Ur. 156 Erstes Blatt
181. Jahrgang
Samstag, 13. Juni 1931
6t|d)etnt tflgltd),rmtza Bonntags und Feterlag» Beilagen: Die Illustriert«
Stehen« FamilienblLttei Heimat im Bild Die Scholle
Olonau« Bezugspreis:
2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.
Zernfprechanfchlüfle anterSammelnnmmer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen.
Postscheckkonto:
firar.ffurt am Main 1168«.
GichenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
VniS unb Verlag: vrühl'sche Unwersillttr-Vuch- und Stetn^rudcrel H. Lange tv Stehen. Zchriftlettvng unb SeschSstrftelle: Zchulftrahe 7.
Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mne Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20% mehr.
Chefredakteur.
Dr. Friede. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyrioi; für den übrigen Teil Ernst vlumschein und für den Anzeigenteil Max Fitter, fämtlich in Gießen.
Tribut - Revision - Abrüstung.
Don Dr. Paul Rohrbach
Man wird über Chequers nicht richtig erteilen, wenn man nicht bedenkt, daß die erste Anregung dazu aus amerikanischen Kreisen kam. denen daran lag, der Wirtschaftsdepression in den Bereinigten Staaten auf dem Wege über eine S a • nier^ngdereuropäischenKauskraftzu Hilfe zu kommen. Für Deutschland ist es dabei ein Schaden daß in den Jahren 1924 bis 1930, auch als in Wirklichkeit die Dinge schon sehr schlimm bei uns standen, im Auslande immer noch die Parole galt: Deutschland kann alles! Man stand unter dem Eindruck der „unerhörten" Wiederherstellung der deutschen Wahrung und Wirtschaft, der politischen Ordnung, des äußeren deutschen Bildes, der Erfindungen, leider auch des Wohllebens gewisser deutscher Kreise, und man sagte: So etwas ist noch nicht gewesen, die Deutschen sind das leistungsfähigste Bolk der Welt! Wir wissen seht, daß unsere nationale Leistungsfähigkeit viel zu diesem Bilde beigetragen bat, daß aber der Zufluß von geborgtem Geld aus dem 21 u s (a n b e stark mitroirtte. Nachdenkliche Leute sagten vom Anfang an: Man kann keinen großen Krieg verlieren und danach beschließen, roe- niger pro Tag zu arbeiten, besser zu leben und größere Lebenssicherungen zu beanspruchen.
Jetzt, wo uns die Weltkrise überfallen hat, wo kein Auslandgeld mehr zu uns hereinfließt, und wo wir uns ernstlich daran haben machen müssen (zum erstenmal!), die ungeheure Tributläst nicht mit geborgtem Selbe zu bezahlen, fonbern sie aus eigener Kraft aufzubringen, sehen wir unser wirkliches Gesicht. W i r sehen es, aber bie anbern wollen noch wenig daran glauben. Wenn sie daran glauben, wenn ihnen zum Bewußtsein kommen wird, daß Deutschland wirklich am Ende seiner Kräfte, von Zerrüttung bedroht ist, dann werden sie sich besinnen — nicht so sehr uns zu Helsen, als Gefahren abzuwendcn, die auch auf sie übergreifen können.
Ursprünglich lag also einflußreichen amerikanischen Wirtscbastsmagnaten daran, eine Aussprache zwischen englischen und deutschenSkaatslenkern herbeizusühren. Jeder Politiker weiß, wo die Widerstände sitzen die überwunden werden müssen. Der eine Widerstand sitzt in Frankreich. Die Franzosen sind in erster Linie politisch gegen Deutschland interessiert. Sie wollen die deutschen Tribute, von denen ein großer Teil bei ihnen verbleibt, und sie wollen die deutsche Schwäche. Frankreich hat durch die Friedensdiktate eine absolut vorherrschende Stellung in Europa erlangt. Diese will es behaupten, und dazu dient seine eigene Rüstung, bient ihm die Rüstung seiner osteuropäischen Trabanten, dient ihm bas deutsche Geld.
Der zweite Widerstand liegt in Amerika. Auch bie amerikanische Wirtschaft liegt schwer in der Krisis, die Steuereingänge haben sich stark vermin- bert, im Staatshaushalt klafft ein Defizit, unb wenn in dieser Situation die europäischen Schuldenzab- lungen gestrichen ober vermindert werden sollen, so bedeutet das mehr Steuern für den amerikanischen Bürger. Der zahlt zwar viel weniger als jeder Europäer an seinen Staat entrichtet, aber trotz- dem: Steuerhöhung ist in USA. soviel wie moralischer Regierungs- unb Parteibankrott. Also auf bie Art geht es nicht.
Die Aussprache von Chequers sollte Eng- lanb bahin bringen, baß es den Ernst der Lage in Deutschland begriff und daraufhin mit in die von den Amerikanern gewünschte Sanierungsfront ein- rüdte. Sanierung im deutschen Sinne heißt: Stundung und Herabsetzung der Tribute. Sanierung im amerikanischen Sinn heißt: Wiederherstellung der europäischen Kaufkraft. Daß dies nicht möglich ist, wenn die in der Hauptsache von Deutschland getragenen europäischen Schuldenzahlungen an Amerika fortbauern sollen, das sehen zwar amerifa« niiche Wirtschaftsführer ein, aber die Konsequenz daraus zu ziehen, verbieten ihnen amerikanische innerpvlitische Rücksichten. Es gibt aber einen Um- tpeg, auf dem auch eine amerikanische Regierung dahin gebracht werden könnte, der Schuldenherabsetzung näherzutreten, wenn nämlich in Europa eine gründliche Abrüstung zustande käme. Dann würde soviel unproduktiv verwendetes europäisches Geld für den Wirtschaftsverkehr frei werden, daß Amerika davon erstens den großen Profit, zweitens die moralische Genugtuung hätte, "daß es der Welt den wahren Frieden wiedergegeben hat — vorausgesetzt, daß die Abrüstung ihm zu „verdanken" ist.
Die amtlichen Mitteilungen über Chequers besagen soviel, wie daß England bereit wäre, sich an einer internationalen Verhandlung über bie Tributrevision zu beteiligen. Warum die Ausdrucksweise hierüber so zurückhaltend ist, begreift man sofort, wenn man sich überlegt, was bie Englänber bei sich benfen. Sie denken erstens, daß, wenn Deutschland einen Nachlaß bekommt und Amerika auf seiner Zahlungsforderung besteht, sie, die Engländer, erhöhte Leistungen aufbringen müssen. Zweitens denken sie, daß, sobald sie etwa daran gingen, auf Frankreich zu drücken, die Franzosen mit unangenehmen Gegenforderungen kommen werden, zum mindesten mit der Forderung, daß Deutschland für eine möglichst geringe finanzielle Erleichterung einen möglichst hohen p o I it i - schen Preis zahlen soll. Ein solches Geschäft aber kann keine deutsche Regierung der Nation zumuten.
Die Stimmen, die jetzt nach Chequers aus Amerika herüberklingen, sind vollkommen deutlich. Einige davon zeigen Verständnis dafür, daß Deutschland am Ende seiner Kräfte ist, und daß es gefährlich wäre, seinen Verfall noch weiter fortschreiten zu lassen; alle aber sind einig in dem Ruf: Ab r ü st u n g, S a n i e- rung durch Abrüstung! Der wirkliche Schlüssel der Lage liegt also, nach wie vor in Amerik a. Das einzige Mittel, durch das Deutschland die Entwicklung einen entscheidenden Schritt vorwärts
Atempause im Kampfe um die Reichstags-Einberufung.
Oer Reichskanzler vom Reichspräsidenten zurückgekehrt.
Berlin, 12.3uni. (ERB.) 3n Berliner politischen Kreisen erörtert man naturgemäß fortgesetzt die innerpolitische Entwicklung. Dabei interessiert man sich besonders auch für die Frage, welche Entscheidung die Landvolkpartei treffen wird. Die „Deutsche Tageszeitung", die dem Landvolk am nächsten steht, berichtet heute abend, diese Fraktion werde sich voraussichtlich ähnlich entscheiden wie die Deutsche Boltspartei, und so fei
bie (Einberufung des Reichstages so gut wie gewiß.
3n Kreisen, bie bet Reichsregierung nahestehen, hält man es dagegen noch keineswegs für sicher, daß sich am Dienstag im Aelteslenrat eine Mehrheit für bie Parlamentseinberufung ergibt. Man hofft immer noch, baß für bie Deutsche Boltspartei sich doch noch die Möglichkeit findet, auf bie (Einberufung zu verzichten. Die Fraktion tritt am Montag erneut zusammen, um sich mit dem fachlichen Inhalt ber Rotverordnung zu beschäftigen. (Es liegt nahe, bah man sich bei biefer Gelegenheit auch noch einmal über bie grunb- sähliche Einstellung zur Reichstagseinberufung unterhält, zumal bie gestrige Mehrheit für bie (Einberufung nur zwei Stimmen betrug; von den 28 anwesenben Abgeorbneten hatten 15 für bie (Einberufung und 13 bagegen gestimmt. Rach anberslautenben Darstellungen hat übrigens Dr. (E u r t i u s nicht vorher bie Beratungen verlassen, sonbern sich nicht an ber Abstimmung beteiligt.
Die weitere Entwicklung wirb wesentlich von ber Besprechung bestimmt werben, bie heute abenb in Reubeck zwischen bem Reichspräsibenten, bem Reichskanzler unb Staatssekretär Meißner stattfinbet. wenn man baoon spricht, baß
ber Kanzler eventuell Bollmachten z. B. zur Auslösung bes Reichstages mitbringen würbe, so hanbclt es sich nur um Bermutungen, benen sehr starke Zweifel entgegengesetzt werben. Eher wäre es nach Auffassung unterrichteter Kreise möglich, bah noch Bemühungen zu einer sachlichen Bet- flänbigung zwischen bem Kanzler unb ber Deutschen Boltspartei einsehen, wie ja auch noch mit ben Sozialbemokraten verhanbelt werben muh. Die enbgültige Entscheidung fällt erst am Dienstag in ber Sitzung bes Aeltestenrates.
Brüning bei Hindenburg.
Reudeck, 12. Juni. (WTB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag den Reichskanzler Dr.Brüning zum Dortrag über die Reise nach Chequers und zu einer Besprechung über die innenpolitische Lage.
Meder in Berlin.
Berlin, 13. Juni. (CRB. Funkspruch.) Reichskanzler Dr. B r ü n i n g ist heute früh von seinem Besuch beim Reichspräsidenten in Reudeck wieder in Berlin cingetroffen.
Einstimmiges Vertrauensvotum für Oingeldey.
Tagung des Rcichsaushchunes der TBP.
Berlin, 12. Juni. (CNB.) Im Reichstaa trat heute der Reichsausschuß der Deutschen V o 1 k s p o r t e i zusammen. Es waren fast sämtliche Mitglieder des Reichsausschusses erschienen, alle Wahlkreise waren vertreten. Der Parteiführer Abg. D i n g e l d e i) erstattete einen einleitenden Bericht über die politische Lage, wie sie seit dem Erlaß der
bringen kann, ist eine autonome Erklärung des Inhalts: Die Voraussetzungen, unter denen wir den Youngplan unterzeichneten, haben sich teils verändert teils sind sie von der Gegenseite nicht erfüllt, und' daher steht uns das Recht zu, die Tri- butZahlung ganz oder zum größten Teil etn-- zuste 11 en. Daß ein Risiko dabei ist, liegt auf der Hand, aber das Risiko ist nicht größer, als das weitere Fortschreiten der wirtschaftlichen (und politischen!) Krise bei uns, und wir bringen die Gegen- feite dahin, daß sie aus dem Stadium der Unver- binbliqjfeiten und der versteckten Zurückhaltung ber- austreten muß. Frankreich wird sich dann als das großeHindernis vor der Welt offenbaren. Solange wir aber zahlen, spielen wir sein Spiel, indem wir ihm den eigentlichen amerikanischen Druck ersparen. Wenn Chequers eine Etappe auf dem Wege dorthin war, so ist es gut; wo nicht, so müssen wir seinen Wert skeptisch beurteilen.
Der preußische Landtag gegen Lockerung des Tarifrechts.
Berlin, 12. Juni. (TH.) Der Preußische Landtag beschäftigte sich heute mit den Rn- trägen der Deutschnationalen und der Wirtschaftspartei, in denen eine Einwirkung auf die Reichsregierung gefordert wurde, daß das b e - stehende Tarifrecht den Rotwendigkeiten des Wirtschaftslebens angepaht und e l a st i -
Notverordnungen sich gestaltet hat. Der Vortrag des Parteiführers wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die folgende Entschließung sand einstimmige Annahme:
„Der Reichsausschuß stehl in Geschlossenheit hinter bem Parteiführer unb hat zu seiner Führung volles Berlrauen."
In einer eingehenden Aussprache wurde zu den Einzelfragen Stellung genommen und über die Auffassung der Parteiorganisationen berichtet. Es beteiligten sich daran die Herren Reichsminister Dr. Curtius, Dr. Becker - Kassel, Dr. Sch n e 11 • Halle, Dr. Zehle - Magdeburg, Abg.. v. Kar- dorff, Iochmus- Bielefeld, Dieckmann- Dresden, fi u b t e r • Duisburg, Abg. Dr. Kalle, Dr. Rode- Klein-Flottbeck, Einbeck - Lüdenscheid, Sauerborn - Koblenz, Stettiner • Königsberg.
Der Parteiführer Abg. D i n g e l b e tj schloß die Tagung mit dem Ausdruck der Genugtuung darüber, daß die Partei als einheitlicher Körper den politischen Aufgaben entgegensieht im Vertrauen darauf, daß sie mit ihrer Arbeit der Zukunft des Vaterlandes am besten dienen werde.
Die OVp. begründet ihren Beschluß.
Berlin, 12. Juni. (TU.) Gegenüber mancherlei irreführenden Kommentaren zu dem Beschluß der Reichstagsfraktion der DBP., im Acltestenrat für eine Einberufung des Reichstages zu stimmen, verlautet aus führenden Kreisen der Deutschen Dolkspartci, daß der wirkliche Sinn dieses Beschlusses nichts anderes sei, als die Autorität des Reichskanzlers, die nicht nur durch die Rotverordnung, sondern auch durch das Dersagen einzelner Persönlichkeiten des Kabinetts gelitten habe, wiederherzusteilen. Die bevorstehenden Aufgaben der inneren Gesundung, besonders die nunmehr aufgerollte Tribut- reVision, seien so schwierig, daß sie mit Aussicht auf Erfolg nur dann durchgeführt werden könnten, wenn der Glaube an den unbeugsamen Willen der Regierung aus dem von ihr als richtig erkannten Wege fortzuschrei- ten, immer weitere Kreise erfasse.
Daß die DBp. irgendwelcher Katastrophen- polltit Borschub leiste, sei ein völlig absurder
Was die englischen Beobachter sagen.
bank keine Anstrengungen spare, um selbst auf Kosten einer beträchtlichen Verminderung des Goldbestandes die Stabilität der Währung aufrechtzuerhalten.
London, 13. Juni. (ERB. Funkspruch.) Die Lage inDeutschland und ihre weitere Entwicklung wird von der englischen Presse mit Aufmerksamkeit verfolgt. In den Berichten der Berliner Korrespondenten wird zwar kein Hehl daraus gemacht, daß die Derhalt- nisse schwierig sind, insbesondere wird das Zunehmen der Strahentumulte stark beachtet. Trotzdem werden die Dinge nur registriert und keineswegs sensationell aufgebauscht. Im allgemeinen ist die Beurteilung objektiver und ruhiger, als in manchen deutschen Organen.
Im „5> a i l i) Herald" finden die in Deutschland umgehenden Gerüchte über
Diffahirplänc,
die von der Schwerindustrie ausgehen und die Riederwerfung der Gewerkschaften zum Ziele haben sollen, viel Beachtung.
„DailyTelegraph" beschäftigt sich mit dem Dorstoß der Deutschen Volkspartei. Er rechnet nicht damit, daß die Partei an ihrem Entschluß, die Einberufung des Reichstages zu verlangen, festhalten wird.
Der „Times"- Korrespondent schreibt, die politischen Schwierigkeiten seien zuzugeben. Cs sei die übliche Krisis, die durch bie; eiben Parteien und in derselben Art wie früher verursacht worden sei. Wenn sie auch angesichts der allgemeinen Lage außergewöhnlich ernst sei, so dürfte sie doch in der üblichen Weise gelöst werden.
Des Kanzlers Festigkeit werde allgemein als das richtige Mittel angesehen, um mit der
Situation fertig zu werben.
Es handele sich im Augenblick um einen Versuch, die chaotische Diktatur von Parteicliquen wieder herzustellen, von der Brüning die Regierung habe befreien wollen. Ein einmaliges Nachgeben des Kanzlers werde wahrscheinlich die Autorität, die er aufgebaut habe, wieder zunichte machen. Schon früher habe üorigens die DDP. im letzten Augenblick nachgegeben.
„Financial News" stellt fest, daß die finanzielle Lage Deutschlands gestern in der Londoner City das Hauptgesprächsthema gebildet habe. Das Blatt registriert auch die Tatsache, daß die in Berlin in Umlauf gesetzten Gerüchte über einen angeblichen Rücktritt der Regierung Brüning Kurseinbußen der deutschen Anleihen in London herbeigeführt hätten. Es sei offensichtlich, so schreibt das Blatt weiter, daß die Reichs-
Biel hänge davon ab, ob während der nächsten zwei oder drei Wochen eine wirkliche Besserung der politischen Situation eintrete. was die innere Lage anlange, so bestehe kein Grund zur Besorgnis. Für den Fall, bah ber gegenwärtige Zustanb ber Unsicherheit andauern sollte, rechnet bas Blatt jeboch damit, daß der Abfluß von Kapital und die Berminberang der ausländischen
Kredite ihren Fortgang nähmen.
Es stellt zum Schluß fest, daß letztenendes die Lösung bes Reparationsproblems über alles entscheiden werde.
»Financial Times" warnt in einem Leitartikel davor, die deutschen Finanzschwierigkeiten aufzubauschen. Es lasse sich wieder einmal erkennen, daß
das Reparationsproblem solange nicht erledigt ist, bis es nicht gelinge, bie internationale Aktion in biefer Angelegenheit mit ber Regelung ber Kriegsfchulben unb ber wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands und ber übrigen Rationen in ein vernünftiges Gleichgewicht zu bringen. Man tue Deutfchlanb Unrecht, wenn man erkläre, es steuere vorsätzlich auf eine Richterfüllung bes Houngplanes hin.
Für diese Annahme lasse sich kein Beweis- material vorbringen. Aus den letzten Rach- richten gehe hervor, daß das deutsche Kabinett sich noch zu keinem endgültigen Schritt in der Reparatiousfrage entschlossen habe. Vorläufig sei die Position der Reichsbank nicht schwach. Sie habe die jüngsten Devisenschwierigkeiten gut behandelt. Es sei klar, daß London und andere Finanzzentren jede Unter ft ü^ung, die sich in Zukunft als notwendig Herausstellen sollte, gewähren werden. England habe Kredite in nennenswertem Umfange nicht zurückgezogen. Frankreich anscheinend auch nicht. Allerdings könne dasselbe nicht von den USA. behauptet werden. Das sei die Strafe dafür, daß man sich auf die Mittel eines Landes verlassen habe, welches in der Tradition der Kreditgewährung an das Ausland nicht geschult sei.
scher gestaltet werde. In Zeiten wirtschaftlichen Tiefstandes sollten bie Ta - rifverträge zum Zwecke der Erhaltung von Betrieben und der Weiterbeschäftigung der Angestellten und Arbeiter für eine bestimmte Zeit außer Kraft gesetzt werden können, falls zwischen dem Arbeitgeber und der Mehrheit der Arbeitnehmerschaft eines Betriebes eine Vereinbarung über eine anderweitige Regelung der Arbeitsbedingungen nicht zustandegekommen ist. Rach längerer Aussprache wurden diese Anträge mit den Stimmen des Zentrums und der Linken abgelehnt.
Oie Ausbildungsreise der deutschen Flotte.
Berlin, 12. Juni. (WTB.) Am 15. Juni tritt, wie bereits gemeldet, die Flotte eine Ausbildungsreise an, in deren Verlauf einige norwegische Häfen unb Aorde besucht werden. Die Reise, an der die Linienschiffe ^Schleswig- Holstein", »Hannover", »Schlesien", »Hessen", sowie die Kreuzer »Königsberg" und »Köln", die erste und zweite Torpedobootsflottille, die erste Minensuchhalbflottille und ber Flottentender »Hela" teilnehmen, dient in erster Linie der w e i - teren Ausbildung im Verbände. Reben artilleristischen Hebungen soll ba£ Ravi- gieren und Fahren in schwierigsten Gewässern
geübt werden. In Rorwegen werden Bergen, sowie der Songne-, Hardanger-, Rord-, Rams- dals- und Starsjord angelaufen. Auf der Rückreise wird die zweite Torpedobootshalbflottille die auf der schwedischen Insel Stensholm liegenden Gräber von einigen in der Seeschlacht vor dem Skagerrak gefallenen Marineangehörigen besuchen. Hnter diesen Gröbern befindet sich auch das Grab von G o r ch Fock, der auf dem Kreuzer »Wiesbaden" in der Skagerrakschlacht den Tod fand. Rach Abschluß der gemeinsamen Hebungen werden die deutschen Seestreitkräfte am 3. bzw. 4. Juli in ihrem Heimathafen eintreffen.
Englische Beklemmungen über die russische Lustpolitik.
London, 12. Juni. (WTB.) In der »D a ilh Mail" erklärt der diplomatische Korrespondent des Blattes, daß die Luftfahrtpolitik der Sowjetunion Europa ernstlich beunruhige und eine Regierung des Kontinents bereits eine Denkschrift darüber Dorbereite, die den anderen Regierungen unterbreitet werden solle. Der Korrespondent behauptet, daß in der Sowjetunion jährlich 30 000bis50 000 Piloten und Flugzeugmechaniker ausgebildet würden, was ein bezeichnendes Licht auf die russische Luft- fahrtpvlitik werfe.


