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aefafct, baJ$ eine gesetzliche Regelung wünschenswert sei. Die sirasrechlliche Abteilung befähle sich mtt Fragen, die durch das neue Strafgesetzbuch aktuell werden, vor allen Dingen mit der Rcchtsein- hell in der Rechtsprechung der Gerichte und auf dem Gebiete des Strafrechts -wischen Deutschland und Oesterreich. Don einer Beschlußfassung wurde abgesehen. Ueoer die Frage, ob e» sich empfehle, dos Reichs- und S t a a t » an g e r, g - kettsgefetz von 1913 in seinen Grund^tzen zu ändern, kam man In der öffentlich-rechtlichen Ab­teilung zu dem Ergebnis, daß zwar die Reichs- und Staatsangehörigkeit nebeneinander bestehen bleiben solle dah aber die Reichsangehörigkeit das Primäre, die Staatsangehörigkeit das Sekundäre sein müsse. In dieser Abteilung setzte sich Reichsminlster o. D. Koch - Weser bezüglich der Stellung der Frau dafür ein, die neue Gesetzgebung auf dem Grundsatz de, Selbstbestimmungsrechtes der Frau auhubauen. 3m Ausschuß für Zivilpro^- und Ge­richtsverfassung wurde deschlosien, Leitsätze ,ur Verminderung von Eide,lei st ungen und zur Einschränkung de» Zeugende- weises herauszugeben. Zu dem Entwurf einer neuen Zivilprozeßordnung wurde keine Stellung genommen. Weiter wurden Erleichterungen im Ur- kundenprozeh und eine einheitliche Eides- forme! für ganz Deutschland oorgeschlagen.

Die Tagung de» Deutschen Apothekerverein» in Würzburg.

Der zweite DerhandlungStag wurde mit der Luslprache über die Frage der Apotheker- au-bildüng eröffnet, wobei dem Antrag der Dorstandschaft, sechs Semester Hochschule und zwei 3ahre PrasiS zu verlangen, zugestimmt wurde. Sin weiterer Antrag bekärnpst d i e hohen Rabatte, die den Uranien- fassen gewährt werden und die an manchen Orten sogar über die gesetzliche Grenze hinaus- gehen. Die Rotlage der kleinen Apo­theken wurde in einem weiteren Antrag be­handelt. SS wurde festgestellt, dah Deutschland tS Apotheken mit weniger als 5000 Qltarl Jahres­umsatz und 966 Apotheken mit weniger als 20 000 Mk. Jahresumsatz habe. SS wurde beschlossen, da­hin zu wirken, haß ersten- da- Di-pe"sierrecht der Tierärzte auf ein Mindestmaß »uruckaeschraubt, zweitens der ungesetzliche Hausierhandel mit Arz­neimittel durch schärfste Maßnahmen unterbunden, dritten- die Aufstellung von Drogenschränken auf dem Lande verboten wird. Auch gegen die Ab­gabe der Aerztemuster und die Drosselung der ärztlichen Arzneiverschreibung durch die Kranken­kassen wurde Stellung genommen. Der Rot der erwerbslosen jungen Kollegen soll durch finan­zielle Hilfsmaßnahmen gesteuert werden. An die Apothekenbesitzer erging der Appell, von Kündi­gungen möglichst Abstand zu nehmen. Der 1. Dor- sitzende, Dr. Salzmann (Berlin), und der 1. Vorsitzende, Medrzinalrat Sparr er (Rürn- berg), wurden wiedergewählt.

Aus der Pwvinzialhaupifiadt.

D i e ß e n. den 11. September 1931.

Oer einzige Freund im (Sommer 1931.

3a, tthr haben einen Tröster in all den regen- raffen Monaten gehabt: Unfern allen Regenschirm! Wenn wir verhindert waren, dieses 3ahr unfern Gommerurlaub draußen an der See oder in den Bergen zu uerbringen, dann haben wir vielleicht natürlich völlig neidlos! mit geheimem Behagen am Fenster gesessen, wenn der Regen Tag für Tag vom Himmel strömte. Wollten wir aber selber aus- achen, bann mußte unser Freund, der Regen­schirm, mit.

Wir freuen uns, daß wenigsten» die Schirmfabri- kanten gute Geschäfte machen konnten, daß ihre Sabriken in dem schlechten Jahre 1931 durch den egenangelurbelt" wurden. Auch derwahre Jakob", der seiner guten Rase folgend, in diesem Jahre Schirmverkäufer geworden war, machte gute Geschäfte. Ich bin Zeuge davon gewesen. Bei schön­stem Sonnenschein war ich abgefahren. In einer süddeutschen Stadt aber überraschte mich ein starker Regenschauer. Auf dem Messevlatz hörte ich gerade den Uebertreibungen de» wahren Jakobs zu, der leine Regenschirme in musikalische und unmusika­lische einteilte, sah, wie er den Muster- schirm nach allen Selten umbog, einen Eimer I Lasser hineinschüttete, das schließlich gar nicht nötig mar; denn e» fing plötzlich an zu regnen. Ich er- I stand mir sofort einen Schirm von ihm. Mit zehn I Mark hatte er angefangen, bis er schließlich bei I 1,50 Mark landete. Zu diesem Preis verkaufte er Ibic besten Schirme Der Welt". Sein Geschäft ging glänze nb.

Einige Stunben später, al» die Sonne wieber schien, traf ich ben Schirmverkäufer in ber Stadt. Er bat mich um Feuer für feine Zigarette. So bei­läufig fragte ich Ihn, wieviel Schirme er an einem läge abfetze. Ohne mit der Wimper zu zucken, sagte tr:Etwa 2000!" Ich lieh mir auch nichts merken und ging weiter. Aber innerlich lachte ich doch und dachte: Wenn man schwindelt, soll man gleich richtig, schwindeln.

Ich hatte also auch einen von denbesten Schir­men der Welt". Er war auch danach. Rach zwei Wochen ließ er jeden Regentropfen durch. Das Ge- stell wackelte. Mit einem Wort: Der Schirm war er­ledigt. Was nun? Ich dachte daran, ihn Im CafL ober in der Elektrischen stehen zu lasten. Aber da» mürbe nicht viel helfen, benn alte Regenschirme be­kommt man totstcher wieder vom L-ellner oder Bahnschaffner sofort nachgetragen und muß oben­drein ein gute» Trinkgeld geben Ich hebe also vor­läufig den Schirm aus, vielleicht finbet sich jemanb, ! der ihn ^daheimherum" auftragen will.

Merkwürdig ist jedenfalls, daß man einen gu­ten Regenschirm, den man irgendwo vergessen hat, 1 niemals wieder bekommt. Aus dem Fundbureau sehen wir Hunderte von Schirmen, aber den ge­suchten finden wir nicht. Daß ein Gastwirt eine kleine Anzeige einrückt, etwa so: .Sin in Ge­danken steyengebliebener Regenschirm kann abge- holt werden", findet man auch selten.

Es ist keineswegs das Vorrecht von Professo­ren und alten Herren, ihre Schirme aSein stehen 1 iu lassen. DaS passiert fast allen Menschen, be­sonders nach einem schönen, sonnigen Sommer, den wir 1931 leider nicht hatten. Man sagt, wir hätten keine gute Verbindung mit dem Schirm, wir ! ärgerten uns schon, wenn wir ihn mitnehmen müh­ten, außerdem sehe er nicht elegant auS, und Venn man ihn brauchte, stünde er zu Hause, und bei Sonnenschein liefen wir mit ihm herum. Daran ist allerhand richtig, aber auch viele- übertrieben. Sin guter Schirm ist immer unser Freund. Wenn rr stark genug ist, können wir ihn auch als Stühe gebrauchen. Es gibt viele Leute, die sich nach dem englischen Sprichwort: Wenn das Wetter schon ist, nehmt den Regenschirm! richten. Sie sind in diesem Sommer nicht schlecht damit gefahren, anb jeder, der in iltlaub fahren konnte, dankte

Gott, wenn er seinen Schirm mitgenommen hatte. WaS hätte er sonst in Kuhdorf oder Fischbach machen sollen? Da konnte man keinen Schirm kaufen, und der wahre Jakob kam auch nicht dahin.

Man hat geglaubt, daß der Gummimantel oder die Cclbaut den Regenschirm verdrängen wür­den. Aber dem ist nicht so. Die hutlose Mode, noch mehr die zarten Damenhüte, sind dem Regen­schirm zu Hilfe gekommen. Wa» hilft schließlich ein Gummimantel, wenn die Regentropfen auf unserem Kopf hüpfen und sich irgendwo Ein­gang suchen? Da ist der gute Regenschirm doch ein besserer Schutz.

Gewiß macht man feine Witze über ihn und denkt an die Augenblicke, wenn er bei stürmischem Wetter umgestülpt davonfliegt und fein Besitzer hilflos hinterdrein rennt. Da- ist immer ein er­götzliches Bild, nur darf es uns nicht selbst passieren.

Wenn wir auch nicht mit Franz Völker fingen: .Dein ist mein ganzes Hertz", so sind wir un­serem Regenschirm doch dankbar und haben un- in diesem Sommer über ihn gefreut, und er ist die paar Zcklen wert, die ihm allhier gewidmet wurden! Lz.

Amerika als Vorbild und Warnung.

3n der Stadtkirche hielt am Mittwochabend nach einem einleitenden Orgelvorspiel und einer kur­zen Begrüßung durch Pfarrer Becker Pfarrer Devaranne, der Direktor der Ostasien-Mis- sion, der kürzlich aus Amerika nach Deutschland zurückkehrte, einen Dortrag über da- Thema .Amerika als Dorbild und War- nung". Europa befinde sich, so führte er u. a. auS, in keiner beneidenswerten Lage. Zwei be­nachbarte Kulturkreise versuchten Einfluß zu ge­winnen: im Osten bebtobe eine fragwürdige ruf. fische Kultur unseren KulturkreiS, vom Westen her fei eS der Amerikanismus, dem sich die europäi­schen Doller differenter und nicht so ablehnend gegenüber verhielten, al- den russischen Ein­flüssen. Amerika könne in verschiedener Hinsicht als D o r b i l d dienen. In Amerika herrsche z. B. trotz der Derschiedenheit der bevölkerungspoli­tischen Zusammensetzung, eine starke nationale Einigkeit. Alle seien begeisterte Amerikaner, das Dolk sei eine einzige kompakte Masse. An dieser Tatsache habe die amerikanische Dolksschule daS größte Verdienst: die Volksschule, in der jeder­mann u. a. englisch lerne, sei der Schmel^tiegel für diese nationale Einheit. Sin zweiter Aktiv­posten in Amerika sei das dort übliche Frei, kirchentum, daS zwar manchen Mangel an sich habe, wiederum aber auch große Vorteile in sich schließe. Es gebe dort keine Staats- und Landes­kirche: manche Reibungsfläche zwischen Staat und Kirche sei durch diese Regelung vermieden. Wenn man anderseits von Amerika als Warnung spreche, so müsse man sich zunächst bemühen, der Mentalität diese- Dolles gerecht zu werden. Die Amerikaner seien noch immer Pioniervolk, noch herrsche der .Zug nach dem Westen" vor, noch konnte sich eine bodenständige Kultur nicht ent­wickeln. Daraus ergäben sich einige Eigentüm­lichkeiten, die unserem europäischen LebenSgefühl fremd erschienen. Dominierend sei der Begriff de- Selfmademan: der Amerikaner sei stolz auf sich und auf fein Selbstvertrauen. Deshalb habe man auch die demokratische StaatSform gewählt. Die Erfolgspsychologie beherrsche schon Immer das ganze Sein des Amerikaners. Kunst und Gemüt seien Faktoren zweiter Ordnung. Die amerikanische Pädagogik habe übereinstimmend damit drei we­sentliche Ziele: »AmerikaniSmuS", .Hygiene" und .Erziehung zum Erfolgstreben". Interessant und bemerkenswert fei daS Wesen der amerikanischen Mission. Die Amerikaner trieben gleichzeitig neben der Verbreitung des Evangelium- eine Art amerikanische Kulturprogaganda, Propaganda sür die Demokratie und die amerikanische Wirtschaft. Die Amerikaner sehen bei ihrer Missionsarbeit ungeheure Summen ein. Die deutsche Mission verschwinde dagegen. Ss gelte jetzt, die deutsche Mission ausrechtzuerhalten und zu unterstützen, denn wenn die deutsche Mission im Osten, in Asien, den Platz verlasse, dann greife entweder der AmerikaniSmuS oder der Bolschewismus Platz. Don einem Weltchristentum könne man dann nicht mehr sprechen.

Rach einer Pause zeigte der Dortragende in einer Anzahl teil- farbiger Lichtbilder das Amerika von heute in seiner mannigfachen Gestalt.

Stenographentagung in Gießen.

Man berichtet unß:

Der Mittelwestdeutsche Stenogra­phenbund Etolze-Schrey hielt am ver­gangenen Sonntag im .Bayrischen Hof" eine trotz der Ungunst der Zeit stark besuchte Dereins- vertreterversammlung ab. Bundesvor­sitzender Karl Fuchs (Wiesbaden) als Leiter der Versammlung konnte alS Ehrengast den jetzigen DerbandSgeschästSführer der Schule Stolze- Schrey und ehemaligen Bundesvorsihenden, Hch. Konrad (Berlin), begrüßen. Die Verhandlungen gingen insofern über einen internen Rahmen hin­aus, als sie im Zeichen der ungeschwächt aufrecht- erhaltenen Forderung der Schule Stolze-Schrey nach einer wahren Reichskurzschrift stand. Singe- leitet wurde die Versammlung damit, daß die Hauptdelegierten der fünf Bundesbezirke ein an­schauliches Bild über die stenographische Lage ent­warfen, aus dem sich ergab, daß zwar die allge­meine Ungunst der Zeit auch nicht ohne Rück­wirkung geblieben ist, daß doch unverzagt und erfolgreich an dem allen gemeinsamen Ziel der Heranbildung tüchtiger Stenographen nach Stolze- Schrey toeltcrgearbcitet wird. Meldungen von Anfängerkursen mit nicht unwesenlllchen Teil- nehmerzahlen wurden mit Genugtuung ausgenom­men. Aus dem durch den Bundesschriftiührer K. Simon (Wiesbaden) verlesenen Geschäftsbericht der Gesamtorganisition. ergab sich, dah in einem Jahre die Zahl der nach Stolze-Schrey Unterrich­teten um nicht weniger als 1500 angestiegen ist. Hervorragend ist in diesem Zusammenhang daS Breslauer Wettschreibeergebnis zu nennen: Rund 960 Arbeiten, davon allein 60 in den Abteilungen von 300 bis 440 Silben, waren preiswürdig. Alles dies, in Verbindung damit, dah die sog. Ein- heitskurzschrift die gehegten Erwartungen bisher nicht zu erfüllen vermochte, ergebe wieder eine Berechtigung für die beharrliche Welterverlolgung des Zieles Der Schule Stolze-Schrey: Wiederher­stellung des freien Wettbewerbes auf stenogra. phischem Gebiete, um im freien Spiel der Kräfte sich eine wahre Reichskurzschrift entwickeln zu las­sen. Einen breiten Raum nahm auch bte AuS. spräche über die Werbemahnahmen und die 3u- genbarbeit ein, die manche Anregungen brachte.

Bornotizen.

TageSkalender für Freitag: Licht­spielhaus, Bahnhofstrahe: .Rie wieder Liebe (Dolkstag). Astoria-Lichtsplele: .Die gehetmntS- voll« Insel*.

AuS b em Stadttheater-Bureau wird uni geschrieben: Die Komödie .Der Gar­ten Eden" von Bernauer und Oefterreicher ge­langt als letzte Reuelnstub'erung der Sommer­spielzeit 193« am DienStag, 15. September, unter der Spielleitung von Peter F a s s o t t einmalig im Sommerabonnement xut Ausführung. Ge­wöhnliche Preise. Beginn der Vorstellung 20 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr.

Die blaue Adria." Am Sonntag 11.15 Uhr gelangt im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, wie­der em Kulturfilm zur Aufführung, der den Freun­den de» guten Film» sicherlich manche Freude be­reiten dürste. Der Bildstreifen wird die Zuschauer im Geiste an die blaue Adria führen, in die La­gunenstadt Venedig mit ihrem romantischen Zauber, nach Triest, zum Schlosse Miramore, an die istrische Küste nach Abbazia und Fiume. Welter wird man Gelegenheit kerben, die eigenartige Schönheit der dalmatinischen Küste zu bewundern, Spalato, Ra- tMa und Montenegro, Cetinje und Cattaro, den Lowcenpaß und den Skutarisee, Albanien» Berge und noch viele» andere wird der Besucher zu sehen bekommen. Nähere» In der gestrigen Anzeige.

Taten fürFreitag, 11.September.

Sonnenaufgang: 5 53 Uhr, Sonnenuntergang: 18.50 Uhr. Mondaufgang: 4 30 Uhr, Mond­untergang: 18.38 Uhr.

1709: Sieg der Oesterreicher, Preuhen und Eng­länder über die Franzosen bei Malplaquet. 1816: der Mechaniker Karl Zeih in Weimar ge­boren.

Militärpersonallen, versetzt wurden: Oberleutnant Sonrab vorn 1. Batt. Ins.Rat. in Gießen zum Ausbildungsbataillon Inf.-Rat. 15 in Marburg, Leutnant Knetfch vom Ausblldungbatl. Marburg zum 1. Batl. Inf.-Rgt. 15 In Gießen, Leutnant Knapo vom Ins.-Rat. 13 zum 1. Batl. Inf.-Rgt. 15 in Gießen, Dbermufitmeiftcr Krauße vom 2. Batl. Inf.-Rgt. 13 In Ludwigsburg, kom­mandiert zur Leitung des Musikchors des 1. Batl. Inf.-Rgt. 15 In Gießen (Obcrmusikmeifter Krauße ist ein Sohn de» bekannten Leiter» der früherett Gießener Regimentsmusik, Musikdirektor Krauße), sämtlich mit Wirkung vom 1. Oktober ab. Weiter wurde mit Wirkung vom 1. September ab der Oberfähnrich Fett, ein Sohn de» früheren Regi- mentstommanbeur» der 15er, General» Fett, von der Infanterieschule in Dresden zum L Batl. Inf.- Rat. 15 in Gießen verletzt.

Sine große militärische Hebung, an der die Bataillone von Gießen und Marburg beteiligt sein werden, wird am Freitag nächster Woche Im Gelände zwischen Dießen und Mar­burg, Im sog. EbSdorser Grund in der Rähe der Orte Wisselsberg, Beltershausen und Hassenbach stattfinden. Die Hebung wird schon In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag beginnen und voraussichtlich erst am späten Abend deS Freitag beendet sein. Rach der Hebung wer­den die Truppen noch in Ihre Garnisonen zurück- marschieren. Der Hebung wird der Kommandeur des Ins.-Rgt. 15 Oberst von SchickfuS und Reuendorff beiwohnen, wahrscheinlich wird auch der Oberbefehlshaber unseres Wehrkreises General der Kavallerie von Kayser zugegen sein.

AltertumSfunde In Gießen. Dor etwa 14 Tagen veröffentlichten wir unter dieser Heberschrift eine Notiz über die Funde, die bei dem Abbruch deS alten HauseS an der Damm- straße gemacht wurden. Wie erinnerlich, fand man seinerzeit zwei prächtige Ofenkacheln mit Darstellungen auS der biblischen Geschichte. Die eine dieser beiden Kacheln veranschaulicht die .Rückkehr deS verlorenen SohneS", die andere zeigt die .Erschaffung der Welt". Reben diesen beiden Kacheln wurden auch eine Anzahl schrift­licher Dokumente auS der Korrespondenz des Hof- bankierS Marr Joseph aus Wetzlar, in einem versiegelten Säckchen ausbewahrt, vorgefunden. Das Hochbauamt Gießen ließ von diesen Zeugen einer anderen Zeit (Dokumente und Kacheln stam­men aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts) photographische Aufnahmen unfertigen, die zur Zeit im Schaukasten am Geschäftshaus deS .Gie­ßener Anzeigers" zu sehen sind. Besonder- be­achtenswert ist bei den Kacheln die schöne räum­liche Gestaltung der bildlichen Darstellungen und die kultivierte Behandlung der Schrift. Bei den Dokumenten ist Die von vielen Fremdworten durchsetzte, für das beginnende 18. Jahrhundert charakteristische Schreibweise bemerkenswert. Richt weniger beachtenswert sind die schöngeschnittenen Siegel, die auf den Dokumenten deutlich sicht­bar sind.

Sin eigenartiger HnglückSfall ereignete sich gestern gegen 11 Hhr an der Ecke Neustadt-Kleine Mühlgasse. Dort wird zur Zeit ein alteS HauS wegen Baufälligkeit abgebrochen. Gestern vormittag waren die Arbeiter damit beschäftigt, den Schornstein abzureihen, wobei sie die Steine durch ein Loch in der Decke nach unten warfen. Hierbei muh ein Stein an die Kante des Loche- gefallen und dadurch seitlich abgeprallt sein, so dah er durch eine Fensteröffnung auf die Straße fiel. Zufälligerweise ging im gleichen Augenblick Die in der Neustadt wohnende Frau A m e n d an dem Haus vorüber, die von dem Stein am Kopfe getroffen und erheblich verletzt wurde. Mit stark blutenden Wunden wurde die bedauernswerte Frau von der Freiwilligen Sani­tätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chir­urgischen Klinik gebracht, wo sie mit Schädel- verlehungen barnieberliegt Ihr Befinden ist den Hmsländen entsprechend gut, so dah wohl die Hoffnung gerechtfertigt erscheint, die Frau in nicht allzulanger Zeil wiederherstellen zu können.

9ie Dillenburger ilnIerschlagungSaffäre.

WSN. Dillenburg, 10. Sept. In der Untcrfchlagungsaffäre Zwanzig sind die Erhebungen noch nicht abgeschlossen. Gerüchte, di« von einer Erhöhung der veruntreuten Summe auf 100 000 Mark wissen wollen, eilen nach unfern Informationen den Tatsachen voraus, doch scheint die Möglichkeit zu bestehen, daß die angegebene Summe von 40 000 Mark sIch noch wesent­lich e r h ö h t. Die mit der Klärung der Angelegen­heit befaßten Stellen vermögen in dem jetzigen Stadium der Untersuchung keine Auskunft zu er­teilen. Die Veruntreuungen wurden auf verschie­denartige Weife ermöglicht, in erster Linie durch Falschbuchunaen. Ungeklärt ist es noch, für welche Zwecke Zwanzig die unterschlagenen Gelder verwendet hat, da seine Familie nicht über ihre Verhältnisse zu leben schien. Zum Wiederauf- bau des dem Sohn des Zwanzig gehörenden abgebrannten Sägewerks standen aus Mitteln der Brandversicherung 34 000 Mark zur Verfügung, die ebenfalls nicht mehr vorhanden sind. Auf dem Unternehmen soll aber auch noch eine große Schuldenlast ruhen. Luch haben zahlreiche hiesige

Dewerdclreldende noch Forderungen an Zwan» zig, die mit rund 20 000 Mark angegeben werden.

Rriegtfopfertogung in Herborn.

DSR. Herborn, 10. Sept. Am Sonntag hlell der Gau H e s s e n - N a s s a u - D a r m st a d t de» Reich»oerbande» deutscher Kriegsbe­schädigter und Kriegerhinterbliebener in Burg feine diesjährige Gautagung ab. Bemerkens­wert aus de mGang der Berhandlungen ist die An­nahme einer Entschließung, die an die Reichsregierung abgesandt wurde. Darin heißt e» u a.:Die zahlreich erschienenen Strlegsopfrr er­heben schärfsten Protest gegen die durch Notverord­nung und Sperrerlassc bedingten Berschlechterungen der Versorgung und Fürsorge, die unerhörte Un- acrcchtigkeiten darstellen und geeignet find, die den Kriegsopfern bisher mit Recht zugestandene ge­hobene Fürsorge auf bas Niveau der in den Dor» kncgsjahren bestandenen allgemeinen Armenpflege dcrabzudrücken. Dom Reichstage erwarten die Kriegsopfer auf bas bestimmteste ein Eingreifen zu ihren Gunsten. Dom Reichstag und von der Re­gierung wird gefordert, die Notverordnungsbestim- mungen, soweit sie Kriegsopfer betreffen, aufzu- heben."

Kirche und Schule.

Kreis Schotten.

wg. Rieder-Seemen. 8. Sept. Der Zweigverein Schotten der Gustav- Adolf-Stistung feierte hier am Sonntag fein IahreSsest, daS einen starken Besuch, auch aus den Rachbargemeinben, aufzuweisen hatte. In bem festlich geschmückten, überfüllten Kirchlein hielt der Dtafporapsarrer Gebhard aus Bieber bei Offenbach die Predigt, die aus­klang in der Mahnung zu tätiger evangelischer Bruderliebe im Sinne deS WahlspruchS deS Gustav-Adolf-Dereins. Dor Festgottesdienst wurde noch verschönt durch erhebende Gesang-voriräge des KirchengesangvereinS von Ober-Seemen unter Leitung von Pfarrer Raumannn und deS Kinderchor- Rieder-Seemen unter Leitung von Lehrer S m r i ch. Im Saale von Gastwirt Schmidt fand nachmittag- die von Pfarrer Raumann - Ober-Seemen geleitete, ebenfalls sehr gut besuchte Rachversammlung statt. Rach einem Liedvortrag deS Ober-Seemener Kirchengesangvereins begrüßte Pfarrer Rau­mann die Gäste. Die Ansprache deS Festpre­digers ließ lebensvolle Bilder auS der hessischen sowie aus der AuSlanddiaspora vor dem gei­stigen Auge der Zuhörer erstehen. Die Grüße des Dekanat-, deS Schottener ZweigvereinS und deS DorstandeS de- Hessischen HauptvereinS der Gustav-Adolf-Stiftung überbrachte Dekan Wid­mann- Gedern. Rach einem Schlußwort des Ort-geistlichen, Pfarrer Raumann, wurde die Feier mit gemeinfamem Gesang geschlossen. Die Festkollekte im Betrage von nahezu 46 Mark wurde der Diasporagemetnde Bieber zum Aus­bau ihrer Schwesternstation und zur Stärkung ihres Kirchenbaufonds überwiesen.

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Wettervoraussage.

Da» südsranzösische lief hat an seiner Nordselle einen Ausläufer bis nach der Schweiz oorgeftreckt, der dort verbreitete Niederschläge verursacht. Die Zuarichtung des Tiefs Ist jedoch nach dem Mittel­ländischen Meer hin, so dah nur für Süddeutscksiand eine Beeinflussung in Frage kommt. Auch die flache Storung über Dänemark wird ohne Einfluß auf die Wetterlage Mitteldeutschlands fein, so daß im wesent. lichen der hohe Druck die Vorherrschaft behält. Da» trockene Wetter dürfte noch fortbestehen, zumal der hohe Druck über Den britischen Inseln eine neue Kräftigung erfährt.

Vorhersage für Samstag: Lokale Nebel­oder Dunftbilbungen, teilweise etwas bewölkt, sonst meist heiteres Wetter, nachts sehr kühl, tagsüber wärmer.

Vorherfage für Sonntag: Fortdauer der Schönwetterlage.

Lufttemperaturen am 10. September: mittags 14,3 Grad Celsius, abends 9,3 Grad: am 11. Seotemben morgens 7,5 Grad. Maximum 14,7 Grad, Minimum 5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. September: abends 14 Grad: am 11. September! morgens 9,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 2% Stunden.

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