Ausgabe 
14.7.1931
 
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Nr. 161 Zweiter Blatt

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 15. Zull (951

S.Jl.-tfport

Westdeutsche Athletik-Meisterschaften.

Westdeutschland« Leichtathletik-Meisterschaften nahmen am Samstag ihren Beginn. Die Herren kämpften bei gutem Welter und vor 1500 Zu­schauern auf der Hessenkampfbahn in Kassel, wäh­rend sich die Frauen in Duisburg trafen. Bei den Frauen gab e« allerdirrg« nur einige Dor- lämpse »um Fünfkampf, dagegen fielen bei den Männern in Kassel bereit« fünf Gntscheidunaen.

Am »weiten Tage fanden sich aus der Hessen­kampfbahn in Kassel 4000 Zuschauer ein. denen bei gutem Wetter und einwandfreien Bahnen wieder sarnose Leistungen geboren wurden. Be­sondere Erwähnung verdient die glänzende Zeit von 3: 58,8 Minuten, die der wesentlich verbesserte Schaumburg-Oberhausen über 1500 Meter erzielte. Böller- Köln durchlief die 400 Meter ohne stärkere Konkurrenz in 48,8 Sek. Ionath- Bochum und K i l p - Düsseldorf tourten Doppel- sieger Der erfolgreichste Verein war Düssel­dorf 99.

Splelvereinlgung 1900 bei den Westdeutschen Metsterschasten.

Sie kleine Leichtathletiken-Efpedition, die die Spielveretniaung 1900 am Sonntag nach Kassel zu den Westdeutschen Meisterschaften entsandte, vermochte diesmal keine ersten Siege mit nach Hause zu bringen, sondern sich lediglich einiger­maßen günstig zu placieren. Gerhardt und Sch aas belegten über 5000 Meter den 3. und den 4. Platz, Jung und Hopsenmüller

vermochten im Zehnkamps den 6 bzto 7. Platz zu halten. Bepperling kam über den 400- Meter-Hürden vor lauf nicht hinau«. Ger­hardt. der auch für die 10000 Meter startete, muhte wegen einer Magenstörung während de« Bennen« auf geben.

Wasserball im (Sau Hessen OT.

Im Bad des Männerbadeverein« Gießen wur­den vor über 700 Zuschauern, würdig in den Rahmen de« Strandsestes eingeglietert. vier Pflichtspiele au «getragen In der

A.ÄIafie

trafen sich Tv 46 Gießen I und Turngemcinde Friedberg zum ersten Spiel. Beite Mannschasten zeigten anfangs ein sehr schöne« Spiel, reich an Technik und Spielerfahrung. Der wachsenden Spielschärfe war jedoch ter Schiedsrichter nicht gewachsen, so daß es zu sehr hart auf hart ging. Gießen ging sofort in Führung und siegte über­legen mit 6:1 Toren.

si-Klasie.

Tv. 46 Gießen II zeigte sich T. u. Spv. 60 Marburg überlegen und gewann mit 3:0. Die Niederlage im Dorspiel gegen Tv. Lauterbach machte Tv. 46 Gießen II durch einen 6 4-Sieg wett. Da« Treffen Tv. Lauterbach gegen T. u. Spv. 60 Marburg entetc 5:1 für Lauterbach. Die Spiele ter 6-Klasse bewiesen, daß e« dem Gau Hessen nicht an Nachwuchs für den schönen Wassersport fehlt, da diese Mannschaften dieses Jahr zum ersten- mal auf den Plan treten.

26. Ruderregatta - Zubiläumsregatta.

Die 3ubiläum«rcgatta de« Lahnregattaverban- te«. der in diesem Jahre das 25jährige Bestehen leiem konnte, war ter Gießener Ruder- gesells chast von 1 877 zur Ausrichtung übertragen. 21 Dereine. maßgebende Dereine von Frankfurt. Offenbach. Saarbrücken usw., nahmen daran teil. Die ersten Dorrennen ter Regatta landen bereit« am SamStagvormittag statt, wei­tere Dorrennen, bei denen sich schon mancher spannende Kampf entwickelte, tourten am Sonn­tagmorgen durchgeführt. Da« Programm ter Regatta sah insgesamt 31 Rennen vor. von denen allerdings nur 21 zur Durchführung gelangten. Mangelnde Beteiligung. Abmeldungen noch vor dem Rennen ufto. verhinderten das Zustante- fommen ter übrigen Rennen. Leiter fielen auch die beiten Achterrennen, die am Schlüsse de« Programm« vorgesehen waren, ter dritte Achter und der große Achter. auS. Am Samstag- nachmittag gelangten vor nur wenigen Zu­schauern eine Anzahl Rennen zur Durchführung, die jedoch mit zwei Ausnahmen nicht besonders befriedigten. Dor allem tourte sehr störend emp- hinten, daß verschiedene Mannschaften während des Rennen« auf gaben und jeweils ter Sieger allein durch das Ziel ging. Das schönste Rennen des Tage« brachte der Zweite Achter, ter die Mannschaften der GRG. und des Offenbacher RD. auf dem Wasser sah. Die Gießener errangen in hartem Gndkampf einen schönen Sieg. Ein sehr spannendes Rennen entwickelte sich im Zweiten Siner. Leih. Wetzlarer REt. siegte knapp vor 2 ö d t. GRG. Auch hier lieferten sich die Ru­derer einen rassigen Endkamps. Die Abwicklung der Rennen vollzog sich etwas schleppend. Diese Tatsache trat leider auch am Sonntag in Er­scheinung. um so mehr, als die einzelnen Rennen durch verschiedene Darbietungen wassersportlicher Art (Wasserballspiel. Schwimmwettkämpse, Ret­tungsschwimmen. Rudern in Jolle und Kutter des Marinevereins) etwas verzögert tourten. C« bleibt zu erwägen, ob die Einlage solcher Sondervorsührungen während einer Ruder­regatta tatsächlich zweckmäßig ist. Die Gießener Rudergesellschaft vermochte am Gonntagnachmir- fefl einen überzeugenden Sieg im Abolf-Fischer- Eedächtnis-Dierer zu landen, intern sie den Mar­burger RD. mit zwei Längen Dvrsprung schlug. Sin weiterer spannender Kamps entwickelte sich

außerdem im tt-Iungmann-Dierer. den die Mar­burger nur mit einem sehr knappen Dorsprung vor dem Gießener Ruderklub Hassia an sich brachten. Die Ruderer der Hassia behaupteten sich sehr gut. Der Lahn-Achter sah die Gießener Rutergesellschast und den Ruderklub Hassia im Rennen. Diesem Wettbewerb sah man mit be­sonderem Interesse entgegen Der Sieg war ter Mannschaft der GRG. allerdings nicht zu nehmen Sehr tapfer hielten sich die Damen der GRG. im Dierer gegen die Damen de« Offen­bacher RD.

Am Samstag fand im Rahmen deS atlge- meinen Programms ein Begrüßungs­abend im Bootshause ter GRG. statt, wäh­renddem zugleich des Jubiläums des Lahn- regattaverbandes gedacht wurde. Die Paddel­abteilung des GRG. führte einen prächtigen Lampionreigen vor. Am Sonntagabend sand man sich nach dem Rennen zu einer Siegerehrung ein Der Rest des Abends war einem gemütlichen Beisammensein gewidmet.

Oie Ergebnisse.

Erster Tag.

Iean-Kirch-GebächtnlS-Dierer. 1. GRG. 7:05,0; Weilburg gab bei 1200 Meter auf und überließ den Gießenern einen leichten Sieg. (Die GRG.-Mannschaft: Flimm, Decker, Köhler, Hartmann. St.: Loh.)

Erster Iungmann-Dierer: 1. Unbine Saarbrücken 6:50,0; 2. Offenbacher RD 6:59,0; 3. Kurhesfen Kassel 7:09,0; Undine Offenbach ge­wann nach Belieben und lag im Ziel drei Län­gen vor dem zweiten Boot. Die Kasseler lagen sechs Längen hinter dem Sieger. Saarbrücken tag bereits bei 500 Meter sicher in Front.

Iungmann-Einer: 1. Iödt. GRG.; Fleischhauer, Undine Offenbach, gab bei 1200 Meter auf.

Zweiter Dierer: 1. Nassovia Frankfurt- Höchst 6:58. RD Offenbach gab bei 800 und die Ruderer der GRG. bei 1200 Meter auf.

Anfänge r-Dierer: 1. Gießener R.-El. Hassia"; 2. Rudersport 1913 Gießen 7:12,0. Das erste Rennen derHassia" im DRD. endete mit einem überzeugenden Sieg. In großem Ab­stand folgte der Lvkalgegner. Zu berücksichtigen bleibt allerdings, daßHassia" eine Senioren-

mannschaft stellte, denen gegenüber die Iung- mannen des Rudersportvereins nicht nahe kom­men konnten (Die ..Hassia"-Mannschaft: Müller, DehuS, Hüttenberger. Herlmann. St.: Roll.)

Zweiter Einer: 1. Leitz. Wetzlarer R -El. 7:04,8; 2. Iödt. GRG.; Fleischhauer. Undine Offenbach, gab abermals auf. Zw: chen Leitz und Iödt entwickelte sich ein scharfe« Rennen. Iödt führte kurz nach dem Start, mußte aber auf der Strecke die Führung an Leitz abgeben. Dor dem Ziel holte Iödt energisch auf. vermochte aber nur auf eine halbe Länge an den Gegner heranzu- kommen, der fch.:eßlich knapper oicgcr wurde.

Akademischer Dierer: 1. GRG 6:46.0; 2. Universitätssportelub Frankfurt 6:58 4 Die Gießener lieferten «in schöne« Rennen und lagen im Ziel drei Längen vor dem Gegner. Die Frank­furter versuchten tm Endlpurt vergeblich, die Di­stanz zu verringern. (Die GRG.-Mannschaft: Flimm. Hartmann. Neuroch. Goetz, St.: Boden- stein.)

Erster Jun ior-Dierer: 1. Undine Saar­brücken 6:51,4; R -El. Dortmund aufgegeben.

Doppelzweier: 1. GRG 6:31.8; Horn­berger R.-El. gab bei 1400 Meter auf. Die Gie­ßener Timpe und Iödt. fuhren das Rennen in prächtigem Stil bei guter Zeit und landeten noch verhältnismäßig frisch (obwohl Iödt bereits da« 3. Rennen bestritten hatte) im Ziel.

Trost-Vierer: 1. Frankfurter RG. Sachsen­hausen 6 56,0; 2. Frankfurter REl. 6:57,4. Die bei­den Mannschaften lieferten sich einen scharfen Bord- an-Bord-Kamps. den Sachsenhausen mit A Bootlänge für sich entschied. Verein Rudersport gab leider be- r c 11 bei ....... Meter auf.

Zweiter Achter: 1. GRG. 5:48,4; 2. Offen- bacher RV. 5:49,0. Das spannendste und schönste Rennen des Tages. Ein heftiger Zweikampf ent­wickelte sich zwischen den beiden Mannschaften, Bord an Bord lagen die beiden Boote noch knapp vor dem Ziel. Durch eine große (Fnergieleiftung schoben sich bann die Gießener um ein geringes nach vorne und rissen einen knappen aber verdienten Sieg an sich. Der Endkampf wurde von den begeisterten Zu­schauern mit großer Spannung verfolgt. (Die Mann- schäft der GRG.: Weidig, Hartmann, Kuschke, Becker, Köhler, Flimm, Neuroth, Goetz, Steuer: Loh.)

Zweiter Tag.

Adolf - Fischer - Gedächtnis - Dle - rcr: 1. GRG. 7:06.4; 2. Marburger RD. 7:16,1. Die Gießener gewannen da« Rennen sicher mit zwei Längen Dorsprung. (Die GRG.-Mann­schaft: Weidig. Kuschke, Neuroth. Goetz, St.: Loh.)

Erster Dierer: 1. Frankfurter Germani» 6:58.6; 2. Offenbacher RD. 7:01,1. Offenbach führte vom Start weg bi« 800 Meter. Frank­furt holte auf. riß die Führung an sich, die Offenbacher gaben jedoch nicht nach, und erst im Endkampf arbeiteten die Frankfurter mit einer halten Länge Dorsprung ten Sieg herau«. .

Rennen für Damen: 1. Offenbacher RD. 421.0; 2. GRG. 4:26.4. Die Offenbacherinnen la­gen den größten Teil der Strecke leicht im 33or­te r[, vermochten ater im Ziel mit einer halten Länge Dorsprung siegreich $u sein. Die Gießener Damen waren den Gegnerinnen körperlich weit unterlegen. Immerhin darf man sagen, daß sie sich sehr gut behauptet hatten. (Die GRG- Mannschaft: Herta Ebert, Toni Geilsuß, Hana- lenc Kipper. Ilse Roll. St.: Lino Noll.)

Iungmann-Achter: 1. SaarbrückenerRG. Unbine 6:20,4. 2. GRG. 6:29,4. 3. Kurhessen Kassel 6:30,6. Die Saarbrückener waren die Favoriten und ließen sich auch den Sieg nicht streittg machen. Die Gießener hielten in an­sprechender Form den 2. Platz, verloren aber erst kurz vor dem Ziel wesentlich an Terrain, Die Saarbrückener, die eine körperlich sehr kräf­tige Mannschaft stellten, ruderten einen vorzüg­lichen Stil und waren nicht zu schlagen. (Die GRG -Mannschaft: Blumschein, Rübsamen, Wei­dig. Kuschke, Bonner, Preun, Neuroch, Goetz, St.: Loh.)

K-Iungmann-Dierer: 1. Marburger RD. 7:09.0. 2. Gießener REl. Hassia 7:11,2. In einem scharfen Endkampf blieben die Marburger Sieger mit dem knappen Dorsprung von nuf wenigen Meter. Die Bingener, die ebenfalls im Rennen lagen, gaben vorzeitig auf. (Die Hassia-Mannschaft: Müller. Dehus, Rühl. Gold- Horn, St.: Noll.)

Oie ideale Biographie.

Berühmtheit in der Nähe. Messung des Unmepbaren.

Von Hranz Blei.

Ich kann nur annähernd da« teste Beispiel einer Biographie nennen. Sie hat immer wieder neu aufgelegte und immer wieder gelesene sechs Aände ziemlichen Umfange«, gibt sich für nichts sonst aus als die genaue Beschreibung eine« te- slimmten Geben«, will damit weder ein nachzu- «serntes. noch ein abschreckende« Beispiel auf- lellen und betrifft einen Mann, von dem die meisten Leser dieser Zeilen kaum den Namen kennen dürften, und von dem. außer, in der Schule, selbst in seinem englischen Heimatlande kaum mehr seit Jahrzehnten jemand eine Zeile liest, außer als Schlafmittel. Der Mann heißt Samuel Johnson, und sein sechsbändiger Dio- «aph heißt Dothwell. Er saß seinem Helden liebevoll sozusagen auf ter Pelle bei Tag und fei Nacht. Er schrieb ihn ab von außen und innen mb um ihn herum. Es ist ein unsterbliches Buch um einen vergessenen Menschen, den nur die Literaturgeschichten am Geben erhalten.

Aber dieser Samuel Johnson ist immerhin ein­aal berühmt gewesen, und man rührt leicht den Hut bei Nennung seines Namens. So ist er nicht Ter richtige Held für eine rechte Biographie, wie ib sie mir denke. Der Held meiner bevorzugten Äiographie dürfte nie ein Held gewesen sein iber da« bescheidene Maß Heldentum hinaus. Ta« das gar nicht leichte und einfadje private Leben von jedem verlangt. Tut er ein wenig nchr ober leistet er gar etwas, und sei es auch nur Rekordbrechen, so bin ich Abraham Gincolns Deinung, ter von Biographien sagt, daß sie falsch und irreführend seien. Denn der Verfasser male seinen Helten als ein vollkommenes Wesen, vergrößere seine Dorzüge, verkleinere oder ver­schweige seine Fehler, und solche Verbreitung der Güge sei eine Beleidigung de« Gebenden so­wohl wie eine des Andenkens bc« Toten.

Gewiß, ter Biograph kann nicht bas Geben c_nc« großen Mannes beschreiten, der in den Dinteln liegt. Aber et zeigt eine Neigung dazu,

so zu tun, als ob er schon aus den Windeln die künftige Gröhe lesen könne. Das ist sein Trick, ohne den es nicht zu gehen scheint. Der Biograph tut so, als ob er ter Gröhe feines Helden immer auf ter Spur folgte oder ihr gar voraus wäre. Und das ist fein zweiter Trick. Denn tattächlich schaut er ja seinem Helten m die Karten und sieht da die Atouts. Er. ter gewissermaßen post festum schreibt, tut so. als ob er ante festum schriebe. Läßt ihn der Held einmal mit bet Psychologie im Stich, hilft sich der Biograph, in­dem er je nach Temperament vom Genius, oder vom Dämon feine« Helden dunkel redet. Um ten Gefet nicht vor zu viel Größe erschaudern ju lallen (tote Schönheit ter Frau erkältet, Hübschheit anzieht), unterschlägt er kleine Schwä­chen de« Helden nicht mehr, nimmt sie ater in Schutz. Solche Dertraulichkcit verlebendigt bas sonst allzu starr geratende Bildnis.

Der große Mensch, bas heißt, ter Mensch bedeutungsvoller oder eigentümlicher Geistungen auf irgend einem Gebiete wichtiger menschlicher Tätigkeit er ist in den Geiftungcn, aber nicht in seiner Biographie interessant. Interessant kann hier immer nur der Biograph fein. Dothwell kam zu Johnson, weil er ihn in seinen Oei(hingen für bedeutend hielt ober tocii er es für seine Zeit auch ttxyr. Er verfiel dem Menschen, den er aufzeichnete, ater nicht zu beuten versuchte. Kein Mensch hat bie gar nicht intcrcffierente Bio­graphie bes Dothwell geschrieben.

Wir sind geneigt, uns bas Dilb eine« großen Menschen nach ter Vorstellung umzuschallen, die wir von ihm ober seiner Genialität haben. Gin- coln war gar nicht so. wie ihn die meisten seiner unzähligen Diographen dem Wunsche seines Vol­ke« enllprechend barstellen. Er war faul und gar nicht fleißig, die Freiheit ter Neger war ihm egal, die Einheit ter Nation allein wichtig, er war nachlässig, schlampig, machte gern ordinäre Witze, hatte keine schöne, sondern eine recht grausliche Stimme und war nicht mehr Patriot, als sich mit einem außerordentlich guten gefunden Menschenver st and vertrug. Und fromm war er schon gar nicht.

Wenn sich ater bie Oeffentlichkeit des großen Mannes bemächtigt, versucht sie immer ihn nach dem Bilde von Größe zu modeln, bas sie von

vermeinter Größe in sich trägt. Oft gibt der große Mann nach und legt sich die gewünschte Maske der Gröhe vor seine wirkliche. Ost so sehr, daß diese wirkliche Gröhe verschwindet. Da wird er bie Deute seines eigenes Ruhmes und verliert seine Natur. Dann tun bie Bio­graphen mit ihrem Helden äußerst schwer.

Darum würde ich da« Ideal einer Biographie in der Lebensbeschreibung eines nichts sonst als sich selbst bedeutenden Mannes ohne jede Lei­stung. also ohne jede Oeffentlichkeit sehen. Eines irgendwelchen Mannes, dem sich ter Biograph sozusagen auf den Nacken setzt, um ihn bis zum Tote nicht mehr loszulafsen. Ich glaube, man würde aus der Biographie eines solchen Irgend­eine« weit mehr und Wichtigere« erfahren, als au« den Lebensbeschreibungen solcher durchaus unemeßbarer Erscheinungen wie Napoleon, die man sich mit ganz untauglichen Mitteln meßbar zu machen sucht, um mchts als fein eigene« kleines Maß zu geben.

Oie Liebesgeschichte beer letzten Zaren.

Aus dem Briefwechsel des Zaren Nikolaus mit feiner Gemahlin find wir über die leidenschaft­liche Zuneigung unterrichtet, die ten so tragisch geendeten Herrscher für seine Lebensgefährtin erfüllte. Die Dorgeschichte dieser Ehe. die eigent­liche Liebensgeschichte zwischen den beiten, wird jetzt enthüllt durch das Tagebuch besZaren, aus tem die Prinzesiin R a d z i w i l l in ihrem soeben in London erschienenen BuchNikolaus II., ter Letzte ter Zaren" umfangreiche Stücke ver­öffentlicht Die Auszüge au« dem Tagebuch, die hier mitgetellt werden, beginnen bereits in seiner Jugend; sie find sehr naiv, verbreiten sich viel­fach über Alltäglichkeiten und willen alles mög­liche von ten vielen Onkeln und Tanten des Prinzen zu erzählen. Interellanter werten die Aufzeichnungen erst mit dem Abschluß ter Schul­zeit. die der Prinz selbst mit den pathetischen Worten bezeichnet:Ich habe meine Erziehung endgültig und für immer beendet Sein Leben als Erwachsener wirb durch die Mitteilung er­öffnet:Gestern wurden 125 Flaschen Champag­ner getrunken." Auch bie Liebe tritt nun in fein Dasein, indem er Beziehungen zu der Tänzerin

Vierer ohne Steuermann: 1. Offen» bacher RD 6:41.0; 2. Frankfurter Germania 6:55,0. Mit einem großen Doriprung gingen die Offenbacher durch ba« Ziel.

Im Junior-Einer erhielt Iödt iGRG.) den Preis zugetprochen.

Dritter Vierer: 1 Frankfurter RG Sach­senhausen 6: 49.0. 2. RE Hanla Dortmund 6. 49.8; 3. Ottenbacher RD. 7:30.0. Zwischen Frankfurt- Sachsenhausen und Hanta Dortmund entwickelte sich ein rafhger Enbkampl. ten Sachsenhausen nur sehr knapp für sich entschied. Die Offenbacher lagen diesmal weit zurück.

Lahn-Achter: 1. GRG. 6:24,1; 2. Gießener Ruderklub Hassia 6 34.2. Man erwartete die Mannschaft ter GRG. wohl im voraus al« Sie­ger Die Hassia-Mannschaft hielt sich während te« größten Teile« ter Strecke sehr gut, verlor aber in der weit au «gefahrenen Kurve vor tem Ziel sehr viel an Terrain. «Die GRG -Mannschaft: Weidig, Hartmann. Flimm. Becker. Köhler. Kuschke. Neuroth. Goetz. St.: Loh. Die Hassia- Mannschaft: Frank, Weller. Rühl, Gollchorn, Hüttenberger, Dehu», Müller, Heilmann, St.: Fränzel. I

Zweiter Junior-Vierer: 1. Weilburger RA. 6:51,0; 2. RV Bad Em» 7:00,4; 3. Frankfurter RG. Sachsenhausen 7:17,0. Die Weilburger ließen in diesem Rennen ihre Gegner sehr weit zurück. Sachsenhausen enttäuschte.

Ermunterung» -Vierer: 1 Akademischer Sportklub der Universität Frankfurt 7:01,0; 2. Ver­ein Rudersport Gießen 7:06,2. Den Frankfurter Studenten war der Sieg nur mit einer Länge Vor­sprung vergönnt. (Die Rudersport-Mannschast: Münch, Wagenbach, Fröhlich, Immel, Steuer: Muh- sich.)

Zweiter Iungmann-Vierer: 1. Saar­brückener RK 6:48,0; 2. Offenbacher RD. 6:57,0. Die Saarbrückener errangen hier einen sicheren Sieg. ,

Die Regatta in ihrer Gesamtheit war für die Deranstalterin. die Gießener Rutergesellschaf t. ein großer Erfolg. Nicht weniger als ach! erste Siege konnten bie Ruberer ber GRG. an ihre Fahnen heften. Dieser Erfolg darf nicht zuletzt tem Trai­ner gutgeschrieben werben, ter dabuvch seine Lei­stungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben bürfte. Den beiden anderen Gießener Rudervereinen war es mit Ausnahme der Hassia (einen 1. Sieg) nicht vergönnt, größere Erfolge zu verzeichnen. Leiter verhielt sich ein kleiner Teil deS Publikums ver­schiedentlich wenig sportlich, so baß einige Ru­berer Anlaß zu Klagen hatten. Die Regatta war am Sonntag sehr gut besucht.

Oberheffen.

Pfarrer Schulte 70 Jahre alt.

Am 14. Juli kann Pfarrer Schulte, seit 1927 in Großen-Linden im Ruhestanb lebend, wo er seit 1906 erster Pfarrer war, seinen 7 0. Ge­burtstag begehen. Die Lefer terHeimat im Dilb" te« Gießener Anzeigers kennen ihn aus vielen wertvollen volkskundlichen und hei­matgeschichtlichen Beiträgen.

Otto Schulte tourte in Düsseldorf am 14. Juli 1861 als Sohn eines Papierfabrikanten geboren. Rach tem Schulbesuch bezog er Ostern 1882 die Universität Bonn und studierte dort drei Seme­ster, danach zu Berlin ein Semester Rechts­wissenschaft. Unbefriedigt von tem RechtSstudium entschloß er sich, Theologie zu studieren. Gr ging für vier Semester an bie Universität Halle und danach an die Landesuniversität Gießen. Nach dem Besuch tes Predigerseminars zu Friedberg und bestandenem Examen tourte er im April 1889 Pfarrverwalter in Engelrob im Dogelsterg, Ende 1897 würbe er Pfarrer au Beuern, 1906 kam er nach Großen-Linben. wo ihm eine an Erfolgen reiche Arbeitzeit beschieten war. Sein Name wirb für immer verbauten bleiben mit ter Wiederher­stellung ber Kirche, ter ältesten eine unseres Lan- tes, bie noch heute in kirchlicher Benutzung ist. Es galt eine Erneuerung im Innern unb eine Erweiterung be« Baues durchzuführen, die ten Forderungen der praktischen Zweckmäßigkeit ent­sprachen unb boch ben Charakter tes über 700 Jahre alten Baues ehrfurchtsvoll wahrten. Da­zu bedurfte eS eines berufenen Baumeisters es war Professor Walbe zu Darmstadt, aber ebenso eines geschichtlich geschulten Pfarrers, der

Mathilde K r z e s i n s k a unterhält. Doch die wahre, die große Liebe geht ihm erst auf, als er derunvergleichlichen Alix", ter Prinzesiin Alice von Hessen, begegnet. Sie verbringt einen Winter in Petersburg, unb er versiert so­fort sein Herz an sie Aber er muß bemerken, daßDetter Eddy", der Herzcg von Clarence, von den gleichen Gefühlen beseelt ist. unb bleibt eine Zeitlang hinter tem Nebenbuhler zurück. Aber in ber Tiefe tes Herzens hofft er.Es ist schon 18 Monate her", vertraut er seinem Tagebuch an.seit ich darüber mit Papa in Peterhof sprach, unb seitdem hat sich nichts ge­ändert. Mein Traum ist es. Alice von Hessen zu heiraten. Ich habe sie lange Zeit geliebt, aber tiefer und glühender seit dem Jahre 1389, da sie sechs Wochen in Petersburg verbrachte. Ich habe lange Zeit gegen mein Gefühl angekämpft und mich zu überreden versucht, daß es eine unmögliche Sache sei, aber feit Eddy seinen Ge­danken. sie zu heiraten, auf gab ober von ihr abgelehnt wurde, scheint mir bas einzige Hinder- nis zwischen uns nur noch die religiöse Frage. Es gibt fein anderes, denn ich bin überzeugt, daß sie meine Gefühle teilt. An Gegnerschall gegen diese Ehe hat es bei Hole nicht gefehlt. Zwei Wege scheinen für mich offen, schreibt er. . Ich selbst wünsche den einen einzuschlagen, aber Mama ist augenscheinlich für den zweiten. WaS wirb geschehen." Die Mutter dachte als künftige Schwiegertochter an bie Prinzesiin Helene, bie Tochter tes Grafen von Paris, und gewiß würbe die Geschichte einen arttem Verlauf genommen hoben, wenn sich ihr Plan verwirklicht hätte, aber ter Zarewitsch setzte seinen Willen durch. Er wurde zu ber Hochzeit tes Brüters derun­vergleichlichen Alix" in ter offensichtlichen Ab­sicht geschickt, um seinen Antrag zu machen. Diele Fürstlichkeiten waren versammelt, auch bie Königin Dictvria unb ber Prinz von Wale«, ben erOnkel Bertie" nennt; auch Kaiser Wil­helm II. war da, unb man verfolgte mit (Span­nung den Antrag.Wilhelm sah mit meinen Onkeln unb Tanten im Raum nebenan, um bas Ergebnis zu erwarten", heißt es im Tagebuch. Seine Bewerbung wurde angenommen, unb auf Vorschlag vonOnkel Dertte"tourte bie ganze .Familie im Garten photographiert".