Ausgabe 
15.4.1931
 
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Kreis Schotten.

§ Ulrichstein. 13. April. Dri der gestrigen Beigeordneten st ichwahl wurde Spar- kassenrechner Georg Meiski zum Beigeordneten unserer Stadt gewählt. Er erhielt 228 Stimmen, sein Gegenkandidat, Landwirt Wilh. Iohs. Fried­rich Stein, 122 Stimmen. 2lm Ostermontag wurden in unserer Kirche sechs Kinder konfir­miert. zwei Knaben und vier Mädchen. Seit 1808 werden in der hiesigen Pfarrei K o n f i r - mandenregistcr geführt, und in dieser gan­zen Zeit ist die Zahl der Konfirmanden niemals so klein gewesen, wie diesmal. 1835 waren es sieben Kinder. 1904 sowie 1907 waren es acht ünd 1930 immerhin neun Kinder. Der letzte Kon­firmandenjahrgang war also der klein st e seit weit über 100 Iah ren. Einzelne Dörfer unserer Gegend, wie z D Meiches, hatten diesmal gar keine Konfirmanden. Im Filialort Feld­krücken, wo die Konfirmation am Meißen Sonntag gefeiert wurde, betrug die Zahl der Kinder fünf, und zwar zwei Knaben und drei Mädchen, darunter eines aus dem Bachbarort Kölzenhain. Im Borjahr hatte Feldkrücken nur drei Konfirmanden.

± <5 e I (n r o b, 14. April. Am vergangenen Sonn­tag fand in unserer Pfarrei die Konfirmation statt. Es wurden 16 Kinder eingesegnet, und zwar zehn Knaben und sechs Mädchen: davon waren fünf Knaben und ein Mädchen aus Altenhain.

preuhen.

Kreis Wetzlar.

* Wetzlar. 14. April. Der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Wetzlar, die Kreisbauernschaft und die Lokal- abteilung Wetzlar hielten eine gemein­same Versammlung im Schühengarten ab. in der der Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt für gärungs'ose Früchteverwertung in Obererlenbach, Obstbaulehrer Baumann, einen Vortrag über die Süßmostbereitung unter besonderer Berücksichtigung der Obstzucht im Kreise Wetzlar hielt. Im ersten Teile seines Vortrages wies der Redner auf die Werte der Obstsäfte für die Er­nährung hin. im zweiten Teile gab er einen Ueberblick über die Technik der Haltbarmachung der Obstsäfte. Der Vortragende brachte aus der Fülle seiner Erfahrungen eine Reihe praktischer Vorschläge. Die Zuhörer folgten den Ausfüh­rungen mit großer Aufmerksamkeit. In einer Aussprache wurde u. a. auch der Vorschlag laut, im Sommer eine Besichtigungsfahrt nach Ober­erlenbach zu unternehmen.

Oer Marburger Etat für 1931.

][ Marburg. 14. April. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde der E t a t für das Iahr 19 31 eingebracht, der in Einnahme und Ausgabe mit 4190 000 Mark abschließt (1930: 4 253 OCO ML, voraus i <t ichcr Abschluß: 4 202 473 Mark). Oberbürgermeister Müller führte in seiner Etatsrede il a. aus. daß man trotz aller Einsparungen mit einem Einnahmeausfall von 150 000 Mark rechnen müsse, die durch Erhöhung der Bürgersteuer um 100 Prozent und Erhöhung der Tarife für Gas, Wasser und Elektrizität zu decken seien. Im neuen Etat sind folgende Steuer­sätze vorgesehen: Landessatz der Bürgersteuer und 100 Prozent Zuschlag, 400 Prozent der staatlichen Steurr vom Grundvermögen, 400Pro­zent des Stiuergrunddetrages von 5500 Mark der Gewerbesteuer, 480 Prozent des Steuergrundbe­trages von 2500 Mark der Gewerbesteuer nach dem Ertrag als Zweigstellensteuer, 1100 Prozent des Steuergrundbetrages von 7100 Mark der Ge- 'Werbesteuer nach dem Eewerbekapilal, 1300 Pro­zent des Stmrergrundbetrages nach dem Ge- t werbekapital als Ztveigstellcnsteuer. Weitere y Steuereinnahmen bilden die Ueberweifungen aus * der Gebäudeentschuldungssteuee sowie die Anteile an der Reichseintonrmen- und Körperschaftssteuer.

In der Aussprache wandten sich mehrere Stadt-

Kreuzweg der Liebe.

Vornan von Paul Grabein

Urheberrechtsschutz: Romandienst ,Digo", Berlin W 30

25 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Hände zu ihr hingestreckt, stand er dicht vor ihr, die sich bei seinen Schlußworten auch hastig erhoben hatte. In erregtem Atmen hob sich Ursulas Brust. Was beschwor er nicht alles wie­der herauf an altem Herzeleid! Aber gleich­wohl er hatte recht: Er hatte seine Schuld gesühnt, soweit ein Mensch sühnen kann er hatte ein Recht auf ihre Verzeihung. Und sie reichte ihm die Hand hin, die Augen mit trauvi- gern Ernst auf ihn richtend.

Ich vergebe Ihnen ich habe Ihnen schon lange nicht mehr gegrollt. Die Jahre haben mich einsehen gelehrt, daß es ja nicht Ihr Wille war, der alles so kommen ließ. Sie folgten dem Zwang Ihrer Ratur so gut wie wir andern wie Fred und ich. 3a, ich trage nicht minder schwere Schuld. Die Wahrheit erfordert, daß ich es Ihnen bekenne, rückhaltlos wie Sie selber, in dieser Stunde. Verzeihen Sie nun auch mir ich bitte Sie darum."

In tiefer Erschütterung preßte Wigand ihre Rechte einige Augenblicke wortlos. Dann sprach er leise, den Blick tief in den ihren senkend:

Es könnte anders aussehen heute, wenn wir dieses gegenseitige Verstehen früher geübt hätten."

Mit einer ruhigen, aber bestimmten Bewegung entzog ihm Ursula die Hand.

Was hilft es, sich das jetzt zu sagen? Was geschehen ist, ist nicht mehr zu ändern."

Wigand richtete sich auf und griff nach seinem Hut.Rachdem Sie mir meinen letzten Wunsch erfüllt haben, erlauben Sie mir nun noch, Ihnen Lebewohl zu sagen."

Wann reisen Sie?" Roch einmal reichte sie ihm die Hand.

Voraussichtlich schon in den nächsten Tagen." So wünsche ich Ihnen aufrichtig Glück im fernen Lande. Möchten Sie in der Fremde das alles finden, was Ihnen die Heimat leider ver­sagt hat."

Eine aus dem Herzen kommende Wärme lag letzt m ihrer Stimme, und ihn traf ein BNck, der noch mehr sagte als ihre Worte ein ergveifen- Zusammendrängen all ihrer Empfindungen in diesem Moment des Abschieds. Ihm war, als klänge ihm plötzlich eine unendlich traurige Melodie im Ohr, die er einst von ihr gehört hatte: Wenn sich zwei Herzen scheiden, die sich deremst geliebt!"

Er wollte ihre Rechte an seine Lippen führen: aber seine Hand, die ihre Finger umschlossen hielt,

verordnete gegen jede weitere Erhö­hung der Bürger st euer und bet Ta­rife, da die Steuerzahler einfach am Ende ihrer Kraft angelangt seien. Aus sittlichen Gründen sei es unmöglich, neue Steuern und Abgaben zu beschlichen, von deren Untragbarleit man über­zeugt wäre. Von sozialistischer Seite wurde das Gespenst des Staatskommissars in Erwä­gung gezogen.

Oer neue Frankfurter Stadtbaurat.

WSN. Frankfurt a. M.. 14. April. In nicht­öffentlicher Sitzung wählte die Franlfurter Stadt­verordnetenversammlung heute an Stelle des nach Rußland als Städteerdauer berufenen Stadtrats May einen neuen besoldeten Magistratsdezernenten für Hoch- und Tiefbauangelegenheiten. Die einstim­mige Wahl fiel gemäß dem Vorschlag des Wahl­ausschusses auf Oberregierungs- und Baurat Dr. Niemeyer (Essen). Die Kommunisten hatten vor­her den Saal verlassen, nachdem ihr Antrag, in öffentlicher Sitzung zu verhandeln, abgelehnt wor­den war.

Starkenburg.

WSN. T r e b u r, 14. April. In einem Garten der Hollergasse wurde ein etwa4000Jahre altes Steinbeil gefunden, das eine selten sckäne Bearbeitung zeigt. Das Beil ist durchbohrt, seine Rückseite bildet einen Hammer. Der Fund wurde der hiesigen Schule überlassen.

Große Strafkammer Gießen

* Gießen, 14. April. Im Oktober wurde bei einem Metzgermeister auf dem Lande eingebrochen und Geld, Wurst, Zigaretten u. a. gestohlen. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf einen Arbeiter, der schon einmal bei dem Bestohlenen eingcbrochen war. Trotz seines Leugnens hatte ihn das S^öf» fengericht zu zwei Iahten Zuchthaus ver­urteilt. Seine Fingerabdrücke waren auf einer erbrochenen Kassette sestgestellt worden: außerdem hatte ihn wenige Tage vor der Tat eine Zeugin gesehen. Die Strafkammer bestäiigte das Urteil: auch sie hielt seine Angabe, er sei zur Tatzeit in Koblenz gewesen, für widerlegt.

In der FrankfurterLaterne" war ein Artikel Hessische Iustizkrise" erschienen, der schwere Be­leidigungen eines hessischen Amtsgerichtsrats ent­hielt. Der verantwortliche Redakteur war zu 150 Mark Geldstrafe, der.Verfasser (ein erheblich vorbestrafter, ehemalige Rechtsberater von aus­wärts) zu drei Monaten Gefängnis wegen Be­leidigung verurteilt worden. Das Urteil ist hin­sichtlich des Redakteurs rechtskräftig. Der Ver­fasser des fraglichen Artikels hatte Berufung eingelegt und lehnte in der heutigen Verhandlung alle hessischen Richter als befangen ab. Das Verfahren muhte aus­gesetzt werden, damit das Reichsgericht über die Ablehnung entscheidet.

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Oer erste Geschwader-Segelflug.

Drei Segelflugzeuge der Akademischen Flieger- gruppe Darmstadt mit den Piloten Fuchs, Starck und Groenhoff starteten am Montagnachmittag hintereinander, ließen sich auf 800 Meter Höhe schleppen und flogen dann in Richtung Bergstraße davon. Um 3 Uhr übersloaen d'.e drei Segelflug­zeuge Heidelberg. Die beiden Flugzeuge Darm­stadt und Starkenburg landeten um 4 Uhr bei Sennfeld, während das dritte Segelflugzeug mit Groerchoff weiterflog und in der Rähr von Bühl am Schwarzwald glatt landete. Mit diesem 140 Kilometer langen Segelslug hat Groenhoff den bisher noch von Rehring gehaltenen Strecken­rekord um etwa 70 Kilometer überboten.

10 000 Km-Fahrt des A v. O. gesichert.

Die für die größte Tourenfahrt, die 10 000- Kilometer-Fahrt des A ID. a's Mindestz-Hl für die Durchführung vorgesehene Deteiligungsziffer ist bereits weit überschritten, die Veranstaltung somit gesichert. Durch Aendrrung in der Linien­führung ist die Gcsamtstrecke auf 10255 Kilometer ausgedehnt worden.

OSB. Waldlaufmeisterschasten.

Die Waldlaufmeisterschaften der DSD.-Ver­bände nahmen auf dem Sonntagsprogramm der Lcichtahletik den breitesten Raum ein. In Berlin holte sich Kohn (Teutonia) in der ausgezeichneten Zeit von 32:40,8 erneut den Titel und in Mün­chen kam, wie bereits berichtet, der deutsche Meister Halber l zum Erfolg. Einen harten Kampf gab es in Merfeburg bei der Meisterschaft von Mitteldeutschland, die sich der Leipziger Bräu­tigam in 32:58,2 sicherte. Die westdeutsche Meisterschaft in Düsseldorf, ebenfalls über 10 Kilometer, war nur schwach beseht. K i l p (Düssel­dorf) siegte in 34:16,5 überlegen. Im Gegensatz zu den übrigen Titelkämpfen führte die Strecke in Waldenburg um die Meisterschaft von Südost- deutschland nur über 7,5 Kilometer. Der Ver­teidiger Schneider (Hirschberg) mußte eine überrafchendr Riederlage einstecken und sich hinter dem Breslauer Iohn (24:27,2 Minuten) mit

dem vierten Platz begnügen. Im Lauf der Frauen über 2 Kilometer wurde kurz vor dem Ziel die Olympiasiegerin Frau Radke von Frl. Möll­mann (Glogau) überspurtet und in 7:43,1 knapp geschlagen. Die Meisterschaft von Hamburg über 8 Kilometer sah den bekannten Dreckmann in 27:45,5 überlegen in Front.

Westdeutsche Endspiele am 19. April.

In der westdeutschen Runde der Meister finden am Sonntag zwei Spiele statt: Fortuna Düssel­dorf gegen VfB. Bielefeld in Bochum und 2lle- mannia Aachen gegen Meidericher SV. in Aachen. In derRunde der Zweiten" spielen: Schwarzweih Barmen und Rheydter Spielverein in Reuß.

Pferderennen in Frankfurt a. M.

Am Sonntag ero'fnet der Rennklub Frankfurt die neue Saison. Die ausgeschriebenen Rennen haben guten Anklang gefunden. Beim zweiten Rennungsschluh waren noch je 100 Pferde für den Renntag im Wettbewerb, der jeweils drei Flach- und drei Hindernis-Rennen vor sieht. Der Durchschnitt überir ft andere deutsche Rennplätze erheblich. Interessanter Sport steht schon am Ctö,fnungs°Sonntag in Aussicht. Die zur Zeil 50 Pferde ümfasiende Riederräder Zentrale wird einen besonders großen Ansturm Berliner Pferde abzuwehren haben. So haben die Ställe Halma, v. Opel, O. v. Mihlaff, Frhr. v. Sternfeld usw. zahlreiche Rennungen abgegeben. Aus dem Rheinland werden sich ebenfalls eine Reihe von Trainern einfinden. * So Sy Hoffmann, O. Leh­mann, M. Bauer, E. Schütz usw. Don der Pfalz kommt Trainer Wcrtmann mit einem star­ken Lot, dazu natürlich die Münchener Ställe von Paul Seiffert, A. Machan, A. Keim, W. Baloun u. a. Interessante Erscheinungen sind mehrere ungarische P erde, die sich in Schweizer Besitz befinden und in Westdeutschland bereits mehr ach glänzende Stege erkämpft haben. Die wicht gsten Rennen des ersten Tages sind auf der Flachen der Preis von Mariahall und über Sprünge das altbe'annte Rodenstein-Iagdrennen über die schwere 3500-Meter-Bahn.

Taris schwimmt 100-Meter-Kraul in 59,8 Sekunden.

Frankreichs Meisterschwimmer Ieaa Taris setzte seinen bisherigen Rekordleistungen die Krone auf. Bei einem Trainingsschwimmen am Freitagabend in Paris legte er die 100-Meter-Kraulstreck in der neuen französischen Bestzeit von 59,8 Se­kunden zurück und ist nach dem jetzigen Berufs­sportler Arne Borg (Schweden) und Darany (Un­gern) der dritte Europäer, der im Kraulschwim­men 100 Meter unter einer Minute bewältigte.

Schwimmländerkampf Deutschland England.

Für den vielumstrittenen Schwimmländerkampf DeutschlandEngland sind nunmehr endgültig die Austragungsorte festgelegt. Der Kampf wird am 18. Iuli in Harburg und am 19. Iuli im Rahmen der Ostseewoche in Lübeck ausgetragen. An jedem Tage kommen eine 4x200-Kraulstaffel und ein Wasserballspiel zur Durchführung.

Fußba lklub 1926 Großen-Buseck.

FC. Sroßen-Dnseck Spv. Geilshausen 8.2.

Das Freundschaftsspiel gegen den Spv. Geils- haufen wurde von der LigamannfchaU des FC. Großen-Buseck sicher gewonnen. Das Spiel wurde sehr hart durchgeführt. der Schiedsrichter Rabe, Gießen, hielt es jedoch in erträglichen Grenzen. Zuerst ging Ce lshaufen überraschend in Führung, der Ausgleich fiel jedoch bald und zur Halbzeit stand das Spiel 4:2 für Großen-Buseck. Auch die zweite Spielhälfte stand im Zeichen der Sieger und mit 8:2 Toren mußte sich der weniger routi­nierte Gegner geschlagen bekennen.

$.(£.Teutonia" Watzenborn-Steinberg.

WahcnbotN'Sleinberg I Leihgestern I 2:1 (2:1).

Mit Spannung erwartete man das große Tref­fen auf dem neuen Sportplatz in Watzenborn - Sleinberg bei der neuen Mühle. Zu diesem Spiel hatten sich etwa 1000 Zuschauer eingefunden. Es entwickelte sich gleich zu Anfang auf beiden Seilen ein lebhaftes S.üel. Dem großen Eifer und wuchtigen Spiel bet Gäste setzte bet Platz- befitzer schönes flaches Zuspiel unb Schuß- freudigkeit entgegen. Schon nach wenigen Mi­nuten konn'e S.einberg durch eine schöne Leistung des Mittelstürmers in Führung gehen. Ein grober Fehler bet Platzmannschaft brachte sofort den Ausgleich. In der 13. Minute verwandelte der Linksaußen eine schöne Verlage zum Sieges- trefser. Die zweite Hälfte zeigte beiderseits schöne Leistungen, doch scheiterten alle Ausgleichs­bemühungen dcr Gäste an dem standhaften Schlußlr'o der Plah'efitzer. Schiri Philipp, Großen-Buseck, war dem Spiele stets gewachsen.

Handball im Gau Hessen (O.T.)

TV. Allendorf (Lahn) I TV. Großen-Linden I 0:7 (0:3).

Allendorf trat zu dem Spiel mit Ersatz an und kam nie richtig in Schwung. Außerdem wurde der Tormann nach kurzer Spieldauer ver­letzt. Das Spiel an sich litt außerordentlich dar­unter, daß beide Mannscha'ten sehr hart spielten, teilweise würbe sogar die Grenze des Erlaubten überschritten. Den Zweck als Werbespiel hat das Spiel nicht erfüllt. *

Großen-Buseck l Polizei Duhbechl 5:9 (3:3).

Am Sonntag weilten die Polizisten von Butz­bach beim hiesigen Turnverein zu einem Gesell­schaftsspiel, das seinem Verlauf nach zu einem Werbespiel tour':e. Beide Manaschallen lieferten sich einen harten aber jederzeit fairen Karnpf. Während die erste Halbzeit ziemlich ausgegliche­nen Verlauf nahm, die Busecker hatten lediglich ein leichtes Plus im Feldspiel, ertoliefen sich die Butzbacher in der zweiten Spielhälfte als die Besseren und der Busecker Tormann muhte, durch die Sonne geblendet, einige Bälle passieren lassen, die er sonst vielleicht gehalten hätte.

begann trotz aller Selbstbeherrschung zu zittern. Da drückte sie abwehrend seine Hand nieder ein Zeichen, daß sie den Kuß nicht wünschte. Wieder gefaßt, richtete sich Wigand auf, sein Blick war ruhig.

Ich danke Ihnen für die Wünsche. Ich hoffe zuversichtlich, daß Ihnen selbst das Leben in Zukunft sich freundlich zeigen möge, und so leben Sie wohl!"

Eine Verneigung, und schnell schritt Wigand zum Ausgang, Unbeweglich schaute Ursula dem Abgewanoten nach. Ieht hatte er die Türklinke gefaßt. Schien es ihr nur fo, ober zauderte seine Hand wirtlich wie in letztem Hoffen noch auf ein Wort von ihr? Aber das Wort kam nicht, und im nächsten Augenblick hatte sich die Tür hinter ihm geschlossen.

Ein dump,es Angstgefühl stieg heiß in Ursula auf. Das also war ihr Abschied gewesen für immer! Ihr war, als sollte sie ihm nachrufen, daß er noch einmal umkehre, aber der Ruf blieb ihr im Halse stecken. Schwach hörte sie bann draußen die Entreetür sich schließen: Run war er wirklich fort. Mit einem tiefen Seufzer wandte sie sich ab. Was hätte es auch genützt, wenn sie ihn zurückgerufen hätte? Was hätte sie ihm sagen sollen? Sie hatten ja einander nichts mehr zu sagen. Rein, es war schon besser so gewesen!

Aber dennoch ging sie zum Erker und blickte durch das Fenster hinab zur Straße ihm nach. Wie einst als Braut, schoß es ihr durch den Kopf. Und doch wie anders!

Schnell entschwand seine Gestalt drunten ihren Blicken: aber sie blieb noch lange stehen, in trauriges Sinnen verloren. Das war nun das Ende!

19. Kapitel.

Olein, dieses Zusammentreffen! Begegne ich da eoen unter auf der Straße einem Herrn ich denke, ich traue meinen Augen nicht! Wigand! Und richtig, er ist's, begrüßt mich unb sagt mit bann auch, daß er von uns kommt, bir eben Lebewohl gesagt hat, um nach Kabul zu gehen was sagst du bloß zu dem allen?"

Ganz au'gcregt trat Tante Marie in den Salon, wo Ursula noch immer im Erker stand. Run zuckte diese mit ernster Miene die Schultern. Was soll man dazu sagen?"

Ola, weißt bu?r Ganz entrüstet stemmte die lebhafte, alte Dame die Hände in die Hüften unb blickte mißbilligend die Richte an:Rach A ghani- stan will er er hat es bir doch gesagt?"

Ratürlich, ja! Aber mein Gott, das ist doch heutzutage nichts gar so Seltenes mehr!" Ursula bemühte sich, ihrer eigenen Ueberzeugung zu­wider, die Sache als selbstverständlich und be­deutungslos zu nehmen.

So, wo die Aufrührer dort alles auf den Kopf stellen, fengen und morden? Liest du denn keine Zeitungen?"

Gewiß, Tante, das weiß ich so gut wie du", beharrte Ursula hartnäckig.Aber trotzdem ich finde es von Wigand trotzdem begreiflich, daß er hingeht."

Das ist freilich etwas anderes!" Verletzt schwieg Tante Marie unb benutzte biefe Pause, um inzwischen abzulegen. Aber die große Be- gebenheit, die sie so ganz beschäftigte, trieb ihr doch bald wieder die Worte auf die Lippen.

Aber, daß er hierher kommt zu dir! Denn natürlich hat fein Besuch doch dir gegolten hat dich denn das gar nicht ein bißchen ver­wundert?"

Gespannt sah die alte Dame ihre Richte an. Ursula, die sich inzwischen auf den Sessel vor den Flügel gesetzt hatte unb in ihren Roten blätterte, sah zu ihr herüber. *

Du kannst es ruhig wisien, was er hier ge­wollt hat, Tante: meine Verzeihung! Und ich habe sie ihm gegeben wir haben uns beide ver­ziehen, was to.r damals aneinander gefehlt haben."

Mit ernstem Gesicht beugte sie sich wieder über ihre Roten.

Tante Marie schwieg. Das war allerdings eine annehmbare Erklärung, aber sie befriedigte sie doch nicht ganz. Sie hatte ein Gefühl, daß da doch noch etwas anderes hinter Wigands Be­such stecken müsse, daß bei ihm ein still-geheimes Sojen mitgewirkt haben müsse, das nun frei­lich ein Blick aui Ursulas entschlossenes Gesicht bestätigte es nur allzu deutlich gegenstandslos geworden w r. Schon sein Anblick drunten aus der Straße, die tier ernste, hoffnungslose Miene, mit der er gedankenverloren fast an ihr vorüber- gelaufen wäre, hatte ihr dies Empfinden wach­gerufen.

Tante Marie war ernsthaft böse auf die Richte. Sie kannte ja zur Genüge deren überspannte Ideen. Rach Fred Drencks Tode, als sie aus der Schweiz zurückgekehrt war unb wieder im Hause ihres Vaters die erste Zuflucht gesucht hatte, war gleich wieder der alte Gedanke aufgetaucht, Dia­konisse zu werden, ihr Leben fortan andern zu widmen. Rur die Rücksicht auf den alten Major, der für seinen Lebensabend ihre Pflege selber brauchte, hatte sie bewogen, vorläufig davon Abstand zu nehmen. Aber sie hatte, um die Zeit nicht ungenützt für ihre späteren Pläne ver­streichen lasien, In einem Kranlenhause als Lehr- schwester eine regelrechte Ausbildung in der Krankenpflege erhalten. Wenn sie dünn später einmal keine andere Pflicht mehr binden sollte, so würde ihrem Eintritt in ein Diakonissenhaus nichts im Wege stehen.

Und diese Zeit war nun nahe herangerückt. Ursulas Vater war gestorben, unb sie wollte nur noch das Trauerjahr abwarten, bann war sie entschlossen, ihren lang gehegten Plan auszu- führen. Alles Abreden der Tante hatte nic^t

vermocht, sie von dieser Idee abzubringen, und so hatte denn Tante Marie sich schon an den Gedanken gewöhnt, sie in der Klostertracht der Diakonisse zu sehen, für immer vorn Leben ge­schieden. Denn für Tante Maries Empfinden war das Dasein einer barmherzigen Schwester nichts anderes als ein trübseliges Olonnenbafein. Das mochte ganz gut fein für arme, schwache Raturen. die sich sonst nicht mehr in der Welt zurecht zu finden wußten, aber doch nicht für eine im Grunde lebensfrohe Ratur wie Ursula, die nur durch ein trauriges Schicksal niedergedrückt war. Die sollte sich endlich wieder des Lebens erfreuen, das sich nun von neuem hoffnungsvoll vor ihr auftat.

Mein Gott, mit ihren 23 Iahren! Da vergaß man doch noch einmal alles, da konnte man doch noch ein volles Glück sich gewinnen! Freilich, die Tante ahnte nicht den letzten Grund, der Ursula zu ihrem Vorhaben trieb, das stille Ge­lübde, das sie an Freds Totenbett sich selbst abgelegt hatte.

Auch jetzt mußte sich die alte Dame wieder sagen, daß jeder Versuch, Ursula umzustimmen, vergeblich fein würde, wie sie diese so ernst und fest entschlossen vor sich sitzen sah. Schade! Ein Seu'zer entfuhr Tante Marie. Es tat ihr auf­richtig leid um die Ursel und auch um Wigand. Wirklich, er hatte ihr sehr gut gefallen, wie sie ihn vorhin da gefunden hatte bei dem Wieder­sehen sie war wohl eine gute Viertelstunde lang mit ihm auf der Straße gegangen viel besser als damals als Bräutigam. Die leiden­schaftliche Schärfe seines Wesens hatte sich offen­bar ganz verloren, es war eine so schöne Ruhe über ihn geiommen, ein mildes unb abgeklärtes Verstehen. Das wäre jetzt gerade ein Mann für die Ursel gewesen, wie sie keinen besseren hätte finden können! Und nun sollte der Aermste hin­aus ins tiefste Asien, wo ihn halbwildes Ge­sindel vielleicht massakrierte, während hier alles so schön sein könnte, wenn die Ursel nicht so hals­starrig und unvernünftig wäre! Wigand hatte der Tante vockhin ja auf ihr teilnahmsvolles Fragen hin alles erzählt: wie er sein Glück in der Heimat noch einmal versucht habe, aber ver­geblich, unb nun notgedrungen zu dem ver­zweifelten Plan gekommen sei, hinauszugehen. Also bloß um des elenden Geldes willen, das ihm zur Gründung einer befriedigenden Existenz fehlte, wollte er sein Leben da drunten in die Schanze schlagen! Wahrhaftig, wenn sie es nur gehabt hätte, sie hätte ihm von Herzen gern die nötigen Mittel vorgestreckt! Aber wenn auch, er wäre natürlich zu stolz gewesen, solche Hilfe anzu­nehmen. Wenn man ihm doch heimlich noch irgendwie helfen könnte in letzter Stunde noch, damit er den verzweifelten Entschluß nicht auszuführen brauchte! Aber wie?

(Fortsetzung folgt)