus, daß er In pari» und Berlin die gleiche Aufsagung fin­den werde. Es sei wichtig, alles zu tun, um eine französisch-deutsche Verständigung zu fördern, weil sie in Europa größere» vertrauen und eine Atmosphäre des guten Willens schassen werde, die für einen Erfolg der Abrüstungskonsercn; außer­ordentlich wichtig sei. Der gestrige Beschluß der Internationalen Zahlungsbank müsse eine Ent­spannung der Lage auf alle Fälle herbeisühren. Er hoffe, daß sich diese Erwartung erfüllen werde.

Englische Mahnungen.

Wird die französische Politik weitsichtig und großzügig genug fein?

ß o n D on, 15. 3u'i. (MTB. Funkspruch.) Ein ßeitartile; derTirneS" besaht sich mit Hender­sons Reise nach Frankreich und Deutschland. Das Blatt schreibt, die Reise ist zu einer Reise der internationalen 33 e r ft ä n - D i g u n g geworben, zu einem bedeutsamen Akt der Höflichkeit unb beS guten Willens ge­genüber ben beiden Ländern, deren fortgesetzter Gegensatz Europa dauernd in zwei feind.icbe La­ger le..en würde, während ihre Freundschaft mehr als alles.andere die allgemeine Stabilität sichern könnte. Wenn auf die Reife des Staats­sekretärs ein Besuch der deutschen Mi­ni st er in Paris erfolgt, wird sich keine Re­gierung mehr freuen, als die britische.Times" fährt fort: Ein alter nationaler Standpunkt pccht nicht mehr in eine neue Weit, die in einer Masche internationalen Handels unb inter­nationaler Finanz vereinigt ist. Roch ist es sicher nicht zu spät, zu hoffen, bah eine großzügigere Auffassung und gesündere Ucber- wgung d:e Oberhand gewinnen werden.

Dir leidenschaftlich die französische öffentliche Meinung auch an denGarantien- hängen mag. so müssen stch doch wohl die weitfichtigeren Mit- glicder der französischen Regierung fragen, ob der versuch, von Dr. Brüning politische Zu­geständnisse durch finanzielle Hilfe zu erpressen, auch wenn er im Augenblick erfolgreich wäre, auf die Dauer nicht feinen eigenen Zweck zu­nichte machen würde. E» bestehl auch keine Aus­sicht, daß eine andere deutsche Regierung sich den französischen wünschen zugänglicher erweisen würde.

Wenn nicht die Forderung nach polittscher Ga­rantie (die noch nicht offiziell ausgesprochen ist) aufgehoben wird, wird eine vollständige Störung des ganzen Wirtschaftslebens Europas erfolgen. Wenn nicht vereinte Bemühungen er­folgen, um Deutschland einen schnellen Beistand von außen her zu sichern, dann ist es klar, dah Deutschland sich gezwungen sehen könnte, die Lösung seiner finanziellen und wirtschaftlichen Probleme auf seine eigene Wei se zu suchen. Diese würde sich nicht nur als schwierig unb schmerzlich, für Deutschland selbst erweisen, sondern auch als sehr schädlich für die Interessen aller Länder.

In einer Zuschrift an die »Times", der redaktionell ein bevorzugter Platz gegeben wird, heißt es. dah jetzt sicherlich Frankreich an der Reihe sei, Zugeständnisse zu machen und sich als .guter Europäer" zu .zeigen. Seit 1920 habe Frankreich niemals versucht, diese Rolle ernstlich zu erfüllen. Immer, wenn die Frage aufgeworfen sei, die schwerwiegenden Wirkungen bcr_ Besetzung Deutschlands zu mil­dem ober die für Deutschland untragbaren Bür­den zu erleichtern, habe Frankreich versucht, für sich neue politische Vorteile hcrauszu- schlagen. Roch niemals habe Frankreich den guten Willen, die Großherzigkeit und die Opferbereit­willigkeit wie England gezeigt und wie England sich Vertrauen, Ächtung unb Dankbarkeit beim deutschen Volk gesichert.

Daily Chronicle" vertritt die Auffassung, dah Frankreich die Entscheidung in der Hand habe. Bisher habe die französische Po­litik zumindest den Eindruck entstehen lassen, dah

fix die finanzielle Rotlage Deutschlands zur Erpressung von Zugeständnissen be­nutzen wolle. Dies sei ein taktischer Fehler. Das Blatt schreibt:Garantien", die mit solchen Mitteln erpreßt worben sind, würden teert- l o S fein. Auf der anderen Seite gibt eS einen Weg, auf dem Frankreich die sich bietende Mög­lichkeit mit ungeheurer Wirkung ausnutzen tonnte.

Frankreich sollte einsehen, daß eS mit einem einzigen Schlage das Jahrhunderte alte Ziel einsichttger französischer Polittk. nämlich wirk­liche Freundschaft mit Deutschland, erreichen kann. Wenn eS jetzt, ohne Bedingungen zu stellen, daS deutsche Dolk von der furchtbaren, ihm drohenden Rot befreit, hat es eine Ga­rantie, wie sie ihm kein Vertrag und keine Armee berschasfen kann.

Frankreich würbe in den Augen der Welt und Deutschlands als die Ration dastehen, die Deutsch­land vor der Zerstörung bewahrte. Eine solche

Handlung könnte keine Ration jemals vergessen. Die Gefahr, die dem Frieden und der Wohlfahrt unmittelbar droht, ist die Lage Deutschlands. Durch die Beseitigung dieser Gefahr würde Frank­reich nicht nur Deutschland, sondern die gaiuc Welt zu seinem Schuldner machen. Wird 6S groß­mütig genug fein, sich der großen Gelegen­heit gewachsen zu zeigen?

Macdonalds Aeutschlandreise.

London, 15. 3ult. (WTB. Funkspruch.) Der britische Premierminister Macdonald wird am Freitag feine Reise nach Berlin m i t einem Flugzeug unternehmen, do- von zwei anderen Flugzeugen begleitet fein wird. Die drei Flugzeuge werden England um 10 Uhr verlassen unb um 12.30 Uhr in Rotterdam eine Zwischen­landung unternehmen. Zwei Stunden später wer­den sie wieder starten und um 18.30 Uhr auf dem Flugplatz Tempelhvf eintreffen. Der Rückflug wird auf demselben Wege am Montag erfolgen.

Wie beurteilt mau in London die Lage?

Kein einheitliches Bild.

London, 15. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Die heutigen Mergenolättsr befassen sich sehr eingehend mit dem Ernst der europäischen, ins­besondere der deutschen Lage. MorningPost schreibt: Rur die enlscheidensten inneren Maß­nahmen. begleitet von einer internationalen An­leihe, können den sofortigen politischen und wirt­schaftlichen Zusammenbruch Deutschlands verhin­dern. Heber die Folgen einer solchen Katastrophe für Deutschland und die ganze Welt kann es keine Selbsttäuschung geben. Rews Chro­nicle spricht die Befürchtung aus, daß Hender­son in Paris eine schwere Aufgabe haben werde. Trotzdem sei es falsch. an$unebmen, dah ein finan­zielles Grdbeben bevorstehe. Dies gelte sogar für Deutschland. Das Schlimmste, was die nächsten Tage ihm bringen konnten, wäre ein allgemeines Moratorium.

Während sich die Blatter im allgemeinen eines ruhigen Tones gegenüber Frankreich befleißigen, schreibt FinancialTimes:Es läßt sich kaum bestreiten, daß Frankreich die Verant­wortung dafür trägt, durch das Hinein­tragen der Politik in eine Frage, die von allen anderen als nichtpolitisch betrachtet wird, die Wunden Zentraleuropas, statt sie zu verbinden.

zur Entzündung gebracht zu haben. Die Franzosen sind zufrieden mit dem Werk ihrer Hände. Sie haben die Genugtuung, zu sehen, wie Zentraleuropa allmählich der Lähmung an- heimfällt. Frankreich allein wird man tadeln müs­sen. wenn es infolge der Verschleppung oder in­folge der Verweigerung der Beteiligung zu einem umfangreicheren Zusammenbruch kommt.

Financial News" ist relativ optimistisch. Das Blatt weist auf die seiner Ansicht nach bestehende Rotwendigkeit hin. der Flucht vor derMark kräftigen Einhalt zu tun und noch größere Einsparungen beim Budget x u machen und teenbet sich bann mit Entschie­denheit gegen den Gedanken, daß die Erklärung eines allgemeinen Moratoriums Grund zur Auf­regung oder Panik gebe. Die Ansicht, daß ein politischer Umsturz in Deutschland bevor­stehe. brauche nicht ernst genommen zu werden. Ebensowenig sei an der wirtschaftlichen Lösung der Krise in Deutschland zu zweifeln. Das Blatt schließt: Auf jeden Fall muh die Haupt­sache betont werden, daß die jetzigen Schwierigkei­ten Deutschlands nicht das Vorspiel eines Zusammenbruches sind. Wer an eine Ka­tastrophe glaubt, gibt nur der unvernünftigen Angst nach, die m e h r als a n d e r e die jetzige Krise heraufbeschworen hat.

Washington zögert aus Besorgnis vor einem französischen Angriff aus London und Aenyork.

London, 15. Juli. (1DIB. Funkspruch.) Der Washingtoner Korrespondent derTimes" meldet: Die Finanzkreise sind nervös und zögern mit Rücksicht auf das Risiko, das mit der Gewährung umfangreicher Kredite an Deutschland verbunden wäre. Obwohl es sich in erster Linie um ein Bank­problem handelt, wird die Haltung der Bundes- referoebanf und der anderen Banken in sehr erheb­lichem, vielleicht in entscheidendem Maße von der Unsicherheit über d i e politische Hal- tung der französischen Regierung und der französischen Finanz bestimmt. In Flnanzkreisen herrscht die entschiedene Besorgnis, dah, wenn die Franzosen abseits stehen, oder auch nurfinanzielle Neutralität" wahren, das unver­meidliche Risiko einer Kreditgewährung an Deutfch- land fehr vergrößert werden würde, denn es entstände dann die Gefahr plötzlicher fi­nanzieller Angriffe von Paris auf Berlin. London und andere Finanz- p l ä h e, die in der Zurückziehung kurzfristiger Kredite sich zeigen und den Zweck Haden würden, ein en politifchen Druck auszuüben. Die amerikanischen Finanzleute und auch das amerika­nische Staatsdepartement sind über die Hartnäckig­keit, mit der diese Politik während der letzten Wochen durchgeführt worden ist, sehr erregt Die Erinnerung an den Angriff auf die Österreichische Kreditanstalt und an den finanziellen Druck, der daraus auf Oesterreich ausgeübt wurde, um es zum Verzicht auf die Zollunion zu zwingen, ein Druck, von dem Oesterreich nur durch das Eingreifen der Bank von England gerettet wurde, ist hier noch fehr lebendig. Wan machte sich klar, dah Frankreich, wenn es ein politisches wotiv dafür Hal, nicht nur sehr niet tun kann, um die Aussichten eines Kre­dites von Deutschland zu vernichten, sondern auch sehr ernsten Druck aus London und vielleicht sogar auf Reuyork ausüben kann, wo der Betrag der französischen kurzsristigen Kredite sich schätzungsweise auf 250 bis 500 Millio­nen Dollar belaufen. Aus biefem Grund sprachen am Wontag einige hochgestellte Regierungsbeamte sehr nachdrücklich die ernste hoftnung aus, dah Frankreich und Deutschland Schritte hin werden, nm baldigst eine politische Annäherung herzustellen. Wan ist hier der Meinung, daß ein

Bankkredit Deutschland wohl über die gegenwärtige Krisis hinweghelfen könnte, daß aber keine dauernde Sicherheit erreicht werden könne, bevor eine solche Annäherung erfolgt fei.

Amerika erwarietMaßnahmen gegen die Kapitalflucht.

Wird Hoover erneut eingreifen?

Reuhork. 14. Iuli. (WTB) Die Morgen- blätter heben die Ergebnisse bet gestrigen Kon­ferenz in Basel hervor unb betonen, baß bas ame­rikanische Kapital zur Beteiligung an einem, stabile Verhältnisse verspre- chenben Plan bereit sei. Als Maßnahmen zur Deenbigung der deutschen Finanzkrise werden m erster Linie auch Schritte zur Beendigung der Kapitalflucht angesehen. Man schätzt, daß bisher vier Fünftel des aus Deutschland herausgezogenen Geldes deutsches und nicht ausländisches Kapital ist. Ferner werden ausreichende Garantien als unerläßlich bettachtet, damit nicht eine erneute Kapitalflucht ftattfinöe und die gewährten Kredite zurückgezahlt werben können.Rete Bork Times" schreibt, die deutsche Krise mit ihren Panikerscheinungen enthalte die Gefahr einet Ausbreitung nach ande­ren ßänDem. Die Hilfe für Deutschland dürfe nicht lediglich als Werk des guten Samariters betrachtet werden, sondern als San erung Deutsch­lands, die auch das Wohlergehen der anderen Länder gewährleistet. Die Kredit­gewährung für Deutschland lasse sich als reine Geschäftstransaktion bezeichnen, die für andere Zentralbanken ebenso notwendig sei wie für die Reichsbank selbst. Daher komme das große Inter­esse. mit dem Hoover dem Rat und den Vor­schlägen der amerikanischen Bankiers zuhöre. Es sei leicht für den ^Interschatzsekretär anzuführen, dah der Präsident keine gesetzliche Auto­rität gegenüber der Federal Reserve Bank be­sitze. Er habe jedoch einen großen mora­lischen Einfluß, den er öffentlich ausübe. Da er entdeckt habe, dah das Moratorium nicht a u s r e i ch e, um Deutschland aus seiner Finanz- not zu retten, müsse der Präsident bereit sein, seinen Einfluh auszuüben, um das bereits be­gonnene gute Werk zu vollenden und zu krönen.

Frankreich wartet ab.

Die politifchen Folgen einer Finanz» katastrophc werden besprochen.

Pari«, 14. Iuli. (TTT) Die Pariser Presse bewahrt gegenüber der Lage In Deutschland nach wie vor eine abteartenbe Haltung. Hier und da ringt sich allerdings die Erkenntnis durch, daß sich die Krise gezwungenermaßen auch auf andere mitteleuropäische Staaten auswirken müsse. So sind die letzten Rach­richten aus Oesterreich und Ungarn ebenso wie aus Rumänien mit ziemlicher Besorgnis ausgenommen worden. Finanziell, so betont man, werde Frankreich kaum in Mitleiden­schaft gezogen, da von den etwa 20 Milliarden Mark, die an ausländischem Kapital in Deutsch- land investiert waren, Frankreich nur mit et» was über einer Milliarde beteiligt sei. Der einzige dunkle Punkt liegt nach französischer Auffassung in den politi schen Auswir­kungen, da man eine UeberschwemnningDeutsch­lands durch wn Rationalismus und noch mehr durch den Bolschewismus befürchtet. Die .Liberty" ist der Auffassung, dah Hugenberg und Hitler sich schon deshalb nicht lange halten könnten, weil zur Unterhaltung eines starken Heeres und einer mächtigen Polizei Geld notwendig sei. Die Kassen des Reiches seien aber leer und würden es solange bleiben, bis Frankreich die Raivität hätte, sie zu füllen. Anders sehe es mit den, Kommunismus aus, der sich durch die Un­terstützung Moskaus wohl eine Zeit am Rudcr halten könne. Der3ntranfigcant" ist ebenfalls der Ansicht, daß Frankreich weniger alS England und Amerika von der deutschen Krise in Mitteidenschaft gezogen werde. In der übri­gen Presse wirst man der Reichsregierung vor, Den von Frankreich und England gemachten Vor­schlägen auf politische Garantien keine Rechnung zu tragen.

Konnte die BFZ. nicht mehr tun?

Basel. 14. Iuli. ERB. (Eigene Meldung.) Angesichts des UmstandeS, daß daS gestern ver­öffentlichte zweite Kommunique über die Der- waltungsratsfitzung der DIZ. die finanzielle Hilfeleistung für Deutschland den verschiedenen Regierungen als Aufgabe zuweist, und dah diese Hilfe in erster Linie von den Regierungen und nicht von der BIZ. kommen soll, ist da und dort eine pessimistische Beurteilung der Stellungnahme der BIZ. zu bemerken. Demge­genüber weist man in Kreisen der BIZ. Darauf hin, dah die BIZ. im Rahmen ihres Tätigkeits- gebietes und ihrer Machtmittel die Beschlüsse ge­faßt hat, die sie fassen konnte. Es wäre den BIZ. nicht möglich gewesen, die für eine große Hilfeleistung in Frage kommende Summe von 500 bis 600 Millionen Franken in der knap­pen, zur Verfügung stehenden Zeit aufzubringen, nachdem die BIZ bereits ihre Beteiligung am Kredit von 100 Millionen Dollar zugesichert und zur Verlängerung dieses Kredites, Der am 16. Iuli rückzahlbar gewesen wäre, ihre Zustimmung er­teilt hatte. Cs liegt schon deswegen keine Veranlassung zu Pessimismus vor, als gerade die gestrigen Besprechungen in­nerhalb des T^rwaltungSrates klar die Gefahren gezeigt haben, welche für die Ge­samtlage Europas und die gesamte Finanzwett und Wirtschaft entstehen könnten, wenn eine rqsche Hilse für Deutschland ausbleiben würde. Der Derwaltungsrat hat sich ausdrücklich bereit er­klärt, bei jeher Hilfe für Deutschland mitzu­wirken und sie mit den den Zenttalbanken zur Verfügung stehenden Mitteln zu verstärken. Dieser Zusage kommt daher nicht nur moralische, sondern auch große materielle Bedeutung zu, vielleicht durch eine Stützung der Mark im Aus­lande. Wie dieBörsenzeitung" zu der Derwaltungsratssitzung der BIZ. ergänzend be­richtet. wurde dort nach Annahme des Antrages auf Verlängerung des Rediskont­kredites von 100 Millionen Dollar für die Reichsbank ein zweiter Antrag des Gou­verneurs der Bank von England eingebracht. Dieser Eintrag bezweckte eine Erhöhung dieses Rediskontkredits. Er wurde infolge des Wider­standes der Dank von Frankreich und der Belgi- schen Rationalbank abgelehnt.

Luther erstattet Bericht.

'Berlin, 14. Iuli. (ERD.) DaS Reichs­kabinett, das heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen trat, nahm zunächst denDerichi de- Reichsbankpräsidenten über seine Base- ler Verhandlungen entgegen. Dr. Luther begab iich nach der Kabinettssiyung in eine Sitzung des Reichsbankdirektoriums, um dort ebenfalls über seine Verhandlungen in Dasel zu berieten.

DaS Reichskabinett trat nach 22 Llhr zu einer neuen Sitzung zusammen. Die bereits um 23.30 Uhr beendet wurde. In dieser Sitzung wurden im wesentlichen Die Richtlinien Der im Lause des heutigen Rachmittags gefaßten Be­schlüsse beraten, durch die Die gegenwärtigen Dankfeiertage wieder abgebaut und normale Verhältnisse imeber&ergeftellt werden sollen.