Ausgabe 
14.10.1931
 
Einzelbild herunterladen

bereiten Parteien zusammenfindet. Ich würde bereit sein, in einer solchen Regierung den kleinsten und niedrigsten Posten anzu­nehmen. Leider Gottes ist die Bildung einer solchen Regierung in Deutschland ausge­schlossen. In der schicksalsschwersten Zeit unseres Volkes sind unsere Parteien nicht zur Zusammenarbeit bereit, sondern sie richten lieber Jronten gegeneinander auf, statt sich zusammenzufinden in der simplen und einfachen Pflichterfüllung für das ganze Deutschland. Darum habe ich mich entschlossen, eine Regierung zu bilden, die noch unabhängiger von Parteien und Fraktionen ist als die vorige.

Dem Volke wird in dieser Zeit nicht gedient durch die Formen des politischen Kampfes, die sich auf der Harzburger Tagung gezeigt haben und die auch nicht die Chancen des Erfolges einer kommenden Rechtsregierung sichern können. Wenn man in Panikstimmung macht über die Lage der deutschen Reichsbank, dann zerstört man auch die Grundlagen einer kommenden Re­gierung. (Beifall.) Ich weise Ausdrücke zurück, die den Glauben des deutschen Volkes an seine Währung erschüttern können. (Beifall.) ^ie Deutsche Reichsbank hat nichts zu verheimlichen. Für eine deutsche Reichsregierung wäre es ver­lockend, den Forderungen von rechts zu folgen, wenn sie populärbleiben will. Eine Reichs­regierung, die ejwa, die Mark an die Entwick­lung des englischen Pfundes anlehnt, hätte Rot­verordnungen nicht nötig. Ich habe bei der Llebernahme des Reichskanzleramts zu einem Wirtschaftssachverständigen gesagt: Ich weih, dah die Aufgabe, die ich jetzt übernehme, zu 90 Prozent verloren ist!

Es ist eine Kreditinflation aus dem Auslände eingetreten, die den gesunden Menschenverstand vernebelt und einen Schleier über alle Dinge gebreitet hat. (Zurufe des deutschnationalen Abg. Dr. Quaatz.) Wenn Sie. Herr Quaah, mir 1927 mehr geholfen hätten, wären die Ueberslie- genheilen der Vesoldungsordnung damals nicht gekommen. (Widerspruch des Abg. Dr. Quaatz.) Die Fehler der öffentlichen Hand liehen sich aber leichter reparieren als die in der Privatwirlschaft begangenen. Darum will die Reichsregierung mit den in der Rotverord­nung zugelassenen Mahnahmen dafür sorgen, dah wieder gesunde Prinzipien in der Privatwirtschaft einziehen, die auch in manchen grohen Gesellschaften verlassen worden sind. Erscheinungen, wie wir sie bei Favag und Rordwolle erlebt haben, dürfen nicht wiederkehren. (Beifall.) Durch die zu diesem Zweck getroffenen Mahnahmen der Reichsregierung über die Bankenkontrolle und gewisse Eingriffe in die Kartell- Wirtschaft hat sich die Regierung Angriffe aus bestimmten Wirlschaftskreisen zugezogcn. Ich bin aber der Meinung, dah es gerade im Interesse der Privatwirtschaft liegt, wenn nicht durch solche Uebelstände im Volke der Eindruck entsteht, dah die Privat­wirtschaft überhaupt nicht länger ausrechterholten werden kann.

Wenn von den einzelnen Organen der Rechten der Regierung sogar die Schuld an der Danken- krise zugeschoben wird, so möchte ich darauf ant­worten: Seien Sie vorsichtig, sonst könnte ich viel­leicht von dieser Tribüne aus sehr deutlich werden. Wenn die Rechte gegen die Rotverord­nungen Sturm läuft, so wäre cs mir sehr inter­essant, wie die Rationalsozialisten eine Ablehnung der Bestimmungen über die Banken- kontrollc oder über die Kürzung der großen Pen­sionen ablehnen wollen. Andererseits muh ich zur Ehre der deutschen Banken erklären, dah man nicht ihre Organisation oder ihre Wirtschaft für die Bankenkrise verantwortlich machen kann. Wenn ein allgemeiner Run auf die Danken einseht, so ist dem auch das gesundeste Institut nicht ge­wachsen.

Rotwendig ist zur Wiedergesundung unserer Wirtschaft eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den Unternehmern und den Arbeitnehmern. Ls ist notwendig und nützlich, wenn beide Teile ihr Programm dazu vorlegen. Es ist freilich nicht geschickt, wenn die Wirtschaft mit ihrem Plan ein Programm verbindet, das in dieser Form der Veröffentlichung geeignet ist, die gesamte Arbeitnehmerschaft in einer Einheitsfront gegen dieses Programm zusammenzuschliehen. Es geht nicht so, dah man nur und ausschliehlich die Gesundung von Immer weiteren Lohnsenkungen erwartet.

Heute ist es so, dah meine Aufgabe n i ch t m e h r zu 90 Prozent verloren ist, sondern dah das Verhältnis des Glücks oder Unglücks schon 50 au 50 geworden ist. Die Einfuhr auslän­discher Agrarprodukte ist gegen früher Banz wesentlich zurückgegangen. Die

l r b e i t s l o s i g k e i t ist in den letzten kritischen Monaten nicht so gestiegen, wie wir es früher befürchtet hatten. Der Weg ist frei und auch der kommende Winter kann unter allen Um­standen überstanden werden. Unsere Wirt­schaft ist in ihrem Produktionsapparat gesund. Rahrungsmittel haben wir genügend. r die öffentlichen Finanzen ist Vorsorge getroffen, und cs mühte merkwürdig zugehen, wenn das deutsche Volk nicht den Lebenswillen und politischen In­stinkt hätte, um auch über diesen Winter hinweg- zukomrnen. Wir sind entschlossen, die Dinge b i s au dem Augenblick sortzutragen, wo durch eine internationale Zusammenarbeit das kommt, was kommen muh, wenn nicht die ganze Welt versinken will. Durch Kritik, Angriffe und Verleumdungen lasse ich mich nicht verwirren. Ich stehe vor Ihnen, und ich habe Ihnen mein Programm gesagt. Sie, die Parteien, tragen nun die Verantwortung für das, was kommen wird.

Oie Wirtschastöpartei will mit Brüning und Hugenberg verhandeln.

Berlin, 13. Oft. (TU.) Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei wird nicht nur mit dem Reichskanzler, sondern auch mit dem Führer der Deutschnation alcn Volks- Partei Verhandlungen führen. Es wird versichert, dah die Haltung der Fraktion zur Regierung Brü­ning noch in keiner Weise se st gelegt sei, aus jeden Fall werde aber bei den entscheidenden Abstimmungen die Fraktion geschlossen aus- treten.

Das Mffchastsprogramm soll in Fluß kommen.

Berufung eines WirtschastsbeiratS, in dem Reichspräsident von Hindenburg persönlich den Vorsitz übernehmen will.

Berlin. 13. Off. (WTV.) Der Herr Reichs­präsident hat unter dem 13. Oktober d. I. fol­gen ben Brief an den Reichskanzler gerichtet:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler?

Die Wirtschaftskrise, die sich in der ganzen Welt fortschreitend verschärft, weist der Reichsregierung die schwere Aufgabe zu, ein wirtschaftlich wirksames und sozial gerechtes Wirt­schaftsprogramm aufzustellen und durchzu- führcn. In tatkräftiger Fortführung bereits getroffe­ner Mahnahmen müssen grundlegende Ent­schlüsse gefaht werden, um die Arbeits­losigkeit zu mindern, die Produk- tionskosten zu verringern und die Lebenshaltungskost en herabzusehen. Ls erscheint mir geboten, zur abschliehenden Begut­achtung dieser für unser Volk lebenswichtigen Fra­gen einen kleinen kreis führender Sachverständiger aus den verschiedenen Zweigen des wirtschaftlichen Lebens, auch Vertreter der Arbeitnehmer, als wirffchaftsbeirat der Reichsregierung einzusehen, der mit ihr zusammen das gesamte Gebiet der wirtschasts- und sozialpolitischen Probleme berät, mit dem Ziel, zu einheitlichen Vorschlägen zu gelangen. Ich hoffe und vertraue, dah in einer engen Zu­sammenarbeit zwischen der Reichsregierung und diesem wirffchaftsbeirat Wege gefunden werden, die das deutsche Volk in einmütigem Zusammenstehen und Zusammenwirken aus der schweren wirtschafls- krisis heraussühren werden. Ich bin bereit, in den gemeinsamen Sitzungen der Reichsregierung und der wirfschaftsverlreter persönlich den Vorsitz zu übernehmen, soweit allgemeine grundlegende Fragen zur Lrörlerung stehen.

Ihren baldigen Vorschlägen für die Zusam­mensetzung dieses wirlschaftsbeirats, den ich a l s -

Berlin, 13. Okt. (ERB.) Die unmittelbar nach Schluß der Rede des Reichskanzlers vertagte Sitzung des Reichstags ließ das parlamentarische Leben und Treiben im Wallothause erst allmählich zur Ruhe kommen. In den Wandelgängen verweilten Abge­ordnete und Pressevertreter noch längere Zeit in angeregten Unterhaltungen, aus denen hervorging, daß die Rede des Reichskanzlers einen außer­ordentlich tiefen Eindruck hervorgerufen hatte. Selbst bei Abgeordneten der Parteien, die in der letzten Zeit in ihrer Einstellung zur Reichsregie­rung eine auffallende Zurückhaltung zutage treten ließen, hatten die Ausführungen des Reichs­kanzlers eine sympathische Aufnahme ge­funden, die auf die unmittelbare Wirkung der Rede des Kanzlers zurückzuführen ist. Zn den Kreisen der Auslandspreise Hal die Kanzlerrede, wie all­gemein festgestellt werden konnte, große Anerken­nung gefunden, wobei insbesondere die Betonung der Kontinuität der deutschen Außen­politik hervorgehoben wird. Zudem dürfte die Tatsache, daß aus den Ausführungen Dr, Brünings die starke Persönlichkeit des Kanzlers zu erkennen war, gerade bei der Auslandspresse ihre Wirkung nicht verfehlt haben.

9m Reichstag haben nachmittags und abends noch eine Reihe von Fraktionssitzungen statt- gefunden. Auch bei diesen machte sich der außer­ordentlich starke Eindruck geltend, den Brüning er­zielt hat. Die Rede wird allgemein als ein per­sönlicher Erfolg bezeichnet, dessen Wirkung weit über die Reihen seiner engeren Freunde hin- ausreicht. Das hat seinen Grund nicht zuletzt darin, daß der Kanzler diesmal mit einem Temperament aus sich herausging, wie er es bei öffentlichen Reden bisher noch nicht an den Tag gelegt hat. Reben dieser offenen und ungeschminkten Deutlichkeit ist noch besonders bemerkenswert, daß Dr. Brüning heute im Gegensatz zu seiner sonstigen skeptischen und pessimistischen Einstellung zum ersten Male andeu­tete, daß die Aussichten zur Ueberwin- düng der schweren Wirtschaftskrise sich seiner Ausfassung nach doch bereits gebessert haben. 9n parlamentarischen Kreisen rechnet man heute abend noch stärker als bisher damit, daß das Reichskabinett seine Mehrheit finden wird.

Erste preffesiimmen.

Tas persönliche Bekenntnis eines furcht­losen Mannes."

Berlin, 13.Oft. (TA.) Die Morgenblätter befassen sich bereits mit der ersten Reichstags- sihung, die ganz von den Ausführungen des Reichskanzlers ausgefüllt war. Bedingungslose Zustimmung findet der Kanzler in der ,.G e r - m a n i a", die feine Ausführungen eine mu­tige Rede nennt. Eic war der eindrucksvolle Rechenschaftsbericht, das persönliche Be­kenntnis eines furchtlosen Mannes, der trotz aller Hetze und Intrige, trotz aller Ver­leumdung und haßerfüllter Agitation entschlossen ist, den steinigen Weg des sachlich Rot- wcndigen und Richtigen weiter zu gehen. Richt zuletzt hat die Rede aber auch politisch eine begrüßenswerte Klärung gebracht. Der Kanzler Hot die Parteien vor eine große ge­schichtliche Verantwortung gestellt. Wir f nd über­zeugt, daß die Mehrheit diese Verantwortung erkennt und ihr gegenüber demgemäß handeln wird.D e r Tag" «Hugenberg) schreibt: Der tiefer liegende Zweck der großen politischen Rede des Kanzlers war der, die weichende Mitte unter Druck zu sehen. Es wird wieder einmal e i n Wechsel auf d i c Zukunft vorgelegt, wie wir das schon wiederholt erlebt haben. Man will endlich Taten sehen. Die Lage draußen im Lande ist anders als hier im Hohen Hause, die Wirklichkeit anders als die Rede des Kanzlers. Innerhalb des geltenden politischen Systems war sie zweifellos eine Leistung. Aber eben des­wegen, weil mit diesem System eine Lösung nicht gesunden werden kann, ist die Rationale Opposition der Sihung fern geblie­ben und bringt damit ihren Standpunkt auf das wirksamste zum Ausdruck. DieR a i i o n al- liberale Korrespondenz" spricht von

dann zusammenberufen werde, seh« ich entgegen und bin mit freundlichen Grüßen

gej.: v. Hindenburg."

Der Reichskanzler hat am gleichen Tage dem Herrn Reichspräsidenten mif folgendem Schrei­ben geantwortet:

hochgeehrter Herr Reichspräsident?

Auch nach meiner Aeberzeugung läßt er die ge­samte Wirtschaftslage geboten erscheinen, daß die Reichsregierung nunmehr die grohen und entscheidenden Ge s a m tprobleme des Wirtschaftslebens mit führenden Sach­verständigen de» wirtschaftlichen Le­bens, darunter auch Vertretern der Arbeitneh­men, berät und einer baldigen Lösung zuführt. Darum werde ich, Ihrem heutigen Schreiben entsprechend, mit aller Beschleu­nigung Vorschläge geeigneter Persönlichkeiten unterbreiten mit der Bitte, sie alsbald in den Wirt­schaftsbeirat der Reichsregierung berufen zu wollen. Dabei gehe ich auch davon aus, dah der kreis der Mitglieder des wirlschaftsbeirats so eng ro l e möglich gestaltet wird, damit die Verhand­lungen ausreichend vertieft und beschleunigt werden können, vielleicht wird es nützlich sein, für Einzelfragen besonders geeignete Sachverständige zu den Beratungen zuzuziehen.

Mit besonderem Danke begrübe ich Ihre Lnl- schllehung, dah Sie das große vertrauen, das Ihre Persönlichkeit in allen Schichten des deutschen Vol­kes genieht, einsehen wollen für eine rasche und ergebnisreiche Durchführung der Beratungen und daß Sie deswegen bereit sind, in ihnen den Vorsitz zu übernehmen, soweit allgemeine grundlegende Fragen zur Erörterung stehen werden.

In aufrichtiger Verehrung bin ich, hochgeehrter Herr Reichspräsident, Ihr In Treue ergebener

gej.: Dr. Brüning."

einem Rechenschaftsbericht: Offen, ehrlich, sachlich, vorsichtig. Aber wo waren die entscheidungsvollen Taten in sechs Monaten der Vertagung? Wer den Mut zur Anpopulari­tät in fast Stresemannschen Formulierungen her- vorhebt, der sollte aufhören, auf halbem Wege stehen zu bleiben. Des Eindruckes, dah ein ernster Mann voll Verantwortung feinen Bericht gab, entzog sich das Haus nicht. Die Hoffnung aber, daß er ein entschlossener Führer durch das Dunkel sein werde, hat kaum an Kraft gewonnen. DieD. A. Z." (Volksp.) bemerkt: Das Programm Dr. Brünings ist das Pro-

Oie Kürzung der Diäten.

Darmstadt, 13.Okt. Präsident Delp eröffnet die Sitzung bei gutbesetztem Saal und stark besetzten Tribünen. Die lOprozentige Diätenkürzung, wie sie der Landtagspräsident vorschlägt, bezeichnet Abgeordneter o. d. Schmidt (Korn.) als ein Wahlmanöver. Die Kommunisten lehnten Diäten bei einem Einkommen über 4800 Mark ab. Abg. Dr. Werner (Natsoz.) verweist auf seinen früheren Antrag, der eine SOprozentige Kürzung vorsah, und stimmt der Vorlage zu, da der kommende Landtag diese Frage erneut behandeln werde. Abgeordne­ter Galin (Komm. L>pp.) erklärt, man solle nur Diäten zahlen, wenn das Plenum für das Land etwas Positives getan habe.Wenn man diesen Maßstab anlegen würde, bann müßtet ihr alle noch Geld herauszahle n." (Sehr richig! auf der Galerie.) Wir lehnen das beabsichtigte Täuschungs­manöver ab. Abg. Böhm (Dnt.) stimmt der Vorlage zu, die allerdings nur einen Tropfen auf den heißen Stein bebeutef. Ada. Dr. Niepoth (DVP.) betont, alle Anträge auf Diätensenkung von gewissen Parteien seien Schaumschlägereien gewesen, ba bie Antragsteller niemals ben Weg auf bas Lanbtagsamt gegangen feien, um einen ihren An­trägen entfprechenben D i ä t e n v e r z i ch t zu er­klären. Nach weiterer Aussprache werben bie Ab- änberungsanträge bem Finanzausschuß zurücküber­wiesen, bie Abstimmung aber vertagt.

Die Ministerpensionen.

Ab^ Dr. Werner (Nats.) vertritt seinen Antrag aus Senkung, Begrenzung unb Publikation ber hessischen Ministerpensionen.' Bisher habe bie Regierung bie bem Finanzausschuß zugesagte Liste über bie Pensionen immer noch nicht d o r g e l c g t. Der Landtag müße feststellen, daß für Pensionsansprüche ber jetzigen Minister nur bas Reichspensionsgesetz Geltung Haden bürfe.

Abg. Dr. Keller (DVP.) erklärt, bie Volkspartei stimme ben beiben ersten Teilen bes Antrages Wer­ner zu, rückwirkenbe Straft könne Hessen aber nicht befretieren, solange bas Reichsgesetz bestehe,

Staatspräsident Adelung konstatiert, daß Hessen die Reichsgesehe mit ihren Rechten unb Pflichten übernommen habe und es in Zu­kunft in Hessen keine Ministerpenfionen mehr gebe. Die in Hessen gezahlten Pensionen betrügen für den früheren Staatsminister v. E w a l d 14 572 Mark, für den früheren Innenminister v. Hom­berg zu Bach 14 572 Mk., für Staatspräsident a. D. Ulrich 10 863 Mk., Minister a. D. R a a b 9923 Mk.. Minister a. D. Fulda 12 619 Mark. Bei den früheren Ministern Ewald und Hom­berg werden 44 bzw. 42 Dienst«ahre, bei den Mi­nistern Ulrich und Raab nur die neun Minister­jahre, keine Dordienstjahre, und bei Minister Ful­da zwei Dienst- und 27 Dordienstjahre (hört! hört!) angerechnet. Helfen hat im Reichsrat dem Pensionskürzungsgefetz zugeftimmt. Der Reichstag hat das Gesetz nicht verabschiedet: eS wurde in der Rotverordnung mitgeregelt. Bei der Beratung im Reichstag hat der nationalsozialisti­sche Abgeordnete Sprenger wörtlich erklärt, seine Fraktion lehne das Pensionskürzungsgefetz

gramm eines d o r a u S s ch a u e n d en unb verantwortungsbewußten Manne». Es hat nur den Fehler, daß er cs mit der Macht- konstellation. auf die er sich stützen zu müssen glaubt, und mit dem Kabinett, das er gestern präsentiert hat, kaum wird durchführen können. Das ..Berliner Tageblatt" spricht in der Aeberfchrist von einer scharfen An- grisssrede Brünings und von einem starken Ein­druck im Reichstag.

Die Sozialdemokraten für Brüning.

Ägitationeaniräflciurlc^lenSititetrorbnung

Berlin. 13. Okt. (DDZ.) Die sozialdemokra- kifche Reichstagssraktion beschloß am DienStag ohne Aussprache, die gegen das Kabinett Brü­ning vorliegenden Mihtrauensanträge abzulehnen. Bestimmend für diese «Entschei­dung waren, wie die Fraktion mitteilt, dieGründ«, die bereits in der Sitzung vom Montag ausge­führt worden sind. Die Tagung der sogenannten nationalen Opposition in Harzburg habe gezeigt, dah das Großkapital mit Unterstützung der Rationalsozialisten zum entscheidenden Schlag gegen die Rechte des werktätigen Volkes ausholte. In ihrer Presse werde jetzt ganz offen mit dem Putsch gedroht, wenn die Diktatur de« Schwerkapitals und der Großagrarier auf par­lamentarischem Wege diesmal nicht verwirklicht werden sollte. Die sozialdemokratische Fraktion wolle durch ihre Entscheidung verhindern, dah durch eine neue Inflation die Gewerbetrei­benden und kleinen Sparer noch einmal enteignet werden, daß durch rücksichtslosen Lohnabbau, 3er- schlaguna des Tarifrechte« und der Sozialgesetz­gebung Die Existenz der arbeitenden Massen ver­nichtet werde.

«Sie hat eine große Anzahl von Anträgen eingebracht, die zum Teil Aenderungen der letzten Rotverordnung vorsehen. Sie for­dert Revision der Fürstenenteignung, verschärfte Pensionskürzung und verschärften Zwang zur Herabsetzung der hohen Einkommen in der Privat­wirtschaft. Der Pensionskürzungsantrag verlangt Kürzung sämtlicher Pensionen auf 12 000 Mark und Anrechnung jedes sonstigen Einkommens von mehr als 4000 Mark auf die Pension, wobei die Pension um 50 Prozent de« überschießenden Betrages gekürzt werden soll. Alle hohen Gehälter und Pensionen in der Privatwirtschaft über 1 2 000 Mk. sollen um 20 bis 50 Prozent gekürzt werden. Wenn ein Unternehme« diese Kürzung nicht ober nur unvollständig durchführt, soll der Unter- schiedsbctrag in Form einer Sonder st euer an das Reich abgeführt werden. Ein weiterer Antrag wünscht die Lieferung von Kar­toffeln und Kohlen als zusätzliche Leistung zu den Anterstühungsbeträgen. Ein Antrag zum Tarifrecht verlangt, daß die RcichS- regierung alle Pläne und Forderungen auf Be­seitigung oder Aushöhlung des Ta­rifrechts ablehnt. Die Sozialdemokraten verlangen weiter, daß dieHauszinssteuer- lenkung wieder aufgehoben wird und die Erträge der HauszinSsteuer im bisherigen Umfang für den Kleinwohnungsbau verwendet werden.

in seinen Grundzügen ab, da es die Beamten­grundgesetze und -grundrechtc verletze, und sie werde an die Frage der Höchstpensionen nur sehr vorsichtig Herangehen (hört!hört!). Das muh einmal gesagt werden, da der Abge­ordnete Werner mit feinen Anträgen Propaganda für sich machen will.

Aba. Dr. Werner (RSDAP.) erklärt, er wolle den Landtag nicht zu einer Volksversammlung degradieren. Durch die Ziffern würden seine Vor- würse vollkommen bestätigt.

Eine erregte Debatte.

Zwischen den Abg. Dr. Müller (Landbunb) und Dr. Werner entspinnt sich eine sehr er­regte Debatte über die Priorität der Minister­pensionskürzungsanträge. Als Dr. Müller den Ahg. Dr. Werner »Feigling" nennt und ihm Verleumdung und absichtliche Verdrehung vor- toirft, erhält er einen Ordnungsruf. Abg. Dr. Werner erklärt, in Friedberg habe ein Zeuae unter Eid ousgesagt, ber Landbund unter Füh­rung Dr. Leuchtgens habe seinerzeit ein Mini- fc fterium gefordert, das würde uns 24 000 Mark gekostet haben. Abg. Dr. Glaser (Landbund) teilt mit, daß der Landbund bei seinen Verhand­lungen über die Regierungsbeteiligung für seinen Vertreter lediglich ein Tagegeld oder eine Pau­schale gefordert hätten. (Sehr richtig! linkst An­gesichts der Kampsesweifc Dr. Werners müsse er letzt sagen, dah vor dem Eintritt in die RSDAP. der Abg. Werner durch einen Mittelsmann um bie Aufnahme in den Landbund er­such t h a d e. (Hört! Hört!) Abg. Dr. Müller tLbd.) wirft Dr. Werner vor, daß er nicht gegen oen MarixSmus kämpfe, sondern daSBürger- tum zers chlage und schwäche. Das von Dr. Werner so oft zitierte Untermenschentum zeige sich in der verlogenen Schändung eines Toten durch die nationalsozialistische Verleum­dung. der Abg. Iost habe 60 000 Gulden auf einer holländischen Bank deponiert und Jo für sich die soziale Frage gelöst". Abg. Dr. Wer­ner (Rat.-Soz.) erwidert den Vorrednern, es sei charakteristisch, daß ihnen die Linke Beifall gezollt habe. Weil der Landbund draußen ver­loren habe, versuchten seine Redner heute im Landtag ein Geschäft au machen. Die Behauptung des Abg. Glaser von seinem geplanten Uebertritt £ zum Landbund sei ein Märchen.

Abg. Dr. Riepoth (D.Vp.) erklärt es für unmöglich, daß dem ehemaligen Minister Fulda 27 Anwaltsjahre für die Pensionsberech­nung gutgebracht werden. (Sehr richtig!).,

Abg. v. Helmolt (Lbd.), der an der Ha»- burger Tagung teilgenommen hat, bedauert die nationalsvAialistische Kampfesweise, die sachliche Arbeit vollständig vermeide und sich in der per­sönlichen Herabwürdigung des Gegners erschöpfe. Ls sei richtig, daß der Landbund seinerzeit bas Finanzministerium gefordert habe Wenn die Rationalsozialisten einmal zur verantwortlichen Mitarbeit herangezoacn werden und sie alle bie uncrschöpslichen Versprechungen einlösen sollen, dann werde der Rationalsozialismus ebenso schnell nach unten rutschen, wie er jetzt zunimmt; denn

Starker Eindruck der Kanzlerrede.

Günstige Aussichten für eine Mehrheit.

Wahlschatten im Hessischen Landtag.

Scharfe Zusammenstöße zwischen Landbund und Nationalsozialisten.