Ausgabe 
12.8.1931
 
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Nr. 186 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gderheffen)

Mittwoch, 12. August 1931

Aus Natur und Technik.

schift eine weitere Stütze und ermöglicht es ihm, sich in die Windrichtung cinauftellen. Durch diese Einrichtung wird der Dorteil erzielt, daß die Heine Droschke an leinen bestimmten Landungs­platz mehr gebunden ist, sondern dah sie überall da landen kann, wo der Omnibus hlnzukornmen vermag. Er kann lie weiterbesördern. kann aber auch da stehen bleiben, wo er sich befindet. In diesem Falle ersetzt er einen eigenen, feststehen­den Landungsmast Das Schiff hängt an ihm. bis es feine nächste Fahrt antritt.

Desonderrs häufig it da» Umsteiger, zwischen Auto und E send ahn Das Auw dient in immer steigendem Masze als .Zubringer" für die Dahn. SS soll ihr Fahrgäste zuführen, die in oft ziem­lich weiter Entfernung wohnen .Wie das verein­facht und vor allem ohne Umfteiflcn und U m l aben ermöglicht werden kann, hat eine eng­lische Eisenbahngcfcllschaft gezeigt. Eie läßt seit kurzem einen Autobus durch eine Reihe von För­dern fahren, der dort die in der Stadt Befchäftig- ten zusammenholt. Der AutobuS fährt wie jeder andere auch auf Luftreifen über die Landstraßen dahin. Hinter seinen vier Rädern sitzen auf der gleichen Achse zwei Sitenbahnräder, deren gegen­seitige Entfernung voneinander der Entfernung der beiden Schienen des Gleises entspricht. Die Eisenbahnräder sind Heiner als die mit Lustreifen versehenen. Sie berühren also die Landstraße nicht. Don der Straße au» fährt der Omnibus ohne weiteres auf das Eisenbahngleis und er­reicht auf Schienen fein Ziel. Das Umsteigen fällt also weg. Die Erhöhung der Schienen verhütet, daß die Luftreifen während der Eifenbahnfabrt den Bahnkörper berühren: die Einrichtung hat sich vorzüglich bewährt, so daß sie wohl bald wei­tere Derbreitung finden wird.

Der Uedergang von der Landstraße auf die Eisenbahn läßt sich aber auch noch auf andere Weife bewerkstelligen. Wiederum handelt es sich um einen Autobus oder vielmehr um Autobusse, die in einer gebirgigen Gegend nur bi» zu einer bestimmten Stelle fahren konnten. Hier wurde der Weg zu eng. Die Derhältnisfe ließen eine Er­weiterung nicht zu. Aber daS Gebirge wurde auch von einer Dahn durchschnitten. Man hat nun den für die Autobusse fahrbaren Weg bi» zur Bahnstrecke verlängert. Er geht in ein Gleis über, das den Anschluß zum Hauptgleis her­stellt. Auf diesem Anschlußgleis stehen lange, nie­dere Plattform-Güterwagen, von deren Hinterem Ende eine schiefe Ebene, alfo eine Laderampe, zur Straße herabführt. Zwischen den Plattfor­men der Wagen befinden sich Derbindungsbrücken. Die Autobusse fahren auf der Landstraße heran und auf der Rampe unmittelbar auf die Wagen hinauf. Hierauf geht die Fahrt mit Hilfe der Lo­komotive weiter, bis auf der anderen Seite des Gebirgszuges die Stelle erreicht ist, wo die dor­tige Landstraße an die Bahn herankommt. Die Rampe wird herabgelasfen. Die Autobusse fah­ren herunter und fetzen ihren Weg auf der Straße fort.

Wenn Auws und Eisenbahnen in so nahe De- xiebungen zueinander treten, wie wir es eben ge­schildert haben, so müssen auch die Sicher­heitsmaßnahmen umge stallet werden, die noch unter andern Gesichtspunkten geschaffen wurden. Dielfach ist in neuerer Zeit die Frage erörtert worden, ob die Eisenbahnschranke noch zum Autoverkehr paßt. Wird sie über­sehen, so kann es Vorkommen, daß das Auto eine Schranke durchbricht, dabei Schaden erleidet und infolgedessen auf den Schienen stehen bleibt, wo cs vom herannahenden Zuge erfaßt wird. Ver­schiedene Signaleinrichtungen sind erdacht wor­den, die den herannahenden Zug selbsttätig durch akustische und optische Signale melden, so daß jede» Auw hinreichend Zeit hat, rechtzeitig ab­zustoppen. Eine Eisenbahnverwaltung hat ledoch noch ein weiteres getan. Sie hebt den Zug durch einen grellen Farbenanstrich aus der Landschaft und aus seiner Umgebung heraus. Lokomotiven und Wagen werden mit breiten toten und gel­

ben Streisen gestrichen. Diese eigenartig getönte Schlange ist, wie di« Versuche ergeben haben, weithin sichtbar und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Als eine weitere Sicherheitsmaßnahme hak man verschiedentlich begonnen, die Lichlsignale für Auws in den Straßenhoben selbst hineinzuver-

legen. Die Wagen werden immer nichtiger. Hoch- hängende Ampeln sind daher schwieriger zu er­blicken. Zieht sich aber quer über die Strafte weg eine Kette von roten Lichtem, so ist es. wie Er­probungen ergeben haben, ganz unmöglich sie zu überleben. Der Fahret faßt ja in erster Linie die Straße ins Auge.

Wie findet man den Schalter im Dunkeln ?

Don Karl Ammon.

Rachdruck verboten!

Ta# elektrische Licht i steine sehr schöne Erfin­dung. vor allem auch, weil man zum Llnzünden kein Streichholz braucht. Aber das Rich-anzün- den-müssen eines Streichholzes hat auch seine Rachteile. Wenn man nämlich ein Streichholz an­zündele. so konnte man den Gashahn leicht finden, den elektrischen Schalter fintet man aber oft im

Bild 1.

Zwergglimmlampe (Hälfte der wirklichen Große).

Dunkeln nicht. Man hat deshalb die Schalter schon durch einen Leuchtfarbenanstrich ober wenigsten» durch einen leuchtenden Knopf gekennzeichnet, je­doch leuchtet die Leuchtfarbe so schwach, daß man den Schalter dann nur bei vollkommener Dunkel­heit. aber nicht im Halbdunkel sieht. Deshalb baut man neuerdings eine Zwergglimmlampe von nur 12 Zentimeter Durchmesser und 2.8 Zenti- meter Länge (Dild 1) in Schalter ein, die zwar nicht gerate Licht spendet, aber immerhin so hell

zu bringen, er genügt aber nicht zum Leuchten­lass en ter Glühlampe. Wird der Schalter geschlos­sen <B. 3). so wird dadurch die Glimmlampe kurzge­schlossen, und es fließt nun ein Strom, der die Glühlampe wie bisher zum Leuchten bringt. Wenn also die Glühlampe brennt, so brennt die Glimm­lampe nicht, und das ist ja auch nicht nötig, da es ja dann im Zimmer hell ist.

Wird die Glühlampe unbrauchbar, so erlischt die Glimmlampe: sie zeigt also ein Schadhaftwer­den ter Glühlampe jederzeit sofort an. Die durch die Glimmlampe fließende Stromstärke ist so ge­ring, daß man, um den Preis de» verbrauchten Stromes in Geld ausdrücken zu können, schon biS zum Jahresverbrauch gehen muß. SS beträgt näm­lich bei

110 Bolt Spannung

Gleichstrom Wechselstrom

Stromstärke 0.0004 Ampere 0,0003 Ampere

Leistung 0,044 Watt 0,066 Watt

Verbrauch:

täglich 1,056 Wattstd. 1,584 Wattstd.

jährlich 0,385* Stiloroattftb. 0,578 Äilomattftb.

Glühlampe

Glimmlampe

Schalter offen Dild 2

Dci offenem Schalter leuchtet die Glimmlampe, weil ter Strom durch sie und die Glühlampe hin- durch flieht.

Glühlampe-

Glimmlampe

Schalter 'geschlossen

Dild 3.

Del geschlossenem Schalter leuchtet nur die Glüh­lampe die Glimmlampe ist kurzgeschlossen.

ist. dah man sie auch im Halbdunkel deutlich sieht. Dazu hat man eine sehr witzige Schaltung ge­funden. die neben ihrer auhervrdentlichen Sin- fachheit verschiedene andere Vorteile hat. Die Glimmlampe ist nämlich sv geschaltet, dah sie den Schalter überbrückt, so dah man feinen einzigen Draht mehr zu verlegen braucht als bisher. 3ft der Schalter offen (Dild2), brennt also die mit dem Schalter zu bedienende Glühlampe nicht, so leuchtet die Glimmlampe, denn ter Strom flieht nun durch die Glimmlampe unb die Glühlampe hindurch. Da aber die Glimmlampe einen aufjer- ordentlich hohen Widerstand hat, so genügt der Strom zwar dazu, sie selbst zum schwachen Leuchten

220 Volt Spannung

Stromstärke Leistung Verbrauch: täglich jährlich

Gleichstrom Wechselstrom 0,0007 Ampere 0,0004 Ampere

0,154 Watt 0,088 Watt

3,696 Wattstd. 2,112 Wattstd.

1,349 Kilowattstd. 0,770 Kilowallstd.

3e nach ter Strom art und der Spannung braucht man also zum Brennen der Glimmlampe über ein ganzes Iahr etwa zwischen 0,4 und 1,3 Kilowattstunden, wovon noch die Zeiten abgehen, während deren die Glühlampe brennt: da» ist bei einem Strompreis von 20 Pfennig für die Kilo-

Vom Verkehr der Zukunft.

Don Or. Hellmut Thomasms.

Wer die Entwicklung des Verkehr# aufmerk­sam verfolgt, dem wird fich unwillkürlich der Gedanke aufdrängen, dah vielleicht einmal ein Verkehrsmittel gebaut werten dürfte, mit dem man auf der Erde und auf dem Waffer fahren sowie fliegen kann. Alfo ein Verkehrsmittel, das sich für jede Art der Beförderung eignet. An­sätze zur Erreichung dieses Ziels sind bereits in genügender Menge vorhanden. Boote wurden ge­baut, die mit anklappbaren Rädern versehen find, so dah sie nach dem Verlassen des Wassers die Landstrahen benutzen können. Wasserflugzeuge und die neuen Ftugfchiffe fliegen und schwimmen. Vis fich aber au# alledem einmal ein für jedes Bedürfnis brauchbarer Sinheitstyp entwickelt, Tarnt noch geraume Zeit vergehen Möglich, dah ihn uns die Technik, die gegenwärtig in raschem Fortschritt über die schwierigsten Hindernisse hin- toegctlt, aüch schon früher, unter Umständen fehr bald schenkt. ,,

Bis er aber da ist, müssen wir unS weiterhin mit Umfteigen und Umladen beschäftigen Dom Schiff ins Auto, von diesem in# Flugzeug oder Luftschiff und umgekehrt. Die Eifenbahn ist auch noch da und gibt weiterhin Gelegenheit, sich in diesem Sinne möglichst vielseitig zu betätigen. Diese ganze Umständlichkeit paht nicht mehr tn unsere Zelt, entspricht nicht mehr den Anforde­rungen untere# Verkehrs. Auch hier hat man bereits auf Abhilfe gesonnen. Kleine Flugzeuge wurden gebaut, deren Tragflächen fich feitwärts flach anlegen lallen und die man nach Abnahme des Propellers an ein Auto anhängen kann. Da» zieht fie durch die Straßen der Stadt. Was dar­aus einmal werden wird, muh abgewartet wer­den. Jedenfalls ist an diesem Ausweg aus Derkehr#nöten die Tatsache kennzeichnend, daß man daS Auto dazu verwendete, eine Lucke auszufüllen, die sich vorerst nicht in anderer Weise umgehen lieh. - Das Auto scheint zunächst über­haupt dazu ausersehen, uns so lange die Unan­nehmlichkeiten deS Umsteigens und UmlatenS zu ersparen, bis man zum Einheitsverkehrsmittel für alle Fälle gelangt ist. Das läßt fich noch aus einer Reihe weiterer Tatsachen deutlich erkennen. Reben den großen Luftschiffen baut man jetzt auch kleine Sie find als Droschken gedacht. Luft- Droschken . Sie nehmen neben dem Führer noch zwei biS vier Personen auf und können auf Dächern landen, die mit Rücksicht auf den zu­künftigen Verkehr bereits verfchiedentlich, inöte- sandere in Amerika, flach gebaut werten. Bei ten neuesten Arten dieser Luftschiffe wird der Ballonkorper vollständig auS Leichtmetall her­gestellt. Da noch nicht alle Dächer flach sind, mußten diese kleinen Droschken teilweise auf Flug­plätzen landen, teilweife hat man sie in Hallen untergcbracht. Auch Landungsmaste sind sowohl auf Flugplätzen wie auf Dächern errichtet worden. Die Fortbewegung dieser kleinen Luftschiffe, ihr Gin- und Ausfahren an den Hallen, ihr Heran- bringen an die Maste erfordert eine Anzahl von Mannschaften. Dieser Aufwand verträgt sich nicht mit dem Gedanken der Drofchke. Auch sonst gibt c» noch verschiedene Schwierigkeiten.

Das alles überwindet man nunmehr unter Ver­mittlung dc# Autos. A>is einem Autobus wurde ein Mast errichtet Er besteht aus drei Füßen, ähnlich denen eines Photographenapparates. Die Füße lassen sich zusammenlegen, für gewöhnlich liegen sie flach auf dem Dache des Autobusses. Soll ein Luftschiff daran befestigt werden, so wird ter Mast durch einfaches Ziehen an einer Zug­vorrichtung aufgestellt. Das Luftschiff ist mit Hilfe einer eigenartig gebauten Mastspihe in weniger al# einer Minute daran befestigt. Von der Gon­del wird eine nach allen Seiten drehbare Rolle herabgelasfen. Sie gleicht ungefähr ten Rollen, wie wir fie unter manchen unserer Möbel zu sehen gewohnt sind. Diese Rolle gibt dem Lust-

Kernsehen für jedermann!

Deutschlands neue Funtausstellung.

Don Or. Siegfried Kurth.

Unser Mitarbeiter, der fich bei der Reichspost und der Reichsrundfunkgefell- fchaft eingehend übet die neuesten Srrun- genschasten im Funkwesen erkundigt hat, kann schon jetzt einen Uebcrblid über die an Überraschungen reiche Funkausstellung geben, die im August in Berlin eröffnet wird.

Die Große Deutsche FunkauSstel» ku ng in Berlin, die am 21. August die Dau- ausstellung ablösen soll, wird eine Fülle tech­nischer, organisatorischer und kultureller Pro­bleme des Rundfunks auf rollen. Reichspost und Reichsrundfunkgefellschaft sowie Industrie werden vor der Oesfentlichkeit Rechenschaft über ihre Arbeit oblegen. Die Reichsrundfunkgefellschaft wird eine Sonterschau bringen, an der sämtliche Rundfunkgesellschaften beteiligt sind. Auf Schall­platten der einzelnen Gesellschaften werden an dem Besucher die wichtigsten Darbietungen ter letzten Iahte vorbeiziehen: Er kann also, wenn er Zeit und Lust hat. Studien invergleichender Horgeschichte" anstellen. Zur Ergänzung wird man an Modellen und bildlichen Darstellungen ablesen können, was jeder Sender auf feinem Ge­biet leistet und welche kulturellen und fünftlcri- fchen Eigentümlichkeiten sich m ten einzelnen Rundfunkkulturkreisen entwickelt haben. Schließ­lich wird man Einzelheiten über die Organisation des deutschen und internationalen Programm­austausches erfahren.

Eine Kinderbastelschau wird beweisen, dah die Heinen Hörer in ten Entwicklungsjahren mit RechtKinder des technischen Zeitalters" genannt werten. Wie in jedem Iaht, wird auch diesmal der Ausschuß für Rundfunk­störungen zeigen, wie weit man inzwischen die heiklen Fragen der gegenseitigen Störung gelöst hat. Den Besuchern werten natürlich durch die von den einzelnen Industriefirmen hergestellten Etörbefreiungsmittel und elektrischen Haushalls­geräte mit eingebautem Störschutz praktisch vor­geführt werten. Schließlich wird man auch die neuesten Werbewagen der Reichsrundfunkgesell­

schaft sehen können, die im Anschluß an die Aus­stellung im Berliner Sentebezirk hx Tätigkeit treten sollen.

Die Reichspost wird in einer reichhaltigen Eonderschau über die Ergebnisse ihrer Ar­beit berichten. Die ausgestellten modernen Hilfs­apparate laffen erkennen, wie die Rundfunk­sender kontrolliert und die Sendungen auf ihre Klarheit geprüft werten. Die Berliner Bevölke­rung wird fich ihren neuen Großsender, der nächstes Iahr den bisher in Gebrauch befind­lichen Senter in Witzleben ersehen soll, im Modell betrachten und an kartographischen Ucberfichten die Ueberlegenheit des fünftigen Senders fest­stellen. Etwas Außergewöhnliches bietet -die Reichspost durch die Vorführung eines modernen Ultrakurzwellenfenders. der mit Wel­len von weniger al# 10 Meter arbeitet. Dieser Ultrakurzwellensenter ist der handgreiflichste Be­weis für die außerordentlichen Fortschritte der Rundfunktechnik in den letzten Iahrcn. Es ist ja noch nicht lange her, daß man den Ultra­kurzwellen auch in Fachkreisen recht mißtrauisch gegenüberstand. Man hatte damals gerate mit kurzen Wellen zwischen 15 und 100 Meter er­staunliche Ergebnisse in ter Reichweite bei denk­bar geringstem Energieverbrauch erzielt und des­halb von ten Wellen von unter 10 Meter in einem begreiflichen »Kurzschluß" noch größere Leistungen erwartet. Ueberraschenterweise trat das Gegenteil ein, die ultrakurzcn Wellen wirkten nicht wie ihre langen und kurzen Brüter auf Tausende von Kilometer, sondern nur auf ver­hältnismäßig Heine Entfernungen. Die Wissen­schaftler fanden bald heraus, dah diese ent­täuschende Eigenschaft auf ter Aehnlichkeil ter ultrakurzcn Wellen mit den Lichtwellen beruht. Der Wirkungsbereich dieser Wellen ist daher ab­hängig vom Sichthorizont der Centerantennen. Außerdem zeigte fich bei ten ersten Versuchen, daß die ultrakurzcn Wellen, die für den Rund- funfbetrtcb unangenehme Eigenschaft hatten, llch wie das Licht nur geradlinig fortzupflanzen: man konnte fie z. D- in einer Zimmerecke gut emp­fangen. aber nicht in ter anderen. Der einzige Vorteil ter neuen Wellen schien der zu sein, dah sie praktisch störungsfrei ttxrren. Als man sich jedoch, angeregt vor allem durch Professor I E f a u in Iena. ernsthaft mit den ultrakurzen Wellen beschäftigte, stellle sich heraus. dah das, | was als Rachteil erschienen war, zum großen

Vorteil wurde. Da die Ultrakurzen nicht in die Ferne wirkten, konnte man nun verschiedene Sender mit der gleichen Welle betreiben, ohne dah Störungen eintraten. Auf dem Wellenband z. B-, das zwei von den drei Berliner Versuchs- sendem benutzen, können 300 Rundfunksendungen untergebracht werden, ohne dah man die ein­zelnen Wellen so gefährlich nahe nebeneinander zu legen braucht, wie man es jetzt bei den langen und kurzen Wellen tun muh. Da# ist eine wunderbare Möglichkeit, ter bekannten großen Wellennot des Rundfunks zu steuern und einen wirtschaftlichen Gleichwellenbetrieb auf große Balis ernzurichten. Aus diesen Gründen ist die Ausstellung und Vorführung des Ultrakurz- toellcnfenter» der Reichsvost von besonderer Be­deutung.

Den Höhepunkt der FunkauSstellung wird die Svnderabterlung ter Reich-Post für Fern­sehen bitten. Die Reichspost wird einen Fern­sehsender und auch eine Anzahl von Bildempfän- gem im Betrüb vor ühren. darunter einen Appa­rat. der mit .ter viel umstrittenen Braunschen Rohre arbeitet. Man versichert auf dem Funk- burcau des Reichspostministeriums, dah man mit diesem Apparat gute Resultate erzielt habe. In Amerika soll ja die Technik nach den neuesten Meldungen schon Jo weit fein, daß man e# dem getarnten Publikum frei stellen will, am Fern­sehen teilzunehmen. Tatsache ist, daß die ein­zelnen RundfunkgesLllschaften in Amerika zu ge­wissen Sendezeiten Fernsehsendungen veranstalten, und daß sich auch zahlreiche Teilnehmer daran beteiligen. Der Apparat soll etwa 300 Dollar kosten. Zugegeben wird allerdings, daß die Bild­qualität der modernen amerikanischen Sendungen höchsten Ansprüchen noch nicht genügt; aber die Amerikaner sind nicht sokleinlich", deswegen die ösfentliche Einführung des Fernsehen- auf­zuschieben.

In Deutschland arbeitet man ja seit Iahren fieberhaft an ter Ausgestaltung eine» technisch einwandfreien Fernsehbetriehes. Im Reichspost­zentralamt Berlin-Tempelhof besteht eine amt­liche Fernsehversuchsstelle, die Postrat Dr. B a n - neitj leitet. Im Heinrich-Hcrtz-Instrtut wirte ebenfalls am Fernsehen experimentiert, und auch die Reichsrundfrmkgesellfchast fbetlt Versuche in ihren Laboratorien an. Sogar einenAllgemei­nen Fernsehverein" gibt es schon. Wenn trotzdem das Fernsehen nicht wie in Amerika in voller

Öffentlichkeit betrieben wird, fo liegt das an der durchaus verständlichen Zurückhaltung der Behörden: man will erst anfangen, wenn die Apparate fo vervollkommnet sind, daß das Pu­blikum nicht Gefahr läuft, sich mit großen Kosten dauernd neue Einrichtungen anschaffen zu müssen, weil die alten überholt wurden. Aus den Funk- ausstellungen 1929 und 1930 konnte man bereit# sehen, daß man doch auf dem richtigen Wege war. 1929 wurde eine Fernfehapparatur jetzt im Deutschen Museum in München von Post- rat Dr. Banneih und Dr. Krawinkel vor­geführt, die das Problem grundsätzlich schon ge­lost hatte. Die Bildgröße war bei 1200 Bild- punkten und 12,5 Bildern in ter Sekunde freilich noch ziemlich ungenügend. Auf ter FunkauSstel­lung 1930 wurde ein Sender gezeigt, ter die zu übertragenden Personen mit ultrarotem Licht ab tastete, was ten Vorteil hat, dah man nicht geblendet wird.

Inzwischen ist an allen Stelle» in ter Stille weitergearbeitet worden. Was die Reichspost dieses Iahr zeigt, ift überraschend. Die Bild­punktzahl ist von 1250 auf 3000 gesteigert. Wie beim Film, werten in jeder Sekunde 25 Bilder gesandt. Das ist eine außerordentliche Verbesse­rung. Zum besseren technischen Verständnis wird die ReichSpost auf einem besonderen Apparat die Wirkung des Rasterbildes bei verschiedener Auf­teilung veranschaulichen. Don größerer Bedeu­tung werden Fernsehversuche auf einem Ultra­kurzwellensender sein, die abwechselnd auf ten Derfuchssendern zu Döberih und im Laboratorium des ReichspostzentralamteS in Tempelhof durch­geführt werten sollen, Rur auf ultrakurzen Wel­len kann man brauchbare und wirtschaftlich zu rechtfertigende Fernsehsendungen durchführen. Bei den üblichen Wellenbäntern zur Uebermittlung von Fernsehbildern von etwa 5000 Bildpunkten ist der Energieverbrauch außerordentlich groß, und der Betrieb daher unwirtschaftlich Zudem bedingt der bekannte Mangel an Rundfunkwellen, die sich nicht überschneiden, eine Durchführung des künftigen Fembildfunks auf den reichlich zur Verfügung Regenten ultrakurzen Wellen. Alle­in allem wird alfo die diesjährige Funkausstel­lung. und betonter» die AbteilungFernsehen", an einer Fülle von Beispielen beweisen, daß wir I wieder, minteftend technisch, ein gutes Stück vor­wärts und ter endgültigen Eroberung de# Aethers nähergekommen finö.