Grundmauern liegen heute fest und sind dem auf» -merksamen Beobachter deutlich erkennbar. Der neue Staat wird sich erstrecken quer über den ganzen Kontinent vom Atlantischen an den Indischen Ozean und die beiden Rhodesien, Bet- schuanaland und Südwestafrika umfassen, das letzte vielleicht nicht in seinem ganzen Umfange, sondern nur, wie man im Lande selber annimmt, etwa bis Gibeon, einem Punkt, von wo an nach Süden das holländische Element das deutsche unbedingt an Zahl übersteigt. Dieser Teil mag an die Union fallen. Der Ausbau des Hafens von Walfischbucht, der Bau großer Kühlanlagen und Oeltanks — sie alle viel zu umfangreich für die kleinen Verhältnisse Südwests allein — und vor ollem der im vorigen Jahr überraschend leicht und schnell beschlossene Ausbau der südwestafri» tonischen Ostbahn von Gobabis nach den Kohlenfeldern von Wankte fn Rhodesien sind Meilensteine auf dem eingeschlagenen Wege. Bor allem die Bedeutung der Bahn nach Rhodesien kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Abgesehen von allem anderen wird sie England völlig unabhängig vom südafrikanischen Bahnneh machen, dieses Bahnnetz aber vor eine neue, schwierige Lage stellen.
Wie stellen sich zu dieser Lage die Deutschen in Südwest? Der schon vor dem Kriege in Südwest angesessene Teil der deutschen Bevölkerung hat bisher eine Führung nicht hervorzubringen vermocht. Verstrickt in kleine Sorgen, in Kämpfe um die Sicherung der allernotwendigsten eigenen Wirtschaft und des nationalen Lebens ' ist das Deutschtum in eine immer bedrohlichere Lage vor der Zahl und der überlegenen Führung des Süd- afrikanert-ums geraten. Die beiden schweren Dürrejahre 1928/29 haben, scheint es, den Willen zum Kampfe noch mehr geschwächt. Aus dem Osten des Landes kommen wieder einmal Rachrichten, daß zahlreiche deutsche Farmer geneigt feien, ihren Besitz zu „realisieren", d. h. möglichst schnell zu verkaufen und nach Deutschland zurückzukehren. Die nach dem Kriege ins Land gekommenen Farmer aber, jüngere, entschlossenere Männer mit größerem Ueberblick, sind noch zu sehr durch den Kampf um das Allemotwendigste gefesselt, als daß man aus ihren Reihen schon etwas wie eine Führung erwarten könnte. So kämpft der einzelne, den Rücken gegen die Wand, bis aulch ihm e i n Dergleid\m it dem Fremden als der einzig mögliche Ausweg erscheinen mag.
In der Heimat schließlich teilen sich die kolonialen Verbände in das Bemühen, die Bewohner eines Versorgungsstaates für Dinge jenseits der Meere zu begeistern. Es fehlt die klare Einsicht für die Rotwendigkeit einer zielsicheren Werb ung in der großen Presse des In- und Auslandes, die Möglichkeit, große Mittel flüssig zu machen, die Kraft, den in der Iugend stets vorhandenen Geist des Abenteuers und des Wagens za wecken und zu nützen.
Es ist hier nicht der Platz, diese Dinge zu erklären oder auch nur näher zu erörtern. Doch wäre es schädlich, wollte man aus verwelkten! Lorbeeren neue Kränze flechten, wollte man der alten Reizung unseres Volkes, sich selber Weihrauch zu streuen, Vorschub leisten. Rur eines sei noch erwähnt: Durch die in- und ausländische Presse geht die Rachricht, daß der Zustrom aur französischen Fremdenlegion in den letzten Iahren derartig zugenommen habe, daß nur noch 20 Prozent der Freiwilligen eingestellt werden konnten. Dabei habe das französische Kriegsministerium kürzlich noch ein neues, das 5. Infanterieregiment, bei der Legion aufgestellt. Unter solchen Umständen konnten die Rekruten mit größerer Sorgfalt ausgewählt werden als bisher. Der Cor- riere de La Sera berichtet, es würden die Deutschen bevorzugt, „il cui spirito combattivo 6 molto apprezzato nella legione straniera“.
ü
Ein neuer Diesel-Triebwagen für den Stückgutverkehr ist jetzt von der Reichsbahn in Betrieb genommen worden. Die Schnelligkeit der Beförderung von Expreßgütern ist damit erheblich vergrößert worden.
Randnoten.
Ueber die wirtschaftlichen Fragen ist der Weltanschauungskampfzwischendem Vatikan und dem italienischenStaat in den Hintergrund getreten. Dabei ist er mit der Enzyklika des Papstes vorn 29. Iuni in eine Phase getreten, in der man bei dem großen taktischen Geschick der Italiener gewiß eine Weile so hinleben kann, aus der heraus aber eine Versöhnung nicht recht denkbar erscheint. Ist es ein Kamps zwischen Staat und Kirche, bei dem mittelalterliche Erinnerungen wach werden? Tas denkt man zunächst, wenn man auf den Anlaß sieht: die Auflösungen der Abteilungen der Katholischen Aktion durch das Innenministerium und die Versuche, nun darüber zu verhandeln, wie die KatholischeAktio n, an der natürlich dem Papsttum sehr viel liegt, im Staat ihre Stelle finden konnte. Aber die Enzyklika des Papstes, die ihm sicher nicht leicht geworden ist, läßt erkennen, daß das Problem doch viel tiefer liegt. Es ist wie in Rußland auch hier im Faschismus der Kampf um die Iugend und ihre Seele. Tas spricht der Papst denn auch mit voller Schärfe aus. Er bezeichnet den faschistischen Staat als den Träger „einer Ideenwelt, die sich in eine Vergötterung des Staates im heidnischen Sinne auflöst, mit dem natürlichen Recht der Familie und mit dem übernatürlichen Recht der Kirche im vollsten Widerstreit steht." Also hat die Erwartung getrogen, die an die Lateranverlräge geknüpft werden, unb an das Bekenntnis des italienischen Faschismus zum Katholizismus. Ter Papst fühlt sich im Faschismus nicht als der Träger der Staatsreligion anerkannt und spricht in dieser ungemein wichtigen Kundgebung im Grunde aus, daß nach seiner Auffassung Faschismus und Katholizismus miteinander nicht vereinbar sind. Tamit ist das Problem in voller Schärfe aufgerollt. Man sieht nicht, wie der Kampf anders enden soll, als mit dem Abbruch der Beziehungen. Kommt es aber dazu, dann ist der Weg bis zur Gewalt des Staates gegen die Kirche und den Vatikan nicht sehr weit, und rein nach den Machtmitteln ist der Staat natürlich der Stärkere. In Rußland ist ihm die Kirche erlegen: wie wird in Italien dieser weltgeschichtliche Konflikt der Geister sich gestalten?
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In dem Wust des Hin und Her, das sich um die Tributverhandlungen zwischen Amerika und Frankreich gruppiert, ist ein Vorgang der jüngsten Tage ziemlich unbeachtet geblieben, der aber doch nicht nur ein völker-psychologisches, sondern auch ein starkes wirtschaftliches Interesse verdient:
die Tatsache, daß norwegische Polarschiffer in Mygcbukta (Moskitobai) in Ostgrönland die norwegische Flagge hißten und so ziemlich die ganze Ostfüste der Insel als norwegischen Besitz erklärten. Die Flaggenhissung muß als ein gegen Dänern ark gerichteter Schritt angesehen werden, das, wenn auch staatsrechtlich nicht völlig begründet, bisher als der Souverän der ganzen grönländischen Insel angesehen wurde. Für die Westküste gilt die dänische Souveränität unumstritten: dieser Teil der Insel wird durch dänische Inspektoren regelrecht verwaltet. DaS Recht Dänemarks auf die Ostküste ist aber von Ror- toegen noch immer bestritten worden. Im Iahre 1924 wurde deshalb zwischen den beiden Staaten ein Grönland-Abkommen abgeschlossen, das die .endgültige Regelung der Souveränitätsfrage auf 'später verschob, den Rorwegern aber die freie wirtschaftliche Betätigung an der Ostküste zugestand. Die norwegische Regierung hat amtlich noch nicht dazu Stellung genommen, ob sie die Flaggenhissung offiziell zu decken gedenkt. Auch von der dänischen Regierung ist die Flaggenhissung bisher noch als ein Privatakt angesehen worden, zu dem sie zunächst nicht Stellung zu nehmen brauche.
Der Besitz der Ostküste ist heute weder für Dänemark noch für Norwegen von einer überragenden wirtschaftlichen Bedeutung. Während das weit mildere Klima der Westküste es immerhin gestattet, einen Küstengürtel in der Größe von 80 000 Quadratkilometern der menschlichen Siedlung und Bearbeitung zu erschließen, haben es an der Ostküste die größere klimatische Rauheit nnd die viel näher an die Küste herantretenden gewaltigen Hochgebirge bisher verhindert, mehr als 38 000 Quadratkilometer bewohnbar zu machen. Zwischen den beiden Küsten erstreckt sich ein gewaltiges, an allen Seiten von Gebirgen bis zu 3000 Metern Hohe umgebenes Hochland, das aber dauernd von Eis und Schnee bedeckt und völlig vergletschert ist. Trotzdem ist es sehr leicht möglich, daß es der fortschreitenden Technik in absehbarer Zeit gelingen kann, auch diese Eiswüsten zu bezwingen und ihre riesigen Raturschätze zu beheben, ilrib von diesem Augenblick an bedeutet natürlich der Besitz der Ostküste eine ungeheure wirtschaftliche Errungenschaft. Während die Ausfuhr Grönlands heute im wesentlichen nur aus Walfischtran, Pelzwerk, Ciderdaunen und anderen tierisch- arktischen Produkten besteht, würden dann der Ausbeutung die im Innern der Insel schon fest gestellten Riesenlager an Kohle/ Zinn, Blei, Kupfer, Eisen und Kryolit, einem zur Herstellung von Aluminium, Soda und Milchglas erforder-
Eva am Strand
Roman von Hermann Weick.
5. Fortletzung. Nachdruck verboten.
So streng und rücksichtslos Franz Willer in seinem Berufe war, so nachsichtig war er seiner Tochter gegenüber. Seine Frau unterstützte ihn noch in seinem Bemühen, Eva jeden Wunsch zu erfüllen. In geradezu sündhafter Weise wurde Eva verwöhnt, bald kannte sie keinen anderen Willen mehr als den eigenen, ungehemmt konnte sie ihren kapriziösen Launen frönen.
Franz Willer und seine Frau, die auch in ihrem Reichtum einfache,, bescheidene Leute geblieben waren, sahen in Eva, die sich zu einer eleganten Dame von aparter Schönheit und sehr selbstbewußten Allüren entwickelt hatte, etwas Höheres, dem sie sich willig und freudig beugten...
Eva hatte ihre Toilette beendet. Sie betrachtete sich nochmals im Spiegel: selbstgefällig lächelte sie sich zu. ,
Mit Bertram würde sie so bald wie möglich Schluß machen! Es gab ja genug andere Kavaliere in Rorderney, die nicht so pedantisch waren wie Paul.
Wer würde wohl nach ihm an die Reihe kommen?
Gert von Grabow?... Er war ein famoser Ten- nispartner, aber als Mann nicht eigentlich ihr Typ. Sie ließ die übrigen Herren, die sie bisher hier tennengelernt hatte, Revue passieren. Keiner fand Gnade vor ihren Augen.
Abwarten! dachte sie: ich werde den Rechten schon finden!
Uebermütig pfiff sie ein paar Takte des neuesten Tanzschlagers, während sie ihr Zimmer verließ, um sich hinab in den Speisesaal zu begeben.
VH.
Seit jenem Abend, als sie im Kurhaus mit Paul Bertram getanzt hatte, war mit Lotte Ia- son eine Veränderung vor sich gegangen. Ihr selbst kaum bewußt, erwachte ihr eigener Wille, lehnte sich in ihr etwas dagegen auf, immer nur das zu tun, was ihre Mutter wünschte und befahl.
Eine trotzige Regung bemächtigte sich Lottes nun manchmal in Gegenwart ihrer Mutter: das Verlangen, dieser zu widersprechen, ihrem herrschsüchtigen Wesen die Stirne zu bieten, fiel sie an.
Lotte erschrak anfangs über diese Anwandlungen, die sie nicht begriff; aber sie hinterließen in ihr unklare greube, ein befreites Aufatmen, als streife fie Fesseln ab, die sie bisher wehrlos gemacht hatten.
Immer häufiger dachte sie in diesen Tagen an ben Schauspieler. Er hatte seinen Platz bei den Mahlzeiten ziemlich weit von ihr entfernt; aber
immer wieder gingen ihre Blicke unauffällig zu seinem Tische hin.
Es schmerzte sie, daß er fie so wenig beobachtete: nur hin und wieder, wenn er an ihr vorüberkam, grüßte er kurz, flüchtig. Sie wußte, daß Der- trams Interesse ausschließlich Fräulein Willer galt; man sah die beiden fast immer beisammen.
Reid auf die andere bemächtigte sich Lotte 3a» svns. Reid und Eifersucht. Sie gestand sich, wenn auch schweren Herzens, ein, daß die Erscheinung Eva Willers wohl dazu»angetan war, Männern begehrenswert zu erscheinen; wenn man aber so unabhängig war wie Fräulein Willer und tun und lassen konnte, was einem behagte, dann hatte man leichteres Spiel als sie, Lotte, die unter der strengen Aufsicht ihrer Mutter stand...
Immer mehr steigerte sich Lotte Iason in diese auflehnenden Gedanken hinein. Dr. Kröger, mit dem sie täglich zusammen sein mußte, bekam sie zu spüren; in Gegenwart ihrer Mutter wahrte sie zwar ihm gegenüber einen höflichen Ton, wenn sie aber allein mit ihm war, behandelte sie ihn unwirsch, schnippisch.
„Das gnädige Fräulein scheint in den letzten Tagen nicht in bester Stimmung zu fein“, sagte Kröger zu Frau Iason, mit der er vor dem Hotel hin und her ging.
„Woraus schließen Sie das? Herr Ministerialrat?"
„Fräulein Lotte war bei unserem heutigen Spaziergang wieder sehr schweigsam; ich gab mir alle Mühe, sie aufzuheitern, es war vergeblich."
„Das tut mir sehr leid...“
„Ich kann mich überhaupt des Eindrucks nicht erwehren, als ob Fräulein Lotte meine Anwesenheit nicht sonderlich schätze; anders kann ich mir das, ich will mich vorsichtig ausdrücken: etwas merkwürdige Verhalten nicht erklären, das sie neuerdings mir gegenüber an den Tag legt!“
Elsbeth Iason machte eine jähe Geste der Abwehr.
„Wohin denken Sie, Herr Ministerialrat! Da tun Sie Lotte unrecht! Sie freut sich ja immer, wenn sie mit Ihnen zusammen sein darf!"
„Ich habe diesen Eindruck nicht!" gab Kröger pikiert zurück.
„Das verstehen Sie nicht, Herr Ministerialrat", sagte Frau Iason darauf mit nervösem Aufloch en, während in ihr die Wut auf Lotte zur Siedehitze anftieg. „Eine junge Dame kann Ihnen doch nicht ins Gesicht sagen, daß Ihre ®egen» toart ihr angenehm ist, nicht wahr? Das wäre ja die verkehrte Welt! Zudem ist Lotte schüchtern und im Umgang mit Herren ganz unerfahren; die paar jungen Leute unserer Nachbarschaft, mit denen wir Verkehr haben, zählen ja nicht."
„Vielleicht fände Fräulein Lotte sich mit einem jüngeren Herrn eher zurecht", meinte Kröger mit leiser Schärfe.
Elsbeth Iason gab es einen Stich. War dies eine Absage? Wollte Dr. Kröger sich zurück-
Sollte ihr schöner Plan, den sie schon der Verwirklichung nahe gesehen hatte, durch Lottes Eigensinn zu schänden werden? Das durfte nicht sein! Sie würde schon dafür sorgen, daß Lotte Dr. Kröger gegenüber ein freundlicheres Wesen an den Tag legte!
„Da verkennen Sie meine Tochter gründlich, Herr Ministerialrat", antwortete Elsbeth Iason und gab ihrer Stimme einen Ton schmerzlichen Vorwurfs^ „Lotte macht sich aus jungen Leuten gar nichts! Ich als Mutter muß das am besten wissen! Ich weiß aber und will es, um Ihr Mißtrauen zu zerstreuen, Ihnen verraten, daß Lotte für Sie große Verehrung und Bewunderung emp-- sindet. Wenn Lotte Ihnen das nicht so zeigen kann, wie sie das vielleicht möchte, so müssen Sie es ihrem etwas scheuen Wesen zugute halten!"
Kröger lächelte geschmeichelt.
„Ich bin Ihnen für Ihre Erklärung sehr verbunden, gnädige Frau! Es wäre für mich, ich darf das ruhig sagen, schmerzlich gewesen, wenn die Sympathie, die ich sür Ihr Fräulein Tochter hege, von ihr nicht erwidert würde!"
Befreites Aufatmen kam aus Elsbeth Iasons hagerer Brust. Die drohende Gefahr war glücklich gebannt!
„Das wäre für mich nicht minder schmerzlich gewesen!" antwortete sie und bedachte Kroger mit einem Blick geheimen Einverständnisses.
Als Kröger sich verabschiedet hatte und Elsbeth Jason gerade das Hotel betreten wollte, tauchte in der Ferne ihr Gatte auf. Er kam rasch näher und machte einen echauffierten Eindruck.
„Endlich!“ sagte Elsbeth Iason tadelnd. „Seit einer halben Stande warte ich hier auf dich!"
„Verzeihe! Ich irrte mich im Wege und fand mich plötzlich auf der entgegengesetzten Seite des Ortes."
Sie blickte ihn durchdringend an.
„Du siehst sehr vergnügt aus! Es scheint dir neuerdings besonderen Genuß zu bereiten, ohne mich spazieren zu gehen!"
Verlegenheit huschte über Iasons rundliches Gesicht; er lachte aber unbefangen.
„Wie kannst du so reden, Elsbeth! Du weißt, daß ich nur allein gehe, weil du mittags gerne lange schläfst!"
Sie erwiderte nichts und ging mit verkniffenem Gesicht ihm voraus ins Haus.
In ihrem Zimmer faß Lotte Iason; sie hatte ein Buch vor sich liegen, schien aber nicht darin gelesen zu haben.
„Du machst ja schöne Geschichten! An dir kann man seine Freude erleben!“ sagte Elsbeth Iason ohne weitere Einleitung und setzte sich, hochauf- gerichtet, in drohender Haltung Lotte gegenüber.
Erschreckt sah Lotte ihre Mutter an.
ließen Mineral, erschlossen werden können, du wirtschaftlicher Nutzen für das im Besitz der Gebiete befindliche Land, dessen große Bedeutung man heute noch nicht einmal abzuschätzen vev- mag. Es handelt. sich hier also bei den beiden konkurrierenden Staaten um weit mehr als um, eine rein staatsrechtliche Frage.
„L. 2. 127" heißt „Graf Zeppelin", der gerade jetzt seine schon lange geplante Nordlandfahrt beendet hat. Die Baunummer „L. Z. 12 8“ trägt das neue Luftschiff, an dem bisher ein Heer von Handwerkern herumbastelte: aber das Leben und Treiben um den starken Leib, der sich In kurzer Zeit in die Lüfte erheben sollte, ist plötzlich vorbei. Die Bezeichnung 128 bleibt zwar bestehen, doch nicht das angefangene Werk, das diese Nummer tragen sollte. Mitten im Bau mußten die Konstrukteure die Arbeit einstellen lassen, nicht etwa, weil es an Geld fehlte, auch nicht, weil sich die Werkleitung verspekuliert hatte; nein, ein anderer, viel schwerwiegenderer Grund <ja£> ihnen Veranlassung zu dem bestimmt nicht leichten Wort, das sämtliche Pläne mit diesem stolzen Schiff zerschlagen mußte. Ein halbfertiges teures Stück Arbeit mußte einfach „auf Abbruch" fallen gelassen werden. Der schwarze Tag in der englischen Luftfahrt^d-i^e Todes- fahrt des Luftschiffes „R. 101", zeigte dem deutschen Luftschiffbau mit aller Deutlichkeit, daß er andere Wege einschlagen muß, wenn er seinen Fluggästen einigermaßen sichere Fahrten gewährleisten will.
Man kann die Fachmänner von Friedrichshafen nur beglückwünschen, daß sie sich so schnell zu dem schweren Entschluß durch gerungen haben, das angefangene Werk aufzuhalten und ein neues, größeres zu beginnen. „L. Z. 12 9“, das neue He l iu ml u f tschif f, wird jetzt in Angriff genommen; die Baupläne liegen schon fix und fertig vor, aus denen man herauslesen kann, was für ein Wunderschiff in der Zeppelinstadt am 'Äodensee entstehen wird. Dieses Luftschiff wird eine völlige Abkehr vom explosiblen Gas zur Folge haben. Aber nicht allein das feuergefährliche Gas wird hier Wegfällen, vielmehr wird auch das nicht minder heimtückische Benzin, das bisher zu Drennstofizwecken verwendet wurde, aus dem Luftkörper des Zukunftsluftschiffes verschwinden. An Stelle von fünf schweren Benzinmotoren, die den jetzigen „Graf Zeppelin" vor- wärtsbringen, treten vier leichte Dieselmotoren, mit Rohöl betrieben, die ein größeres Schiff genau so schnell von der Stelle bringen und eine unbedingte Sicherheit für die Passagiere gewährleisten.
Aber die Hauptsache an diesem Wunderwerk deutscher Technik dürfte doch die Größe des Schiffes und seine Inneneinrichtung sein. Nicht weniger als 248 Meter lang, wird der neue Zeppelin 180 000 Kubikmeter Heliumgas benötigen, um die Hülle tragfähig zu machen. In riesigen Hallen innerhalb des Luftschiffes werden die Passagiere untergebracht, im vorderen Teil des Schifies sind die Aufenthaltsräume und der Speisesaal, die den Eindruck zu erwecken suchen, als befinde man sich in einem komfortablen Hotel. Ein Wandelgang mit balkonartigen Ausbauten und großen Aussichtsfenstern wird den Fahrgästen einen umfafienden Blick auf die Erde Sßren. Alle Räume werden auf das Mote ausgestattet, zahlreiche Spezialzimmer — sogar eine Dordbibliothek — werden vorhanden fein, um dem Weltreisenden per Luftschiff Leben so angenehm wie möglich zu machen. Unb trotz dieser außerordentlichen Größe soll das neue Luftschiff eine schnittige Linie auftoeifen.
Daten für Samstag, 11. Juli.
1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geboren; — 1897: der schwedische Ingenieur Salomon August Andres steigt auf Spitzbergen im Freiballon zur Fahrt nach dem Nordpol auf.
„Ich verstehe dich nicht, Mama...“
„Verstelle dich nicht! Du weißt ganz genau, was ich meine! Herr Dr. Kröger hat sich soeben bei mir über dich beklagt!"
Aus Lottes Gesicht schwand mehr und mehr die Farbe.
„Beklagt?... Ich wüßte nicht, inwiefern ich Herrn Dr. Kröger Grund zur Klage gegeben hätte!"
„Er weiß es aber! Er ist ungehalten über dich, weil du Üjn so unfreundlich behandelst!“
Eine ttotzige Regung stieg in Lotte hoch.
„Ich behandle ihn so, wie mir in seiner Gegenwart zumute ist! Ich kann mich nicht zur Freundlichkeit zwingen, wenn mir der Sinn nicht danach steht!"
Elsbeth Iason sah ihre Tochter an, als habe sie sich verhört; sie fand nicht gleich eine Erwiderung.
„Ich finde es überhaupt nicht sehr männlich von Herrn Dr. Kröger", fuhr Lotte erregt fort, „sich bei dir über mich zu beschweren! Wenn ihm mein Verhalten nicht paßt, kann er es ja m i r sagen!"
Lotte hätte nicht sagen können, woher sie den Mut zu diesen Worten genommen hatte, die wie eine Bombe wirkten. Fritz Iason, bei Lotte nur an schweigendes Befolgen aller mütterlichen Wünsche und Anordnungen gewöhnt, betrachtete seine Tochter fassungslos. Was war mit einem Male in Lotte gefahren?
Lieber Elsbeth Iason kam eine rasende Wut, die sie jede Rücksicht vergessen ließ. Ihre scharfe Stimme überschlug sich beinahe:
„Was fällt dir ein, so zu mir zu reden? Das fehlte gerade noch, daß ein unreifer Mensch wie du am Verhalten eines Mannes wie Dr. Kröger Krittk übt! Du solltest ihm dankbar fein, daß er sich überhaupt mit dir abgibt!“
Lotte hatte den Kopf gesenkt; ihre Lippen waren zusammengepreßt.
„Du bist überhaupt sehr widerspenstig geworden", fuhr Elsbeth Iason mit vor Empörung überkippender Stimme fort, „ich merke das schon seit einigen Tagen! Du irrst dich aber, wenn du glaubst, daß ich mir das bieten lasse! Sonst wirst du mich von einer anderen Seite kennenlernenI"
Fritz Iason, der sich vorsichtshalber zum Hintergrund des Zimmers zurückgezogen hatte, kam an den Tisch.
„Lotte hat das nicht so schlimm gemeint, wie du es auffaßt, Elsbeth", sprach er beschwichtigend. „Ihr müßt euch in Ruhe aussprechen..."
„Mir genügt, was sie gejagt hat'" unterbrach ihn Frau Iason schroff. „Von Aussprechen kann auch keine Rede fein; ich habe mich mit Lotts nicht auszusprechen! Sie hat zu tun, was ich wünsche, das kann sie sich und kannst auch du dir merken!" i
(Fortsetzung folgt.)


