Belgiens neuer Kurs
zur Beruhigung betrachtet.
ment
Oer neue Präsident des französischen Senats
die größte amerikanische Notenbank, die Federal Reserve Bank of New Bork, heute den A n kauf von Markdevisen vorgenommen. Dies wird in unterrichteten Kreisen als ein wesentliches Mo-
Frankreichs gesegelt. Frankreich hat darauf gedrückt, daß der belgische Derteidigungsgürtel mit einem Kostenaufwand von Hunderten von Millionen weiter ausgebaut wurde, um eine ständige Flankenbedrohung Deutschlands darzustellen. Verzichtet Belgien jetzt auf diese schwere Rüstung, dann verliert es als Bundesgenosse für Frankreich einen Teil seines Wertes, dann gewinnt es aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, sich 'außenpolitisch ganz anders zu orientieren, wie es den Wünschen der Blamen entspricht, die sich aus den französischen Fesseln befreien und Annäherung bei Holland auch auf wirtschaftspolitischem Gebiete suchen wollen.
Die Stimmung im Lande ist dem französischen Kurs nicht mehr günstig, es -besteht kein Zweifel, daß Neuwahlen eine starke Verschiebung im Parlament zugunsten der Vlamen bringen würden.
Das ist auch der Grund, weshalb die Regie« rungspac^een um jedrü Pr.is eine Auslö sung vermeiden wollen. Das ist der stärkste Anker, an den sich das Kabinett Renkin klammern tarnt. Ob er aber hältl Heute und morgen vielleicht, auf lange indessen nicht mehr, dann sind Neuwahlen doch unvermeidlich, und damit beginnt für Belgien eine Zeit der Neuorientierung, die gerade wegen der besonderen Stellung zu Frankreich eine europäische Umschichtung bringen tarnt, die in ihrer Bedeutung weit größer sein würde, als es dem territorialen Einfluß Belgiens eigentlich entspricht. Und deshalb ist Deutschland an der weiteren Entwicklung der belgischen inneren Politik auch maßgebend interessiert.
nung bringen werde, und daß bei dieser Gelegenheit erörtert wurde, welche Ersparnisse für die Zechen erzielt werden würden und für eine Preissenkung verwendet werden könnten. Der Bergbau hat aber zum Ausdruck gebracht und begründet, daß er denPlan derRegierungfürver- fehlt £wlt. Deshalb kann man von einer Verhandlung mit dem Bergbau über eine Preissenkung nicht sprechen. Dieser kann seine Hand zu einem Vorhaben der Regierung, das er für schädlich hält, nicht bieten.
Hitler über die Tributrevision.
München, 13. Juni. (TU. Funkspruch.) Auf einer Kundgebung der NSDAP, im Zirkus Krone sprach gestern abend Adolf Hitler. Er erklärte u. a., es sei widersinnig, wenn man er st die deutschen Finanzen f a- nieren und dann eine Revision der Tributverpflichtungen anstreben wolle. Das Ausland werde stets darauf Hinweisen, daß ein Volk, das Milliarden neuer Steuern aufbringen könne, auch zur Zahlung der Kriegslasten fähig sei. Man saniere in Deutschland die Finanzen, richte aber das Volk zugrunde. Man solle umgekehrt er st das deutsche Volk sanieren und es zurückführen zu den Grundsätzen, die es groß machten.
Line Revision des Trlbulplanes werde nie aus wirtschaftlichen Gründen, sondern nur aus politischen Gesichtspunkten heraus erfolgen.
Senator Lebrun, ein Vertrauter Poincarös, wurde an Stelle des jetzigen Staatspräsidenten Doumer zum Präsidenten des französischen Senats gewählt.
Revirement in
der französischen Diplomatie.
Paris, 12. Juni. (WTB.) Heute vormittag fand der letzte Ministerrat unter dem VorsiH des Präsidenten der Republik Doumergue statt. Auf Vorschlag des Außenministers B r i a n d wurde der französische Botschafter in Madrid, (Sorbin, zum französischen Botschafter; in Brüssel ernannt. Der derzeitige französisch« Botschafter in Brüssel, Perettide LaRocca^ tritt in den Ruhestand. Der französische Botschafter in Moskau, Herbette. ist zum französischen Botschafter in Madrid ernannt worden.
Am Schluß des Ministerrates hat Ministerpräsident Laval int Namen der Regierung dem Präsidenten der Republik den Dank Frankreichs ausgesprochen. Gaston Doumergue bedankte sich seinerseits für die Mitarbeit der Regierungsmitglieder und betonte sein Vertrauen in das Geschick Frankreichs.
Diplomatericmpfang bei Doumergue.
Paris, 12. Juni. (WTB.) Der Präsident der Republik hat heute vormittag im Elysöe den A b sch i e d s em p f a n g des diplomatischen Korps entgegengenommen.
Die Frage heiße nicht: „Könnt Ihr zahlen?" sondern: „Was ist mehr wert, Euer Geld oder Euere Kraft als Verbündete?" Der Nationalsozialismus marschiere in rasendem Tempo seinem Siege entgegen. Die Verfassung werde ihn bis zum Siege geleiten. Am Tage des Sieges aber werde das deutsche Volk eine neue Notverordnung erhalten, die es in die Lage versehe, nach London und Rom zu gehen, um zu erklären: „Wir zahlen nicht mehr, denn das Deutschland von heute ist nicht mehr das Deutschland von gestern. Ein neues Deutschland ist auferstanden. Die Not hat und wieder zur Ordnung gebracht und in ihr liegt die Kraft und Macht und unser Brot."
Erhöhung
des Reichsbankdiskonts?
Berlin, 12. Juni. (CNB.) Der Z e n - tralausschuh der Reichsbant ist für morgen 12 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden. Wie man in Bankkreisen vermutet, soll es sich um die Frage einer Diskonterhöh ung handeln, über deren Ausmaß aber noch nichts bekannt ist. Voraussichtlich will man die Entwicklung des morgigen Tages abwarten.
Neuyork kaust Marldevisen.
N e u h v r k, 12. Juni. (CNB.) Die Reichs- banf hat gestern rund 8,8 MillionenDvl- lar Gold aus ihrem Neuhorker Depot verkauft. Zur Erleichterung der Situation hat
Gin Verkehrsflugzeug abgestürzt
Bier Tote.
Saarbrücken, 13. Juni. WTV. Eigene Drahtmeldg.) Das Flugzeug D 1455 Saarbrücken — 6 öln, das heute früh um 7.50 Uhr abfliegen sollte, hatte eine Verspätung bis 8.30 Uhr. Ls ist dann aus einer höhe von 10 0 Meter über der alten Arlilleriekaserne brennend abgestürzt und fiel in der Röhe des Kriegerdenkmals auf die Erde. Ls find v i e r T o l e zu verzeichnen, der Flugzeugführer, der vordmonteur und zwei Passagiere.
Oie Namen der Opfer.
Saarbrücken, 13.Juni. (TU. Eigene Draht- Meldung.) Bei dem Flugzeugunglück sind die Fahr- gäste Fromm und W e i g e l der erste Flugzeug- ührer W e i ch a r d und der Flugzeugmaschinisten- unkmeister Kampfmeier bei dem verbrannten Flugzeug getötet worden. Bei dem verbrannten Flugzeug handelt es sich um eine Dornier-Merkur- Maschine.
Immer noch Gtraßentunmlte
Oie Polizei beherrscht überall die Lage.
Aus Brüssel wird uns von unserem ständigen Mitarbeiter geschrieben:
Das Kabinett Renkin, das nach langen Schwierigkeiten als Ersatz für die unter dramatischen Umständen gestürzte Regierung I a s p a r schließlich gebildet worden ist, hat sich gestern der Kammer vorgestellt: mit einer kleinen Sensation: Allen Bemühungen der Blamen zum Trotz war die Regie- rnngssprache bisher nur französisch: der neue Ministerpräsident hat mit dieser Tradition gebrochen und seine Regierungserklärung in französischer, wie in v l a m i s ch e r Sprache vorgetragen, hat also
dem Vlamischen die Gleichberechtigung zuerkannt und damit den Sprachenstreil um einen ent- scheidenden Schritt vorwärts gebracht.
Das ist aber auch das einzig politisch Bedeutsame dieser Antrittsverlesung. Im übrigen hat sich das Kabinett auf Allgemeinheiten beschränkt und sich vorsichtig um die Schwierigkeiten herummanövriert, aus denen die letzte Krise entstanden war. Ja s p a r war gegangen, weil eine Verständigung über die Rüstungskredite nicht zu erzielen war. Sein Nachfolger begnügt sich damit, anzukündigen, daß er für d i e Landesverteidigung die notwendigen Kredite bewilligen werde. Damit ist alles, oder auch nichts gesagt. Deshalb ist es im Augenblick auch noch zweifelhaft, ob sich in der Kammer beim Abschluß der Aussprache, die für die nächste Woche zu erwarten ist, überhaupt eine Mehrheit zusammenfindet, die ein verwässertes Vertrauensvotum trägt. m
Es handelt sich ja in Belgiern un Grunde schon um eine Staatskrise, die in der Frage der Rüstungskredite nur ihren sichtbaren Ausdruck findet: 'Belgien ist bisher im Fahrwasser
Darmstadt.
D a r m st a d t, 12. Juni. (WSN.) Im Anschluß an eine erlaubte Kundgebung des Kommunistischen Kampsbundes gegen den Faschismus, zu der sich etwa 150 Personen auf der Insel eingefunden hatten, versuchten heute abend die Beteiligten einen Demonstrationszug zu bilden. CBeim Anrücken der Polizei liefen sie auseinander, versuchten aber in den Nebenstraßen sich erneut zu formieren. Die Polizei war wegen des Widerstandes der Demonstranten gezwungen, vom Gummiknüppel Gebrauch zu machen. In dem Kleiderhaus von Hoß wurden die Schaufensterscheiben eingeschlagen und drei Mäntel gelt ob leit, während vor dem Gasthaus „Zur Krone' ein La st kraftwagenumgeworfen wurde. Die Polizei, die sofort energisch einschritt, wurde mit Steinen beworfen, konnte aber schließlich die Ruhe wiederhersteUen und drei Ruhestörer fest nehmen.
verbot einer kommunistischen Tageszeitung.
Koblenz, 12. Juni. (WTB.) Der Ober- Präsident der Rheinprovinz hat die in Koblenz erscheinende kommunistische Tageszeitung „Sozialistische Republik" wegen Aufhetzung zu Gewalttätigkeiten anläßlich des für den 7. Juni in Siegburg geplanten „Deutschen Tags" und Aufforderung zum Ungehorsam gegen bestehende Gesetze auf die Dauer von vier Wochen verboten.
Wuppertal.
Wuppertal, 12. Juni. (WTB.) In einigen Straßen hatten sich gestern abend wieder große Ansammlungen gebildet. Auf der Parade- straße wurden einige Straßenlaternen zertrümmert, das Pflaster in der ganzen Strahenbreitei auf etwa 50 Zentimeter aufgerissen und die Steine aufgetürmt. Mehrere Male muhte Polizei die Straßen säubern. Eine Anzahl Personen wurde zwangsgestellt, aber nach Feststellung der Personalien wieder entlassen.
Köln.
Köln, 12. Juni. (WTB.) Heute nachmittag versuchten in der Buchheimer Straße in Köln- Mülheim mehrere hundert Demonstranten, die sich überwiegend aus Kommunisten zusammenseh- ten, einen Zug zu bilden. Als. mehrere Polizeibeamte sich dem Zug entgegehftellten und die Demonstranten zum Auseinandergehen aufforderten, leisteten sie tätlichen Widerstand. II. a. wurde aus der Menge auf die Polizei- beamten geschossen. Die Beamten erwiderten darauf das Feuer, wobei ein Demonstrant einen Beinschuß erhielt. Ein Polizei- Hauptmann, der von den Demonstranten angegriffen wurde, erhielt einen Messerstich. Herbeigerufene weitere Polizeimannschaften lösten den Zug auf und nahmen mehrere Personen fest.
Wettervoraussage.
Der im Westen eingesetzte Barometeranstieg hat zur weiteren Kräftigung des hohen Druckes geführt, so daß von Deutschland das Gebiet westlich der Elbe bereits im Hochdruckbereich liegt.^Jm Grenzgebiet der nach Finnland abziehenden Störung und dem neuen Hoch fließt kühlere Luft abwärts, welche auch bei uns leichten Temperaturrückgang bewirkt. Die Wetterlage wird vorerst durch den hohen Druck beherrscht, wenn auch mit dem Wechsel der Luftzufuhr etwas Wolkenbildung auftritt. Die Schwüle der beiden letzten Tage wird dadurch ebenfalls beseitigt und die Temperaturen nehmen der Jahreszeit entsprechende Werte an.
Aussichten für Sonntag: Bewölkt mit Aufheiterung, trocken, warm, jedoch nicht schwül.
Aussichten für Montag: Außer Temperaturanstieg wenig Aenderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 26,3 Grad Celsius, abends 19 Grad: am 13. Juni: morgens 19 Grad. Maximum 27 Grad, Minimum 16 Grad. — Erdtemperaturen In 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 23,6 Grad; am 13. Juni: morgens 18,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 5% Stunden.
Oie Bundessührer des Stahlhelm verurteilt.
Berlin, 11. Juni. (CNB.) Dor dem Schöffengericht Berlin-Mitte sand heute der Prozeß gegen die beiden Bundessührer des „Stahlhelms". S e l d t e und Duesterberg, sowie gegen den Hcruptschriftleiter des Bundesorgans, K l e l n a u , statt. Die Anklage stützte sich auf den Inhalt eines Aufrufs, der von den Genannten im Anschluß an die Einbringung des Stahlh^m-Dolks- begehrens erlassen wurde und in dem von „denn undeutschen Zwischenreich des bismarckfeindlichen Marxismus" die Rede war. Die Verteidigung hatte den Wahrheitsbeweis für die in dem Aufruf enthaltene Behauptung angeboten und dafür die Ladung einer großen Anzahl prominenter Zeugen beantragt. Das Gericht hat jedoch die Ladung von Zeugen abgelehnt. Oberstaatsanwalt Kehler beantragte gegen Seldte und Duesterberg wegen Verächtlichmachung der Republik aus tz 5 Ziffer I des Republikschuhgesehes an Stelle einer an sich verwirkten Strafe von zwei Monaten Gefängnis je 800 Mark Geldstrafe, gegen Redakteur Kle in au an Stelle von einem Monat Gefängnis 40 0 Mark Geldstrafe. Das Schöffengericht folgte dem Anträge: nur für Kl. wurde die Geldstrafe auf 300 Mark im Urteil herabgesetzt.
In Köln-Mülheim kam es in den Abendstunden wiederum zu Zusammenstößen. Die Demonstranten versuchten eine Straße aufzureihen, wurden jedoch von zwei lleberfcrllkommandos daran gehindert. Am Abend sind insgesamt 2 3 Personen verhastet worden. Bei ihnen wurden mehrere Schlagringe, sowie Hieb- und Stichwaffen gefunden. Die Polizei hat von Köln aus Verstärkung erhalten und sieht in höchster Alarmbereitschaft.
Bremen.
Bremen, 12. Juni. (WTB.) Bei dem gemeldeten lieber fall von Kommuni st en auf Polizeibeamte und Nationalsozialisten, der sich in den gestrigen Nachtstunden zutrua, sind, wie sich herausstellt, insgesamt zwölf Polizeibeamte und eine ganzeReihevvnNationalsozialisten v erleh t worden. Zwei Nationalsozialisten erlitten so schwere Verwundungen, daß sie dem Diakonissenhaus zugeführt werden muhten. Dem dort eingelieferten SS. - Führer Kuhlen- k a m p f f ist die Schädeldecke zertrümmert worden. Er schwebt in Lebensgefahr. Die Polizei hat insgesamt neun Kommunisten fest- genommen und diejenigen, die einwandfrei auf frischer Tat ertappt wurden, die Mehrzahl von ihnen, in Haft behalten, um sie dem Untersuchungsrichter zuzuführen. Sie werden sich wegen Landfriedensbruches zu verantworten haben.
Die Polizeidirektiion hat jetzt für Bremen-Stadt, Bremen-Land und in Vegesack alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel einschlieh- lich aller politischen Umzüge und Propagandafahrten wegen unmittelbarer Gefährdung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bis auf weiteres verboten.
Hamburg.
Hamburg, 12.Juni. (WTB.) Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind bei den gestrigen Zu- sammenstößen sechs Personen, darunter ein Polizeibeamter verletzt. Drei von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Schwerverletzten sind ein 16jähriges Mädchen, das auf dem Nachhauseweg aus einem Lichtspielhaus in den Oberschenkel geschossen wurde, ferner ein Demonstrant und der Polizeiwachtmeister. Wie der Polizeibericht dazu mitteilt, muß aus dem Demonstrations. zug heraus auf die Poli^eibeamten geschossen worden sein. Mehrere Demonstranten konnten se st genommen werden.
Heute gegen 17 Uhr kam es am Schaarmarkt wie- der zu einem Zusammen st oß zwischen Polizei und Demonstranten. Etwa 500 Kommunisten versuchten zu demonstrieren. Einschreitende P o l i z e wurde beschossen und erwiderte das Feuer. Ein Hafenarbeiter erhielt einen Knieschuß, eine an der Demonstration nicht beteiligte Frau einen Fußschuß, Die Polizei nahm zehn Ver- Haftungen vor.
Berlin, 12.Juni. (VDZ.) Die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion stellt fest, daß die neue Notverordnung eine große Anzahl von Bestimmungen enthält, die die werktätigen Massen auf das allerschwerste belasten. Ihre Durchführung würde eine unerträgliche Verschlechterung der Lebenshaltung des werktätigen Volles zur Folge haben. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion war und ist bereit, zur Sicherung der sozialen Einrichtungen und zur llebcrtoinbung der Wirtschaftskrise an der Sanierung der öffentlichen Finanzen mitzuwrrken. Die neue Notverordnung hat aber durch ihre krasse Einseitigkeit, die die unteren^ Volksschichten auf das schwerste belastet, die größte Erregung ausgelöst. Diese Erregung ist um so berechtigter, weil die Notverordnung Eingriffe enthält, die sozial nicht gerecht, unzweckmäßig und nutzlos sind, dabei ungeheuer erbitternd wirken. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion verlangt deshalb eine Aenderung der Notverordnung, die den berechtigten Forderungen der breiten Massen des Volkes entspricht.
Die Fraktion hat davon Kenntnis genommen, daß der Fraktionsvorstand Verhandlungen mit der Reichsregierung ausgenommen hat, um eine durchgreifende Aenderung der Notverordnung zu erreichen. Sie wird die Entscheidung über ihre weiteren Schritte von dem Ergebnisdieser Verhandlung en abhängig machen. Deshalb vertagt sich die Fraktion auf Dienstag vormittag 9 Uhr. In der neuen Sitzung wird sie sich entscheiden, ob sie eine . Einberufung des Reichstags verlangen soll.
Abg. Breitscheid erläutert.
' Berlin, 13. Juni. (CNB.) Der Vorsitzende . der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Abg.
Dr. D r e i t s ch e i d, beschäftigt sich in einem Artikel im „Vorwärts" mit der Stellungnahme der Sozialdemokraten zur Notverordnung. Es lasse sich noch nicht übersehen, so führte er aus, ob die Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis führen werden. Man müsse in dieser Beziehung außerordentlich skeptisch sein. Die Fraktion habe sich die Frage vorzulegen gehabt, was eine Aufhebung der Notverordnung im gegenwärtigen, oder auch in einem späteren Zeitpunkt bedeute. Nach dem dann unvermeidlichen Sturz des Kabinetts Brüning trage die Sozialdemokratie dann nicht mehr die unmittelbare Mitverantwortung für die Lasten. Diese Erwägung könne sehr wohl in den nächsten Tagen zu einer Aenderung der bisherigen Taktik führen. Aber die Lasten selbst würden auf diese Weise nicht verringert werden.
Erst wenn sich herausstelle, daß alle Bemühungen vergeblich seien oder daß die Härten, die beseitigt werden könnten, gegenüber denen, die noch blieben, nicht ins Gewicht sielen, sei der Augenblick gekommen, über das Abweichen von der Linie, die die Sozialdemokratie seit dem September v. 3. innegehalten habe, zu diskutieren und zu beschließen.
Breitscheid polemisiert dann gegen die Haltung der Deutschen Volkspartei, die den Konflikt wolle, um das industrielle Großkapital zum unbeschränkten Herrscher über die deutschen Geschicke aufschwingen zu köimen, und sagt zum Schluß seiner Ausführungen: Der Regierung und den bürgerlichen Parteien sei mit aller Deutlichkeit gesagt, daß wir unmittelbar vor der Grenze stehen, bis zu der wir gehen können, und daß es daher notwendig ist, den Forderungen, die wir in bezug auf die Notverordnung an sie richten, Entgegenkommen zu zeigen. Wir erwarten, daß namentlich das Zentrum Verständnis für die Bedeutung eines A b - schwenkens der Sozialdemokratie aufbringt.
Der Ruhrbergbau gegen Dietrich.
Essen, 12. Juni. (END.) In der heutigen Zechenbesiherversammlung wurde folgende Stellungnahme des Rheinisch - Westfälischen Kohlenstzndikates zur neuen Kohlen- preisfenkung feftge'egt: NachPrcsseäußerun- gen soll der Reichsfinanzminister Dietrich in einer Sitzung der Deutschen Staatspartei die Mitteilung gemacht haben, daß mit den Vertretern des Bergbaues über eine Herabsetzung der Kohlenpreise von einer Mark je Tonne verhandelt werde. Richtig ist. daß vor Erlaß der Notverordnung der Ruhrbergbau bariiber unterrichtet wurde, was die Notverord-
Gedanke. Rur Besonnenheit könne uns vor- wärtsbringen.
Zur Besonnenheit gehöre aber in einer so gefahrvollen Lage, wie heute, auch der Wille, von dem als richttg erkannten Wege sich durch keinerlei Einflüsse abbringen zu lassen. Eine Regierung, die danach handele, könne der vollen Unterstützung der Deutschen Volkspartei gewiß sein.
WirischastSparieiler gegen Wirischastsparteiler.
Berlin, 13. Juni. (ERB.) Eine größere An- zahl von Vertrauensleuten der Wirt- schäft spar t e i aus Berlin und dem Lande hat, dem „Börsenkurier" zufolge, in einer gestern in Berlin stattgehabten Zusammenkunft einstimmig eine Entschließung angenommen, in der der Beschluß der Vorstands- und Führertagung der Wirtschaftspartei, die Einberufung des Reichstages zu fordern und der Notverordnung Kampf anzusagen, aufs schärfste verurteilt wird. Die Notverordnung berücksichtige bei der Krisensteuer die schwere Lage und die verminderten Einnahmeii des Mittelstandes in jeder Beziehung. Die Führung der Wirtschaftspartei habe mit ihrem verantwortungslosen Beschluß die wahren Mittelst andsi nie ressen aufs schwerste geschädigt.
Die Entscheidung der SPD. vertagt.
Berlin, 12. Juni. (VDZ.) Heute früh begann im Reichstag die F r a k t io n s s ih u n g der Sozialdemokraten, in der die Mitglieder der Fraktion vollzählig erschienen waren. Einleitend berichtete der Fraktionssuhrer Dr. Br eit scheid über die politische Lage. Die Sitzung endete bald nach 14 Uhx. Die Fraktionsführer wurden zu weiteren Verhandlun- gen mit dem Reichskanzler ermächtigt.
Oie offizielle Mitteilung über das Sihungsergebnis.


