Ausgabe 
13.2.1931
 
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rüstung Deutschlands die übrigen Mit­gliedstaaten des Völkerbundes die Abrüstimgs- vorpflichtung bisher noch nicht erfüllt haben. Eine Entschließung, die die Not­wendigkeit einer baldigen Revi­sion der ReParativnSverpflichtun- gen betont, wird in namentlicher Abstimmung mit 314 gegen 56 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten hatten vor der Abstimmung erklärt, ihre Zustimmung werde unter der Vor­aussetzung gegeben, daß die Regierung selbst den politisch richtigen Zeitpunkt für den Revisionsantrag bestinunt. Das Gehalt des Außenministers wird gegen die Stim­men der Kommunisten und des Landvolkes be­willigt.

Oie zweite Beratung des Etats des Zreichswirtschastsministeriums.

Staatssekretär Trendelenburg betont, daß das Ministerium dem notleidenden w c st d e u t - fchen Erzbergbau stets sein besonderes Inter­esse zugewendet habe. Die Reichsregierung habe wegen der ungünstigen Finanzlage zunächst ae- glaubt, die nicht als Dauermaßnahme gedachte Unterstützung dieses Bergbaues im Rechnungsjahre 1931 a u f g e b e n zu müssen. Jedoch nach der Ver­schlimmerung der Lage im Sicgerländer Bergbau würde er es begrüßen, wenn sich die Weitergewah- rung der Unterstützung ermöglichen ließe. Dem preußischen Unterstützungsanteil von 400 000 Mark würde eine Unterstützung des Reiches in Höhe von 430 000 Mark entsprechen. Das Ministerium werde der wirtschaftlich richtigen Verteilung der öf­fentlichen Aufträge auch fernerhin beson° dcre Aufmerksamkeit widmen. Der Redner ver­weist ferner im Zusammenhang mit Fragen des mittclständischcn Gewerbes auf seine fortdauernden Bemühungen zur Bekämpfung der soge­nannten Schwarzarbeit imb des Wett­bewerbes der Regiebetriebe der öf­fentlichen Hand.

Abg. Tarnow (Soz.): Lieber dem Etat des Reichswirtschaftsministeriums steht die Zahl von über 5 000 000 Arbeitslosen. Wir lehnen den Standpunkt des Llnternehmertums ab, daß der Lohnabbau das einzme Mittel zur Beseitigung dev Krise sei. Die Regierung hat zwar diesen Standpunkt nicht im vollen Llmfange geteilt, aber sie hat die staatlichen Machtmittel angewendet, um den Lohnabbau zu unterstützen. Beim Preis­abbau haben sich die Machtmittel der Regierung leider nicht als wirksam erwiesen. Durch die Lohnsenkung ist auch der Weg zu einer vernünf­tigen Regelung der Arbeitszeit verbaut. Es ist ein sinnloser Zustand, daß in dieser Zeit eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht vorgenommen wird. (Zwischenrufe der Kommunisten.) Gewiß, auch wir wollen die gleichzeitige Lohnerhöhung bei Arbeitszeitverkürzung, sobald die Wirtschaft dazu in der Lage ist. Der einzige Erfolg, den die Nationalsozialisten mit ihrer ^Brechung der Zinsknechtschaft" erzielt haben, ist die Tatsache, daß sich seit ihrem Wahlsieg der deutsche Zins­stand um 2 Prozent gegenüber dem der übrigen Welt verschlechtert hat, und daß Deutsch­land auf diese Weise neu belastet wird mit einem Betrag, der in einem Jahre halb so groß ist wie unsere, gesamte Reparationslast.

Abg. Dr. Dessauer (Z.) weist darauf hin, daß die Arbeitslosen in Deutschland mit Ein­schluß ihrer Familienangehörigen nahezu ein Drittel der deutschen Bevölkerung ausmachen. Jeder Arbeitslose verliert monatlich etwa hun­dert Mark an Einkommen. Der Gesamtverlust an solchen Lohnsummen macht in Deutschland im Jahre vier bis fünf Milliarden aus. Lim diesen Betrag wird die innere Kaufkraft geschwächt. Den Hauptstoß erleidet dabei der gewerbliche Mittelstand. Die Minder­kaufkraft beträgt reichlich zehn Prozent der Klein- jhandelsumsähe. Ganz falsch ist die von man­chen Landbundführern verbreitete Meinung, daß Sie deutsche Industrie mit ihrer Arbeiterschaft E' nssermaßen a u f Kosten derLandwirt- a f t lebe. Im Gegenteil, die Toleranz der tschen Industrie und insbesondere der deut­schen Jndustriearbeiterschaft gegeiüiber den land­wirtschaftlichen Wünschen ist beispiellos. An di­rekten und indirekten Subventionen für die Land­wirtschaft werden auf Ko st en der steuer- zahlenden und der Konsumenten- s ch_i ch t annähernd vier Milliarden im Jahre aufgewandt, während für die Industrie nur ein winziger Bruchteil dieser Summe verbraucht wird. Wir stehen bewußt zu dieser Fürsorge für die Landwirtschaft, aber wir begreifen nicht, wie unter diesen Llmständen von gewissen Kreisen die landwirtschaftliche B'völkerung radikali­siert und gegen den Staat aufgereizt werden kann. (Lebhafte Zustimmung.) Die Tatsache ist nicht zu widerlegen, daß Deutschland zu La­sten seiner ganzen Konsumenten­schaft das am meisten ausgebaute Agrarzollsystem hat, das es jemals gab.

Berlin, 12. gebe. (TLI.) Die neue Agrar­vorlage, die im Reichsernährungsministerium be­reits Im wesentlichen fertiggestellt ist und Ende der Woche dem Reichskabinett zur Be­ratung zugeleitet werden soll, wird sich u. a. mit folgenden Punkten befassen:

DcrGesamtplan" für die Landwrri­sch a f t legt in einer Art von Denkschrift die Richtlinien für die künftige Agrarpolitik nochmals fest. Dabei wird auf die besondere Bedeutung dcr S e l b st h i l f e noch einmal ausdrücklich hin- gewiesen und sodann der Reichsbestel- lungsplan ergänzend umrissen. Auch die Be­deutung der Standardisierung wird ein« gehend gewürdigt. Sodann wird angegeben, welche Maßnahmen auf Grund der vorhandenen Gesetze durch einfache Verordnung erledigt werden kön­nen und welche Maßnahmen eine neue gesetzliche Verordnung erforderlich machen.

Bei den gesetzlichen Neuregelungen dürfte es sich vor allein um die Verlängerung der mit dein 31. März ablaufenden Zollermäch­tigungen, insbesondere für Getteide, ohne weitere zeitliche Begrenzung handeln. Sodann foli dem Reichsernährungsminister eine Ermäch­tigung für die Festsetzung der Zölle entsprechend dcr Wirtschaftslage (gleitende Zölle), für Der- edelungserzeugnisse und einige andere Produkte, in erster Linie für tierische Pro­dukte und H Ülsenfrüchte gegeben werden. Der Verwendungszwang inländi­scher Produkte dürfte auf Flachs, Zicho­rie und Kasein ausgedehnt werden. Mög­licherweise wird auch eine Erhöhung der De i m i s ch u ngs q u o t e für Kartoffel-

Schieles neue Agrarvorlage ferliggestellt.

Oer Reichsbestellungsplan. - Verwendungszwang für inländische Produkte.

Auch die Holzwirtschast einbezogen.'

spiritus zu Treibstoffen festgesetzt wer­den. Des weiteren ist u. a. die Dereitstelllung von 5 Millionen Mark zur Beendigung der Genossenschaftsrativnalisierung zu erwähnen.

Wie dieForstliche Rundschau" erfahrt, ist in dem Gesamtplan auch ein Teil der Forderungen der Forst- und Holzwirtschaft berück­sichtigt. Soweit Zollfragen in Betracht kommen, wird, ähnlich wie für Getreide und für Verede­lungserzeugnisse, künftig ein Gleitzvll für Holz vorgesehen. Wie bei den anderen gleich­artigen Zollmahnahmen werden keine festen Zollsätze genehmigt, ebenso wird über den Zeitpunkt einer Ausnutzung der Ermächti­gung nichts gesagt. Man darf annehmen, daß das Reichskabinett sich über die Ausnutzung die­ser Ermächtigung insgesamt erst schlüssig werden wird, wenn die Ermächttgung an sich gesetzlich beschlossen ist. 3m Gesamtplan werde die Auf­nahme von Holzverhandlungen mit Schweden und Oesterreich, um zu einer Kontingentierung zu kommen, vorge­sehen. Diese sollen den allzugefährlichen Aus­wirkungen der Meistbegünstigung die Spitze ab­brechen. Weiter wird die Möglichkeit der Ein­führung eines Verwendungszwanges für inländisches Holz erörtert. Ent­sprechende Ermächtigungen für die Reichsregie­rung sollen vorgesehen werden. Zunächst soll je­doch der vorläufige Reichswirtschaftsrat mit der Prüfung der technischen Durchführung von Ver­wendungszwang für Holz und andere Erzeugnisse beauftragt werden.

Die Zusammenlegung der pädagogischen Infliüile.

Darmstadt, 12. Febr. Im Finanzausschuß befaßte man sich weiter mit der Zusammenlegung der pädagogischen Institute Darmstadt und Mainz.

Der Landbund lehnte die Maßnahme ab, da hierdurch das flache Land noch mehr als bisher benachteiligt werde.

Don' volksparteilccker Seite wurde betont, daß man uie Konzentrierung der Lehrer­bildung in Mainz ablehne in Liebereinstimmung mit dem Landeslehrerverein. Der Staatspräsi­dent habe gewiß nicht die Absicht, die evangeli­schen Belange zu benachteiligen, aber er müsse doch auch auf die psychologischen Momente in der Mehrzahl des Hessenvolkes Rücksicht nehmen. Gerade in jüngster Zeit seien Dinge vorgekommen, die die in der Öffentlichkeit geäußerten Besorg­nisse rechtfertigten. Bei der Organisierung der beiden Jnstttute sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, das Mainzer Jnstttut einem katholischen, das Darmstädter einem evangelischen Direktor zu unterstellen. Bei der vorliegenden Situation möge man den bisherigen Zustand belassen. Die finanziellen Einsparungen seien nach den Worten des Ministers zahlenmäßig noch nicht festzustellen. Das Land vertrage aber konfessionellen Hader in gar keiner Weise.

Bon der Dolksrechtpartei wurde be­stritten, daß das Mainzer Institut billiger ar­beite als das Darmstädter. Die Stadt Darmstadt habe sich im übrigen bereit erklärt, einen Zu­schuß zu geben, womit der von der Regierung vorgebrachte Grund der Ersparnis hinfällig sei. Die Beurteilung der Angelegenheit nach konfessio­nellen Gesichtspuntten sei durchaus berechttgt, wenn auch der Evangelische Bund in seiner Stel­lungnahme etwas zu weit gegangen sei.

Der demokratische Vertreter betonte, daß erst durch die Befürwortung der Zusammen­legung durch die katholischen Organisationen eine konsessionelle Schärfe in die Angelegenheit hin­eingetragen sei. Die Lehrerschaft würde schwer enttäuscht und verbittert werden, wenn der end­liche Fortschritt der Hochschulbildung für die Leh­rerschaft durch die Zusammenlegung wieder ver­loren gehen sollte. Wer 1925 Berücksichtigung für Mainz gefordert habe, müsse jetzt auch die Inter­essen Darmstadts beachten.

Von Zentrumsseite wurden die kultur- polittschen Befürchtungen des Landeslehrervereins als grundlos bezeichnet. Die Regierung habe die Verpflichtung übernommen, unter den Städten einen Ausgleich der Interessen vorzunehmen. Erst durch den Kampf des Evangelischen Bundes sei die Frage der Zusammenlegung nach Mainz po- littsch gefärbt worden.

Die Sozialdemokraten erklärten, an der Simultanität und an der Hochschulbildung für die

Volksschullehrer festhalten zu wollen. Das Mainzer Institut könne auch Gießen an geschlossen werden, wohin die Lehrerbildung eigentlich gehöre. Es wurde der Antrag gestellt, die Regierung möge die Vorbemerkung im Etat mit der nachgesuchten Ermächtigung zur Zusammenlegung zurück- ziehen, da es sich lediglich um eine 23 er- waltungsmaßnahme handele.

Staatspräsident Dr. Adelung erklätte, die Vor­bemerkung zurückziehen zu wollen, wenn man die Entscheidung der Regierung überlasse. Der Minister bedauerte die Ueberspitzung, die sowohl vom Evangelischen Bund als auch von der Lehrer­schaft gekommen sei. Gewiß sei die Verlegung von Darmstadt nach Mainz für Darmstadt nicht ohne Bedeutung; doch müsse man betonten, welchen Nutzen Darmstadt aus der Fürsorge des Staates für die Technische Hochschule ziehe, deren Studentenzahl fast jedes Jahr eine Steigerung zu verzeichnen habe. Wenn es zur Zeit auch unmöglich fei, so werde in Gießen doch eine pädagogische Akademie eingerichtet werden, weil dort die Ausbildung relativ billi­ger komme als sonstwo. Bei der Zusammenlegung könnten rund 50 000 Mark gespart werden.

Das Landesiheaier.

Der Ausschuß schloß dann auch noch die Debatte über das Kapitel Landestheater ab, das wie im Vorjahre einen Staatszuschutz von 540 000 Mark vorsieht. 3n der Aussprache verlangte der Landbund Entstaatlichung. Der Staat könne sich auf keinen Fall mit einer höheren Summe beteiligen, als die Kosten betragen würden, die dem Staat bei Schließung des Theaters entstehen würden.

Die Sozialdemokraten- verlangten Aenderung des Lastenschlüssels, so daß der Staat 45 Prozent, die Stadt Darm- stadtdagegen55 Prozent zu tragen habe. Zur Zeit ist es umgekehrt. Die künstlerischen und Sparbemühungen der Theaterleitung verdienten Anerkennung.

Von Zentrumsseite wurde unter Hinweis auf das Kar sruher Theater eine Lastenv.r^eilung zwsichen Stadt und Staat int Verhältnis von 60 zu 40 verlangt.

Die Dolksrechtpartei lehnte eine 2üif- hebung des Landestheaters und eine andere Lastenverteilung ab, da noch genügend Einspa« rungsmöglick'keiten im Theateretat lägen.

Der Ausschuß betonte, das Landestheater zeige den ernstlichen Willen, mit den Nachbarbühnen zu­sammenzuarbeiten und weitere Einsparun­ge n vorzunehmen. Man dürfe nicht verkennen, daß Darmstadt heute schon höhere Zuschüsse leiste als die anderen Städte. Die Theaterleitung habe das Per­sonal in diesem Jahre um 48 Köpfe verringert.

Der franz-flsch-italienifche Flottenwettlauf.

Neue EinigungsbemüHungen Englands.

Paris, 12. Febr. (TU.) Der Sekretär des Fc-i reign Office, G r a i g e, weilt feit Sonntag in Pari -. Er hatte verschiedene Unterreoungen mit dem fran- zösischen Vertreter der Abrüstungsfragen im Völker­bund, Mafsigli. In oer französischen Presse kommt allgemein die Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck, daß Graige seine besondere Aufmerksam­keit auf Paris richtet, während das eigentliche Ziel feines Besuchs R o m jein müßte. Man versucht, die ganze Schuld für den Rüstungswettlauf zwischen Frankreich und Italien auf Mussolini und Grandi abzuwälzen, weil sie sich geweigert hätten, die fran« zösischen Vorschläge anzunehmen. DasSournaf* macht England darauf aufmerksam, daß Frankreich sich nie darum gekümmert habe, in einen- stungswettlauf mit Italien einzutreten. Das französi che Flottenbauprogramm sei lediglich vom Gesichtspunkt der Landesverteidigung aus bestimm und stelle ein Mindestpro- gram m dar. Wenn Graige nach Paris gekommen sei, um dessen Durchführung zu verhindern, so hätte er sich die Reise auch sparen können. DasOeuvre ist der gleichen Auffassung und unterstreicht, daß der erste neue französische Kreuzer mit dem deutschen Panzerkreuzer wetteifern müsse. **

Aus aller Welt.

Eröffnung des vatikanischen Senders.

Am Donnerstag, d-em neunten Jahrestage do« Krönung Papst Pius XI. fand in der Stadt to8 Vatikans die feierliche Eröffnung des üatilanv* scheu Senders statt. Das akusttsche Bild de« Feier, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Papstes stand, konnte auch von den deut­schen Rundfunkbörern deutlich ausgenommen wer­den. Nachdem der Papst die technischen Anlagen der Station besichtigt und den Sender durch Einschalten des Hesels um 16.40 Llhr in Betrieb ge.etzt hatte, kündigte der Erbauer der Station. Senator Marcvni, das Erscheinen des Papstes im Senderaum und seine zum ersten Male in toi? Geschichte des Papsttum es mündlich an die ganze Welt gerichteten Segens- und Friedensworte an, Der Papst ergriff um etwa 16.50 Llhr vor dem Mikrophon in lateinischer Sprache das Wort zu seiner Ansprache, die eine Viertelstunde gedauert hat, und mit dem apostolischen Segen, der urbi ex orbi verkündet wurde, ihren Ab- schluß fand.

Loyalilätserklärung der Heidelberger Studentenschaft»

Das Rektorat der Universität Heidelberg hat der Heidelberger Presse folgende Mitteilung zukommen lassen: DieDeutsche Studentenschaft Heidelberg hat an den Rektor der Universität ein Schreiben gerichtet, worin sie ihr Verhalten, soweit es eine Kränkungvon Rektor und Senat in sich barg, gufMißverständnissezurück- führt und nach Aufklärung den Sachverhalt be­bau e r t. DieDeutsche Studentenschaft Heidelbergs spricht weiter die Hoffnung auf eine vertrauens, volle Zusammenarbeit zwischen der Do­zentenschaft und ihr aus.

Ausreise des Panama-Dampfer»Vogtland".

Der DampferVogtland" der Hamburger Ree­derei Vogemann, dessen Flaggen wechsel großes Aufsehen erregte, hat mit vollzähliger Be- satzung unter der Flagge von Panama die Ausreise nach Mittelamerika angetreten.

wieder Erdbeben auf Neuseeland.

In der ganzen Provinz Otago, dem südlichen Teil der Südinsel, wurden Erdstöße von unter­schiedlicher Stärke wahrgenommen. In üuccn- stown stürzten Schornsteine von den Dächern, auch in Dunedin wurde das Beben verspürt. Sie telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit dem Gebiet an der Hawkes- Bucht auf der Nordinsel, dem Schauplatz der folgenschweren Erdbeben der letzten Wochen, find wiederum unterbrochen.

Schweres Rodelunglück.

Aus der steil abfallenden Landstraße von Neue- rode nach Grebendorf bei Eschwege rodelten drei junge Leute noch bis spät in den Abend hinein. Bei einer Talfahrt sauste der mit den jungen Leuten besetzte Schlitten mit voller Wucht gegen einen Chausseebaum, wobei einem 22jähri- gen jungen Mann das Bein zersplittert wurde. Die beiden andern Rodler tarnen mit dem Schrecken und mit leichteren Verletzungen davon. Der Schwerverletzte wurde in das Eschweger Lan­deskrankenhaus gebracht, wo ihm das Bein ab­genommen werden mußte.

Verlust von 20 Milligramm Radium.

Der Arzt Dr. W a l l o n erschien auf einem Pariser Polizeikommissariate und er* klärte, er habe auf der Straße er gab genau die Strecke zwischen einer Reihe von 50 Häusern an zwei kleine Röhren mit je 10 Milligramm Radium verloren.

Das Gas brennt nicht!

Eine verkaterte Geschichte von Georg Mühlen-Schulte.

Schlick und Labes, die bei der Witwe Sittich ein Zimmer mit Küchenbenuhung innehaben, steuern nach aufreibender Klubfitzung heim.

Mit gutem Winde gelangen sie an die zu­ständige Haustür. Auch das Schlüsselloch bereitet feine nennenswerten Schwierigkeiten, denn der Mond lächell dem Llnternehmen, und die Sterne haben eine glückliche Konstellation.

Wir müßten", sagt Schlick oben,wir müßten uns noch einen Grog bereiten.

Das ist eine gute Idee! Grog ist eine sehr gute Idee! pflichtet Labes bei.Mach' das Wasser heiß, ich geh' derweil ton Rum und den Zucker suchen."

Schlick begibt sich in die Küche. Er ist auf- richtig bemüht, eine Gasflamme auf dem Herd zu erzeugen. Aber das Gas brennt nicht.

Ich kann mir denken, woran das liegt", äußert Labes, der mit dem Rum auf taucht. Das Gas bat keinen Druck. Wir müssen Wasser in ton Mehapparat gießen."

Die Freunde nehmen je einen Tassenkopf voll Rum zur Stärllmg zu fich. Darauf schaukelt Labes nach dem Korridor. Er schraubt die obere Verschlußkapsel des Gasmessers ab. Er schraubt die untere Verschlußkapsel ab. Er steckt einen Trichter in das obere Loch. So hat er es von dem Mann gesehen, der allmonatlich einmal kommt, um nach dem Befinden tos Gasmessers zu gucken.

Behutsam schüttet Labes Wasser in ton Be­hälter. Einen ganzen Liter.

Brennt's jetzt?^ fragt er Schlick.

Kein Gedanke!" antwortet Schlick. Dabei wirst er mit übertriebenem Eifer eine Kaffeekanne auf die Erde. Denn er hat sich an dem Streich­holz die Pfote versengt.

Labes gießt einen zweiten Liter Wasser in ton Apparat. Lind danach einen dritten. Aber das Gas ist dickköpfig. Es brennt nicht. Absolut nicht.

So wirst du es nicht schaffen!" äußert Schlick und schleppt einen Eimer voll Wasser heran.

Labes entleert ihn in den Apparat. Schlick holt einen neuen Eimer voll.

Es ist unglaublich, was so ein kleiner Kasten säuft!" stöhnt er nach dem sechsten Ebner.Da ist unsereins ein Waisenknabe dagegen."

Die Waisenknaben nehmen einen neuen Schluck Rum ä conto des in Aussicht stehenden Grogs. Danach flößt Labes dem Gasmesser den siebenten Eimer Wasser ein.

Schlick läuft nach dem achten.

And dann nach dem neunten.

Diese Sache ist eine Ehrensache geworden. Diese Sache muh ausgetragen werden. In dieser Sache darf es keinen faulen Frieden geben.

Beharrlich schüttet Labes Wasser in das obere Spundloch. Beharrlich läuft das Wasser zu dem unteren Spundloch wieder heraus.

Mit der Zeit merkt Labes, daß ihm die Flut bis über die Knöchel steigt.

Schlick, sagt er,ich glaube, wir haben ein Leck."

Sehr ärgerlich!" antwortet der andere. Wahrscheinlich sind wir in der Dunkelheit auf ein Riff gelaufen.

Schlick", fährt Labes fort,siehst du die Austernbank da drüben?"

Ja."

Mir scheint, es liegt ein Seehund darauf. Rudere hinüber und versuch', ob du ihn erlegen kannst."

Schlick lichtet ton Anker. Drüben hebt er den Fuß und tritt kräftig nach dem Seehund.

Dann ruft er herüber:Lobes, es ist keine Austcrnbank. Es ist dein Lieberzieher. Es ist auch kein Seehund. Es ist der Strohhut von Frau Sittich."

Labes kommt dahinter, daß der untere Ver­schluß des Apparats offdn ist. Er schraubt ihn zu.

So!" bemerkt er zufrieden.Das Wasser kann jetzt nicht mehr rauSlausen. Wir werden es jetzt vom Fußboden in den Trichter zurückschöpfen."

Meinst du, daß wir alles Wasser hinein- friegen?" fragt Schlick zweifelnd.

Warum denn nicht?!" erwidert Labes mit durchdringendem Scharfsinn.Das Wasser ist rausgekommen aus dem Kasten, also muh es doch auch wieder reingehen."

Schlick und Labes arbeiten hart. Längst ist der Apparat gefüllt, und das Wasser läuft über. Aber das merkt man bei dem Dämmerlicht der Korridorampol nicht so.

Nach einer Welle sagt Labes verzweifelnd:

Ich finto, das Hochwasser, in dem wir stehen, senkt sich nicht. Nimm einen Besen und lote mal."

Schlick weih, daß die Besen im Badezimmer stehen. Gr paddelt hinüber, erwischt in der Dun­kelheit einen Schrubber und senkt ihn in das Decken tot Toilette.

Es sind mindestens drei Faden!" meldet er. Ich kriege keinen Grund mehrt"

Dann hiß einen Notwimpel und Iah un8 eine Weile ruhen!"---

Im Morgengrauen kehrt Frau Stttich vom Witwenball heim. Schlick und Labes schnarchen, an die Gasuhr gelehnt, den Schlaf der Gerechten. Mit Armen und Deinen hallen sie einen Besen­stiel umklammert. An dem Stiel ist Frau Sittichs weißer Jumper befestigt.

Hcrrdumeinegüte, was ist tonn hier loST interpelliert Frau Sittich die Schiffbrüchigen.

Mühsam erheben fich Schlick und Labes. Schlick macht die Honneurs. Er lotst Frau Sittich nach der Küche. Schlick entzündet ein Streichholz und hält es an den Gasbrenner.

Wir wollten uns etwas Kaffee wärmen, Frau Sittich, aber das Gas brennt nicht."

Olein, cs brennt nicht!" bestätigte Labes und steckt die of,cne Rumpulle verkehrt in die Hosen­tasche.Es brennt nicht, obgleich wir neununb» dreißig Eimer Wasser in den Lchparat gegossen haben."

Na, ihr betrunkenen Strolche", tobt Frau Sittich los,wie soll tonn auch das Gas bren­nen, wenn ihr den Hahn nicht aufdreht?!"

An Leib und Seele gebrochen, schleichen die Seeleute ein wenig später in ton Schlafraum und zurren Hängematten.

Hochschulnacbnchien.

Dem Ordinarius der deutschen Philologie, insbe­sondere der älteren germanischen Philologie, an der Fran kf urter Universität Dr. Hans Naumann ist die erstmalig zu vergebende neugestiftete Ga> vrofessur der Kuno-Francke-Stiftung an der Havard» Universität in Cambridge (USA.) angeboten worden.