Ausgabe 
12.8.1931
 
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Auf der Spur der Attentäter von Jüterbog.

Oie Herkunft des elektrischen Drahts festgestettt. Dor der Verhaftung der Täter.

Berlin, I1.2lug. (£11.) 3n überrascherrdkur­zer Zeit ho^en die Ermittlungen nach den Ur- hebern des Eisenbahnattentats bei Jüterbog zu einem wichtigen Erfolg geführt. Bekanntlich wurde die Sprengladung auf elektrischem Wege zur Entzündung gebracht und zwar von einem Punkte aus, der vom Tatort selbst etwa 180 Meter entfernt ist. Es handelt sich um ein dichtes Gebüsch, das in einer ttefen Mulde neben dem Bahndamm ein außerordentlich günstiges Versteck darstellte. 2ln der betreffenden Stelle wurde unter Gras und Moos verborgen ein Paket vorgefunden, das, in Packpapier eingeschlagen, in erster Lvnie eine Hvlzrvlle enthielt, auf der sich noch etwa 200 Meter des gleichen Drahtes befanden, wie er zur Ausführung der Tat benutzt worden ist. Eine große Zahl von Beamten suchte auf Grund des Fundes alle nur irgendwie in Betracht kommenden Geschäfte auf, mit dem Er­folg, daß noch im Laufe der Rächt

die Herkunst der iRollc mit dem Draht festgestelli

werden konnte. Sie stammt aus einem 3n* st allationsge schäft in der Fried- r i ch s st a d t und ist dort von einem bisher un­bekannt gebliebenen Mann gekauft worden, in dem augenscheinlich der oder einer der Atten­täter zu suchen ist. Der betreffende Mann war schon am 7. August gegen Mittag in diesem Ge­schäft und kaufte zwei Eisenrohre 1,57 Meter lang, Durchmesser 6/< Zoll. Am nächsten Tage, Samstag, 8. August, kaufte er noch eine Schachtel 3solierband und danach eine Holzrolle, enthal- tenb 500 Meter Draht der erwähnten Art. 3eder Zweifel daran, daß es sich bei der ge­fundenen Rolle Draht um den in jenem Geschäft erworbenen Draht handelt, wird beseitigt durch den Umstand, daß die Umhüllung des Pa­kets ganz charakteristische Merkmale aufwies: Die Gatttn des 3nstallateurs hatte gerade am Mor­gen jenes Tages von ihrem außerhalb wohnenden Sohne eine Wäschesendung erhalten. Die Adresse war zum Teil beseittgt, immerhin aber noch deutlich erkennbar. Uebrigens sand sich in der Umhüllung außer dem Rest des Drahtes auch noch die Schachtel 3solierband vor. Anscheinend hatte derselbe Mann schon bei einer anderen Firma am Freitagabend den Ver­such gemacht, etwas dünneren Draht zu erwerben. Der Draht wurde auch besorgt. Er hat ihn jedoch nicht abgeholt.

Oer Mann wird folgendermaßen beschrieben:

Etwa 1,72 Meter groß bis 35 Jahre alt, schlank, aufrechte Haltung, auffallend bräunliche Haut (Son­nenbrand?) glatt rasiert, doch starker Bartwuchs erkennbar, fast schwarzes Haar, dunkelbraune Augen, spricht angeblich gebrochen deutsch, will früher irischer Offizier gewesen sein und Pen­sionen von 700 Mark monatlich beziehen, will vor vier Jahren in Deutschland eingebürgert sein. Seine

Das Attentat auf den V-Zug Frankfurt a.M.Berlin bei Jüterbog.

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Frau soll sich zur Zeit in Frankfurt am Main befinden. Der Unbekannte wollte hinter Potsdam ein Gartengrundstück bewohnen. Das Häuschen soll drei Zimmer enthalten. Bekleidet war der Unbekannte mit graublauem Iackettanzug, weißem Oberhemd, weißem Umlegekragen, rotbrau­nem Selbstbinder, grauem Schlapphut mit vorn her­untergebogener Krempe und Sommermantel aus ver­mutlich grauem Stofs. Er trug Halbschuhe, Farbe kann nicht angegeben werden.

Wie bekannt, ist für Mitteilungen, die zu einer Aufklärung des Verbrechens führen, eine Gefamt- belohnuna von 100 000 Reichsmark ausgesetzt wor­den. Die A n g a b e n des Gesuchten über seine per­sönlichen Verhältnisse sind sicherlich ganz oder zum größten Teil unwahr. Dennoch bieten sie vielleicht weitere Anhaltspunkte. Zur Untersuchung der Spreng st ücke bzw. Feststellung des zur Tat be­nutzten Sprengstoffes ist seit heute vormittag Pro­fessor Dr. Ritter, eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiet, an Ort und Stelle tätig. Es kann schon jetzt mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, datz die obenerwähnten Rohre bei dem Attentat Ver­wendung gefunden haben.

Die Unlersuchungskommission im Kloster Zinna ist nun in den Lefitz von weiteren Spuren gelangt, die innerhalb kurzer Zeit zu der Verhaftung oder zumindest zu der Feststellung der Täter fuhren dürften. Man kennt bereits den Personenkreis, in dem diese zu verkehren pflegen; man weih, daß sie sich im Berliner Norden verborgen hal­len, und es ist die Aufmerksamkeit von zwei ver­schiedenen Seiten, die voneinander völlig unabhängig sind, auf einen russischen Staatsange­hörigen hingewiesen worden, der sich erst seit kurzer Zeit in Berlin aufhalten soll. 3n Potsdam ist sogar eine Fe st nähme erfolgt, doch ist es noch sehr zweifelhaft, ob die Person, die vorläufig in Ge­wahrsam gehalten wird, mit dem Attentat tatsächlich etwas zu tun hat. Der Festgenommene befreitet selbstverständlich, und die Potsdamer Kriminalpolizei ist jetzt bemüht, zu ermitteln, ob der Betreffende zu der Zeit des Anschlags in Kloster Zinna gewesen sein kann.

Oie Ourchführung des Hoover-Moratoriums. London, 11. Aug. (WTD.) Die Londoner Sachverständigenverhandlungen über die praktische Durchführung des Hoover-Planes * sind heute durch Unterzeichnung eines Berichtes _unb eines Proto tolles abgeschlossen wor­den. Das Protokoll wurde von allen beteiligten Regierungen mit Ausnahme 3ugosla- Wiens unterzeichnet. Das praktische Ergebnis der Vereinbarungen ist eine Entlastung Deutschlands während des Hoover-3ahres von 1 593 676 276 Reichsmark. Dieser Betrag wird bis zum 1.3uli 1933 zinslos aufge- schvben und von diesem Zeitpunkt ab in zehn gleichmäßigen 3ahresraten unter Zugrundelegung eines Zinssatzes von 3 Prozent zurückge­zahlt. Während des Hoover-3ahres werden un­verändert weitergezahlt: Der Dienst der Dawes- und der Boung-Anleihe sowie die Zah­lungen an die Vereinigten Staaten für die ame­rikanischen Entschädigungsberechtigten und die Zahlungen aus dem deutsch-belgischen Markab­kommen, zusammen etwa 200 Millio­nen Reichsmark.

Bei den Beratungen des Komitees ist die französisch-amerikanische Ab­machung vom 6.3uli 1931 über die Anwendung des Hoover-Planes als Ausgangspunkt angenom­men worden. Diese Abmachung sieht vor, daß an Stelle der effektiven, wenn auch formal wei­terlaufenden Zahlung des unaufschieb- barenTeiles der Annuität während des Hoover-3ahres von der Deutschen Reichsbahn Schuldscheine in Höhe von 45 Millionen Reichsmark monatlich ausgestellt und eine Rück­zahlung und Verzinsungsverpflich­tung unter den gleichen Bedingungen wie im Falle der aufgeschobenen Annuität übernommen wird. Die von Deutschland vom 1.3uli 1932 ab zu leistenden Rachzahlungen sind einem Aufschub nicht unterworfen. Die deutsche Re­gierung hat aber zum Ausdruck gebracht, daß sie zu der Frage, welche Zahlungen Deutschland künftig leisten könne, nicht Stellung nehme, zumal da die Frage der Zahlungsfähigkeit nicht zur Zuständigkeit des Komitees gehört habe. Die Erörterung dieser Frage für spätere Verhand­lungen über die Reparationsfrage bleibt dem­nach offen.

Die schwierige Frage der S a ch l e i st u u g e n hat ihre Regelung in der Festlegung gewisser Grundsätze gefunden, deren praktische Anwendung von den Sachleistungskommissaren in Paris geregelt werden soll. Hierbei ist vor allem unter­strichen worden, daß die Durchführung der Sach­leistungsverträge keineHausyaltsbelastung Deutschlandsund keine Beeinträchti. gung der deutschen Wirtschaft während des Hoover-Jahres mit sich bringen darf. Die bei der BIZ. zur Zeit verfügbaren S a ch l i e f e - rungskredite müssen zunächst, soweit sie aus­reichen, für die Durchführung bereits genehmigter Verträge verwendet werden, und die Gläubiger­mächte haben sich verpflichtet, soweit möglich, Mittel zu finden, um den Aufschub laufender Verträge zu verhindern. Nachdem die vorhandenen Kreditmittel aufgebraucht und sofern keine anderen Finanzie- rungsmöglichkeiten gegeben sind, können die Gläu­bigerregierungen die Ausführung genehmigter Ver­träge bis zum 30. Juni 1932 auf schieben.

Anstoß zur Verwaltungsreform.

Oer Dualismus Preußen-Reich. Pläne des Ministerpräsidenten Braun. BerwaltungSgemeinschasten als Anfang der Reichsreform.

Berlin, 10. Aug. (VDZ.) Der Ausgang des Volksentscheides, der die Stellung der preußi­schen Regierung bis zum nächsten Frühjahr ge­sichert hat, gibt dem preußischen Ministerpräsi­denten Braun die Möglichkeit, die Reform- Pläne weiterzuverfolgen, die nach seinem Wil­len noch im Laufe des Winters verwirklicht wer­den sollen. 3n einem Artikel zum Verfassungs- t-oge imVorwärts" hatte Braun u. a. gesagt: Preußen wird dem Reiche ohne jede Spur von Partikularismus und Eigenliebe zur Seite stehen, wenn es jetzt darangeht, die Grundsätze einer vernunftgemäßen Rationali­sierung des deutschen Verwaltungs- a p p a r a t e s in die Wege zu leiten. Es wird ihm die Wege ebnen helfen zur Reichsverwal­tungsreform, bei der sich alle diejenigen auf breiter Basis zusammenfinden werden, die einsehen, daß jetzt nicht Parteikampf erlaubt ist, sondern daß das deutsche Staatsschisf von allem unnötigen Ballast befreit wer­den muh, wenn es die stürmische Fahrt in schwerer Seenot bis in den sicheren Hafen be­stehen will.

Wie das Rachrichtenbureau des VDZ. erfährt, soll in erster Linie das Wahlrecht zum Preußischen Landtag geändert werden mit dem Ziel, das umfangreiche preußische Parla­ment wesentlich zu verkleinern. Bei der verstärkten Wahlbeteiligung, die sich in den letzten 3ahren, zuletzt bei den Reichstagswahlen und beim Volksentscheid zeigte, würde der Preu­ßische Landtag, der jetzt aus 450 Abgeordneten besteht, seine Mitgliederzahl auf beinahe600 vermehren. Die preußische Regierung will eine Wahlrechtsänderung Vorschlägen, die die Ab­geordnetenzahl auf 300 oder höchstens 350 begrenzt. Es wird daran gedacht, eine in diesem Rahmen liegende Höchstzahl der preußi­schen Abgeordneten zu bestimmen und daraus die Stimmenzahl zu errechnen, die für einen Abge­ordneten erforderlich ist. Auf diese Weise würde die Abgevrdnetenzahl stabil blei­ben, während sie jetzt, je nach der Wahlbeteili­gung, steigen oder fallen kann. Weitere Pläne des preußischen Ministerpräsidenten beschäftigen sich mit der Reichsreform. Er hält den Dualismus zwischen Reich und Preu­ßen auf die Dauer nicht für erträglich und will versuchen, durch Verhandlungen mit den Reichs­stellen ohne Verfassungsänderung eine Art Verw al tungsgemeinscha f t zwischen Reich und Preußen auf gewissen Gebieten als Vorstufe zu einer verfassungs­rechtlichen Zusammenfassung herbeizu- führen. Hierfür kämen zunächst die 3 u st i z, die innere und die Landwirtschaftsver­waltung in Betracht. Staats- und Der- kehrsministerium könnten zusammen­gelegt und das Landwirtschaftsmini- sterium beim Reich aufgehoben werden. Die Aufgaben dieses Reichsministeriums könnte dann eine Landwirtschaftsabteilung beim Reichswirtschaftsministerium erfüllen. Rach solcher Vorbereitungsarbeit hätte

dann vielleicht nach Meinung der preußischen Regierung ein Volksentscheid zur endgül­tigen Lösung der Reichsreform ' Aussicht auf Erfolg.

DieGermania" greift nun den Gedanken auf und schreibt u. a.: Die Forderung nach einer grundsätzlichen Derwaltungsreform ist seit der Staatsumwälzung nicht verstummt, gegenwärtig aber gewinnt diese Frage in Zu sammen- hang mit den harten Sanierungs­maßnahmen der Regierung eine viel stär­kere Bedeutung und Dringlichkeit als je zuvor. Das Kernproblem der Reichs- oder Verwaltungs­reform ist nach wie vor der Dualismus zwischen dem Reich und Preußen. Daß an diesem Dualismus ohne Mittun der preu­ßischen 3nstanzen kaum zu rütteln sein würde, stand außer Frage, Um so bemerkenswerter er­scheint die Tatsache, daß jetzt der preußische Ministerpräsident Otto Braun in durchaus positiver Weise in dieser schwerwiegenden Frage das Wort ergreift und damit Wege zu einer praktischen Präliminar- lösung eröffnet. Wjr begrüßen diese 3nittative um so mehr, als der Plan von Der- waltungsgemeinschaften zwischen Reich und Preu­ßen geeignet erscheint, die ganze Frage auf dem schnellsten Wege aus dem Stadium theoretischer Erwägungen in das praktischer und erfolgver­sprechender Maßnahmen überzuführen. Der Weg der Derwaltungsgemeinschaften kann durchaus der Anfang einer Beseitigung des vielgellag- ten Dualismus zwischen Reich und Preußen und damit der Ausgangspunkt einer allgemeinen, grundsätzlichen Reichsreform werden.

Oie AGOAp. zum Ergebnis des Volksentscheids.

Berlin, 10. Aug. (TU.) Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht folgende Stellungnahme zum Volksentscheid:Der Volksentscheid des Stahlhelms, dem die NSDAP, aus nationaler Disziplin ihre Un­terstützung nicht versagt hat, hat zwar ein zahlen­mäßig entscheidendes Ergebnis, das für die sofortige Auflösung des längst überfälligen Preußisches Land­tags ausreicht, nicht gebracht, muß aber angesichts der Tatsache, daß rund 10 Millionen wahlberechtigter preußischer Staatsbürger der schwarz-roten Herrschaft vor aller Oeffentlichkeit ihr ichärfstes Mißtrauen zum Ausdruck gebracht haben, als ein d u r ch s ch l a g e n- der Erfolg der nationalsozialisti- schen Opposition gewertet werden. Die NSDAP., die in dieser Hinsicht jederzeit ganz un­zweifelhaft die Hauptlast des Kampfes getragen hat, darf diesen großen Erfolg um so mehr für f i cf) in Anspruch nehmen, als die Erfahrungen des gestrigen Tages gezeigt haben, daßdieAnhängernahe- zu aller anderen Parteien und Orga­nisationen, die an diesem Volksentscheid des Stahlhelms beteiligt waren, mehr oder weni­ger versagt haben.

Die RSAPD. die sich im 3ntevesse des schaffen­den Volkes und der nationalen Sache für diesen Volksentscheid eingesetzt hat, obwohl sie keine Ge­

legenheit versäumt hat, beizeiten ihre Beden­ken gegen das Stahlhelm-Volksbegehren geltend zu machen, barf heute mit Stolz darauf Hinweisen, daß es ihr wie immer, so auch gestern gelungen ist, durch die Werbekraft ihrer 3dee und den uner­schütterlichen Kampfgeist ihrer Anhänger die gro­ßen Massen gegen die schwarz-rote Herrschaft in Preußen zu mobilisieren. Cs ist ohne Zweifel, daß von den rund zehn Millionen Preußen, die öffent­lich gegen Rot-Preußen demonstriert haben, min­destens sechs bis sieben Millionen aus das Konto derRSAPD. zu setzen sind. Dom Stanbpunkt der RSAPD. aus sehen wir daher in diesem Ergebnis mit Recht einen durchschlagenden Erfolg. Rach dem Ergebnis der Abstimmung würden wir aus einer Reu­wahl in Preußen schon heute als die st ä r k st e Partei des Landes hervorgehen. Das ist das überaus erfreuliche Fazit, das die Partei aus der gestrigen Wahlschlacht zieht. 3m übrigen hat. der gestrige Volksentscheid nur die Tatsache be­stätigt, daß die verfassungsmäßigen Bedingungen und die ungeheuer erschwerenden Umstände, un­ter die eine solcheVolksabstimmung" gestellt ist, die wirkliche Entscheidung des Volkes niemals zum Ausdruck kommen lassen können und jeden zahlen­mäßig entscheidenden Erfolg von vornherein un­terbinden. Die RSAPD. hat trotz ihrer Bedenken diesem vom Stahlhelm veranlaßten Volksentscheid ihre vollste Unterstützung gegeben, um die natio­nale Opposition nicht im Sttch zu lassen. Die ge­strige Abstimmung hat erneut unter Beweis ge­stellt, daß die Entscheidung im Kampfe um die Erneuerung der Ratton und um die Gestaltung der deutschen Zukunft nur bei der Rattvnalsozia- listischen Arbeiterpartei Deutschlands liegt und nur durch sie fallen wird. 3m Vertrauen auf die eigene Kraft geht unser Kampf unerschüt­terlich weiter bis zum Endziel."

Oer Stahlhelm

nach dem Volksentscheid.

Berlin, 10. Aug. (TU.) Das Bundesamt des Stahlhelm erläßt eine Kundgebung, in der es heißt:Der Kampf geht weiter! Der Volksentscheid hat einen moralischen Erfolg der nationalen Front gebracht. Zehn Millionen deutsche Männer und Frauen haben sich trotz stärksten Terrordrucks der Gegner, trotz stärkster Beeinflussung der Bevölkerung durch die Preu­ßische Regierung zum Gedanken des nationalen Selbsthilfewillens zur 3dee der deutschen Freiheit bekannt. Unsere Front ist weiter ge­wachsen. 3,6 Millionen stimmten für den Voung-Volksentscheid, 3,9 Millionen beim Land­tags-Volksbegehren, rund 10 Millionen stimmten jetzt beim Volksentscheid für unsere Forderung und das, obgleich die Kommunisten entgegen der Parole ihrer Parteileitung fast nirgends zur Urne gegangen sind. Auf 8,8 Millionen Wähler stützt sich heute noch die zur Zeit amtierende Preuhen- regierung. Daß sie dem Willen der Volks­mehrheit nicht mehr entspricht, ist da­mit eindeutig erwiesen, denn über eine Million Wähler mehr steht heute gegen sie, als damals für sie.

Es wird sodann erklärt, daß der Stahlhelm das Abstimmungsergebnis wegen der beson­deren Umstände, unter denen es zustandegekom- men ist, aus staatsrechtlichen Gründen anfechten werde. Zum Schluß heißt es:Wir danken allen Volksgenossen, die sich trotz der Gegenmaßnahmen unb Drohungen für die deutsche Freiheit eingefetzt haben. Wir danken insbeson­dere unseren Kameraden, deren unablässige, tat* kräfitge Arbeit der Erfolg zuzuschreiben ist, für ihre Leistungen und Opfer. Der Volksentscheid ist ein eherner Meilenstein auf der Vormarschstraße der deutschen Freiheitsbewegung. Der Vormarsch geht weiter, nicht um unsertwillen, sondern für Deutschlands Freiheit."

Oie Volkspariei.

Berlin, 11. Aug. (TU.) In der Nationallibera­len Korrespondenz wird zum» Ergebnis des Volks­entscheids u. a. ausgeführt: Es sollte der preußischen Regierung doch zu denken geben, daß das Volks­begehren rund 9,8 Millionen Stimmen erreichte, während die Weimarer Parteien am 14. September in Preußen nur 8,9 Millionen Wähler um sich ver­einigten. Eine Reihe von Umständen ist dazu noch für die Regierung Braun günstig gewesen. Einmal die Sommerzeit, die eine durchgreifende Pro­paganda für den Volksentscheid erschwerte, - dann der Geldmangel der Parteien und ein Wahl­termin, der in den Westprooinzen noch in di« Ferien fiel, ferner die technis chen Erschwe­rungen des Volksentscheides. In der Hauptfach« aber verdankt nach unserer Ueberzeugung das Ka­binett Braun den Ausgang des 9. August der Tat­sache, daß es sich hinter den breitenRücken der Reichspolitik gestellt hat. Weite Streife des Volkes, die durch ihre täglichen Sorgen um ihre Existenz zermürbt sind, die der Regierung Brü- ning nach der Ueberroinbung der ersten zahlungs­politischen Schwierigkeiten mit einem gewissen Ver­trauen gegenüberstehen, haben ihre Abrechnung mit den Sündern der Preuhenpolitik vertagt, um die Reichspolitik nicht zu stören.

Man hat es der DVP. verübelt, daß sie sich an dem Volksentscheid beteiligt hat. Trotzdem hat die Partei als solche es für richtig gehalten, der Aufforderung des Parteivorstandes zu folgen, die sich auf die durch jahrelange Erfahrung gestützte Haltung der Landtagsfraktion gründete. Wir halten diese Parole auch heute noch für richtig. Die Oppo­sition in Preußen, für die ein tausendfacher Grund vorhanden ist, darf nicht das Monopol der Natio­nalsozialisten und Hugenbergs sein, sondern muß auch im Lande von allen Gruppen getragen werden, die sie parlamentarisch durchkämpfen müssen. So ist der Kampf in Preußen nicht beendet, er geht weiter und wird seine Entscheidung spätestens im Frühjahr 32 finden. Es wird bei den Landtags­wahlen dafür zu sorgen sein, daß reiner Tisch ge- macht wird. Das Konto wird nicht kleiner sein, als es heute ist.

Oie Giillhalieakiion.

Gemeinsame Verhandlungen des Baseler Studienansschusses mit dem Stillhaltekomiiee.

Basel, 11. Aug. (WTB.) Der S tu dien - ausschuß für die Kreditlage in Deutschland hat, da es ihm zur Zeit nicht möglich erscheint, einen genauen Ueber- b l i ck über das, was Deutschland an kurzfristigen Krediten schuldet, zu gewinnen, besonder- wegen der schwebenden Verhandlun­gen zwischen deutschen Bankenvertretern und dem sogenannten Stillhaltekomitse, beschlossen,