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Das Stahlhelmvolksbegehren in Preußen

Spiel mit dem Feuer.

Don unterer Berliner Redaktion.

3n Preußen hageln die Verbote nur so. Zei­tungen und Druckschriften werden verboten, Ver­sammlungen werden ausgelöst, trie Polizei ent­wickelt eine geradezu fieberhafte Tätigkeit; aller­dings Wohl stark beeinflußt durch Nervosität. Dur so ist hoffentlich erklärlich, daß ein deutsch- nationaler Redner in einer Versammlung ver­mahnt werden konnte, weil er gesagt hat, die sozialdemokratischen Bonzen mühten von ihren Klubsesseln verschwinden. Wenn darin schon Gingrisfsmöglichkeiten für die Zensur gegeben sind, dann muh leider festgestellt werden, daß wir über das Republikschuhgesetz und über die Rotverordnung hinaus schon zu einem Begriff der republikanischen Majestätsbelei- d i g u n g gekommen sind, der die staatlichen Machtmittel allzu offensichtlich für partei­politische Zwecke einseht. Dazu auch noch etwas einseitig, denn Aeuherungen aus kommu­nistischen Versammlungen, wie wir sie in deutsch- nationa'en Blättern zusammengestellt finden, müssen den Eindruck entstehen lassen, als ob die Wachsamkeit der au.sichtt>führenden Beamten nach links hin bei weitem nicht so geschärft ist wie nach rechts.

Dabei sollte doch gerade Herr Severing sich fugen, dah im politischen Kamvfe mit der Force allein nicht viel zu gewinnen ist. Er kennt die Geschichte seiner eigenen Par­tei, er weih, wie die Sozialdemokraten bon roten Postmeister heute noch als Helden feiert, weil er durch die Maschen der staatlichen Ab- wehrgesetzgebung durchzuschlüpfen verstand, und Herr Severing sollte daraus gelernt haben, das) eine geistige Bewegung mit solchen Mitteln nicht niederzuhalten ist. Bei dem Verlangen nach dem VolEbegehren aber steht eine Front, die von Hitler bis Dingeldey reicht, die also das gesamte bürgerliche Lager mit Ausnahme des Zentrums, der Demokraten und Sozialdemokraten umfaßt. Man kann verschiedener Meinung öarü&er sein, ob der Zeitpunkt, zu dem dieses Volks­begehren bestellt wurde, besonders günstig war. Dafür hat der Stahlhelm allein die Verant­wortung. nachdem aber die Entwicklung einmal eingeleitet war, haben alle bürgerlichen Parteien mit den oben genannten Ausnahmen sich hinter das Volksbegehren gestellt, der Kampf der staat­lichen Machtmittel richtet sich also nicht gegen den Stahlhelm, sondern auch gegen sie, gegen dieselben Parteien, die im Reichstag das Kabinett Brüning stützten, die also auch die mora ­lische Mitverantwortung für die Rotverordnung vom 28. März tragen.

Unb hier beginnt der grimmige Humor der Ge­schichte: Die preußische Regierung hat die bin­dende Zusage gegeben, dah durch die Anwendung der Rotverordnung das Volksbegehren nicht gestört werden sollte. Die Art der Anwendung der Rotverordnung indessen beweist das Ge­genteil, und es wäre eigentlich schon längst die Aufgabe des Reichsinnenministers Dr. Wirth, einmal Bilanz zu machen, ob nicht durch die Art, wie in Preuhen das Volksbegehren

bekämpft wird, allzu viel Porzellan zerschlagen wird. Schließlich doch auf Ä oft en des Kanzlers, denn der Augenblick läßt sich nach­gerade ausrechnen, wo ihm die Mittelparteien abspringen und eine Einberufung des Reichstages verlangen, um gegen solche Me­thoden der Polizeipolitik Protest zu erheben.

Gtahthelmbeschwerde be«m Reichskanzler.

Behinderung des Volksbegehrens.

Berlin, 13. April. (.) Das Bundesamt des Stahlhelms teilt mit:3m Auftrage der Bundessührung des Stahlhelms hat Montagmit­tag der Leiter der AbteilungVolksbegehren" beim Bundesamt dem Herrn Reichskanz­ler die gröbsten Fälle der zahllosen, bisher schon erfolgten Behinderungen des VolksbegehrensLandtagsauflö­sung" durch Behörden auf Grund der Rotverordnungen übermittelt und sein Eingreifen zum Schuhe der verfassungsmäßi­gen Volksabstimmung in Preußen erbeten. Da die meisten älcbergriffe unter Mißbrauch der Bestim­mungen der Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 durch Llnterbehörden erfolgt sind, denen d ie preußischen Ausfüh- rungsbestimmungen zur Rotverordnung allzuviel Handhaben zu einer vom Herrn Reichs­präsidenten selbstverständlich in keiner Weise ge­wünschten Behinderung des Volksbegehrens ge­lassen haben, war bei der Eile der Abhilfe im Sinne des Volksbegehrens,Landtagsauflösung", die Anrufung des Herrn Reichskanzlers als des unmittelbaren Beraters des Herrn Reichspräsi­denten geboten."

Die politische Osterpause.

Die Arbeitslosen--rolverordnung nicht vor Mitte Mai.

Berlin, 13. April. (ERB.) Die großen Poli­tischen Arbeiten werden noch nicht in , dieser, sondern erst in dernächstenWoche ihren Anfang nehmen. Der Kanzler kommt erst am 23. d. M. nach Berlin zurück, nachdem er zwei Tage vorher in Essen vor den Windhorst - Dünden gesprochen haben wird. Dr. Curtius wird vielleicht einige Tage eher zurückkehren, da am nächsten Sonntag der Zentralverband der Deutschen Volkspartei in Berlin zusammentritt. Früher werden auch Vizekanzler Dietrich und Reichsarbeitsminister Stegerwald nicht er­wartet. Die erste Kabinettssihung wird nach all dem also nicht vor Ende nächster Woche stattfinden. Man wird deshalb annehmen müssen, daß die große Rotverordnung, die die erste Aufgabe des Kabinetts nach den Osterferien sein soll, nicht vor Mitte Mai fertig wird. Dafür spricht auch die Tatsache, daß der Gutachterausschuß unter dem Vorsitz von Dr. Brauns, der morgen wieder zusammen tritt, die Reorganisation der Arbeitslosen­versicherung an den Schluß seiner Ar­beiten gesetzt hat.

9er Düsseldorfer Massenmörder vor Gericht.

Düsseldorf, 13. April. (WTB.) Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den Massenmörder Kürten, dem neun Morde und sieben Mordversuche zur Last gelegt werden. Als Tagungsraum dient die Turnhalle der Polizeiunterkunst Dusseldorf-Rord, weil der Schwurgerichtssaal des hiesigen Landgerichtes für eine derartige Verhandlung viel zu klein ist. Rach Eröffnung der Verhandlung verlas der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Rose, den Eröffnungsbeschluß. Auf die Frage des Vorsitzen­den erklärt sich Kürten mit leiser Stimme bereit, auszusagen. Stockend und mit vielen Unterbre­chungen schildert er seine trostlose Jugend­zeit. Er führt aus, daß sein Vater dem Trunk ergeben gewesen und mehrfach mit den Menschen in Konflikt geraten sei. Er selbst sei im Alter von acht 3ahren für mehrere Wochen fortgelaufen und dann wieder von der Polizei aufgegriffen worden, habe aber schließlich die. Schule bis zum 14. Lebensjahr weiter besucht, und sei dann in der Fabrik, in der sein Vater tätig war, in die Lehre gekommen. Der Vater habe oft Strafen verbüßen müssen, so daß die Mutter mit den zehn Kindern in bitter­ster Rot zu Hause gesessen habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Vater wegen Blut­schande zu Zuchthaus verurteilt worden sei, antwortete Kürten mit 3a. Kürten erfärie weiter, mit etwa 15 3ahren habe er ihm anver­trautes Geld veruntreut, wofür er zwei Mo­nate Gefängnis erhalten habe. 3m Polizei- gefängnis sei er dann zum ersten Male m i t Schwerverbrechern zusammengekom- men. AlsMilchgesicht" habe er dort die erste Tätowierung gegen seinen Willen erhalten. Spä­ter sei er wegen Hausfriedensbruches und Be­drohung noch zweimal mit Haft bestraft worden. Die weitere Vernehmung Kürtens ergibt, daß er auf Grund seiner Vorstrafen viele 3ahre im Gefängnis und im Zuchthaus ver­bringen mutzte. Er hat auch noch den Entlassungen immer wieder neue Diebstähle aus­geführt und dafür weitere erhöhte Strafen er- Haltern 3m 3 ah re 1904 hat er d i e ersten Brandstiftungen begangen, wofür er eine siebenjährige Zuchthausstrafe bis 1912 verbüßen muhte. Er behauptet, er sei in den Gefängnissen und Zuchthäusern m i tz h an de l t worden und die grausamen Fesselungen hätten erst die Emp­findungen bei ihm geweckt, die später bei den Mordtaten zum Ausdruck kamen.

Der erste Mord versuch ereignete sich am 3. Februar 1929 in Gerresheim an Frau Kühn, auf die er mit einer Schere, die er sich zu diesem Zwecke mitgenommen hatte, mehrfach einstach. Aus die Frage des Vorsitzenden, ob er mit der Absicht ausgegangen sei, jemand zu tö­ten, schwieg Kürten zunächst, gab aber dann die Tötungsabsicht zu. Sodann kam der Fall Rosa Ohlig s er zur Sprache, die Kürten 10 Minuten von seiner Wohnung entfernt antraf. Gr ging dem Kind entgegen und stach es mit der Schere nieder. Dann begab er sich in ein Kino, kehrte aber später zum Tatort zurück, und zwar mit einer Flasche Petroleum, die er neben die Leiche stellte. Morgens, etwa um 6.30 Jlbr, begab er sich abermals zum Tatort, über­schüttete die Kleider des Kindes mit Petroleum

und zündete sie an. Am 13. Februar Be­gegnete er dem 3nvaliden Schee r, der ange­trunken war und Kürten anrempelte. Kürten stietz den Mann nieder und tötete ihn auf die gleiche Art wie die kleine Ohligser. Am 1. August 1929 lernte Kürten im Zooviertel die Hausange­stellte Hahn kennen, verabredete sich mit ihr zu einem Ausflug nach Reandertal und stach sie auf dem Rückweg bei Papendelle mit einer Schere nieder. Am nächsten Tage kehrte er an den Tat­ort zurück, verweilte dort längere Zeit und grub die Leiche nachts ein.

Am 21.August kaufte er sich ein Stilett, mit dem er Kornblum, Frau Mantel und Inge Gold- hausen sckwer verletzte. Schon wenige Tage später, am 24. August, ereignete sich der Dopoelmord an Luise Lenzen und Gertrud Hammacher. Am nächsten Tage bereits unternahm er einen Mordversuch an der Gertrud Schulte. Am 30. September lernte er die Ida Reuter in der Düsseldorfer Bahnhofshalle kennen und machte mit ihr einen Spaziergagg nach dem Pappelwäldchen. Auf dem Rückweg schlug Kürten die Reuter mit einem Hammer nieder und tötete sie. Von der Elisabeth Dörrier wurde er am 12. Oktober auf der Straße angesprochen. Er nahm die Sortier mit zum Torfbruch, wo er sie mit einem Hammer tötete. Am 25. Oktober überfiel er eine Frau Meurer in Gerresheim mit einem Hammer und später im Hofgarten Klara Wanders. Ser letzte Fall ereignete sich am 7. November 1929 an der Gertrud Albermann, die er hinter der Fabrikmauer der Firma Haniel-Lueg mit einer Schere ermordete.

Sann kam die Frage auf die zahlreichen Brand­stiftungen, die Kürten verübt hat. Er erklärte, daß er die Brandstiftungen hauptsächlich deshalb begangen habe, weil er Gefallen an dem Feuer­schein und an den Schreckensrufen der Bewohner hatte. Allerdings habe er nicht daran gedacht, daß sich in den angezündeten Heuschobern etwa Men­schen befunden haben konnten.

Kleine politische Nachrichten.

Mit Zustimmung des Reichspräsidenten von Hindenburg wurde vom Präsidenten des deutschen Roten Kreuzes dem Landeshauptmann von Tirol Sr. Stumpf das Ehrenkreuz 1. Klaffe des deutschen Roten Kreuzes verliehen.

Bis Sonntagabend haben sich in Frankfurt 10 658 Personen für das Volksbegehren eingetragen. Bei dem Volksbegehren gegen den Poungplan wurden in den ersten fünf Tagen etwa 1960 Eintragungen vorgenommen. In W i e s b a - den haben sich bis Sonntagabend 5600 Personen für das Volksbegehren eingetragen.

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Reichsinnenminister Dr. W i r t h ist v o m P a p st in längerer Privataudienz empfangen worden und hat anschließend dem Kardinalstaatssekretär P a - celli einen Besuch abgestattet. Sr. Wirth stattete am Montag Mussolini einen Besuch ab.

Ser zweitägige Proteststreik an den weit- (Itfjen Schulen in Braunschweig und Wolfenbüttel ist beendet. Sie Kinder find heute überall vollzählig zum Unterricht erschienen, und der geordnete Schulbetrieb ist wieder aufgenom­

men worden. Gegen die Eltern und die Personen, die sich als Streikposten betätigt haben, soll in der angekündigten Weise vorgegangen werden.

Sas braunschweigische Staatsmini­sterium hat im Einvernehmen mit der Techni­schen Hochschule beschlossen, den ordenllichen Pro­fessor für allgemeine Erziehungs­wissenschaft an der Technischen Hochschule, Sr. August Riekel, im 'Interesse des Dienstes zum 15. April 1931 von seinen amtlichen Verpflichtungen zu e n t b l n b e n.

Ser nationalsozialistische Reichstaysabgeordnete Sr. Feber wurde vom Großen Schöffengericht in Kassel wegen Vergehens gegen §5 Absatz 1 des Re- publikschutzgesetzes zu einem Monat Gefäng­nis verurteilt. Sie Strafe wird gegen eine Buße von 200 Mark auf drei Äahre ausgesetzt. Sem Urteil liegen drei Aeußerungen Feders zu­grunde, die er in einer Rede in Kassel getan hat.

Aus aller Welt.

Graf Zeppelin" In Friedrichshafen glatt gelandet.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist von seiner Aegyptenfahrt Montag früh kurz nach 6 Llhr über seinem Heimathafen eingetrof'en. Bei Herr- ttchem Sonnenschein kreuzte bas Luftschiff eine Stunde über der Stadt Friedrichshafen. Die Lan­dung erfolgte bei völliger Windstille glatt und ohne jeden Zwischenfall. An bet Rückfahrt von Aegypten hatten 22 Fahrgäste teilaenommen. Die Aegyptenfahrt ist in jeder Hinsicht gut ge­lungen, Fahrgäste und Desahungsind des Lobes voll. Die nächste Fahrt des LuftschiffesGraf Zeppelin" findet am 26. April nach Frank­furt a.M. statt.

Ein seltsames Schicksal.

3n Berlin starb der frühere Rechtsanwalt Paul Bredereck. Bredereck besah in Berlin vor dem Kriege eine glänzende Rechtsanwalts­praxis und verkehrte in den höchst gestellten Kreisen. Von Freunden am Rennsport inter­essiert, war er von 1910 ab fast dauernd auf Rennplätzen zu finden, wo er außerordentlich hoch wettete. Cs stellte sich heraus, daß Bredereck auch die ihm anvertrauten Depots angegriffen und die Vermögen mehrerer seiner Mandanten verspielt und verwettet hatte. Bredereck floh damals nach Süd­amerika. Bei Kriegsbeginn schlug er sich auf abenteuerliche Weise nach Europa durch und ge­langte schließlich nach Deutschland, wo er sich unter falschem R amen als Kriegs­freiwilliger stellte. An der Front tat sich Bredereck immer wieder hervor. Er erwarb das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse und andere hohe Orden und wurde schnell befördert. 1916 wurde er schwer verwundet in die Heimat geschafft und stellte sich hier dem Kriegsgericht, das ihn wegen unzulässiger Ramensführung unter Anerkennung seiner vaterländischen Gesinnung zu einem Tage Gefängnis verurteilte. Das Ver­fahren wegen der anderen Anschuldigungen wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt. Rach dem Kriege eröffnete Bredereck in Berlin einR e ch t s- bureau und suchte Anschluß bei rechts­radikalen Kreisen. Kapp berief ihn bei Beginn des Kapp-Putsches in die Reichskanzlei und machte ihn zum Pressechef. 3n den letzten 3ahren trat Bredereck noch mehrmals in Sen­sationsprozessen als Zeuge auf.

Dec Asienforscher Trlnkler bei einem Autounfall schwer verletzt.

Am Sonntagnachmittag ereignete sich auf der Chaussee BremenWesermünde ein schweres Autounglück, bei dem eine Person ge­tötet wurde. Der schwere Wagen des Kaufmanns Diehusen (Bremen) kam auf. der durch Regen schlüpfrig gewordenen Straße ins Rutschen und schlug beim scharfen Bremsen um. Der Chauffeur wurde auf der Stelle ge­tötet und fünf weitere Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Unter den 3nfaffen be­fand sich auch der bekannte Asienforscher Dr. Theodor T r i n k l e r, der am Dienstag, bei der Gedenkfeier zum 100. Geburtstag des Afrika­forschers Roylss in Vegesack die Festrede halten wollte. Er erlitt einen schweren Kieferbruch und Beinverletzungen.

wegen Mordes zum Tobe verurteilt.

Das Schwurgericht Dessau verurteilte den Bierkutscher Gustav Hinze wegen Mordes zum Tode, wegen Mordversuchs in zwei Fällen zu vier 3ahren und vier Monaten Zuchthaus. Hinze hatte in Leopvldsball den Tischler Harke durch zwei Revolverschüsse getötet und weiter versucht, dessen Schwiegermutter, mit der der Angellagte mehrere 3ahre zusammen gelebt hatte, und deren Tochter zu töten. Der Angeklagte, dessen Vater und Brüder Trinker sind, ist erblich stark be­lastet. Der Sachverständige erklärte ihn jedoch für voll zurechnungsfähig.

Riefenschabenfeuer in Reims.

Ein ungeheures Schadenfeuer brach in Reims aus und griff in ganz kurzer Zeit auf ein ganzes Stadtviertel über. Der eigent­liche Herd des Feuers liegt in einer Bäckerei. Trotz des sofortigen Eingreifens der Feuerwehr standen im Ru viele Häuser in Flammen. So griff das Feuer auch auf ein Lichtspieltheater über, das bis auf den letzten Platz be­seht war. Glücklicherweise gelang es, das bren­nende Gebäude zu räumen, ohne daß es unter den Zuschauern zu einer Panik kam. Kurz vor Mitternacht wurde Militär zur Verstärkung herbeigezogen und das ganze Stadtviertel in weitem Llmkreis von allen Bewohnern geräumt. Soldaten und Pfadfinder retteten dann das Hab und Gut der Betroffenen, soweit es ihnen möglich war. Eine Kinderschule und ein Mäd­chenpensionat stehen ebenfalls in Flammen, jekwch sind auch hier glücklicherweise keine Men­schenleben zu beklagen. Von den bereits einge­stürzten Gebäuden griffen die Flammen auf zwei andere Wohnhäuser über, die jedoch inzwischen geräumt worden waren. Der Himmel ist auf meh­rere Kilometer weit hell erleuchtet, und von allen Seiten treffen Drandwehren ein, um die städtische Feuerwehr zu unterstützen.

SOS/Xufe eines brennenden Frachtdampfers.

Die Funkstattonen an der Ostküste von Rord- amerika fingen 808-Rufe des 4470 Motor-Fracht­dampfersRordhval" auf. Das Schiff be­findet sich an der Küste des Staates Virginia in Brand und treibt im Meer. An Bord be­fanden sich 42 Mann Besatzung und ein Fahrgast. Alle haben in Rettungsbooten den Dampfer ver­lassen. Der DampferCherchee" der Clide-Linie

ist als erster an der älnglücksstelle etngetroffen und hat mit der Bergung der auf See treibenden Besatzung begonnen. Küstenboote und Zerstörer befinden sich unterwegs.

Vergnügungsfahrt im Polarmeer.

Der große Eisbrecher der Sowjet-Regierung Maligin, ein Schiss, das auch an der Suche nach General R o b i I e im 3ahre 1928 teilnahm, wird jetzt eine neue Verwendung als Dergügungs- darnpfer finden. Die russische Fremdenverkehrs­gesellschaft3nturift" beabsichtigt nämlich, für 40 bis 50 Reisende eine erste Vergnügungs­fahrt im Polarmeer zu veranstalten. Der Maligin" soll gegen Ende 3uni Archangelsk ver­lassen und zunächst Franz»3ofeph°Land berühren, wo die nördlichste Rundfunrstation der Welt ist: dann wird die Fahrt nach dem großen arktischen Gebiet von Rowaja Semlja fortgesetzt, und nach sechs Wochen oder zwei Monaten wird man zu­rückkehren. Außer einer für Polarfahrten be­sonders ausgebildeten Mannschaft wird das Schiff erfahrene Polarjäger mitführen, die den Reisen­den zur Verfügung stehen, wenn sie Eisbären und andere arktische Tiere, die man vom Schiff aus gesichtet hat, zu erlegen wünschen. Auch die Möglichkeit zum Sammeln arktischer Pflanzen und für photographische Aufnahmen M-gegeben. Der Eisbrecher wird auch einen Arzt und eine Sende­station an Bord haben, aber man nimmt an, daß die Passagiere wegen der außerordentlichen Güte des Polarklimas den Doktor höchstens bei un­vorhergesehenen .Unfällen brauchen werden. Die Reise wird in ihrer ganzen Ausdehnung bei Tageslicht stattfinden, da die Sonne in den Sommermonaten in diesem Gebiet nicht untergeht.

Kunst und Wissenschaft.

Reues von der Römisch-Germanischen Kommission.

Ser Reichspräsident hat zum ersten Sireftor der Römisch-Germanischen Kommission des Archäologi­schen Instituts des Seutschen Reichs in Frankfurt am Main Sr. Gerhard Bersu den bisherigen zweiten Sircttor, und zum zweiten Sirettor Sr. Hans Zeiß, den bisherigen Assistenten, ernannt. Als deutsche Zweiganstalt des Archäologischen In­stituts des Seutschen Reichs bient bie Römisch-Ger­manische Kommission der Erforschung der heimischen Bodendenkmäler von den ältesten Zeiten an bis in das frühe Mittelalter. Zum Aufgabenkreis der Kom­mission gehört ferner die Pflege der Beziehungen zwischen der deutschen Wissenschaft und der For­schung des Auslandes. Mit Sireftor Sr. Gerhard Bersu (geboren 1889 zu Zauer in Schlesien) über­nimmt zum erstenmal ein Prähistoriker die Leitung der Kommission. Sr. Hans Zeiß (geboren 1895 zu Straubing in Bayern) hat sich die Aufgabe gestellt, das Gesamtgebiet der deutschen Altertumskunde im europäischen Zusammenhang zu betrachten.

Berliner Börse.

D e r l i n 14. April. (WTB. Funkspruch.) 3m heutigen Vormittagsverkehr herrscht bis jetzt große Geschäftsstille, doch scheint die Tendenz, zu­mal Reuyork recht fest schloß, eher freundlich zu sein. Kurse sind noch nicht zu hören. Am De­visenmarkt nannte man London gegen Berlin 20,4070, gegen Kabel 4,8531, gegen Paris 124,22, gegen Madrid ohne zuverlässigen Kurs, Kabel gegen Berlin 4,2006.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite der seit­herigen Storung wirkt sich auf die Wetterlage von ganz Deutschland aus, und zwar derart, daß Temperaturrückgang von 3 bis 5 Grad stattgefun- ben hat und außerdem unbeständiges Wetter mit einzelnen Riederschlägen im nördlichen und öst­lichen Teil des Reiches vorherrscht. Von Westen her breitet sich das Hochdruckgebiet weiter nach dem Festlande aus, das seinen wetterwirksamen Einfluß auch über Deutschland in den nächsten Ta­gen ausdehnen wird. Rach anfänglich noch etwas wechselhastem und kühlem Wetter wird der Wit­terungscharakter wieder beständiger und Tempe­raturanstieg setzt tagsüber ein.

Aussichten für Mittwoch: Zeitweise noch bewölkt, sonst meist heiter und trocken, tags« über etwas wärmer.

Aussichten für Donnerstag: Vorwie­gend heiteres Wetter und trocken, weitere Er­wärmung.

Lufttemperaturen am 13. April: mittags 10,4 Grab Celsius, adenbs 4,9 Grab; am 14. April: morgens 4 Grab. Maximum 11,3 Grab, Minimum 1,7 Grad. Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. April: adenbs 10,6 Grab; am 14. April: morgens 6 Grab Celsius. Niederschläge 0,5 mm. Sonnenschein- bauer 5% Stunden,

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