Ur. 37 Erster Blatt
W. Jahrgang
Zreitag, 15. Februar 193 {
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Ze.nisvrechanftdlSsse enterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Oietzen.
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr Friede. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr WUH. Gange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein und für den Anzeigenteil Mar Fitter, sämtlich in Gießen
Protestkundgebungen der Rechts-Opposition.
Die Nationalsozialisten.
Berlin, 12. Febr. (LU.) 3n einer Massenkundgebung der Nationalsozialisten im Berliner Sportpalast erklärte der Landtagsabgeordnete Äu be: Bon Tag zu Tag steige die Äervosität der Gegner des Nationalsozialismus. Ungesetzlichkeiten gegen die NSDAP, seien an der Tagesordnung. Doch habe die Partei keinen Grund, die Nervon zu verlieren. Denn die Vorgänge der letzten Zeit seien die Rechtfertigung des zwölfjährigen Kampfes. Es sei die Schuld weitester Kreise des deutschen Bürgertums, daß sie immer wieder die Splitterparteien der Mitte gewählt und dadurch die Auseinandersetzung zwischen Nationalsozialismus und Marxismus hinausgeschoben hätten. Wenn sich die Mittelparteien jetzt gegen den Nationalsozialismus wendeten, so sei es zu spät. Die Gewaltmittel der Negierungen würden nichts helfen, die heutigen Machthaber mühten beim die machtvolle Innen- und Außenpolitik treiben, nach der das Volk verlange. Der Weg zur Macht in Deutschland gehe über Preußen. Daß sich die Nationalsozialisten im Kampf um Preußen keiner Aktion versagen würden, die geeignet sei, das Kabinett Brauw-Severing zu beseitigen, sei selbstverständlich. Ein Wink dos Führers genüge, um die nationalsozialistischen Wähler auch hierfür einzu sehen.
Neichsiagsabg. Dr. Göbbels betonte, daß die Terrormethoden der Gegner ins Gegenteil ihres Zweckes umschlagen müßten. Auch angesichts des blutigsten Terrors werde die Bewegung den Beweis dafür erbringen, daß sie zur Schicksalsgestaltung in Deutschland berufen sei. Der Nationalsozialismus stehe heute in der dritten Etappe seiner oppositionellen Entwicklung. Die Opposition schicke sich an, das Heft in die Hand zu nehmen, gestählt durch Verfolgung, Verleumdung, Verbote und Derfassungsbruch. Von 32 nationalsozialistischen Tageszeitungen seien augenblicklich 30 v erbot e n. Dem „Noten Adler" sei ein Verbot angedroht worden, wenn er die letzte Neichstags- rede Göbbels abdrucke. 3n über 300 Fällen habe man die Immunität nationals ozia- listischer Abgeordneter aufgehoben, während sich früher die Sozialdemokratie vor Verfolgung wegen Meineides und Landesverrats hinter die Immunität verschanzt habe. Angesichts der verfassungsbrechenden Abänderung der Geschäftsordnung hätten die Nationalsozialisten dem Reichstag den Rücken gewandt und seien zum Volk zurückgekehrt. Sie verzichteten aus die Diäten zugunsten der Arbeitslosen. Die Nationalsozialisten würden jetzt das Volk zum Kampf gegen den Tributreichslag aufrufen. Sie würden in den Reichstag zurückkehren, aber mit dem Volk. Das Ausland solle sich hüten, Beschlüsse dieses Rumpfparlaments als bindend an zu sehen. Der Reichstag habe das Recht verwirtt, im Namen des Volkes zu handeln. Ein kommender Staat werde über seine Beschlüsse zur Tagesordnung übergehen.
Die Deuischnationalen.
Berlin, 12. gebr. (TU.) Die Deutschnationale Volkspartei veranstaltete am Donnerstagabend eine öffentliche Protestkundgebung gegen die letzten Borgänge im Reichstag.
Oer Vorsitzende der NeichStagS- fraktion Dr. Oberfohren
führte aus alles, was feit dem 14. September von feiten der Regierung und der Mehrheitsparteien geschehen fei, habe nur das eine Ziel gehabt, die Folgen der Reichstagswahl hintanzuhalten. Die Regierung Brüning sei überhaupt nicht verfassungsmäßig zustande gekommen, da sie niemals gewagt habe, den Reichstag um das Vertrauen anzugehen, ja nicht einmal gewagt habe, sich durch ein abgelehntes Mißtrauensvotum ein indirektes Vertrauen ausstellen zu lassen. Die Regierung Brüning habe bis heute durch vier Steuerwellen dem deutschen Volke eine Neubelastung von 3,5 Milliarden Mark gebracht. Die Reparationsfrage müsse unausgesetzt in das Zentrum der Weltöffentlichkeit gestellt werden, damit endlich klar werde, daß das deutsche Volk unfähig sei, diese Tributleistungen zu zahlen.
Reichstagsabgeordneter Gräf-Thüringen bezeichnete das Vorgehen der Reichstagsmehrheit als unerhörte Gewalttat. Man habe hinterhältig unter dem Vorwand einer Geschäftsordnungabänderung mit einfacher Mehrheit Maßnahmen beschlossen, die einer Zweidrittelmehrheit bedurft hätten. Das Kabinett Brüning habe eine Lebensversicherungspolice bei Herrn Braun genommen, für die aber die Prämie nicht zu knapp in Preußen bezahlt werden müsse. Die Immunität der Reichstagsabgeordneten, die der nationalen Opposition angehören, fei mit einem Federstrich beseitigt worden. Was am vorigen Montag gemacht worden sei, sei der kalte Staatsstreich.
NeichSiagSabg.v.Kreytag Loringhoven betonte, die deutsche Ocffentlichkeit muffe darüber aufgeklärt werden, daß Erfüllungs- bereitschaft, die die Maske des Freiheitswillens trage, noch schädlicher und verderblicher sei als der unverhüllte Llnterwer- fungSwille. 3n der Po lens rage sei in Genf nichts erreicht worden. Curtius habe immer noch
nicht begriffen, daß Paneuropa eine Sicherung für Versailles bedeute. Das Auswärtige Amt hoffe, bet der Abrüstungskonferenz eine Herabsetzung der Tributlasten erzielen zu köimen. Es vergesse, wohin das „Junktim" zwischen Rheinlandräumung und Reparationen uns geführt habe. Notwendig seien nicht Teillösungen, sondern die Aufrollung der Revisionsfragc in ihrer Gesamtheit.
Professor Spahn bezeichnete es als besonders kennzeichnend, daß dir Regierung gerade in dem Augenblick, da die große Auseinandersetzung zwischen ihr und ber Opposition vor der Türe gestanden habe, durch ihre Mehrheitsparteien die Stinkbombe der Geschäftsordnungsanträge in die Reichstagsverhandlungen habe hineinschleudern lassen.
Reichstagsabgeordnetcr von Oldenburg- Ja n u s ch a u , mit unaufhörlichem Beifall überschüttet, erklärte u. a., wenn den Deutschnatio- nalcn vorgcworsen werde, daß sie mit den Nationalsozialisten zusammen aus dem Reichstage gegangen seien, so entgegne er: .Wenn ich nicht Deutschnationaler wäre, dann möchte ich Nazi sein."
Auf den laut geäußerten Wunsch der Versammlung nahm dann
der parteivorsitzende Hugenberg
das Wort. Er könne der Versammlung nicht viel anderes sagen, als daß die Dinge heute in Deutschland auf des Messers Schneide ständen. Die Äugend verlange von der nationalen Opposition in Deutschland, daß die Dinge geändert würden, daß wir von Grund auf die Verhältnisse in Deutschland umkehrten. Was solle aus diesen jungen Menschen werden, wenn dieser revolutionäre Geist enttäuscht werde, wenn sie schon in ihrer Äugend ein zerstörtes Leben vor sich sähen. Das System von heute sei unmöglich. Die Entscheidung nahe, und er könne einem jeden nur zurufen: „Halten Sie in den nächsten l'/r Äahren Ähr Herz aufrecht und Ähren Willen fest. Seien Sie sich dessen bewußt, daß jedes Privatinteresse unbedeutend ist gegenüber dem Änteresse. daß jeder einzelne im deutschen Volke an der politischen Zukunft, an der politischen Entwicklung dcr nächsten Monate unö des nächsten Äahres hat." Er könne den deutschen Mitbürgern für die nächste Zeit nicht viel Freuden in Aussicht stellen, sondern müsse ihnen ehrlicherweise sagen: Mit Schmerzen mühten wir hindurchgchen durch-das, was uns bevorstehe. Aber wir würden, wenn
wir diesen Weg mit festem Willen gingen, schließlich auch wieder zu dem alten Worte Schillers kommen: Kurz ist der Schmerz und ewig wahrt die Freude!
Der Veichsinnennnnister zur politischen Lage.
Wirth üvcrdcnAutzzug dcr radikalcnRcchtcn
Berlin, 12. Febr. (TU.) Am Donnerstagabend sprach Reichsinneilminister Dr. Wirth im Rundfunk über die politische Lage. Er betonte, daß die Regierung der Mitte mit ihrem Willen zur Staatsführung auf demokratischer Grundlage immer mehr anerkannt werde. Auch die S o z i a l d e m o l r a- t i e fei zu einer staatspolitischen Haltung ein- aeschwenlt und habe ihre große Mandatszahl zur Mehrheitsbildung zur Verfügung gestellt. Dies sei für den Radikalismus der Linken und für die n a t i o n a 1 f o ,3 i a l i ft i f d) c Bewegung eine große Enttäuschung gewesen. Eine zweite Enttäuschung für die Nationalsozialisten sei die Betätigung im Reichstag gewesen, wo Schlagworte der Gefühlswelt durch vernünftige Erwägungen erledigt würden. Die Nationalsozialisten feien daher in die ersten Zeiten der Arbeiterbewegung zurück- gefallen. Ihre Flucht aus dem Parlament fei die Bekundung * reaktionärer Gesinnung. Die Nationalsozialisten seien eben auf bem parlamentarischen Boden unsicher geworden. Sie hätten die Gefahr erkannt, vorn deutschen Volke burchschaut zu werden. Wirth wandte sich dann auch gegen d i e D e u t s ch n a t i o n a l e n und kritisierte ihren Auszug aus dem Reichstag. Wenn der Radikalismus der nationalen Idee glaube, so führte er aus, mit dem Radikalismus der Nationalsozialisten parallel manövrieren zu müssen, so stünde es um die bürgerliche Ideologie sehr schlecht. Den Plan der Bildung eines Rumpfparlamentes der Rechten nannte Wirth eine Kinderei. Gegen einen derartigen revolutionären Schritt werde jede Reichsregierung energifch vorgehen müssen. Mit deutlicher Wendung gegen die Nationalsozialisten betonte Wirth endlich, daß biejenigen, bie einen neuen Abschnitt in ber deutschen Geschichte einleiten wollten, bei allem ihren Tun bebenfen müßten, daß sie erst vor kurzem die Legalität vor dem Leipziger Gerichtshof beschworen hätten. Man könne draußen stehen und legal bleiben. Man könne aber nicht auf Legalität pfeifen, indem man glaube, eine neue Welle der Unruhe in das deutsche Volk tragen zu dürfen.
Haussuchung beim Berliner Sturmführer der Nationalsozialisten.
Berlin, 12. Febr. (TU.) In Erledigung eines in ber Totschlagssache Schneiber-Graf ergangenen Beschlusses bes Untersuchungsrichters würbe laut Mitteilung bes Polizeipräsibenten heute morgen eine Durchsuchung ber Geschäftsräume bes sog. Obersten Sturmführers, Hauptmann a. D. Stennes, seiner Privatwohnung sowie ber Geschäftsräume bes Gausturms Berlin in ber Hebe- mann-Straße, ferner ber Wohnungen bes Gau - sturmführers, ber engeren Mitarbei - ter unb Stanbartenführer unb ber für ben Wohnbezirk ber gesuchten Personen zustänbigen Bezirks - und Sektionsführer ber Nationalsozialistischen Partei von Beamten der politischen Polizei vorgenommen. Die Durchsuchung bezweckte die Feststellung bes Aufenthalts ber gesuchten Becker unb Hauschke. Die Ermittlungen finb noch nicht be» enbet.
Im Zusammenhang mit ben Haussuchungen bei ben Organisationen bei ben Nationalsozialisten veröffentlichen einige Berliner Abenbblätter Material, bas bem Nachweis bienen soll, bah bie Urheber ber Tiorbtat in ber Hufelanbstraße in ber Silvesternacht an den Reichsbannerleuten Schneider und Graf unter Mitwirkung einer Ge- heimorganisation der Nationalsozialisten ins Ausland geflüchtet seien. Einer der Mordverdäch- tigen, ber 19jährige Maurerlehrling Kollatz, war auf ber Flucht ins Auslanb bei Kufstein verhaf» t c t worben. Kollatz soll bie Absicht gehabt haben, sich am Tage nach ber Tat freiwillig ber Polizei zu stellen, fei aber voy ben beiden anderen Tätern Becker unb Hauschke bahin bestimmt worben, baß er abwarten müsse, was seitens ber Vorgesetzten in ber Partei angcorbnet werbe. Die Täter seien bann nach tjelbberg in Mecklenburg beorbert und von einem Nationalsozialisten mit Abzeichen auf dem dortigen Bahnsteig in Empfang genommen und untergebracht worden. Am anderen Morgen seien Hauschke und Becker über München nach Oberau fchderg gereift, wo sie sich bei lieben schreiten der Grenze bei dem Parteigenossen Maltiz melden sollten. Kollatz fei nach dem Bauerngutshof des Sturmführers Walter K o ch in Rülow bei Glienicke gebracht worden.
Die Durchsicht des bei den Haussuchungen gefun- denen Materials ist noch nicht abgeschlossen. Wie aus den Mitteilungen der Polizei hervorgeht, hat sich bisher ergeben, daß gewisse Beziehungen zwischen den Berliner Stellen der NSDAP, und einer ausländischen nationalsozialistischen Stelle bestanden haben, die darauf hinliefen, die wegen politischer Straftaten verfolgten Parteiangehö» rigen ins Ausland abzuschieben. Unter den befrag» nahmten Schriftstücken fand man auch den Brief
eines früheren 'Beamten eines Reichs- Ministeriums, ber als Parteigenosse ber Gau- kitung ber Nationalsozialisten Material aus feiner Behörde und seinem Dienstbereich zur Verfügung stellen wollte. Dem Ministerium ist von ber Polizei über biefe Feststellung Bericht erstattet worben. Gegen ben Beamten wird ein Disziplinarverfahren auf Dienst- e nt l a f f u n g eingeleitet werden. Im Laufe bes heutigen Bormittags soll ber gestern in Felbberg verhaftete Quartiermeifter Scheibner im Untersuchungsgefängnis in Moabit bem unter Morbver- bacht in Haft befinblichen Maurerlehrling Kollatz gegenübergestellt werben.
Eine Darstellung der Berliner Gauleitung der NSDAP.
Berlin, 12. Febr. (TU.) Lieber die Haussuchungen bei ber SA.-Führung am Donnerstagvormittag gibt auch d i e Gauleitung der NSDAP, eine Darstellung heraus, in der es u. a. heißt: Etwa 40 Beamte erschienen in einem Llebcrfallkommanbv und durchsuchten das ganze Haus. Sämtliche Schreibtische wurden erbrochen. Zu bemerken sei. daß die Haussuchung kurze Zeit nachdem der Osaf-Führer, Hauptmann Stennes, fortgefahren war. vorgenom- men wurde. Auch die gestrige Haussuchung bei dcr SA. in München sei in Abwesenheit der Führer vorgenommen worden. Die Aktion dauerte den ganzen Vormittag. Mehrere Körbe mit Schriftstücken wurden mitgenommen, ebenso sei eine Kartei beschlagnahmt worden. Unter den erbrochenen Schränken befinde sich auch der des Reichstagsabgeordneten Haucke.
Große Sommerpause des Reichstags.
Parteisiihrerbcfprcchungcn beim Kanzler.
Berlin, 13. Febr. (END.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing gestern am späten Nachmittag im Reichstag d i e Führer mehrerer Parteien. Mit der Landvoltpartei wurde in erster Linie über das Osthilsege - s e tz gesprochen das das Kabinett am Samstag beschäftigen soll. Die Besprechungen mit den Führern der Sozialdemokraten erstreckten sich auf die gesamte parlamentarische Lage. Man rechnet damit, daß der Reichstag sich nach Erledigung der ihm in seiner Wintertagung gestellten Aufgaben, insbesondere nach Verabschiedung Des Etats, also voraussichtlich Ende März,
bis in den späten Herb st vertagen werde, wobei dem Präsidenten allerdings die Ermächtigung erteilt würde, ihn im Bedarfsfälle auch früher einzuberufen. Die lange Sommerpaufe würde dann von der Regierung vor allem für die Ausarbeitung dcr nötigen Reformentwürfe für die Arbeitslos enversicherung. die Knappschaftsversichcrung und andere durch die Finanzlage erforderlich gewordenen Vorlagen benutzt werden. — Nach dem Empfang beim Reichskanzler trat der sozialdemokratische Fraktionsvorstand zu einer 'Besprechung über die dort behandelten Fragen zusammen, ah der u. a. auch der Preußische Ministerpräsident Dr. Braun unb Reichstags- Präsident Lobe teilnahmen.
Abschluß der außenpolitischen
Debatte im Reichstag.
Berlin, 12. Febr. (VDZ.) Auf der Tagesorb- nung steht bie Wahl eines Vizepräsiben- ten unb zweier Schriftführer. Es hanbelt sich babei um Ersatzwahlen für bie aus bem Vor- ftanb ausgeschiebenen Nationalsozialisten. Vor Gintritt in bie lagesorbnung fragt '2lbg. Dr. Weber (Stp) an, ob bie Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen, bie jetzt bem Reichstage fernbleiben, orbnungsmäßig um Urlaub nachge - sucht haben. Wenn bas nicht geschehen fei, so muffe an bie Geschaftsorbnungsbestimmung erinnert werben, bie alle Abgeordneten verpflichtet, f i ch an ben Arbeiten bes Reichstages z u beteiligen. Der 2lcltcftcnrnt sollte sich in einer feiner nächsten Sitzungen mit dieser Frage beschäftigen. (Beifall.)
'21 bg. Aufhäufer (Soz.) fragt ben Präsidenten, ob tatsächlich bie Nationalsozialisten — wie es in ber Presse heiße — ihre Diäten ben E r - merbslofen zur Verfügung g e ft eilt haben und um welche Summen es sich anbei hanbelt.
Präsident Lobe erroibert, Urlaubsgesuche feien von ben Abgeordneten der Parteien, bie den Verhandlungen ferngeblieben sind nicht eingereicht worden. Das Fernbleiben von Abgeordneten sei auch früher vorgekommen. So habe der '21 bg. fiubenborff jahelang gefehlt, unb auch Frau Zetkin (jlom.) fei lange Reit durch Krankheit und politische Missionen nach Rußland bem Reichstage ferngehalten worben. Sie hat aber jedesmal ordnungsgemäß um Urlaub nachge - sucht. Von Abg. Dr. Frick (Rats.) ist am 10. Fe bruar ber Antrag eingegangen, bie durch Verzicht der nationalen Opposition frei werdenden Diäten ben Erwerbslosen z u überweisen. Ganz abgesehen von ber Antwort, bie ich Dr. Frick erteilt habe, steht bie Sache so, baß alle national- sozialistischen Abgeordneten, Kranke unb Gesunbe, am 1. Februar ihre Diäten für ben ganzen Monat, für bie Sitzungstage wie für bie sitzungsfreien, erhoben haben. Es steht also kein roter Pfennig bisher zur Verfügung. (Lebhafte Hört, Hört!-Rufe unb Heiterkeit.)
$ür die Wahl des Vizepräsidenten schlägt Abg. Leicht (Bahr. Dp.) den Abg. v. K a r d o r s s (D.Bp.) vor.
Abg. Dohr ich (Lv.) erklärt, feine Freunde würden sich an der Wahl nicht beteiligen, weil nach ihrer Meinung die jetzt noch vorhandenen beiden Vizepräsidenten genügen.
Abg. D i n g e l d e y (D. Dp.): Auch die Volkspartei würde die jetzige Besetzung des Vorstandes für ausreichend halten. Nachdem aber die Mehrheit des Aeltestenraies sich für die Ersatzwahl entschieden hat, halten wir die Wahl eines bürgerlichen Abgeordneten für zweckmäßig.
Die dann durch Stimmkartenabgabe vorgenommene Wahl ergibt die Wahl des Abg. Frhr. v. Kardorsf zum Vizepräsidenten an Stelle des Abg. Stöhr mit 258 Stimmen.
Die Abstimmungen zum Etat des Auswärtigen Amtes.
Der kommunistische Antrag auf sofortige Einstellung der Zahlungen aus dem Voungplan wird in namentlicher Abstimmung mit 314 gegen 58 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt.
Mit 247 gegen 124 Stimmen bei zwei Enthaltungen wird dann ein Antrag Döbrich (Lv.) abgelehnt, wonach die im Poungplan vorgesehenen Schutz - und Revisionsmög- lichkeitensosortergrif sen werden sollen und darüber hinaus auf die völlige Beseitigung der untragbaren Reparationslasten hingewirkt werden soll.
Gegen die Stimmen der Kommunisten und des Landvolks wird Liebergang zur Tagesordnung über alle deutschnationalen und nationalsozialistischen Antrags beschlossen E ne Ausnahme bildet nur der nationalsozialistische Antrag auf Kündigung der deutschen Mitgliedschaft im Völkerbund. Dieser Antrag wird in besonderer Abstimmung gegen die Kommunisten und das Landvolk abgelehnt.
Angenommen w rd die Entschließung der Mittelparteien, die eine internationale unparteiische Untersuchung der Weltkrieg s- ur s achen fordert, um der Behauptung von der deutschen Alleinschuld ein Ende zu machen. In einer weiteren gegen die Stimmen der Kommu- nisten angenommenen Entschließung wirb dagegen protestiert, daß trotz der einseitigen Ab-


