Ausgabe 
11.9.1931
 
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in ver Resolution die Absicht ver Regierung miß- billigt, Sparmaßnahmen auf dem Wege der Kabinettsorder ohne vorherige Zustim­mung des Unterhauses anzuordnen.

Unterbindung der Lukuseinsuhr.

Die Konservativen unterstützen einen liberalen Vorschlag.

Der liberale Abgeordnete R u n c i m a n wandte sich zunächst gegen die Behauptung des früheren Lords der Admiralität, Alexander, daß die eng­lischen Banken Geld zum Zinssatz von 2 v. H. geborgt und zu 8 v. H. an Deutschland weiterverliehen hätten. Die Behauptung entspreche jüd)t den Tatsachen: vielmehr hätten die Banken für das im Juli an Deutschland geliehene Geld s e l b st f a st 4 v. H. und zu der Zeit, als der englische Bankdiskont auf 2Vz v. H. gestanden habe, etwa 2,85 v. H. gezahlt. Der Redner erklärte sich im übrigen mit den Vorschlägen des Schatzkanzlers einver­standen und betonte die Wichtigkeit eines Ausgleichs der Handelsbilanz. Er glaube nicht daran, daß die Regierung dies durch die Ein­führung eines allgemeinen Schutzzolles erreichen würde. Er schlage eine älntersuchung darüber vor, auf welche Weise die Einfuhr ausländi­scher Luxusgegenstände unterbun­den werden könne. Auch der Konservative Le­wis befürwortete eine Einschränkung oder gänz­liche Sperre der Einfuhr von Luxusartikeln oder solchen Waren, die im Lande selbst er­zeugt werden können. Die Regierung hat be­reits zugesagt, ein Komitee von Sachverständigen mit der Prüfung des Antrags zu betrauen.

Das Mechaus billigt den Etat.

Das Unterhaus billigte gegen Mitternacht ohne Abstimmung die von Snowden unter­breiteten Haushaltsvorlagen. Die Zahl der auf der Regierungsseite befindlichen Anterhausmitglieder der Arbeiterpartei ist von zwölf auf drei­zehn ge st legen. Freitag abend wird der Schah- kanzler durch Rundfunk eine Ansprache an dasenglischevolk halten, in der er das Budget erläutern wird.

Msormverbot für die Nationalsozialisten in Hessen.

Darmstadt, 10. Sept. (XDSJt.) Die hessische Regierung hat ein Uniformoerbo( für die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und ihre Unterorganisationen erlassen. Die Bekanntmachung des hessischen Innenministers Leuschner hat fol­genden Wortlaut:

Auf Grund des 8 8 der Verordnung des Reichs­präsidenten vom 28. März 1931 sowie auf Grund der 8 4 der Verordnung des Gesamlministerlums vom 31.März 1931 verbiete ich mit sofor­tiger Wirkung für das Gebiet des Volksstaates Hessen der RSDAP., ihren Unter-, Hilfs- und Rebenorganisationen, insbesondere den Sturmabtei­lungen (SA.), den Schutzstaffeln (SS.) und der Hitlerjugend das Tragen einheitlicher Kleidung. Als einheitliche Kleidung ist jede Klei­dung anzusehen, die dazu bestimmt oder geeignet ist, abweichend von der sonst üblichen bürgerlichen Klei­dung die Zugehörigk<it zu den genann­ten Vereinigungen äußerlich zu kenn­zeichnen. In gleicher weise verbiete ich das ' Tragens inheillicherAbzeichen, die dazu . bestimmt ober geeignet sind, die Zugehörigkeit zu diesen Vereinigungen äußerlich zu kennzeichnen. Aus- genommen sind lediglich sogenannte Bundes- nadeln in der Form und der Gröhe, wie sie bis­her üblich waren."

In der amtlichen Begründung des Verbots durch den Innenminister heißt es u. a.: Die schweren Ausschreitungen, die sich die uni­formierten Rationalsozialisten während der letzten Wochen und Monate zuschulden kommen ließen, habe den Ausschlag für den Erlaß des Verbotes

uns diesen Tieren gegenüber immer mit äußerstem Respekt, wenn wir ihnen unversehens im Walde begegneten. Besonders gefährlich waren die Elchkühe, wenn die Kälber noch jung waren also im Früh- sommer. Dann standen sie im Dickicht oder lagen im moorigen Wassertümpel, um sich vor den Stechfliegen und Bremsen zu retten. Oft ließen sie uns ganz nahe herankommen ahnungslos suchten wir Beeren oder Pilze und dann plötzlich krachten die Zweige, ein haushoher, dunkler Rücken richtete sich aus ein Riesen-Pferdekopf mit lang herunterhängender Nase und kleinen Augen wandte sich mißtrauisch und ver- ächtlich um. Dann trabte der Koloß mit seinen hohen weißen Läufen merkwürdig leicht und behende davon. Das Kalb glotzte uns dumm und neugierig an. Aber bald folgte es der davonstampfenden Mutter.

Hirsche die viel scheuer waren, bekamen wir nur selten zu' sehen. Um so häufiger machten wir die Bekanntschaft mit den Elch-Fliegen, sonderbar flachen, harten, wanzenartigen Insekten, die zwar weder 'stinken noch stechen, dafür aber sehr unange­nehm auf der Kopfhaut krabbeln und schwer zu fangen sind. Das Fell der Elche ist voll von diesen Fliegen, die wir als Jungen mit Leidenschaft fingen und in leeren Streichholzschachteln mit in die Stadt nahmen, um sie in der verhaßten Schule heimlich loszulassen.

Aber die Elchjagd selbst war noch viel spannender. Als Junge durfte ich den Vater und die älteren Brüder begleiten, mich im Gebüsche neben dem An­stand verstecken. Welche Aufregung, wenn dann das Klappern und Rufen der Treiber losging, wenn die Hunde mit tiefer Stimme anschlugen (mit tiefer Stimme: das bedeutete Elch!) ,wenn die Treiber zu johlen anfingen (der Elch versuchte durchzubrechen!), und wenn dann plötzlich im Dickicht vor der schmalen Wiese die Aeste krachten, der Boden vom stampfenden Koloß dröhnte!

Fast noch schöner war es, mit den Treibern zu gehen, sich leite in langer Reihe am Waldrand auf­zustellen, und bann, beim dritten hornsignal, langsam vorzurücken mit dem Stock gegen die Stämme zu klopfen, in Die Hände zu klatschen, und gespannt auf- zuhorchen, wenn die ersten Schüsse von der Schützen- kette herüberhallten!

Und dann der Tag, an dem ich zum erstenmal selbst mit geladener und entsicherter Büchse auf dem Wechsel stand! Wenn ich auch damals kein Glück hatte nur eine Elchkuh mit Kalb kam auf mich heraus, so werde ich doch nie das Krachen und Prasseln der Zweige vergessen, bevor die urweltlichen Tiere aus dem Dickicht traten und bann dicht an mir vorbei über die Waldwiese trabten.

Aber dann sollte auch ich Glück haben. Es war ein klarer, windstiller Augustmorgen. Ich stand an einem tiefen Graben, vor mir rotstämmiger Kiefernwald, hinter mir ein endloses Hochmoor. Gelang es dem Elch, in dieses Moor auszubrechen, war an eine Ver­folgung nicht zu denken. Ganz weit klang das Horn, bann setzte das Klappern der Treiber ein. Wie das Zirpen eines ungeheuren Heuschreckenschwarmes rückte dieses gleichmäßige Klappern immer näher. Dann plötzlich, ein Schreien, ein Johlen, und gleich darauf kam durch den Stangenwald bas merk­würdig gebrungene mächtige Tier mit zurückgeworfe- nem Kopf schräg auf mich zu gerannt. Die weißen Läufe uno die weihen Enden des Geweihes blitzten in der Sonne.

Nach dem ersten Schuß lief der Elch noch etwa ünfzig Schritt weiter, und blieb dann stehen. Er tand, die schmalen Läufe zitterten ein wenig, wandte )en langen Kopf mit der vorhängenden Oberlippe verwundert um. Erst nach dem dritten Schuß beugte er die Knie und stürzte krachend zu Boden.

Damals war ich sehr glücklich und stolz, heute fühle ich etwas wie einen Gewissensbiß: auch ich war Mörder dieses urweltlichen Tieres, das jetzt bei uns fast ganz ausgerottet ist.

Oer Ichneumon.

Was haben Sie eigentlich für ein seltsames Tier in diesem merkwürdigen Kasten?"

Das ist ein Ichneumon."

Ein Ichneumon? Da möchte ich aber gern wissen, zu welchem Zweck Sie den in der Bahn transportieren."

Das will ich Ihnen sagen. Meine Frau träumt nachts immer so furchtbare Sachen: sie wird von Schlangen umringt und gebissen. Iede Rächt fast: es ist ganz schrecklich. Da bin ich eben nach Berlin gefahren und habe einen Ichneumon gekauft."

Soll der die Träume verscheuchen?"

Rein! Aber ein Ichneumon frißt doch Schlan­gen."

Lieber Herr, wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann träumt Ihre Frau doch nur von Schlangen, das sind also doch keine richtigen Schlangen."

Gewiß, das ist ja auch kein richtiger Ichneumon, das ist ein Eichhörnchen." A.

Oer rfofe punkt" beim Sport.

Bei länger dauernder Ausübung eines Sporte-, wie Rudern, Radfahren, besonders beim Mittel­und Langstreckenlauf und auch beim Boxen, tritt unfehlbar ein »toter Punkt" ein, eine unangenehme Müdigkeit mit quälender Atemnot und Beklem­mung. Der Zeitpunkt verschiebt sich je nach dem Training, aber er bleibt nicht aus, und der Sportsmann weiß gewöhnlich, wann dieser tote Punkt bei ihm eintritt und auch, daß er ihn über­winden muß. Gelingt ihm das, so tritt regelmäßig ein wunderbar neues Gefühl der Frische, mit einem sog.second wind" auf, das ihn die sportliche Leistung zu Ende führen läßt, lieber die Ratur diesestoten Punktes" macht Dr. Heinz Hai- t a n in derMedizinischen Welt" einige Ausfüh­rungen, denenDie älmschau" die wesentlichen Ergebnisse entnimmt. Der tote Punkt ist danach der Augenblick, in dem die innere Atmung ver­sagt, und derzweite Wind" ist das Wiederein­setzen dieser Atmung. Es handelt sich um die Sauerstoffversorgung durch die roten Blutkörper­chen. Der Organismus muh eine genügende Re­serve von diesen zur Verfügung halten, die wahr­scheinlich in erster Linie in der Milz lagert. Sv hat man gefunden, daß die große Milz der Renn­pferde nach dem Rennen kleiner wird, weil durch die höchste körperliche Inanspruchnahme die Re­serven der roten Blutkörperchen im Kreislauf Ver­wendung gefunden haben. Im menschlichen Orga- nismus seht infolge starker Muskelarbeit eine Lleberlagerung des Blutes mit Kohlensäure ein, und der tote Punkt bedeutet den Höhepunkt dieser Kohlensäureüberladung. Ist es soweit, dann setzt automatisch und reflektorisch das Atemzentrum ein, um nicht nur die Kohlensäure schneller auszuschei­den, sondern auch schnell Sauerstoff auf dem Wege über die roten Blutkörperchen den stark bean­spruchten Organen zuzuführen. Alle im Augen­blick nicht erforderlichen Organtätigkeiten werden ausgeschaltet, Magen, Darm und Drüsen, und die Zirkulation versorgt im wesentlichen nur noch Herz und Gehirn sowie die beanspruchten Muskeln. Der Sauerstoffbedarf der angestrengten Organe und Muskeln wird von dem Sauerstoff der ausgeschal­teten Organe ergänzt. Dieser ganze reflektorische Vorgang ist Sache weniger Sekunden, und das er­frischende Gefühl, das er hervorruft, ist nur der Beweis für die erfolgreiche Regulierung der Sauerstoffversorgung im Blute. Zur Tleberwin- dung des toten Punktes scheint der Organismu­während der sportlichen Arbeit seine gesamten Sauerstoffreserven zu verbrauchen.

Die Memna des freiwilligen Meilsdienstes.

Richtlinien der Arbeitslosenversicherung. Erfreuliche Ansätze zur Semeinschastsarbeit.

Berlin, 10. Sept. (TU.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar­beitslosenversicherung hat Richtlinien veröffent­licht, die das Aufgabengebiet des freiwilligen Arbeitsdienstes abgrenzen. Hiernach sollder freiwillige Arbeitsdienst des Arbeitslosen, ins­besondere solchen jugendlichen Alters, ermöglichen, ihre brachliegende Arbeitskraft ohne Ein­gehung eines Arbeitsverhältnisses in selbst- gewählter ernster Gemeinschaftsar­beit unter sachkundiger Leitung in nützlichen Arbeiten, die sonst nicht in Angriff ge­nommen würden, zu betätigen, und aus der Ar­beit selbst sowie durch nebenhergehende Bildungs- mahnahmen körperliche und geistige Schulung zu empfangen. Damit ist ausge­sprochen, daß sich der freiwillige Arbeitsdienst wesentlich an jüngere Kräfte nicht nur an Jugendliche wendet."

Im Rahmen der Arbeiten, die als gemeinnützig und zusätzlich anerkannt sind, werden auch solche, die der Hebung der Volksgesundheit dienen, er­wähnt. Es können somit auch Orts-, Kreis- und Bezirksausschüsse für Jugendpflege und Leibes­übungen, sowie Turn- und Sportverbände und -vereine, die Gruppen von Arbeitsdienstwilligen zufammenfassen, Mitträger des freiwilligen Ar­beitsdienstes fein. Um eine fachgemäße technische Durchführung von in Angriff zu nehmenden Ar­beiten zu sichern, bestimmen die erwähnten Richt­linien alles nähere über das Verfahren zur An­erkennung einer Arbeit als freiwilliger Ar­beitsdienst. Die Anträge sind mit einer Erklärung der Gemeindeverwaltung an das örtliche Arbeitsamt zu richten, die Entscheidung trifft der Vorsitzende des L a n d e s a r b e i t s- a m t s im Benehmen mit dem Derwaltungsaus- schuh. Mit der Bewilligung von Mitteln zur Materialbeschaffung kann jedoch auf diesem Wege nicht gerechnet werden.

In her Praxis betätigen sich bereits außer Spezialorganisationen als Träger oder Planer neben den großen Bünden die evangeli­schen und katholischen charitativen

Vereinigungen, die bereits eine Erfahrung in Arbeitslagern für Erwerbslose haben, und die Studentenschaft. So haben Leipziger Stu­denten in Oberschlesien, Tübinger Studenten in Munzingen und Heidelberger Studenten im Schwarzwald zusammen mit Arbeitslosen und Bauernsöhnen freiwilligen Arbeitsdienst geleistet. In Reutlingen ist vom Konsul Ernst Wendler, dem Begründer des Bundes für freiwilligen Bolksdienst, dieKameradschaft Fried­rich List" geschaffen worden, in der 60 Ar­beitswillige am Aufbau einer Siedlung arbeiten. Vom Stahlhelm sind in Rheinland-West­falen sowie in Bayern Projekte des freiwilligen Arbeitsdienstes angekündigt worden. Das Reichsbanner hat sich in Sachsen zur Regu­lierung der Mulde erboten. Der sächsische jung­deutsche Abgeordnete Lasse hat ein Freikorps der Arbeit" geschaffen, das bei Bautzen zur Regulierung des Albrechtsbaches eingesetzt worden ist. Es arbeiten etwa 120 Mann, darunter 25 v. H., die nicht dem Iungdeutschen Orden an­gehören. In Solm i. W. hat der I u n g - deutsche Orden mit etwa 100 Mann im freiwilligen Arbeitsdienst die Kultivierung von 23 Morgen Oedland übernommen. In Herne- burg bei Hamburg arbeiten 40 Iungdeutsche im freiwilligen Arbeitsdienst an der Verbesserung der Siedlungswege. In Gotha haben sich S t a h l- Helmer und Jungdeutsche zusammenge­funden, um in Verbindung mit amtlichen Stellen Erwerbslose zu einemHeimatdienst" zusammen- zuschließen, der Wegeverbesserungen und ähnliche Aufgaben übernehmen soll. 3n Weizenrodau in Schlesien wird im freiwilligen Arbeitsdienst eine Bachregulierung vorgenommen. Die jungdeutsche Bewegung legt besonderen Wert auf die Verbin­dung des freiwilligen Arbeitsdienstes mit der bäuerlichen Siedlung in Form einer Landnehmer-Dewegung, die an vielen Orten Gruppen gegründet hat. Die finanziellen Grund­lagen für ein erstesjungdeutsches Dorf", das auf diese Weise geschaffen werden soll, würden zur Zeit durch eine Sammlung ge­geben.

gegeben. Während in anderen Ländern, u. a. Preußen und Baden, schon seit längerer Zeit ein Uniformverbot für die RSDAP. bestehe, habe Hessen bisher kein Uniformverbot. Es habe sich aber gezeigt, daß die Angehörigen der RSDAP., wenn sie uniformiert auftraten, ein ganz be­sonders aggressives Verhalten an den Tag legten. Einen drastischen Beweis dafür bildeten die Vor­gänge bei der Beerdigung des nationalsozialisti­schen Gauleiters Gemeinder am 2. September in Darmstadt. Die aus weitem Umkreise von der RSDAP. nach Darmstadt gebrachten uniformier­ten Parteigänger ließen sich hier Ausschreitungen gegen die Organe der öffentlichen Ordnung zu­schulden kommen, die deutlich zeigten, daß der­artige uniformierte Gruppen der RSDAP. eine schwere Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung darstellten. Es könne nicht geduldet werden, daß irgendwelche Gruppen, wie die uni­formierten SA.-Leute, sich als Staat im Staate etablierten und sich Polizeigewalt apmahten.

Am 15. November Landiagswahl in Hessen.

Darmstadl, 10. Sept, wie bas IDotffbureau von zuverlässiger Seite hört, ist als Termin für bie hessischen Lanblagswahlen bet 15. Rovernber festgesetzt worben. Der Canb- t a g, bet zunächst im September zu seiner letz­ten Sitzung zusammentreten wollte, wirb seine letzte Sitzung voraussichtlich am 13. Oktober abhalten.

Kleine politische Nachrichten.

Die Regierungen von Bayern, Sachsen, Baden, Hessen und Württemberg berieten in Stutt­gart die Sparmaßnahmen zum Ausgleich der Haushalte der Länder und Gemeinden.

Am 4. Oktober findet in Frankfurt der dies­jährige ordentliche Landesparteitag der Hessischen Staatspartei statt. Auf der Tagesordnung stehen: Referat eines Führers der Reichspartei, Kandidatenaufstellung für die Landtagswahl, Reuwahl des Vorstandes und des Landesausschusses.

Die Reichstagung des Christlich-sozia­len Volksdienstes findet vom 19. bis 21. September 1931 in Leipzig statt. Zu den Beratungen werden Vertreter der Antirevolutio- nären-, der Christlich-Historischen Partei aus Holland und der Evangelischen Volkspartei der Schweiz erscheinen. Der 1. Vorsitzende des CSDD. Reichstagsabgeordneter Simpfendörfer spricht über das Thema:Der Volksdienst im Revisionskampf" und Hüls er, Herausgeber der Täglichen Rundschau" und 2. Vorsitzender des CSBD. behandelt das Thema:Der Volksdienst inmitten der Partei-Umgruppierungen".

Der badische Staatspräsident W i 11 e m a n n ist im Alter von 65 Jahren an einer Darm­infektion gestorben. Er hat als Abgeordneter des Zentrums seit 1905 dem badischen Parlament bis zu seiner Ernennung zum Präsidenten des Rechnungshofes angehört. 1929 übernahm Witte- mann in der aus Zentrum und Sozialdemokraten

gebildeten Regierung da- Innenministerium. Del der Umbildung der Regierung am 30. Iuni d. 3. trat er an die Spitze des Justizministerium-»

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In Braunschweig hat die Fraktton der Bür> aerlichen Einheitsliste beschlossen, einen zweiten M i n i ft e r zu wählen, falls ein solcher Antrag im Landtag eingebracht wirb. Es ist somit anzunehmen, daß der von den Nationalsozialisten bereits nomi­nierte Regierungsrat Klagges in die durch den Rücktritt Dr. Franzens freigeworbene Stelle ein­rückt. Die Verordnung des Ministeriums über eine Einminister-Regierung ließ bekanntlich die Wahl eines zweiten Ministers durch den Landtag offen.

Der Preußische Kultusminister Dr. Grimme hat den Heidelberger Professor Lederer als Aa- tionalölonomen an die Berliner Univer­sität berufen. Die Ernennung Lederers ist über Fakultät und Senat der Berliner Univer­sität hinweg erfolgt, beide Körperschaften hatten Professor Lederers Berufung abgelehnt.

Während die französische Regierung ein Ein­fuhrverbot für Holz au8_ Deutsch­land erlassen hat, hat sie mit der österreichi­schen Regierung ein Holzausfuhrabkom­me n abgeschlossen. Frankreich nimmt danach aus Oesterreich für 1931 noch 95 000 Tonnen Schnitt- und Rundholz ab.

Rach einer neuen Zusammenstellung des Han­delsdepartements werden die amerikani­schen Kapitalanlagen im Auslande für Ende 1930 auf rund 15 Milliard en Dollar, gegen nur eine halbe Milliarde im 3ahre 1912, beziffert. Mehr als je eine Milliarde sind in Kanada, Deutschland, Kuba und Argen­tinien angelegt.

Aus aller Wett.

Eine wilhelm-Raabe-Stiflung.

Bei den Veranstaltungen zur Feier des 100. Ge­burtstages Wilhelm Raabes teilte Dr. Ab i tz - S ch u l z e mit, daß zu einer von ihm ins Leben gerufenen Raabe-Stiftung durch eine Spende aus Hamburg von 1000 Dollar und eine Spende eines Verlegers von 1000 Mk. der Grundstock gelegt worden sei. Die Stiftung wird ein Vermögen sam­meln zu einem Ehrenpreis, dem Raabe- Preis, der an solche Dichter gegeben werden soll, die in ihren Werken und ihrem Wollen echt deutsch im Sinne Raabes sind. Den Vorstand bilden Borries Freiherr von Münch­hausen, Werner 3anfen und Dr. Abitz- Schulze.

Der Deutsche Duriffenfag in Lübeck.

Auf der Tagung des 36. Deutschen Juristentages sprach Settionsckef Dr. H e r m a n n (Wien) namens der österreichischen Juristen ein Bekenntnis zum Anschlußgebanken aus und setzte sich für eine Rechts- angleichuna und eine Rechtseinheit zwischen Deutsch­land und Oesterreich ein. Präsident Dr. Wild­hagen ging auf Die Begrüßungsworte des öster­reichischen Vertreters ein und betonte, es könne nicht Aufgabe des Deutschen Juristentages sein, sich mit dem Haager Urteil über b t e Zollunion auseinanberzusetzen. Aber soviel könne man wohl sagen daß der Haager Schiedsspruch ein Phyr- russieg für Frankreich sei. Wenn man die Stimmen wäge, so würden die sieben Stimmen der Minderheit schwerer sein als die acht der Mehrheit. Es werde der Tag kommen, an dem d i e Weltge­schichte das Weltgericht sei. Die Völker innerhalb der deutschen Grenzpfähle und in Oester- reich seien eines Stammes, ihre Bereinigung könne nicht auf die Dauer verhindert werden. Man wolle trotz der Grenzen die deutsch-öster­reichische Rechtseinheit pflegen. Mit Herz- sichern Brudergruß an die Deutschen in Oesterreich schloß der Präsident seine mit Beifall aufgenommene Rede. Es begannen dann die Fachberatungen in den einzelnen Abteilungen. In der bürgerlich-recht­lichen Abteilung wurde die Frage erörtert, ob sich eine gesetzliche Regelung des Treuhänderver- hältnisses empfehle. Es wurde der Beschluß

Elch-Lagd.

Von Siegfried von Vegesack.

Von allen Jagden, die es im alten Livland gab, war die auf den Elch wohl die schönste und auf­regendste. Wochenlang vorher und monatelang nachher sprach man von ihr, und unter den Jagd- geschichten, die man sich an den langen Winter- abenben vor dem brennenden Kamin erzählte, waren die von abenteuerlichen Elchjagden immer besonders geschätzt und beliebt.

Und das hat seine besonderen Gründe. Erstens mar der Elch das größte urweltlichste Tier unserer Wälder (das armselige Geschöpf im Berliner Zoo gibt nur eine sehr schwache Vorstellung von der Kraft und Wucht dieser in der Freiheit lebenden Unge­tüme), zweitens durfte der Elch nach russischem Ge­setz erst vom 15. August ah gejagt werden, und da gerade m diesen Tagen die Sommerferien zu Ende gingen, blieb, jedenfalls für uns, die wir noch zur Schule mußten, gewöhnlich nur ein einziger Tag für die Elchjagd übrig. Kein Wunder, daß dieser Tag der Höhepunkt des ganzen Sommers war.

Schon als kleiner Junge beschäftigte ich mich viel mit diesen unheimlichen Riesentieren. Einer meiner ersten Kindheitseindrücke war ich werde damals drei ober vier Jahre alt gewesen sein ein mäch­tiger blutiger Elchkvpf. Mein Vater hatte den Hirsch geschossen ich durfte in die Küche gehen, den merk­würdig langen Kopf mit der herunterhängenden Oberlippe und den breiten Schaufeln betrachten. Vom Elch wurden die abenteuerlichsten Geschichten erzählt. Einem Treiber, der seine Wollhandschuhe vor den Bauch in den Gürtel gesteckt hatte, soll ein angeschossener Hirsch einen solchen Tritt mit dem Vorderlauf versetzt haben, daß die Wollhandschuhe hinten am Rücken herauskamey! Und ein Vetter von mir wurde tatsächlich um ein Haar von einem an- geschossenen Elch zertrampelt: er hatte sich unvor­sichtigerweise dem schon liegenden Tier auf wenige Schritte genähert, als sich plötzlich der Hirsch auf« richtete und auf ihn losging. Mit der letzten Kugel sorgfältig zwischen die Augen gezielt hatte mein Vetter das Tier niederaestreckt. Diese Bleikugel trug er seitdem immer als Andenken an seiner Uhrkette.

Einem alten Buschwächter (so nannte man bei uns die Unterförster) war es noch schlimmer ergangen: er hatte eine ganze Nacht auf einer nicht sehr hoben Fichte hocken müssen, während der gereizte Elch Den Stamm mit seinem Geweih bearbeitete. Zum Glück hatte der Baum standgehalten.

Diese und viele andere unheimliche Geschichten erzählte man sich vom Elch, und so verhielten wir

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