Ausgabe 
12.8.1931
 
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Ur. 186 Erster Matt

181. Jahrgang

Mittwoch. 12. August (931

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich fürVolmd Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr h Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchem und für den Anzeigenteil Mas Filter, sämtlich m (Bifhen

Landnöten.

Die Ursachen für den negativen Ausgang des Volksentscheids vom 9. August werden zweifellos noch sehr eingehend im Lager oller Parteien, die ihn propagonbiftifd) unterstützt haben, Gegenstand sorgfältiger Gcwissenserforfchnng sein. Denn wenn auch die Tatsache der Ntchibctciligung der Kommu­nisten ziemlich offen zu Tage liegt, so ist doch ebenso wenig zu verkennen, daß auch in der Front der bürgerlichen Dolksentscheidsparteien bedenklich schwache Stellen erkennbar wurden. Um zunächst dies richtig zu stellen: nicht Herr Braun ist der Sieger diefer Stimmschlacht geblieben, auch nicht das preußische Kabinett. Soweit politische Gesichts punkte eine Rolle gespielt haben, hat die Regierung Braun-Severina den negativen Ausgang des Volks- entfcheids ausschließlich der persönlichen Autori­tät des Reichskanzlers zu verdanken, wie ja wohl überhaupt der labile Zustand der Reichs­politik in der Krifenzeit unserer Gegenwart für sehr erhebliche Wählerschichten des bürgerlichen Lagers der Grund gewesen sein mag, trotz prinzipieller Gegnerschaft gegen das System der Weimarer Koa­lition der Abstimmung fernzubleiben.

Welche politischen Folgerungen werden 1ld) nun aus dem mißlungenen Volks entscheid er­geben? W r sind der Meinung, daß di« Gesamt- läge Deutschlands kaum größeren DewegungS- raum für pane politische Sonderbedürsniss« mt- halt, sondern baß slch die önttoidlung der nach- st en Monate mit eiger gewiffen Zwangs- l ä u f: g f c 11 vollziehen w.rd. soweit d'.« Parteien und pol rischen Gruppen nicht Wert daraus legen, chre Sonderintereslen unter Verleugnung der elementarsten staatspol. tischen Rotwend 9'eiten zu verfolgen, womit sie sich freilich außerhalb des Verbandes von Volk und Staat stellen würden. De. aller Zwangsläufigkeit im Ablaus der Ding« aber w.rd gerade das Reich einer entschlossenen und zielklaren Führung nicht «ntraten können. Und wenn, wie w r meinen, Dr. Drüning mit in erster Linie für den Ausgang des 9. August verantwortlich ist. so trägt er nicht nur deswegen, sondern eben schlechthin als der Ches des Reichs- kabinetts auch die Hauptverantwortung da^ür. daß die Folgen der rücksichtslosen, gegen den Volksentscheid gerichteten Propaganda, die unter wc.ig hend r Zurückdrängung lebenswicht.ger Re.ärsintcreisen inszeniert worden ist. nicht der ganzen Ral.on zum Schaden gereichen. Denn wenn etwa wahrend der kommenden Wochen in dem Stile des amtlichen Ausrufs der preußi­schen 6:aatiT.fl crung praktische Politik von der Reg.crung Braun-Severing her getrieben wer­den soll, dann w rd in Kürze der innen- und außenpolitische Scherbenhaufen. der damit an- gcr chret werden wird, nicht mehr zu übersehen se n.

Wir glauben zu wissen, daß Dr. Brüning selbst von der preußischen Kundgebung auf das Leb­hafteste befremdet gewesen ist und bann nut Recht eine Beeinträchtigung seiner San.erungs- und Konsolidierungspvliti? erblickt hat. So darf man Wohl auch annehmcn. daß der Reichskanzler kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern deutlich und unverblümt seine Meinung zum Ausdruck bringt.

Wie man hört, sind von preußischer Seite Be­sprechungen mit dem Reiche eingeleitet ttn>rb«n. hie daraus abzielen, mindestens in einer Reihe von Ressort- eine Verwaltungsgemein- schuft mit dem Reiche einzugehen. Das konnte ein fruchtbarer Anfang zu einer wirklichen Reichsrefvrm sein. Von Dr. Brüning weiß man, daß er von der Rotwendigkeit einer durchgreifen­den Reichsrefvrm durchdrungen ist und daß er schon vor geraumer Zeit einmal entsprechende Weisungen auf fchl unige A s arbeit, nz Prak i cher Vorschläge gegeben hat. Wir erwarten von ihm. daß er das Ziel der Verwaltungsgemeinfchast zwi- schen Reich und Preußen auch >etjt nicht aus dem Auge verliert. Der Reichskanzler ist in der ge­genwärtigen Situation genau so stark, wie er sein Will, und tneim dem preußischen Kabinett über einem Erfolge, der nicht der (einige ist, der Kamm schwillt, so wird er gut daran tun, es beizeiten in seine Schranken zurückzuweisen.

Anschläge auf Derkehrseinrichtungen sind in Deutschland eine Seltenheit, politische Attentate hat es bisher so gut wie gar nicht gegeben. Um so sen­sationeller wirkt der Spreng st ossan schlag auf der Strecke Iüterbo a Berlin, der und dafür spricht der ganze Tatbestand von langer Hand vorbereitet worden ist. Diejenigen, die den Schienenstrang in die Luft gesprengt und den nach Berlin eilenden D-Zug zum Umstürzen ge­bracht haben, sind sehr sorgfältig zu Werke gegan­gen. Das große Geheimnis besteht nur darin, was die Täter eigentlich wollten. An eine Plünderung der Verunglückten haben sie nicht gedacht, denn sonst hätten sie sich nicht schleunigst davon gemocht. Um krankhaft veranlagte Naturen, die vielleicht ein­mal das Schauspiel einer Estenbahnkatastrophe er­leben wollten, kann es sich auch nicht gehandelt haben. Die Leute hätten gewiß nicht erst Dynamit herangefchleppt, Stromleitungen gelegt und nachher noch durch die Zurücklasiung einer politischen Tages- jjeitung den Anschein zu erwecken versucht, als ob Nationalsozialisten das traurige Werk vollbracht hätten. Mit derPolitik" hat der Anschlag aber zweifellos etwas zu tun. Wir können uns oorftellen, daß beabsichtigt war, den Zug des Kanzlers in die Luft zu jagen. Nun läßt sich dem entgegen- halten, daß der &an,;ler am Samstagabend noch auf italienischem Boden war, was ge­wissenhaft arbeitende Terroristen eigentlich hätte bekannt sein müßen. Aber oft muß man überrascht feststellen, daß sorgfältig ausgearbeitete Pläne irgendeinen Fehler enthalten, der die Erreichung des gesteckten Zieles vereitelt. Dabei handelt es sich

Der Verfaffungsiag in der Reichshaupistadi.

Reichsfinanzminister Dietrich spricht bei der Derfaffungsfeier der Reichsregierung.

Dor dem Reichstag.

Ter Reichspräsident begibt sich ;ur verfassungsfeier

Berlin. 11. Äug. (WTB.) Lange bevor di« Feier im Reichstag ihren Ansang nahm, ström­ten bereits viele Tausende zum Platz der Re­publik, so daß zum Mittag eine unüber­sehbare Menschenmenge den riesigen Platz füllte. DaS Wetter hatte sich soweit aus­geklärt, daß gegen 12 Ahr auf dem mit den ReichSsarben und der Kriegsflagge geschmückten Platz Sonne lag. Die Zugangsstraßen waren dicht beseht, wo die Polizei unter persönlicher Leitung des Kommandeurs der Berliner Schutz­polizei, Oberst HeimannSberg. den Verkehr musterhast regelte. Auch vor dem PalaiS deS Reichspräsidenten hatte sich eine dichte Menschenmenge eingefunden, um bei der Abfahrt des Reichspräsidenten ihm ihre Ovatio­nen darzubringen Die Hauptstraßen waren be­sonders stark beflaggt. Reben allen öffentlichen Gebäuden hatten auch alle Botschaften und Ge­sandtschaften wie viele Privathäuser Flaggen- schmuck angelegt. Punkt 12 Tlhr fuhr Reichs­präsident v. Hindenburg, begleitet von Staatssekretär Meißner und Adjutant Oberstleut­nant v Hindenburg am Portal 4 de S Reichstags vor. Zur selben Minute mar­schierte die 2. Kompanie des Infanterie­regiments R r. 1 0 aus Dresden im Parade­schritt an und nahm in zwei Gliedern Aufstellung mit der Front nach dem Reichstag. Rach der Meldung des Kompaniechefs schritt der Stadt- tommanbant von Berlin, Oberst v. Witzen - d o r s s, die Kompanie ab.

Die Feier im Reichstag.

Dem Ernst der Zeit entsprechend ist der ReichS- tagsfihungssaal zwar würdig, aber doch sehr ein­fach geschmückt. Rings um den Saal ziehen sich sch warz-ro'.-golden« Fahnen, ucher. Kleber dem Platze des Redners ist der große Reichsadler an­gebracht: darunter steht auf dem Präsidentenpult eine Brvnzebüste des Freiherrn vom Stein, von schlichten Blumen'umrahmt. Sonst hebt sich nur noch die Präsidentenloge hervor, an deren Brü­stung die Flagge des Reichspräsidenten hängt. Der 6aal. der schon lange Zeit vor dem Festakt biS zum letzten Platz gefüllt war. bot trotzdem ein bun­tes Bild, das besonders durch die sarbenprächti- gen Uniformen der Abordnungen der stu­dentischen Korporationen unterstrichen wurde, die den ganzen Saal umsäumten. Die Stu­dentenschaft war diesmal in so großer Zahl ver­treten. we es noch bei keiner der vergangenen Verfassungsseiern der Fall war. Aus der Re- gierunaseftrade hatten neben dem Reich S- kanzler die Reichsminister Platz genom­men. Reben Minister Dietrich saß der preußische Ministerpräsident Dr. Braun. Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Lahm hatte seinen Platz neben dem Reichsaußenminister. Ferner sah man den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, die Vertreter der Heeres- und Marineleitung u. v. a. Auch die Vertreter der deutschen Länder waren unter Führung des bayerischen Gesandten Dr. v. P r e g e r vollzählig erschienen. Punkt 12 Uhr erschien, während sich die Jestversammlung von den Plätzen erhob. Reichspräsident von Hindenburg, um in der Diplomatenloge Platz zu nehmen. In seiner Begleitung befanden sich Reichsminister Dr. Wirth und Groener, Reichstagspräsident'Löbe und Reichsvizepräsi­dent v. Kardorfs.

Die Festrede.

Dcutichcr Wiederaufbau im Geiste Steins.

Die Feier wurde eingeleitet durch di« Motette ..Der Geist hilft" von 2- S. Bach. Dann hielt Reichsminister der Finanzen Dr. Dietrich di« Festrede: Einen ungeheuren wirtschaftlichen Wiederaufstieg haben wir seit 1923 voll­zogen. aber nicht allein aus eigener Kraft, son­dern auch mit dem Vermögen fremder Rationen. Derhängnisvollerweise geschah eS vielfach in der Form, daß dieses Kapital nur au? kurze Zeit geliehen wurde. So wurden wir in die fürchterlichen Wirren der vergangenen Monate gestürzt. Doch die Ursache unserer er­neuten Krise liegt tiefer. Die Unruhe und das Mißtrauen in der Welt sind letzten Endes auf politische Gründe zurückzuführen. Es ist nicht eine Krise ber Wirtschaft allem, sondern es i Rn b i e Krise ber Friedensver-

Die Versasfungsfeier der Reichsregierung im Reichstagsgebaude. Im Hintergrund die mit den Reichs- färben und der Präsidentenstandarte geschmückte Loge des Reichspräsidenten.

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trüge, die an uns rüttelt. Wenn wir hoffen dürfen, daß die Krise ihren Höhepunkt über­schritten hat, so bauen wir darauf, daß das Verständnis, wie sehr die Wirtschaftsvölker aus­einander angewiesen sind, sich durchzusetzen be­ginnt und daß die revifionSbedürstigen Verträge eines Tages revidiert werden. Die vergan­genen Wochen haben bewiesen, daß eine Gefahr für das Reich nicht besteht. Die Ruhe, mit der das Doll die Sorgen der letzten Wochen trug und die Einsicht, mit ber eS sich den harten Maßnahmen der Regierung fügte, war impo­nierend. Der Deutsche hat sich als besserer Bürger bewährt, als man geneigt war, ihm zuzutrauen. Sein wahres Gesicht ist Geduld, Mut und Vertrauen zu sich selbst und in die Zukunft.

Der deutsche Staatsbürger hat keine lange Ge­schichte. Gemeinhin geht man davon aus, daß der Freiherr vom Stein ihn geschossen hat. In die glanzvolle Zeit des großen kaiservollen Mittel­alters blickt Stein zurück, wenn er daran dachte, aus den unfrei gewordenen Untertanen wieder freie Bürger des Staates zu machen. Als unerschütterliche Pfeiler jeden Thrones bezeichnete er den Willen freier Menschen. Wir wissen, welche Stürme das deutsche Volk erlebte, bis die Steinschen Gedanken sich verwirklicht hatten. Heute haben wir das freieste Bürgerrecht in Gemeinde und Reich Trotzdem be­finden wir uns in einer Krise, die auch daher kommt, daß das mündige deutsche Volk an Ge­meinden und Reich Ansprüche erhebt, denen diese nicht gewachsen sind. Der Aufbau unserer Wirtschaft hat sich vielleicht auch nach salschen Rich­tungen bewegt Es wäre besser gewesen, das platte Land mehr zu entwickeln, als die großen Städte ständig anwachsen zu lasten. Auch in der Verwaltung des Reiches, der Länder und der Gemeinden sind Fehler begangen worden. Man hat die Aufgabe des Staates über- st e i g e r t und sich einen Apparat geschaffen, den angemessen zu bezahlen eine dauernde Sorge ist. Es kommt darauf an, Ausgaben und Zuständigkeiten zwischen Reich, Ländern und Gemeinden richtig zu verteilen und damit die Derwaltungsmaschine zu entlasten. Aber auch eine Neuorganisation der Gemeinden ist notwendig. Ihre Finanzen sind zerrüttet urtb die Vorwürfe gegen ihre Finanz­wirtschaft sind heftig. Aber wenn wir oerantwor- hmgsDoUe Kommunaloerwaltungen erhalten und wiedergewinnen wollen, ist es nur in der Lust einer selbständigen Verwaltung möglich Der ein. deine muh an die Spitze seiner politisch wirtschaft­lichen Betätigung den Gedanken an das Reich und an das deutsche Volk stellen. Erst wenn die Not­

wendigkeit, den Staat zu verteidigen, die über­wiegenden Schichten unseres Volkes beherrscht, werden wir im wahren Sinne des Wortes eine Nation sein.

Das Hoch des Reichskanzlers

Hindenburg schreitet vor dem Rcichütag die Ehrenkompanie ab

Rach ben Ausführungen be8 Reichsfinanzmlni- sters wurde bi« HymneSämann Deutschland" vorgetragen. Dann erinnert« der Reichs­kanzler noch einmal an bi« Persönlichkeit deS Freiherrn vom Stein, bet Wegbereiter deutlcher Einheit und Freiheit gewesen sei. Der Führer zum volkshaflen Staat sei uns gerade in diesen Zeiten des Bildens und Harrens, des Handelns und Gestaltens aussr sehendes und mahnendes Beispiel. So wie seine sreiheitlichen Reformen die sittlichen und moralischen Kräfte der Ra­tionen zu stärkster Opferivirkung an- sachten. so solle und müß te die in der Re ich s- versassung gegeben« Freiheit und Mündigkeit allen ein Appell sein, in bewußtem und diszipli­niertem Wollen sich der Bürgerpflichten zu erinnern, die diesen Bürgerrechten entsprä­chen. Aus die Zeit ber Rot, in die Steins Schat­ten gefallen sei, sei der Ausstieg gefolgt. So solle auch jetzt jeden Deutschen bi« Zuversicht er­füllen auf eine bessere Zukunft und ben Wieder­aufstieg unseres Vaterlandes. Der Kanzler schloß: In diesem Sinne bitte ich Sie. Herr Reichs­präsident, und Sie, meine Damen und Herren, mit mir einzustimmen in den Ruf: Das in ber Republik geeinte deutsche Volk, es lebe hoch!

Rach der Feier begab sich Reichspräsr- denl v. Hindenburg, begleitet von Reichs- wehrminister Groener und ben Mitgliedern der Reichsregierung sowie zahlreichen Parlamenta­riern durch die mit Wappen und Flaggen der Länder geschmückte Kuppelhalle des Re chstagS über die große Freitreppe zum Platz der Re­publik. von ben vielen Tausenden von Zuschauern mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Unter den Klängen des Präfentiermarkches und des Deutschlandl.edes f<I r tt der Reichsprä­sident in Begleitung des ReichswehrministerS und des Berliner Stadtkommandanten Oberst v. Witzendorff die Front der Ehren­kompanie ab. Rach dem Ab'chreiten der Front verabschiedete sich der Reichspräsident, be­stieg seinen Kraftwagen und fuhr langsam unter neuen Hochrufen. Tücher- und Hütefchwenken deS Publikums die Front entlang nach feinem Pa­laiS zurück.

dann meist um Irrtümer, die geradezu verblüffend wirken. Darum sollten also die Attentäter nicht auch beim Studium des Eifenbahnfahrplanes einen Fehler begangen haben? Es liegt aber auch der Ge­danke nahe, daß die zur Zeit auf den Balkaneisen­bahnen herrschende und offenbar auf Moskau zu­rückgehende Attentatsseuche nun auch zu uns her- ubergrei't. Am wahrscheinlichsten scheint jedoch ein planmäßiges Vorgehen kommunistischer Gruppen zu fcir\, die sich die Ausgabe gestellt haben, für eine dauernde Beunruhigung zu sorgen, um sowohl das In- wie auch das Ausland nervös zu machen. Bereits die Krawalle in Westdeutschland, die verschiedentlich sogar zu Barrikadenkämpfen führten, lasten diese Annahme als berechtigt erschei­nen. Aus den jüngsten Tagen liegen wohl vor­

bereitete Ueberfälle auf Lebensmittelgeschäfte in Berlin, Feuerüberfälle auf Polizeibeamte, nament­lich die systematische Abschiebung von Polizeiosfizie- ren und Wachtmeistern als Beweis dafür vor, daß die Kommunistische Partei eine gut arbeitende Truppe unterhält, die sich auf den verschiedensten Gebieten betätigt und gerade darum Nervosität heraufzubefchwören vermag, weil es bis heute nicht fielungen ist, diesen Stamm der Rot-Front-Organi- ation festzustellen und unschädlich zu machen.

Neue Kommunistenschießerei in Berlin.

Berlin, 11. Aug. (WTB ) Heute abend sam­melten sich in ber Rostizstrabe, die schon öfter der Tummelplatz von Kommunisten war.

größere Kommunistentrupps an, die versuchten, Demonstrationszüge zu bilden uni) in bie Bergmannstraße hi neinzum ar scheren. Die Polizei räumte bie Straße unter Anwen- bung des Gummiknüppels, wobei sie aus mehreren Häusern beschossen wurde. Ein« Wohnung, aus der geschoßen wurde, wurde sofort von der Polizei, Die die Schüsse erwHerte, besetzt uni) durchsucht. In roher Weise haben bisher un­bekannte Elemente den Grabhügel des am 29. Mai b. I. am Senefelderplah erschossenen Pvlizeihauptwachtmeisters Zänkert, der auf dem Garnisonfriedhof beerdigt liegt, geschän­det. Wan sand gegen 16.30 Uhr das Grab zerwüb11und einen Marmorstein auf dem Grab» mit der Inschrift:Ruhe in Gott, Rotfront lebtl*