Ausgabe 
14.7.1931
 
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Ur. 162 Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 14. Juli 1931

Sechster oberhessischer Turnerschastertag

QIder

Volkes muf

Die englische Riesenkundgebung für den Weltfrieden

essen zu sichern und lehnt vorläufig jedenfalls jede weitere Expansion ab.

Die Situation ist insgesamt recht charakteristisch für das Inselreich. Nachdem es während des Weltkrieges und nach dem Weltkriege eine Poli­tik trieb, die rein imperialistisch war. hat es sich nunmehr unter dem Druck der Weltmächte und angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Staatsfinanzen hiervon abgewandt und baut zunächst einmal seine Gesellschaftsordnung um. Und so macht es aus der Rot. wie so oft im Laufe seiner Geschichte, solange eine Tugend, bis sich für das Land wieder die Gelegenheit ergibt, in die Ereignisse der Weltpolitik wieder einzugrei­fen. Denn, und das ist eben für den Japaner aller

politischen Schattierungen so selbstverständlich, daß cs kaum besonders hervorgehoben zu werden brauchte wenn Japan so proste Reformen in der Innenpolitik und Wirtschaftspolitik durchführt, und noch dazu in einer so schweren Krise durch­führt, wie eS die jetzige ist, so geschieht dies nicht, um Gefahren aus dem Wege zu gehen, sondern um die Macht des Staates zu stärken. Dah es anscheinend in Japan so ruhig ist, darf man also wohl kaum als Ermüdungser­scheinung auffassen. Japan sammelt viel­mehr seine Kräfte, um sie bei passender Gelegen­heit zur Erweiterung seines Machtbereiches im

I Stillen Ozean wieder einzusetzen.

Der Führer der englischen Liberalen, Lloyd George, bei seiner temperamentvollen Rede, hinter ihm von links nach rechts Ministerpräsident Macdonald, der Führer der Arbeiterpartei, Feldmarschall Str William Robertson, der Ches des Generalstabs und Baldwin, der Führer der Konservativen.

kann nicht ausgelöscht sein aus dem deutschen Leben. Das deutsche Volk wurde groß durch die Kraft derer, die vor unS unsere Sprache geredet und unser Staatsempfinden bestimmt ha­ben. Wenn wir in diesen schweren Tagen jcm.8 aufrechten deutschen Staatsmannes gedacht haben, der Preußen den Weg zur Höhe ge­wiesen hat, dann wissen wir, um was es geht:

Zeitschriften.

Die »Süddeutschen Monatshefte" (München) haben ihr Juli-Heft einer Schilderung deSKampfes gegen Gott" gewidmet. Wenn ein langjähriger Funktionär der Sozialdemokratischen Partei wie Ernst Drahn in zwei ArtikelnEnt­wicklungsstufen des proletarisch-sozialistischen Atheismus" undDie Internationale der Gott­losen" ein Bild der Vergangenheit und der er­schreckenden Gegenwart gibt, so ist das mehr als einAuS der Schule Plaudern".

Eine Zusammenstellung der bolschewistischen Re­ligionsgesetze von Ludwig Berg (Aachen) zeigt, wie sich die allmähliche Verschärfung des Kamp­fes gegen Gott in der Gesetzgebung ausdrückt, lieber die praktischen Formen dieses Kampfes be­richtet Theodor Seibert (Hamburg), der auf Grund seines jahrelangen Aufenthaltes in Mos­kau Augenzeuge war, wie sich Anfang 1929 die gehässige Propaganda, die den Machthabern nicht wirksam genug geschienen hatte, in einen brutalen Vernichtungskrieg verwandelte. Hebet die allzu |

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

E4 ist ftiU geworden um Japan. Seit es sich in Wachington und London mit einer beschei­denen Seemacht zufriedengab und seitdem es unter Lchidchara auf die Interventwnspo.ttlk in Ehina verzichtet hat, scheint es für die TBt'A- öfsenilchkeit an Interesse verloren zu hiwem Und doch :obni eS sich immer wieder, einen Vlick auf die Ereignisse im Lande der ausgehenden Sonne zu werfen, da eS ja all die Probleme, die die übrige Welt bewegen, ebenso wie diese zu spüren bekommt, wenn eS sie auch manchmal ganz anders löst. alS dies in Europa oder Amerika der Fall sein würde. Denn Japan hat eben seinen eigenen Lebensstil, den es sich selbst in Rvtzeiten nicht nehmen läßt und der dann eben manche Dinge umgestaltet.

So hat auch die Weltkrise ein anderes Ge­sicht in Japan als in der übrigen Welt. Der Zug von Disziplin und Se l b st b e h e r r - sch u n g , der Japan immer wieder vor anderen Ländern ausgezcchnet hat, herrscht auch jetzt vor und verwischt viel von der Rot. d.e die Krise sonst im Gesolge hat. So jammert in Japan nie­mand über die Arbeitslosen und auch der Rück­gang im Außenhandel Japans Außenhandel ist 1930 gegenüber dem Vorjahre ufh em ganzes Drittel zurückgegangen wird mit einer gewissen Fassung ertragen. Aus der Rot der Industrie aber hat die Regierung die erforder­lichen Konsequenzen mit a.lcr Energie gezogen. Sie legt still und fusioniert mit einer Rücksichtslosigkeit, wie sonst in keinem anderen kapitalistischen Staat So zunächst dte Eisen­industrie (die in Japan ja vor allem Rüstung- industrie ist), dann die Schiffahrt und demnächst vielleicht auch die Daumwollspinnereien und We- bercien des Landes. 3n der klaren Voraussicht, daß eben nur große und größte Ge­triebe in der Krise und bei verschärftem Kon­kurrenzkampf gesund bleiben können. Daß der Staat dabei z. V. in der Visen- und Stahl­industrie die Hälfte des Kapitals übernehmen mußte, spielt keine Rolle, da in Japan immer noch Politik vor Wirtschaft geht.

Das zeigt sich auch in der Innenpolitik der Miuseiw. die immer noch am Ruder sind und nunmehr von Wakatsuki geleitet werden, weil der frühere Premierminister Hamagutschi durch das Attentat doch so schwer in seiner Gesundheit geschädigt worden ist. dah er sich auS dem politi­schen Leben zurückziehen muß. DaS Attentat hat im übrigen natürlich nicht der Partei geschadet, sondern nur ihren Gegnern. Der Flottenvertrag von London, der von den Patrioten so heiß be­kämpft wurde, ist nicht zuletzt infolge deS Atten­tats glatt im Parlament angenommen, worden, nachdem zuletzt auch der Kaiser sich für die An­nahme deS 'Vertrages eingesetzt hatte. Aus diesem Zwischenfall ist die Minseito somit gestärkt her­vorgegangen. so dah sie bedeutend an Autorität gewonnen hat. Das will ja für eine Krisen­regierung immerhin alleS mögliche besagen.

Die Partei fühlt sich denn auch so stark, daß sie sich die Durchführung all der Reformen zu- traut. die sie seit Jahren in den Wahlversamm­lungen forderte, d. h. also, sie demokrati­siert den japanischen Staat. So hat sie zunächst das W a h l a l t e r für Männer von 25 auf 20 Jahre herabsehen lassen, eine Mah? nähme, durch die sie hofft, ihre Mehrheit ein für allemal stabilisiert zu haben. Sodann hat sie auch das teilweise Frauenwahlrecht eingcsührt, das bisher in Japan auf das schärfste abgelehnt wukde. Es haben etwa 13 Millionen Frauen das Wahlrecht für Gemeinde- und Stadt­wahlen erhalten, eine Maßnahme, die jedoch provisorisch gedacht ist, da man in absehbaren Zeit dieses Wahlrecht zum vollgültigen politi­schen Wahlrecht erweitern will. Endlich hat die Minseiw mit der bisherigen Praxis in der Be­handlung der Gewerkschastssrage völlig gebrochen. Die Regierung hat ein Gesetz eingebracht, das den Arbeitern Koalitionsfreiheit gibt und ihnen den Zusammenschluß zu Gewerkschaften, die kollektiv mit den Arbeitgebern verhandeln dürfen, gestattet. Allerdings hat die Regierung

Tiere auf dem Operationstisch.

Sin Seelöwe bekommt 5 Liter Rizinusöl.

Don Fnh Böttcher.

In der Wüste, Im Urwald, in wilden Gegen­den herrscht das strenge Gesetz der Auslese. Alles, was schwächlich und trank ist, und dem täglichen und stündlichen Kampf ums Dasein nicht mehr gewachsen ist, geht erbarmungslos zugrunde. Die Ratur ist dort nur aus der Seite der Starken und Gesunden. Anders liegen die Verhältnisse bei Tieren in der Gefangenschaft. Erstens haben die Tiere in der Gefangenschaft nicht die natürlichen Lebensbedingungen, die an sich schon krankheit­verhütend wirken, und zweitens repräsentiert ein Raubtier in der Gefangenschaft, also im Zirkus oder im zoologischen Garten, einen gewissen wirt­schaftlichen Wert, den man nicht ohne weiteres der Vernichtung aussetzt. Wenn deshalb ein Tier in der Gefangenschaft erkrankt, dann wird alles da­ran gesetzt, um fein Leiden zu erkennen und wo­möglich zu heilen. Das Schwerste ist freilich mei­stens, das Leiden rechtzeitig zu erkennen und zu benennen, d. h lokalisieren zu können. Der erste, der das bloße Krankiein erkennt, ist meistens der Wärter. denn er ist zugleich diejenige Person, die das Tier am genauesten kennt. Der Wärter benachrichtigt von sich aus den zuständigen Tier­arzt und dieser macht sich sogleich auf den Weg, um den Fall zu beäugen scheinen.

Hier beginnen auch schon die Schwierigkeiten. So geduldig oft* ein Hund beim Tierarzt ist, so bösartig ist jedes wilde Tier in der Gefangenschaft, wenn man ihm auf den Leib rüden will. Es hat nicht die geringste Empfindung dafür, dah der Arzt ihm helfen möchte, es sieht nur einen Feind vor sich. Es bleibt deshalb in den meisten Fällen nichts übrig, als das Tier zunächst ein­mal zu fesseln. Für diesen Zweck gibt es in jedem größeren zoologischen Garten besonders geschulte Kräfte. Dem Tiere werden Schlingen um die Glie­der und um den Hals geworfen und es wird

vollständig wehrlos gemacht. Dann erst kann unter Fauchen, Brüllen und Knirschen des gefesselten Tieres die eigentliche Untersuchung' vor sich gehen.

So eine Diagnose ist oft ungeheuer schwer. Diel schwerer als beim Menschen. Denn das Tier gibt auf keine Frage Antwort, es reagiert nur durch Körperreflexe. Freilich geht die Untersuchung na­türlich auch nicht so zimperlich, wie beim Men­schen vor sich

Wenn eindeutig feststeht, was los ist, wenn, das Leiden erkannt und die Diagnose gestellt ist, dann kann an die eigentliche Behandlung gegangen wer­den. Wenn cs eine bloße Verdauungsstörung war, dann-wird meistens Rizinusöl gegeben, al- dings in ungeheuerlichen Quantitäten. Einem Seelöwen im Berliner Zoo, der einen Gummiball verschluckt hatte, wurde kurzerhand ein Kübel mit fünf Liter Rizinusöl in den Rachen* geschüttet, das auch prompt die gewünschte Wirkung aus- übte.

Schwieriger liegt der Fall, wenn etwa ein ent­zündlicher Prozeß vorliegt und eine rasche Ope­ration vonnöten erscheint. In diesem Falle erhält das Tier, auch große Bestien wie Tiger und Löwen, meistens eine ausgiebige Rarkose. Richt fo lehr der Schmerzlosigkeit als der Unbeweglich- keit wegen, die man damit für eine bestimmte Zeit erreicht. Selbstverständlich bleibt das Tier auch noch nebenbei gefesselt, soweit das möglich ist. Auch nach der Operation müssen die Tiere oft noch tagelang gefesselt bleiben, damit der Sjei- lungsprozeh besser vor sich gehr. Die Operation an und für sich ist nämlich eine Kleinigkeit gegen­über den Schwierigkeiten der Heilung. Die Tiere halten nachher nicht still, sie bewegen sich, zerren an den Pflastern und reißen damit die Wunde wieder auf. Aus diesem Grunde kann man sehr schwierige innere Organoperationen bei Tieren nicht ausführen, obwohl sie theoretisch durchaus möglich sind. Hierzu gehören Rierenoperationen, Drüsenentzündungen u. a. Wenn der Arzt das Non possumus^ ausgesprochen hat, erhält das Tier eine Spritze, die es schmerzlos tötet Die meisten Operationen werden an den Zähnen und

schwacheChristliche Protestbewegung" berichtet kurz Ollsred William Gough (London), der sie im Dezember 1929 in der Londoner Albert Hall in die Wege leitete.

Das Iulihest desKunstwarts" bringt Künstlerisches, Literarisches, Kulturell-Aestheti- sches und Aktuell-Zeitgeschichtliches. In einem AufsatzDeutsche Dichter als Maler und Zeich­ner" zeigt Kurt Martin, wie eng verbunden oft dichterische 'Begabung mit bildkünstlerischer ist: zahlreiche Wiedergaben von Zeichnungen deutscher Dichter, wie Grimmelshausen, Kortüm, Matthias Claudius, Goethe, Kopisch. Chamisso, Mörike, Stifter. Fritz Reuter, Scheffel, Hesse u. a. dienen zum Beweise. Zu begrüßen ist es, daß der Kunstwart" durch den AufsatzUntergang deS Kapitalismus" von Paul Iostock aktuelle welt- unb wirtschaftspolitische Probleme in den Be­reich seiner kritischen Betrachtung einbezieht. Hans Böhm berichtet an Hand von Proben mit scharfer Kritik über neue Lyrik. In der Umschau interessiert besonders ein Artikel K. Megerles überEngländer, Araber und Juden", der daS Mandatssystem als Reo-Imperialismus mit un­aufrichtigen Methoden anprangert.

Im Augusthest von Wester manns Monatsheften schildert Paul Joseph Cre­mers wie der bekannte Architekt Emil Fahren­kamp sich aus einem baufälligen, unansehnlichen Bauernhaus ein modernes Landhaus geschaffen hat. Dr. Leutheußer würdigtGoethe als Staats- maim und Beamter", indem er seine hohen Ver­dienste um eine sorgsame Staatsführung gebüh­rend unterstreicht.Dürer zeichnet den Kaiser" heißt eine Skizze von Alfred Petto, in der er erzählt, wie Dürer als Abgeordneter Rümbergs im Sommer 1518 auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Maximilian 1. zeichnet. HebetDie deut­sche Frau in Hebersee" spricht H. Gotland, eine in Afrika lebende Deutsche. Walter Flaig erzählt über seine Erlebnisse bei Bergwanderungen und Bergbesteigungen:Klettersreuden in Fels und

den von der Saalempore zuschauenden 'Damen dar­brachte, ferner in gleicher Weise den vielen aus­wärtigen Turnerschaftem aussprach, die trotz der Rot der Zeit und der Schwere der Opfer den sech­sten oberheffifchen Tumerschaftertag besuchten. AlS Ziel der 'Veranstaltung stellte der Sprecher dar dic Befestigung alter Zusammenge­hörigkeitsbande und die Vertiefung der turnerschaftlichen Gesinnung und des engen Zusammenhai lens aller Tumerschafter.

Als Vertreter Sr. Magnifizenz des 'Rektors der Hniversitäl war

Geheimerat profeffor Or. Behaghel erschienen, der den Dank der Hnioerfilät für die Einladung und den Gruß der Alma matcr Ludo- viciana zum Ausdruck brach'e, dabei betonend, daß er als Träger des Ehrcnbandes der Gießener Turnerschaft Hassv-Rassovia mit besonderer Freude an dieser Feier teilnehme. Der Redner würdigte sodann die hohe Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung unserer akademischen Jugend in der von den Turnerschaften betriebenen Art, die in glücklicher Weise Hand in Hand gehe mit der sittlichen und geistigen 'Vervollkommnung und der Pflege höch­ster Vaterlandsliebe bei allen Turnerschaftem Er erinnerte sodann kurz an die wechselvolle Geschichte des Turnens an den deutschen Hochschulen, dessen Verdienste um die nationale Erziehung er stark hervorhob. Mit tiefer 'Befriedigung erwähnte er weiter die vollkommene Hingabe der Turnerschaf- ter an die hohe Idee des rastlosen Dien­stes für unser Volk, zu dessen Wiederauf­stieg aus "Rächt zum Licht der vorbildliche Geist der Turnerschaften, wie bisher, auch künftig in hohem Maße beitragen möchte. Zum Schluß trank der Redner auf das Wohl der vereinigten Turnerschaften, die ihm für seine be­geisterten Worte mit herzlichem Beifall denkt en.

Die Hauptansprache des Abends hielt der Vor­sitzende des VAT. Hessen Lahn. Sitz Gießen,

Prof. Dölzing-Gießen.

Gr betonte, daß man bei dieser Feier erneut die engste Verbundenheit und das gleiche Streben nach den hohen Zielen des Verbandes bekunden wolle. Sodann brachte er die Grüße und

Am Sams.ag war Gießen wieder einmal die Stätte eines stark besuchen Treffens alter und junger Tumerschafter aus Gießen, Marburg. Siegen usw., die sich in der alten hessi­schen Universitätsstadt an der Lahn zum sech­sten oberhessischen Turnerschafter- t a g e vereinigten.

Den Auftakt der eindrucksvollen, von starkem Idealismus getragenen Veranstaltung bildete ein

Festzug

vom Hessen-Rassauer Haus in der Frankfurter Straße zum Arminenyaus in der Rodheimer Straße, der sich am Samstagnachmittag in farbenprächtigem Bilde durch eine Anzahl Straßen der Stadt bewegte. Der Zug, an dessen Spitze man zahlreich.' alte Tumerschafter bemerken konnte fand die rege Aufmerksamkeit der Stra­ßenpassanten, die bei dem günstigen Sommer­wetter die Marschstraßen stark belebten.

Rach dieser öffentlichen Kundgebung vereinigten sich die Tumerschafter am Samstagabend in gro­ßer Zahl zum

Festkommers

im Saale des Gesellschaftsvereins. Der Kommers, dem eine Anzahl Ehrengäste beiwohnte^ bot durch die verschiedenen Farben der Turnerschaften ein prächtiges Bild, einheitlich und aus hohe ideale Ziele gestimmt war aber der Geist, der diese frohe Festgemeinschaft erfüllte.

Der erste Chargierte der Hasso-Rassvvia Gießen, stud. jur. Höhn

entbot als Kommersleiter herzlichen Willkommen» grüß, den er insbesondere den Ehrengästen und

besten Wünsche der am Erscheinen verhinderten Herren Provinzialdirektor G r a e f - Dießen und Oberbürgermeister Dr. Keller-Gießen zum Ausdruck. Er wieS hieraus in eindringlichen Wor­ten auf die Schwere der Zeit hin und beklagte die starke Zersplitterung im deutschen Volke Dann sagte der Redner u. a. weiter: Trotzdem werden die Turnerschaften nicht verzagen.

großen Vergangenheit des deutschen _____...uh die Kraft zum Ausharren bis meinem besseren, schönercnDeutsch- land in lichter Zukunft geschöpft werden. Aus der Tiefe der deutschen 'Vergangenheit stei­gen die ernsten Schatten unserer Geschichte auf: ihr Kampf, ihre Freude und ihr Sieg durchziehen unsere Seele! Wir sind an {tiefer Vergangenheit unseres Volkes innerlich beteiligt. Die Tage glanz­voller Macht, die Rot unserer 3eit, wir können sie nicht bewußt empfinden, ohne zu fragen, wie daS wurde. Das Große und Herrliche

Japan in der Weltkrise: eine Epoche innerer Sammlung

Dgn unserem ^.-Berichterstatter

gleichzeitig zwangsweise ein S ch i e d S r e ch t für Lohnstreitigkeiten cingeführt, das unserem deutschen Schlichtungsrecht weitgehend entspricht.

Das sind, es ist nicht zu leugnen, außerordent­lich revolutionäre Maßnahmen, und es ist daher auch kern Wunder, daß sich f ch a r fe rWider - stand gegen manche der Maß lahmen der Regie- rung, besonders im konservativen Lager, zügte. Aber man Hal. und daS ist für Japan beo:iders charakteristisch, doch zum Teil in den Maßnahmen ein Ven'.il gesehen durch das die Unzufriedenheit der Bevölkerung entweichen würde und rechnete damit, daß die Dinge sich auch für die sog. Konser­vativen günstig auswirken würden. Der Druck der WirtschaftSnot hat also hier zunächst einmal nicht zu einer Diktatur, sondern im Gegenteil, zu einer weiteren Demokratisierung des Staates geführt, die manche Kenner des Landes noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten hätten. Aber es ist eben wohl fo. daß in kritischen Zeiten zunächst einmal stets eine demokratisch: Welle kommen muß, bevor diese durch eine andere abgeiöst wird. Daß derartige Stimmen sich jetzt schon in Japan regen, ist sehr bemerkenswert.

Gegenüber diesen innerpslitischen Problemen treten die außenpolitischen Fragen stark zurück. Japan, das sich zurzeit in einer Art Rück­zugsstellung befindet, kann ja auch gar nicht außenpolitisch übertrieben aktiv sein, solange cs | im Innern so große Schwierigkeiten zu üb.rwin- winden hat. In der japanischen Außenpoli.ik spie­len daher zur Zeit kaum irgendwelche Fragen eine größere Rolle. Mit Amerika lebt man in Frie­den, nachdem man sich entschlossen hat, die Ucber- legenheit der Arnerikgner anzuerkennen, mit den Engländern hält man weiter eine, wenn auch etwas kühle Freundschaft, den Russen steht man nach wie vor mißtrauisch gegenüber, und in China läßt man die Dinge, wenn auch ungern, laufen. Jedenfalls hat der japanische Außenmini­ster Schidehara ausdrücklich in seiner letzten gro­ßen Rede, über die Außenpolitik Japans erklärt, daß Japan die Politik der Richteinmischung in China fortzusetzen gedenke, well es sie für die allein richtige halte. Japan dürfte also wohl kaum in der nächsten Zeit zu größeren Aktionen auf dem Gebiete der Außenpolitik schreiten. Es be- gügt sich damit, baä Fortbestehen seiner 3nter-

den Krallen vorgenommen. In der Gefangenschaft ergeben sich infolge des ungewohnten Fressens fast meistens irgendwelche Zahnkrankheiten, die die Entfernung der kranken Zähne nötig machen. Das Zahnziehen bei einem Löwen ist alles andere als gemütlich. Oft zerreißt so ein wütendes Tier wäh­rend der Operation die Stricke, mit denen es ge­fesselt ist und dann heißt es rasch zur Seite sprin­gen und das Tier von neuem fesseln. Ein wildes Tier zeigt nach erfolgter Operation gewöhnlich nicht die geringste Dankbarkeit für den Mann, der es von seinen Schmerzen befreite.

Krallenverwach'ungen ergeben sich bei gefange­nen Tieren deshalb so oft, weil die Tiere wenig Gelegenheit haben, die Krallen wie in der Frei­heit fortwährend abzufchleifen. Es kommt frei­lich vor. dah in diesem Falle die Tiere selbst den Arzt spielen und die Operation mit ihren eigenen Zähnen vornehmen. Man muh in diesen Fällen achtgeben, dah sich keine Blutvergiftungen bilden.