Nr. 2(2 (Erftes Blatt
M Jahrgang
Zreitag, st- September |95|
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Die Illustrierte
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England gegen jede Verschiebung der Abrüstungskonferenz.
Lord Cecil unterstützt in Genf den italienischen Vorschlag einer Rüstungspause und fordert die deutsch-französische Verständigung als Angelpunkt einer Befriedung Europas.
(8 e n f 10. Sept. (WTB.) 3m Mittelpunkt der heutigen Sitzung der Dölkerbundsoerfammlung stand eine Rede des englischen Hauptdclegicrten Lord Robert Cecil. Cs ist notwendig, erklärte er, daß die Weltöffentlichkeit die Gewißheit eines dauernden Friedens hat. Es kommt alles darauf an, das internationale Kapital dazu zu oeranlaffcn, di e Cürfen der Zahlungsbilanz auszu- füllen;
Lord Cecil verwies auf Deutschland, das Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Krise stehe. Cr zitierte mit Nachdruck die Stelle au» dem Basler Sachoerständigenbericht, die die Wiederherstellung des freien Umlaufes von Geld und Waren und ein tatkräftiges handeln der Regierungen vor dem Ablauf der Stillhaltefrist fordert und betont, bah die internationale politische Lage auf die Grundlage de» vertrauens gestellt werden und die Zahlungen Deutschland» so geregelt werden mutzten, dah sie seine finanzielle Stabilität nicht gefährdeten.
Wohl könne man sagen, dah kaum jemals der Krieg unwahrscheinlicher gewesen sei als jetzt, doch bestehe in vielen Ländern eine Atmosphäre der inneren Unruhe, deren Rückwirkungen sich über die ganze Welt auSdehncn. Heft gc Reden und aggressive Kundgebungen seien in vielen Ländern an der Tagesordnung. Leider finde die Mäßigung nicht den gleichen Widerhall in der Öffentlichkeit. Zum Teil auf diese Um- stände sei es zurückzusühren, dah eine Atmosphäre des internationalen Mißtrauens entstanden sei. Es sollte die besondere Aufgabe des Völkerbundes fein, dieses Mißtrauen zu zerstreuen. Gr wisse nicht, ob die Revision Der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage den Frieden fördern würde. Dagegen würde die Weiterbetreibung der Abrüstung mehr als irgend etwas anderes das Vertrauen fördern und die Gerechtigkeit als Schiedsrichter der internationalen Streitigkeiten einsehen. Das fei eine dringende, sehr dringende Angelegenheit. Er wolle auf ein Symptom Hinweisen. In letzter Zeit hätten in verschiedenen Ländern — er möge kein Land nennen und auch keinem Lande eine besondere Schuld geben — Luftmanöver zur Ausbildung und Vervollkommnung dieser Waffe, die eine ausgesprochene Ang r is fs w af se fei, stattgefunden. Dabei habe sich wieder einmal ergeben, daß der Desih von Luftstreitkräften kein Schutz gegen die Luftstreitkräfte des Gegners sei. Die Wirkung der Luftwaffe bestehe in der Zerstörung größerer Städte, d. h. in der Vernichtung einer unübersehbaren Anzahl von Menschenleben und der wichtigsten Zentren des materiellen Reichtums. Welch eine Sicherheit sei das für den internationalen Kapitalmarkt? Das gleiche gelte für die Land- und Seerüstung.
„keine Regierung, am wenigsten die meinige, würde irgendeinen Vorschlag zur Verschiebung der Abrüstungskonferenz dulden." Der Vorschlag Grandi » ist ein großartiger Auftakt zur Abrüstungskonferenz und wird hoffentlich im Dritten Ausschuß der Völkerbundsverjamm- lung konkrete Gestalt annehmen. England wird ihm feine begeisterte Unterstützung leihen in der ernstlichen Hoffnung eine» praktischen Ergebnisses. Die Abrüstungskonferenz mutz Erfolg haben, sie muh zu einer wesentlichen Herabsetzung der Rüstungen führen. Wenn wir allgemein nur darauf bedacht sind, wie unser Land möglichst leichten Kaufes daoon- komml, dann kann nichts erreicht werden. Die Krise drängt zu entscheidendem handeln. Ich sehe vor mit die Vertreter zweier hochangesehener Rationen, die auf ihrem Gebiet in der Kultur führend sind. Wenn eine wirkliche A n - Näherung zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur in Worten, sondern durch die Tat erfolgen könnte, so wären 75 Prozent der politischen Unruhe au» der Well beseitigt. Ls ist behauptet worden, daß England diese deutsch - französische Annäherung im Grunde seine» Herzen» nicht wünsche, weil es durch die Entzweiung der beiden kontinentalen Mächte einen um so gröheren Einfluß im Rate der Rationen habe. Das ist eine grobe, skandalöse Beleidigung Englands. Die gegenwärtige und jede zukünftige Regierung werden ihr äußerstes tun, um eine wirkliche und sichtbare Freundschaft zwischen den beiden Ländern herbeizuführen. Der Geist von Locarno ist, wenigstens soweit England in Betracht kommt, noch vorhanden.
Oer Eindruck in Genf.
Der scharfe Hinweis auf die französischen Suftrüstungcn.
Genf, 10. Eept. (SU.) Die große Rede Cecils hat ein starkes Echo gefunden, weil man darin eine unmittelbare Stellungnahme derenglischenRegierungzuden Fragen
der Abrüstung und der Reparationen erblickt. Diel beachtet wurde seine Erklärung, daß die englische Regierung sichjederVertagungder Abrüstungskonferenz widersetzen werde. Rach dieser Erklärung erscheint es kaum mehr möglich, dah die französischen VertagungS- versuche noch fortgesetzt werden. 3n Cecils Rede ist ferner zum ersten Male in der Vollversammlung des Völkerbundes von englischer Seite die Frage der Revision der Friedensverträge zur Sprache gekommen. Die Erklärung Cecils wird dahin ausgefaht, daß die englische Regierung die Aufmerksamkeit der Völkerbunds- Versammlung auf die unabwendbare Rotwendig k e it einer kommenden Revision der Verträge hinlenken wollte. Am schärfsten erscheint in der Rede der Teil, der die deutsch-fran
zösischen Beziehungen behandelt. Cecil stellte da- Problem der deutsch-französischen Beziehungen in den Mittelpunkt der europäischen Probleme, ohne jedoch den Standpunkt der englischen Regierung näher darzulegen. Den stärksten Eindruck machte die Forderung, dah die Ab- rüstungskonserenz unter keinen Lim ständen zu einem Mißerfolge führen dürfe und der Hinweis auf die Gefahr der Luft- rü ft ungen, der als eine Anspielung auf die Luftrüstungen Frankreichs aufgefaßt wurde. Die Erklärung CecilS führt den italienischen Vorschlag auf Schaffung eines Rüstung-Waffenstillstandes bis zum Abschluß der Abrüstungskonferenz weiter. Runmehr ist die Möglichkeit gegeben, daß der italienische Vorschlag im Abrüstungsausschuß der Vollversammlung behandelt wird.
Das 2Reid? und Preußen beraten über gemeinsame Sparmaßnahmen.
Noch keine endgültigen Entschlüsse über die kommende Notverordnung.
Berlin, 10. Sept. (ERB.) Zwischen den zuständigen Ressorts des Reiches und Preußens haben heute Besprechungen stattgefunden, die eine möglichst weitgehende Angleichung der Maßnahmen bezwecken, von denen bereits in den letzten Tagen bte Rede war. Dabei handelt es sich z. D. um die Penfions kürzung und die Deförderungssperre für die Beamten, die nach Auffassung der beteiligten Stellen am besten vomReich aus durchgesührt werden, um zu vermeiden, daß alle Länder dieselben Cinzelvcrfügungcn treffen müssen. Aehnlich sollen auch noch andere Dinge in Einklang gebracht werden. Bisher sind die Beratungen aber noch nicht zum Abschluß gekommen, und es ist mit der Veröffentlichung der preußischen Rotverordnung auch erst im Laufe der nächsten Woche zu rechnen. Sie soll bekanntlich gleichzeitig mit der der Reichsmaßnahmen erfolgen.
Daraus ergibt sich von selbst, daß die bisher in der Presse aufgetauchten Mitteilungen über Einzelheiten nicht zutresfen können. So veröffentlicht ein Berliner Blatt heute abend eine eingehende Darstellung der angeblich beabsichtigten Sparmaßnahmen im preußischen Schulwesen. Von unterrichteter preußischer Seite wird hierzu nur die Auskunft gegeben, daß Richtiges mit anderem vermengt fei, was durch die ja jetzt noch nicht abgefchlofsenen Verhandlungen überholt worden ist. Ebenso lassen sich die vom Reich geplanten Maßnahmen nur in Form von Lieberschriften wiedergeben, ohne daß man vor der in der nächsten Woche stattfindenden Kabinettssihung sagen kann, wie sie in den Einzelheiten aussehen werden. Faßt man die Pläne in Etichworten zusammen, so handelt es sich um folgende Punkte:
1 . Abbau der Hauszins st euer. 3m Reichsfinanzministerium wird an zwei Plänen
gearbeitet, von denen der eine eine Art Kapitalisierung der Steuer, der andere die Einspannung auch der Mieten in den Preisabbau vorsieht.
2 . Die gemischt städtisch-ländlichen S i edlu n- aen für zunächst 100 000 Wohlfahrtsunterstützte.
3 .Herabsetzung der hohen Pensionen über 12 000 Mark.
4 .Zweijährige Beförderung», und Zu- lagensperre für Beamte.
Außer dielen Maßnahmen, mit denen sicher zu rechnen ist, spricht man bekanntlich auch noch von anderen Plänen, so von weiteren Einlpa- rungen am Etat, der Reform der Krisen. und Wohlfahrtsfürsorge, der Schaffung einer Einsichtmöglichkeit bei den Banken und anderes, lieber die Gestaltung dieser Pläne wird sich erst im Laufe der nächsten Woche Näheres sagen lassen. Wie der „Börsencourier" berichtet, hat sich bei den Resfortbesprechunaen in der Reichskanzlei ergeben, daß auch Dorrt Reich aus verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Kürzung der Gehälter der kommu- nalen Wahlbeamten durch Notverordnung nicht bestehen. Die Gehälter der preußischen Oberbürgermeister, Bürgermeister usw. werden deshalb von Preußen auf dem Wege der Notverordnung wie folgt festgesetzt werden: Berlin 30 000 Mark, für Städte von 400 000 bis 1 000 000 Einwohner 18 000 bis 24 000 Mark, von 100 000 bis 400 000 Einwohner 15 000 bis 18 000 Mark, von 50 000 bis 100 000 8400 bis 12 600 Mark, von 30 000 bis 50 000 6200 bis 10 600 Mark, von 10 000 bis 30 000 4400 bis 8400 Mark von 2500 bis 10 000 2800 bis 8400 Mark. Die Notverordnungen des Reiches und Preußens sollen am 1.Oktober in Kraft treten.
Wie England sein Defizit beseitigen will.
Snowdens Nachtragsetat im Parlament. — Oie Verstärkung der Einnahmen.
Spannung im Unterhaus.
Ein Erfolg des Schatzkanzlers.
London, 10.Sept. (CNB.) Schatzkanzler Snowden wurde bei feinem Erscheinen heute im Unterhaus nicht nur von den Regierungsbänken, sondern auch von einem großen Teil der Opposition mit Beifall begrüßt. Es ist das zweite Budget, das dieser durch lange Krankheit und eine chwere Operation körperlich geschwächte Mann die- cs Fahr einbringen muß. Die Opposition, die kurz vorher während der Fragezeit die Aenßerung seines ebenfalls „abtrünnigen" Kollegen Thomas in ironischem Gelächter erstickt hat, lauscht dem Schatz- kanzler andächtig gespannt. Denn was heute aus seinem Mund dem Haus verkündet wird über neue Ersparnisse und neue Steuern, i ft im Prinzip schon Gesetz und trifft einschneidend jeden Bürger vom Arbeitslosen bis zum Millionär. Aus die Feststellung des Defizits: 74 Millionen Pfund Sterling für dieses Fahr und 170 Millionen Defizit für nächstes Fahr folgt tiefes Schweigen und dann Rufe der Ueberraschung im Haus. Als das Wort „Steuervorschläge" fällt, beugen sich die Abgeordneten vor und lauschen mit größter Spannung der vorgetragenen Lifte von Erhöhungen der Abgaben, von den Steuern auf Einkommen, Bier, auf Tabak, auf Benzin, auf Vergnügungen. Als der Schatzkanzler dann mitteilt, daß sowohl der diesjährige, wie auch der nächstjährige Riesenfehlbetrag in ein Plus verwandelt werden soll, geht ein hörbares Aufatmen durch das Haus. Gleich aber folgt ironischer Widerspruch der Opposition, als Snowden schildert, wie alt und jung, arm und reich ihm Spenden von einem Schilling bis zu 1000 Pfund Sterling übermittelte, um dem Land aus der Not zu helfen. Als Snowden am Schluß seiner fünfviertelstündigen Rede aber
vom „unbezähmbaren Geist" der britischen Nation spricht und mit dem Zitat endet: „England muß uns doch bleiben!" erhebt sich die Kon- servative Partei wie ein Mann und jubelt tücher- schwenkend dem sozialistischen Schatzkanzler zu.
Snowdens Steuerbukett.
Herschärfung der Einkommensteuer und der indirekten Besteuerung.
Snowden erklärte in seiner Rede über bas Rachtragsbudget. Es ist zweifellos eine Tatsache, daß das Ausland mit Rervosität die nationale Finanzlage Englands beobachtet. Ein unbalanciertes Budget ist eine sehr ernste Angelegenheit für England, und es ist nötig, unsere finanzielle Position in eine solche unzweifelhafter Sicherheit und Stabilität zu verwandeln. Die Regierung hat entschieden, dah das Borgen für den Ar b e i t s l o f e n f o n d s auf hören muß. Es unterliegt natürlich keinem Zweifel, dah wir seit einiger Zeit über unsere Mittel und zu einem beträchtlichen Teil von unserem Kapital gelebt haben. Die Alternativ-Heilmittel sind folgende: 1. Verringerung der Ausgaben, 2. Anziehen der Steuerschraube, 3. eine Kombination der beiden erstgenannten Punkte. Das Defizit für das laufende Finanzjahr beträgt schätzungsweise 7 4,7 Millionen Pfund. Ich stehe einem sehr bedenklichen und scharfen Fallen der Einnahmen von nicht weniger als 25 Millionen im laufenden Finanzjahr gegenüber, wozu noch vier Millionen Mindereinnahmen aus Zöllen und Akzisen kommen. Die Suspendierung der Kriegsschuldenzahlungen au- dem Hooverplan wird die Einnahmen dieses Jahr um weitere 30 Millionen verringern. Anderseits werden durch
das Hoovcrjahr an den an Amerika zu leistenden Zinszahlungen diesmal 13.5 Millionen erspart. Durch den Hooverplan werden auch die Rückstellungen für die Rückzahlung der Staatsschuld um 5,75 Millionen vermindert und der Amortisationsfonds auf etwas über 46 Millionen verringert. Die Au-gabenschätzungen de- laufenden Finanzjahres wurden durch zusätzliche Anschläge noch um etwas weniger als eine Million vermehrt. Ferner wurden 25 Millionen für Anleihen an den Arbeitslosenfonds und 9 Millionen für den Wegesonds benötigt. Der RegierungSbcfchluß, Anleihen für den ArbeitSlofen - und auch den WcgefondS nicht mehr aufzunehmen, muß bereit- für da- laufend« Finanzjahr Geltung haben.
Die Gcfamterfparnlsie de» laufenden Jahre» veranschlagte Snowden auf 22 Millionen, während er für da» kommende Finanzjahr mit Brutto-Erspamissen in hohe von 70 Millionen rechnet. An zusätzlichen Steuern hält er in diesem Jahre 39 Millionen und im nächsten Jahre 80 Millionen für erforderlich. Der größere Teil davon müsse durch direkte Steuern getragen toerben.
Snowden verkündete bann, daß ber Einkorn- mensteuersatz um 6 Pence auf 5 Schilling für bas Pfunb Sterling erhöht roorben ist. Allerbing» würde er die 3nbustrie für die Erhöhung der Ein- tommenfteuer dadurch entschädigen, daß er ihr rund den gleichen Betrag in Form einer besonderen Erhöhung der für Abschreibungen zugestandenen Summe wieder erstatte. Ferner gab Snowden bekannt, daß das steuerfreie Einkommen- Minimum in jedem Falle verringert würde. So würde z. B. das steuerfreie Minimum eines Unverheirateten von 135 Pfund auf 100 Pfund oer- ringert werden. Bei verheirateten Personen ist die Verringerung von 225 Pfund auf 130 Pfund vor. gesehen. Die Abzüge für Kinder würden aleidjfaüs herabgesetzt werden. Die Sondersteuer auf die großen Einkommen würde um 10 v. H. erhöht werden. Die gesamte Einkommensteuer und die Sondersteuererhöhungen würden 29 Millionen in diesem Fahre und 57% Millionen in einem ganzen Finanzjahr ergeben.
Zu ber indirekten Besteuerung bemerkte Snowden, daß die Abgaben auf Bier aller Art mit Geltung von morgen um 31 Schillinge pro Standard-Barrel, b. h. um einen Penny per Pinte (etwa i Liter) erhöht würden. Ebenfalls mit Wir- hing von morgen werde der Zoll a v f Tabak (Blatt) von 8 Schilling und 10 Pence auf 9 Schilling 6 Pence pro Pfund erhöht. Die Abgaben auf Tavakimporten in anderer Form würden entfpre- chend gesteigert werden. Die Benzinsteuer werde um 2 Pence pro Gallone, und zwar b e - relts mit Wirkung von heute 18 Uhr hinaufgesetzt. Dergnügungsveranstaltun- gen würden in schärferem Maße herangezogen werden, indem man für die Lustbarkeitssteuer eine neue Skala aufstelle, in die billigere Sitze finge« schlossen wurden. Das von der Regierung geplante Finanzgesetz werbe Vorschläge enthalten, die zur Erleichterung der Konvertierung b e r 5 p r o . 3 e n 11 g e n Kriegsanleihe dienen sollte. Gegenüber dem veranschlagten diesjährigen Defizit von 74 679 000 Pfund würden 22 Millionen an Ersparnissen und 13,7 Millionen an Minderzuwen- düngen an den Schuldentilgungsfonds stehen. Die neuen Steuern würden 40,5 Millionen einbringen, so daß mit einem Ueberschuß von 1,5 Millionen zu rechnen sein würde. 3m kommenden Finanzjahre soll das vorveranschlagte D e s i - zit von 17 0 Millionen in folgender Weise ausgeglichen werden: Ersparnisse 70 Millionen, Minderleistungen auf die Schuldendienste 20 Mil- Honen, neue Steuern 81,5 Millionen, so dah sich ein Ueberschuß von 1,5 Millionen ergeben würde.
Grahams Kritik.
DiciOpPosition wartctdicLparvorfchläge ab
Rach Snowden sprach als erster Redner der Opposition der frühere Handelsminister Graham, der zunächst behauptete, der Bericht der Sparkommission habe England im Auslande sehr geschadet. Er müsse zugeben, dah die Steuervorlagen der Regierung anscheinend sehr weitgehend feien; aber man könne sich noch kein endgültiges Llrteil gestatten. Wenn die neuen Steuern schon früher eingebracht worden wären, so hätte vielleicht gar kein Regierungswechsel stattzufinden brauchen. Durch eine zeitweilige Suspendierung der Lleberweisungen an den Tilgungsfonds hätte sich der Angriff auf die Arbeitslosenbezüge und die Lehrergehälter vermeiden lassen. Sehe doch der Staatshaushaltsplan allein 38,5 Millionen Pfund für Zuwendungen an den Tilgungsfonds vor, während die Cr- sparnisse auf dem Gebiete der Erziehung und dem der Arbeitslosenunterstützung nicht mehr als 22 bis 23 Millionen Mark betragen hätten. Graham beklagte es, daß die Regierung keine Erklärung über die vorgeschlagenen Einsparungen abgegeben habe, und schloß damit, daß cr sich eine ausführlichere Kritik des Snow- denschen Budgets Vorbehalten müsse. Die Arbeiterpartei beabsichtigt, sobald im Llnterhaus in der zweiten Lesung der Sparvorlage die Debatte eröffnet wird, eine Res olut ion folgenden Inhalts einzubringen: Obwohl das Haus die Rot- Wendigkeit, das finanzielle Gleichgewicht zu erhalten, durchaus anerkennt, weigert es fich, Maßnahmen zu billigen, die einerseits die breiten Massen des lebensnotwendigen Llnterhalts berauben würden, während andere Teile der Bevölkerung auch weiterhin im Lieberfluh leben könnten und die andererseits die Arbeitslosigkeit durch Beschränkung der Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger vermehren würden. Ferner wird


