Erzbischof Nathan Söderblom, der Führer der Stockholmer Kirchenkonferenz, Träger des Friedensnobel. Preises von 1930, starb in Upsala im Alter von 65 Jahren.
daß die großen Führerpersönlichkeiten da sind, die unser Volk in die Höhe führen können. In schwerer Zeit hat diese Führerpersönlichkeit das Wort gesprochen: „Was will man uns mit Rezepten. Ich kenne nur ein Vaterland, und das heißt Deutschland!" Freiherr vom Stein, der wußte, um was es ging. Wenn wir uns heute der Aufgaben bewußt werden wollen, die uns obliegen, dann müssen wir uns fragen, ob es nicht auch in der Vergangenheit Zeiten gegeben hat, die uns lehrhaft sein können. Lind wir können dabei erfernten: in der Gesamtheit unseres Volkes steckt eine Kraft des Geistes, die uns den Sieg verleiht. Die Geisteskraft der Deutschen besteht in der Verinnerlichung und Vertiefung. Deutsches Gemüt und deutscher Geist bezwecken die Vertiefung in den Gegenstand, deutscheTreueist das leuchtende Kennzeichen deutschen Wesens, vom Gemüt empfängt sie ihre Weihe und besondere Wärme. Diese Tiefe des Gemüts macht uns kein Volk der Erde nach, ober auch die Kraft des Geistes ist es, die unser Volk wieder mit emporbringen muh. Wir Turnerschafter, die wir den Mut stählen, die wir uns körperlich ertüchtigen, haben die Verantwortung vor der Zukunft unseres Volkes, mit allen Kräften des Gentütes und Geistes einzutreten für das, was den Gründern unseres Verbandes vorgeschweüt hat bei der Gründung des VC. Lins sollen die alten Ideale bewegen! Wehe dem Volke, das versinkt in Mammonismus und Materialismusl Rur das Volk hat noch eine Zukunft, dis an Idealeglaubt, die triumphieren über Mammonismus und Materialismus. Deutschlands Akademiker sind besonders berufen, in schwerer Zeit zum Wohle des Vaterlandes mitzuschaffen. Ihr Iungen, stellt euch hin an die Arbeit, tut eure Pflicht! Dieser Tag soll ein Tag der Besinnung sein. Wir wollen nicht äußeres Gepränge an den Tag legen. Wir wollen die Geschlossenheit unseres Tatwillens beweisen, die Geschlossenheit, mit allen Kräften für unsere Ziele weiter zu arbeiten. Dieste Stunde sei uns ein Gelöbnis in dem Bewußtsein: hier sind deutsche Akademiker zusammen. die ihre Pflicht kennen für die deutsche Zukunft. Auf unser deutsches Vaterland, unsere deutschen Turnerschaften und die deutsche Hochschule reiben wir einen kräftigen Salamander! Anschließend wurde gemeinsam der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen. Langanhaltender stürmischer Beifall dankte dem Redner für seine eindringlichen Worte.
Oer weitere Verlauf des Abends
brachte vor allem noch eine Ansprache des Studentenhistorikers Deutschlands, Prof. Dr. Sabri» cius (Marburg), der als Mann mit 107 Semestern daran erinnerte, daß er schon als junger Aktiver in dem Saale dieses Festes mitgefeiert habe, und der dann einige interessante Erinnerungen aus der Geschichte der Turnerschaften mitteilte, für die er am Schlüsse herzliche Wünsche aussprach. Rach einigen weiteren kurzen Ansprachen mit besten Wünschen für die Turnerschaften folgte der Auszug der Chargen und
damit der Abschluß des offiziellen Teiles. Anschließend blieb die Festkorona bei den Klängen der Kapelle Topp, gehaltvollem und frohem Liedgesang, mancher launigen, aber auch tiefer schürfenden Ansprache und Llnterhaltung von Mensch zu Mensch noch einige Stunden beisammen.
Der Verlauf der Veranstaltung hat die große Mühe der Vorbereitung reich belohnt, denn mit aufrichtiger Genugtuung können die Teilnehmer auf diese schlichte und doch gehaltvolle Tagung zurückblicken.
Oie Arbeitslosigkeit in Oberheffen.
Das Arbeitsamt Gießen über die Lage im Zuni.
Aus den einzelnen Derufsgruppen in Ober- Hessen ist über die Arbeitsmarktlage wie folgt zu berichten:
Land- und Aorslwlrlschaft.
Die Belebung des landwirtschaftlichen Arbeitsmarktes ist gegenüber des Vormonats gestiegen. Eine größere Anzahl von Aushilfen speziell für die Heuernte, teils aber auch noch für die Pflege der Hackfruchtfelder wurde angefordert. Das Angebot von Arbeitskräften aus dem Durchgangsverkehr war zeitweise groß. Machte die Bereitstellung männlicher Arbeitskräfte im allgemeinen keine Schwierigkeiten, so waren sie um so größer bezüglich landwirtschaftlicher Dienstmädchen.
In der Forstwirtschaft zeigte sich infolge eines Windbruches eine Belebung auf dem Arbeitsmarkt. Zur Beseitigung der entstandenen Schäden konnten 50 Arbeitskräfte für die Dauer von etwa zwei Monaten untergebracht werden.
Die Gärtnereien zeigten sich ebenfalls aufnahmefähig. Die Zahl der arbeitsuchenden Gärtner ging zurück. Verfügbar waren am Ende des Monats in der Berufsgruppe Land- und Forstwirtschaft 213 Arbeitsuchende gegenüber 296 des Vormonats und 194 des Vorjahres. Hierbei sei noch bemerkt, daß ein großer Teil Arbeitsuchender aus anderen Derufsgruppen in der Landwirtschaft untergebracht werden konnte.
Bergbau.
Die Lage des oberhessischen Bergbaues hat eine weitere Verschlechterung erfahren. Eine Grube hat wegen Arbeitsmangel ungefähr 80 Bergleute entlassen. Die Arbeitsuchendenzahl beträgt 334 gegenüber 295 des Vormonats und 179 des Vorjahres.
Industrie der Steine und Erden.
Die im Vormonat begonnene Besserung der Arbeitsmarktlage in der Basaltindustrie hat auch im Derichtsmonat angehalten. Die Steinbrüche am nördlichen und westlichen Abhang des Vogelsberges haben ihre Belegschaften weiter vermehren können. Auch die Ziegeleien am Rande der Wetterau stellten erneut Leute ein. Die Beschäftigungslage in der Industrie der Steine und Erden hat ihren vorjährigen Stand erreicht. Ob mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in dieser Derufs- gimppe zu rechnen sein wird, ist vorerst noch in Frage gestellt. Dem Arbeitsmarkt standen 826 Stein- und Ziegeleiarbeiter zur Verfügung gegenüber 998 des Vormonats und 821 des Vorjahres.
Metallindustrie.
In der Metallindustrie hat die Arbeitsmarktlage eine leichte Belebung erfaßten, die hauptsächlich auf kurzfristige Beschäftigungen von Dau Handwerkern und verschiedenen Großbetrieben zurückzuführen ist. Während eine oberhessische Metallfabrik zur Zeit voll beschäftigt ist, klagen die übrigen Industrien über Arbeitsmangel und arbeiten zum großen Teil verkürzt. Die Zahl
der Arbeitsuchenden beträgt 1821 gegenüber 2077 des Vormonats und 1033 des Vorjahres.
Holz- und Schnihstoffgewerbe.
Während die Lage im Holzgewerbe sich im Vormonat nur schwach gebessert hat, war ein weiteres Aufleben in diesem Monat zu verzeichnen. Verschiedene Sägewerke haben wegen Eingang von kurzfristigen Aufträgen Holzarbeiter zurückgerufen. Die Zahl der Arbeitsuchenden beläuft sich auf 592 gegenüber 688 des Vormonats und 393 des Vorjahres.
Rahnings- und Genußmittelgewerbe.
Die Tobakindustrie war mich im Monat Iusti aufnahmefähig. Während der Beschäftigungsgrad bei den größeren Firmen weiterhin gestiegen ist, herrschte bei den kleineren Betrieben eine uneinheitliche Entwickelung.
Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen- den Arbeitsuchenden des Tabakgewerbes sind hauptsächlich ältere Personen, die früher mit Heimarbeit beschäftigt wurden. Es ist vorab nicht damit zu rechnen, daß diese Personen in den Arbeitsprozeß eingeordnet werden. — In den anderen Berufen des Rahrungs- und Genußmit- telgewerbes ist keine Dessepßng der Lage zu verzeichnen. Die Brauereien klagen über schlechten G e s ch ä f t s g a ng. Verfügbar waren 352 Personen gegenüber 548 des Vormonats und 161 des Vorjahres.
Bekleidungsgewerbe.
Die Arbeitsmarktlage neigt zur weiteren Verschlechterung. Verschiedentlich sind Zugänge von Schneider und Schneiderinnen zu verzeichnen, die wegen Saisonschluh entlassen worden sind. In der Schuhindustrie wird nach wie vor über Arbeitsmangel geklagt. Während ein Betrieb seine Belegschaft entlassen hat, arbeiten die übrigen Betriebe verkürzt. Die Konfektionsbetriebe sind z. T. gut beschäftigt. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 239 gegenüber 249 des Vormonats und 167 des Vorjahres.
Baugewerbe.
Die Marktlage im Baugewerbe ist uneinheitlich Der Umfang der Bautätigkeit ist gegenüber der Erwartung und auch gegen denen des Vorjahres weit zurückgegangen. In der letzten Hälfte des Monats überwog der Zugang an Arbeitsuchenden den Abgang. Da die wenigen Reubauten in allernächster Zeit auch schon beendet sein dürften, ist mit einer Entlastung des Arbeitsmarktes von feiten des Baumarktes kaum mehr zu rechnen. Die Arbeitsuchendenzahl beträgt 1711 gegenüber 1751 des Vormonats und 1080 des Vorjahres.
©aff- und Schankwirfschasfsgewerbe.
Die allgemeine schlechte Wirtschaftslage wirkt sich auf dieses Gewerbe besonders stark aus. Die Frequenz der v b e r he s s i s ch en Bäder ist wesentlich geringer als im vergangenen Jahre, namentlich das deutsche
Publikum fehlt. Auch Me übrigen Hotels unV Gastwirtschaften flogen über schlechten Geschäftsgang. Ger Reiseverkehr liegt sehr darnieder. Auch die Vermittlungstätigkeit hat nachgelalsen. Verfügbar waren 67 Fachkräfte gegenüber 45 deS Vormonats und 33 des Vorjahres.
verkehrsgewerbe.
Die Lage des Verkehrsgewerbes hat noch keine wesentliche Besserung erfahren, da namentlich die Reichsbahn die geplanten Einstellungen von Zeitkräften noch nicht zur Durchführung gebracht hat. Wir zählten 437 Arbeitsuchende gegenüber 461 des Vormonats und 200 des Vorjahres.
häusliche Dienste.
Die Rachfrage nach Hausangestellten hat sich tn der Derichtszeit weiter gebessert. Es konnten 81 Personen vermittelt werden. Daß am Ende der Berichtszeit 161 weibliche Hausangestellte gegenüber 182 des Vormonats und 30 des Vorjahre« verfügbar waren, zeigt deutlich, wie sehr sich die Wirtschaftslage im Laufe des vergangenen Iah- res verschlechtert hat.
Lohnarbeit wechselnder Art.
Die Arbeitsmöglichkeiten für die Angehörigen dieser Derufsgruppe sind besonders schlecht, zumal die Bauhilfsarbeiter nur in sehr geringem Maße Arbeit finden können. Lediglich die'Aufnahme- fähigkeit der Landwirtschaft und der Industrie der Steine und Erden ermöglichte Arbeitsuchenden dieser Berufsgruppe Arbeit zu finben. Di« Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1976 gegenüber 2111 des Vormonats und 1378 des Vorjahres.
Angeslelllenberufe.
Auf dem Stellenmarkt für Angestellte war eine Aenderung von Bedeutung nicht zu verzeichnen. Verfügbar waren 841 Stellensuchende gegenüber 875 des Vormonats und 519 des Vorjahres. , j
Berufsberatung.
Die Abteilung Berufsberatung hatte im Monat Iuni 1931 89 Deratungsfälle und zwar 68 für männliche und 21 für weibliche Ratsuchende zu verzeichnen: davon waren 65 Ratsuchende (49 männliche und 16 weibliche) zu wiederholter Beratung erschienen. Unter den 24 Besuchern (19 männlichen und 5 weiblichen), die die Berufsberatung zum ersten Male in Anspruch nahmen, waren 13 Dolksschüler und 2 Volksschülerinnen: 6 männliche und 3 weibliche Besucher kamen aus höheren Lehranstalten. — 13 ältere Ratsuchende, die die Schule bereits fett mehreren Iahren verlassen hatten, wollten wegen einer für sie möglichen beruflichen Weiterbildung oder Deirnfsumschulung Rat
Professor Friedrich Gundolf, der Heidelberger Literarhistoriker, der erste Träger des Lessingpreises, starb 51jährig an den Folgen einer Gallenoperation.
Eva am Strand
Vornan von Hermann Weick.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
.Warum blicken Sie so finster, Herr Leupold?" fragte Hanna Moest nach einer Weile.
Er zuckte mit den Schultern und wies auf das Porträt.
„Ich bin mit dem Bild nicht zufrieden!"
„Weshalb auf einmal?“
„Sie sind gar nicht die, die ich gemalt habe! Wenn ich das Porträt nochmals zif machen hätte, würde ich Sie anders malen!“
„Anders?"
„Richt mehr so ernst, so tragisch!“ Er trat etwas von der Staffelei zurück und betrachtete Hanna Moest mit einem langen Blick. „Sie haben sich in den letzten Tagen sehr verändert, gnädige Frau!“
Hannas Wangen röteten sich.
„Finden Sie?"
Er tat die Gegenfrage:
„Wissen Sie das nicht selbst am besten?" Ihre Züge sind heute die eines frohen, glücklichen Menschen!“
In Hannas Augen kam ein verräterisches Aufleuchten. Es schien, als wolle sie etwas sagen: Leupold wartete unbewußt auf ein Wort der Erklärung ... aber Hanna schwieg.
3n einer Stille, die etwas Beklemmendes hatte, ging eine Stunde dahin.
Hanna Moest, die schon einige Male auf die LIhr gesehen hatte, sagte unvermittelt:
„In einer Viertelstunde muh ich gehen.“
„Haben Sie es heute so eilig?“ erwiderte Leu- pvld schroff, ohne von seiner Arbeit aufzusehen.
„Ich bekomme Besuch. Mit dem Abendschiff trifft ein Bekannter von mir hier ein."
Ein rasender Schmerz durchfuhr Iörg Leupold. Seine Finger krallten sich in das Holz des Pinsels, den er in der Hand hielt.
Run hatte er des Rätsels Lösung! Run wußte- er, was Hanna Moest so verwandelt hatte!
„Dann will ich Sie nicht länger aufhaltenk', sagte er mit einer Stimme, die von weit her zu kommen schien.
„Wollen Sie das Bild heute nicht fertig machen?"
„©o schnell geht das nicht..."
Hanna Moest stand auf und trat an Leupolds Seite.
-3d) weih nicht, ob ich Ihnen in den nächsten Tagen werde sitzen können", sprach sie mit leichter Verlegenheit.
Ein wehes Lächeln irrte sekundenschnell über Leopolds Züge.
, »Ich brauche Sie nicht mehr zu bemühen, gnädige Frau", erwiderte er förmlich. „Die wenigen Pinselstriche, die noch fehlen, kann ich allein machen."
Wie zwei Fremde, durch Welten voneinander getrennt, schritten sie heimwärts. Einige Male begann Hanna Moest zu sprechen: aber Leupold gab nur einsilbig Antwort
Dor dem Hotel trennten sie sich.
»Ich danke Ihnen, daß Sie die Güte hatten, mir zu dem Bild zu sitzen, gnädige Sraur
»I ch habe zu danken, Herr Leupold! Es waren genußreiche Stunden für mich!"
„Geben Sie wohl, gnädige Frau!"
Llnklare Besonnenheit stieg in Hanna Moest auf; um sich von ihr zu befreien, fd>hig sie einen leichten Ton an.
„Warum so feierlich, Herr Leupold? Ich denke, wir sehen und sprechen uns noch öfter!“
„Ich werde mich freuen..antwortete Leupold mit einem Lächeln, das seltsam starr in seinem Gesicht stand.
Hanna Moest gewahrte den schmerzverzerrten Ausdruck in seinen Zügen. Was in den letzten Tagen der erwartungsvollen Freude ganz für sie versunken war: das Ahnen um die stille, schweigende Zuneigung Leopolds zu ihr wurde ihr in diesem Augenblick zur Gewißheit. Sie begriff, was diese Stunde des Abschieds für ihn bedeutete.
Eine mitleidige Regung erfaßte sie. Sie hätte Leupold gerne ein tröstendes Wort gesagt:
Da aber rauschte wieder der Gedanke: noch heute, in einer Stunde, Stefan Helbing wiederzu» sehen, fturmesgleich über sie hin und ließ sie alles andere vergessen.
Rach kurzem Abschiedswort betrat sie das Hotel.
Leupold ging wieder hinweg. Ziellos wanderte er durch den Ort, getrieben von der Qual, die in ihm tobte. Er kam wieder in die Dünen, er hastete weiter und weiter, als könne er so seinen Schmerzen entfliehen.
Wie eine Flamme lohte seine Liebe zu Hanna Moest in ihm. Bis zu dieser Stunde, in der er sie verlor, hatte er nicht gewußt, wie so ganz fein Denken und Fühlen mit ihr verwachsen war. Etwas Reues, Llnbegreiflich-Schönes war mit dieser Frau in fein Leben gekommen, das bis dahin einsam gewesen war und nur die Arbeit gekannt hatte. Run war dieses Schone, Beglückende mit ihr dahingegangen... für immer dahingegangen ...
Ratlos sah Leupold umher, als müsse ihm von irgendwoher Rettung aus feiner Rot kommen. Er stand an der südlichen Küste der Insel. Vor ihm lag in eintöniger Ruhe das Wattenmeer.
Plötzlich gab es ihm einen Schlag.
Ein Dampfer näherte sich der Landungsstelle. Am Ufer befanden sich zahlreiche Menschen.
Mit wehen Blicken sah Leupold hinab.
Dort unten stand auch Hanna; vielleicht fiebernd vor Erwartung, mit all ihren Gedanken bei dem Manne, den das Schiff nun zu ihr brachte...
Haß gegen diesen Mann sprang in Leupold auf. Warum kam er gerade jetzt, um ihm die Frau zu nehmen, die er liebte?
Lange irrte Leopold an diesem Abend draußen umher . Als er, mit großer Verspätung, ins Hotel Mrückkehrte und den Speisesaal betrat, hatten die meisten Gäste bereits die Abendmahlzeit hinter sich.
Aber Hanna Moest sah noch an ihrem Tisch; ein Herr befand sich in ihrer Gesellschaft.
Leopold berührte kaom die Speisen; der Hals war chm wie zugeschnürt.
Er zwang sich, nicht zo Hanna Moest hinüber- zublicken. Er wollte sie nicht sehen, sie nicht grüßen. Was hatte er noch mit ihr zo schassen? Mochte sie mit dem anderen glücklich werden!
Rach einer Weile irrten seine Blicke doch zu dem Tisch der beiden hin. Mit einer bohrenden Reugier, die er sich selbst nicht eingestand, betrachtete er den fremden Herrn.
Er mochte Mitte der dreißiger Iahre sein und hoch: ein scharf geschnittenes, energisches Gesicht von offenem, sympathischem Ausdruck. In feinen Gebärden, der Art des Sprechens, hatte er etwas Weltgewandtes, Lieberlegenes.
In kaum verhüllter Hingabe hingen Hanna Moests Blicke an dem Antlitz des Fremden. Ihr ganzes Wesen strahlte jubelnde Freude aus. So hatte Leupold sie noch nie gesehen, mit diesen leuchtende« Mienen, diesen glückstrahlenden Augen.
Leopold ertrag plötzlich den Anblick der beiden nicht mehr. Wie in einer Flocht verließ er dem. Speisesaal.
•
3st es nicht nur ein Wahn? dachte Hanna Moest und konnte es noch immer nicht fassen, daß sie an Stefan Helbings Seite saß.
Gleich einer Verdursteten trank sie die Worte in sich ein, mit denen er ihr von den Iahren seiner Arbeit in Brasilien erzählte. Wie hatte sie sich nach dem Klange dieser Stimme gesehnt, in Wachen und Träumen war sie immer wieder in ißt aufgeklungen.und hatte die Sehnsucht nach l&eSn fernen Geliebten nicht zur Ruhe kommen lassen.
„Als so lange keine Rachricht mehr von dio kam, fürchtete ich schon, du hättest mich vergessen", sagte sie leise.
„Ich dich vergessen, Hanna!... Wir waren aber monatelang tief im Innern des Landes; die, Dahn, die wir bauten, ging auf lange Strecken durch den Llrwald. Eine geregelte Postverbindung bestand da natürlich nicht. Dazu kam die viele schwere Arbeit, die Strapazen, die oft über Mensch enkräfte gingen. Die heiße, sumpfige Luft zehrte so an den Kräften, dah man abends wie tot um»
sank. Wer dachte da an Schreiben? Heute weiß ich selbst nicht mehr, wie die Monate und Iahre drüben vorbeigegangen sind: manchmal zweifelte ich daran, aus dieser Wildnis, wo auf Schritt und Tritt Gefahren lauerten, mit heiler Haut herauszukommen. Ich habe es aber dann doch geschafft!"
Mit brennenden Augen sah sie Helbing an. Reim Dunkel, das auf dem Balkon, wo sie sahen, herrschte, tonnte sie seine Züge nur unklar unterscheiden. Ihre Hand tastete sich zu ihm hin, strich ihm über die hohe Stirne, die dichten Haare. , „Run bist du zu mir gekommen", sprach fit innig.
Er zog sie an sich. Sie erschauerte unter seinen Küssen. Alles Leid der vergangenen Iahre war in ihr ausgeloscht durch das Erlebnis dieser Stunde.
IX.
Paul Bertram streckte den Kopf zur Tür herein. „Kommst du mit, Iörg?“
Leupold lag auf dem Diwan, das Gesicht der Wand zugekehrt.
„Olein I“
„Warum nicht?"
„Ich habe keine Lust!"
Bertram trat ins Zimmer und machte die Ture hinter sich zu.
„Du könntest dich wenigstens umdrehen, wenn ich mit dir sprecheI"
Leupold wandte sich langsam um; in feinen) Zügen war der Ausdruck einer nur mühsam verhüllten Verstörtheit.
„Wenn mein Benehmen dir nicht paßt, kannst du ja wieder gehen!“
Bertram zog einen Sessel heran und setzte sich dem Maler gegenüber. Er zündete sich eine Zigarette an und rauchte schweigend, während er hin und wieder einen forschenden Blick auf feinen Freund richtete.
„Dich hat es ja natürlich umgeworfenI" sagte er plötzlich.
Mit einem Ruck richtete Leupold sich auf.
„Was willst du damit sagen?"
„Die Sache mit Frau Moest hat dich aus dem Gleichgewicht gebracht, Iörg!"
„Welche Sache?"
Bertram zerdrückte die Zigarette in der Aschenschale.
„Ron lasse einmal dos Versteckspiel, Iörg! Das ist doch zwischen uns beiden überflüssig!... So etwas kann jedem einmal passieren; ich war schon mehr als einmal in ähnlicher Gage... Dah Frau: Woest sich plötzlich nur noch mit diesem Herrn Helbing der anscheinend ihretwegen hierher gekommen ist, abgibt und dich vernachlässigt, ist zwar mcht sehr freundlich von ihr; deswegen brauchst du aber den Kopf nicht derart hängen zu lassen!"
Leupold lachte höhnisch auf.
(Fortsetzung folgt.)


