Ausgabe 
15.5.1931
 
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Nr. 112 Erstes Blatt

181. Jahrgang

8rettag. 15. Mai 1931

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranttoorilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gietzen

Doumer zum Präsidenten der Republik gewählt.

Briand verzichtet nach dem ersten unentschiedenen Wahlgang. - Im zweiten erhält der Genatspräsident Doumer 504, fein Konkurrent Marraud 334 Stimmen.

Ein gesellschaftliches Ereignis.

Halb Paris strömt nach Versailles hinaus.

Paris, 13. Mai. (TU.) Das Schloß von Dersailles, dessen Name sowohl mit der Gröhe wie mit der Niederlage unseres deut­schen Dolles aufö engste verknüpft ist, hüllt sich heute in seine ganze Frühlingspracht, um die französisch« Nationalversammlung würdig zu empfangen. Man hat in den letzten Tagenfieberhaft" gearbeitet, um den verstaubten Kongrehsaal herzurichten und die Wege zu säu­bern. Ein etwas reichlicher Aufmarsch an Militär aller Gattungen und Polizei soll dieHohen Wähler" und später den Gewählten vor den Leidenschaften ihrer Mitbürger schützen. Gleich­wohl ob diese Leidenschaften sich nun in hem­mungsloser Neugier oder in Demonstrationen austoben sollten. Schon vom frühen Vormittag an strömte ganz Paris in Autos und vollbesetzten Dorortzügen nach Dersailles, um des inter­essanten Schauspiels soweit wie möglich teil­haftig zu werden. Politischer Eifer und bewun­derungssüchtige Eleganz der oberen Zehntausend weiblichen Geschlechtes geben sich ein Stelldich­ein, wobei man gar nicht einmal entscheiden Tann, in welchem dieser beiden Kreise di? Ge­rüchte und Kombinationen üppiger gedeihen. Das Publikum strömte traditionsgemäh heute mittag In die beiden eleganten Hotels von Dersailles, Hotel des Neservoires und Trianon, wo das obligate Dejeuner presidentiel serviert wird. Es ist zum Snobismus geworden, sich an diesem Dejeuner zu beteiligen, und da auch die meisten Parlamentarier daran teilnehmen, werden die Deeinflussungsversuche auch von Per­sönlichkeiten. die auherhalb des Parlaments ste­hen. fortgesetzt.

Dersailles gleicht einer Garnison im Kriegszustand, oder doch wenigstens im Manöver Ueberall Posten mit aufgepflanzten Seitengewehren, um das alte Schloß eine dichte Schützenkette. Die angrenzenden Höfe sind voller Truppen. Infanterie. Kavallerie, Republikanische Garde und Gendarmerie aus den verschiedensten Standorten. In den Wandelgängen um_ den Kongreß Saal herrscht ein lebensgefähr­liches Gedränge.

Wer hat die meisten Aussichten?

Rätselraten in den Kuliften

Kurz nach 10 Uhr beginnt die Auffahrt der Parlamentarier zur Präsidenten­wahl im Kongrehsaal in Dersailles. Als einer der ersten erscheint im Saale Senatspräsident Paul Doumer mit. den Quästoren des Senats und der Kammer, denen die Aufgabe zufällt, die Derhandlungen zu leiten. In den Wandel­gängen in der Galerie de Dustes entwickelt sich bereits ein lebhafter Derkehr. Hunderte von Journalisten versuchen, an Senatoren und Depu­tierten Eindrücke darüber zu erhalten, mit wel­chen Aussichten Briand in den Wahlgang geht. Der Zudrang der Presse ist diesmal un­gewöhnlich stark. Die Abgeordneten und Sena­toren haben sich kurz vor 14 Uhr noch einmal zu Fraktionssihungcn zusammengefunden, um noch einmal ihre Stellungnahme festzulegen. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß nichts Zu­verlässiges darüber zu erfahren ist, welche Stellung man im zweiten Wahlgang ein­nehmen wird, und ob, wie früher, die Kandidaten des ersten Wahlganges zurücktreten, um einem Außenseiter Platz zu machen. Die Anhän­ger Doumers verbreiten, daß sie bestimmt hoff­ten. ihren Kandidaten in die Stichwahl zu bringen, und zwar in günstigerer Lage als Driand. Die gleiche Zuversicht äußem allerdings auch die Radikalen und die Sozialrepublikaner über Driand, so daß Doraussagen nicht möglich sind. Sollte Driand gewählt werden, so würde ein Novum in der Geschichte der dritten Republik geschaffen. Es würde zum er st en Male ein Abgeordneter als Präsident der Republik ins Elhsee einziehen, während bisher die meisten Präsidenten der Republik vorherPräsiden- ten des Senats waren. Es ist bezeichnend, daß die Schrittmacher der Wahl Doumers be­sonders den deutschen Journalisten nachdrücklichst klarzumachen suchen, daß im Falle einer Wahl Doumers die Derständigungspolitik mit Deutschland fortgesetzt werden würde, uni) daß Doumer als Anhänger der deutsch-französischen Annäherung bezeichnet wer­den müsse.

Die Eröffnung der Nationalversammlung.

Kommunistische Demonstrationen bleiben unbeachtet.

Der Kongreßsaal, in dem die Präsidentenwahl stattfindet, ist rechteckig. Die Senatoren setzen sich rechts vom Präsidium, die Abgeordneten links. Die Anordnung entspricht der üblichen, so daß auf der äußersten Linken die Sozialisten »nd Kommunisten Platz genommen haben. Kurz vor 14 Uhr sind etwa zwei Drittel der stimm- berechttgien Parlamentarier anwesend, und man

erkennt von der Iournalistentribüne, daß bis in den Sitzungssaal hinein die Deernflussungsver- suche der Wahlmacher der beiden Hauptkandi­daten fortgesetzt werden. Fünf Minuten vor 14 Uhr betritt im Frack Senatspräsident Paul Doumer den Saal und steigt zum Prä­sidium empor. Als er seinen Sih eingenommen hat, seht starker Applaus ein. und wie man schätzungsweise feststellt, könnte man sogar be­haupten, daß mehr als die Hälfte der anwesenden Parlamentarier ihn sympathisch begrüßt. Man hört Zwischenrufe der Sozialisten und Kommu­nisten, jedoch ist nicht festzustellen, ob es sich hier­bei um eine Demonstration gegen Doumer handelt. Einige Minuten vor Beginn der Sitzung tritt Driand ein. Unbemerkt. Ihm wird keine Ova­tion dargebracht. Er nimmt auf der Regierungs­bank Platz, aus der auch Ministerpräsident Laval und Ackerbauminister Tardieu sitzen.

Pünktlich um 14 Uhr eröffnet Paul Doumer die Sitzung, indem er das Ein­berufungsdekret des Kongresses verliest. Als die Verlesung zu Ende ist, bittet der Kommunist Duc los um das Wort. Präsident Doumer nimmt darauf keine Rücksicht. In demselben Augenblick veranstalten die Kommunisten eine Demonstration, indem sie im Sprechchor rufenLes Sowjets, Les Sowjets, Les Sowjets". Hiergegen protestieren die Sozialisten, die hinter und vor ihnen sitzen. Jedoch lassen sich die Kom­munisten nicht abhalten. Der Präsident des Kon­gresses, Doumer, läßt inzwischen die Schrift­führer und Stimmzählcr auslosen. Er tut, als ob nichts geschehen fei, und so kann er in wenigen Minuten verkünden, daß die Abstimmung beim Buchstaben L. beginnt.

Keine Entscheidung im ersten Wahlgang.

Der erste Wahlgang beginnt. Außenminister Driand stimmte um 15.15 Uhr ab. Als er die Tribüne, auf der die Urne stand, betrat, brachten ihm die anwesenden Abgeordneten und Senatoren eine mehr als zwei Minuten dauernde eindrucksvolle Kundgebung dar. Seine Freunde schöpften des­halb Hoffnung und glaubten, daß es ihm gelingen werde, im ersten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen zu erlangen, während der Wahlhandlung demonstrierte die äußerste Linke gegen Kriegs­minister Maginot und Louis Marin, als diese abstimmten, und als painlöve feinen Stimm­zettel abgab, riefen die KommunistenMarokko! Marokko!"

Das definilioe Ergebnis des ersten Wahlganges wurde um 16.55 Uhr verkündet. Es erhielten: Se­natspräsident Doumer 442 Stimmen, Außen­minister Driand 401, Abg. hennessri 15, Abg. Lachin (Kommunist) 10, der Präsident der Re- publik Doumergue7, Abg. R i ck l i n 6, Senator L e b r u n 4, Abg. p a i n l e o e 2, Senator Steeg, Abg. Renaubel (Soz.) und Kriegsminister M a - g i n o t je eine Stimme. 3m ganzen haben 902 Se­natoren und Abgeordnete an der Abstimmung teil­genommen. Die absolute Mehrheit von 452 war also von keinem Kandidaten erreicht worden, so daß ein zweiter Wahlgang notwendig wurde.

Briand verzichtet.

Der Außenminister rieht für den zweiten Wahlgang seine Kandidatur zurück.

Außenminister Driand hat im zweiten Wahl­gang auf eine erneute Kandidatur verzichtet. 3n einer amtlichen Verlautbarung, die der Außen­minister zur Begründung feiner Haltung ausgegeben hat, heißt es:

(Eine große Anzahl von Mitgliedern der Nationalversammlung hat Briand gebeten, feine Kandidatur auchim zweiten Wahlgang aufrechtzuerhalten. Er hält jedoch eine derartige Haltung als mit seiner würde unver­einbar, denn, wenn selbst die Möglichkeit eines Erfolges gegeben wäre, würde er unter diesen Bedingungen nicht die moralische Autorität finden, die notwendig ist, um die hohen Funktionen des Präsidenten der Republik zu erfüllen." ,

Briand hat sich am zweiten wahlgang nicht mehr beteiligt, vorher hatte er Versailles verlassen, um in Begleitung seines Kabinetts­chefs nach dem Quai d'Orfey zurückzukehren. Als fein wagen den Schlvßhvf von verfäilles verließ, wurde er mit den Rufen begrüßt:Ls lebe Briand!". Briand hat vorher Senatspräfident Doumer aus­gesucht und ihm die Versicherung gegeben, daß das Ergebnis der Wahl keineswegs seine freundschaft­lichen Gefühle gegenüber Doumer irgendwie ändere.

Die neuen Kandidaten.

Marraud Kandidat der Linken.

In der Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgange haben die verschiedenen Gruppen ihre neue Haltung besttmmt. Die 65 Mitglieder der Linksrepublikaner (Gruppe Tardieu) haben beschlossen, für Doumer zu stimmen, ebenso, wie die radikale Linke. Die Radikalsozialistische Partei hat den Senator und ehemaligen Minister Pierre M a r r e u d zum Kandidaten aufgestellt. Der Abgeordnete Hennessy, der im ersten Wahl­gang mitkandidiert hat, hat in den Wandelgängen des Kongrehgebäudes folgende Erklärung an­schlagen lassen: Gemäß dem Beschluß der Senats- fraktton der Demokratischen Linken fordert Hen­nessy seine Freunde, die für ihn gestimmt haben, auf, ihre Stimmen im zweiten Wahl­gang dem Senatspräsidenten Dou­mer, der der eben genannten Fraktion angehört und im ersten Wahlgang die größte Stimmen- zahl erhalten hat, zu geben.

Der zweite Wahlgang.

Doumer zum Präsidenten der Republik gewählt.

Um 18.15 Uhr ist die Sitzung wieder aus­genommen worden. Der Kongreß wird jetzt nicht mehr vom Senatspräsidenten Doumer präsidiert, sondern vom Dizepräsidenten des Senats, Ra­dier. Der zweite Wahlgang findet unter all­gemeiner Still? statt. Die Beifallskundgebungen, die den ersten Wahlgang charakterisierten, haben vollständig aufgehört. In gut unterrichteten Krei­sen schätzt man die Aussichten Doumers für sehr viel stärker als im ersten Wahlgang und rechnet bestimmt mit seiner Wahl. Als das Er­

gebnis bekanntgegeben wird, hat Doumer 5 0 4 Stimmen erhalten, der Kandidat der Linken, Marraud, 334 Stimmen. Die Zahl der abgegebenen Sttmmen betrug 893.

Doumer verläßt Versailles.

Ein Bekenntnis zurFriedenspolitik".

Präsident Doumer hat in Begleitung von Ministerpräsident Laval Bersailles im Auto verlassen, um zunächst dem Präsi­denten der Republik Doumergue einen Besuch abzustatten. Bei der Abfahrt wurde er mit Hoch­rufen begrüßt. Aber ebenso stark waren die Ruse: ..Es lebe BriandI Es lebe der Friede!" Das Senatsgebäude wurde sofort nach Bekannt­werden der Nachricht, daß Doumer gewählt sei, wie an großen Festtagen zu Ehren seines Präsi­denten illuminiert. Nach seiner Wahl hat Präsi­dent Doumer dieGlückwünsche der Kabi­nettsmitglieder und zahlreicher Abgeord-

neter und Senatoren entgegengenommen. In einer Ansprache gab er seiner Genugtuung dar­über Ausdruck, daß die Wahl ruhig und würdig verlaufen sei. Er danke dem Parlament für die große ihm zuteil gewordene Ehre und glaube sein Interpret zu sein, wenn er erkläre, daß Frank­reich der Friedenspolitik treu zu bleiben gedenke, die es bisher befolgt habe und die vom Parlament stets gebilligt wurde. Er werde sich an seinen Vorgängern, namentlich an Präsident Doumergue, ein Beispiel neh­men und sich bemühen, außerhalb und über den Parteien stehend den von den Franzosen gewünschten inneren und äußeren Frieden auf­recht zu erhalten.

Der neue Präsident.

Doumer als politische Persönlichkeit.

Der Mann, der nun im Triumph im offenen Wagen hinter einer Schwadron Gardes R6pu- blicaines nach Paris zurückgeleitet wird, hat sich um diese Ehre schon vielfach bemüht,

zuerst, 1906, als er gegen Fallieres unterlag. Er hat sein 74. Lebensjahr vollenden müssen, bevor ihm dieser Erfolg vergönnt war. Ursprüng­lich Profestor und Tagesschriftsteller, vertrat Doumer seit 1888 als Abgeordneter das Aisne-Departement, . seit 1912 a ls Senator die Insel Korsika. Seine MinistertättgkeiS begann erst 1895/96 im Kabinett Bourgeois. Er wurde dann Generalgouverneur von Indo­china und hat noch wiederholt, so im Kabinett Briand 1921/22 und als Nachfolger Loucheurs 1925, das Finanzportefeuille verwaltet. Seit 14. Januar 1927 ist er Präsident des Senates, in dem er zu der großen radikalen Gruppe gehört, die dort nicht auf die Mitglieder der Radikalen Partei beschränkt ist. Doumer selbst kommt von weiter rechts her.

Das gut aussehende, im Habitus etwas an den Präsidenten Loubet erinnernde neue Staatsober­haupt Frankreichs ist eine Persönlichkeit vonRangunduntadeligemRuf. Schon die Tatsache, daß er nicht weniger als acht Kinder, fünf Söhne und drei Töchter hatte, machen ihn dem französischen Volke sympathisch. Außenpolitisch ist er wenig hervorgetteten, doch hat seine jahrelange TätiAeit als Senatspräsi­dent ihm Gelegenheit zu repräsentattvem Auf- tteten gegeben. Er ist kein Mann einer abge­stempelten Richtung; das ist es vielleicht gerade, was ihm wie den meisten seiner Amtsvorgänger die Mehrheit zugeführt hat. Er ist eine würdige und korrekte Persönlichkeit der Senatslinken, das heißt, national bis auf die Knochen. Innenpolitisch kann man von ihm bzw. seinem Einfluß eine Verständigung zwischen den Radikal­sozialisten und der heuttgen Mehrheit erwarten. Im französischen Volk genießt Doumer besonders deshalb große Achtung, weil er im Kriege vier Söhne verloren hat. Zwei seiner Söhne fielen im Luftkampf.

(Schadenfreude in Polen.

Warschau, 14. April. Die Wahl Doumers wird von der polnischen Presse mit einem Seufzer der Erleichterung und mit unterdrückter Scha­denfreude über die Niederlage B r i a n d s ausgenommen. Briand gilt hier als der Apostel der Verständigung mit Deutschland und als Schöpfer des Locarnoverttages, was absolut ungeeignet war, ihm in Polen viel Sym­pathie einzutragen. Man traute Driand nicht und ist nun zufrieden, daß ein Mann zum Präsidenten der französischen Republik gewählt wurde, der dem konservativen Lager nähersteht. Das Blatt der polnischen RegierungGazeta P o l s k a" betont besonders, daß Doumer zu jenen Franzosen gehört habe, die die Bedeutung des Bündnisses mit Polen für die Sicherheit Polens und den Frieden Europas immer richtig eingeschätzt hätten. DerKurjer Polski" nennt die gestrige Wahl von Dersailles e i n Referendum überdieDriand sche Po- I t t i t Die Wahl Doumers beweise, daß die Po­litik einer allzu raschen deutsch-französischen Ver­ständigung bankerott gemacht habe. Der rechtsstehendeKurjer Warszawski" gibt gleich­falls der Zufriedenheit darüber Ausdruck, daß Doumer, dieser würdige, vortteffliche Mann, ge­wählt wurde. Der Pariser Korrespondent des gleichen Dlattes Unterstreicht besonders, daß Dou­mer ein großer Freund Polens sei.

Die Berliner Presse über Briands Niederlage. Der!in, 14. Mai. (Täl.) Zum Ausgang der französischen Präsidentenwahlen nehmen eine Reihe Berliner Blätter ausführlich Stellung. Die »D A Z" schreibt. Herr Briand sei den wirklichen Machthabern Frankreichs gut genug gewesen, um mit seinen tönenden Fr edensreden den Zeitgewinn zu erzielen, währenddessen sie ihre Rüstungen und den Ausbau der französischen Hegemonie hätten vollenden können. Jetzt könne er gehen. E i n - deutigeAbsage an den Frieden, das sei die Parole, die Frankreich, genau einen Tag vor der Zusammenkunft in Genf, ausgegeben habe. DieDörsenzeitung" stellt fest, daß mit Doumer zwar ein betont national denkender Fran­zose. nicht aber einer jener Vertteter der franzö­sischen Rechten auf den Präsidentenstuhl gehoben worden sei, der sich alsDeutschensresser" «irren Namen gemacht hätte. Es dränge sich die Vermu­tung auf, als habe der französische Nationalkon­greß ein abgekartetes Spiel getrieben als sei die mit so viel Emphase propagierte Kandida­tur Briands nur ein außenpolitisches Manöver gewesen. DerBörsen - Courier" schreibt, das Ausland sehe jetzt das Mißtrauen der franzö­sischen Parlamentarier gegen die facettenreiche Person ihres, wie es habe scheinen wollen, unab­sehbaren Außemninisters. Sie seien für dieStaatS- kunst Briands, nicht für die Richtung Briand, noch weniger: für Driand. DieDeutsche Ta­geszeitung" sagt. Doumergue, der ausgespro­chene Kandidat der Linken, habe sein Septeimat mit einer Botschaft begonnen, die in brüsker Form Reparationen, Sicherheit und Kon­trolle verlangte und von deutschen Revanche- vorbereiturrgen gesprochen habe. Seine Laufbahn