Wie sieht das Ausland die Krise an?
„Keineswegs hoffnungslos!"
Die vorwiegende Meinung in England.
London, 13. 3uli. (TA.) Die Stimmung an der Londoner Börse war unter dem Eindruck der Hiobsnachrichten aus Deutschland g e d r ü ck t. Späterhin erholte sich die Mark, als bekannt wurde, daß Neuyork die Lage zuversichtlicher beurteile. An dein Verhalten dev Reichsbank wurde teilweise scharfe Kritik geübt, die sich auch in der Presse wiederspiegelt. Gs wurde bemerkt, dah Dr. Luther vorbeugende Maßnahmen 14 Tage früher hätte treffen sollen. Zur Lage in Deutschland schreibt der „Evening Standard", die Schließung der Börsen in Deutschland sei berechtigt und richtig gewesen. Die Schwierigkeiten der Danatbank machten eine Atempause notwendig. City°Kreise hoffen, dah die Dank ihre Angelegenheiten wieder in Ordnung bringen könne, nachdem amtliche Unterstützung zugesagt sei, vorausgesetzt, dah die Deutschland berührenden großen Probleme gelöst werden. Die deutsche Regierung werde nicht in der Lage sein, die Zurückziehung ausländischer Gelder zu verhindern, aber sie mühte Maßnahmen treffen, um deutsche Staatsangehörige an der Ausfuhr ihres Kapitals zu hindern.
Während einige Morgenblätter die ernst« Lage in Deutschland sehr pessimistisch betrachten, stellt der Berliner Korrespondent der „Times" fest, dah bisher von einer Panik keine Rede ist. E-r sagt: „Die Garantie der Regierung für die Einladung der Depotinhaber der Danatbank hatte in erheblichem Mähe die gewünschte Wirkung. Natürlich herrscht den ganzen Tag über starke Nervosität und es erfolgt ein Ansturm auf die Danken, aber die öffentlich« Ordnung wurde ohne Schwierigkeiten aufrechterhalten. Der Korrespondent ist der Meinung, dah das „Gemisch von Prahlerei und Drohungen" seit dem Wahlerfolg der Nationalsozialisten und die von extremen Dlättern gebrachte Versicherung, „Deuffch- land fei bankrott", eine große Rolle bei der Schwächung des Vertrauens im In- und Ausland gespielt hätten, wenn auch der Vorwurf eines Derliner Börsenblattes, fremde Länder hätten mit dem Feuer gespielt und dadurch den jetzigen Drand verursacht, nicht aanz unbegründet sei. — Der Derliner Korrespondent der „Mvrning Post" meldet: „Wenn auch große Sorge und Anruhe in Deutschland herrscht, sei doch kein Zeichen einer wirklichen Panik zu entdecken." — Der Derliner Korrespondent des „News Tronic le" berichtet: „Deutschlands finanzielle und politische Lage sei gestern abend äußerst ernst gewesen, aber bisher sei sie keineswegs hoffnungslos. Ein angemessener Kredit durch die BIZ. oder nötigenfalls der Großmächte würde die gesamte sinanzielle Lage schnell waicheln."
Oie pariser Meinung.
„Ohne politische Garantie keine langfristigen Kredite".
Paris, 14. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die französische Presse berichtet eingehend über die Lage in Deutschland und über die gestern im Verwaltungsrat der Internationalen Zahlungsbank in Basel geführten Verhandlungen. Die gesamte Presse vertritt wie in den letzten Tagen den Standpunkt, daß ohnepolitischeGarantienlangfristige Kredite nicht zu erlangen sind. Einzelne nationalistische Blätter verhalten sich sogar vollkommen ablehnend. Die meisten stellen Betrachtungen an, auf welche Ursachen die Krisis in Deutschland '■ zurückzuführen sind. Fast übereinstimmend kommen , sie zu dem Ergebnis, daß Deutschland selb st daran Schuld trage, also auch selbst wieder , für die Heilung sorgen müsse.
Nur wenige Blätter versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen. „Petit 3 o u r n a l" schreibt u. a.: Deutschland steht im Begriff, den Fehler, sich Europa widersetzt zu haben, sehr teuer zu bezahlen. Aber es wäre auch kein geringerer Fehler für Europa, sich nicht daran au erinnern, dah Europa Deuffch- land notwendigerweise einbegreift. Zwischen den Nationen besteht bereits eine Verpflichtung der wirtschaftlichen und sozialen Interessen, die es unmöglich macht, daß das Anglück des einen das Wohl des anderen bedeutet. Die verantwortlichen Staatsmänner mühten schon um einen Tisch versammelt sein, um über alles andere, nur nicht über Nadelstiche Zu beraten. Wer wird die Initiative für diese Zusammenkunft, die alle brauchen, ergreifen? — Im „P v p u l a i r e" erklärt Löon Blum: „Will die amerikanische Regierung sich weiterhin fern halten, mühten die europäischen Staaten ohne Amerika das notwendige Rettungswerk versuchen und Frankreich müsse endlich die Initiative und die Führung übernehmen, die Hoover an seiner Stelle an sich gerissen habe. Es handele sich nicht darum, vorherige Bedingungen zu fordern, denn nur spontan eingegangene und durchaus aufrichtige Verpflichtungen hätten einen Zweck."
Washington wünscht eine deutsch- französische Verständigung.
Neuyork, 13. Juli. (WTB.) In amerikanischen Regierungskreisen wird Deutschlands Lage mit großer Spannung verfolgt. Auf die Frage, wie sich die weiteren Hilfsmaßnahmen für Deutschland auf die politische Lage auswirken werden, wird erörtert. In diesem Zusammenhang wird eine deutsch- französische Verständigung, um die wachsende politische Spannung zwischen den beiden Landern zu beheben, als eine notwendige Folge der gegenwärtigen Krise angesehen. Im Staatsdepartement wurde allerdings eine Erklärung darüber abgelehnt, ob irgendwelche Anregungen in diesem Sinne auf diplomatischem Wege erfolgt
Präsident Hoover, der aus Rapidan zurück- kehrte, widmete sich der Finanzlage Deutschlands mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Sofort nach seiner Rückkehr hat er mit dem Studium der inzwischen einaelaufenen Nachrichten über die Lage in Deutschland begonnen. Hoover benutzte alle verfügbaren Quellen, um sich über die Lage in Deutschland auf dem laufenden zu halten, obwohl er nicht direkt mit dem Botschafter Sackett oder irgendeinem anderen Beamten in Deutschland in Verbindung gestanden hat.
Nie Auffassung in Holland.
Holländische Blätterstimmen zu den letzten Ereignissen.
Amsterdam, 13. Iuli. (TA.) Die holländischen Blätter knüpfen an di« letzten Nachrichten aus Berlin Kommentar«, in denen auf di« dringend« Notwendigkeit einer zielbewuhtenin- ternationalen Zusammenarbeit hingewiesen wird, um der Krise in Deutschland Herr zu werden. „Allgemeen Handelsblad" gibt dabei der Hoffnung Ausdruck, dah dieses Zusammenwirken noch rechtzeitig genug verwirklicht werden! müsse. Anter Hinweis auf den von Frankreich
eingenommenen Standpunkt meint das Blatt, die finanzielle Hilfe dürfe kein Strick werden, durch den Deutschlands nationale Selbständigkeit . erstickt werde. Der „Nieuwe Rotterdamsch« Eourant" erklärt, jetzt au jede neue finanzielle Hiobspost aus Berlin vorbereitet zu sein und stellt fest, dah di« Kris« in Deutschland sich ihrem Höhepunkt nähere. Der „Telegraaf" hält es nicht für unmöglich, dah Deutschland schließlich doch von englischer Seite geholfen werde, einmal wegen des rein wirtschaftlichen Charakters, andererseits um zu verhindern, dah Frankreich aus dieser Angelegenheit anderes als wirtschaftliches Kapital schlage.
Wie es zur Zahlungseinstellung der Danatbank kam.
Erklärungen Jacob Goldschmidts. — Millionenabzüge des Zn- und Auslandes in wenigen Tagen.
Berlin, 13. Iuli. In einer Prefsebcsprcchung teilte Bankier Iacob Goldschmidt mit, dah die Danatbank an Kreditoren gegenüber dem Stande am 30. Iuni 1930 rund 950 Millionen bis 1 Milliarde Mark zurückgezahlt habe, das sind etwa 40 Prozent des Gesamtbetrages der Kreditoren. Don diesen 950 Millionen Mark sind im Mai d. I. etwa 100 Mill. Mark, im Iuni etwa 300 Millionen und in der Zeit vom 1. bis 11. Iuli 250 Millionen zurückgezahlt worden. Wenn man annehme, dah seit dem 1. Mai insgesamt etwa zwei Milliarden Mark aus Deutschland abgeflvsscn seien, so habe die Danatbank allein etwa ein Drittel dieses Betrages zu tragen gehabt. Durch die auherordentlichr Wirkung dieser Abzüge muhten die Aktivwerte der Dank angegriffen werden. Trotzdem glaubte die Verwaltung, den Schritt zur Zahlungseinstellung solange wie möglich hinausziehen zu müssen. Sie befand sich dabei in Aebereinstimmung mit den autoritativen Stellen, die gleich ihr die Hoffnung hatten, dah di« großen Kreditverhandlungen für die gesamtdeutsche Wirtschaft zu einem schnellen Erfolg führen würden. Dor allem habe man in der Garantie- vrganisativn der deutschen Wirtschaft eine Basis gesehen, um ein größeres Kreditarrangement schnellstens zustandezubringen. Da diese Versuche scheiterten, muhte der Schritt der Zahlungseinstellung vorgenommen werden.
Als Grund für die unglückliche Entwicklung gab Goldschmidt das Zusammenfallen der psychologisch unerfreulichen Gerüchte über dieDanatbank mit den Vorgängen dieser Zeit und dem Zusammenbruch der Nord- Wolle an. Dies« haben zu einer außerordentlichen Steigerung der Tendenz für Geldabzüge des Auslandes geführt, worin sich auf der anderen Seite die gleichmäßig« Schicksalsverbundenheit aller Kreditinstitute zeig«. Goldschmidt gab der Hoffnung Ausdruck, dah durch die G a r a n - tiestellung des Reiches gegenüber der
Danatbank die in- und ausländischen Gläubiger Ruhe an den Tag legen werden, und daß die Angelegenheit einen ruhigen und sachlichen Verlauf nimmt, ohne daß ein nationaler Schaden eintritt. Allgemein äußerte er, dah das Ausland Kredite, di« es der deutschen Wirtschaft innerhalb von fünf Iahren zur Verfügung gestellt habe, nicht plötzlich innerhalb eines Zeitraumes von fünfbisacht Wochen aus Deutschland herausnehmen dürfe. Das halte kein Wirtschaftskörper aus, vor allem nicht der deutsche, der noch durch zwangsläufige Zinszahlungen an das Ausland belastet sei. Im übrigen rechne di« Derwaltung der Danatbank mit der kurz bevorstehenden Ernennung eines Kommissars seitens der Reichsregierung, sodann dürfte ein Status aufgestellt werden. Cs wird versucht werden, durch Abbau von Engagements stärkere Liquiditäten zu schaffen. Auf Anfrage teilt« Goldschmidt noch mit, dah die Derpflichtun- gen der Danatbank an das Ausland zur Zeit 460 Millionen ausmachen (350 Millionen Rembourskredite und 110 Millionen Valutaguthaben des Auslandes). Don den gesamten Kreditoren, gegenwärtig rund 1,5 Milliarden Mark, sind 552 Millionen innerhalb sieben Tagen fällig, 598 Millionen bis zu drei Monaten und 75,6 Millionen nach drei Monaten.
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Wie die Telegraphen-Anion erfährt, betragen die Forderungen der Dana t-Bank an die Norddeutsche Wollkämmerei AG. 29 Millionen Mark. Hinzu kommen noch 12 bis 13 Millionen Mark Forderungen a n d i e T o ch- tergesellschaften, so daß das Gesamtengagement der Danat-Dank 41 bis 42 Millionen beträgt. Wenn die Sanierung zustande käme, würde also die Danat-Dank einen Verlust von etwa 12 bis 15 Millionen Mark erleiden.
Zusammentritt des Reichstages verlangt
der Grund für diese Zurückziehung von Krediten, wie in einigen Kreisen behauptet wird, auf rein finanziell« Gründe zurückzuführen ist, dann ist es bedauerlich, daß solche Bewegungen unabänderlich mit Meinungsverschiedenheiten auf dem Gebiete der internationalen Politik zusammenfallen. Das DevorsteheneinesernstenAb- flussesvvnGold aus London nachFrankreich muh jetzt als nahezu sicher betrachtet werden, wenn die Kreditbewegungen nicht eingestellt werden und wenn die Dank von Frankreich ihre Politik nicht ändert.
Berlin, 13. Juli. (DDZ.) Nachdem die Kam munisten in einem Schreiben an den Präsidenten Löbe den Zusammentritt des Reichs tags gefordert haben, haben jetzt auch die Nationalsozialisten in einem Brief an Löbe den baldigen Zusammentritt des Aeltestenrats des Reichstags verlangt. In dem Schreiben der Nationalsozialisten heißt es, daß nach der Vereitelung der Absichten Hoovers durch Frankreich nunmehr die Franzosen und Engländer versuchten, das Deutsche Reich um den Rest feiner Souveränität zu bringen. Weiter wird auf die Notverordnung zugunsten des Bankkapitals" Bezug genommen und betont, daß der Reichstag dazu Stellung nehmen müsse. Auch solle der Reichstag sein entschiedenes Veto einlegen gegen den Besuch des Reichskanzlers und des Außenministers in Paris, wo alle Vorbereitungen getroffen feien, um aus diesem Anlaß das deutsche Volk seiner Handlungsfreiheit restlos zu berauben und ihm jede Hoffnung auf eine neue Zukunft des Vaterlandes illusorisch zu machen. Das Schreiben schließt mit der Forderung nach Einberufung des Aeltestenrats. Es ist unterzeichnet von drei nationalsozialistischen Mitgliedern des Aeltestenrats: das heißt, daß der Aeltestenrat einberufen werden muh, da nach der Geschäftsordnung dazu nur das Verlangen dreier Mitglieder des Aeltestenrats notwendig ist. Es ist anzunehmen, daß im Aeltestenrat auch di« Deutschnativnalen die Einberufung des Reichstags verlangen werden. Ungewiß ist bisher noch die Stellungnahme der Sozialdemokratie. Mit der Bekanntgabe des sozialdemokratischen Standpunktes ist für Dienstag zu rechnen, wo der Reichsparteiaus- schuh Beratungen über die außenpolitische Situation und die finanzpolitischen Schwierigkeiten im Innern durchführt.
Frankreichs Angriffe aus das Pfund.
England wird unter Druck genommen.
London, 13. Iuli. (WTB.) Der Finanzkorrespondent des Arbeiterblattes „Daily H e r a l d" sagt zur Lage auf dem Geldmarkt: Es ist damit zu rechnen, daß im Lauf« dieser Woche infolge des Angriffes Frankreichs auf den Sterling - Kurs Millionen an Gold zurückgezogen werden. Die ersten Goldverfügungen nach Paris würden heute oder morgen beginnen. Dies bilde einen Teil eines französischen Planes, durch den Snowden gezwungen werden soll, seinen gegen weitere britische Opfer in der Kriegsschuldenfrage gerichteten Standpunkt abzuändern. Wenn der Angriff fortdauert, wird nicht nur die Goldposition Der Dank von England geschwächt werden, sondern Regierung und Handel werden auch mehr Zinsen für kurzfristige Anleihen zahlen müssen.
Im „Daily Telegraph" heißt es: Die Finanzlage in Europa wird jetzt durch politische Erwägungen verdunkelt. Eine andere Erklärung läßt sich für den unsicheren Stand der ausländischen Devisenkurse nicht finden, wobei das plötzliche Steigen des französischen Fran- kenkurses ift erster Linie zu erwähnen ist. Wenn
Aus aller Wett.
Tagung des Verbandes ehemaliger Kriegsgefangener.
In A l l e n ft e i n tagte der Verband ehemaliger Kriegsgefangener. Von den Rednern wurde unterstrichen, daß die Tagung eine eindringliche Grenzlandkundgebung sein wolle. Der Bundesoorsitzende, Givenz-Berlin, behandelte Sinn und Ziel des Bundes. Nach der Festsitzung fand ein Fackelzug zum Abstimmungsdenkmal statt, wo eine Kundgebung veranstaltet wurde. Hierbei wurde eine Entschließung angenommen, in der die Ostmarkenfahrer zusammen mit den Abordnungen aus Oesterreich und Deutsch-Böhmen die Versuche zurückweisen, durch wirtschaftlichen Druck die Sicherheit der Heimat zu treffen. Die Kriegsgefangenen werden geschlossen hinter dem Kanzler stehen, wenn er diesen Versuchen ein klares Nein entgegensetzt. Kein Eindruck wäre im Ausland größer als der, daß in Deutschland jedermann, auch der parteipolitische Gegner, sich hinter den politischen Führer des Landes stellt. In diesem Sinne gedenken die ehemaligen Kriegsgefangenen des Reichskanzlers in feiner schweren Verantwortung. Sonn- tagoormittag fand die Einweihung der Kriegsgefan- genen-Gedenkhalle im Tannenberg-Nationaldenkmal statt. Nach einem Musikstück einer Reichswehrkapelle hielt der Bundesehrenoorfitzende Freiherr von Lerfner die Weiherede. Er führte dabei aus, daß hier am heiligen Ort und zur heiligen Stunde den in Kriegsgefangenschaft heimatfern gestorbenen Kameraden ein Denkmal gesetzt sei. Alle seien gestorben, den Blick voll Innigkeit nach der deutschen Heimat gerichtet. Damals habe geherrscht die Macht der Waffen, heute herrsche die des Geldes. Erft im Dienst für alle beginne wirkliches Leben.
Die Todesurlelle im versicherungsmordprozeß Saffran vom Reichsgericht bestätigt.
Der 2. Strafsenat des Reichsgerichts hat die Revision des Kaufmanns Saffran und feines Buch- Halters Kippnick verworfen. Die beiden Angeklagten find am 25. März d. I. zum Tode verurteilt worden, weil sie im September vorigen Jahres den Melker Dahl aus Königsberg ermor- d e t und dann, mit den Wertgegenständen Saffrans ausaeftattet, verbrannt hatten, um eine auf Saffran lautende Versicherungssumme in Höhe von 140 000 Mark zu erlangen.
politische Zusammenstöße in Neu kölln.
In der Hermannstraße in Neu-Kölln kam es gegen 0.30 Ahr zu einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, die aus einer Versammlung kamen.
Dabei wurden drei Nationalsozialisten durH Messerstiche und Schläge erheblich verletzt, so daß einer von ihnen in ein Krankenhaus gebraschh werden muhte, während die beiden anderen nach ärztlicher Behandlung in ihre Wohnung entlassen werden konnten. Die Polizeibeamten nahmen sofort die Verfolgung der kommunistischen Täter auf und es gelang ihnen auch, dies« zu stellen. Als einer der Beamten dabei durch den 25jährigen Arbeiter Nietz bedroht wurde, gab der Beamte einen Schuh ab, der Nietz in das Herz traf und sofort tötete. Zwei der! vermutlichen Täter wurden dem Polizeipräsidium zugeführt.
Dammbruch in Oberbayern.
Am Hauptkanal des Kraftwerkes Pfrombach bei Gangenpr eising ereignete sich ein Damm- bruch. Dre Bruchstelle befindet sich an der Stell« der alten, überbauten Distriktstrahe Wartenberg— Langenpreisings wo der Kanal eine scharfe Kurve Aldet. Die Wassermassen, die aus der sechzig Meter weiten Lücke heraus stürzten, unterspülten die neue Strahe und setzten die Bauernhöfe von Appolding unter Wasser und ergossen sich durch die Unterführung in Richtung Langenpreising. Dabei wurden die Felder vermurt. Die Getreide- und Kartoffelernte der betroffenen Landwirte ist vernichtet. Vom Kraftwerk Eitting wurde der Zustrom des Triebwassers abaelenkt und das Kraftwerk Pfrombach zog die Schleusen. An^er Bruchstelle stand man aber dem Element machtlos gegenüber. Die überraschten Bewohner der Bauernhöfe konnten nur mit Mühe ihr Leben retten und das Vieh und Hausgerät in Sicherheit bringen. Auf den Allerheiligenhöfen konnte das Vieh nur dadurch gerettet werden, dah die Wartenberger Turner von der Straße aus zu den Höfen schwammen und dort das DiO auf die HeuAden brachten.
Eine Hamburger Segeljacht an der schwedischen Küste gescheitert.
Bei dem Sturmwetter an der südschwedischell Küste ist die mit vier Personen besetzte Hamburger Segeljacht „Windspiel" gescheitert. Das Boot wurde mit gebrochenem Mast von der Küstenzoll, bewachung von Torekow geborgen. Es mutz damit gerechnet werden, daß alle vier Insassen, Mitglieder des Segler-Vereins Altona-Oevelgönnen, bei» Tod in den Wellen gefunden haben.
8 Tote bei einem JlugunfaU in Rußland.
Dei dem Bahnhof Alabino, etwa 44 Kilometer von Moskau, ereignete sich ein schweres Flugzeugunglück. Der stellvertretende Chef des Stabes der Roten Armee, der stellvertretende Leiter des Amtes für Motorisierung und Mechanisierung, sowie ein Mitarbeiter des Stabes der Roten Armee, ferner zwei Flieger, ein Beobachter und zwei Flugtechniker wurden getötet.
Brandkataskrophe auf dem Hunsrück.
3n Lindenschied brach in der Scheune des Gemeindevorstehers Hetzel «in Brand aus, der sofort auf di« benachbart« Scheune des Schweinehändlers Theis Übergriff. Durch Funkenwurf gerieten die zu beiden Seiten benachbarten Scheunen und das Wohnhaus Schmidt - in Brand. Insgesamt brannten 5 Scheunen und ein Wohnh aus vollständig nieder: zwei Wohnhäuser konnten gerettet werden, wenngleich beide stark beschädigt sind. Auch alles Vieh wurde in Sicherheit gebracht. Der Schaden an Erntevorräten, besonders Heu. ist groß. Alle Feuerwehren der Umgegend waren an der Brandstätte, aber der Wassermangel war groß, da Lindenscheid Zeine Wasserleitung hat. Die Ursache der Drandkata- strophe ist Brandstiftung. Der 27jährige Sohn des Gemeindevorstehers, der feit dem Brand« spurlos verschwunden war, neigte bereits seit längerer Zeit zu Schwermutsanfällen und trug sich auch mit Selbstmordgedanken. Am Mittwochmorgen begab er sich zu den üblichen Feldarbeiten, und als er von diesen zurückkehrte, steckt« er in einem Anfall von Schwermut di« elterliche Scheune in Brand. Erst nachdem der Brand völlig gelöscht war, wurde fest- gestellt, dah er selbst in den Flammen umgekommen ist. Die Leiche konnte geborgen werden.
Beraubung deutscher Transitzüge im polnischen Korridor.
Die deutschen Transitzüge wurden in der letzten Zeit systematisch von einer Diebesbande im Korridorgebiet beraubt Auf der Strecke Thom-Goszlershausen, auf der die Transitzüge ihr« Fahrt verlangsamen, sprangen einige Bandenmitglieder des Nachts auf die Wagen, entfernten die Plomben und begaben sich in das Wageninnere. Sie warfen dann di« geraubten Waren, wie Stoffe, Wäsch«, Zigarren, Zigaretten usw. an bestimmten Stellen, aus dem Wagen neben die Gleise, wo sie von anderen Bandenmitgliedern aufgelesen und ortgebracht wurden. Di« unmittelbar zur Bande gehörenden Helfer brachten die geraubten Waren entweder nach Ostpreuhen, oder verkauften ie an die Bewohner der umliegenden Ortschaften. Der Polizei ist es jetzt gelungen, die Band« «unschädlich zu machen. Cs wurden bisher elf Personen verhaf tet, die in den Ortschaften der Kreise Thorn und Graudenz wohnten. Die Hehler veräußerten die geraubten Waren zu ungewöhnlich niedrigen Preisen.
Mit dem gestohlenerl Motorrad in den Tod.
In der vergangenen Nacht stahlen in Le ip- zig-Lindenau zwei Männer ein vor einem Cafehaus stehendes Motorrad und fuhren damit in schnellem Tempo davon. Der Führer verlor die Gewalt über das Rad und fuhr mit aller Wucht gegen eine Wand. Beide Männer erlitten so schwer« Verletzungen, daß der eins auf dem Transport, der andere kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus starb. Die Personalien der Toten konnten noch nicht festgestellt werden, da sie keinerlei Papiere bei sich hatten.
20 Kisten Dynamit in die Lust geflogen.
In dem chilenischen Hasen Coronel sind am Donnerstag 20 Kisten mit D h namit in die Luft geflogen, wobei neben einem riesigen Sachschaden eine größer« Anzahl Hafenarbeiter getötet sowie viele weitere Personen, darunter der britische Konsul, schwer verletzt wurden. Der Zustand des Konsuls soll sehr ernst sein. Wie verlautet, soll das Unglück durch unvorsichtige Handhabung der Sprengstoffkisten entstanden fein.
Zweihundert Schafe in den Abgrund getrieben.
Die Schafherde der Ortschaft Meienfeld im Graubünden wurde von einem w i l- derndenHund über einen steilen Abhang getrieben. Zweihundert Tiere sind dadurch zerschmettert worden. . v > v *


