Ausgabe 
12.9.1931
 
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Oie Ziele deutscher Agrarpolitik.

Eine Konferenz der LandwirtschastSminister. - Das Absahproblem. - Oie Organisierung der Milchwirtschaft. - Oie Anpassung deS Getreideanbaus an den Konsum. Oie Winterversorgung der Erwerbslosen.

neuem ihren Willen zum Frieden und zur Zusammenarbeit kundgegeben. Dieses Manifest habe günstige Rückwirkungen auf die wirtschaftliche Lage ausgeübt.

3rod große Völker. Deutschland und Frankreich, suchten sich seit fünf Jahren zusammenzufinden, suchten sich neue Friedens- garanlien zu geben und zu einer Annäherung zu gelangen. Er selbst sei einer der Baumeister dieser Annäherung und er beglückwünsche sich dazu, denn diese Periode fdner öffentlichen Tätigkeit sei die ehrenvollste Epoche feines Lebens. Aber diese Zusammenarbeit sei nur möglich gewesen dank dem Völkerbund und mit Hilfe des Völkerbundes. Ohne Zweifel stoße diese Arbeit der Annäherung auf scharfe Kritik und Widerstand. Die Staatsmänner seien hef­tiger Kritik ausgesetzt. Er selbst Hobe diese an sich erleben müssen, aber diese Schläge kehrten wieder wie der Rheumatismus. Die französischen Staatsmänner würden in den nächsten Tagen nach Berlin gehen^um dort die Grund­lage einer dauerhaftenZusammen- arbeit m i t dem deutschen Volke zu legen, nicht mit Worten, sondern mit realen grundlegenden Taten. Er sei glücklich, daß er an dieser Arbdt leilnehmen könne. Diese Verhandlungen würden in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens, der Verständigung und der freimütigen Loyalität geführt werden. Ohne diese Atmosphäre sei jeder Fortschritt un- denkbar. Alles was an Mißverständnissen und Ueberraschungen möglich fd, müsse ausgeschaltet werden.

Die am 2. Februar zusammcntretende Abrü­stungskonferenz muh zu dem festgesetzten Zeitpunkt eröffnet werden. Frankreich werde sich jedem Vertagungsversuch auf das heftigste widersetzen. Die Abrüstungs­verpflichtung des Völkerbundes stelle eine feier­liche und heilige Verpflichtung dar. Frankreich habe keine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, um zu einer Herabsetzung der Rüstungen zu schreiten. Die militärische Ausbildungsdauer sei in Frankreich herabgesetzt worden. Fünf Jahre lang sei im Völkerbund die Abrüstungskonferenz vorbereitet worden und oft hätten sich schwierige und kritische Augenblicke ergeben, so daß eine Weiterführung der Arbeiten manchmal nicht mehr möglich schien. Dann sei es gerade Frank­reich gewesen, das klare Lösungen gefunden habe, die eine Weiterführung der Arbeit ermög­lichten. Man kann hoffen, daß die Februarkonfe­renz zu konkreten Ergebnissen kommen wird. Die S i ch e r h e i t ist ein Wort, um das man gestritten hat: man sagt, daß die Leute, die es gebrauchen, dies tun, um nichts zu tun. Dieses Wort ist aber im Völkerbunds st atut zu finden. Ich habe alles getan, um die Sicherheit zu er­höhen; es bleiben aber Fälle, wo der Krieg doch stattfinden kann. Dies ist eine Tatsache. Wenn das Genfer Protokoll verwirklicht worden wäre, würde das Problem der bevorstehenden Ab­rüstungskonferenz sehr erleichtert werden. Was aber versäumt worden ist, kann vielleicht auf andere Weise zustande gebracht werden. Wenn am 2. Februar 1932 alle Rationen hier ver­sammelt sein werden, um das doppelte Problem der Beschränkung der Rü­stungen und der Sicherheit zu prüfen, so wird eine Schicksalsstunde geschlagen haben. Sie müssen dann das starke Wort aussprechen: Kein Krieg mehr! Wir sind bereit, alles zu tun, um die notwendigen Bedingungen der Si­cherheit zu schaffen. Dann werden die Völker 'illuminieren können. Die Lage wird nicht mehr durch das Risiko eines Krieges verfinstert werden.

Nichts gelernt und nichts vergessen."

Das Kanzlerblatt zur Briandrede.

Berlin, 11.Sept. (TU.) Ungewöhnlich scharf kritisiert am Freitagabend dieG e r m a n i a" als bisher einziges Berliner Blatt die Genfer Rede Briands, dem nicht möglich gewesen sei, mit Er­folgen aufzuwarten und der darum mit wort­reicher Deklamation die gähnende Leere zu verdecken gesucht habe. K e i n W o r t über den Vor­schlag Grandis, kein Wort von der Re- parations - und Schuldenfrage, die für olle Länder außerhalb Frankreichs das Kernproblem der gegenwärtigen Krise darstelle. Als Ersatz biete Briand rüstungspolitische Reminiscenzen, die wie alte Ladenhüter am Wege stehen. Während Europa aus den Fugen gehe, grabe Aristide Briand den schönen Leichnam des Genfer Protokolls wieder aus. Nichts gelernt und nichts verges­sen, das sei das Fazit einer Außenpolitik, die von der Beharrung lebe und an Vergangenheiten denke. Locarno- und Kelloggpakt gehen in Ord­nung, der Välkerbundspakt ist eine gute Sache, aber Frankreich braucht handfestere Sicher­heiten, nämlich ein Europa in Waffen, das be­reit ist, für Frankreichs Interessen zu marschieren.

Das Echo in Frankreich.

Paris, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die fran­zösische Presse ist mit der Rede Briands in Genf im allgemeinen einverstanden.Petit Journal" sagt, Briand ergreife für Frankreich die Initiative zu einer neuen Verhandlung über die Sicherheit durch gegenseitigen Bei st and. Man habe also auf 1924 zurückgegriffen. Der Vorschlag Briands habe große Sensation hervorgerufen. Er sei das neue Ereignis der Tagung. Er ließe eine formelle Demarche der französischen Regierung ent­weder noch vor Februar 1932 oder bei Beginn der Abrüstungskonferenz voraussehen. Der sozialisti­schePopulaire" erklärt, die Ausführungen Briands hätten Mißstimmung hinterlassen. Es ge­nüge nicht von Frieden zu sprechen, man müsse seine Vorbereitung und Organisierung betreiben, und von dem Standpunkt aus betrachtet sei die Rede Briands eine Enttäuschung gewesen. Ami du Peuple", das nationalistische Cotyblatt, schreibt bissig, Briand habe Europa, den Völkerbund und sich selbst verteidigt. Daß er Frankreich stets vergesse, wisse man ja.

Oie Rüstungspause.

Die Initiative der nordischen Mächte.

Genf, 11. Sept. (TU.) Sie Außenminister von Schweden. Rorwegen, Dänemark Holland und der Schweiz haben, auf den Vorschlag Grandis aufbauend, in der Vollver­sammlung des Völkerbundes folgende Ent­schließung eingebracht: Die gegenwärtige Weltkrise bedeutet eine schwere Störung in den

Berlin, 11. Sept. (WTB.) Auf einer in Anwesenheit des Reichskanzlers in der Reichskanzlei abgehaltenen K«o n f e r e n z der Landwirtschaftsmini st er der Länder gab Minister Schiele einleitend einen Heberblick über die agrarpolitische Entwicklung der letzten Jahre und legte seine Grundsätze für die künftige Agrarpolitik dar. Minister Schiele führte aus, daß seit der Wende der Jahre 1928/29 die Entwicklung der Landwirtschaft in Deutsch­land völlig unter dem Zeichen des Zusammen­bruchs der Agrarpreise am Weltmärkte gestanden habe. Im Mittelpunkte der Agrarpolitik mußte daher die Abwehr der zu niedrigen Preisen her- einströmenden, den deutschen Markt überschwem­menden Auslandeinfuhren, d. h. die Zoll­politik stehen. Soweit die uneingeschränkte handelspolitische Bewegungsfreiheit vorhanden war, ist sie nunmehr für die Ackerbau­erzeugnisse und die Fleischwirt­schaft in dem Maße ausgenutzt, wie es die gegenwärtige Lage möglich und notwendig macht. Da, wo Zollbindungen vorliegen, die aus all­gemeinwirtschaftlichen Gründen keine Aussicht auf schnelle Beseitigung haben, wird die gesunkene Konsumkraft des deutschen Volkes notwendiger­weise zu einer Drosselung entbehrlicher Einfuhren führen.

Mit der Zollpolitik allein ist aber der Agrar­krise nicht beizukommen. Akute Ursachen der Agrarkrise liegen in der untragbaren Zinsbe­lastung der Landwirtschaft und dem Absahpro­blem. Die Sicherung des Absatzes durch staat­liche Maßnahmen ist nur begrenzt möglich. Der Staat muh sich darauf beschränken, durch Schaf­fung von Handelsklassen, durch Bereitstellung von Mitteln zur Zinsverbilligung für landwirtschaft­liche Absahorganisationen durch zwangsweise Zu- sammenschliehung landwirtschaftlicher Verwer­tungsorganisationen der S e l b st h i l f e der Landwirtschaft den Start zu erleichtern. Die un­zureichende Verwertung der Milch bei der Verbutterung sei die Ursache für das unwirtschaftliche Streben aller Molkereien nach Frischmilchabsatz. Wenn man zu hochwerti­gen Qualitäten und zu angemessener Qualitätsbe­zahlung gelangen wolle, sei die straffe Zu­sammenfassung de r M i lch w i r t f ch af t und die rationelle Organisation der Absatz- und Versorgungsverhältnisse Voraussetzung. Die Handhabe hierfür sei den Ländern durch den § 38 des Milchgesehes gegeben. Die Reichsregie-

Deziehungen zwischen den Völkern. Ihr liegt eine Reihe von wirtschaftlichen und politischen älr- sachen zugrunde, deren Hauptquelle der M a n g e l an gegenseitigem Vertrauen zwi­schen den Völkern ist. Die Durchführung der Ver­pflichtungen des Völkerbundspaktes hinsichtlich der Herabsetzung der Rüstungen ist ein erstes bedeutungsvolles Mittel für die Wieder­herstellung des gegenseitigen Vertrauens zwischen den Völkern und für die Erleichterung der wirtschaftlichen L a st e n, die die Volker zu erdrücken drohen. Eine Wiederaufnahme des Wettrüstens würde unvermeidlich zu einer sozialen und internationalen Katastrophe führen. Die Vollversammlung des Völkerbundes richtet daher einen dringenden Appell an alle, die die Ver­wirklichung der dem Völkerbundspakt zugrunde­liegenden Prinzipien des Friedens und der ®e- rechtigkeit wünschen, zu bewirken, daß die allge­meine Abrüstungskonferenz zu einer all­mählichen Herabsetzung der Rüstun­gen gelangt. Es ist notwendig, das Terrain für die Arbeiten der Konferenz vorzubereiten. Die Völkerbundsversammlung bittet daher den Rat, bei den Regierungen darauf zu dringen, daß sie sich in Erwartung der Ergebnisse der Konferenz jeder Maßnahme enthalten, die auf eine Erhöhung des gegenwärtigen Rüstungs­standes yinzielt.

Macdonalds Kampf um den Notetat.

Die zweite Lesung des Finanzgesetzes.

London, 11. Sept. (WTB.) Ministerpräsi­dent Macdonald beantragte heute vormittag vor vollbesetztem Hause die Annahme des Fi- nanzgesehentwurfes in zweiter Lesung. Er er­klärte, das Gleichgewicht des Haushalts allein könne die Ursachen der Llngewihheit nicht besei­tigen. Die Befugnis des Ministerrats, Verord­nungen zu erlassen, sei unumgänglich notig, um der Lage Herr zu werden. Für den Augenblick sei das dringendste Problem gewesen, die Fi­nanz- und die Arbeitslosenfrage so zu behandeln, daß jeder, der Geschäfte mit Groß­britannien treibe, und besonders der Anleihe­zeichner, davon überzeugt sei, Großbritannien besitze eine gesunde Finanzorganisa­tion. Die fünfprozentige automatische Her­absetzung der Staatsbeamtengehäl- t e r unter den Lebenshaltungskostenplan sei schon von der letzten Regierung beschlossen worden. Der Premier verteidigte dann die Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung.

Wie erwartet, kam es besonders hier zu lär­menden Protesten der Opposition. Der ehemalige Innenminister C l h n e s (Ar­beiterpartei), erkannte zwar die Rotwendigkeit an, die Finanzen des Landes zu schützen, er­klärte aber, daß nach den Vorschlägen der Re­gierung breitere Volksmassen das zum Leben unbedingt Rotwendige entbehren, während an­dere Leute ihr Luxusleben weitersühren würden. Die Arbeitslosigkeit würde durch die Senkung der Kaufkraft der Arbeiter vermehrt werden. Das Haus dürfe nicht einen Gesetzentwurf an- nehmen, der die Kontrolle des Parlaments auf­hebe. Dieser Gesetzentwurf bezwecke nicht, Er­sparnisse zu ermöglichen, sondern die Opposition tot zu machen.

Gandhi landet in Europa.

Paris, 11. Sept. (WTB.) Zum Empfang Gandhis, der heute an Bord des DampfersRay- putana" inMarfeille eintraf, waren keine offiziellen Persönlichkeiten, aber eine große An­zahl von Journalisten aus der ganzen Welt und viele Anhänger Gandhis aus Genf, Paris und London erschienen. Ein umfangreicher Sicher­heitsdienst französischer Polizei verhinderte stö-

rung erwarte besonders auf diesem Gebiete stärkste Unterstützung ihrer Bemühungen durch die Ini­tiative bet Länder.

Neben der Organisation des Absatzes sei die Finanzierung des Absatzes dringender denn je. Die Verlängerung der Dauer der Zins­verbilligung ist gesichert. Das Lagerscheingesetz, das die Einführung von indossablen Lagerscheinen für alle in Frage kommenden landwirtschaftlichen Er­zeugnisse ermöglicht, wird mit allen Mitteln for­ciert, um es alsbald in Kraft setzen zu können.

Alle Maßnahmen zur Regelung und Finanzie­rung des Absatzes sind aber dann unzureichend, wenn die Produktion nicht genügend nach Menge und Güte dem Verbrauch angepaßt wird. Die mit Erfolg von der Landwirtschaft vorgenom­mene Umstellung in der Getreidepro­duktion muß auch in diesem Jahre aufrechter­halten und fortgeführt werden. Ich warne vor einer erneuten Ausdehnung der Roggenanbau­fläche. Der Weizenanbau muß auf seiner Höhe erhalten werden, notfalls unter Umstellung vom Sommer» auf den Winteranbau. Die Hafer- Produktion muß unbedingt weiter einge- schränkt werden; sie liegt immer noch um fast zehn Prozent über dem deutschen Bedarf. Dagegen sind der A n b a u von Futtergerste und Leguminosen zu Futterzwecken sowie die Grünlandwirtschaft noch ausdehnungsfähig. Zudem wies der Minister auf die Notwendigkeit hin, der Frage der Produktion sko ft ensen- k u n g auch in der Landwirtschaft noch stärkere Beachtung zu schenken als bisher; denn die Land­wirtschaft habe kein Interesse an absolut hohen Preisen, sondern nur an einer vernünftigen Relation der Preise. Das weitere Anwachsen der Arbeitslosigkeit und der Mangel an Mitteln für die Unterstützung der Erwerbslosen erfordern be­sondere Maßnahmen zur Sicher st ellung der Ernährung der Arbeitslosen im bevor- stehenden Winter. Es kommt darauf an, trotz Her- absetzung der Richtsätze für die Unterstützung durch Gewährung billigerer Natural­leistungen die Kaufkraft der Arbeitslosen im bisherigen Umfange zu erhalten. In Frage kommen in erster Linie die Bereitstellung von Brot oder Mehl, Kartoffeln und Brennstoffen, in zweiter Linie Fleisch oder Fett und Milch. Die Durchführung muß sich den örtlichen Verhältnissen anpassen und frei in die Hand der Kommunalverbände gelegt werden.

renbe Kundgebungen, und von London eingetrof­fene Polizeidetektive nahmen sich sofort der per­sönlichen Sicherheit Gandhis an. Von der Brücke aus erwiderte Gandhi barhäuptig und in San­dalen die Grüße. Widerwillig stellte er sich dem Kreuzfeuer der Photographen und zog sich dann ohne Erklärungen vor dem Ansturm der Reugie- rigen in seine Kabine zurück. Da Gandhi den Wunsch hat, so schnell wie möglich nach London au kommen, wird er bereits heute nachmittag mit dem Schnellzug nach Calais weiterfahren, ohne in Pans Station zu machen.

Oer Oeutsche Gewerkschasts- bund zur Lage.

Berlin, 11. Seot. (ENB.) Der Vorstand des Deutschen Gewerksmaftsbundes hat sich mit den schwebenden wirtschafts» und sozialpolitischen Fragen eingehend befaßt. Das Ergebnis- der Aussprache fand Ausdruck in einer Entschließung, in der es u. a. heißt: Gegenüber der Privatwirtschaft, insbe­sondere dem Bankwesen, muß die Reichsbank unter Erweiterung ihrer Befugnisse und Erneuerung ihrer leitenden Körperschaften die notwendig ge­wordene Aufsicht durchführen. Die wesentliche Verschärfung des Aktienrechts muß so­fort vorgenommen werden. Wir bedauern, daß auch in der Zeit des Lohnabbaues die Regierung von den Möglichkeiten des K a r t e l l r e ch t s so gut wie keinen Gebrauch gemacht hat. Eingriffe in die ab­baureifen Preise dürfen nicht länger hinausge­schoben werden. Der Forderung nach Beseitigung Der Unabdingbarkeit tarifvertraglicher Vereinbarun­gen darf nicht nachgegeben werden. Bei einer Fort­dauer des Lohnabbaues wird den deutschen Arbeit­nehmern die Fortzahlung der bisherigen Mieten völlig unmöglich. Die Senkung der Mie - t e n darf aber nicht durch den völligen Abbau der Hauszinssteuer versucht werden. Wenn wir auch die Notwendigkeit eines Ausgleichs der öffentlichen Haushalte unbedingt bejahen, so dürfen trotzdem eine Reihe von Belastungen, die die Notverordnung den Arbeitnehmern und den Arbeitslosen auferlegt hat, nicht länger aufrechterhalten werden. Die Kosten der öffentlichen Verwaltung sind durch Verein­fachung der Verwaltung im Sinne eines verstärkten Einflusses des Reiches auf die innere Verwaltung zu senken.

Em kommunistisches Kommunal­programm.

Boizenbutg, 11. Sept. (TU.) Der kommu­nistische Berliner Rechtsanwalts Dr. Alexan­der, der kürzlich zum Bürgermeister des kleinen mecklenburgischen Landstädtchens Botzen- b u r g gewählt wurde, hat in einem Schreiben an den Rat der Stadt mitgeteilt, daß er die Wahl a n n e h m e. Gleichzeitig teilt er mit, daß die Selbstverwaltung in Boizenburg künftig nur noch durch dieWerk tig en" ausgeübt werden falle. Bier- und Bürger st euer werde es nicht mehr geben. Soweit die Werk­tätigen durch die Rotverordnung belastet würden, sollte diese nicht durchgeführt werden. Die Gewerbesteuer solle den kleinen Geschäftsleuten erlassen werden, ebenso brauchten Erwerbslose keine Wasser- und C l e k t r i z i t ä t s - abgaben zu entrichten. Im übrigen würden die städtischen Tarife nach dem Ein­kommen gestaffelt. Die Polizei werde aufgelöst und durch eine Arbeitermiliz erseht wer­den, die durch eine Sonderumlage der Llnternehmerbezahlt werden solle. Außer­dem enthält das Programm noch weitere Punkte, die gegen die Verfassung verstoßen. In Doizen- burg hofft man, daß dem Bürgermeister keine Gelegenheit gegeben wird, sein Programm in die Tat umzusetzen.

Kleine politische Nachrichten.

Professor Radbruch in Heidelberg hat den an ihn vom Preußischen Kultusministerium er­gangenen Ruf an die Berliner Universität ab- ge lehnt. Wie es heißt, soll sich die Berliner juristische Fakultät gegen diese Berufung aus­gesprochen haben. Radbruch hat zum Ausdruck gebracht, daß er nichtaufoktroyiert zu wer­den wünsche. Es muß nun als fraglich gelten, ob der im Zusammenhang mit der Reform des juristischen Studiums für die Berliner Universität geplant gewesene neue Lehrstuhl, den Rad­ruch erhalten sollte, überhaupt errichtet werden wird.

Der Chef des Marinekommandoamtes des Reichswehrministeriums, Konteradmiral G l a - disch, ist zum Flottenchef ernannt wor­den. Der Konteradmiral Dr. phil. h. c. Groß, wurde zum Chef des Marinekommandoamtes des Reichswehrministeriums ernannt.

Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den Schriftsteller Moritz Tarnow, den Her­ausgeber des BuchesGefesselte Justiz", und den Verleger des Buches, I. F. Lehmann- München, wegen Beleidigung des früheren Reichs­wehrministers und jetzigen Oberpräsidenten der Provinz Hannover, Roske, wegen übler Rachrede zu 400 bzw. 200 Mark Geldstrafe.

Aus aller Welt.

Schwerer Orkan in Miiielamerika.

Rach einer Meldung des Tropical-Radio ist B e - lize (Britifch-honduras) von einem furcht­baren Orkan heimgefucht worden, der b i s- her 2 0 0 Tote und viele Hunderte yon verletzten gefordert hat. Auch die Stadt San Juan auf Porto Rico hat unter dem Orkan schwer zu leiden gehabt. Die Nachrichten über die Sturmkaiastrophe verdichten sich zu einem Bild grauenhafter Ver­wüstungen. In Belize allein dürften mehrere hundert verletzte zu beklagen fein. Der Sturm, der über die Stadt raste, hatte eine Geschwindigkeit von 100 bis 150 Meilen die Stunde. Begleitet war er vor dner Springflut, die die Wassermengen bis zu zwei Meter höhe auf türmte und die Straßen über­schwemmte. Mehr als 70 v.h. aller Hauser findeingestürzt und bergen unter ihren Trüm­mern noch zahlreiche Einwohner. Wie es heißt, sollen auch mehrere amerikanische Priester unter den Opfern fdn. Die Hilfsmaßnahmen haben bereits eingesetzt.

Tagung

des Bundes Deutscher Post, und Telegraphenbeamten.

Der Bund Deutscher Post- und Telegraphen» beamten (Zivildienstberechtigte) hält vorn 10. bis 12. September seinen diesjährigen Bundestag im Kriegervereinshaus in Berlin ab. Der erste Bundes­vorsitzende, Telegraphenoberbauführer V o i g t-Ber- lin, hielt einen Vortrag über Personal- und Stan- besfragen der mittleren Postbeamtenschaft. Er be­zeichnete bas Berufsbeamtentum als den­jenigen Pfeiler des deutschen Staates, der auch in der jetzigen Notlage des Reiches und Volkes un­verrückbar und unzerstörbar standhalte. Ein Unter­graben dieses Pfeilers durch Entrechtung des Be- rufsbeamtentums, eine Zerstörung der wirtschaft­lichen Grundlage der Beamtenschaft durch fortge­setzte einseitige Gehaltskürzungen müsse zum Ver­derben von Reich nd Volk führen. Der Redner schloß seine Ausführungen mit einem Appell, trotz aller einseitigen Belastungen dennoch treu zu ihrer Pflicht für Volk und Reich zu stehen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Hochdruck über den britischen Inseln hat seinen Weg nach Frankreich genommen. Sein Einfluß ver» ursacht bei uns wieder leichten Barometeranstieg. Trotzdem dürfte er nicht stärker auf die Wetterlage einwirken, denn warme, ozeanische Luft hat nach England ein ausgedehntes Niederschlagsgebiet ge­bracht welches weiter ostwärts vordringt. Wahr­scheinlich wird es auch unser Gebiet streifen, so daß mit Niederschlägen zu rechnen ist. Allgemeiner Tem­peraturanstieg, welcher auch nachts zum Ausdruck kommt, tritt dabei gleichzeitig ein.

Vorhersage f ü r Sonntag: Wechselnd wolkig, später auch Niederschläge, Temperaturen mehr ausgeglichen und wärmer.

Lufttemperaturen am 11. September: mittags 15,1 Grad Celsius, abends 10,8 Grad; am 12. September: morgens 11 Grad. Maximum 15,5 Grad, Minimum 8,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. September: abends 12,5 Grad; am 12. Septem­ber: morgens 11,6 Grad Celsius. Sonnenschein» dauer 6% Stunden.

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