Ausgabe 
14.8.1931
 
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Ministers In Berlin am26. und27. August aus- geführl werden wird. Herr Laval hak dem deutschen Botschafter von hoesch mitgeteilt, daß er in der Loge sein werde, ihn hierüber endgültig morgen am späten Nachmittag zu unterrichten.

Miitelstand und Wirischastskrisis.

Forderungen des Rcichskartells des selbständigen Mittelstands.

De-rlin, 13. Aug. (TU.) Dos Reichst ar. teil des selbständigen Mittel st andes veranstaltete in Berlin eine stark besuchte Kund­gebung zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Der Geschäftsführer des Deichskartells, Matz, kriti­sierte die unbegrenzte und unverantwortliche Aus g a bew i r t f ch a f t der öffentlichen Hand. Stadtsekretär Kockel (Magdeburg) be­tonte. es müsse anerkannt werden, das; Relchs- kanzlex Brüning und seine Regierung den ener­gischen Versuch unternehmen, die Fehler einer früheren verfehlten Wirtschaftspolitik wiedergut­zumachen. Der Reichskanzler habe auch die Absicht bekundet, für die mittleren und kleinen Wirt­schaftsbetriebe eine besondere Staats­hilfsaktion zu unternehmen Es solle eine Ko mmission unter Beteiligung von Mittel­standsvertretern eingesetzt werden, die bei der Aufstellung des zukünftigenWirtschaftsprogramms mitberatend teilnimmt.

Dann fand eine Entschließung Annahme, in der von der Regierung gefordert wird: Ein Ausführungsgesetz zu Artikel 164 der Reichsver­fassung. der dem selbständigen Mittelstand die Fürsorge des Reiches sichert: sofortige Durchführung der Finanz - und Ver­waltungsreform: Ablehnung aller Zwangs­und staatlichen Planwirtschaf ts-Be st re- bun gen: Förderung ter Bankinstitute, die ihr Kreditkapital vornehmlich in kleinen und Mittel­betrieben anlegen: sofortige Liquidierung aller nicht aus einem Allgemeinbedürfnis unbe­dingt erforderlichen Betriebe der öffent­lichen Hand: Teilnahme der Fachorganisatio­nen des selbständigen MittcMand^ an allen vor­bereitenden Beratungen der für den Aufbau unserer Wirtschaft und Finanzen erforderlichen Maßnahmen und dem vom Mittelstand geforder­ten Wirtschaftsprogramm.

Parteitag der Landvolkpartei.

Der neue Parteiführer kündigt stärkere Distanzierung zum Kabinett Brüning an.

Berlin, 13. Aug. (VDZ.) Die C h r i st l i ch - Nationale Dauern- und Landvolk- Partei trat im Reichstagsgebäude zu einem außerordentlichen Parteitag zusammen. Als Rach- folger Höfers, dem der Reichstagsabgeordnete Hepp als stellvertretender Parteiführer eine Ge­denkrede hielt, in der er die große 'Bedeutung Höfers als Mensch für das deutsche Bauerntum und seine hervorragenden Eigenschaften als Mensch und Politiker besonders würdigte, wurde das,bisherige Vorstandsmitglied von Hauen- s ch i l d - T s ch e i d t einstimmig zum Partei­führer gewählt. Hauenschild nahm die Wahl an und zeigte in seiner ProgrammrÄe die Ent­wicklung der letzten zwölf Zähre, die, ausgehend von der Unterwerfung unter Versailles und von völliger Einseitigkeit der Innen- und Außen­politik zur Aufzehrung der Substanz führte. Das geeinigte Bauerntum stellt einen politif chen Machtfaktor dar, dessen christlich-nationale Exundeinstellung ihn zum Kern der politi­sch enRechten macht. Das Landvolk kann nicht etner Deichsregierung folgen, die sich in Ab­hängigkeit von der jetzigen Preu­ße n p o l i t i f befindet. Die programmatischen Erklärungen wurden einstimmig gebil­ligt. In einer lebhaften Aussprache, an der sich u. a. der Gründer der Landvolkbewegung, Staats- m'.nister Baum- Weimar und Minister a. D. von Keudell beteiligten, wurde der unbeirr- bare Wille zum Auf- und Ausbau der berufs- ständischen politischen Landvolkbewegung bekundet.

Wie kommen schlagende Weiter zustande?

Von Max Fischer.

Rach druck verboten!

Immer und immer wieder fordern schlagende Wetter große Opfer an Menschenleben in unseren Kohlengruben. Es ist deshalb des Schweißes der Edeln wert, darüber zu sinnen, wie man diese Gefahren abwenden oder doch wenigstens mildern kann.

Was sind nun eigentlich schlagende Wetter? Schlagende Wetter entstehen durch den Zerknall von brennbaren Gasen, die mit Luft gemischt sind. Solche brennbare Gase treten aus den angeschlage­nen Kohlenflözen teils langsam, teils in Gestalt von Bläsern aus. Die Entzündung kann durch allerlei älrsachen eintreten, z. B. durch die Gru­benlampen, durch Sprengschüffe, aber z. D. nicht durch Funken, wie sie etwa beim Aufschlagen einer Hacke auf einen Stein entstehen. Man hatte solche sogenannten Sicherheitslampen, bei denen die Flamme durch ein engmaschiges Drahtnetz von der Auhenluft getrennt war, und glaubte in ihnen ein sicheres Mittel zur Verhütung der Einleitung eines Zerknalls von Grubengasen zu haben. Es hat sich aber gezeigt, daß fast drei Viertel aller schlagenden Wetter ihre Ursache in der Entzün­dung der Gase durch solche Grubenlampen hatten. Man verwendet deshalb heute in Steinkohlenberg­werken nur noch elektrische Grubenlampen, soweit man nicht überhaupt elektrische Beleuchtung in den Stollen eingerichtet hat.

Run ist ein solcher Grubengaszerknall eine eng begrenzte Erscheinung, denn man sorgt durch die sog. Bewetterung dafür, daß die Luft Im Berg- werk von solchen Gasen möglichst frei ist. Jedes Bergwerk muß zwei Schächte haben. Wenn man durch den einen die Luft aussaugt, so dringt durch den andern frische Luft ein, und das Bergwerk wird fortgesetzt durchlüftet, so daß der Gasgehalt der Luft immer unter der Menge bleibt, bei beten Vorhandensein eine Entzündung eintreten kann. Trotzdem haben sich wiederholt schlagende Wetter durch ganze Bergwerke fortgepflanzt und eine große Zahl von Menschen getötet. Wie kommt das?

Wenn an einer Stelle des Bergwerks ein Zer­knall erfolgt, sei es z. B. durch schlagende Wetter oder etwa durch einen Sprengschuh, so geht eine Druckluftwelle durch das ganze Bergwerk, die man

Oer Kampf gegen den Kommunismus.

Oie Hetze gegen die Berliner Polizei.

Neue kommunistische Drohbriefe.

Weitere Verhaftungen.

Berlin, 14. Aug. (CNB.) Der bei den Unruhen am Bülow-Platz verletzte Oberwachtmeister Wil­lig, der sich zur Zeit im Staatskrankenhaus be­findet, hat einen Drohbrief erhalten, in dem es heißt:Es hat sich herausgestellt, das Kaliber 6,35 für dich nicht genügt. Wenn du herauskommst, werden wir dich mit 9 mm empfangen! Eine Prove anbei." Dem Brief war eine 9-mm-Revolverpatrone beigefügt. Der Revieroorsteher des Polizeireviers 62 in der Pappelallee 85, Hauptmann Schmedes, hat ebenfalls von kommunistischer Seite Drohbriefe erhalten. Bei den in Weißensee verhafteten sieben Kommunisten hat man Aufzeichnungen gefunden, die den Plan zur Ermordung des Ober­leutnants Böcker enthüllen. Danach wollte man den Offizier an das Fenster feiner Wohnung lotfen, indem man losen Sand dagegen warf. Wenn Böcker dann heraussah, sollte er erschossen werden. Tatsächlich hat Oberleut­nant Böcker in mehreren Nächten, die den Ereig- nissen am Bülow-Platz oorausgingen, verdächtige Geräusche am Fenster gehört. Die Abteilung la hat außerdem mehrere Festnahmen vorgenommen, die mit den kommunistischen Mordtaten am Bülow- Platz im engsten Zusammenhang stehen. Darunter befindet sich auch ein Mann, anscheinend ein Russe, der im Verdacht steht, der Organisa­tor der Feuerüberfälle auf die Polizei zu sein. Heute Nacht verstarb der 55jährige Kaufmann Max Stern aus der Prenzlauer Straße, der bei den Unruhen am Bülow-Platz einen Bauch­schuß erhalten hatte und schwer verletzt im Hedwig-Krankenhaus Aufnahme fand. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer bei den Unruhen am Bülow-Platz auf vier erhöht.

Oie Kölner Bluttat.

Köln, 13. Aug. (TU.) Die Ermittelungen nach dem Mörder des Gaugeschäftsführers des Stahl­helm Köln, Albert Heister, der in der Rächt zum Sonntag vor seiner Haustür durch einen Pistvlenschuh getötet wurde, haben Er­folg gehabt. Als Täter kommt der der Kommu­nistischen Partei angehörende 29jährige Arbeiter Theodor Dürwerbt aus dem Martinsfeld in Köln in Frage. Dürwerdt hatte nach der Tat sogleich die Pistole seinem 18jährigen Partei­freund, dem Arbeiter Heinrich Ricksch, über- Seben Ricksch hat jetzt zugegeben, daß er ie Waffe von Dürwerdt zugesteckt be­kommen hat. Die Pistole wies noch 7 Schuß auf. Ein Schuß war abgefeuert worden, und zwar muß dies erst unmittelbar vor der Be­schlagnahme der Waffe geschehen sein. Hin­zu kommt, daß die am Tatort gefundene Patro­nenhülse genau in die Pistole paßt. Dürwerdt bestreitet noch die Tat. Das Deweismaterial gilt als vollkommen einwandfrei.

Eine kommunistische Jugendherberge ausgehoben.

Erfurt, 13. Aug. (WTD.) In der Jugend­herberge Finsterbergen (Thüringen) wurde von der KPD.-Dezirksleltung Groh-Thüringen elnKursuszurAusbildungvon Funk­tionären abgebalten. Da der Verdacht nahe lag, daß die entfaltete Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufe, wurde von einem größeren Pollzri- kommando der thüringischen Polizeidirektion Gotha eine Durchsuchung des Gebäudes und der darin betroffenen Personen vorgenommen, die wesentliches Material zutage förderte. Der Lehrer und die Teilnehmer, insgesamt 42 Per­sonen, wurden bei der zuständigen Staatsanwalt­schaft in Gotha wegen dringenden Verdachts der VorbereitungzumHochverratzur An­zeige gebracht. Auch wurde die Fortsetzung der Schulung untersagt.

Die Kinanzsamerung in England.

Oie Bemühungen um den Ausgleich -es Staatshaushalts. Oas (Sparprogramm. Oie Führer -er Opposition bei Mac-onal-. Eine Oreiparteienkonferenz.

London, 13. Aug. (MTV.) Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt die englische Oessentlichkeit die Verhandlungen in der Downing Street über die zur Sanierung des Budgets notwendigen Maßnahmen, deren Bedeutung heute durch die eilige Rückkehr des konservativen Führers Baldwin aus Aix-les-Vains sowie Neville Chamber­lains und des Liberalen Sir Herbert Samuel unterstrichen wurde. Man glaubt, daß es die Absicht Macdonalds ist, sich die Z u st i m m u n g der beiden anderen Parteien zu sichern, ehe der plan der Regierung dem Unterhaus vorgelegt wird. Sie wurden aufgefordert im Hinblick auf die finanzielle Lage an einer Dreiparteienkon- f e r e n z über Sparmaßnahmen teilzunehmen. Bald- win und Chamberlain wurden bereits von Macdo- nald zu einer Besprechung in seiner Amtswohnung empfangen, in der sie über die Verhandlungen des Sparkomilees des Kabinetts inoffiziell unterrichtet wurden. An der Besprechung nahm auch der Schah­kanzler Snowden teil. Sir Herbert Samuel, der anstelle des erkrankten Lloyd Georges die Lide- rate Partei vertritt, sprach ebenfalls am Nachmittag in der Amtswohnung Macdonalds vor.

Wie die Preß Association aus maßgebender Quelle wissen will, sind Macdonald und die übrigen fiabi- ncttsmilglieder entschlossen, keine Zeit zu verlieren. Sie erkennen an, daß diese Krise psychologi­scher Natur ist und nicht tiefer begründet, daß

sie aber unverzügliche Maßnahmen er­fordert. Die Regierung beabsichtige zwar, die Oppositionsparteien zu Rate zu ziehen, sie werde aber die volle Verantwortung für alle eventuell von ihr oorzubringenden Vorschläge über­nehmen. Ls ist zweifellos die Absicht der Regierung, zu Opfern aufzufordern, aber es wird dafür gesorgt werden, daß die Last gleichmäßig auf alle Klassen der Bevölkerung verteilt wird.

Oie presse ist zuversichtlich.

Zwangskonvertierung der Kriegsanleihen.

London, 13. Aug. (TU.) Die Erklärung des Sparausschusses des englischen Kabinetts, mit allen Mitteln einen Ausgleich des Staats­haushaltes herbeiführen zu wollen, wird von der gesamten Presse lebhaft begrüßt. Die Times" (kons.) meint, die Befriedigung der Eith über biefe Absicht sei bereits am Mittwoch durch eine feste Haltung der englischen Staatspapiere zum Ausdruck gekommen, verlangt jedoch Klarheit darüber, ob mit den in der Regierungspresse geäußerten Opfern aller Volksschichten eine zwangsweise Konver­tierung der englischen Kriegsanlei­hen gemeint sei.Daily Herald" (Ar­beiterpartei) verkündet in Sperrdruck, daß die Eity bereit sei, die Regierung zu unterstützen. Das Vertrauen lebe wieder auf. Die vor kurzem in panikarttger Hast aus London zurückgezogenen

auch an entfernten Stellen deutlich fühlt. Diese Druckwelle läuft nun schneller als die mit dem Zer­knall verbundene Feuererscheinung. Beim Durch­laufen der Stollen wirbelt sie den überall vorhan­denen und unvermeidbaren Kohlenstaub auf, so daß das ganze Bergwerk mit einem Gemisch aus Luft und Kohlenstaub gefüllt ist. Solche Gemische von brennbarem Pulver und Luft sind aber schon bei geringem Pulvergehalt sehr zerknallfähig und werben nun beim Auftreten eines Gaszerknalls gezündet, so daß sich der Gaszerknall als Kohlen- staubzerknall durch die ganze Grube fortsetzt.

Hiergegen hat man schon ein Mittel gefunden: Man stäubt die ganze Grube mit Gesteinsstaub ein und stellt von Zeit zu Zeit in die Stollen quer zur Stollenrichtung hölzerne Gestelle mit einer Durchfahrt in der Mitte. Auf Bretter auf den Gestellen schichtet man so viel Gesteinsstaub auf, wie es dem Böschungswinkel nach möglich ist, so daß also auf jedem Brett ein dachförmiger Staubhaufen liegt Wenn nun eine Druckwelle kommt, so pustet sie den Gesteinsstaub von den Brettern herunter, und es entsteht eine große Staubwolke. Kommt nun die Flamme an, so kühlt sie sich an den unzähligen Staubteilchen so stark ab, daß sie erlischt und nicht mehr weitergeht. Aber die Sache hat doch noch ihre Haken, denn es ist z. B. in den Bergwerken nah, und wenn der Gesteins- staub feucht wird, so wird er natürlich nicht auf­gewirbelt, so daß die Gesteinsstaubsperren un­wirksam werden.

Run hat man in der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg in einem 7 Meter lan­gen und 6 Zentimeter weiten Stollen aus Glas Versuche mit anderen Mitteln gemacht und Ist da­bei zu dem Ergebnis gekommen, daß man viel bessere Wirkungen mit Sperren aus nicht brenn­baren Gasen erzielen kann. Man muß also von Zeit zu Zeit Gasflaschen aufstellen und Einrich- ttrngen treffen, daß die dem Zerlüall vvrauseilende Druckwelle das Schutzgas zum AuSströmen bringt. Natürlich muh man zur Bildung dieses GaSvor- hanges Gase benutzen, die nicht giftig sind, denn es würde natürlich wenig nützen, wenn man die Berg- i?ute vor dem Tode durch den Zerknall bewahrte, sie aber statt dessen mit Gas vergiftete. Solche Gase gibt es aber.

lieber diese großen Fortschritte und das Er­gebnis der Versuche hat Bergrat Professor Dr. Tübben, der Leiter des Bergbau-Laboratori­ums der Technischen Hochschule zu Berlin, in sei­ner Aektoratsantrittsrede am 1. Juli d. I. gespro- 7en- Anm auch entgegen der allgemein verbrei­teten Ansicht der Bergwerks betrieb bei weitem

nicht der lebensgefährlichste ist es scheint nur so._ weil von den verhältnismäßig seltenen Ün- glücksfällen immer eine große Zahl von Menschen auf einmal betroffen wird, während die tropfen­weise im Verkehr auf der Erde und in der Schiff­fahrt eintretenden Verluste im Laufe des Jahres sehr viel höher sind, so ist es selbstverständlich doch hoch erfreulich, wenn es gelingt, die Zahl der Menschenopfer in Bergwerken noch weiter zu ver­mindern.

OasSchwarze Museum" von Scotland tzard.

DieSchreckenskammerderLondonerPolizei.

Wenn man kulturhistorische Museen besucht,- das Rationalmuseum in München z. D. oder das Germanische Museum in Nürnberg, dann ge­langt man während des Rundgangs an ein Ge­mach, das man nur zögernd betritt: die Schreckens­kammer. Hier werden jene Utensilien aufbewahrt, mit denen man ehedem Verbrecher vom Lrben zum Tode brachte ober körperlich züchtigte: hier find auch die furchtbaren Folterwerkzeuge des Mittel­alters zu sehen. Man kann das Gruseln lernen in diesen unheimlichen Kämmern, und man ist froh^ wenn man ihnen entronnen ist.

DasSchwarze Museum" von Scotland Pard birgt mehr geheimnisvolle und grauenerregende Dinge in sich als irgendein Kriminalmuseum oder eine Schreckenskammer der Welt. Fast siebzehn Jahre lang war es der Oeffentlichkeit entzogen: jetzt ist Scotland Pard aus dieser Zurückhaltung herauSgetreten und hat den Besuch, desSchwarzen Museums" der Allgemeinheit frei gegeben. Täglich pilgern Einheimische und Fremde dorthin, um sich alle die seltsamen und schrecklichen Sehenswürdig­keiten anzusehen, die dieses ungewöhnliche Museum aufzuweisen hat.

Was beim Betreten des Museums zuerst in die Augen springt, sind die zahlreichen Photo­graphien, die überall an den Wänden hängen. Erst wenn man sie näher betrachtet, sieht man, daß es sich nicht um harmlose Landschaftsbilder handelt oder um andere gebräuchliche Aufnahmen, sondern man sieht hier Schreckensszenen abgebil­det, die Schauplätze jener berühmten Verbrechen, mit denen sich die Londoner Polizei im Laufe der Jahre zu befassen hatte.

Große Glaskästen stehen an den Wänden. Sie enthalten Werkzeuge, gebräuchliche und außer­gewöhnliche. lauter Gegenstände, die zur Ausfüh-

Gelder seien zurückgekehrt und der britisch- Kredit in der ganzen Welt gestiegen. Dies sei auf die Zusicherung des Premier­ministers zurückzuführen, daß das Budget inS Gleichgewicht gebracht werden müsse und bafj dies auch geschehen werde.Daily Herald" teilt weiter mit, daß nicht nur die Bankiers und die Ver­sicherungsgesellschaften, sondern auch die Börse und die großen Investmentstrusts, die Wert­papiere im Gesamtbeträge von mindestens 600 HHillionen Pfund Sterling besitzen, den Kon­vertierungsplan sicher unterstützen würden, wenn darauf Sparmaßnahmen er­folgten. Die Bank von England sei bereit, die Arbeit der Durchführung einer Konvertie­rungsanleihe sofort zu übernehmen- Die Vor­bereitungen seien so vollständig, daß sogar Brief­umschläge an alle Besitzer der fünfprozentigen Kriegsanleihe fertiggestellt seien.

Der unionistischeDaily Telegraph" schreibt dagegen, die Elch sei sehr skeptisch bezüg­lich der Fähigkeit der Regierung, Sparmaßnahmen durchzuführen. Wenn das Budget nur durch eine weitere Erhöhung der direkten Steuern statt durch wirkliche Spar- Maßnahmen ausgeglichen werden sollte, so würde das einzige Ergebnis die Verschärfung des Ernstes der augenblicklichen Finanzlage sein. Zu dem beunruhigenden Gerücht, daß der Schatz­kanzler einen Plan zw angsweiser Kon­vertierung der Kriegsanleihen und anderer Regierungspapiere in solche mit niedrigem Zinsfuß erwäge, erklärtDaily Telegraph", es sei fast undenkbar, daß ein derartiger Vorschlag erfolgen forme. Eine zwangsweise Konvertierung würde auf eine reine Beschlagnahme hinaus­laufen. Man frage sich, ob die ausländischen Kapitalanleger, die schätzungsweise ein Fünftel des Gesamtbetrages der Kriegsanleihe von zwei Milliarden Pfund Sterling in ihrem Besitz hätten, anders als £ie britischen Inhaber behan­delt werden sollen. Jeder Plan zwangsweiser Konvertierung würde mit Recht im Auslande als Richtanerkennung der Schulden ange­sehen werden und eine äußerst nachteilige Wirkung auf den britischen Kredit ausüben. Aus diesem Grunde sei niemand in der City geneigt, dem Ge­rücht Glauben zu schenken. Die führenden Bankiers in der City wüßten auch nichts von Vorbereitun­gen für einen riesigen Konvertierungsplan.

Der City-Redakteur der Daily Mail schreibt: Es bestehen Anzeichen dafür, daß die Regierung von dem Bankier-Memorandum stark bceindructe worden ist. Dies hat in der City eine zuver­sichtlichere Auffassung über eine groß­zügige Inangriffnahme des Sparprogramms aus- gelöst. Man deutet jetzt an, daß eine bal­dige Herabsetzung des englischen Dankdiskontes als Geste des Vertrauens erwartet werden könne. Die ermutigende Entwickelung in Deutschland, ins­besondere auch das Ergebnis des Volksentscheides und die Herabsetzung des deutschen Dankdiskontes hat, wie man betont, die finanzielle Lage ver­bessert. RachRews Chrvnicle" ist mit einer Kabinettserklärung zu rechnen,die die Welt über die finanzielle Stabilität Englands beruhi­gen wird". Im Inneren soll die öffentliche Mei­nung mobil gemacht und ein Appell für Ein­stellung deS P ar teienkampfes ver­öffentlicht werden. Vielleicht ergebe sich, meint daS Blatt, die Rotwendigkeit, e i nen,.S t a a t s- r a t" einzusetzen, um die drastischen Maßnahmen, die für den Ausgleich des Budgets geplant sind, durchzuführen.

Die Katastrophe auf dem amerikanischen Vaumivollmarkt.

Das Farmamt schlägt vor, ein Drittel der Ernte umzupfliigen.

Washington, 13. Aug. (TU.) Die geradezu katastrophale Lage des amerikanischen Baumwoll- Marktes, die Tausenden von Baumwollfarmern den Ruin zu bringen droht, hat das Farmamt gezwun- gen, den Gouverneuren der 14 Baumwollstaaten telegraphisch folgenden drastischen Vorschlag zu unter, breiten: Die Baumwollfarmer sollen ein Drittel ihrer gesamten Ernte um pflügen, wo-

rung von Mordtaten und anderer schwerer Ver­brechen benutzt worden sind. In einem anderen Glaskasten wird die Kassette crufbewahrt, auf der sich jene Fingerabdrücke befinden, mit denen man zum ersten Male den Fingerabdrucksbeweis zur Aufklärung eines Verbrechens anwenden konnte. In den allerersten Anfängen des Fingerabdrucks« shstems war es die Kassette, mit deren Hilfe die Brüder Stratton des Mordes überführt werden konnten. Ein anderer Holzkasten enthält ein Holz- stückchen mit einem Stück Haut, an dem deutlich eine Rarbe zu sehen ist. Man erfährt, daß Delle Elmore diese Narbe von einer Dllnddarmopera- tion zurückbehalten hatte. Später, als Delle 61- more Delle Krippen geworden, war und auf ge­heimnisvolle Weise verschwand, konnte ihrem Manne der Mord auf den Kops zugesagt werden; man hatte Leichenteile in Krippens Keller gefun­den und an ihnen jene Rarbe, an der man den Körper seiner Frau erkannte.

Dann wieder gelangt man an einen Glaskasten, der unzählige Flaschen, in allen Größen, ent­hält: lauter Giftflaschen, mit deren Hilfe Giftmör­der ihre Opfer umgebracht hatten.

Man sieht ganze Falschmünzerwerkstätten, mit vielen sorgfältig ausgearbeiteten Sp^ialmaschinen. In den Bereich der Einbrecher gehören die oft komplizierten, technisch häufig sehr fein konstru­ierten Werkzeuge, mit denen Bankeinbrüche und» andere ähnliche Verbrechen ausgeführt wurden; unter anderen wird ein modernes Sauer stoff- gebläfe aufbewahrt, dessen Herstellung mehr als 30 000 Mark gekostet hatte, woraus erhellt, daß heutzutage auch die Verbrecher mit ungewöhnlichen Spesen zu rechnen haben. Recht aufschlußreich er­weist sich die Abteilung, die mehr einer Dahnhofs- Gepäckaufbewahrungsstelle gleicht als einem Der- brechermuseum. Hier stehen Koffer und Hand­taschen herum, in allen Größen und Ausführun­gen, elegante unb abgegriffene, aus Rindleder und gewöhnliche Vulkanfiberkoffer. Die elegante- sten Koffer gehörten natürlich Hoteldieben und Hochstaplern, die ohne dieses ihr wichiigstesWerk­zeug nicht auslvmmen können. Dann sind hier lene Koffer mit doppelten Böden zu finden, die Schmuggler benutzten, um Juwelen, echte Spitzen und namentlich Kokain ungefährdet über die Grenzen zu bringen.

Dine Fundgrube für sich bildet daS Archiv deS »Schwarzen Museums", dessen Schriftstücke, wahre documents humains, hineinführen tn die Wirr­nisse und buntelften Tiefen der menschlichen Seele.

SLF,