Ausgabe 
13.8.1931
 
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sin- Deschäbigungen durch die Explosion nicht fcftaestellt worden. Die Meldung eines Berliner SpätabendblattcS, wonach die Attentäter bei Jüterbog ein Autobenutzt haben sollen und das Auto bereits aufgefunden sein soll, entbehrt jeder Grundlage. Es sind vorläufig lediglich weitere Rohre gefunden worden, die zur weiteren Ermittlung sichergestcllt wurden.

Dem Berliner Kriminalkommissar Lissigkett ist es gelungen, einen ehemaligen iri­schen Offizier in Berlin zu ermitteln, der bis vor etwa einem Vierteljahr tatsächlichhinter Potsdam", nämlich in Lapulh, gewohnt hat. Die erinnerlich, hat der Unbekannte, der Ende voriger Woche in einem Berliner Installa- tionsgeschäft die Materialien für den An­schlag auf den V-Zug gekauft hatte, dem Laden- inhaber erzählt, er sei ein ehemaliger irischer Offizier und wohne hinter Potsdam in einem Häuschen mit drei Zimmern. Ls hat sich nun die überraschende Tatsache ergeben, daß der heute nacht ermittelte 3re, eia gewisser Larnell. in der Tal bis zum 15. wär; d. 3. in Laputh in der Ringstraße in einem einer Jr<m 3enlsch gehörenden Gartenhäuschen ge­wohnt hat. das drei Zimmer aufwies.

Carnell lebte dort zusammen mit einer Dänin, Olga F: beide hielten sich aber sehr zurück, hatten mit der Einwohnerschaft fast gar keinen Verkehr und galten allgemein als sehr menschenscheue Leute. Carnells Tätigkeit bestand einige Zeit da­rin, daß er bei einer Firma für funkentelegra­phische Apparate in Berlin einen Posten als englischer Korrespondent versah: doch schied er aus dieser Stellung aus unbekannten Gründen etwa vor einem Jahre aus. Er sprach ein sehr gutes, fast akzentfreies Deutsch, während bekanntlich der Mann, der in dem 3n- stallationsgeschäft in Berlin erschienen war, ge - brochen Deutsch sprach. Auch die Perso­nenbeschreibung der Geschäftsinhaber trifft auf Carnell nicht zu, so das) der Ire auf keinen Fall derjenige geweien ist, der das Material am Freitag und Samstag eingekauft hat.

Carnell hat bisher jeden Zusammenhang mit die- sem Verbrechen entschieden bestritten. Er dürfte aber dock aus verschiedenen Gründen vor- läusia in Gewahrsam behalten werden, weil vieles in seinen persönlichen Verhältnissen nickt ganz klar zu sein scheint. Schon während seines Aufenthaltes in Caputh war er der dortigen Gemeindeverwaltung dadurch aufgefallen, daß er trotz wiederholter Auf­forderung niemals seinen bei der Poli - zei liegenden Paß abholte und alle be­hördlichen Anweisungen mit größter Saumseligkeit erledigte. Weiter wurde nach seinem Wegzug be­kannt, daß von der Firma, bei der er vorübergehend beschäftigt war, gewisse Nachforschungen in Caputh über Carnell angestellt wurden. Es fiel dann vor allem aus, daß Carnell und seine Begleiterin, obgleich sie in Caputh in sehr bescheidenen Verhält­nissen lebten, plötzlich in Berlin eine lu­xuriöse Fünfzimmerwohnung in der Hardenbergstraße am Zoo von einem Architekten übernahmen, der im Sommer in seinem Landhaus in der Nähe von Berlin wohnt. Woher Carnell, desien richtige Frau mit zwei Kindern in Vohwinkel bei Elberfeld wohnen soll, die Mittel zu dieser er­heblichen Verbesserung seiner Wohnverhältnisse her» genommen bat, ist bisher nicht ersichtlich. Zur Zeit wird vor allem auch nachgeprüft, ob er überhaupt ein ehemaliger irischer Offizier ist. Nach seinem Paß ist er am 8. Februar 1898 in Worthing (England) geboren.

3n Lapulh hat sich bei der Ortrpolizel der Lhauffeur Kirchner gemeldet, der am Diene- - lagabend von einem Manne ange­sprochen und nach dem Wege nach Potsdam gefragt wurde. Kirchner be­hauptet, daß dieser Mann, der fremdländisch klingenden Akzent sprach, nach den in den Mor- genblätlern gegebenen Beschreibungen unbedingt mit dem Klingeldrahtkäufer in der Friedrichstraße identisch sei. Ls Han- bete sich bei diesem Fremden nicht etwa um den 3ren Larnell, sondern um eine andere Person. Die Ortspolizei hat die Angelegenheit an die Berliner firiminialiffen weitergegeben.

Kommunistenrazzia int Landkreis Aachen.

Eine Geheimorganisation gegenFaschiSmus und Polizei ausgehoben.

Mad)en, 12.Aug. (TU.) 3n der Nacht zum Mitt- woch wurden in den Orten Lschweiler. Stolberg, Nothberg und Weihweiler durch die Polizei ein­gehende Durchsuchungen in den einzelnen Kommu­nistenvierteln oorgenommen. Ls wurden etwa 50 Kommuni st en verhaftet, die einer Ge­heimorganisation der Kommunistischen Par­tei, einemKampfbundgegendenFaschis- mus und die Polizei", angehören. Es soll sich um den sogenanntenRoten Schühenbund" handeln. Fest steht, daß die Mitglieder dieser Or­ganisation im Besitze von Waffen und Munition sind und auch Scharfschieh- übungen obgehalten Haden. Unter den ^(ge­nommenen befindet sich der Lschweiler Stadtverord­nete Lenz, ferner der frühere kommunistische Reichslagsabgeordnele Dauhenberg sowie ein Stadtverordneter und Reichstagsabgeordneter aus Stolberg, dessen Name aber bisher von der Polizeibehörde noch nicht bekanntgegeben wurde. Bei den übrigen Personen handelt es sich in der Hauptsache um Ortsfremde, die erst in letzter Zeit zugezogen sind, und in den Bergarbeiterkolo­nien Aufenthalt genommen haben. Bei den Durch­suchungen hat man Anweisungen für eine kommende Revolution und einen kom­munistischen Umfturj gefunden. Auch Waffen wurden befchlagnahmt.

Oer Polizistenmord am Berliner Bülow Platz.

Berlin, 12. Aug. (WTB.) Heute vormittag wurde in der Gormannstrahe am Arbeitsamt ein Mann fe st genommen, der eine Skizze über den Tatort am Bülowplatz mit eingezeich- neten Schützen und zahlreichen wichtigen Aufzeich­nungen über die Erschießung vvnhö Heren Pvlizeibeamten mit sich führte. Bei der Skizze handelt eS sich um die Zeichnung der Mord­tat am Bülow-Platz.

Wohin geht der Weg?"

Will Brüning eine Anlehnung nach rechts? Eine Krage BreitscheidS.

Berlin. 13. Aug. (ERB.) Unter der Ueber- schriift:Wohin geht der Weg? Will Brüning Anlehnung nach rechts suchen?" schreibt der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichs­tagsfraktion, Breitscheid, im Vorwärts:Seit einigen Tagen wird in mehr oder weniger klaren Andeutungen von Annäherungsabsichten unö Annäherungsversuchen zwischen Brüning und Hugenberg gesprochen. Es wäre außerordentlich wünschenswert, wenn das ReichSkabinett und der Mann, der an seiner Spitze steht, sich sehr bald offen über ihre Pläne aussprechen würden. Di« Sozial­demokratie darf verlangen, daß sie Gewißheit darüber erhält, ob Herr Brüning aus dem Er­gebnis des preußischen Volksentscheids die Schlußfolgerungen zu ziehen gedenkt, die ihm nachgesagt werden. Welche auswärtige und welche Sozial- und Wirtschaftspoliti'k glaubt die Reichs- regierung in Gemeinschaft mit den Deutschnatio­nalen treiben zu form en? Wir können an sich den Wunsch Brünings, seine Regierungsbasis zu erweitern, begreifen, aber wenn er den Weg zu Hugenberg geht, dann erweitert er die Basis nicht, sondern er verengert sie. Er bringt auch nicht das Zentrum in die angenehme Lage, nach Bedarf Mehrheitsbildungen mit Rechts und Links vorzunehmen, sondern er optiert für Rechts, und er wirb sich aller Konse­quenzen eine- solchen Entschlusses bewußt sein müssen. Das muß mit Deutlichkeit ausgesprochen werden in einem Augenblick, wo noch keine Entscheidung getroffen ist, wo aber doch offenbar Kräfte am Werke sind, die Brüning in eine sehr bedenkliche Politik hineintreiben wollen. Wir würden uns freuen, wenn unsere Befürchtungen grundlos wären, aber um sie zu zerstreuen, bedarf es einer einwandfreien Klar­stellung des Sachverhalts, und wir wieder­holen noch einmal: Di« Sozialdemokratie hat ein Recht auf sie.

Stahlhelm und Reichskanzler.

Berlin, 12. Aug. (TU. Funkspruch.) Amt­lich. 3n der ZeitschriftDer Stahlhelm" Rr. 23 vom 14. Juni 1931 war auf der letzten Seite e i n D i l d erschienen, das unter der Ueber- schriftAm Ende" zwei Personen zeigt, die lächelnd und mit einer gewissen Zufriedenheit aus dem Körper des deutschen Michel für Repa­rationszwecke Blut entzapfen. Don den beiden Personen soll dieeinedenHerrn Reichskanzler dar stell em Eine zynische Degleitzeile erläutert die verunglimpfende Dar­stellung. Von diesem Bilde ist die Leitung des Stahl^lms in der Rümmer 30 desStahlhelm" vom 26. Juli 1931 abgerückt, indem sie auf Seite 4 mitteilt:Die Bundesführung hat diese Zeichnung mißbilligt und dem Herrn Reichskanzler diese Mißbilligung zur Kennt­nis gebracht. 3n dem an den Herrn Reichs­kanzler gerichteten Schreiben vom 16. Juli 1931 hat die Bundesleitung des Stahlhelm sich wegen deS Vorkommnisses ausdrücklich entschul­digt und zum Ausdruck gebracht, daß der Stahl­helm nicht wünscht, irgend ein Mit­glied des Kabinetts zu verunglimp­fen.

Hugenberg dementiert Verhandlungswünsche.

Berlin, 12. Aug. (DdZ.) Die Deutschna- tivnale Pressestelle teilt mit: Eine volks­parteiliche Zeitung schreibt, daß man bisher von deutschnationaler Seite dem noch nicht widerspro­chen habe, daß Hugenberg den Reichs­präsidenten gebeten habe, ihm eine iln- terredung mit dem Reichskanzler zu vermitteln. Wir verweisen demgegenüber auf unsere Erklärung vom 3. August, in der wir mit­teilten, daß die Tatsache des Empfanges Dr. Hu- genbergs beim Reichspräsidenten richtig ist, daß aber alles weitere über Veranlassung und Inhalt der gepflogenen Unterhandlungen Ge­meldete unzutreffend ist." Wir haben dieser Erklärung nrchts mehr hinzuzufügen.

Das Zentrum nach dem Volksentscheid.

Oie preußischen Zenirumsminister und die Auflagetundgebung des Kabinetts Braun.

Zur Ordnung gerufen.

Die Parteileitung des Zentrums hat am Mitt­woch in Gegenwart des Kanzlers getagt. Der Be­richt, der über die Sitzung veröffentlicht wird, ist allerdings denkbar nichtssagend. Man muß schon sehr genau zwischen den Zeilen lesen, wenn man herausfinden will, worum es sich eigentlich gehandelt hat. Und da im Schlußsatz vermerkt ist, daß die notwendige sachliche und methodische Hand­lungseinheit bei den verantwortlichen Instanzen der Partei im Reich wie in Preußen unbedingt gewahrt sein müsse, wird daraus geschlossen werden dürsen, daß den preußischen Zentrumsministern ein Ver­stoß gegen diesen Grundsatz durch die Unterschrift unter den Zwangsaufruf zu Gemüte geführt worden ist, daß sie also in sehr vorsichtiger Form z u r 0 r b- nung gerufen sinh und versprochen haben, künftig nicht wieder so zum Schaden des Reichs­kanzlers aus der Reihe zu tanzen. Auch der Führer der preußischen Zentrumsfraktion Heß hat zu Pro- tokoll gegeben, daß er den Reichskanzler unterstützen wolle. Der Parteivorstand beschei­nigte ihm sogar, daß er bisher die Politik des Kanz­lers gut unterstützt habe. In der Oeffentlichkeit ist davon allerdings wenig zur Geltung gekommen, man hat immer den Eindruck gehabt, daß die Zen­trumsfraktion in Preußen ihre eigenen Wege Sund sich um Herrn Dr. Brüning wenig lerte. Die ganxe Formulierung des parteioffi­ziösen Kommuniques ist jedenfalls in erster Linie eine Vertrauenskundgebung für den Reichskanzler, die praktisch wohl darauf hin­ausläuft, daß die preußischen Zentrumsführer etwas fester an die Kakidare genommen sind und sich fünf- tig Extratouren nicht mehr leisten können.

Oie Vorstandssitzung.

Die sachliche und methodische Handlungs­einheit der Partei gewahrt.

Berlin, 12.Aug. (DDZ.) Der Geschäft,- führende Ausschuß der Zentrumspar­tei Ist heule vormittag im Reichstag zu einer Sitzung zusammengetreten, an der auch d i e dem Zentrum angehörenden Mini st er de» ReichesundPreußen, teilnahmen. Heber die Sitzung wurde folgender Bericht ausgegeben.'

Unter dem Vorsitz von Prälat Dr. kaas fand heute im Reichstag eine Sitzung des Geschäftsführen, den Ausschusses der Zentrumspartei in Gegen- wart des Reichskanzler» und der dem Zen­trum angehörenden Reichsminister und preußischen Minister statt. 3n sehr eingehender Aussprache wurde die gesamte inner- und außenpolitische Lage, die mit dem Volksentscheid in Verbindung stehenden Vorgänge und die angesichts seines Er­gebnisses gebotenen Folgerungen erörtert Der Vor­stand dankte der Zentrumswählerschaft in Preußen für die staatspolitifche Haltung, die sie im Fern­bleiben vom Volksentscheid bewiesen hat. Gewissen presseäuherungen gegenüber bekundet er, daß d i e Leitung der preußischen Zentrums­fraktion der Politik de, Reichskanz­lers stetige und wertvollste Unter­stützung hat zuteil werden lassen. Al» einmütige Ueberzeugung aller wurde festgestellt, daß für eine wirksame Durchführung der äußerst schwie­rigen staatspolitifchen Ausgaben im Reich und in Preußen die notwendige sachliche und methodische Handlungseinheit sowohl bei den verantwortlichen 3nstan;en der Partei wie bei ihren Vertretern in den beiden Kabinetten nach jeder Richtung hin gewährleistet sein muß.

Hierzu schreibt dieGermania" : Wir ver­raten rein Geheimnis, wenn wir sagen, daß di« Kundgebung der preußischen Regie­

rung Gegenstand eingehender und auch kritischer Aussprache gewesen ist. Wenn aber einige Presse­organe auS diesen Vorgängen eine politische Sen­sation machen zu müssen glauben, so dürfen wir ihnen versichern, daß daS Zentrum gar nicht daran denkt, sich dadurch irgendwie in seinen inneren Auseinandersetzungen und politischen Entschlie­ßungen beeinflussen zu lassen. Die parteioffizielle Verlautbarung stellt ausdrücklich fest, daß die Leitung der preußischen Zentrumsfraktion der Politik deS Reichskanzlers stetige und wertvolle Unterstützung habe zuteil werden lassen. Wenn es bei Len letzten Vorgängen in Preußen an notwendiger Fühlungnahme ge­mangelt hat eine Panne, die auch schon an­deren passiert sein soll, so ist jetzt jedenfalls durch die Aussprach« im Geschäftsführenden Vor- stand Vorsorge dafür getroffen, daß, wie eS in der offiziellen Verlautbarung selbst heißt, die sachliche und methodische Handlungs- einheit sowohl bei den verantwortlichen Instan­zen der Partei wie bei ihren Vertretern in den beiden Kabinetten nach jeder Richtung hin ge­wahrt wird.

Dor allen Dingen aber müssen wir eines hervorheben: Es ist eine falsche Unterstellung, wenn das in der Oeffentlichkeit stark kritisierte Verhalten der preußischen Zentrumsminister als Affront gegenüber anderen Par­teien bezeichnet und ausgedeutet wird. Das heißt den preußischen Zentrumsministern eine Absicht unterschieben, die sie in keinem Fall gehabt haben. Leider haben sich einige mittlere Parteien dadurch, daß sie beim Volksentscheid mit den extremen Par­teien rechts und links zusammen­gegangen sind, mitten in einen unschönen Kampf begeben, und es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn sich diese Parteien überhaupt absen- tiert hätten. Aber auch darüber erscheint unS jetzt eine Auseinandersetzung überholt und post festum überflüssig. Worauf es ankommt ist, bah wir uns auf den kommenden schweren Winter rüsten. Es gibt nur eine Möglichkeit, der Rotzeit Herr zu werden, wenn alle, die verantwortungsbewußt denken und verantwortungsbewuht handeln wollen, Hand anlegen, um das deutsche Volk, das auf seine eigene Kraft angewiesen ist, durch gemeinsame Arbeit auS der Rot heraus­zuführen.

Dervund deutscherMtervereine fordert Senkung der Mete.

Dresden, 12. Aug. (TU.) Der Bund DeutscherMietervereine, Sitz Dresden, hat an die Reichsregierung, den Reichstag, die Reichstagsfraktionen und die Länderregierungen eine Eingabe gerichtet über Vorschläge zur Umgestaltung der Aufwertungs-, (Hauszins-) St euer und über die Senkung der Mieten. In der Eingabe heißt eS u. a.: Seit Wochen beschäftigten die Oeffentlichkeit Pläne der Reichsregierung, die einen Umbau der Hauszinssteuer zum Ziele hät­ten, und mit einer Senkung der gesetzlichen Miete verbunden werden sollen. Der Bund Deutscher Mieterverein« hab« die jetzige Art der Haus- zinSsteuer von jeher als unzulänglich und unbefriedigend bezeichnet und in wieder­holten Eingaben eine Reuregelung des Geldentwertungsausgleichs beim bebauten Grundbesitz gefordert und, ebenso wiederholt dringlichst auf di« Notwendig­keit der Senkung der Mieten hingewiesen. Voraussetzung für die Umgestaltung der HauS- zinSsteuer müsse der Will« des Gesetzgebers sein, die Entschuldungsgewinne im Rahmen einer gesunden MietzinSbildung voll zu er­fassen. Eine weiter« Voraussetzung sei, daß Li« AlthauSmieL« auf 10Q v. H. de»

Friedensmieteg«senkt werde. DerBund trete ferner dafür ein, daß der HauSbesitz mit einer auf 60 Iahre laufenden, die Tilgung der Entschuldung des einzelnen Grundstücks ein* schließenden Rente belastet werde. Hand in Hand mit der Senkung der Althausmiete müß­ten auch planmäßige Maßnahmen zur Sen-, tu n g der Reubaumieten gehen.

Oie preffe-Rotverordnung wird geändert.

Berlin, 12. August. (TU.) Amtlich. Der Reichspräsident hat heute die bereits ange- kündigte Verordnung zur Aenderung der Pressenotverordnung erlassen. Die neue Perordnung schreibt eine stärkere Zentrali­sierung bei der Handhabung des Rechtes vor, von einer periodischen Druckschrift die Aufnahme amtlicher Kundgebungen oder Entgegnungen zu verlangen. Das Verlangen kann nur noch von einer ober st e n Reichs- oder Landes­behörde ausgehen. Eine weitere Einschränkung ist für solche Verlautbarungen der obersten Landes­behörden oorgeschrieben, die sich a°l^ Kund­gebungen darstellen: Ihre Aufnahme kann nur im Einvernehmen mitdem Reichsmi.ni- st er des Innern verlangt werden. Es wird auch die Zahlung einer Vergütung vorgeschrieben, soweit der Abdruck einen bestimmten Umfang übersteigt.

Jede Beschwerde über ein Zeitungsverbot muß spätestens am fünften Tage nach ihrer Einlegung auf dem Instanzenweg derjenigen Stelle zugeleitet sein, von der aus die Beschwerde dem Reichsgericht zur Entscheidung vorzulegen ist. Wird die Frist ver­säumt, so ist das Verbot von der jeweils zuständi­gen Stelle ohne sachliche Prüfung sofort aufzuheben.

Von weiteren Milderungen der Pressenotverord­nung, wie sie angeregt worden sind, mußte noch abgesehen werden. Insbesondere erschien es ange­sichts der Terrorakte des vergangenen Sonntags zur Zeit unvertretbar, die Maßnahmen zu beseitigen, oder abzuschwächen, die nach der Verordnung zum Schutze der gefährdeten Sicherheit und Ordnung zulässig find. Vor dem Erlaß eines Verbotes einer Zeitung soll geprüft werden, ob der erstrebte Zweck nicht schon durch eine Verwarnung oder eine amtliche Entgegnung erreicht werden kann. In leich­teren Fällen ist statt eines Perbotes zunächst lediglich eine Verwarnung auszusprechen, wenn der Verlag zur Veröffentlichung einer entsprechenden Wieder­gutmachungserklärung bereit ist.

Kein Recht der Polizei auf Vorzensur der presse.

Berlin, 12. Aug. (ERB.) Im Zusammen­hang mit Vorfällen in der Provinz Hannover, wo die örtlichenPolizeiverwaltungen in einzelnen Städten eine Vorzensur bei den dort erscheinenden Zeitungen ausgeübt haben, um eine Antwort der betreffenden Zeitungen auf die Kundgebung der preußischen Regierung zu verhindern, erfahren wir, daß der R e i ch s - Innenminister die preußische Regierung ge­beten hat, die Vorkommnisse zu untersuchen und sich zu äußern. Die Pressenotverordnung enthält, wie ausdrücklich betont wird, keinerlei Bestimmungen, aus denen ein Recht auf Vorzensur hergeleitet werden kann.

Englands Finanznöte.

Das Defizit im Staatshaushalt.

Die Sparvorfchläge.

London, 12. Aug. (TU.) Das Interesse der gesamten Londoner Presse konzentriert sich auf die Bemühungen Macdonalds, eine Lösung zur Ausbalancierung des enylis«chen Staatshaushaltes zu finden. Macdonald hat sich entgegen seiner ursprünglichen Absicht entschlossen, für den Mittwoch eine Sitzungdes Sparausschusses des Kabinetts ein» zuberufen, der voraussichtlich auch noch am Don­nerstag tagen wird. Zu diesem Zweck müßteni Henderson und andere Minister ihren Urlaub ab* brechen. In der nächsten Woche soll eine Voll­sitzung des Kabinetts stattfinden, worauf Mac­donald eine Sitzung von Vertretern der drei politischen Parteien einberufen wird. Macdonald habe die Besprechungen, so meldet der .Daily Herald" beschleunigt, weil d i e Verbesserung der internationalen Lage jetzt den Weg für sofortige Maßnahmen geebnet habe. Der Mini­sterpräsident stehe in dauernder enger Verbin­dung mit dem Gouverneur der Bank von.Eng­land und habe mit ihm noch am Dienstag ein­gehende Besprechungen gehabt. Hierbei sei man sich darüber einig geworden, daß die Vorschläge des May-Sparausschusses, die sich hauptsächlich auf die Herabsetzung der Arbeitslv- senzulagen erstreckten, unpraktisch seien. Man habe Gegenvorschläge bezüglich der Kon­vertierung von Kriegsanleihen auf- gestellt, wodurch man jährlich etwa bis 30 Millionen Pfund sparen wolle.Times" dage­gen hält eine derartige Transaktion angesichts des hohen Tankdiskontsahes für nicht durchführ­bar. In einem Leitartikel fordert das Blatt, daß die Regierung von sich aus einen Plan zur Dalanzierung des Haushalts vorlegen ntüsse. Dies müsse möglichst bald geschehen. Erst dann, könnte man sehen, ob die Regierung die Un­terstützung der Opposition bei der Durchführung der Sparmaßnahmen finden werde. DieTcmes" läßt leinen Zweifel darüber, daß sie eine Herabsetzung der Arbeitslosengelder für dringend notwendig hält.

lieber die Teilnahme führender englischer Ban­kiers an den Beratungen des Sparausschusses des englischen Kabinetts gibtEoening News" die Aus­führungen eines ungenannt gebliebenen Bankiers wieder, denen zufolge auf der letzten regelmäßigen Sitzung der Direktoren der fünf englischen Groß­banken die Aussicht auf den veranschlagten Fehl­betrag im englischen Haushalt in Höhe von 2,4 Mil­liarden Reichsmark so ernst genommen sei, daß sie in einem Schreiben an den Schatzkanzler die Vorschläge des May-Sparberichts als ein Mini­mum der zu erzielenden Einsparungen bezeichnet und ihre baldige Durchführung als unbedingt er­forderlich hingestellt hätten. Auf dieses Schreiben hin feien die führenden Bankiers zu einem Besuche bei Macdonald und Snowden eingeladen worden, bei dem sie die beiden Minister darüber unterrichteten, daß im Auslande eine ge­wisse Nervosität hinsichtlich der Finanzlage Englands bestände, auf deren ernste Folgen es sich hinzuweisen erübrige. Bei den Verhandlungen wurde die Regierung auf die Notwendigkeit ein­schneidender Sparmaßnahmen hinge- wiesen und ihr von den Bankiers volle Unterstützung bei deren Durchführung zugesichert. Ganz besonder)