Ausgabe 
13.1.1931
 
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Oie wirtschaftlichen Gpihenverbände gegen die Arbeitsdienstpflicht.

Eine Besprechung im NeichSarbeitsministenum. - Sin Jahrgang jugendlicher Oienstpflichiiger würde 1,35 Milliarden kosten.

Berlin, 12.3an. (WTB.) Das Reichs» arbettsministerium hatte die Spitzenver­bände der Wirtschaft und einzelne Persönlich­keiten zu einer Aussprache über die Frage der Arbeitsdienstpflicht eingeladen. Staats­sekretär Dr. ® c i6, der die Aussprache leitete, wies darauf hin, daß man sich bei dieser Aus­sprache nur mit der speziellen Frage der Ar­beitsdienstpflicht befassen wolle, nicht aber, wie ein Teil der Presse vermutet hat, auch mit den bekannten Anregungen des Finanzministers Dietrich über eine produktivere Gestaltung der Arbeitslosenfürsorge. Bei der Behandlung der Frage der Arbeitsdienstpflicht würden stets zwei Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt, der sozialpolitische und der w i r t s ch a f ts- politische. Die Frage der Arbeitsdienstpflicht müsse aber auch von der sozialpädagogi­schen und von der finanzpolitischen Seite gesehen werden.

Ministerialrat Dr. L e h f e l d t wies darauf hin, daß in der Arbeitslosenversicherung zur Zeit je Kopf und Monat einschließlich der Verwaltungskosten rund 8 0 Mk. gezahlt wür­den. Die Arbeitsdienstpflicht würde erheb­lich mehr ko st en. Würden in der Arbeits­dienstpflicht auch nur 50 Pf. Lohn gezahlt, so stelle sich der Aufwand auf rund 15 8 0 Mk. jährlich. Werde Tariflohn gezahlt, so ergäbe sich eine weitere Erhöhung um 13 5 0 Mark im Jahre. Besonders wichtig sei die Frage der M a t e r i a l k o st e n. D'.e Kcsten eines Dienstpflichtigen würden sich bei günstigster Be­rechnung auf kaum weniger als 10 Mk. je Arbeitstag stellen, also auf 3000 Mk. im Jahre. Mithin kosteten 100 000 jugendliche Dienstpflichtige mindestens 300 Millio­nen Mark im Jahr gegenüber etwa 72 bis 80 Millionen Llnterstühungsaufwand. Ein Jahrgang jugendlicher männlicher D i e n st p f l i ch t i g e r, der abzüglich der zu Be-

fxeienden etwa 450 000 Dienstpflichtige umfassen würde, würde daher mindestens 1,35 Milliarden Mark kosten.

In einer eingehenden mehrstündigen Aus­sprache lehnten die Vertreter der Wirtschafts­verbände der Arbeitgeber und der Ar­beitnehmer die Einführung der Arbeitsdienst- pflicht, insbesondere aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen a b. Die Ablehnung erfolgte aber auch aus dem Grunde, weil man sich er­fahrungsgemäß von einer erzwungenen Arbeit keine befriedigenden Ergeb­nisse versprechen könne. Außerdem bezweifelte man, ob überhaupt genügend Arbeitsge­legenheiten beschafft werden könnten, ganz abgesehen von den schon erwähnten Schwie­rigkeiten der Kapitalbeschaffung. Auch wurde auf die großen organ isatori- schen Schwierigkeiten (älnterkunft, Ver­pflegung usw.) hingewiesen. Das Handwerk hat in seinen Organen au der Frage der Ar­beitsdienstpf.icht noch nicht Stellung ge­nommen. Allgemein wurde gefordert, daß das Material über die Frage veröffentlicht werde. Die Versammlung gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß das Reichsarbeitsministe­rium auch weiterhin diesen Jugendlichen seine besondere Fürsorge angedeihen lasse.

Im Anschluß an die Frage der Arbeitsdienst­pflicht wurde die Frage erörtert, inwieweit die Bestrebungen auf Einführung eines frei­willigen Arbeitsdienstes, insbesondere für jugendliche Arbeitslose, gefördert werden könnten. Die meisten Vertreter hatten auch gegen diese Art des Arbeitsdienstes ähnliche Bedenken wie gegen die Arbeitsdienstpflicht. Die Versammlung ggb schließlich dem Wunsche Aus­druck, daß dos Reichsarbeitsministerium auch weiterhin den jugendlichen Arbeitslosen seine besondere Fürsorge angedeihen lasse.

Amerika und die Weltkrisis.

Ein Aeuyorker Bankpräsident für Reduzierung der inierallierten Schulden. Günstige Beurteilung der Konjunkturaussichten. Kurswechsel in der amerikanischen Lohnpolitik.

R e u y o r l, 12. Jan. (WTB.) 3m Jahres­bericht der Chase Rational Bank, der größten Dank der Welt, gibt Albert H. W i g - gins, der Vorsitzende ihres Governing Board, eine Aufsehen erregende Erklärung über die Reduzierung der interalliierten Schulden ab.Ohne auf die vielen Gründe und Gegengründe auf beiden Seiten oder auf die Frage der Gerechtigkeit der Schuldenstreichung einzugehen", so erklärt er ausdrücklich,bin ich fest davon überzeugt, daß es ein gutes Ge­schäft für unsere Regierung wäre, im jetzigen Zeitpunkt Schritte für eine Herabsetzung dieser Schulden einzuleiten. Unter den das Wirtschaftsleben beeinflussenden ungünstigen Fak­toren ist der gefährlichste das älnvermögen der fremden Länder, sich genügende Dollarbeträge zu beschaffen, um uns sowohl ihre Schulden ver­zinsen und zurückzahlen, als auch in ausreichen­dem Maße unsere Ausfuhr bezahlen zu können. Von Mitte 1924 bis 1929 schoben wir die Auswirkung des ungünstigen Einflusses unserer hohen Zölle auf unsere Exporte hin­aus, indem wir in größerem Umfange auslän­dische Anleihen kauften. Die Folge davon war, haß Zins- und Amortisationslasten der fremden Länder von Jahr zu Jahr g e st i e g e n sind und unser Markt für Auslandanleihen in Unordnung geriet. Wir stehen daher heute vor der Wahl, entweder unsere Zölle herab- z u s e tz e n oder u. s.re stark zusammengeschrumpfte Ausfuhr wiederaufzubauen.

Hinsichtlich der Aussichten für eine Konjunkturbelebung erklärt Mister Wig- gins, daß nach seiner Ansicht der Tief st and der Depression etwa erreicht sei und die nächste größere Bewegung zu einer Belebung führen werde.Ich erwarte, daß die Wirtschafts­lage zu Ende 1931 erheblich besser als zu Ende 1930 sein wird; ich weiß zwar nicht, ob wir niedrigere Börsenkurse haben werden oder nicht, ich weih aber, daß viele Aktien und An­leihen jetzt niedriger als in normalen Zeiten und zu Kursen bewertet werden, die für die Käufer einen Anreiz bieten sollten." Zur Lohn- frage erklärte Wiggins, es sei unrichtig, daß hohe Löhne geeignet seien, eine günstige Konjunktur herbeizuführen, vielmehr könne umgekehrt erst einegünstigeKonjunkturdieHebung des Lohnniveaus begründen. Würden die Löhne höher gehalten, als es die Wirtschafts­lage rechtfertige, ginge der Beschäftigung Zstand und die Kaufkraft der Arbeiter Amerikas zurück.

Die Geschäftswelt habe während des letzten Jah­res guten Willen gezeigt, mit den Arbeitern hierüber zu verhandeln und in vielen Industrie­zweigen dürfe man von den Arbeitnehmern ver­nünftigerweise die Annahme einer mäßi­gen Lohnherabsehung verlangen, damit die Produktionskosten vermindert und der Be­schäftigungsstand und damit die Kaufkraft der Arbeiter erhöht werden könnten. Die B e - schrcunkung der Einwanderung zusam­men mit einem verhältnismäßigen Kapital- Überfluß und den natürlichen Hilfsquellen seien ein genügender Schutz für das amerikanische Lohnniveau.

Der Widerhall in Wallstreet und Washington.

Wirtschaftler und Politiker sind ver­schiedener Meinung.

2k e u Y o r k, 12. Jan. (TU.) Die Aeußerungen Albert Wiggins begegnen in der Wallstreet fast ungeteilter Zustimmung. Man erwar­tet, daß eine stattliche Reihe anderer hervor­ragender Finanz- und Wirtschaftsführer zugun­sten der Herabsetzung der Reparationslasten imb der interalliierten Schuldenzahlungen sprechen werden. Auch Richolas Murray Butler, der Rektor der Columbia-Universität, billigte un­eingeschränkt die Gedankengänge des Bank­präsidenten.

3m krassen Gegensatz hierzu stehen die Kom­mentare der Washingtoner Politiker. Von einigen Ausnahmen abgesehen, sprechen sich die einflußreichen Kongreßmitglieder kategorisch gegen eine Wiederaufrollrmg der Schulden­frage aus. Senator S m o o t, der Vorsitzende des Finanzausschusses des Senats, erklärte, daß die mit den ehemaligen Alliierten getroffenen Schuldenabmachungen keine Aenderun g er­fahren dürften, da sie die bestmöglichste Lösung darstellten. Senator Feß, der Vor­sitzende des Republikanischen Rattonalkomitees, äußerte sich dahin, daß eine Herabsetzung der interalliierten ' Schulden unter den gegenwär­tigen Umständen überaus unklug wäre. Lediglich der Senator K bng befürwortete die Einberufung einer internationalen Konferenz, die die Herabsetzung sämtlicher internationaler Schul­den zum Ziele haben müßte. Die jetzige Lage Europas erfordere mehr als je gebieterische Schritte in dieser Richtung.

rechte auf, die Im Wege der Rotverordnung außer Kraft gesetzt werden dürften.

Die Reia-shitje stelle sich in der Form des Gehaltsabzugs als eine Verletzung derDe- amtenrechte im Sinne des Artikels 129 der Reichsversassung dar, der im Artikel 48 t|i)t erwähnt werde. Selbst wenn man die Reichstufe als reine Steuer betrachte, würde sie wegen Oter» stoßes gegen Artikel 134 nichtig sein. Auch dieser Artikel sei im Artikel 48 nicht erwähnt.

Der Fiskus steht demgegenüber auf dem Stand­punkt, daß der Rechtsweg unzulässig fei, weil es sich bei der Reichshilfe um eine reine Steuer handele, auf die lediglich die Bestimmungen der Reichsab- gabenordnung Anwendung zu finden hätten. Artikel 129 der Reichsverfassung regele auch nur die Beziehungen zwischen Staat und Beamten, soweit das beamtenrechtliche Verhältnis in

Frage stehe. Er regele jedoch nicht

das allgemeine Verhältnis des Staats­

bürgers zum Staate, dem ein Beamter wie jeder Steuerzahler gegenüber­ste he. Auch Artikel 134 sei nicht verletzt, weil die Belastung eines Standes mit einer Steuer nicht gegen die Reichsversassung verstoße. Selbst wenn aber die Reichshilfe keine Steuer darstellen sollte, könnte eine Verletzung des Artikels 129 nicht vorliegen, weil im Besoldungsgesetz die Aenderung der Bezüge durch Reichsgesetz Vorbehalten sei.

Arbeitszeitregelung bei der Reichsbahn.

48 Stundenwoche für Werkftättenarbeiter. Einlegung von Feierschichten.

Berlin, 12. 3an. (CRD.) In dem schon seit längerer Zeit schwebenden Arbeitszeitkon- s l i k t bei der Reichsbahn ist von der Schlichter­kammer unter Vorsitz von Dr. V o l ck e r, Bre­men, ein Schiedsspruch gefällt worden. Er bestimmt auf Grund des neuen Reichsbahnge- sehes für die in den größeren Güterböden und Werkstättenbetrieben beschäftigte Arbeitergruppe sowie für weitere kleinere Grup­pen von Arbeitern (insgesamt etwa 220 000 Mann) grundsätzlich die 48-Stunden- w o ch e an Stelle einer Arbeitszeit, die bisher bis zu 56 Stunden ging. In dringenden Fällen kann die Reichsbahnverwaltung eine Mehrar­beitszeit bis zu 130 Stunden im 3ahr verlangen, ebenso können die im Sonntags- d i e n st beschäftigten Arbeiter bis zu 55 Stunden herangezogen werden. Für die andere Gruppe, die im Betriebs- und Verkehrsdienst tätig ist, etwa 180 000 Arbeiter, bleibt die Ar­beitszeit wie bisher. Wie wir erfahren, wird die Deutsche Reichsbahngesellschaft diesen Schieds­spruch annehmen und vorsorglich die Ver­bindlichkeitserklärung beantragen, um den Eintritt eines tariflosen Zustandes zu ver­meiden.

Neben dieser grundsätzlichen Regelung der Arbeit­zeit bei der Reichsbahn läuft schon seit längerer Zeit die Frage der vorübergehenden Einfüh­rung von Feierschichten. Die gedrückte Wirtschaftslage bringt der Reichsbahn einen außer­ordentlichen Ausfall von Arbeit. Die vor­handene Arbeit muß deshalb g e st r e ck t werden, wenn nicht im großen Umfange Arbeiter entlaß s e n werden sollen. Die Reichsbahn hat daher den Gewerkschaften die Einführung von Feierschichten in den Ausbesserungswerken und in der Bahnunterhaltung vorgeschlagen. In jeder Woche soll eine Feierschicht eingelegt werden. Die Gewerkschaften haben demgegenüber gefordert, die Feierschichten auf d i e Betriebs, und Verkehrsarbeiter auszudehnen mit dem Ziele, dadurch jeden Arbeiter der Reichsbahn mil der gleichen Zahl von Feierschichten zu be­lasten. Eine solche Regelung ist jedoch der Reichs­bahn, wie von ihr mitgeteilt wird, nicht möglich.

Aus aller Welt.

Die Verbreitung der französischen Sprache im Elsaß.

3m Elsaß ist eine statistische Ausnahme über die Verbreitung der französischen Sprache er­folgt. die ergeben hat, daß gegenwärtig etwa 30 Prozent der elsässischen Be­völkerung die französische Sprache v e r st e h t. Von den 1779 185 Bewohnern des Elsaß haben 1 668 628 auf die Anfrage geant­wortet. (Die Beantwortung war nicht obliga­torisch.) 493 216 bezeichnen die französische Sprache als ihre Umgangssprache. Bei der letzten deutschen Volkszählung 1910, bei der die An­gabe der Umgangssprache obligatorisch war, er­klärten 207 497 Elsässer von 18MO14 Bewohnern dieses Gebiets, daß sie französisch sprechen.

Sturmszenen im Stettiner Wohlfahrtsamt.

Beim Stettiner Wohlsabrtsamt kam es zu Aus­schreitungen, die die Einsetzung von starken Polizeitrupps erforderlich machten. Ein auf das Wohlfahrtsamt bestellter Erwerbsloser benahm sich einem Beamten gegenüber derart, daß man ihn gewaltsam entfernte. Der Arbeitslose tobte auf dem Flur weiter und schlug die Tür zur Amts- ft u b e ein. Auf den Lärm hin eilten sämtliche gerade im Gebäude sich befindenden Wohlfahrts- cmpsänger hinzu und versuchten, die Dienststuben zu stürmen. Den Beamten gelang es jedoch, die Türen zu verschließen und polizeiliche Hilfe zu rufen. Die Schutzpolizei rückte mit 150 Mann an, und es gelang ihr unter Anwendung des Gummi­knüppels, das Gebäude zu räumen. Auf der Straße kam es zu weiteren Krawallen, doch gelang es auch hier bald Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Das Gebäude wurde abgesperrt und kann nur mit Ausweisen betreten werden.

Schwere Schneestürme in Japan.

Ganz Japan wird von heftigen Schneestürmen heimgesucht, die bereits ungeheueren Scha­den angerichtet haben. Der Verkehr ist an vielen Stellen unterbrochen. Zahlreiche Personen wurden getötet und verletzt. In der Hauptstadt herrscht strenge Kälte. Man befürchtet, daß viele Schiffe auf See untergegangen sind

Neuer Ausbruch des Merapi.

Der mitteljavanische Vulkan Merapi warf neue Lavamassen aus, die sich mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenmeilen bergab­wärts ergossen. Der Lavastrom nimmt dieselbe Richtung wie bei dem letzten großen Ausbruch. Durch diesen neqen Ausbruch ist unter der Bevöl­kerung der umliegenden Ortschaften erneut starke Beunruhigung entstanden. Die Be­hörden beabsichtigen, eine in unmittelbarer Rahe der gefährdeten Zone liegenbe Ortschaft, deren Bewohner unter dem Einfluß eines sogenannten heiligen Mannes" stehen imi> ihre Wohnstätten

nicht verlassen wollen, gewaltsam räumen zu lassen.

Drei Kinder von einer Selbstschußeinrichtung getötet.

Ein bedauernswertes Unglück, das drei Kin­dern das Leben kostete, ereignete sich am Sonntag in Ref ojoin der spanischen Provinz Montforte. Ein Grundbesitzer hatte an seiner Haus­tür eine Schußvorrichtung anbringen lassen, um vor Einbrechern sicher zu sein. Ein Draht führte von der Abschußvrrichtung zur Türklinke und wurde gewöhnlich tagsüber ent­fernt. Am Sonntag morgen spielten drei Kinder vor dem Haus und slyleuoerten einen großen Spielball gegen d i e Haustür. Hierbei wurde der Draht getroffen und die Schußvorrich­tung löste sich automatisch. Die starke Ladung traf die unglücklichen Kinder und tötete alle drei auf der Stelle.

Schwerer Giftdiebstahl.

Währeird des Besuches eines Arztes in einem Londoner Krankenhaus wurden aus seinem Kraftwagen zwei Koffer mit gefährlichen Giften, darunter Strychnin und Morphium ge­stohlen. Die Menge würde zur Tötung von Hun­derten von Personen ausreichen.

Wettcrvovanssage.

Noch immer zeigen sich über Deutschland schwache Temperaturgegensätze. Nordwestdeutschland hat Tem­peraturen bis 2 Grad über Null, Ost- und nament­lich Süddeutschland noch Frost bis zu 15 Grad. Heber Frankreich hat sich eine Störung entwickelt und durch sie eine Rinne tiefen Druckes gebildet, welche in nordöstlicher Richtung nach Skandinavien läuft. Durch den tiefen Druck über Frankreich wird zunächst etwas mildere Luft nordostwärts über Deutschland Vordringen und dabei auch in unserem Bezirk leichten Temperaturanstieg etwas über Null bringen. Außer stärkerer Bewölkung sind auch Nie­derschläge zu erwarten. Mit dem erneuten Baro­meteranstieg, der zwischen den britischen Inseln und Island stärker erfolgt und dem Einbruch kälterer Luft, dürfte sich nach vorübergehender Milderung unter Rückgang der Bewölkung wieder kälteres Wetter einftelkn.

Aussichten für Mittwoch: Meist be­deckt, Temperaturen unter Rull, vorübergehend auch etwas darüber, zeitweise Regen- oder Schneefälle.

Aussichten für Donnerstag: Wieder Temperaturrückgang, vielfach leichter Frost, be­wölkt mit Aufklaren, feine oder nur vereinzelt geringe Schneeschauer.

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Aus der provmztalhauptstadi.

Gießen, den 13.3anuar 1931.

Zn der Morgenfrühe.

Morgengang. Roch ist die Sonne nicht über die Bergeshöhen heraufgekommen. Rückwärts steht hoch am Himmel der bleiche Mond, ein einzelner Stern blinkt in seiner Rühe. Grau liegt grim­miger Frost über den Feldern. Rauhreif bedeckt Bäume, Sträucher und Grasflächen. We.hgesäumt sind Lattenzäune und Randsteine. 3ch gehe auf meinen altgewohnten Pfad. Links der breiten AlleestraHe, welche ich kreuze, steht schon seit einigen Tagen ein Pferch: darin ruhen dicht­gedrängt die Schäslein. Der Schäfer ist eben aus seinem in der Rähe auf gefahrenen Karren ge­klettert und umgeht mit prüfendem Blick, die Hände in den Hosentaschen, die ihm anvertraute Herde. Wir begrüßen uns. Ab und zu steht ein Schäflein auf, die meisten ruhen wieder­kauend an der kalten Erde. 3hre Pelze sind mit dichtem Reif überdeckt. Ein Tierchen steht mit gekrümmtem Rücken, den Kops gesenkt, und hustet, hustet in tiefem Baß, viele Male hintereinander.

Der ferne Wald zeigt mattfarbige Lichter, Borreiter der Sonne, darüber steht das alte Kloster in blauer Silhouette, erscheint heute fast unerreichbar weit und hoch. Es steht in blendendem Purpur und Gold, eine Gralsburg. Karminrot beleuchtet schweben torpedoförmige Wolken darüber, wo der Himmel ein sattes Blau hineinmischt in die sonst gedämpften Far­ben. Rabenschwärme ziehen hin und her,, kräch­zend, über den grauen, sttllen Fluren: emzelnv lassen sich unbeholfen, wie erlahmt unter dem eisigen Winde, auf die dünnen Ast spitzen der Obstbäume nieder, flattern, um ins Gleichgewicht zu kommen, auf dem leichtnachgebenden, schwin­genden Geäst und ziehen bei meinem Nahen raich wieder ab. Mir tränen die Augen vor Kalte: ich überschreite den Wiesenbach und wende mich zur Stadt. Die große Pappel rechts am Weges- rand steht vor einer blauleuchtenden, grasgrün durchsetzten Eisfläche, die Bank davor löst ein stllles Lächeln aus, links tönt leises Geknister aus dem mitfliehenden Wasserlauf, der bis aus Handbreite zugefroren ist. Das noch zu dünne Eis gibt dort dem Druck der Wellen nach und zerspringt wie Glas.

Da ruft es eindringlich aus den ruhenden Gar­ten herüber: Spitz' die Schar, Spitz' die Schari

Parade der Gießener Garnison.

Aus Anlaß der 60. Wiederkehr des Reichs- gründungstages findet am kommenden Sonntag, 18 Januar, im Anschluß an den Militärgottes­dienst um 12 älhr auf Oswaldsgarten Appell und Parade unseres Gieße­ner Bataillons statt. Unsere Mitbürger in Stadt und Land seien auf dieses seltene militärische Ereignis besonders aufmerksam ge­macht.

Keine Lustbarkeitssteuer für die Reichsgründungsfeiern.

Das Reichsfinanzministerium hat, wie das Nach­richtenbureau des VDZ. hört, dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung zugeleitet, wonach Ver­anstaltungen, die äus Anlaß und zu Ehren der 60. Wiederkehr der R e i ch s g r u n d u n g stattfinden, der V e r g n ü g u n g s st e u e r n' ch t unterliegen. Mit dieser Verordnung soll für die Reichsgründungsfeier am 18. Januar dieselbe Steuererleichterung herbeigefuhrt werden, die schon die Veranstaltungen anläßlich der Verfassungsselek am 11. August genießen. Der Reichsrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag dieser Woche mit der Verordnung beschäftigen.

Gießener Wochenrnarttpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochcnmarkt: Butter 120 bis 130, Kochbutter von 100 an, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rot« traut 10 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rot« Düben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30, Anter-Kohle rabi 5 bis 6, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 3H bis 35, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 801 Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60J Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3' '2 bis 41 Aepfel 30 bis 45, Birnen 20 bis 30, Dörrobw 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 biä 120, Suppenhühner 90 bis 120, Gänse 103 613 1101 Rüsse 50 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben (Stück)' 70 bis 80, Eier 14 bis 15, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 25 bis 30, Endivien 20 biS 30. Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück. Kartoffeln der Zentner 2,50, Weißkraut 6 bis 7, Wirsing 7 bis 8, Rotkraut 9 bis 10 Mk.