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Vereine

Ur. 160 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 11. Juli 1951

Oie jungen Franzosen.

Don Dr. Eberhard DledtL

Es erscheint jetzt, da Frankreichs Haltung unzweideutig gegen den Versuch einer Be­friedung der Welt von der Wirtschaftsseite her sich wendet, wichtig, auch einmal das geistig-seelische Bild seiner langen Genera­tion darzustellen. Der Verfasser einer solchen Wesensdeutung steht in persönlichen Beziehun­gen zu den verschiedensten Kreisen der fron» zösischen Jugend

Es ist schon immer so gewesen, daß in neununb- neunzig von hundert Fallen der Deutsche seine Kenntnis und sein Urteil über Frankreich und über alle», was damit zusammenhängt, aus Paris, wie es sich ihm ergibt, bezieht Dieses ist derselbe schwere Fehler, den im umgekehrten Sinne gleich­falls der^ Franzose begeht, und den man ihm von unserer Seite stets erneut vorwirst, wenn er Deutsch­land mit Preußen und Berlin identifiziert. Zum Beispiel London und Nom sind in einer viel eigent­licheren Weise für ihr Land symptomatisch: ntcnn Deutschland und Frankreich ober sich gegenseitig derart ansehen, vom bürgerlichen Blickpunkt aus genommen, so mag das mit ein Grund sein für die unaufhörlich gespannte und so verletzliche Beziehung: Man sie"ht aneinander vorbei.

Dieses gilt für uns vor allem auch bei der Be­trachtung der französischen Jugend, der Gene­ration der heute etwa Zwanzig-, Fünfundzwanzig­jährigen. Wer die Jugend in London ober die- nujche Jugend kennt, weiß auch zugleich über die englische und italienische Jugend etwas: Es ist kein Schlagwort, wenn man lagen kann, daß jeweils ein größerer einheitlicherer Zug nach einem bestimmten Ziel in diesen beiden natürlich voneinander gänz­lich verschiedenen jungen Generationen sestzustellen ist, der über das ganze Land gewissermaßen reicht. Und sie könnten von demjenigen, der über eine augenblickliche Weltiugend berichten wollte, als ziem- lich feste Faktoren so oder so, in ihren Gemeinsam­keiten, Berührungspunkten, Verschiedenheiten, Pro­blemen usw. eingerechnet werden. Bei der franzö­sischen Jugend ist das nicht möglich. Was wissen wir von ihr? Nichts. 10er diese junge französische Ge- neration, wie sie ihm in Paris entgegenkommt, kennt, weiß über die eigentliche Jugend Frankreichs noch nichts. Denn das, was sich in Paris teils in mehr oder weniger törichtem Kriegsgeschrei als Nachwuchs um die Action fran^aise geschart hat, teils als Naturistes auftritt, teils, wie bei uns, ohne je durch die liefe eines nationalen Bewußtseins hindurchgegangen zu sein, sich in billigen Europa­rufen ergeht, teils sich um eine Zeitschrift mit be­sonderem Programm angesammelt hat (z. B. um die kritische RevueDäparts", die für Verständigung, Freiheit und liefe eintritt), teils als zeillofe Dohe- mienwirtfchaft sich auftut, das ist doch im Grunde eine gewisse Pariser Angelegenheit, die zur gei­stigen Atmosphäre der Stadt gehört und aller berjenigen, die sie ansaugt. Man darf die Wirkung im Umkreis nicht überschätzen, wie man meinetwegen die einzelnen Leistungen der Shinft, die daraus ent­stehen und in die Weite wirken können, nicht unter- schätzen braucht Aber die einzelnen Richtungen sind am; sehr literarisch bestimmt und endigen auch im Literarischen, das Blut ist zu international gemischt, um das wesenhaft Französische unvermittelt und ungebrochen hervortreten zu lassen. (Meist sind es nämlich gar keine Franzosen, die einem dort in Paris begegnen, sondern gewöhnlich Angehörige an- brrer Nationalitäten, die sich nur in Paris zuhause suhlen.) Und wann kam jemals vom Literarischen her etwas Wirkliches? Fast ist es so, daß ein Zu­sammenwirken internationaler Elemente ein Mehr- unter-sich-sein bedingt, so seltsam das klingen mag und einen Widerspruch in sich zu tragen scheint: Paris aber lehrt es.

Don dieser literarischen Jugend, die natür­lich auch in der Provinz besieht, soll hier nicht ge­sprochen werden. Diese Jugend ist in ihren Bestre­bungen und Richtungen uns Deutschen hinlänglich vertraut, wenn ihre Problematik und Zwiespältig-

Führer, Arbeiter und Maschine

Don Oswald Spengler.

Aus dem fneben bei E. H Dock in Mün­chen in erweiterter Fassung erschienenen Dortrag Oswald Spenglers: «Der Mensch und die Technik", gehalten im Deutschen Museum in München.

Die Technik ist mit den wachsenden Städten bürgerlich geworden. Der Rachfolger jener gotischen Mönche, der Frühzeit unserer Kultur, war der weltlich gelehrte Erfinder, der wis­sende Priester der Maschine. Mit dem Rationalismus endlich wird der®(aubc an die Technik" fast zur materialistischen Religion: Die Technik ist ewig unb unvergänglich wie Gott­vater: sie erlöst die Menschheit wie der Sohn: sie erleuchtet uns wie der Heilige Geist. Unb ihr Anbeter ist der Fortschrittphilister der Reu­zeit. von ßamettrie bis Lenin.

Die Leidenschaft des Erfinders bat mit ihren Folgen gar nichts zu tun. Sie ist sein persön­licher Lebenstrieo, sein persönliches Glück und Leiden. Gr will für sich den Triumph über schwie­rige Probleme genießen, den Reichtum undRuhm, den ihm der Erfolg einbringt. Ob seine Erfindung nützlich oder verhängnisvoll ist, schaffend ober zerstörend, das sicht ihn nicht an, selbst wenn irgendein Mensch imstande wäre, das von An- song an zu wissen. Aber die Wirkung einer .technischen Errungenschaft der Menschheit" sieht niemand voraus, abgesehen davon, daßbie Menschheit" nie etwas erfunden hat. Chemische Erfindungen wie die Synthese des Indigos und in kürzet Zeit wahrscheinlich die des künstlichen Gummis zerstören die Lebensbedingungen ganzer Länder, die elektrische Kraftübertragung und Die Erschließung der Wasserkräfte haben die alten Robkngebiele Europas samt ihrer Bevölkerung entwertet. Haben solche tleberlegungen je einen Erfinder dahin gebracht, sein Werk zu vernichten? Dann kennt man die Raubtiernatur des Menschen schlecht. Alle großen Erfindungen und Unternehmungen stammen aus der Freude starker Menschen am Sieg. Eie sind Ausdruck der Persönlichkeit und nicht des Rützlichkeits- benfenS der Massen, die nur zusehen, aber die Folgen hinnehmen muffen, wie sie auch find.

Und diese Folgen sind ungeheuerlich. Die kleine Schar der geborenen Führer, der Unternehmer und Erfinder, zwingt die Ratur, eine Arbeit

feit auch immer wieder zu interessieren vermag. Aber wir müssen uns hüten, ihre mehr oder weni­ger beschränkte Bedeutung allzusehr in den Rahmen ..junge französische Generation" einzuspanncn: auf diese literarischen, literarisch-politischen Spitzen, um die es sich dabei doch nur handelt, ist es in ent­scheidenden Augenblicken noch nie angekommen: seien sie rechts, oder links-politisch orientiert, sie fielen noch immer um oder sind hinweggesegt, unbeachtet gelassen worden von Strömungen, die eine Masse erforderten, nicht aber einen politisch-literarischen Aeslhetizimus. Erst neulich noch hat Andr< Billy in der Zeitschrift ..Oeuvre" anläßlich des Friedens- manisestcs der französischen Intellektuellen festge- stellt, daß sie vollkommen einflußlos auf die Politik sind. Und sind damit die Aelteren ge­meint, wie dann erst die Jungen?

Es handelt sich hier darum, die andere Jugend der jungen Generation zu untersuchen nach ihrer Beschafser.heit, von der sozusagen namenlosen rein französischen Jugend zu sprechen. Das ist die Jugend, die nichts weiter als da ist, die Jugend, die einfach lebt und die im Grunde kein anderes Gesicht hat als eben ein jugendliches, ungeachtet der selbstverständlichen allgemeinen Probleme. Das kann man sich in Deutschland im Augenblick schwer vor- stellen, wenn es auch bei uns bis etwa 1910 eine solche ähnlich beschaffene Jugend gegeben hat, die nach der Inflation bis zum 14 September 1930 teil­weise wieder austauchte und die in den nach 1914 Geborenen vielleich: wieder im flammen ist... Der romanische lebensbejahende und leichtere Wesenszug bedingt das eher als bei uns, daß eine Jugend in Frankreich eigentlich immer schon so ausgesehen hat. Sie machte seither das Frankreich, was wir unter Frankreich verstehen, das Frankreich der Zivilisa­tion mit dem angeblichen Frondeurgeist im guten Bourgeoisieherzen, das Frankreich der Legende, das Frankreich der alten Politiker, das Frankreich der jüngeren Politiker heute, die trotz Pierre (Tot, Ser­gen) und ein paar Radikalen hüben und drüben eifrig den alten folgen. Und ist eine Aussicht, daß die junge Generation einmal anders sein wird?

Diese namenlose Jugend lebt trotz der Masse ver­steckt. kaum zugänglich dem Reisenden, dem Beobach­ter, junge Studenten auf Prooinzuktioersitäten, Ar­beiter, Angestellte, Kaufleute, Beamte auch vor allem, bürgerliche Jugend, wenn auch teilweise par­teipolitisch organisiert. Provinzjugend und auch Paris kann da Provinz bedeuten die einmal das Frankreich der Zukunft im Grundstock abgeben wird, wenn es sich vielleicht auch nur darum han­deln kann, daß diese oder jene Richtung sie geschlos­sen hinter sich bekommt.

Diese französische Jugend ist gedankenlos über die politischen Zustände und Verhältnisse ihres Landes, ganz und gar ahnungslos über Probleme, die zum Beispiel Deutschland (Korridorfrage, Repara­tionen, Abrüstung usw.) oder Tirol oder Ungarn beschäftigen. Diese Jugend lebt dahin, aber wenn man mit ihr zusammen ist, ist jeder einzeln« junge Mensch sehr vernünftig und zugänglich für alles: und es ist nicht nur Höflichkeit, wenn sie fast freund­schaftlich zu Deutschland stehen (viel schlechter spre­chen sie von Italien). Aber das geht alles nicht in die Masse ein, es bleibt beim einzelnen wohl ver­staut und bald vergessen liegen. Und so kommt es, daß man plötzlich das Gefühl hat, hinter allen die­sen jungen Menschen steckt noch irgendetwas, von dem man zuerst nicht weiß, was es sein könnte: Eine in die Breite gehende Sicherheit, die sich an ihren Händen, ihrem Kopf, ihrem Gang auszu- briicfcn scheint in rätselhafter Weise. Bis man es schließlich ganz eindeutig weiß, was man als Deut- scher in Frankreich nur allzu leicht nicht behält in Gegenwart dieser gleichaltrigen jungen Franzosen, weil man es bei uns nicht kennt: Diese jungen Leute haben alle bereits eine Militärzeit hinter sich, verstehen also mit modernem Kriegs- gerät umzugehen wie mit Löffel und Gabel, ihr Kopf trug bereits den Stahlhelm, ihre Körper sind geübt, sich dem Erdboden in jedem Gelände anzupassen, ihre Hand hielt Gewehr, Handgranate, Gasschlauch und Flammenwerfer, umspannte den Abzug an Ge­schütz und Maschinengewehr, ihr Auge kennt uner°

zu leisten, die nach Millionen und Milliarden von Pferdekräften bemessen wird und der gegenüber das Quantum menschlicher Körperkraft nichts mehr bedeutet. Man versteht die Geheim­nisse der Ratur so wenig wie je, aber man kennt die Arbeitshypothese, die nichtwahr", sondern fnur zweckmäßig ist, mit deren Hilfe man sie zwingt, den menschlichen Befehl, dem leisesten Druck auf einen Knopf oder Hebel zu gehorchen. Das Tempo der Erfindungen wächst ins Phan­tastische. und trotzdem, es muß immer wieder gesagt werden, es wird dabei nichts von mensch­licher Arbeit gespart. Die Zahl der notwendigen Hände wächst mit der Zahl der Maschinen, weil der technische Lurus jede andere Art von Luxus steigert, und weil das künstliche Leben immer künstlicher wird.

Seit der Erfindung der Maschine, der listigsten aller Waffen gegen die Ratur, die überhaupt möglich ist, haben Unternehmer und Erfinder die Zahl der Hände, deren sie bedürfen, im wesentlichen auf deren Herstellung ver­wendet. Die Arbeit der Maschine wird von der anorganischen Kraft geleistet, der Spannkraft von Dampf oder Gas, der Elektrizität und der Wärme, die aus oder durch Kohle. Erdöl und Wasser befreit werden. Aber damit ist die see­lische Spannung zwischen Führern und Geführten gefährlich gewachsen. Man versteht einander nicht mehr. Die frühesten Unternehmungen der vor­christlichen Jahrtausende forderten die ver­stehende Mitarbeit aller, die wußten und fühlten, um was es ging Es war eine Art Kameradschaft dabei, wie heute auf der Treibjagd und beim Sport. Schon bei den großen Bauten im frühen Aegypten und Babylonien kann' das nicht mehr der Fall gewesen fein. Der einzelne Arbeiter begriff weder das Ziel noch den Zweck des ganzen Verfahrens Sie waren ihm auch gleichgültig, vielleicht verhaßt. .Arbeit" war ein Fluch, wie es die Paradieserzählung am Anfang der Bibel darstellt. Jetzt aber, seit dem 18. Jahr­hundert. arbeiten die zahllosen .Hände" an Din- gen, von deren tatsächlicher Rolle im Leben, auch im eignen, sie gar nichts mehr wissen und an deren Gelingen fie gar keinen inneren Anteil nehmen. Eine seelische Verödung greift um sich, eine trostlose Gleichförmigkeit ohne Höhen und Tiefen, die Erbitterung weckt gegen das Leben der Begabten, die schöpferisch ge­boren sind. Man will es nicht fehen, man ver­steht es nicht mehr, daß Führerarbeit die här­tere Arbeit ist. daß das eigene Leben von ihrem Gelingen abhängt. Man fühlt nur, daß

HAMBURG.

Die Hamburger Bugsierrecderei und Bergungs-AG. erhielt von der französifchen Regierung den '21uf- trag zur Hebung des bei St. Nazaire gesunkenen KüstendampfersSt. Philibert", bei dessen Untergang 560 Menschen den Tod fanden. Die HebekräneKraft" undWille" find bereits nach der Loiremündung abgegangen.

bittlich die verwundbarste Stelle im menschlichen Körper. Teilweise standen diese jungen Franzosen noch bei den Regimentern der Besatzungsarmee am Rhein... Und daraus kommt für uns eine geheim­nisvolle Masiensicherheit in allem, die auf einem Gefühl eben der Masse beruht. Dazu tritt noch, daß sich die Begriffe der kulturellen und ttoilisatorischen Sendung Frankreichs für die Welt, la victoire, le Triompne de 1918, la grande armte, les Prussiens, la Nation (wie steigert z. B. jetzt die Kolonialaus­stellung wieder dieses Gefühl!) in ihrem ständigen Bewußtsein sest verankert sind: Darüber braucht man sich nicht wundern, wenn man einmal die Schulbücher durchlieft, die dieser jungen Generation das Lernmaterial stellten. (Erst seit zwei, drei Jahren ist es hiermit etwas besser geworden.)

Bei alledem ist die junge französische Generation nicht kritiklos, aber schweigsam. Jeder einzelne von ihnen verabscheut ehrlich den Stieg. Sie hassen ihn als persönlichen Feind, wie sie überhaupt viel mehr vom Persönlichen ausgehen und aufnehmen. Sie haben, jeder einzelne für sich, Angst vor dem

Krieg. Aber man hat ihnen beigebracht, daß es auf das Persönliche in bestimmten Fällen nicht an- konlmt, nicht mit klobigem Kommiß, sondern mit unaufdringlichem Militarismus...

Das Interesse der jungen Franzosen in Kunst und Religion ist von ihrem Konservatismus her bestimmt wie immer. Auch da wird sich nichts ändern. Sie debattieren darüber ebensogern wie über ein gutes Frühstück oder den Friedensvertrag von Versailles, woher sie auch die Wirtschaftskrise abzuleiten begin­nen, unter der sie selbst schlimm genug leiden. Die Bedrückung ist auch hier echt für den einzelnen, aber fie bringt nicht durch Im Grunde zucken sie die Achseln: Ah ?a! cest la guerre.

So steht die junge Generation von Frankreich, die namenlose Masse da: Unberechenbar. Sie denkt nicht genügend an der Zeit mit, und das ist die größte Gefahr. Sie unterscheidet sich von nichts von der älteren Generation als durch die Jahre. Und deren Einstellung ist zur Genüge bekannt. Wird sie ihr ganz nachfolgen? Dürfen wir daran glauben, daß ein Wunder geschieht?

Oie Deutschen in Südafrika.

Von einem alten Kolonialdeutschen.

Die Zuschrift mag in manchem zu hart urteilen, sie erscheint uns aber doch wich­tig genug, um sie unseren Lesern zur Kennt­nis zu bringen.

In eiltet Zeit, wo bas deutsche Volk durch Parteien zerrißen ist wie kaum je zuvor, wo je­der zufrieden ist, wenn er das bloße Leben von heute auf morgen rettet, mag die Sorge um die kleinen Splitter deutschen Volkstums in ehemals deutschen Ländern über See unter den hundert Röten des Tages die allerletzte fein. Die Mächte, die unser Volk heute beherrschen und schon lange vor dem Kriege beherrschten, haben dafür gesorgt, daß dem Volke als ganzem, der Blick über das Meer verschlossen blieb oder aber, wenn vor­handen, sich verband mit Gedanken an Geld und Geldeswert, ja daß dem Deutschen ein Horizont anerzogen wurde, dem eine Versorgung in der Heimat Gesötz, das kühne Abenteuer in der Fremde aber Schuld oder gar Irrtum bleiben mußten. Trotzdem sollte man sich heute fragen, wenn auch vielleicht nur aus psychologischen Gründen, was jene Reste deutschen Volkstums heute treiben und welches Los ihnen beschieden sein mag. Als Beispiel diene hier Südwest-

afrika, jenes Land, das auch heute noch mit 1112 000 deutschen Bewohnern unter den alten Kolonien die erste Stelle einnimmt.

Den Engländern und Duren oder Südafri­kanern gemeinsam war im Kriege daS Land augefallen. Es mochte scheinen, als handelte es sich um mehr als nur eine Geste, als das Mut­terland dem mit selbstbewußtem Stolz auftreten­den Tochterstaat die Beute großmütig überließ. Jedoch die Union schickte sich an, die Bande, die sie an daS Mutterland fesselten, immer mehr zu lockern. Ja weit über seine Grenzen hinaus rich­tete es begehrliche Blicke bis in die Mitte deS Kontinents, träumend mit Eecil Rhodes von einem größeren Südafrika als der ersten Macht ganz Afrikas. England schien in eine Sackgasse geraten. Doch seine Mühlen mahlen, wenn auch langsam, so doch sicher, und heute ist eS für den, der hören und sehen kann und will, klar, daß England entschlossen ist, den Wünschen der Union einen festen Damm entgegenzustellen. Es soll das weitere Fortschreiten Südafrikas nach Rorden aufgehalten werden. Mag diese Mauer nach Rorden einen Ramen annehmen wie sie will, mag es ein Dominion werden oder eine Kronkolonie oder ein selbständiger Staat: Seine

diese Arbeit glücklich macht, daß sie die Seele beschwingt und bereichert, und darum haßt man sie.

In der Tat aber vermögen weder die Köpfe noch die Hände etwas an dem Schicksal der Maschinentechnik zu ändern, die sich aus innerer, feelenhafter Rotwendigkeit entwickelt hat und nun der Vollendung, dem Ende entgegenreift Wir stehen heute auf dem Gipfel, dort, wo der fünfte Akt beginnt. Die letzten Entscheidungen fallen. Die Tragödie schließt.

Jede hohe Kultur ist eine Tragödie: die Ge­schichte des Menschen im ganzen ist tragisch. Der Frevel und Sturz des faustischen Menschen aber ist größer als alles, was Aeschylus und Shake­speare je geschaut haben. Die Schöpfung erhebt sich gegen den Schöpfer: Wie einst der Mikrokos­mos Mensch gegen die Ratur, so empört sich jetzt der Mikrokosmos Maschine gegen den nordischen Menschen. Der Herr der Welt wird zum Sklaven der Maschine Si» zwingt ihn, uns, und zwar alle ohne Ausnahme, ob wir es wissen und wollen oder nicht, in die Richtung ihrer Bahn. Der gestürzte Sieger wird von dem rasenden Gespann zu Tode geschleift.

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonStisch.

Musiker-Anekdoten.

Leo S l e z a k, der berühmte Sänger, erzählt in seinenGesammelten Werken" ein lustiges Reiseerlebnis. Er befand sich einmal auf der Rückreise von einem Gastspiel, bei dem er den ..Propheten" von Meyerbcer gelungen hatte, und hatte sichs in feinem Abteil bequem gemacht. Da kam die Grenzstation und mit ihr als uner­wünschte Unterbrechung die Schar der Zollbeam­ten. die sein zahlreiches Gepäck einer hochnot­peinlichen Untersuchung unterzogen. Besonders verdächtig erschien ihnen eine Schachtel, und der Sänger wurde in strengem Ton aufgefordert, gerade dieses Gepäckstück zu öffnen. Als aber die Beamten auch nur einen flüchtigen Blick in die Schachtel getan hatten, da veränderten sich plötz­lich ihre bis dahin so grimmigen Mienen und zeigten Verlegenheit und Ehrfurcht. Sie traten ehrerbietig zurück, und einer legte grüßend die Hand an die Mühe und sagte in devotestem Ton:O Verzeihung, bitte vielmals um Ver­zeihung. Majestät!" Die Schachtel enthielt näm­lich die Krone, die dem Propheten der Wieder­

täufer. Johann von Leyden, in der Oper aufs Haupt gesetzt wird. Die Leute glaubten augen­scheinlich, daß ein moderner Herrscher stets mit der Krone in der Hutschachtel reife.

Mar Reger mußte auf einer seiner Konzert­reisen in einem kleinen Dors bleiben, in dem ge­rade die Dorfkirche von dem Gutsherrn ein Ge­schenk erhalten hatte, nämlich eine neue Orgel. Der Kantor war mit der Klangfülle des Jnstru- rneittes nicht recht zufrieden, und da er nicht wußte, ob die Unzulänglichkeit nut auf seine mangelhafte Kunst zurückzuführen sei, so eilte er zu Reget, als er von der Anwesenheit des be­rühmten Organisten erfuhr, und klagte ihm sein Leid. Reger war sofort bereit, die Orgel zu prü­fen. Er ging mit dem Kantor in die Kirche und spielte. Aber so sehr er sich anstrengte, auch ihm gelang es nicht, dem Instrument eine befriedi­gende Klangfülle zu entlocken. Da fiel ter te er von der Orgelbank herunter, llovfte den Kan­tor tröstend auf die Schulter und sagte: ..Es ist nun mal nicht anders. lieber Freund: Einer geschenkten Orgel sieht man nicht in die ®otgel!"

Flugwesen.

Der Funker eines Verkehrsflugzeuges bittet per Radio den nächsten Flughafen um Auskunft über die Sicht verhält nisse. Er erhält sie wie folgt: ..Sicht gleich Rull. Selbst die Vögel gehen zu Fuß."

Es gibt noch Dankbarkeit.

Die Tochter eines reichen Schotten ist von der Landungsbrücke ins Wasser gestürzt. Ein junger Mann bemerkt dies. Er nimmt sich kaum Zeit, seinen Mantel abzuwerfen, und springt ihr gleich in seinen Sachen nach. Es gelingt ihm auch, die Versinkende zu retten, aber am Ufer bricht er ohnmächtig zusammen. Als er wieder die Augen aufschlägt, liegt er auf einem Diwan im Hause der Geretteten. Der dankbare Papa sitzt an sei­nem Lager und schaut ihn freundlich an.

Junger Mann", beginnt er, und seine Stimme zittert gerührt.Sie haben mein einziges Kind gerettet, ich bin tief in Ihrer Schuld. Gern möchte ich mich Ihnen erkenntlich zeigen. Schon die ganze Zeit, während Sie so erschöpft ba lagen, habe ich mir überlegt, wie ich Ihnen meine große Dankbar kett beweisen könnte, und ich möchte Ihnen den Vorschlag machen: Wie wär's, wenn wir uns die Bügelkosten für Ihren aufgeweichten Anzug teilten? (Lust. Bl.)