Ausgabe 
13.4.1931
 
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Ur 85 Erster vlatt

181. Jahrgang

Montag, 15. April (931

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General-Anzeiger für Oberheffen

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Chefredakteur

Dr Friede Will) Lange. Derantworilich für Politik Dr Fr Wilh. Gange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blurnschein und für den Anzeigenteil Max Filler, lämtlld) m Dietzen.

Madeiras Erhebung gegen Portugal.

poriugalesische Schlacht."

Aus einem so ausgekochten revolutionären Boden, wie ct Portugal ist, gehört es schon Aum ^geschichtlichen Raturgssetz, daß die Staats­streiche dicht auieinandersolgen. Seitdem Por­tugal vor zwanzig Jahren Republik wurde, hat es sich der Segnungen einer parlamentarischen Demokratie so gut wie gar nicht erfreuen können, denn der Umsturz von 1926 brachte eine M i - litärdiktatur hervor, die sich 1928 weiter befestigte, um noch heute zu regieren. Aber cs scheint eine gewisse Wechselwirkung zwischen den revolutionären Ereignissen auf der Ib^ischen Halbinsel zu bestehen, denn nachdem die Dik­tatur in Spanien sich selbst auslösen mutzte, hat auch die Diktatur in Portugal mehr als einmal den Boden unter sich wanken gefühlt. Es gibt in Portugal ebensowenig wie in Spanien ein aus- geblldctcs politisches Partei wesen, wohl aber gibt es viele Berufspolitiker, die dtts Bauern- und Fisch^rvolk regeren möchten. Aber auch das Militär, richtiger gesagt, die hohen Offiziere haben eine ausgesprochene Neigung, sich nicht nur um die Ausbildung des HeereS zu bekümmern, sondern auch um die Re­gierung dcS Staates. Dazu können sie kein Par­lament gebrauchet, weshälb sie nach dem Staats­streich von 1926 auf die Mitwirkung einer ver- sassungSmätzigen Volksvertretung verzichteten. Der derzeitige Präsident, dessen Amtszeit erst im nächsten Jahre aoläuft, ist der General Car­mona, der von einem Ministerrat umgeben wird, der mit Ausnahme deS Finanzministers auS hohen und höchsten Ossizieren besteht. Jedoch sind die verjagten Berufspolitiker inzwischen nicht mützig gewesen, toeim es ihnen auch Wohl noch nicht gelungen ist, sich militärischer Verbände au bemächtigen. Wer sich in Portugal nicht auf Truppen stützen kann, hat unter der Diktatur keine Aussicht, den Diktator und seinen engeren Kreis von Freunden zu stürzen.

Portugal selbst umsaht, mit Einschluß der Azoren und Madeiras, etwa 93 000 Quadrat­kilometer, mit einer Bevölkerung von rund sechs Millionen. Obwohl Portugal den großen Fehler beging, sich in den Krieg gegen die Mittelmächte hineinmanövcricren zu lassen, haben sich die wirt- schastlichen Bez ehungen Portugals zu Deutschland sehr günstig entwickelt. Deutschland ist der zweitbeste Kunde Portugals. kommt also gleich hinter England, wobei nur zu berück­sichtigen ist, daß Portugal von England un- 8e,ähr das Dreifache der Ausfuhr nach ngland kaufen mutz. Run ist der Staats­streich diesmal nicht in Lissabon versucht worden, sondern au f Madeira, das etwa 180 000 Ein­wohner zählt. Portugal er r:u sich, von Ma­deira und den Azoren abgesehen, noch eines sehr großen Kolonialbesitzes in Airika und in Asien, der, wie der westa.rikanische Delitz, schon seit dem 16.Jahrhundert zu Portugal gehört. WaS auf Madeira eigentlich vor sich gegangen ist. wer der Träger des Staatsstreiches ist, läßt sich mit Sicherheit noch nicht feftstcllen. da aus Madeira selbst keine Rachrichtcn herausgelangen können, so daß alles, was über die Vorgänge bekannt wird, aus Lissabon stammt. Offenbar wollen Madeira u»d die Azoren das Band zum Festland zerschneiden, obschon Madeira seit 1420 und die Azoren seit 1445 portugiesischer Besitz sind. Der Aufstand auf Madeira ist von Offi­zieren organisiert, die nach alter Gewohnheit wohl auch ihre Truppen fest in der Hand haben. Ob die Diktatur stark gehug ist, der Unruhen Herr zu werden, läßt sich um so weniger sagen, als auch in Portugal die Berufspolitiker auf dem Sprunge stehen, bei auswärtigen Verwick­lungen die Diktatur über den Haufen zu werfen.

Madeira fordert seine Selbständigkeit.

Die Revolutionäre zum Kampfe gerüstet.

London. 12. April. (ZU.) Rach Berichten von Reisenden, die aus Madeira in Lissabon eingetrossen find, haben die Aufständischen in Madeira beim Völkerbund beantragt. Madeira a l s s«lbstandige Republik unter dem Hamen Atlantida anzuerkennen. General Lardosa soll zum Präsidenten und General Sousa Via; ;um Oberbefehlshaber der neuen Republik ernannt roor- den sein. Zahlreiche Meldungen bestätigen jetzt ein­wandfrei. dah die portugiesischen Garni- sonen auf den Azoren zu den Aufstän­dischen übergegangen sind. Ls heißt, dah die Aufrührer längere Zeit widerstand leisten kön­nen und dah sie genügend Munition. Ge­schütze und sonstige Kampfmittel haben. In Madeira Hal der Mililärdiktatqr ein Manifesl erlaßen, worin es heiht, dah die vollständige Autonomie der Insel die einzig mögliche Lösung der Schwierigkeiten fei. Der britische Konsul in Funchal hat die englischen Reisenden ausgefordert. Madeira zu vertassen. da er mit der Mög- lichkeit rechne, dah keine Schiffe mehr an­laufen werden und dah die Reisenden die Insel dann nicht mehr verlaßen können. Das Geschästs- leben liegt vollständig still. Die Bevölkerung hat möglich st viele Lebensmittel aufge­kauft und in den Banken soviel Geld ab­gehoben. wie nur möglich war. Die Revolutio­

näre haben die lelesonverbindungen unterbrochen und eine strenge Zensur eingeführt. Sie schicken Wachen auf die anlaufenden Schiffe und haben den gesamten Betrieb der Motorfahrzeuge zu Lande und zu Wasser übernommen. Die Umsturzpläne sind von den erfahrenen Reootutionären bisin alle Lin- zelheiten ausgearbeilel gewesen. Sollten die portugiesischen Reglerungstruppen vor Funchal ein,reffen, so sollen zunächst Verhandlungen ein­geleitet werden. Sollte es aber zu einer Landung von Iruppen^ommen, so würden die Revolutionäre dies mit Gewalt verhindern. Alle regierungstreuen Beamten und Offiziere find verhaftet.

öie Rückwirkung auf Portugal

Immer noch kritische Lage in Portugal.

London, 12. April. (WTD.) Reuters Lissa- fronet Korrespondent, der sich nach Spanien be­geben hat, um ungehindert durch die strenge Zen­sur in Portugal berichten zu können, stellt die Lage m Portugal als ern st dar. Mehrere in den Provinzen stationierte Regimenter hätten sich geweigert, den Anordnungen der Regierung Folge zu leisten. Die Behörden konzentrierteni Truppen. Trotz aller gegenteiligen Gerüchte sei jedoch die Regierung noch Herrin der Lage und die von ihr unternommenen Schritt« hätten den Eifer der Revolutionär« etwas ab- gekühlt. Die Straßen von Lissabon wür­

den allnächtlich von Abteilungen der Rational­garde in Lastkraftwagen, die mit Maschinen­gewehren ausgerüstet feien, patrouilliert.

Wie sich jetzt hcrausgestellt hat, war ursprüng­lich «in Handstreich in Lissabon für gestern nacht geplant, jedoch haben die Er­eignisse in Madeira die Entwicklung beschleunigt. Ein bekannter Flieger, der sich mit seinem Flugzeug aufwieglerisch betätigt hatte, sollte verhaftet werden. Er weigerte sich jedoch, dem mit seiner Verhaftung betrauten Offizier zu folgen und setzt« sich telephonisch mit dem Kr egsrninister in Verbindung. Wahrschein­lich als Ergebnis dieser Unterredung entsandte bet Kriegsminister den Kommandanten deS Flugwesens, um die Verhaftung vor- zunehmen. Dieser suchte den Flieger auf und führte ih n im Flugzeug über die Grenze. *

Die Rachrichten über blutige Zusammen­stöße in Lissabon werden von der portugiesischen Regierung dementiert. Die beruhigenden Rachrichten der Regierung finden beim Volke jedoch keinen ungeteilten Glauben. Der Komman­dant der Streitkräfte in Lissabon hatte am SamStag eine lange Besprechung mit dem Prä­sidenten Carmona, über deren Ergebnis jedoch nichts verlautet.

D:r britische KreuzerCurlew" in Gibraltar hat Auftrag erhalten, sofort nach Lissabon in See zu gehen, um d i e britischen Inter­essen in Portugal zu schützen.

Englands Europa-Politik.

Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts.

London. 12.April. (TU.) Die politischen Vor­gänge der letzten drei Wochen haben, wie der Obseroer" schreibt, eine genaue Untersuchung der Lage durch die englischen diplomatischen kreise zur Folge gehabt. Dabet sei man zu dem Ergebnis ge­kommen, dah die Lage ern ff er fei als je­mals feit dem Waffenstill st and. Die Forderung Driands an Henderson, die Sicher heils- frage dem Abrüstungsproblem voranzustellen. die Bestätigung dieser Tendenz durch Doumergue, der offenbare Wille Frankreichs, feine Rüstungen zu verstärken und an der mili­tärischen Uebertegenheit über Deutschland festzuhal­ten. hätten in England ern ft e Besorgnis ausgelöst. Man habe den Eindruck, dah alle Ab- rüstungsoerhandlungcn überflüssig seien, solange sie sich nicht auf den GrundsatzGleiche Abrü­stung f ü r M l le stützten.

Die Aufregung in Paris über den Besuch der deutschen 2111 n i ft e t habe den Engländern die überraschende Tatsache enttjütlr, dah der Qual d'Orsey diesen Besuch als bedauerlich ansehe, ob­wohl er denselben freundschaftlichen Charakter trage, wie öie früheren Zusammenkünfte zwischen den Leitern der englischen und der französischen Politik. Die Nervosität in Paris zeige, dah man in Frank­

reich eine ganz falsche Vorstellung von den Zielen der englischen Politik habe, wenn man glaube, dah diese mehr zu Fsonkreich als zu anderen Ländern hinneige. Die englische Politik müße diese mihoerständtiche Auffassung in Frank­reich beseitigen, ohne jedoch in Paris den Lin- druck zu erwecken, als ob Frankreich der Gefahr einer Isolierung ausgesetzt wäre.

während Frankreichs Politik noch immer mit der Möglichkeit eines Krieges gegen Deutschland rechne, betrachte man in England einen solchen Krieg als eine Unmöglichkeit. Daher habe der bevor­stehende Besuch der deutschen Minister in England allgemein die lebhafteste Befriedigung hervorgerusen. heute sei es ganz klar, dah England ein wirklicher Freund Deutschlands wie auch Frankreichs fei. Die englische Politik ziele daraufhin, eine Isolierung Frankreichs und auch Deutschlands zu verhindern, das europäische Gleichgewicht wieder h e r z u st e 11 e n , die Sicherheit auf alle Unter­zeichner des Kelloggpaktes aukzudehnen und so den Erfolg der nächstjährigen Abrüstungskonferenz vor- zubereilen. Die von Frankreich verfolgte Politik mühte bald zu einem neuen europäischen Unglück führen.

Deutschland und der Bolschewismus.

Deutschlands europäische Aufgabe in französischem Licht. - Wo bleiben bei Frankreich die praktischen Folgerungen aus einer richtigen Erkenntnis?

Paris, 11. April. (LU.) Der französisch« Senator Henry de Iouvenel veröffentlicht im April-Heft der .Revue des Bivants' unter der Ueberschrift .Die Deute Sowjetruh- l a n d s" einen umfangreichen Arttkel, in dem er sich mit den deutsch-russischen Beziehungen be­schäftigt. Iouvenel wirft die Frage auf, ob C^utschland nicht Gefahr laufe, vo m Bolsche­wismus verschlungen zu werden, und entwickelt daraus den Gedanken, daß dts heutige Deutsche Reich vollkommen auf Kredite an­gewiesen sei, da die innere Kapitalbildung nicht mit der überstürzten Industrialisierung Schritt gehalten habe. Jede Aktion der deutschen Polittk schrecke jedoch das ausländische Kapital immer mehr ab. Wenn man sich deutscherseits der Hoffrmng hingebe, dem Ausland durch Der- stellung und .Kraftäußerungen" Vertrauen ein- flößen zu können, so begeh« man einen Fehler, der durchaus nicht erträglicher werde, toeim man ihn .serienweise" begeh«. Deutschland habe den Ver­ständigungsfreund B r i a n d durch feine Haltung bitterenttäuscht. »Ist es denn das Schicksal Deutschlands", so fragt der Verfasser empatisch, .alle Franzosen zu enttäuschen, die ihm Ver­trauen schenkten: Rach Ludwig XV. Rapoleon III. und nach Rapoleon Driand?" Während nur die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens die Kreditfähigkeit Deutschlands erneuern könne, sei es scheinbar dazu verdammt, Mißtrauen gegen sich zu säen. Heute sei es der bolschewisti­sche Fünfjahresplan, auf den die deutsche Industrie spekuliere und an den sie ihre Hoff­nungen knüpfe. Das Deutsche Reich trage einen Teil der schweren Verantwortung an der indu striellen Aufrichtung der bolschewistischen Republik, da es die russischen Zahlungen bis zu 70 v. H. garantiere.

Frankreich dürfe sich darüber allerdings nicht entrüsten, da auch das französische Ma­rinemini st erium seinen Petro 'eumbedarf aus der Räteunion decke, ohne sich um die Tat­sache zu kümmern, daß die Handelsbilanz Sowjet­ruhlands dadurch gehohen werde. Iedrirfalls fei es geradezu tragisch, zu beobachten, wie der deutsche Kapitalismus seine eigene Exi­stenz untergrabe, indem er dem feindlichen Kommunismus Vorschub leiste. Deusschland werde alle Mühe haben, sich selbst zu retten. Man werde sich bemühen müssen, es vor Sowjetrußland und gewissermaßen auch vor sich selbst zu schützen, da der Zusammenbruch des Reiches nicht unmöglich sei. Sein Sturz aber würde den Zusammen­bruch der europäischen Zivilisation bedeuten. Er, Iouvenel, wünsche die deutsch-sran- Aösische Annäherung, könne jedoch solang« nicht fest an sie glauben, als Deutschland nicht an einer gemeinsamen europäischen Abwehr- Politik gegenüber Rußland teilnehme. Gegen das russische Dumping.

Die englischen Handelskammern fordern ein Einführungsverbot für russische Waren

London, 10. April. (TU.) Der von der Inter­nationalen Handelskammer angeregte Vorschlag, durch internationale Maßnahmen das Dumping russischer Waren zu bekämp­fen, wird auf der am 23. April stattfindenden Jahresversammlung der englischen Handelskammern eingehend erörtert werden. Die Liverpooler Handelskammer wird eine Entschließung einbringen, in der auf die Ge­fahr für die englische Industrie durch die Ein­führung billiger russischer Waren hingewiesen wird.

Die Vereinigung der Handelskammern sollte Mittel und Wege erwägen, um durch gemeinsame ober getrennte Aktionen der Regierung und der Ge- d)ift5roclt den vollständig neuen russischen 3erkaufsmethoden enlgegenjutrctcn. Die ' Entschließung der Londoner Handelskam­mer ist in noch schärferer Sprache abgefaßt und verlangt ein Einfuhrverbot für russische Waren, da diese unter Arbeitsbedingungen er­zeugt werden, die wesentlich schlechter als in anderen zivilsierten Ländern seien. Diese Entschließung kenn­zeichnet den starken Einfluß, den die erst vor einiger Zeit gegründete Handelsverteidigungs- Vereinigung bereits auf die wirtschaftliche» Kreise ausübt.

Pariser plane für Gens.

Die Donaufödcration als ttegenrnine gegen die Zollunion.

Paris, 12. April. (TU.) Obgleich über die französische Vorbereitungen für Genf amtlicher­seits strengstes Stillschweigen gewahrt wird, ver­lautet in politischen Kreisen, daß sich die Täkig- keit des Quai d'Orsey in folgender Richtung ent­wickeln müsse:

1. Mobilisierung der ö st 1 i ch e nVa s a 11e n - st a a ten",

2. Vorbereitung eine« allgemeinen Dor - Sugs - Z.ollshstems zugunsten Oesterreichs und

3. Scha sung einer- wirtschaftlichen Do­nau-Föderation.

Man habe erkannt, daß die Zerschlagung der Donaumonarchie vom französischen Standpunkt ein Fehler gewesen sei, und wolle jetzt alle Mittel versuchen, ein ähnliches politisch-wirt­schaftliches Gebilde gegen Deutsch­land zu schassen. Briand werde zweifellos all« Anstrengungen machen, um sein Ansehen zu retten, wozu nach Lage der Dinge die Anbahnung einer Verständigung mit England gehör«. Durch französische Zugeständnisse lasse sich viel­leicht eine wohlwollende Reutralität Englands in Genf herbeiführen. In jedem Fall« mißt man der von der französischen Regierung geplanten Aktion in politischen Kreisen größt« Bedeutung bei und läßt fogdr durchblicken, dah das Schicksal Osteuropas auf der Maitagung in gewissem Sinne entschieden werden müsse.

Politik gegen wirtschaftliche Vernunft.

Südflawien und die Zollunion

Belgrad, 11. April. (TU.) Der ehemalig« Finanzminister Milan Stozadinowitschver­öffentlicht einen Aufsatz zum deutsch-österreichi­schen Zollabkommen, in dem er offensichtlich selbst völlig unter dem von Frankreich auf Süd- slawien ausgeübten Druck stehend ganz di« französische Th?s« übernimmt. Er erklärt zwar mit bemerkenswerter Offenheit, daß ein An­schluß Südslawiens an daS große deutsch« Zollgebiet nur von Vorteil sein tonne, be­hauptet aber, daß diePoli tik eine solche Haltung nicht erlaube. Die südslawi­schen Dauern tonnten zwar im Falle einer Zoll­union mit dem deutschen Staat ihr Getreide zwei-unddreimalteuererverkausen und damit zufriedengestellt werden. Deutschland und Oesterreich tonnten die gesamte südslawische Ernte aufnehmen. Auch die südslawische Indu­strie könne durch Kartellbest immtmg<m genügend geschützt werden allein das Wiener Zollabkom­men sei «in politischer Vertrag, und es sei durch nichts bewiesen, daß zwischen Del- grad und Berlin ein politisches Abkommen heute möglich sei. Südslawien werde daher, getreu dem gegebenen Wort, unzweifelhaft an derSeit« feiner Verbünd« t«n stehen. Den Sieg werde die These DriandS davontragen, der au- folge sich die ökonomischen Gesichtspunkte bei Der Schaffung Paneuropas den politische unteren- ordnen hätten. Zum Schluß empfiehlt Ctoja* dinowitsch den Ausbau der kleinen WirtschaftsenPente, damit die vo'itischen und die wirtschaftlichen Interessen SüdflawienS nicht immer auseinandergingen.

Ser Vatikan zur Palästina-Reise deS Erzbischofs von E nterbury.

London, 11. April. (TA.) Wie der,,Daily Herald" meldet, wird der Erabischof von Canter­bury, Dr. Lang, die Oftericiertage nicht in Jerusalem verbringen. Die Programmände­rung erfolgt mit Rücksicht auf den Vatikan. .Morningpost" berichtet, der Vatikan habe der brittschen Regierung mitgeteilt, dah er den Desuch Dr. Langs in Jerusalem nicht gern sehe. Die britische Regierung habe hiervon Kenntnis genommen, bisher aber noch keinerlei Zusage gemacht. Der Vatikan habe geltend ge­macht, dah ein Besuch der Heiligen Stätten durch den Primas der anglikanischen Kirche den Status quo ernstlich gefährde, der darin bestehe, dah die lateinische, griechische, kop- tssche und armenische Kirche anerkannte Rechte hinsichtlich Zeit und Ort für Kirchenfeierlichkeiten hätten, während die anglikanische Kirch« solche Rechte nicht besitze. Der Vattkan erhebe leine Einwendungen gegen den Desuch der Heiligen Stätten durch den Erzbischof von Canterbury a I s Privatperson. Im Hinblick auf die ge­spannte Lage in Palästina erscheine ein offi­zieller Besuch aber als durchaus un­angebracht. Der Vatikan verfolge mit Be­sorgnis die Möglichkeit einer Annäherung der anglikanischen und orthodoxe»