Aus der Prvvinzialhaupiftadt.
Gießen, den 14. Juli 1931.
T^uhe und Besonnenheit?
3n unserem heutigen Anzeigenteil wendet sich die Bezirk»,parkass« Gießen mit einer Mahnung au r Buhe und Besonnenheit an ihre Sparer, wobei die DerwalKrng der Bezirkssparkasfe ausdrücklich betont, daß k e t - ne riet Gefahr für dl« Einlagen der Sparer besteht. Wenn man sich vergegenwar- Hgt. daß die Aeichsregi« r u n g durch die gestrige Notverordnung ausdrücklich die volle Haftung für alle Einlagen bei der Do na tbonk übernommen hot, so muh man au der Einsicht kommen, dah die Bemühungen zur Eindämmung der Geldkrise nicht gehemmt oder gestört werden dürfen durch einen völlia unangebrachten Sturm auf die Kassen der Geldinstitute. Unbegründete Abzüge von Geldern au» den Banken und Sparkassen würden die S ch w i e - rigkeitennur nocherhöhen Wer gewillt ist, zur baldigen Ueberwrndung der gegenwärtigen Schwierigkeiten beiAUlrogen, möge Den von der Leitung der Bezirt-fpurkasfe veröffentlichten Mahnruf beherzigen.
Mute für die pilzzeit.
Don der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt und der Hessischen CanMftelte für Pilz» und HauSschwamm-Beratung werden folgende Merkregeln herausgegeben:
1. Wer glaubt, allein nach diesen Merkregeln rasch ein guter Pilzkenner werden zu können, lasse seine Hände besser weg von den Pilzen.
2. Allgemeine Merkregeln über die Ehbarkeit oder Giftigkeit der Pilze «Märchen von der Zwiebel und dem silbernen Löffel, Verfärbung, unangenehmer Geruch oder Geschmack usw.) gibt e» ntcht.
3. 3H nur solche Pilze, die du ganz genau und al» unschädlich kennst!
4. Der Anfänger sammle zuerst nur die bekanntesten Arten, wie Pfifferlinge und Steinpilze, die bei genauem Zusehen gar nicht verwechselt werden können. Erst nach und nach mache dich mit anderen häufigen und unschädlichen Pilzarten genau vertraut Was du nicht kennst, lasse rutyg im Walde stehen: nur Rohlinge tretert alle Pilze um oder schlagen sie kurz und klein.
5. 3n Zweifelsfällen wende dich an einen wirklich guten Pilzkenner, an die nächste Pilz-Bera- tungSstelle oder an die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt (Hessische Landesstelle für Pilz- und HouSschwornm-Berotung).
6. Der Pllzrcichtum und die Artenzahl unserer Walder sind viel größer, wie meist angenommen wird. Rur leichtsinnige Prahlhänse kennen „alle Pilze". Vergiftungen sind dann unausbleiblich. Der Steinpilz (Röhrenpilze mit Röhrchen auf der Hutunterseite) hat ungefähr 50 ähnlich aus- sedende Verwandt-: Blätterpilze (Verwandte deS Champignons und des grünen Knollenblätterpilzes: sie tragen Blätter auf der Unterfeite des HuteS> gibt es bei unS ungefähr 1500 verschiedene Arten, deren Genuhwert und sonstige Merkmale groben teil» überhaupt noch nicht wissen- fchastlich erforscht sind.
7. Sammle stet» nur frische Pilze. Durchwäs- ferte, zu alte, angefoulte und stark zerfressen« Schwämme lasse Im Walde zurück.
8. Qlimm die Schwämme vorsichtig au» dem Boden heraus, damit du daS Pilzgeflecht (di« eigentliche PilzpflanzeI) und junge Fruchtkörper- anlagen nicht herausreiht und dadurch zerstörst.
Entferne sofort im Wald anhaftendes Laub und Erde, damit die Puharbeit zu Hause einfacher wird. Bedenke aber, dah geputzte und zerschnittene a selbst für den besten Kenner sehr schwer
lich werden. Deshalb nur tatsächlich eh bare und einwandfreie Schwämme in den Sammel- lbehälter!
9. Benutze als Sammelbehälter einen Korb oder -einen offenen Kosten im Rucksack, damit die Pilze nicht zermatscht werden und sich nicht erhitzen.
10. Die gesammelten Pilze werden am besten sofort bei der Heimkunft geputzt und zubereitet. Andernfalls lagere man sie an einem kühlen und luftigen Orte bi» zum nächsten Tag, wobei sie nicht in grefter Masse aufclnanberliegen dürfen. PilAe enthalten zirka 90 Prozent Wasser und sind leicht verderblich.
11. Die Fruchtschicht auf der Hutunterseite (Blätter, Röhrchen usw.) schneide man nicht weg, wenn dieselbe keine Maden enthält. Sie ist reich an wertvollen Rährstossen.
12. Da» Brühwasser schütte man nicht weg, weil es die am leichtesten löslichen Rührstoffe enthält Pilze, die nur nach dem Fortgiehen des Brühwasser» genießbar werden iz. B. die gefährliche FrühjahrS-Lorchel u. a.), find nicht empfehlenswert.
13. Pilze find schwer verdaulich. Sie müssen deshalb bei der Zubereitung stark zerkleinert werden (am besten durch die Fleischmaschine). Außerdem müssen Pilzspeisen gut zerkaut werden.
Som ersten Waffeniag der Kavallerie in Dresden.
'Borbeiritt einer Reichswehrftandortenabteilung vor Generalfeldmarschall von Mackenfen.
3n Dresden fand der erste Waffentog der deutschen Kavallerie statt, zu dem sich 30 000 Teilnehmer au» dem Reich, Vertreter der Reichswehr, Abordnungen aus Ungarn, Schweden und Holland eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Wassenringes der Kavallerie — Schröder- Bochum — betonte in feiner Festansprache, dah cS Ausgabe der Tagung sei, den Wehrgedanken in daS Volk zu tragen. Gerade die alten Soldaten kennten den Krieg zu genau, um Kriegshetzer zu sein. Trotzdem forderten sie, bei einem Mißglücken der Abrüstungsverhandlungen das Wehrrecht. Am Sonntagvormittag fand der Fe stzu g mit den alten Standarten und Fahnen statt, der über eine Stunde dauerte. Den Vorbeimarsch nahm Generalfeldmarschall von
Mackensen auf der Freitreppe des Rathauses entgegen. Aus einem Empfang im RothouS betonte der Obetbürgermeifeer Dr. Külz, daß dieser Tag jeder politisch?« und kriegshetzerischen Tendenz entbehre. DaS Ausland werde gut tun, sich daran au gewöhnen, daß auch das neue Deutschland das ehre, was im alten Deutschland aroß geworden sei. Mackensen erwiderte daraus: Die alten deutschen Reiter bewahren dem Kroßen au-« der Vergangenheit Ehrfurcht. Einen Krieg her- aufzubeschwören, liegt allen fern. Gerade die alten Soldaten wissen, was ein Krieg bedeutet und sind deswegen keine Kriegshetzer. Wir wollen für Volk und Vaterland einen Frieden in Freiheit und Gerechtigkeit.
Abends sind größere Pilzmahlzeiten nicht zu empfehlen. Richtbeachtung dieser Vorschriften kann Derdauuungsbeschwerden verursachen, die mit Vergiftungen nichts zu tun hoben.
14. Die meisten Pilzvergiftungen werden durch den grünen Knollenblätterpilz her- vorgerufen, der leichtfinnigerweise olS Eham- pigrwn, als Grünling oder als grüner Täubling eingetragen wird. Eine Gabelspitze von ihm kann den Tod herbeeisühren. 3n manchen 3ahren hat er in Deutschland bis zu 100 Todesfälle verursacht. Genaue Auskunft über diesen Giftpilz bekommst du durch das kostenlos erhältliche Knollenblätterpilz-Merkblatt der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, und durch die reichS- behörlich empfohlene Wandtafel dieses gefährlichsten Giftpilzes, die in einer großen Anzahl von Bahnhöfen als Warnungsmittel aus- ^15. Zum Schutz vor dem gefährlichen Knollenblätterpilz sorge man dafür, daß der charak- teristifche Knollen, der oft tief im Boden steckt, beim Auf nehmen nicht in der Erde zurückbleibt und überleben wird.
16. Heber alle vortommenden Pilzvergiftungen berichte man bitte sofort an die medizinische Fachkommission der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde (Dr. med. Welsmann, Pelkum bei Hamm/ Westfalen), da alle diese Fälle dort mit Unterstützung durch das Reichsgesundheitsomt gesammelt und wissenschaftlich verarbeitet werden. Bei jeder Vergiftung fordere man sofort bei der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt einen Fragebogen an, damit die ausführlichen Einzelheiten jeweils sorgfältig festgestellt werden können.
17. Bei den geringsten Anzeichen einer Pilzvergiftung sorge man für sofortige und gründliche Entleerung von Magen und Darm durch Brech- und Abführmittel, wie für rascheste ärzi- liche Hilfe.
18. Das beste Bekämpfungsmittel der furchtbaren Pilzvergiftungen ist auf jeden Fall die weitgehendste Aufklärung in der Schule (praktischer Raturkunde-Unterricht) und in der Öffentlichkeit durch die Preffe, den Rundfunk, Aushang von Merkblättern und Bildern auf den Pilzmärkten, in den Rathäusern, in den Wartezimmern der Aerzte, in Apotheken, Kochschu- len usw.
19. Dor dem Ankauf von Pilzbüchern erbitte man kostenlose Beratung durch die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt.
20. Rege in deiner Heimat die amtliche Pilz
markt-Kontrolle, die Einrichtung von Deratungs- ftellen, von belehrenden Exkursionen, PilzauSstel- lungen usw. an.
Entgegenkommen bei Stenenückststnden.
Der Hessisch? Finanzminister hat unterm 10. 3uR folgendes Schreiben über Staats st euerrück- ftänbe des Rj. 1928 und früherer Rechnungsjahre an den Präsidenten des Landesfinanzamts gerichtet:
Mit Rücksicht auf die schwierige Wirtschaftslage bin ich zu Erleichterungen der laufenden Steuerzahlungen bereit, solchen Steuerpflichtigen (natürlichen Personen und privatwirtschaftlichen Unternehmungen). die noch mitstaatlicherGrund- fteuer. Sondergebäude st euer und Gewerbesteuer aus den Rechnungsjahren 1928 und früher im Rückstände sind, durch Erlaß oder angemessene Ermäßigung dieser Beträge entgegenzukommen. Voraussetzung ist hierbei, dah
1. die Rückstände nicht auf mangeInden Zahlungswillen, sondern auf besonders schwierige Verhältnisse deS Steuerpflichtigen zurückzuführen sind, unb
2. in Höhe der zu erlassenden "Beträge Zahlungen auf die im übrigen noch rückständigen Raten der genannten Steuern binnen einer vom Finanzam t zu bestimmenden Frist gelei st etwerden, und daß die für das Rj. 1931 bereits fälligen Steuerraten gezahlt find oder alsbald gezahlt werden.
3ch ermächtige hiernach die Finanzämter^ Rückstände der genannten Steuerarten des Rj. 1928 und früher unter den vorerwähnten r' oraussehun- gen innerhalb der ihnen für die Reichscinkommen- steuer gezogenen Grenze auf Antrag zu erlassen. Bei höheren "Beträgen ist zu berichten.
Taten für Dienstag. 14. Juli.
1789: Beginn der Französischen Revolution. — 1887: der 3ndustrielle Alfred Krupp in Gssen gestorben. — 1909: Rücktritt des Reichskanzlers Fürst Bülow: v. Bethmann-Hollweg wird sein Rachfolger. — 1917: Staatssekretär Michaelis wird Reichskanzler. — 1920: der Maler Albert v. Keller in München gestorben. — 1929: der Historiker HanS v. Delbrück in Berlin gestorben.
Bornotizen.
— Ta g eS ka len der für Dienstag: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wenn die Soldaten ..
••Bon der Universität. Bon der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Dr. med. Günkher Anton, der lich für das Fach der inneren Medizin zu habilitieren wünsg^. wird Donnerstag. 16 3uli. 18 Uhr in der Kleinen Aula, Ludwigstraße 23, über das Thema .Wirkungs- mechamsmus und Anwendungsformen de» Insulins" eine Probevorlesung halten.
•• Freie Schulstelle Erledigt ist die Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in We11 erfeld, KveiS Schotten (Dienstwohnung vorhanden und frei).
•• Wetterau-TaunuS-Fahrt Da» Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. Berlin, veranstaltet vorn 22. bi» 26. 3uli unter der Leitung von WufeumSdirekwr Dr. Z. K u 1 f ch. Wiesbaden, eine Wette rau-Taunus-Fahrt. O» soll zunächst die fruchtbare Wetterauer Senke fennengelernt werden, die al» bequemste Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Mitteldeutschland eine beinahe ununterbrochene Siedlungsgeschichte und noch heute viele Zeugen (Ringwälle. Phalgraben) der Kämpfe der Germanen und Romer aufweist, ferner Städte au» dem Mittelatter und Klöster, Burgen und Schlösser, unter deren Einsluß sich eine bürgerliche Kultur entwickelte, die sich auch m den Trachten länger erhalten bat. al» anderwärts. Der Plan sieht vor: Gießen, die Burgen Gleiberg und Detzberg. Ringwall, Dünsberg. Lich, Arnsburg. Butzbach, Bad-Rauheim, Winterstein, Saalburg, Bad Homburg, Kronberg. Falkenstein und Königstein: Hochtaunus (Fußwanderung). Heidettänktalsperre. Großer Feldberg, Abschluß der Fahrt in 3dstein.
•• Der Tierschutzverein für Hessen Wird seine 50. ordentliche Hauptversammlung am 9. September in Schotten im Festsaale der Turnhalle abhalten. Reben der Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten wird ein Bortraa von Lehrer Biet - Schotten über ..Tierschutz auf dem Lande" die 3ubiläum»tagung beschäftigen.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Unsere Wetterlage steht weiterhin unter dem Einfluß des atlantischen TiesdrucksystemS, da» seine Ausläufer auf das Festland vorfchickt und durch die verschiedenen Lustmaffen Gewitterstörungen hervorruft. So befand sich auch heute morgen eine Teilstörung über Rorddeutschland, die an ihrer Rückseite etwas kühlere Lutt nach dem Festlande bringt. Aber mit dem Vordringen des über 3rland lagernden Kerngebietes gelangt auch wieder wärmere Ozeanluft in unseren Bezirk, so dah es dabei noch mehrfach zu Gewittern mit Riederschlägen kommt. Mit dem Wechselspiel der Luftmassen schwanken auch die Temperaturen etwas, doch bleibt eS im allgemeinen schwül.
Aussichten für Mittwoch: Wolkige» und schwüles "Detter mit vor wiegender Aufheiterung, vereinzelte Gewitterstörungen oder Riederschläge.
Aussichten für Donnerstag: Fortdauer des wechselhaften unb öfter» zu Gewitter neigenden Wetters.
BeranttoortL f. d. Feuilleton: i. V. Dr. Lang e.
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