Ausgabe 
13.4.1931
 
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Kirche und befürchte, daß die orthodoxe Kirche dem Erzbischof die Teilnahme am Gottesdienst und der Prozession, sowie die Benutzung der Kirche für Amtshandlungen zuaestehen konnte. Dies könnte den Eindruck erwecken, als ob die anglikanische Kirche schrittweise, jedoch ohne Be­rechtigung, von den Heiligtümern Palästinas Besitz ergreifen wolle.

Gras Zeppelins" Aegyptenflug.

Abstecher nach Jerusalem. Auf dem Heimwege.

Kairo, 11. April. (WTB. Funkspruch.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" landete um 7.20 Uhr i m Flughafen von Almaza, wo sich trotz der frühen Morgenstunde etwa 25 000 Menschen einge­funden hatten, um der Landung beizuwohnen. Das Luftschiff hatte kaum den Boden berührt, als die Menge die polizeiliche Absperrung durchbrach und sich enthusiastisch um das Luft- schiff herumdrängte. Als Dr. Eckener an der Tür der Gondel sichtbar wurde, war dies das Zeichen zu einer großen Kundgebung der Menge. Eine Stunde später stieg das Luftschiff erneut auf, um einen Rundflug Über Palästina zu unter­nehmen. Heber Jerusalem und den heiligen Stätten kreuzteGraf Zeppelin" etwa eine Viertel­stunde. Er flog so niedrig, daß die Menschenmassen auf den Straßen mühelos die Nummer am Schiff lesen konnten. Die ganze Bevölkerung war trotz starker Regenschauer auf den Straßen zusammen- aelaufen. Der Besuch des Luftschiffes fiel mit den Feierlichkeiten des hl. Feuers in der Grabeskirche zusammen. Als die Gläubigen das Motorengeräusch hörten, strömten sie aus der Kirche, um sich den Anblick des Luftschiffes nicht entgehen zu lassen.

Das Luftschiff wurde bei seiner Rückkehr vom Palästina-Fluge von mehreren zehntau­send Einwohnern der ägyptischen Hauptstadt erwartet, die seinen einstündi- gen Rundflug über der Stadt mit größtem Interesse verfolgten. Eine halbe Stunde nach der Landung stieg das Luftschiff wieder auf, um n a ch Deutschland zurückzufliegen. Zur Ver­abschiedung von Dr. Eckener hatten sich ein Vertre­ter des Königs Fuad, der britische Oberkommissar, der Premierminister mit den Kabinettsmitgliedern sowie der deutsche Gesandte und viele ansässige Deutsche eingefunden. Um 11 Uhr war bereits die Westecke der Insel Kreta erreicht, um 11.30 Patras mit Kurs auf Korfu, gegen 21.30 wurde Agram (Südslavien) überflogen und gegen Mitternacht er­schienGraf Zeppelin" über'Wien. Das Luftschiff flog über der Stadt einige Schleifen und setzte dann die Heimreise fort.

Antrieb für neue Lustschiffpläne in England.

London, 11. April. (TU.) 3n London wird der Aegypten-Flug desGraf Zeppelin" mit großem Interesse verfolgt, da hier zur Zeit die Frage der zukünftigen ßuft- schiff-Politik Gegenstand eingehender Erwägun­gen ist. Wenn auch die Aothermere-Prrsse sehr stark gegen die Luftschiffe Propaganda macht, so verstärkt sich doch unverkennbar die Tendenz, daß England durch den Unfall desR101 sich nicht abschrecken lassen, sondern seine Welt­reichsluftschiff-Politik f o r t s e tz e n soll. Diese Ansicht kommt in dem der Regierung nahe­stehendenDaily Herald" und in derTimes" sehr stark zum Ausdruck. Cs wird darauf hin­gewiesen, daß Deutschland auch Lehrgeld habe bezahlen müssen, ehe es seine großen Erfolge erzielte, und daß die kaufmännischen Pläne Eckeners und seiner amerikanischen Freunde durchaus ernst zu nehmen seien. England liefe Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, wenn sich Amerika und Deutschland von vorn­herein alle wirtschaftlichen und technischen Vor­teile sicherten.

Werkspionage im Dienste Sowjetrußlands.

Der Führer der höchster Kommunisten, Wilhelm D i e ft b a ch, ehemaliges Mitglied des Betriebs- und

Herrenlose Stimme hallt imRanm

Von Erich Boyer.

Der englische Erfinder Humphries beschäftigt sich mit der Herstellung künst­licher Menschenstimmen.

Warum bin i ch nicht auf diese Idee gekommen? Sie hätte mir nicht viel Geld eingebracht, das ist wahr. Stimmen find noch niedrig im Kurs und einträglicher wär's, ihr Lautwerden zu ver- büten. Aber den Schöpfer spielen, der Natur ins Zeug pfuschen es muß Herrn Humphries aus London Spaß machen. Und seinen Spaß haben das ist schon so gut wie eine Bezahlung.

Haben Sie jemals einen Tonfilm gesehen? Dicht aus der Leinewand, sondern so das Zelluloid in der Hand? Dein? Tut nichtsI Dehmen Sie eine Lupe, betrachten Sie eine Schallplatte, auf ihr sind Stimmen eingegraben in scheinbar willkürlichen Zickzacklinien. Der Ton­film zeigt die Linien besser, deutlicher, das hilf­lose Gemtzel eines Kindes. Es wird aber ein Ton, eine Stimme, eine Spräche daraus, wenn der Film durch die Apparatur läuft.

Herr Humphries sagt: ich singe aaaaa und das gibt ein Gekritzel; ich singe iiiii und das gibt wiederum ein Gekritzel. Aber das aaa-®e- kritzel ist anders als das iii-Gekrihel, und so gibt es immer ein anderes Gekritzel, ob ich nun Vokale singe oder spreche, Konsonanten zischen lasse, Tonhöhen forme. Jeder Ton, jedes Geräusch hat sein Gekritzel, das ist wie ein Zeichen, wie ein Buchstabe. Sie Bleiben sich immer gleich, wenn auch die Charakteristika verschieden sind, wenn ich oder ein anderer den Ton hervorgebracht hat. Man möchte es mit der Schrift vergleichen. Sie ist bei jedem anders, sie wiederholt aber doch die gleichen Buchstaben, und man Rinn sich eine Idealschrift vorstellen, wie sie auf den kalli­graphischen Vorlagen der Schulhäuser zu sehen find.

Wenn man das weiß, dann ist alles andere ganz einfach. Ich brauche mir das Gekritzel nicht auf dem umständlichen Wege über das verschaffen, ich nehme Tusche und Feder und male Mikrophon und den Tonausnahme-Apparat zu mir das Gekritzel selber aufs Papier, ich brauche nur eine Vorlage, aus der ich ersehe, wie ich kritzeln muß, um ganz bestimmte Laute zu er­halten.

Dann photographiere ich mein Gekritzel auf em Filmband und wenn dieses Jilmband durch

Republikanischer Wahlsieg bei den Gemeindewahlen in Spanien, lleberraschend große Wahlerfolge der antimonarchistischen Parteien im ganzen Lande. Oer Führer der Katalanen fordert Abdankung des Königs.

Paris. 13.April. (WTB. Funkspruch.) Heber das Ergebnis der spanischen Gemeindewahlen liegen bisher in Paris Meldungen vor, die den Sieg der republikanisch-sozialistischen Koa­lition unzweideutig erkennen lassen. In den 10 Wahlbezirken Madrids sind je 3 Mitglieder der republikanisch-sozialistischen Koalition, insgesamt also 30 republikanisch sozialistische Gemeinderäte, gewählt worden und je 2 monarchistische Kandidaten, also insgesamt 20. In der Provinz haben Monar­chisten nach Kicher verlautenden Meldungen, die Mehrheit erhalten in Ladi; und Avila. Die R e - publifaner haben in folgenden Stählen die Mehrheit: Oviedo, La (Koruna, Granada, ponte- vedra, wo zum erstenmal in Spanien auch fi om­ni u n i ff e n gewählt wurden, Almeria, lara- gona, Gerona, Dittoria usw. In der Provinz Val­ladolid ist eine große Mehrheit der Republikaner angekündigt, ebenso in der Provinz Salamanca. Eine große republikanische Mehrheit wird noch aus Bilbao, Malaga, Alcoy, Ferrol und Cartagena ge­meldet. In einer großen Anzahl kleiner Provinz­städte haben die Linksparteien sämtliche Sitze erobert, in vielen anderen die Mehrheit errungen.

In Barcelona wurden 25 Kandidaten der katalanisch-republikanischen Linken (Führer Oberst Macia) gewählt gegen 13 radikale Republikaner und Monarchisten. Oberst 2Ha:ia hielt bei der Ver­kündung des Wahlergebnisses eine Ansprache, in der er erklärte, angesichts des Triumphes der Republik bliebe dem König nichts anderes übrig, als a b j u - danken, sonst würde er gezwungen sein, eine Diktatur einzuführen, die einen blutigen Verlauf nehmen würde, denn das Volk würde sich erheben. Der König, der nicht feinem Volk gehorche, müsse auf das gleiche Schicksal wie Ludwig XVI. gefaßt sein. Die anlimonarchislischen Parteien werden im Stadtrat von Barcelona über eine große Mehrheit verfügen. Auch in den an­

deren Städten Kataloniens haben die Republikaner fast überall die Mehrheit errungen. Auf den Straßen warten Tausende vor den Redak­tionen der Zeitungen und begrüßen die Sieges­nachrichten der Republikaner in ganz Spanien mit Begeisterung.

Die Regierung ist von dem republikanischen Auf­schwung völlig überrascht worden. Man rech­net mit einem unmittelbar bevorstehenden Wechsel im Kabinett. Die ersten Wahlergebnisse haben in der spanischen Hauptstadt große Er­regung hervorgerufen. Ein Regiment von Alcala bei Madrid soll sich erhoben haben, um den König zu schützen. Das königliche Palais wird scharf be­wacht. Man behauptet, daß der Belagerungs­zustand in Madrid verhängt werde. Graf R o - manones bezeichnete das Ergebnis der Wahlen als bedauerlich. Man müsse zugeben, daß es gar nicht schlimmer für die Regierung habe aus­fallen können. Am Montag werde ein Ministerrat über die Lage beraten, wenn die Monarchisten bei den heutigen Wahlen geschlagen worden seien, so sei das auf die Diktatur und die schlechte Be­handlung der politischen Parteien zurückzuführen.

Bei den Wahlen ist es zu einigen Zwischenfällen gekommen. Soweit bisher bekannt, sind i n M a - d r i d spanische Legionäre mit republikanischen Ele­menten zusammengestoßen. Die Polizei mußte ein­greifen. Mehrere Personen wurden verhaftet. In der Provinz Valencia wurden mehrere Wahlurnen zerbrochen. In Valencia trieb die Polizei einen Umzug auseinander. 3m verlaufe des Zusammenstoßes wurden mehrere Schüsse gewechselt. Bisher ist nichts bekannt, ob Personen verletzt wurden. In San­tander sind während eines Fußballkampfes die Spieler wegen politischer Fragen handgemein ge­worden. Die Menge drang auf den Spielplatz. Drei Personen, darunter der Schiedsrichter, wurden schwer verletzt.

Arbeiterrats der I.- G-- F a r b e n i n d u st r i e, Kommunaliandtagsabgeordneter und Mitglied des höchster Bezirksrals, ist wegen Werkspio­nage verhaftet worden. Aus der bei dem ver­hafteten beschlagnahmten Korresonden; soll hervor- gchen, daß er Betriebsgeheimnisse der I.-G.-Farbenindustrie an die russische handelsdelegationinBerlinverkauft und dafür große Summen erhalten habe. Er soll im Werk Helfershelfer gehabt haben, die er mit russi­schem (Selbe bezahlte. Bisher sollen etwa zwölf kom­munistische Arbeiter der Betriebe der I.-G.-Farben- inbuffrie verhaftet worben sein. Die Spionagever­suche richteten sich in erster Linie barauf, neben bem Material über technische probuktionvvorgänge vor allem auch bie Rezepte neuer Erf inbun- gen unb beren praktische Auswertung zu erhalten.

Beginn des Prozesses gegen den Düsseldorfer Mffeninörder.

Düsseldorf, 12. April. (TU.) Vor dem Schwurgericht beginnt am Montag, 13. April, der von der Oesfentlichle't mit großer Spannung erwartete Prozeß gegen den Massenmörder Peter Kürten. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Rose, die Anklage vertritt der Oberstaatsanwalt Dr. E i ch, als Osfizial-

den Wiedergabe-Apparat läuft, muß im Laut­sprecher das ertönen, was ich aufs Papier ge­kritzelt habe, das heißt, wenn alles mit rechnen Dingen zugeht, wenn ich genau gearbeitet habe.

Dazu gehört nun freilich wieder etwas Mühe und Sorgfalt und Geduld, und wenn ich das recht bedenke, bin ich doch recht froh, daß Humphries mir die Arbeit abgenommen hat, denn sie ist sicherlich eine Arbeit für Haftelmacher ins Hochdeutsche übersetzt: für Leute, die sich damit beschäftigen, aus kleinen Drähtchen kleine Häkchen für Damenkleider zu formen oder aus Streich­hölzern ein Modell des Kölner Doms. (Es gibt solche Leute ...)

Herr Humphries hat das zuwege gebracht. Er hat sich dann ein paar Londoner Journalisten eingeladen und hat ihnen seine Stimme vorge­führt, das heißt, eigentlich gar nicht seine Stimme, fonbern Niemandes Stimme, eine herrenlose Menschenstimme, die nun im Raum hallte, ohne daß es jemand eingefallen wäre, sie vorher schon einmal vermöge seines Kehlkopfes ertönen zu lassen.

Als ein Vertreter des alten Edison (der damals freilich noch jung war) der Pariser Aka­demie den Phonographen vorführte, entrüstete sich einer der Unsterblichen einigermaßen über die Frechheit dieses Bauchredners, der da meinte, er könne ihm vormachen, die göttliche Stimme des Menschen ließe sich mechanisch hervorbringen. Der Wann beging einen Denkfehler, der Phonograph bringt keine Stimme mechanisch hervor, die ©timitie war vordem schon da, der Phonograph hat sie nur wiederzugeben. Humphries aber schöpft sie aus dem Nichts. And er beweist, daß diese Stimme nichts anderes ist, als ein Gekritzel, das man mit tauglichen Apparaten in Töne ver­wandeln kann.

Humphries wäre kein Erfinder, wenn sein Opti­mismus nicht in weite Fernen schweifen würde. Seine Stimme ist, um der Wahrheit das Recht zu geben, heute noch ein hölzernes und nicht ganz korrektes Getöse, und der originale Kehl­kopf ist uns als Produzent heute noch lieber als die Surrogat-Maschine des Herrn Humphries. Er meint aber, es würde ihm gelingen, die Ideal- Stimme zu schaffen. And da würde dann kein Caruso und keine Lotte Lehmann und überhaupt kein Mensch mitkommen können. Die Menschen hätten alle ihre Fehler, sie seien alle begrenzt, ihre Atemtechnik sei unvollkommen, er, Hum­phries, würde, wenn es sein müsse, das hohe C fünf Minuten lang fingen lassen.

Verteidiger für Kürten fungiert Rechtsanwalt Dr. Wehner. Etwa 200 Zeugen werden wahrend des Prozesses vernommen werden, über 20 medizinische und psychiatrische Sach­verständige werden ihre Gutachten abgeben.

In aller Erinnerung sind noch die grauen­haften Morde, die im Iahre 1929 ganz Düssel­dorf in Schrecken und die gesamte Oefsentlichkeit in Atem hielten. Ein Riesenaufgebot von Krimi­nalisten arbeitete Tag und Dacht, um den Täter ausfindig zu machen. Etwa 10 000 Zuschriften waren im Laufe der Zeit bei der Polizei einge­gangen. Tausenden von Spuren wurde nachgegan- gegangen und Hunderte von Verhaftungen vor­genommen. Das Ende war immer ein Dichts. Schließlich kam der Zufall der Polizei zu Hilfe. Durch einen von einer Aeberfallenen an ihre Freundin gerichteten Brief, der in falsche Hände geriet, wurde die Polizei auf Kürtens Fährte gelenkt. Am 24. Mai vorigen Jahres wurde er verhaftet. Während der Verneh­mungen legte Kürten umfassende Geständnisse ab und konnte auch im Laufe der Gesamtverneh­mungen restlos überführt werden. Seine Aus­sagen machte er klar und sachlich, so daß niemals der Eindruck aufkam. daß er, geistig minder­wertig sei. Auch die Psychiater erklären Kürten als für seine Tat verantwortlich.

Zur Verhandlung stehen neben fieben Mordversuchen 9 vollendete Morde, von denen einer, der an der 10jährigen Christine Klein aus Köln-Mülheim, 18 Jahre zurücklieat. Die übrigen acht Morde sind von Februar bis Novem-

And er meint weiter, es sei dann wohl Ansinn, sich für Tonfilm und Schallplatte kostspielige Stars zu halten. Er würde eine Kartothek mit allen Tönen und Geräuschen der Welt haben, und er würde alles ganz billig liefern, jeden Sah, jedes Wort, jeden Ton, jedes Lied in ganz vor­züglicher, einwandfreier Beschaffenheit ...

Das ist nun der Punkt, wo es einemdie Rede verschlägt". And das gerade will ja dieser Humphries. Verschlägt's mir die Rede, dann liefert er mir eine neue nach Maß. Sie mag unpersönlich sein korrekt ist sie zweifellos.

Man sagt, unser Zeitalter sei das unpersönliche, das Maschinenzeitalter, es habe die Seele ertötet? Abwarten! Solange wir mit eigenen Stimmen reden dürfen, haben wir uns gar nicht zu be­klagen.

Oer Afrikaforscher Rohlfs.

Dor 100 Jahren lagen noch gleichsam vor den Toren Europas weite unbekannte Gebiete im nördlichen Afrika, während Länder jenseits fer­ner Meere längst erschlossen waren. Die unge­heure Wüste der Sahara, die so groß wie Europa ist, hatte sich wie ein Riegel dem Forscherdrang vorgeschoben, und auch heute noch finden sich große weihe Flächen auf der Karte Nordafrikas. Cs war in erster Linie deutschen Forschern zu danken, daß die Welt etwas Näheres über die Sahara erfuhr, und zwar waren es die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre, die die klassische Zeit der deutschen Afrikasorschung bildeten. Iene Forscher, die damals auszogen, standen nicht an der Spitze großer Expeditionen, wie das heute der Fall ist, sondern sie wagten sich allein oder mit wenigen Begleitern ins Anbekannte, un­eigennützig und wissensdurstig, mit wenig Geld und ohne Opfer an Blut außer dem eigenen. Unter diesen Männern stand Gerhard R o h l f s mit an erster Stelle. Die Erinnerung an ihn und seine unvergänglichen Taten wird neu belebt durch die 100. Wiederkehr seines Geburtstags, die seine Heimatstadt Vegesack bei Bremen feier­lich begehr. Aber auch sonst wird man sich dieser bedeutenden Persönlichkeit wieder erinnern, und die beste Einführung in sein Werk bietet sich in seiner klassischen ReiseschilderungQuer durch Afrika", die unter dem TitelKreuz und quer durch die Sahara" von seinem Biographen und Neffen, Prof. Konrad G u e n t h e r, heraus­gegeben worden ist. Rohlfs war eine Abenteurer- natur von edelster Art. Dem Schulzwang suchte er früh zu entlaufen, trat bei der Erhebung von

ber 1929 von Kürten verübt worden. Weiter qt Kürten der Brand st iftuna in 45 Fällen beschuldigt. Anklage in diesen Fallen ist jedoch nicht erhoben worden,' um den Prozeß nicht zu umfang- reich zu gestalten, vor allem aber, weil die für die Brandstiftungen zu verhängenden Strafen gegen­über den für die Mordtaten nicht ins Gewicht fal­len. In der Verhandlung soll auch die Frage, ob der immer noch internierte Geistesschwache Johan­nes Staußberg an zwei Morden die Kürten eingeftanben hat und in denen er auch überführt ist schuldig ist, endgültig geklärt werden.

Au« aller Welt

Am Todeslage der Kaiserin Auguste Viktoria.

Am antiken Tempel, dem Mausoleum der Kai­serin Auguste Viktoria, wurden an ihrem Todestag eine unübersehbare Zahl von Krän­zen und anderen Dlumenspenden niebergelegt Gegen 9 Ahr erschien der ehemalige Kron­prinz, um den Sarkophag mit einem Kranze seines Vaters zu schmücken. Kurze Zeit darauf trafen Prinz Eitel Friedrich ein, ferner Prinz und Prinzessin Adalbert, sowie Prinz August Wilhelm und Sohn, der einen Kranz des Her­zogspaares von Braunschweig niederlegte, und Pristz Oskar. Die Familienmitglieder "Der sammel­ten sich zu einet längeren Andacht im Mauso­leum. Spater erschien Graf von Finckenstein, um namens der jetzigen Gemahlin des Kaisers einen Kranz niederlegen zu lassen. Auch Abgeordnete der Adelsgenossenschast, des Deutschen Offiziers­bundes, des Nationalverbandes deutscher Offi­ziere, vieler deutschnativnalec Frauen gruppen! und Vaterländischer Verbände legten Kränze nieder. Im Dom veranstaltete der Landes- frauenausschuh Berlin der Deutschnationalen Tolkspartei eine Gedächtnisfeier. Der frü­here Oberhofprediger D. Döhring feierte die Verewigte als die Verkörperung der Worte des Apostels Paulus an die Korinther:Die Liebe höret? nimmer auf! Orgelvorträge und die Lieb­lingslieder der Verstorbenen umrahmten die Feier.

Der verein Deutscher Zeitungsverleger in Wien.

Die diesjährige Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger findet Anfang Juni in der österreichischen Hauptstadt statt. Wie der Vor- sitzende, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar (ßiea- nitz), derNeuen Freien Presse" mitteilte, geschieht es zum erstenmal, daß der feit 37 Jahren be­stehende Verein seine Jahresversammlung äußer- halb des Deutschen Reiches abhält. Die be­vorstehende Tagung werde vor allem als Ausdruck des deutschen Gemeinschaftsgefühls empfunden wer- den. Deshalb seien diesmal auch neben den Vertre­tern der deutschen Presse in der T s ch e ch o s l o w a - fei in U n g a rn und in Siebenbürgen die Verlegerorganisationen der stammverwandten Völ­ker. wie der Sch wetz, Hollands, Skandi­naviens und des Baltikums eingeladen worden.

Vorbereitungen für Witkins U-Boot-Expedition nach dem Nordpol.

In Tromso wird augenblicklich ein Depot von 10 Tonnen Dieselmotoröl und 1 Tonne Schmieröl für Wilkins A-DootNautilus" an­gelegt. Diese Oelmengen soll das A-Doot auf seiner Fahrt von Tromso nach der Advent-Bay (Spitzbergen) benutzen. Die amerikanische The Texas Company hat das Mo­nopol für diese Oellieferungen. In Spitzber­gen wird ebenfalls demnächst ein Depot zu gleichem Zwecke errichtet, und zwar sind dafür 30 Tonnen Dreimöl und 3 Tonnen Schmieröl vorgesehen. Professor Sverdrup, der höchst­wahrscheinlich an Wilkins A-Doot-Fahrt teil­nehmen wird, äußert sich zu der Meldung, wo­nach das deutsche Luftschiff taf Zeppelin" eine Zusammenarbeit mit derNautilus" bereits in diesem Jahr durchführen soll, folgendermaßen: Wilkins habe verschiedene 5Iüge mit demGraf Zeppelin" gemacht. Er. Sverdrup habe von dem Plan einer Zusammenarbeit bisher zwar nichts gehört, was jedoch nicht ausschliehe, daß sie Zustandekommen würde. Ob Touristen an Dord des Luftschiffes mitfliegen toürben, wisse er nicht. 2m übrigen hänge es von den Probefahrten der Nautilus" ab, ob am 1. Iuli von der Advent- Day aus gestartet werden forme. Das A--Doot

Schleswig-Holstein gegen Dänemark ins Heer ein und wurde wegen Tapferkeit zum Offizier be­fördert. Das Studium der Medizin unterbrach er, um seinen Abenteurerdvang in der fran­zösischen Fremdenlegion auszuleben. Als er in Algier einigermaßen arabisch gelernt hatte, ging er, nun ein Dreißigjähriger, nach Marokko. Ver­kleidet als Mohammedaner brachte er es zum Haremsarzt des Sultans, und auf seiner ersten Entdeckungsreise blieb er verwundet und dem Tode nahe in der Wüste liegen, bis er, wie durch ein Wunder, von zwei mohammedanischen Mönchen gerettet wurde. Dann unternimmt er Reisen über den Atlas und quer durch die Wüste nach Tripolis und vollbringt schließlich seine berühmte Durchquerung Afrikas, als dritter Europäer, wobei er über 4200 Kilometer zurücklegt und gänzlich unbekannte Wege ent­deckt. Nun ist sein Name in aller Munde, die höchsten Ehren werden ihm zuteil, die die Wissen­schaft zu vergeben hat, und er steht auf der Hohe seines Ruhms. Damals hat ihn ein anderer be­rühmter Afrikaner, Georg Schweinfurth, also geschildert:Braun wie ein Araber und unendlich abgemagert stand er vor mir, aber aus den funkelnden Augen leuchtete das höchste Maß von Energie, gepaart mit physischer Lei­stungskraft." Weitere Abenteuer in Abessinien und der Cyrenacka werden durch seine Erforschung der Libyschen Wüste gefrönt, die er mit seiner kühnen Expedition nach den Oasen von Kufra abschließr,Mit Kufra", sagt Schweinfurth, prangt Rohlfs' Name in majestätischer Einsam­keit" : nach ihm hat bis nach Dem Weltkrieg kein Europäer diese gefährlichen Oasen wieder be­treten. Die furchtbaren Anstrengungen und Ent­behrungen hatten seinen Körper geschwächt. Er führte noch im Auftrag Bismarcks politische Mis­sionen in Abessinien und Sansibar aus, machte weite Vortragsreisen, auf denen er sich als ein hinreißender Redner zeigte, und starb am 2. Iuni 1696.Als ich vor die Leiche des Onkels trat", schreibt Guenther,überkamen mich ähnliche Emp­findungen, wie Cckermann vor Dem toten Goethe. Wie ein Krieger lag der Tote Da, Der nach tapferem Streit gefallen ist, DaS Haupt zurück­gesunken, Der immer noch schone Körper zeigte Die Narben Der Wunden, Die er einst in Der Wüste erhalten." Rohlfs war ein klassischer Schul­derer von 2anD unD Leuten.Noch heute", ur­teilt Guenther,greift jemand, Der Den Nord- afrifaner gründlich kennen lernen und von seinen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen wissen will, am besten zu seinen Werken."