Ausgabe 
11.12.1931
 
Einzelbild herunterladen

Abg. Dr. Cremer (D V.) vertrat in der Be­gründung eines Antrag- die Ansicht, daß di« Erhebung der Industrieumlage, deren Ertragnisse der Osthilse zugute kämen, nichts an­dere- bedeute als die Bevorzugung der Gläubiger der Land w i rtschast im Osten zu Lasten der Gläubiger bet Industrie. Wenn man also auch durchaus die Osthilse gulheihe, so sei doch nicht zu billigen, dah durch bte Konstruktion der Industrieumlagr Unternehmungen zugunsten der Landwirtschaft derartige Opser bringen sollen, dah sie in manchen.len dem Ruin nahe gebracht werden. Ein Abbau der Industr'.eumlaae sei also jetzt von Holen. 3m gleichen Sinne sprach Abg. Stolper (©4>J. ReichLfinanzministcl Dietrich erwiderte, dast er angesichts der neuen Sachlage den vorgebraLten Gründen sich nicht verschließen könne und bereit sei, mit dem Mi­nister Schlange-Schöningen in Verbindung zu treten über die von diesem erörterten Möglich­keiten einer Umgestaltung der Industrieaufbrin­gungsumlage.

Oie Beamienbesoldung in Hessen.

^leichstcllun^ in 1 den Re chhb?amtcn.

Darmstadt, 10. De;. Amtlich wird mitge­teilt: Die Bedingungen der Reichsnotverordnung vom 8. Dezember 1931 über die Gehalts­kürzungen der Beamten von 9 o. h. ist auch für die Länder bindend und muh infolgedessen auchsür Hessen übernommen werden. Auf diese 9-o. h.-Kürzung wird ober die durch die erste hessisch« Notverordnung angeordnete Kürzung von 5 b i» 10 o. h. angerechnet. Die nach- trägllche Auszahlung der Vien st b e - züge wird dahin geändert, dah künftig die Ge­haltszahlung nach Maßgabe der vorhande­nen Mittel an dem vom.Finanzministerium zu bestimmenden Monalvtage erfolgt. Der Betrog für Nebenvergütungen (auf den ebenfalls eine Anrechnung erfolgt) ist auf 900 (bisher 500) Mark festgesetzt. Vie Bestimmungen treten am 1. Ja­nuar In Krast. Vie hessischen Beamten sind mithin für die Folge den Reichsbeamten gleichgestellt.

Ein Ausruf des Deutschen Beamtenbundes.

Kür Einheitlich.eit in der Besoldung und eine ges cheite Rechtögr, ndia,e

Berlin, 11. Dez. (VDZ.) Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamtenbundes trat nach Erscheinen der Notverordnung am 10. De­zember zu einer außerordentlichen Sitzung Zusarn- men. Einstimmig beschloß er, sich mit einem Ausruf an alle Beamten zu wenden, der u. a. sagt: Immer deutlicher tritt in Erscheinung, dah die letzte Ur- ache der katastrophalen Entwicklung in der Zer- törung des Weltwirtschaft lichenGleich- gewicht» liegt, die wiederum In dem der wirt- chaftlichen Vernunft widersprechenden Tribut- asten Deutschlands begründet ist. Ebenso deutlich Hal sich innerwirtschaftlich erwiesen, daß nicht nur peinliche Vorkommnisse In den d c r | d)i ebenen Wirtschaftsgruppen das allgeme.ne Mißtrauen in die deutsche Wirtschafts­führung ständig gesteigert haben, sondern darin, dah der st arte Einfluß maßgebender Wirt- schaftskretse aus die Staatsführung und Gesetzgebung vorwiegend eigenen Inter­essen gedient und dem Allgemeinwohl empfindlich geschadet hat.

Immer wieder ist von uns auf das Verderbliche und Verhängnisvolle der Zerrüttung der Massenkoufkraft hingewiesen worden. Jetzt endlich, in dieser Notverordnung, bekennt sich die Reichsregierung zu dem Grundsatz, daß eine wei­tere Zerrüttung der Kaufkraft unter­bleiben muh. Ob jedoch durch die von ihr teils ungeordneten, teils in Aussicht gestellten Mahnah­men dieses Ziel erreicht wird, muh die Zukunft er­weisen. Gegenüber der Welt erheben auch wir un­sere Stimme zur Befreiung von allen Tri- vutlasten und zur völligen Gleichberechtl- guna Deutschlands mit allen anderen Staa­ten. Innerhalb Deutschlands verlangen wir die wahreGleichberechtigungallerDolks- schichten, auch der Beamtenschaft, und die Be­rücksichtigung ihrer berechtigten Interessen. Im Be­sonderen fordern wir grundsätzlich Einheitlich- kett in der Besoldung und eine gesicherte, von einheitlichen Gesichtspunkten ausgehenke Rechtsgrundlage für alle Beamten in Reich, Ländern und Gemeinden.

Wir erwarten, dah sich alle Beamten in dieser schicksalsschweren Zeit um ihre von der Gesamtheit anerkannten Führer scharen, damit wir geeint und entschlossen das Schicksal des deutschen Volkes und damit unser Schicksal zum besseren wenden helfen.

Eine Kundgebung des Gewerkschastsringes.

Berlin, 10. Dez. (CAB.) Der Dorstanb de» GewerkschaftSringeS faßte zur Rotverordnung eine Entschließung, in der eS u. a. heißt:

Der Entschluß der Regierung, durch die Qtot- Verordnung vom 8. Dezember zur Sicherung der Kaufkraft endlich gegen alle Faktoren der ProdukttonSkostengestaltung ener- ?lisch vorzugehen, entspricht der vom Gewerk- chaftSring von Anbeginn der Abbauaktion der ReichSreaierung gegenüber vertretenen Forde­rung. Mit einer weiteren einseitigen Vorleistung der Löhne und Gehälter müßte der Schrumpiung-prozeh der deutschen Wirtschaft in eine unübersehbare Katastrophe ein­münden. Der DewerkschastSring muß verlangen, daß die Schlichter angewiesen werden, ihre Entscheidungen von den tatsächlichen Auswirkungen der Preispolitik der Regierung abhängig zu machen. Die Reichs- rcgicrung kann die Explosionen der sozialen Spannungen nur verhindern, wenn sie mit der gleichen Härte wie gegen Lohn und Gehalt g e - Sen die übrigen Produktion-- und ebenShaltungSkosten vorgeht. Mit den Lasten der neuen Rotverordnung ist die Lei­stungsfähigkeit de- deutschen Volke- erschöpft.

Oie pariser Ratstagung beendet.

Auch China und Japan stimmen unter Vorbehalten der Entschließung zur Ent» sendung einer Llntersuchungskommission in die Mandschurei zu.

Pari», 10. Dez. (XU.) Der Völkerbundsrat hat am DonnerLtagnachmittag seine außerordent- Uchr Pariser Tagung abgeschlosien. Der .omanische Verirrter I o s ch i s a w a erk.ärte. dah seine Rc- g.erurg den EntschließungSentwurf annehme, dah sie sich aber voro^alte. in der Mandschurei alle Maßnahmen zu treuen, die sür den Schun der japanischen Bürger not­wendig irf y.enen. Diese Mahnahmen beträfen natürlich ..ur Ausnahmesälle und würden in dem Augenblick zurückgezogen, wo geordnete Ver­hältnisse eingetreten seien. Ansch.iehend daran brachte auch- der chinesische Vertreter, Dr. S z e, eine Reihe von Vorbehalten zur Kenntnis. Er wies auf die Rotwendigkeit einer so­fortigen Räumung hin und erklärte, seine Regierung könne nicht dulden, dah die Polizei­gewalt in der Mandschurei von irgendeiner an­deren Macht als China selbst au.gcübt werde. Abschließend nahmen die einzelnen Mitglieder des Rates kurz zu der Entschließung und zu den von beiden Parteien vorgcbrachten Vorbehalten Stellung. Rach der Abstimmung über die Ent« schließung betonte Rat5präiident Briand. dah es sich in diesem Falle darum gehandelt habe, auf Grund von § 11 des Dölkerbundsstatuts eine Kompromihlösung zu suchen. Das Pro­

blem trage einen durchaus sp^iellen Charakter. Die angenommen« Resolution könne in nichts die Doktrin des Völkerbundes berühren. Diele behalte volle Kraft. Wenn nicht eine entsprechende au»- drück.iche Bestimmung der in Kraft befindlichen Verträge vcriiege, gestatte der Völkerbundspakt keinem Staat, seine Vorwürfe gegen einen an­deren Staat durch andere Methoden al» die in Artikel 12 de- VölkerbundSstatutS angegebenen geltend zu machen. Jede Beeinträchtigung der in der Präambel zum Völlerbundspakt ausgespro­chenen Grundsätze stelle die Völkcrbundsm tglieder vor eine ernste Verantwortung, die auch im Kettogg-Pakt bekräftigt werde. Auch Lord Cecil b.torte den AuSnahmecharakter der Re­solution.

Rücktritt des japanischen Kabinetts.

Tokio, 11.Dez. (WTv. Fun'spruch.) Das Ka­binett ist zur ück getreten. Die Krise scheint mehr durch finanzielle und wirtschaft­liche Ursachen als durch die diplomatisch« Lage beschleunigt worden zu sein. 6» ist nicht wahrschein­lich, daß die Politik Japans gegenüber China eine Aenderung erfährt.

k e n z > n f e s und diese führt unmittelbar $uf Senkung des Pfandbriefzinses. So ist 6er Kreis geschloffen. Die Dringlichkeit der Sbbilfc ließ nichts anderes übrig, ab mit zähem Entschluß den großen schritt zu tun und mcchamsch von außen in die Zinsentwicklung der deutschen Wirtschaft ein- Augrcifen. Die Neuregelung der Zinsverhältnisse auf Dem Geldmarkt ist im wesentlichen in die Hände des Reichskommissars für dos Bankgewerbe gelegt, der, wenn die Spiyenoraanifationen der Äreöitinft tute nicht bis zum Ablauf dieses Jahre» zu einer befrie* 6 genden Losung gelangen, von sich au» das Ver­hältnis regulieren wird.

Um eine plötzliche Abwanderung vom Kapital­markt zum Geldmarkt zu verhindern, ist dem Gläubiger bi» zum 31. Dezember 1933 d i« Kündigung der langfri.ftigen For­derungen unterlagt Ist d.e Kündigung vertraglich für eine bestimmte Zeit ausgeschlossen, so verlängert sich diese Frist bi» zum 31. De­zember 1935. Der Schuldner wird in der Kün­digung nicht beschränkt Von der Einführung einer allgemein gültigen Zinshöhe für die Zukunst hat die Verordnung abgesehen. Sie gibt aber eine wertvolle Handhabung für die Regelung de» Zinsniveaus Die Genehmigung zur Ausgabe von Pfandbriefen und anderer Schuldverschreibungen aus den Inhaber ist nunmehr ausdrücklich der Reichsregierung Vorbehalten, die sich dabei im Einvernehmen mit der obersten Landesbehörde de» betreffenden Lande» halten muß.

Eine neue Hoover» Botschaft über Schuldenfrage und Abrüstung.

Washington, 10. Dez (WTB.) Präsident Hoover legte heute dem Bundeskongreh eine b e - sondere Botschaft vor, die sich m t aus­wärtigen Angelegenheiten befaßt. Darin wiederholt Hoover zunächst, daß das Hoover- moratorium sowohl die Tendenz zu einer allge- meinen Panik beseitigt wie Zeit gegeben habe, eine Neuregelung der finanziellen Beziehungen zu schaf- fen. Seine Aktion sei also notwendig gewesen, und er sei überzeugt, dah das amerikanische Volk sie billige. Da die Zahlunaen an Amerika am 15. De- zember fällig seien, so sei es sehr dringlich, bald durch ein Gesetz den Finanzminister zum Auf. schub dieser Raten und ihrer Abzahlung im Ver­laufe einer zehnjährigen Frist, die am 1 Juli 1933 beginnen soll, zu ermächtigen.Beim Herannahcn des neuen Jahres wird es klar, dah eine Anzahl von Regierungen, die uns Geld schulden, nicht in der Lage sein werden, weitere Zah- lungen an uns in vollem Umfange zu Iciftcn, solange sie sich nicht wirtschaftlich erholt haben. Es ist nutzlos, dieser offensichtlichen Tatsache nicht klar ins Auge zu sehen. Es wird daher er- forderlich sein, in einigen Fällen noch weitere ein st wellige Neuregelungen zu machens Aus diesem Grunde empfiehlt Hoover die Die- dercrrichtung der Kriegs sch uldenkom- Mission mit der Aufgabe, die Probleme, welche bezüglich dieser Schulden während der gegenwär­tigen wirtschaftlichen Notlage entstehen, zu prüfen und über das Ergebnis dem Bundeskongreh Be­richt zu erstatten und Vorschläge zu unterbreiten. Ich empfehle dem amerikanischen Volk Im eigenen Interesse ein kluger Gläubiger und guter Nachbar zu fein." Hoover legt den größten Wert auf die Feststellung, dah Amerika absichtlich nicht an den allgemeinen Reparationszahlungen oder der Austeilung der deutschen Kolonien und des deutschen Privateigentums beteiligt fei. Die Abmachungen mit den alliierten Schuldnern seien auf einer Grund­lage getroffen worden, dienichtsrnitdendeut- schen Reparationen zu tun habe. Die Re­parationsfrage sei daher notwendigerweise eine rein europäische Angelegenheit, an der Amerika unbeteiligt sei.

Die Botschaft Hoovers betont weiter, daß die Regierung die Einladung zur W « ltabrÜ - stungskonferenz angenommen habe. Diese Konferenz werde Richtlinien verfolgen, für die Amerika sich bereits seit der Haager Konferenz 1899 an führender Stelle eingesetzt habe. Die bis­herigen Ergebnisse seien hauptsächlich auf das

Gebiet der Fl o t te n a b r ü st u n g be­schränkt geblieben. Er hoffe jedoch, dah nicht nur die Flottenrüstuna weiter reduziert werde, sondern daß die so dringend notwendige Be­grenzung und Reduzierung auch aus die Landrü st ungen erstreckt werden könne. Die Steuerlast zur Bezahlung der Rüstungen sei heutzutage größer als vor dem Welt­kriege. Die wirtschaftliche Unsicherheit in der Welt sei zum größten Teil bedingt sowohl durch diese Lasten wie auch durch die Furcht, die durch gewaltige Rüstungen erzeugt werde.Die Welt sollte sich, durch keine Argumente irgendwelcher Art entmutigen lassen, die Rüstungen auf ver­nünftige und maßvolle Basis zu be­schränken"

LebhafieAusspracheimGenai.

Bo. fordert Eu ova auf, das Teinige zu seiner Rettung zu tun.

Sofort nach der Verlesung der außenpolitischen Botschaft des Präsidenten Hoover begann im Se­nat eine lebhafte Aussprache über das Feierjahr. Eine ausreichende Mehrheit für die Ratisizierung scheint trotz heftiger Opposition sicher zu fein. Zah'reiche Sena­toren aus beiden Lagern, insbesondere auch D o - r a h , wandten sich gegen eine Verlän­gerung des Feierjahres.

Senator Dorah erklärte mit Anspielungen auf die Abrüstungskonserenz, dah der nächste Schritt Jur Rettung Europa- von den europäi- chen Staaten, nicht von Amerika ausgehen müsse. Europa habe es bis­her unterlasser., das Moratorium zu benutzen, um Angelegenheiten in Ordnung z u bringen, die cs in Ordnung bringen müsse, bevor eine wirtschaftliche Er­holung möglich sei. »Ich vermag kein Zeichen da­für zu entdecken", so erklärte Borah,dah Eu­ropa beabsichtigt, seine Rüstungen zu vermindern oder die Reparationsfrage auf vernünftiger Grundlage zu regeln. Wir haben die Kriegsschul­den bereits auf Grund der Zahlungsfähigkeit der Schuldner herabgesetzt und auf ungefähr sieben Milliarden Dollar, die uns zustanden, verzichtet. Angesichts der gegenwärtigen Po­litik Europas würde eine Reuregelung auf Grund der Zahlungsfähigkeit auf eine allgemeine Streichung der Schulden hinauslaufen.

Amiliche Srläutenmwn zur Mverordmmg.

Berlin, 11. Dez. (WTB.) Zu den Vcftlmmun- gen über die Erhöhung der Umsatz st euer wird amtlich erflärt, daß die ursprüngliche Schätzung de- Aufkommens der Umsatzsteuer für das laufende Etatsjahr sich auf 1095 Millionen belief. Aus Grund der bisherigen Eingänge ist diese Vor- schätzung auf 980 Millionen herabgesetzt worden. Das Mehraufkommen der Umsatzsteuer auf Grund der Erhöhung wird mit 900 Millionen beziffert. Wesentlich ist die Einführung der sog. Phasen- Pauschalierung. Diese Phasenpauichalierung bedeutet, daß die Steuer auf eine Ware im Produk- tions- und Derteilungsgang nur an einer Stelle erhoben wird. Das würde also bei­spielsweise In der Texllwirtschaft bedeuten, daß nur die Weber, nicht aber die unteren an HeisteUung und Vertrieb der Ware Beteiligten die Umsatzsteuer bezahlen. Diese Phasenpauschalierung stellt in der Lndmirkung keine Aenderung der Gesamtbelastung durch die Umsatzsteuer dar, sondern nur eine Aende­rung in der Fo>m der Erhebung.

Zu den Mahnahmen, die Oer Sicherung von Ordnung und inneren Frieden gelten, wird noch mitgeteilt, dah das Reich darauf verzichtet hat, eine generelle Anmeldungspflicht für alle Waffen anzuordnen, weil dadurch eine ungeheuer« Derwaltungsvcrmchrung cinirctcn würde. Man hat sich darauf beschränkt, den Ländern erweitert« Vollmachten zu geben. Es wird aber nicht angenommen, dah die Länder nun eine allgemeine Anmcldungs- oder Ablieferungspflicht vorlchreiben: vielmehr wer­den sie von den Möglichkeiten der Rotverordnung nur in Bezirken Gebrauch machen, in denen eine Gefährdung der Sicherheit eintritt.

Auch die Vorschriften für den Waffenerwerb sind verschärft worden, und zwar so, dah die Prüfung des Bedürfnisse» vom Waffen'chein auch auf den Wefsenerwerböschein ausgedehnt worden ist. Die Schärfe dieser De- ftlmmungen gilt allerdings nicht für Jäger, Die im Besitze eine- Iahresjagd- scheine- sind. Wer ferner z. 2. Iagdwasien oder überhaupt Waffen besitzt, ist zu einer An­meldung nur dann verpflichtet, wenn in dem

oben erwähnten Fall für seinen Bezirk «ine entsprechende Verfügung ergeht.

Wesentlich ist, daß nun auch Die Hieb- und Stoßwaffen in da- ganze Kontrollsystem ein» bezogen worden sind, da sie bei politischen Aus­schreitungen eine immer stärkere Rolle spielen. Von zuständiger Seite wird aber ausdrücklich un­terstrichen, dah der Sinn dieser ganzen Bestim­mungen nicht daraus hinauSläuft, dem ordentlichen Bürger die Verteidigung zu erschweren, sondern nur solchen das Handwerk zu legen, die ihre poli­tischen Meinungsverschiedenheiten mit Waffen aus-utragen pflegen.

Das DerfammlungSverbot ist bereit» In Kraft getreten. Um Mißverständnisse ouSau- schließen, muh betont werden, daß eS nicht für geschlossene CBetfamm'ungen In geschlossenen Räu­men gilt, fo daß also Weihnachtsfeiern politischer Verbände m g'ich sind, wenn sie diesen Vorschriften genügen. Sehr schwierig ist die De­finition deS Begriffe» der Personen, die im öf­fentlichen Leben stehen und den verstärkten Ehrenschutz genießen sollen. In den meisten Fällen wird der Richter entscheiden müssen. Der Sinn dieser Bestimmungen ist aber, eme Ent­giftung des öffentlichen politifchen Kampfes herbei zuiühren, und daraus geht schon hervor, daß der Rahmen ziemlich breit ge­halten ist.

Oie Zinssenkung.

Staatssekretär Schlegelberger sprach im Rundfunk über Die Zinssenkung. Die Ste.gerung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschland» ist nur m glich, wenn es ihr gelingt, den Preisstand Dem des Weltmarktes anzupassen. Dazu bedarf es einer grundlegenden Senkung der Gestchungskosten. Auch der ungeschultesten Betrachtung ist klar, daß eine Senkung der Gestehungskosten die Herab­setzung der Löhne und Gehälter erfor- derlich macht. Diese ist aber von zwei gleichzeitigen Maßnahmen abhängig: Senkuna des Preis­niveau» und b ej Mieten. Die Mietsenkung aber erfordert eine Senkung de» Hypothe -

Iranlreichs Bedingung sür eine Revision des Noungplans.

Herabseyun" der Kriegcschuldcn und provisorische Ae elun .

Washington, 10.Dej. (Brüter.) Die fran­zösische Regierung hat der amerikanische» Regierung formell mitgeteilt, dah eine Revision der Reparationsoerpslichtungeu von einer entsprechenden Herabsetzung der Kriegsschulden begleitet sein müsse. 81» Gegenleistung verlangt Frankreich die Zusiche­rung Deutschlands aus Innehalten der internationalen Verträge. Damit dürfte wie Baltimore Sun erlärt der Versailler Vertrag gemeint sein. Frankreich betrachte die augenblickliche Unsicherheit In der weitwirtschast al» eine ungeeignete Zeil für eine end­gültige Neuregelung und könne sich nur auf eine vorläufige Herabsetzung cln- laffen.

Eoening Star" bemerkt, daß Hoover durch seinen Antrag auf Einsetzung einer ft r leg»- schuldenkommission deutlich die Alflcht zu erkennen gegeben habe, den Nachlaß an die Alliierten nur auf eine Prüfung ihrer Zahlung»- f ä h I g k e i l zu basieren.

Kleine politische Nachrichten.

Der A e l t e st e n r a t de» Reichstag» Ist für Mittwoch, 16. Dezember cinbcrufen worden. Aus der Tagesordnung stehen die Anträge der Kommunisten und der Deutschnationalen auf Einberufung de» Reichstag» zwecks Stellungnahme zue neuen Notverordnung des Reichspräsidenten.

e

Alcala Zamora ist von den spanischen Cor­tes mit 362 von 410 St.mmen zum Präsiden- ten der Republik gewählt worden.

Aus aller Welt.

Da» größte Denkmal der Welt.

Wie die sow etamtliche Telcgrapbrnagentur mit» tcilt. ist in Leningrad beschlossen worden, im Hasen eine Lenin -Statue zu errichten, die mit einer Höhe von 110 Meter da» größte Denkmal der Welt werden soll. Ihre Errichtung im Hafen und ihre gleichzeitige Verwendung alS Lcuchtturm läßt erkennen, daß man offensichtlich dabet daS amerikanische Beispiel der Freiheits st atue im Hasen von Reu- York im Auge hat. Die Arbeiter und Ange­stellten sind angewiesen, einen Teil ihre» Einkommen - in einem besonderen Fond- ein­zuzahlen, der für diese- Denkmal geschaffen wurde.

Auf der Zugspitze tödlich abgestür-1.

Der bekannte Bewirtschafter deS Münchener Hauses auf der Zugspitze. Anselm Bart, ist durch Absturz auf der ins Platt führenden Seite der Zugspitze tödlich verunglückt. Die Leich« ist durch eine mittel- Sondcrzug der bayerischen Zugspitzenbahn bergwärt» beförderte Efpedition der Rettungsstelle Partenkirchen zu Tal gebracht worden.

vier läge und vier Nächte verunglückt im Dolde gelegen.

Bei Rothenburg o. T. verunglückt« beim Holzsammeln dieser Tag« eine Frau Katharina Wnß au- Vailroth. Indem sie sich « l n e n Fuß brach. Da sie außerdem aus einer Seite gelähmt ist. konnte sie sich nicht weiterschleppen unt> blieb vier Tage und vier Rächte im Walde liegen. Ihr« H.lferuse wurden nicht gehört. Erst am vierten Tage abend» fand eine Zagdgcselllchast die Verunglückte in er­schöpftem Zustande auf und brachte sie in da- Rothenburger Krankenhau». Da die Frau für fich allein wohnte, war ihr 'Ver'chwinden in den vier Tagen nicht bemerkt worden.

wegen Versicherungsmorde, verurteilt.

Vom Amsterdamer Landgericht wurde ein Dachdcckcrmeister wegen Der icherungSmorde» zu lebenSlänglicherGefängni -s.ra'e ver­urteilt. Dem Angellagten wurde zur Last ge­legt, vor zwei Jahren seinen Gehilfen von dem Turm der Derardu» Mafella-Kirche In Amsterdam in di« Tiefe gestürzt zu haben, nachdem er ihn einige Zeit vorher mit 50000 Gulden hatte versichern lassen. Man glaubte »unächst an einen Ung ück»sa'l und zah'te dem Dachdecker n.i'.er nach demTcd: d »Gehlen anstand-lo- die Versicherung-iumme au». Erst vor einem Jahr wurde der Dachdeckermeister unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. In dem Prozeß leugnete der Angeklagte bi- zum letzten Augenb.ick, auch noch nach der Verurtei­lung bestritt er jede Schuld. Da- Gericht hielt ihn jedoch der Tat für überwiesen. Erschwerend fiel in» Gewicht, dah der Dachdeckermeister in­zwischen wieder eine andere Person versichert hatte.