Die hessischendijchnerpreistra'ger
Alexander Posch und Hans Simon.
Die Wahl der Preisträger für den diesjährigen Georg-Büchner-Preis ist auf den Kunstmaler Alexander Posch und den Komponisten HanS Simon, beide in Darmstadt, gefallen. Die Texte der Preisurkunden lauten:
Das hessische Volk hat dem Maler Alexander Posch für die Verdienste, die erlich als Schaffender und Führender um das Kunst leben deS Lande- erworben hat, den Georg-Büchner-Preis des 2ahres 1931 zuerkannt.
Dem Komponisten Hans Simon ist vom hessischen Volke für sein von hohem Können getragenes tondichterisches Schaffen der Georg-Düch- ner-Preis des Jahres 1931 verliehen worden.
Alexander Posch ist im hessischen Kunstleben schon lange kein Unbekannter mehr. Auch über Hessens Grenzen hinaus weiß man von ihm, leitet er doch seit Jahren eine sehr rührige und vielseitig fruchtbare hessische Künstlergemeinschaft, die von ihm mitbegründete Darmstädter Gruppe, deren Arbeitszusammenhalt von ihm nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich gefördert wird. Seine Fähigkeiten in diesem Ringen der Kunst um Lebensraum haben ihn auch seit einiger Zeit zum geschäftsführenden Vorstand des Gaues Hessen des Reichsverbandes deutscher bildender Künstler werden lassen. Hnt> es ist erstaunlich, das; all seine Arbeit auf den gekennzeichneten Gebieten den Künstler in ihm nicht zu hemmen vermocht hat.
Ja, gerade jetzt, wo Hessen selbstverständlich seine Per önlichkeit als Maler mit der Verleihung des Büchner-Preises besonders ehrt, erleben wir bei ihm eine Reubelebung seiner Malerei, die ihn in der großen Sammelausstellung hessischer Kunst auf der Darmstädter Mathildenhöhe in die vorderste Reihe rückt, als ein Maler von einer heute ungemein fluktuierenden Sprache der Palette. Dis hierher war es für Posch ein Weg unermüdlicher Arbeit künstlerischen Strebens, das sich ost auch mit den Anregungen, die der Wan
del deS Zeitgeistes brachte, auseinandersehte oder auf seine Art diesen Wandel miterlebte. Der geistig aufgeschlossene, bewegliche Charakter Poschs drückt sich auch in dem Schaffen der „Gruppe" aus, der Posch übrigens innerhalb der letzten Jahr« so manchen vielversprechenden jungen Künstler zuführen konnte.
Er selbst ist heute, geboren am 21. Juni 1890 in dem Keinen Schönberg bei Bensheim, ein Vierziger. Gr stammt auS einer kinderreichen Arbeiterfamilie, die sein Vater, ein Schlosser aus Oesterreich, bald nach seiner Geburt von Schönberg nach Darmstadt führte, wo Posch die Volksschule besucht hat. Er fand schon als Schüler die Aufmerksamkeit deS verstorbenen Oberbürgermeisters Morneweg, der den Vierzehnjährigen zunächst in die Lehre einer Glasmalerei schickte und ihm dann am Ende seincr dreijährigen Lehrzeit ein städtisches Stipendium für die Kunstschule Adolf De Hers in Darmstadt zuwies. Rach wiederum drei Jahren erhielt Posch mit Unterstützung Professor Beyers zu seinem städtischen ein staatliches Stipendium für einen dreijährigen Studienaufenthalt in München, wo er sich auf der Kunstgewerbeschule bei den Professoren Diez und Engels zur Kunst weiterbildete. Der Krieg, der ihn von 1915 bis 1917 ins Feld führte, unterbrach seine künstlerische Entwicklung. Erst nach dem Krieg fing er mit Oel- farben zu malen an und bekennt jetzt bescheiden: „So male ich heute noch".
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Kurz vor Weihnachten 1897 wurde Hans S i - m o n in Darmstadt als Sohn eines hessischen De- amten geboren, hier verlebte er seine Kindheit, hier ging er zur Schule, und hier wurde er schließlich zum Musiker, der sich einen Ramen machte, so daß ihm, dem hessischen Künstler, das hessische Volk durch Derleihmng des Georg-Büchner-Preises heute Anerkennung und hohe Ehrung erweist. — Schon im Alter von fünf Jahren wurde der blonde Dub in die musikalische Lehre gegeben. Bei den verdienten Musikern Martin Vogel und Georg G i m s lernte er das Geigen- und Klavierspiel. Am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. sind Bernhard Sektes (Komposition) und Willy Renner (Klavier) im wesentlichen seine Lehrmeister. Im letzten Krieasjahr wird dann Simon zum Heeresdienst einberufen und dadurch aus sei-
Der hessische Einzelhandel zur Lage
wünschen die Derleihungsurkunden an die beiden Preisträger.
fahrern, die gegen die Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr vom 15. Juli 1930 verstoßen. Meine weiße Zettel an die Windschutzscheibe
werden, denn nur eine Etaatsform, in der sich jeder einzelne mitverantwortlich fühle, habe Bestand. Mit dem bekannten Wort des großen Staatsmannes. „3d> habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland", schloß der Redner seine beifällig aufgenommene Rehe. Im Anschluß daran wurde gemeinsam das Deutschlandlied gesungen.
Das übrige Programm der Feier brachte eine Reihe musikalischer, gesanglicher und turnerischer Darbietungen. Die Gießener Turnerschast zeigte exakte Hebungen am Barren, der gemischte Chor des Arbeitergesangvereins „Eintracht" brachte zwei Lieder zum Vortrag, der Massenchor der Gießener Gesangvereine fang das Lied „Mein Deutschland" und die Turnerinnen der Freien Turnerschaft Wieseck brachten ein gymnastisches Tanzspiel „An der schönen blauen Donau" zur Aufführung, das verdienten Dejfall fand. Ein schneidiger Marsch beschloß die Feier.
Daten für Mittwoch, 12. August.
Sonnenaufgang. 5.05 Uhr, Sonnenuntergang 19.54 Uhr. — Mondaufgang 2.29 Uhr, Monduntergang 19.38 Uhr.
1848: der Begründer des Eisenbahnwesens George Stephenson in Taptonhouse gestorben^»- 1901: der Polarforscher Nordenskiöld in Dalbyö gestorben.
Bornotizcn.
— Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anna Christie" mit Greta Garbo.
— Aus dem Stadttheaterbureau w.rd uns geschrieben: Für Sonntag, 16. August. 20 Hhr, Hal die Intendanz als 9. Vorstellung im Sommer-Abonnement das Ensemble Berliner Bühnenkünstler (Ludwig Franken vom Lessing-Theater Berlin, Lottina Daart von der Volksbühne Berlin, Curt H n f c r vom Reuen Theater am Zoo Berlin), die bereits zweimal mit großem Erfolg bei uns zu Gast waren, zu einem letzten Gastspiel verpflichtet. Zur Aufführung gelangt das Lustspiel „Meine Cousine aus Warschau" von Louis Derneuil. Für diese Vorstellung gelten ermäßigte Sommerpreise.
Verfassungsfeier in der Volkshatte.
Der Provinzialdirektor der Provinz Ober- Hessen und der Oberbürgermeister der Stadt Gießen hatten für den gestrigen Verfassungstag zu einer Derfassungsfeier in die Volkshalle eingeladen. Diele leisteten der Einladung Folge und die geschmückte Volkshalle war bis auf den letzten Platz beseht. Viele Persönlichkeiten des öffent- lichnen Lebens waren anwesend, die Reichswehr und die Schutzpolizei war durch starke Abordnungen vertreten. Die Reichswehrkapelle eröffnete die Veranstaltung mit einem Musikstück, der Massenchor der Gießener Gesangvereine bot Mozarts bekannte „Weihe des Gesangs". Sodann hielt Oberstudiendirektor Dr. Weiner (Offenbach) die Festrede. Die Rede stand ganz im Zeichen des Gedankens an den Freiherrn vom Stein. Der Vortragende umriß in klaren Sähen das Leben und das Wirken des großen Deutschen. Er wies darauf hin, daß jener Mann zu seiner Zeit mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatte, die uns heute bewegen. Der Freiherr vom Stein habe, bis er die seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung erhielt, eine mühsame Be- amtenlaufbahn hinter sich bringen müssen. Dem klaren Blick Friedrichs des Großen sei es aber nicht entgangen, so führte der Redner aus, daß Lieser Mann mit dem unbeugsamen Charakter und der ungeheuren Intensität des geistigen Schaffens dem Vaterland wertvolle Dienste zu leisten geeignet sei. So sei der Freiherr vom Stein Minister geworden und habe nun seine Kräfte erst voll entfalten können. Er habe sich eingesetzt für eine verwaltungstechnische Reform in Preußen, die für das ganze Reich vorbildlich sein sollte, er habe gefordert, die Jugend mit Gemeingeist und Sinn für deutsche Kultur zu erfüllen, er habe schließlich «in einiges Deutschland erstrebt. Stein sei, so führte der Redner aus, der Wegbereiter des deutschen Dolk^ und der deutschen Zukunft, er sei es auch heute noch, denn er habe vieles vorausgesehen, was die Geschichte zur Wirklichkeit gemacht habe. Hnsere Aufgabe sei es heute, dazu beizutragen, daß Deutschland ein Ganzes werde, ein organisch festgefügter Staat, in die Jugend müsse der Geist der Einheit gepflanzt
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Dom Hessischen Cinzelhandelsver- band wird uns geschrieben:
„Der Landesverband des Hessischen Einzelhandels hielt in Franksurt eine Dertreterver- sammlung ab, in der zu der derzeitigen wirtschaftlichen Lage Stellung genommen wurde. Die Versammlung war getragen von dem Ernst der gegenwärtigen Verhältnisse und insbesondere in der Aussprache kam die starke Erregung, die auf allen Gemütern lastete, deutlich zum Ausdruck.
Durch die infolge der Vertrauenskrise einge- tretene Geldverknappung und der Einschränkungen des Zahlungsverkehrs ist der Einzelhandel in eine außerordentlich schwierige Lage geraten.
Gegen die Art und den Inhalt der erlassenen Rotoerordnungen werden von feiten des Einzelhandels schwere Bedenken geltend gemacht.
Der Schutz des gewerblichen Mittelstandes, des Einzelhandels und des Handwerks in dieser krisenhaften Zeit ist nicht in ausreichendem Maße gewährleistet, so daß in dieser Hinsicht «ine baldige Aenderung bzw. Aufhebung der betreffenden Rotverordnungen notwendig ist. Insbesondere fordere die Höhe der Verzugszinsen auf rückständige Steuern den schärfsten Protest heraus. Sine entsprechende Herabsetzung der gegenwärtigen Sätze müsse umgehend erfolgen. Auch die heutige Zins- und Kreditpolitik kann unmöglich lange fortcjefüljrt werden, wenn nicht zahllose Existenzen im Einzelhandel vernichtet werden sollen. Sicherlich verdient eine gewisse Erhöhung des Diskontsatzes den Vorzug gegenüber einer plötzlichen Kreditrestriktion. Eine Heberspannung des Diskontsatzes aber muß katastrophale Folgen zeigen, weshalb auch von den Banken selbst eine verständnisvoll« und vorsichtige Zinspvlitik verlangt werden muh.
Der auf den Einzelhandel ausgeübte stark« Druck von feiten der Dorlieferanten hinsichtlich schneller Bezahlung seiner Schulden zwingt den
ner künstlerischen Arbeit herausgerissen. Rach Kriegsende nimmt er sie aber noch einmal mit aller Konzentration auf, verläßt dann im Herbst 1919 Frankfurt und geht als Theaterkapellmeister in die „Praxis". Doch die immer mehr sich steigernde kompofitorische Tätigkeit läßt ihn schließlich das unstet« Wanderleben aufgeben, und so lebt er heute wieder in Darmstadt, wo wir erst vor kurzem Zeuge seines letzten großen Erfolges (Hraufführung der heiteren Oper „Valerio") werden konnten.
Richt sehr zahlreich sind die Werke, die Simon der Oeffentlichleit übergeben hat. Aber groß- stusig ist ihr Ansteigen. — Sein Opus l, eine Suite für Violine und Klavier, entstand noch auf dem Konservatorium. Ebenso das Opus 2, die bei dem Musikfest der Franz-Liszt-Gesell- schaft in Kissingen 1922 uraufgeführten Orchester- Variationen über ein Originalthema. Dezeich- mend für Simons musikalische Wesensart ist, daß er schon hier zum Orchester und seinem Klangreichtum greift; dieser ist ja das eigentliche Organ Simons, denn nur diese Klangfülle wird in vollem Maße erst der Fülle Simonscher musikalischer Eingebung gerecht. Hnd so bilden auch die Werke, Opus 3 — «in Li«derzhklus, Opus 4 — das Violinkonzert, Opus 5 — drei phantastisch« Sähe für Streichquartett, den Hebergang zu der großen, mit außerordentlichem Erfolg wiederholt aufgeführten Ks-Dur-Sinfonie. Hnd von hier vollzog sich dann der Schritt zur Oper, dem heiteren „Valerio", dem bekanntlich das Georg Düchnersche Lustspiel „Leonce und Lena" zugrunde liegt.
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Die feierliche Heberreichung der Preise und der Hrkunden fand am Vorabend des Verfassung-- tages im Staatsministerium durch Staatspräsiident Dr. Adelung statt. Der Staatspräsident ging in einer kurzen Ansprache von dem Worte der Stiftungsurkunde des Büchner-Preises aus, daß der Preis ständig verliehen werden solle. Gerade die Zeit materieller Rot berge die Gefahr, daß die geistigen Angelegenheiten, insbesondere die der Kunst, in Vergessenheit gerieten; so dürfe es aber nicht sein. Besonders in schwierigen Zeitläuften dürfe die Kunst nicht Rot leiden, denn sie sei ehre Kraftquelle für das gesamte Leben des Volkes. Der Staatspräsident überreichte dann mit Glück-
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 12. August 1931.
Pilzsegen im Walde.
Nun di« Obst- und Gemüsegärten uns mit ihren Gaben erfreuen, will sich der Wald nicht länger als geizig verschreien lassen und tischt auf, was er vermag. Das köstliche Beerenobst, das an Würze und Aroma die Gartenbeeren weit übertrifft, und: Pilze. Wer ein guter Kenner der Pilze ist und dessen Heim nicht allzu weit vom Walde entfernt liegt, wird sich das „Fleisch des Waldes" am liebsten selbst holen. Das Angenehme wird hier mit dem Nützlichen verbunden, denn die ozonreiche Waldluft bringt Herz und Lunge wieder in Ordnung. Unkundigen Pilzsuchern wird dringend größte Borsicht beim Sammeln empfohlen; schon manch ein Pilzgericht, gesucht von denen, die Giftpilze von den Nutzpilzen nicht unterscheiden können, brachte schwere Erkrankungen, ja sogar den Tod ins Haus. Damit soll nicht Angst vor dem Pilzsammeln gemacht werden, sondern es soll nur vor Fahrlässigkeit aewärnt werden. Zu empfehlen ist ferner, stets ein Messer zum „Abschneiden" der Pilze zu nehmen und sie nicht einfach aus dem Erdboden herauszureißen, da an der Stelle, wo die Wurzeln liegen, sich neue Pilze bilden. Im anderen Falle wird ihnen die Möglichkeit des Weiterwuchses genommen. Es gibt überall Pilzkarten zu kaufen, die in anschaulicher Weise die Erkennungsmerkmale giftiger und eßbarer Pilz« schildern. Die volkstümlichen Mittel: «inen silbernen Löffel beim Kochen hineintun oder eine Zwiebel, find ganz und gar nicht zuverlässig, und es ist vor solchem Firlefanz nur dringend abzuraten. Einen wirklichen Schutz bietet den Selbstsuchern nur die genaue Kenntnis der Pilzsorten. Wer nicht Bescheid weiß, kauft die Pilze am besten vorn Händler, aber nur frische Ware. Feucht und im Schnitt dunkel ausgehende Pllze vermeide man zu kaufen; ebenso ganz nasse. Durch das Aufeinanderschichten in den Der- kaufskörben entwickelt sich Wärme, und diese bildet Fäulnis, die gerade so gefährlich werden kann wie das Gift selbst. Nur nicht um der Ersparnis einiger Groschen willen alte Ware kaufen; die Gesundheit ist ja schließlich zu wertvoll, als daß man sie einer geringfügigen Summe wegen zum Opfer brächte.
Gerade in der heißen Zeit kommen die Pilze so recht als ein Gottesgeschenk. Neben ihrer Nährkraft, die der des Fleisches sehr nahe kommt, ist es der Wohlgeschmack, der sie uns beliebt und wert macht; j . und ein gut zubereitetes Gericht Pilze bleibt ein Gaumenreiz auch für verwöhnte Feinschmecker. Doch wie gesagt: beim Selbstsuchen Vorsicht, und wenn jemand meint, Vergiftungserscheinungen bei sich * oder anderen wahrzunehmen, dann erst starke Brechmittel brauchen und sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. M. Gr.
Sanfte Mahnungen der Verkehrspolizei.
In den nächsten Tagen tritt die hiesige Polizei mit einer Maßnahme an die Öffentlichkeit, die sich an die Kraftwagenbefitzer und Kraftwagenführer richtet. Es handelt sich um eine besondere Form der Mahnung in Fällen, da der Kraftwagenbesitzer verkehrshindernd parkt, das Fahrzeug in nicht ausreichender Lichtquelle stehen läßt oder aber bann, wenn die Kennzeichen des Fahrzeuges sich nicht in vorschriftsmäßigem Zustande befinden. Die Polizei, die bei dieser Neueinführung einer Anregung des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs (212)21(9.)
Einzelhandel auch seinerseits auf schnelleren Einzug seiner Außenstände bedacht zu sein. Das Publikum muß diese Stellungnahme verstehen, denn angesichts der durch die hohen Kreditzinses gestiegenen Spesen und dem Drängen der Lieferanten infolge der Geldverknappung ist es nicht mehr möglich, der Kundschaft lange Kredite einzuräumen; daher m^ß auf Barzahlung bzw. umgehende Begleichung der rückständigen Rechnungen gesehen werden.
Versuche einzelner Lieferanten, die Rechnungen in Dollar bzw. in Goldmark auszustellen, verdienen schärfste Zurückweisung; ebenso alle Versuche, irgendein Rotgeld in den Verkehr zu bringen.
Aeußerste Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung, in Reich, Ländern und Gemeinden muß verlangt werden, wie auch jeder einzelne Betrieb sich der größten Sparsamkeit zu befleißigen hat. Irgendwelche Subventionen aus öffentlichen Mitteln dürfen an die durch eigene Mißwirtschaft in Schwierigkeiten geratene Hnternehmungen keinesfalls gegeben werden.
Bei den bevorstehenden Beratungen über die Organisation der wirtscl)aftlichen Selbsthilfe ist auch der Einzelhandel heranzuziehen und darf nicht, wie bisher, übergangen bzw. jurürfgefefjt werden.
Durch seine besondere Stellung zwischen Konsumenten und Produzenten ist der Einzelhandel in besonderem Maße berufen, an der Wiedergefun- bung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse in entscheidender Weise mitzuarbeiten.
Das Verbot des Offenhaltens der Ladengeschäfte in Hessen am Verfassungstag, dem 11. August, rief den einmütigen scharfen Protest der Anwesenden hervor. Diesem Beschluß des Landtags kann angesichts der Rotlage, in der sich die Wirtschaft zur Zeit befindet, in keiner Weise Verständnis entgegengebracht werden."
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Greta Garbo spricht.
Der amerikanische Tonfilm „Anna E h r i ft i e" bringt den vielen, die Greta Garbo in ihren stummen Rollen kennen und schätzen gelernt haben, das lange erwartete Erlebnis: man hört ihre Stimme. Sie spricht deutsch, es ist ein dunkles, klares Organ mit etwas fremdem Akzent, sympathisch und wohlverstandlich. Die Leistung in „Anna Christie" entspricht durchaus den (nicht nur äußeren) Qualitäten dieser berühmten Schauspielerin; es ist eine sehr respektable Leistung; aber man muß doch zugeben, daß die akustische Abrundung des Gesamteindrucks keine Steigerung über die besten früheren Darstellungen hinaus bedeutet. (Man denke etwa an „Anna Karenina".) Andererseits ist diese neue Begegnung aber auch wohl ein Beweis dafür, daß die große Wirkung der Garbo keineswegs, wie ihre Gegner behaupten vom äußeren Eindruck und von der geschickten Aufmachung entscheidend bestimmt wird; sie wirkt hier weder durch raffinierte Toiletten noch durch den berühmten sex appeal: im Gegenteil, die Rolle, die sie zu spielen hat, verlangt Zurückhaltung, Kühle, Heroheit, Beherrschung. (Man vergleiche wieder mit „Anna Karenina".) — Der Film ist nach einem Drama des in den letzten Jahren auch in Deutschland ziemlich bekannt gewordenen angloamerikanischen Dichters Eugene O'Neill geschrieben: eine Ma- trosengeschichte, typisch für O'Neill in Stil und Umwelt keineswegs erfreulich; viel Stimmung und Zu- Sanb, nicht durchaus dramatisch; viel Nebel, viel
lkohol, viel soziologisches Relief. Im Zentrum der Handlung allerdings ein echter Konflikt, den die Garbo überzeugend gestaltet. Die Regie von Fey - der ist geschickt und nicht ohne Effekte, aber stellenweise, besonders in der Exposition, etwas umständlich und breit. Die übrigen Darsteller — Theo Shall (Matt), Hans Junkermann (Chris), Salta Steuermann (Martha) — leisten saubere, aber nirgends über den anständigen Durchschnitt hinausragende Arbeit. Die Uebertragung ist im ganzen nicht schlecht, doch läßt die Verständlichkeit des von Walter Hasenclever redigierten, deutschen Dialogs stellenweise zu wünschen übrig. Der Film läuft seit Montag im Lichtspielhaus. Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer,
Wattstunde im ganzen Jahr 8 bt8 25 Pfennig, im Höchstfall also im Monat rund 2 Pfennig. Die Lampe selbst kostet 1 Mark, dazu kommt noch ein Zuschlag für einen Dorschaltwiderstand. Man braucht also durchaus kein Krösus zu sein, um sich die Annehmlichkeiten leisten zu können, die man sich mit der kleinen Lampe verschaffen kann.
Ratürlich kann man die lleine Lampe nicht nur zur Kennzeichnung von Schaltern verwenden, sondern auch für alle möglichen anderen Zwecke, bei denen es darauf ankvmmt, einen Platz im Dunkeln so zu bezeichnen, daß man ihn ohne weiteres findet. 'Die kleine Lampe löst also, namentlich m Verbindung mit dem Schalter, in befriedigender Weise eine technische Aufgabe, für die es bisher noch keine wirklich gute Lösung gab. Ramentlich an Stellen, wo Ortsunkundige bei Dunkelheit ver» kehren, die den Platz der Schalter nicht kennen, wie z. B. in Treppenhäusern, in Gasthöfen usw., ist die Kennzeichnung von Schaltern und anderen Dingen durch die kleine Glimmlampe besonders zweckmäßig. Es ist daher kein Zweifel, daß fit sich bald einen Platz im täglichen Leben erringen wird.
des nicht ordnungsgemäß geparkten Fahrzeugs kleben. Diese Zettel stellen lediglich eine Mahnung dar und werden in drei verschiedenen Ausfertigungen verwandt.
Die Mahnungen haben folgenden Wortlaut:
Sie parken verkehrshindernd!
Stellen Sie Ihr Fahrzeug nicht an engen Stellen, Straßenkreuzungen, scharfen Straßenkrümmungen oder an Haltestellen der Straßenbahnen und Kraftomnibusse auf, sondern zweckmäßig in den Nebenstraßen oder auf den durch ein „P“ gekennzeichneten Parkplätzen.
Ihr Fahrzeug stehl in nicht ausreichender Lichtquelle!
Nur dort, wo zuverlässige fremde Lichtquellen eine ausreichende Beleuchtung des ftillftehenden Fahrzeuges gewährleisten, bedarf es keiner eigenen Beleuchtung des Kraftfahrzeuges und feines Hinteren Kennzeichens.
Das Kennzeichen Ihres Fahrzeugs ist nicht in vorschriftsmäßigem Zustand!
Der Führer des Fahrzeuges ist dafür verantwortlich, daß das Kennzeichen deutlich lesbar ist. Stellen sich Mängel insbesondere Beschmutzung unterwegs ein, so muß der Führer vor der Weiterfahrt für Ab Hille sorgen. Mit Hinweisen auf die entsprechenden Paragraphen der Verordnung über den Krast- fahrzeugoerkehr und mit dem Bemerken „Sie ersparen dadurch eine Bestrafung, sich Aerger und dem Staat Arbeit" schließen diese Mahnung, die — das ist wesentlich — jeweils nur einmal zur Anwendung kommt. Jeder Kraftfahrzeugführer, der diese Mahnungen bereits hinter sich hat, hat für den Fall, daß er verkehrshindernd parkt, sein Fahrzeug in nicht ausreichender Lichtquelle strhen läßt oder dessen Kennzeichen am Fahrzeuge in nicht vor- schristsmäßigem Zustande sind, Strafe zu gewärtigen.
Es ist ersieulich, daß die Polizei für die Zukunft erst mit derartigen Mahnungen an die Kraftfahrer herantritt und nicht gleich Strafen verhängt, da, wo eine Mahnung den gleichen Zweck erfüllt, den sonst die Strafe erfüllen soll. Di« Autofahrer werden
** Unfall bei der 21-rbeit. Am Samstag- nachmittag ereignete sich in einer Schlosserwerkstätte der Kaplaneigasse ein kleiner Unfall. Ein Schlosser- lehrling namens Walter Görlach aus Lang- Göns geriet mit dem Kopfe einer Transmission zu nahe, diese erfaßte die Haare, so daß dem jungen Mann Teile der Kopfhaut abgerissen wurden. Ein Mitglied der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete erste Hilfe. Der Lehrling wurde sodann nach der Chirurgischen Klinik gebracht.
** Blinder Feueralarm. In den letzten Tagen wurde die hiesige Feuerwehr zweimal alarmiert, ohne daß ernst« Ursache hierzu vorlag. In beiden Fällen handelte es sich um groben Unfug. So wurde am Sonntag der Feuermelder an der Goethestraße, Ecke Südanlage eingeschlagen. Die Feuerwehr rückte aus. Am Montagnachmittag wurde die Feuerwehr abermals grundlos alarmiert und nach dem Schiffenberger Weg gerufen, um gleich darauf wieder zurückzukehren. Es wäre erfreulich, wenn jedermann bei entsprechenden Beobachtungen dazu beitragen würde, die Uebeltäter einer gerechten Strafe entgegenzuführen.
Oderheffen.
Ein schwerer Verlehrsnnfatt bei Lich.
I) L i ch, 12. Aug. Gestern gegen 17.30 Uhr ereignete fick auf der Straße Butzbach—Lich in der Nähe des Hofgutes Hof-Güll ein bedauerlicher Autounfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Kaufmann Louis Stiefel aus Lich befand sich mit feinem Sohne und dem Pferdehändler Mayer Bing auf der Heimfahrt. Der Wagen wurde von dem Sohne des Besitzers geführt. Der Führer geriet auf der mit Kleinpflaster versehenen Straße mit den rechten Rädern auf das Bankett und versuchte wieder auf die Straße zu kommen. Das gelang jedoch nicht sofort. Der Führer hat dabei anscheinend die Geistesgegenwart verloren, der Wagen kam infolge der scharfen Linkssteuerung auf die linke Straßenseite, schlug etwa 28 Schritte weiter entfernt mit dem hinteren Teil der Karosserie gegen einen Obstbaum und rutscyte durch den Anprall auf der Straße in entgegengesetzter Richtung herum. Der Führer erlitt nur leichte Verletzungen. Sein bei ihm sitzender Vater trug leichtere Kopf- und Handverletzungen davon, während der im Fond des Wagen sitzende Mayer Bing einen d o p p e l - t e n Schädelbruch erlitt. Die hiesige Sanitäts
folgt, wird denjenigen Fahrzeugbesitzern und Kraft- | diese Mahnungen der Polizei als ein Entgegen- -----ni« h— kommen auslegen und zweifellos gerne beherzigen.


