Ausgabe 
13.10.1931
 
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erklärt dazu:Noch am 29. September haben d \ e Spihenoerbände in einer gemeinsamen Ta­gung dem Herrn Reichskanzler die grund­legende Notwendigkeit zum Ausdruck ge- bracht, die Währung gesund zu erhalten und die Gefahren, die ihr von der Beibehaltung

einer falschen Finanz- und Wirtschaftspolitik drohen, rechtzeitig zu beseitig en. Jedes wäh- rungsexperiment muffe ganz entschie­den abgelehnt werden. Der Langnamoerein steht auch heute noch voll und ganz hinter dieser Lr- tlärung.

Vor Zusammentritt des Reichstags.

Bekommt Brüning eine Mehrheit?

Berlin, 12. Olt. (DDZ.) Mit Beginn der Woche hat im Reichstag wieder reges Leben ein­gesetzt. Es sind schon sehr viele Abgeordnete aus allen Lagern anwesend, die neben der politischen Lage insbesondere auch den Verlauf und das Ergebnis der Harzburger Tagung besprechen. Der Montag war im wesentlichen mit Sitzungen verschiedener Fraktionen ausgefüllt, die indessen zu abschliessenden Ergebnissen nock nicht führten, da man naturgemäss erst den Inhalt der Regie­rungserklärung kennen lernen will. In parla­mentarischen Kreisen hat bereits ein lebhaftes Rätselraten über den voraussichtlichen Ausgang der Reichstagsverhandlungen eingesetzt. Das Er­gebnis lässt sich noch in keiner Weise Voraus­sagen. Man wird annehmen müssen, dass äusser der Volkspartei mindestens auch die Wir t- schaftspartei sich gegen das neue Brüning-Kabinett erklärt. Zweifelhaft bleibt auch noch die endgültige Haltung des Landvolkes. Rein zahlenmässig würde sich für die Regierung eine kleine Mehrheit er­geben, wenn man damit rechnet, dass Bolkspartei und Wirtschaftspartei nicht r e st l o s der Pa­role der Führung folgen und die 13 6 So­zialdemokraten andererseits ge­schlossen für die Regierung eintre- t e n. Man weiss aber, dass bei den Sozialdemo­kraten sich die Opposition gegen die Haltung der Parteiführung nicht nur auf die sieben Abgeordneten beschränkt, die aus der Fraktion ausgeschieden sind, sondern dass ein weiterer Teil der Fraktion bei früheren Abstim­mungen seiner abweichenden Auffassung dadurch Ausdruck gegeben hat, dass er sich an der Ab­stimmung nicht beteiligte. Man wird also auch auf die 136 Sozialdemokraten nicht voll rechnen können.

Die Dauer der bevorstehenden Reichstags- tagung ist noch unbestimmt. Die Regierung möchte den Reichstag möglichst schon nach einigen Tagen wieder heimschicken. Ob sich das wird erreichen lassen, wird sich erst in einigen Tagen zeigen. Die Dienstagsitzung wird nach der Erklärung des Kanzlers vertagt werden. Die Aussprache, die dann am Mittwoch beginnt, wird voraussichtlich am Freitag geschlossen wer­den, so dass die entscheidenden Ab st im- mungen für Freitag zu erwarten sind.

Dor -er Kanzlerrede.

DieGermania" plaidiert für politische Vernunft.

Berlin, 12.Ott. (TU.) In einem längeren Leitartikel, überschriebenDer Kampf", nimmt dieGermania" in ihrer Dienstagausgabe zu den bevorstehenden Ereignissen im Reichstag in Zusammenhang mit der Harzburger Tagung der Rationalen Opposition Stellung. Dr. Brüning, so sagt das Blatt, wird in der heutigen Sitzung des Reichstages eine kurze und bündige Erklä­rung zu dieser Politik abgeben. Er wird im Anschluss daran einen grossen umfassen­den Rechenschaftsbericht ablegen über alles, was in der Zwischenzeit geschehen ist und er wird über Bergangenheit und Gegenwart hinaus sich auch der Zukunft und ihren dringend st en Aufgaben zuwenden. Dann wird nur noch das Parlament zu sprechen haben.

Die Rationale Opposition, so heisst es dann weiter, hat zum Generalangriff geblasen. Wir sehen von einigen Missklängen

ab, die für unsere Beurteilung nicht entscheidend sind. Es kommt darauf an. die politische Be­deutung dieser Hugenberg-Hitler-Bewegung mit kühler Sorgfalt abzuschätzen. Das Blatt richtet dann an Hitler die Frage, ob er mit dieser Begegnung jetzt habe dokumentieren wollen oder sogar müssen, dass er sich endgültig d emG ross­kapital und dem Grossgrundbesitz verschrieben habe. Die Tagung von Harz­burg täuscht uns trotz der Reden, die dort ge­halten worden sind, nicht darüber hinweg, wie es mit dieser Aktion wirklich steht. Sie ist höchstens eine parlamentarische Front zum Sturze der Regierung Brüning. Eine po­litische Front für einen homogenen Aufbau ist sie nicht. Der Reichskanzler kann ruhigen Ge­wissens in den Kampf gehen, der ihm im Parla­ment bevorsteht. Sein Kurs zeigt eine klare, gerade Linie. Es kann ihn deshalb auch nicht anfechten, wenn der politische Ehrgeiz des frühe­ren Reichsbankpräsidenten D Schacht zum Antreiber für eine Sache wird, in der er nicht mehr ernst genommen wird und in der man jedes Verantwortungsgefühl vermissen muss. Der Husarenritt Schachts in Harzburg war eine Zügellosigkeit. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung. Das Parlament möge zeigen, ob seine Mehrheit in der Lage ist.' die Probe zu bestehen, und die politische Vernunft sprechen zu lassen, die notwendig ist, damit wir unsere nationale und wirtschaftliche Kraft wieder ge­winnen.

Nie Sozialdemokraten zur Harzburger Tagung.

Berlin, 12. Ott. (VDZ.) Die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktion nahm am Montag­nachmittag den Bericht des Abg. Dr. Br eit - scheid über die politische Lage entgegen. In der ausgedehnten Aussprache wurde mit Rach­druck darauf hingewiesen, dass die Z u s a m - menkunf t der fo genannten nationa­len Opposition in Harzburg der ge­samten arbeitenden Bevölkerung die ungeheueren Gefahren aufgezeigt hat, die ihr von der Rechten drohen. Unter der Führung von Schwer­industriellen, Bankfürsten und Hohenzollernprin- zen hätten sich dort alle Kräfte bereinigt, die den Arbeitern, Angestellten und Beamten die po­litischen Rechte rauben, ihre Lebenshaltung bru­tal herabdrücken, Sozialgesetzgebung und Tarif­recht vernichten wollen. In Harzburg sei aber auch die Losung ausgenommen worden, wonach durch eine neue Inflation der gewerb­liche Mittelstand und die breiten Massen der kleinen Sparer und Rentner zum zweitenmal zu­gunsten der Schwerindustriellen und Grosskapi­talisten enteignet werden sollen. Die so­zialdemokratische Fraktion wird ihre Beschlüsse erst in einer neuen Sitzung fassen, die nach der Rede des Reichskanzlers am Dienstag abgehalten wird. In einer Reihe von Anträgen fordert die Fraktion eine wirksame Kürzung der grossen Pensionen und hohenGe- kälter, eine Reuaufrollung der Für­stenabfindungen. die scharfe Kontrolle des Danken - und Kartellwesens, die Belebung des Daumarktes sowie an­dere Massnahmen zur Bekämpfung der Wirt­schaftsnot der breiten Massen, insbesondere durch eine ausreichende Winterhilfe für Erwerbs­lose, Sozialrentner und alle anderen Hilfs­bedürftigen.

Das Echo von Harzburg.

Berliner preffestimmen zur Kundgebung der Opposition.

Berlin, 12.0«. (CNB.) Die Blätter aller Richtungen beschäftigen sich mit der Kundgebung der Rechtsopposition in Harzburg.

DerA b e n b" (soz.) nennt die Harzburger Kund- gebung einen Appell des Faschismus, der neue In­flation bedeute. Der frühere Präsident der deutschen Reichsbank habe der Tagung von Harzburg den Stempel aufgedrückt: Hier sei die Inflationsfront zwischen Großagrariern, Schwerindustriellen und Faschisten beschlossen worden, und Herr Schacht führe sie! DasBerliner Tageblatt" (dem.) nennt die Rede Schachts eineverbrecherische Rede". Die Harzburger Tagung habe bewiesen, daß es einegeschlossene Front der nationalen Oppo­sition" nicht gebe. Die Gegensätze seien auf der Rechten nicht kleiner als auf der Linken. Daß die nationale Opposition" reif sei zum Regieren, ja daß sie es jemals werden würde, könne man nicht glau­ben. Auch dieBoss. Zeitung" (Ullstein) glaubt nicht an eine geschlossene Front der Rechten. Die in Harzburg Zusammengetrosfenen seien ihrem Programm der Sabotage treu geblieben und hätten sich ehrlich bemüht, eine wirtschaftliche, finanzielle und politische Panik zu erregen. DerBörse n- Courier" (dem.), der ebenfalls die Einigkeit bc- zweifelt, verweist auf die unterschiedliche Formulie­rung der Kundgebungen. Der Marxismus werde nicht als Sozialismus, sondern ob seines'Blut- terrors" abgelehnt, die Erwähnung geschehe mit Rücksicht auf Hugenberg, die Einschränkung mit Rücksicht aus Hitler.

DieD A Z." weist auf die Schwierigkeiten hin, die cS gemacht habe, die Tagung auf eine cin- heitliche Linie zu bringen und schreibt dann: Um so grösser muss das Verdienst Hugenbergs angeschlagen werden, dem es gelungen ist, diese kleinlichen Reibungen und Widerstände zu über­winden und eine geschlossene Kundge­bung zustande zu bringen. Der Gesamteindruck kann dadurch nicht abgeschwächt werden, dass ein­zelne Teile der Rede des früheren Reichsbank­präsidenten Dr. Schacht in der Berliner Links­presse einen Sturm der Entrüstung hervorgeru­fen haben. Run müsste eS in dieser Woche noch gelingen, das Kabinett Brüning I I zu st ü r- z e n . bann würde Geheimrat Hugenberg an die Macht gerufen werden. Man kann lagen, dass die Staatsraison erfordert, die Rechte lo schnell

wie möglich, also sofort, ans Ruder zu brin­gen. Im übrigen weist dieDAZ." darauf hin, dass die Harzburger Tagung der Rationalen Op- pofition ein eindrucksvoller und wichtiger Auftakt für die Reichstagsverhandlungen gewesen sei. Aus den Erklärungen Fricks und Hitlers erkenne man die Schwierigkeit, in der sich die nationalsozialisti­schen Führer befänden, ihren revolutionären An­hängern die taktische Rotwendigkeit des Zusam­mengehens mit anderen Gruppen und Parteien klarzumachen. Zu den Ausführungen Schachts sagt das Blatt: Seine finanzpolitische Prognose für unser Land mag im einzelnen übertrieben fein und die Vergröberung, die zu befürchten ist, wird wahrscheinlich ungünstige Folgen für unsere Wirtschaft haben. Aber Pessimis­mus ist heutzutage kein Verbrechen, und es er­weist sich wieder als ein Fehler, dass Dr. Schachts grosse Sachkenntnis und fein feuriges Tempera­ment brachliegen.

3m Spiegel der pariser presse.

Paris, 12. Olt. (WTB.) Die gesamte Presse bringt ausführliche Berichte über die Kund- gebung in Bad Harzburg: ..Oeuvre" schreibt, es entstehe die Frage, wo Hitler, wenn er einmal an die Regierung gelangen würde, Hilfe im Ausland zu finden gedenke. Rachdem das Blatt eine Hilfeleistung Italiens und Russlands als fraglich barftcllt, glaubt es. zu einer Unter» stüyung durch Amerika erklären zu müssen, dass die Zurückziehung amerikanischer Kapitalien aus Deutschland nach den Hitler-Wahlen von 1930 für Deutschland den Beginn der jetzigen Krise bedeutet habe.Petit P a r i s i e n" hält die Harzburger Kundgebung für ein Ereig­nis, das für die03 e r to t r r u n g" charakteri­stisch fei, in der sich Deutschland gegenwärtig befinde.Quotidien" schreibt, Frankreich werde von Hitler für alle Leiden Deutschlands verantwortlich gemacht: cs fei das Ziel des Führers der extremen Rechtsopposition, inter­nationale Verträge zu vernichten. Man könne der Ansicht fein, dass es sich nur um Worte handele aber diese Worte könnten doch ge­fährliche Illusionen enthalten, fobalb die Dolksmasse in Deutschland zu der Ansicht käme,

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Ner Calmeiie-Prozeß beginnt

Das Lübecker Kindersterben vor Gericht.

Frankfurt a. M., 11. Oft. (Sil.) Zu der Auf­sehen erregenden Strafversetzung von Prof. Krieck von der Pädagogischen Akademie in Frankfurt haben 15 Hochschulprofessoren der- d a g o g i t solgende Erklärung abgegeben: .Prof. Krieck ist strafweise nach Dortmund versetzt wor­den, nicht weil er in einer Ansprache vor Stu­denten für dieRSDAP. geworben hätte.

dass man nur internationale Verträge zu zer­reissen und Frankreich zu verwünschen brauche, damit die Arbeitslosigkeit behoben und der Wohl­stand in Deutschland wieder zunehmen werde. 2 a Republique" fordert ebenso wie Volonte" die französischen Rationalisten auf, die Ereignisse in Deutfchland nicht zu übertreiben. Auch der französische Ratio­nalismus könne in seiner Geschichte einen fort­gesetzten Bankrott feststellen. Man müsse sich fragen, ob nicht das beste Mittel, um Hitler zu beseitigen, und seine Propaganda für die Beseiti­gung des Versailler Vertrages zunichte zu machen, in der Anwendung derjenigen Punkte des Ver­sailler Vertrages bestehe, die Deutschland billi-

müsse.

Das Dritte Reich." Protest gegen die Strafversetzung von Professor Krieck, Frankfurt.

Lübeck, 12. Okk. (TU.) Am Montag begann in der zum Gerichtssaal verwandelten Hauptturnhalle der seit langem mit großer Spannung erwartete Lübecker Calmette-Prozeß, der nicht nur für die Oeffenklichkeit interessant, sondern auch für die medizinische Wissenschaft bedeutungsvoll ist, durch die in Aussicht stehenden 16 medizinischen und bak­teriologischen Gutachten über das Calrnette-Ver- fahren und die Umstände, die den Fehlschlag der BCG. (Calrnette-Guörin-Bazillus) Fütterung her- beiführten. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperver­letzung und wird durch Oberstaatsanwalt Dr. Lienau und Staatsanwalt Frhr. o. Beust vertreten. A n g e k l a g t sind Prof. Dr. Deycke, ein bekann­ter Tuberkuloseforscher, Prof. Dr. Klotz, der Leiter des Lübecker Kinderhospitals Obermedizinalrat Dr. A l t st a e d t, der Leiter des Gesundheitsamts in- beck und die Schwester Anna Schütze. Als Ver­treter der Angeklagten ist u. a. auch Rechtsanwalt Dr. Alsberg (Berlin) tätig. Reben etwa 40 Zeu­gen werden auch sechs Vertreter der über 250 be­troffenen Eltern als Nebenkläger zugelassen. Als Vertreter der Eltern fungiert neben zwei Lübecker und zwei Berliner Anwälten auch Rechtsanwalt Dr. Frey. Das Reichsgesundheitsamt und andere Behörden sowie die Aerzte schäft, die Universitäten und die Krankenkassen haben Vertreter entsandt. Das große Interesse der Oeffentlichkeit für

den Prozeß zeigt sich auch in der außerordentlich starken Teilnahme der in- und ausländischen Presse, die durch etwa 50 Berichterstatter ver» treten ist. Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich eint große Menschenmenge eingefunden, die aber nur teilweise als Zuhörer Zutritt erhalten konnte.

Um 9.45 Ufjr erklärte der Vorsitzende, Amts» gerichtsrat Wibel, die Verhandlung als er­öffnet. Als erster Angeklagter wurde Obermebi- zinalrat Dr. 2111 ft abt vernommen. Altstatdt gab zunächst einen allgemeinen llcbcrblid übet das Calmette-Vcrfahren und kam schliesslich auf die deutschen Ansichten über das Verfahren zu sprechen. Er erwähnte dabei, dass seinerzeit aus Veranlagung des Reichsgesundheilsamtes ein medizinischer Ausschuss gebildet wurde, der zahlreiche Fütterungsversuche vornahm. Die Hygienesektion des Völkerbundes sei im Iahrt 1628 zu dem Ergebnis gekommen, dass das 6al» mette-Versahren unschädlich ist. Auch der deutsche Mediziner Prof. S ch l o 11 m a n n habt erklärt, dass keine Gefahr bei der Anwendung des Calmette-Verfahrens bestehe. Dr. Altstaedt brachte dann das Rundschreiben Loucheurs vom Ianuar 1929 an alle Präfekten in Frankreich zur Ver­lesung, indem Loucheur empfiehlt, das Calrnette- Verfahren überall anzuwenden.

Die Vernehmung wurde sodann abgebrochen und die Sitzung auf Dienstag vertagt.

sondern lediglich deshalb, weil die Rennung des jahrhundertealten DegrilfS ,D rit­te s R e i ch" als eine Werbung für die genannte Partei missverstanden werden konnte. 3n Wahrheit ist ein Missverständnis dieser Art bei urteilsfähigen Hörem schon deshalb nicht zu be­fürchten gewesen, weil durch die ausdrückliche Dc^ zugnahme auf Ioachim von Floris, Lessing und Moeller van den Bruck der erwähnte Begriff in einen grossen ideengefchichtlichen Zusammenhang I eingestellt war. Der Herr Minister selbst hat die Gutgläubigkeit von Herrn Krieck nicht angezwei­felt. Daß trotzdem die Strafversetzung verfügt, worden ist, veranlasst uns -um Protest gegen da« hier angewandte Verfahren. Es bedeutet ein unerträgliches Mass von Devormun. düng, zu schweigen von Rechten, die auS der Verantwortlichkeit des VolkserzieherS folgen, wenn sogar mögliche Missverständnisse einet Festrede Anlass z u disziplinarischer Verfolgung geben.

gej.: Baeumler (Dresden). Cohn (Freiburg LBl Flitner (Hamburg), E. Hoffmann (Heidelberg). E. Iaensch (Marburg), Kafka (Dresden), Kerschen- fteiner (München), Krvh (Tübingen), 2itt (Leip­zig), Luchtenberg (Darmstadt), P. Petersen (Iena), F. Richter (Leipzig), R. Eeyfert (Dresden), Spran- ger (Berlin). F. Volke« (Leipzig).

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Die Eisenbahnattentaie.

Der in Wien verhafteteMatuschla gibt feine Beteiligung zu.

Wien, 12. Okt. (WTB.) Der verhaftete M a - tuschka, der unter dem Verdacht steht, den Eisen- bahnanschlag von Bia Torbagy ausgeführt zu haben, hat nach stundenlangem Verhör ein in die phan­tastischsten Erzählungen gehülltes Geständnis a b g e l e gt, bei den Eisenbahnanschlägen von Jäter- bog und Bia Torbagy Beihilfe geleistet zu haben. Doch wird die Hauptro.lle hierbei von Ma- tuschka einer dritten Person zugeschrieben. Er gab an, daß er einen ihm nicht mehr bekannten Mann auf dessen Aufforderung das Ekrasit gekauft und auch dem Unbekannten übergeben habe. Er habe ihm auch einige Sprengkapseln verschafft, alles in Kenntnis dessen, daß das Ekrasit und die Sprengkapseln für einAttentat verwendet werden sollten. Es sollte, sagte der Unbekannte, nach den Angaben Matuschkos, einem »> gelten. Matuschka gab auch zu, zur Zeit ttentate bei Jüterbog und bei Bia Torbagy mit dem Manne, von dem er nichts Näheres wissen will, in Berlin und in Budapest gewesen zu sein. Er bestreitet aber, an dem Attentat bei Jüterbog beteiligt gewesen zu sein. Auch bei dem Attentat bei Bia Torbagy will er unmittelbar nicht mitgewirkt haben. Matuschka behauptet ferner, daß er in dem O-Zuge, der bei Bia Torbagy verun- glückte, gefahren sei. Er widerrief aber seine früheren Angaben, daß er in einem der abgestürzten Waggons gesessen hätte, erklärt hingegen, daß er in dem Waggon gewesen sei, der mit den zwei anderen nach der Katastrophe vor dem Viadukt stehen­geblieben ist. Damit erklärt Matuschka, daß er nur leichte Verletzungen erlitten hat, die lediglich von Glassplittern herrührten.

Der Konflikt im Fernen Osten.

Direkte Verhandlungen zwischen Japan und China.

Berlin, 12. Oft. (TU.) Ein ausserordentlicher Kabinettsrat in Tokio befasste sich am Mon­tag mit der mandschurischen Frage. Amtlich wurde bekanntgegeben, dass die japanische Regierung jede Einmischung sowohl der Vereinigten Staaten als auch des Völkerbundes in den chine­sisch-japanischen Streit energisch zurück- weisen werde und dass sie auch weiterhin auf einer direkten Regelung zwischen der chi­nesischen und japanischen Regierung bestehe. Der japanische Botschafter in Washington habe Auf­trag erhalten, den Staatssekretär Stimson drin­gend aufzufordern, den japanischen Erklärungen zu vertrauen, dass Iapan keine weiteren Vorrechte in der Mandschurei, dagegen eine baldige Beilegung des Zwischenfalles an« strebe. Heute abend wurde von dem Aussenmini­ster Shidehara und dem chinesischen Ge­sandten in Tokio, Schiangtsopin, bereits der Versuch gemacht, zur Regelung der mandschuri­schen Streitfrage in Verhandlungen einzutreten. Shidehara erklärt darin, das dringende Erforder­nis des Augenblicks sei die Zusammenarbeit der beiden Regierungen zur Beruhigung der Gemüter an Ort und Stelle, damit die Zurückziehung der Truppen durch- aeführt werden könne, ohne dass Leben und Eigentum von Iapanem gefährdet werde. Iapan schlage deshalb vor dass man sich über magrere Grundprinzipien einige, die als Dafis für die Wiederherstellung normaler Beziehungen bil­

den würden. Amtliche Stellen betonen, dass Ja­pan keine neuen Vorrechte in der Mandschurei sucht. Die Hauptsorge der japanischen Regierung ist gegenwärtig, dass der Völkerbund die Ehi- nefen ermutigen könnte, sich wieder auf eine In­tervention von aussen her zu verlassen, statt direkt zu verhandeln. Die Richtanerkennung der Regierung Tschanghsueliang durch den japani­schen Oberbefehlshaber General Honjo sei der per­sönliche Standpunkt des Generals, nicht aber der der japanischen Regierung Letztere habe zu dieser Frage sich noch nicht geäußert.

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Wettervoraussage.

Immer noch hat das östliche Hoch seinen Einsluf über Deutschland entfaltet und trotz Ausläufer bet im Norden vorüberziehenden Störung das schäm Wetter aufrechterhalten. Vorn Atlantik her nahen sich wieder ein neues Hoch, welches über Irland kräftigen Barometeranstieg bewirkt und das fpafr auch bei uns wetterwirksam werden dürfte 21UtP dings bringt an der Vorderseite des Hochs übet Schottland und England kühlere Luft vor, unter deren Einfluß bei uns am morgigen Tage vorüber­gehende Bewölkung auftritt und auch Möglichkeit zu einzelnen, aber nur leichten Niederschlägen ge­geben ist.

Vorhersage für Mittwoch: Vorüber­gehend stärker bewölkt und stellenweise etwas Regelt dann wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mild.

Lufttemperaturen am 12. Oktober: mittags W Grad Celsius, abends 7,7 Grad; am 13. Okwber: morgens 6,3 Grab. Maximum 17,1 Grad, Minimur» 4,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm liefe aff- 12 Oktober: abends 12,2 Grad: am 13. Oktober: mor­gens 9,4 Grad Celsius. Sonnenschetndauer 7% Stunden.

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