Ausgabe 
11.5.1931
 
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I

Oer Zustizetat vor dem Landtag

V

Dies« Vorgänge werden die ohnehin vorhan- 'deire Spannung zwischen den gemäßigten republikanischen und radikalsozia- listischen Kabinettsmitgliedern noch wesentlich erhöhen. Cs ist nicht ausgeschlossen, daß dadurch auch das beabsichtigt« Zusammengehen der bür­gerlichen und sozialistischen Republikaner mit ge­meinsamen Listen für die Wahlen zur Rational­versammlung gefährdet wird.

er der öffentlichen Kritik im weitestgehenden Maße unterstehe.

Abg. Schreiber (StP.) halt es für nicht ob­jektiv, einzelne Urteile hier zu Verallgemeinerun­gen zu benutzen. Die Uebersehung des juristischen Studiums erfordere schärfste Auslese. Die Gna­denpraxis des Ministeriums dürfe nicht au einer allgemeinen Begnadigung der Gesetzesübertreter werden.

Ministerialdirektor Dr. R e u r o t h erklärt: Die Tatsache, daß von links und rechts her von Klassenjustiz gesprochen werde, beweise, daß die Gerichte im allgemeinen auf der richtigen Bahn schritten. Für die politischen Urteile trü­gen die Schössen oder die Geschwore­nen mit die Verantwortung, und es wäre unge­recht zu behaupten, daß die Laienrichter nicht in der intensivsten Weife an der Wahrheitsfindung mitarbeiteten. Der Abgeordnete S t u r m f e l s habe bei seiner Kritik wichtige Feststellungen der Staatsanwaltschaft nicht gesagt. (Hört, hört! Sturmfels ruft:Unerhört! Sie fälschen jetzt." Lärm links und rechts.) Sn vielen Fällen war der Rechtsanwalt Sturmfels der Gewährs­mann des Abgeordneten Sturmfels. Auf seine.Vorstellungen habe ich schriftliche Vorstel­lungen gefordert, die der Abgeordnete Sturm­fels nicht beigebracht hat.

Der Abgeordnete Sturmfels habe diele Rich­ter namentlich angegriffen. Er müsse diese uw

nicht nachliehen. Die Erreichung dieses Zieles würde die Völker von einer schweren Steuerlast befreien.

2.Die internationalen Verpflichtun­gen sind dem Betrage und den Bedingungen nach festgesetzt worden. Die Unantastbarkeit, solcher Verpflichtungen ist stets die Grundlage für den Bestand des internationalen Kredits und für die Ausbreitung von handel und Industrie. In­dessen steht die Beachtung dieses wesentlichen Grundsatzes nicht!m Widerspruchzueiner unparteiischen Prüfung der Wirkun­gen dieser Verpflichtungen auf dem Welthandel, wenn veränderte wirt­schaftliche Verhältnisse dies rechtfertigen. Eine solche Prüfung muh auf den Grundsätzen auf­bauen, die die IHK. in früheren Konferenzen nie­dergelegt hat." Der letzte Sah nimmt Bezug auf frühere Entschliehungen der IHK., in denen eine wirtschaftliche und nicht eine politische Be­handlung der Schuldenfrage gefordert wurde.

3. Der Innen- und Außenhandel müsse durch Beseitigung aller Hemmnisse ge­fördert werden. Sn den Zolltarifen dürften einzelne Völker nicht unbilligerweise unterschied­lich behandelt werdön. Aus- und Einfuhr­verbote dürften nur gegen ein Dumping und« gegen andere unlautere Machenschaften ange­wandt werden. »Alle unberechtigten Beschränkun­gen seien zu beseitigen.

Hochfchutnachrichten-

Für die Dauer von drei Sahren wurden er­nannt: Geheimrat Prof. Dr. Friedrich Mei­necke in Berlin zum Vorsitzenden, Geheimrat Prof. Dr. H. Onden in Berlin zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden und Geheimrat Prof. Dr. Erich Brandenburg in Leipzig zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden der Histori­schen Reichskommifsion.

Professor Dr. Fritz von Wettstein an der Universität Göttingen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität Mün­chen als Rachfolger des Geheimen Rates Karl von Goebel zum 1. Oktober 1931 angenommen und seine Ernennung zum etatsmäßigen ordent­lichen Profestor in der Münchener Philosophischen Fakultät erhalten.

Der durch die Emeritierung des Geheimrat- Prof. R. Kautzsch an der Frankfurter Uni- versität erledigte Lehrstuhl der Kunstgeschichte ist dem Ordinarius Dr. HanS Santzen «H Freiburg i.Dr. angeboten worden.

ZeitungABC." an. Trotzdem wurde von der Menge immer wieder versucht, in das Ge­bäude der Zeitung einzudringen. Die dort unter- gebrachte Wache der Bürgergarde muhte ver­stärkt werden. Aus dem Volkshaus wurden von der Sozialdemokratischen Partei mit roten Arm­binden versehene Ordnungsmänner entsandt, dce große Plakate durch die Stadt trugen, auf denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, Ruhe zu bewahren.

Was sagt die Internationale Handels­kammer zur Wirtschastskrisis?

Lieberprüfung des ReparaiionS- und Schuldenproblems bei veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen.

einem großen Raum das schöne Regierungszen- trum von Cardiff: wer dagewesen ist, vermißt daneben das Elendsviertel vom Hafen. Londons Trabantenstädte waren einmal vorbildlich für die Gartenstadtbewegung, können aber heute mit un­seren Siedlungen nicht mehr verglichen werden. Bon England nach Chile ist nur ein Schritt, und schon steht man vor dem vierzehnstöckigen Finanz­ministerium von Santiago. Sugoslawien renonte miert mit dem schönen, ehemals österreichischen Kurort Bled, wo sich im Sommer dK Königs­familie aufhält. Dänemark zeigt auf 26 Tafeln Kopenhagen, und so verbindet jedes Land mit der Bauausstellung eine kräftige Reise Pro­paganda. Stallen sieht auf den Wandtafeln so modern aus, daß die Freunde der Antike und der Renaissance erschrecken. Sn der Mitte dieses Raumes steht ein großes Gipsmodell des Zentrums von Rom, mit dem Kolosseum, dem Forum, vielen Kirchen und Palästen. Ungarn zeigt die Geschichte Budapests in 30 Bildern. Der chinesische Pavillon ist vorläufig noch ver­hängt und trägt die Aufschrift:Eintreten höf­lich verboten!" Guckt man hinter den Vorhang, so sieht man zwanzig Söhne des Himmels in eifriger Beratung: Schaustücke sind noch nicht vorhanden. Dafür ist sehr viel bei den Holländern und den Amerikanern zu sehen. Ein Rundgang durch diese Räume ist die bequemste und auch die billigste Art, eine Weltreise zu machen.

Washington, 9. Mai. (TU.) Die Voll­versammlung der Snternationalen Handelskam­mer nahm am Samstag die große Haupt- ent sch lieh ung an, die sich mit der Wie­derbelebung des Welthandels befaßt. Die Entschließung geht aus von der Feststellung, daß die jetzige Wirtschaftskrise, die durch die Folgen des Krieges noch verstärkt worden sei, eine Wiederholung von Ereignissen darstelle, ge­gen die die Welt von Zeit zu Zeit anzukämpfen habe. Die durch Ereignisse der beiden letzten Sahre verursachte Vertrauenskrise sei un­berechtigt, angesichts der heilenden Kräfte in Handel und Finanz, ^die sich noch stets be­währt hätten und auch diesmal sicherlich ihre Wirksamkeit beweisen würden. Wirtschaftliche Rückschläge hätten immer wieder Verbes­serungen der Methoden angeregt, heil­same Lehren gebracht und zu gesundem Fort­schritt auf besserer Grundlage geführt. Die Er­fahrung der Geschichte werde sich auch diesmal wiederholen.

Rach dieser Einleitung wendet sich die Er­klärung den fünf Hauptfragen zu, die den Welt­handel und die Wohlfahrt der Völker beein­flussen:

1. Der Krieg sei das größte Hinder­nis des sozial en und wirtschaftlichen Fortschritts. Die SHK. billige die Be­mühungen der Regierungen, die Rüstungen soweit wie möglich zu senken, und dränge darauf, daß die Regierungen in diesen Bemühungen

Luft und Ruhe rauben, und dafür die Kleinsied­lungen empfohlen, bald rühmt man die Muster­anlagen im neuen Berlin, im neuen Wien, und nur so viel steht fest: das Alte war schlecht, das Reue ist gut. Was kostet Berlin? Der»Ma- gistrat hat es ausgerechnet und ist auf die be­scheidene Ziffer von 33 Milliarden Mark gekommen. 20 Milliarden sind die Gebäude wert, 7 Milliarden der Boden, 3 Milliarden die Werke, und 3 Milliarden die Waren. Die Menschen sind in dieser Bilanz nicht berücksichtigt. Auf großen Bildern wird gezeigt, wie nervenzerstörend es ist, täglich auf der Untergrundbahn, mit dem Omnibus oder auf der Straßenbahn lange Wege zurückzulegen. Sn der Zukunftsstadt muh die moderne Wohnung Randbebauung, mit Garten anlagen und Spielplätzen neben der modernen Fabrik liegen. Die Wege zur Arbeits­stätte sollen so kurz sein, daß man sie zu Fuß zurücklegen kann. Und diese Arbeitersied­lungen der Zukunft müssen fabrikmäßig, im Thpenbau, hergestellt werden, nicht im indi­viduellen Hochbau. Ein anderes Wandbild zeigt eine verkümmerte Sugcnö, auf einem Hinterhof zwischen Müllkästen spielend, und daneben Kin­der, die mit d-m Roller zwischen Automobilen auf der Derkehrsstraße Herumjagen. Und nun gegenüber das richtige Bild: das Planschbecken und die Spielwiese. Sn einem Seiten raum zeigt Frau Dr. Lüders die richtige Bewirtschaftung der Wohnung. Ein Hochhaus ohne Fahrstuhl ist eine Qual. Wer vier Treppen wohnt, leistet jährlich dieselbe Arbeit, als wenn er zwölfmal auf die Zugspitze steigen würde. Aehnlich drastisch ist der Fluch des langen Korridors gezeigt. Bügle sitzend, aber natürlich auf dem richtigen Stuhl, der dem Körper angemessen ist, und benutze beim Waschen einen Schemel, der das Bücken erspart! ,Sn einem andern Raum hängen Berechnungen von Oberregierungsrat Dr. Weber. 20 Prozent des Einkommens gelten als wirtschaftlich tragbare Miete. Welche Wohnungsgröhe kann man sich nun leisten? DaZ steht auf den Tajeln für jede Cinkommensklasfe, und daneben sind die Grundrisse für Wohnungen von 36 bis 90 Quadratmeter Grundfläche.

Ohne Rücksicht auf die Geographie liegt der Ausstellungsraum von Chile neben dem von China; auf dem Messegelände grenzt Estland an die Schweiz, Ungarn an Stalien. Ungewöhn­lich berührt die kräftig betonte AufschriftSpa­nische Republik" in einem Raum, der vor allem die neuen Pläne von Madrid zeigt. Ein deutscher Professor hat sie entworfen. England zeigt in

Die Großstadt von übermorgen.

Oie deutsche Bauauüfiellung in Berlin.

Don Dr. Frih Ellmann.

Am 9. Mal wurde auf dem großen Messe­gelände in Derlin-Wltzleben die deutsche Bauausstellung eröffnet.

Um einen flüchtigen Ueberblid über die große Bauausstellung zu gewinnen, braucht man min­destens einen Tag. Wer sich jedoch gründlich darüber unterrichten will, wie die Städte der Zu­kunft aussehen werden, wer die Grundrisse der neuen Häuser studiert, die Fassaden vergleicht, die Baustoffe prüft, kann auch eine Woche auf dem Berliner Messegelände zubringen, und er wird jeden Tag auf den 1 30 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche neue wichtige Einzel­heiten entdecken. Das Bild ist bunter als bei anderen Ausstellungen. Sn einer Halle stehen 20 oder 25 Wohntypen, Hauswürfel sind bizarr auf­einander geschichtet, eine Wendeltreppe aus Eisen­beton schwingt in einer verzerrten Spiral« nach oben. Cs ist ein Labyrinth von modernen Bauten, der Boden ist verschieden gepflastert, um den Sn- tereffenten Beispiele für di« Verwendung meh­rerer Arten von Steinplatten zu bieten, und Berg« von viereckigen Rasenstücken türmen sich an den Wegen in dieser merkwürdigen Halle. Morgen oder übermorgen wird man die Rasenstücke an­einandergefügt haben. Dann wird der Besucher den Eindruck erhalten, daß neuerdings in über­dachten Hallen nicht nur Häuser gebaut, sondern auch Grasflächen gezogen toerben. Schnell noch ein Blick in das Sauere eines Hauses am Ende der Halle: man sieht dicht nebeneinander eine Reihe von Operationszimmern für Zahnärzte und wendet fich mit Grauen vor der blitzenden Schön­heit dieser Marterräume.

Fachleute mustern di« B a u st v f f e, die den feit vielen Sahrtausenden bewährten Ziegel ver­drängen sollen. Große Platten, klein« Platten der Laie kann wenig damit anfangen. Aber er bleibt an einem Stand stehen, wo er sich über das Unheil unterrichten kann, das der Haus- schwamm in unseren Häusern anrichtet. Sorg­fältig eingerahmt hängen da alte Dielen, von einem dicken grauen Pilz überwuchert. Rur auf Holz gedeiht der Schwamm: darum baue mit Steinl Andererseits sieht das Sperrholz in einer ©onberabteilung sehr verlockend aus. Es ist herr­lich gemasert, in allen Schattierungen poliert, eine Freude für Architekten und für Leute, di« gern

nähme der hessischen Staatsregre- rung und schließe mein persönliches herzlichstes Beileid ein. Viel zu früh ist Ihnen und uns allen dieser ausgezeichnete, vornehme Mensch genommen worden. Ich selbst fühlte mich mit ihm durch jahrelange gemeinsame Qlrbetteng- stens verbunden und schätzte ihn auberor- dentlich hoch. Sn weiten Kreisen wird der Tod Ihres Gatten tiefste Trauer auslösen. Das ganze Land wird dem hervorragenden Wirtscha ts ühre , dem sympathischen Politiker, dem Mann, der während schwerer Desahungszeiten in vorderster Reihe der Abwehrfrvnt stand, über den Tod hinaus ein ehrendes Andenken be­wahren. Ich bitte, unsere aufrichtige Teilnahme auch den Ihrigen zu übermitteln."

Landtagsprüsdlent Delp richtete an die Witwe folgendes Telegramm:Soeben erhalte ich die Rach richt von dem Hinscheiden Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls. Gestatten Sic, daß ich Ihnen und Ihrer Familie im Ramen des Landtags wie im eigenen Ramen meine herz­lichste Teilnahme ausspreche. Während seiner fast zehnjährigen Zugehörigkeit zum Landtag hatte ich oft Gelegenheit, zu erfahren, welch' vornehmen Charakter Ihr Herr Gemahl besaß, und oft konnte ich beobachten, wie er durch die ihm eigene Art, den politischen Streit rein sachlich zu führen, sich die Hochachtung seiner Politik ch e n Freunde und Gegner erwarb. Seien Sie versichert, daß ich Ihrem Herrn Gemahl stets ein ehrendes Gedenken bewahren werbe."

Neue Unruhen in Madrid.

Schwere Zusammenstöße zwischen Radikal' republikancrn und Monarchisten.

Madrid, 10. Mai. (TU.) Bei einer Wahl­propagandafahrt der neu gegründeten Unab­hängigen monarchischen Vereini - gung, zu deren Mitgliedern der Besitzer der größten Madrider Zeitung ADC." gehört, kam es am Sonntag zu schwe» . ren Ausschreitungen. Sn vier Kraftwagen fuhren mehrere Herren dieser Vereinigung in den ersten Rachmittagsstunben durch die Hauptstra­ßen, wobei sie Hochrufe auf den König ausbrachten. Vereinzelte Republikaner nahmen dagegen Stellung, worauf sich eine Schläge- . r e i entwickelte, in deren Verlauf es zu einem mehrere Tausend Menschen umfassenden Auflauf kam. Schllehllech verbrannte bi« Menge die Autos der Monarchisten, verprügelte und verletzt« deren Führer, die von der Polizei im letzten Moment noch mit einem Gefängnisauto gerettet werden konntest. Als die wütende Menge bas Haus bet monarchistischen Vereinigung an- zünden wollte, griff bi« Dürgergarbe ein, die mit Pfeifen und Schreien empfangen wurde, der es aber schließlich doch gelang, die Anstürmenden abzudrängen. Darauf zog die Menge vor das Gebäude der Zei tun aABC", um dieses in Brand zu stecken. Auch hier griff die Dürger- garde ein, die die Zeitung zum Schutz beseht hatte. Es soll angeblich hierbei von den Polizei- truppen aus dem Gebäude desABC." ge­schossen und mehrere Personen verletzt worden fein. Um 18.30 Uhr ist bet Mabrlber Hauptplatz, die Puerta bei Sol, von vielen tau­fenden Demonstranten gefüll t, die vor dem dort befindlichen Innenministerium. gegen die Bürgergarbe protestiert und inRieber"- unbTod"-Rufe gegen den rechtsrepublikonischen Innenminister ausbricht.

In den Abendstunden durchzog eine ungeheure Menschenmenge protestierend bas Stadtinnere. . Die Transportarbeiter haben versucht, den Ge­neralstreik auszurufen, worauf zahlreiche t Straßenbahnen den Verkehr elnstellten und die Autos sich zurückzogen, da die Menge sie mit 7 Gewalt an der Ausübung ihres Dienstes ver­hindert«. Ein Z e i t u n g s st a n d in bet Haupt­straße, bet der katholischen ZeitungEl Debate" gehört, wurde von den Demonstranten in Brandgesteckt. Der Innenminister ver­sucht« persönlich, die Menge zu beruhigen. Cr hielt vom Balkon des Innenministeriums aus eine Ansprache und kündigte strengste Unter­suchung der Vorgänge und Schliehun g der

WHP. Darmstadt, 8. Mai. Im Hessischen Landtag wurde am Freitag zur Beratung des Iustizetats übergegangen.

Abg von der Schmitt (K.) richtet heftige Angriffe gegen die Iustizpflege, die allein zum Schuhe der Interessen der herrschenden Klasse ar­beite Die Rotverorbnung unterdrücke das auf- steigende Selbstbewuhtsein des Proletariats. Die Einseittgkeit in der Zeugenwertung bei Pro­zessen gegen Proletarier sei nicht mehr zu über­bieten; über allem stehe der Polizisteneid. Die Kommunisten lehnten den Iustizetat ab.

Abg. Best (VRP.) beantragt, seine Anträge zum Rotariat bis zur Vorlage der Erhebungen des Ministeriums in den Ausschuß zurückzuver­weisen. Um Arbeitskräfte zu sparen, sollte das Ministerium auf die regelmäßige Berichter­stattung im Begnabigungsverfah­re n verzichten und Staatsanwalt und Gerichts- vorsihenber, die mit bet Sache befaßt waren, be­vollmächtigten, bei gleicher Meinung Gnaden­gesuche abzulehnen.

Abg. S t u r m f e l s (S.) stellt fest, bah im beut-. schen Klassenstaat auch Klassenjustiz, viel­leicht unabsichtlich, geübt werbe. In letzter Zeit jeboch mehrten sich in zunehmenber Weise bie Tenbenzurteile zugunsten von rechtsgerich­teten Friedensstörern. Das Urteil gegen Reff- Michelstadt, die Einstellung von Strafverfahren gegen Rationalsozialisten wegen der Ausschrei­tungen in Michelstadt, die Vorfälle von Oberram- stabt unb Dienheim lägen in dieser Richtung. (Zwischenruf:Stellen Sie doch einen Mih- trauensantrag gegen Ihren Iusttzminlster!" Die Abgeordneten Ulrich (S.) unb Müller (Lbb.) werben wegen beleidigender Zwischenrufe zur Ordnung gerufen.) Angesichts der krassen Tenbenzurteile bet letzten Zeit müsse bas Begnadigungsrecht dem Justizministerium Vorbe­halten bleiben.

Die Abstimmungen zum Jinanjelat

Die Ausschuhbeschlüsse werden durchweg be­tätigt. Die volksparteilichen Steuer- ermähigungsanträge werden zur Ab­stimmung nicht zugelassen. Der Lanb- bund« Antrag auf Herabsetzung der Grund­steuer wird mit 38 Stimmen der Sozialdemokra­ten und Kommunisten, 2 Demokraten, des Zen­trums und eines Volksrechtlers gegen 19 Stim­men der Dolkspartel, des Landbundes, der Deutschnationalen, eines Rationalsozialisten und eines Volksrechtlers abgelehnt. Abg. Schrei­ber (Staatsp.) enthielt sich der Stimme. Mehrere Abgeordnete blieben der Abstimmung fern. Aus dem Fonds für Verkehrsverbindungen unb Flugwesen sott den oberhessischen Gemeinden Meiches, Köddingen und Helpers­hain für ihre jetzt eingestellten Pvstautolinien ein Zuschuß gewährt werden.

Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) erklärt, daß die imDarmstädter Tagblatt" angedeuteten Kv- ali tivnswünsch e des Landbundes auf grundlosen Kombinationen beruhten. Der Land­bund wolle sich ein halbes Jahr vor den Wahlen nicht mit einer Verantwortung belasten, wenn alles ins Wanken gerate.

.Abg. Dr. Wolf (fraktionslos) nimmt bie Rich­ter gegen bie Vorwürfe ber Linken in Schutz. Angesichts ber großen Arbeitsüberlastung ließen die Gerichte bei Geringfügigkeiten größte Milbe walten, um Berufungen oder Einsprüche zu ver- meiben. In politischen Prozessen übe jeder Rich­ter unb Staatsanwalt größte Unparteilichkeit, ba

begrünbeten Angriffe unb Verdächtigungen ganz entschieden zurückweisen. Auch in der Re­publik müsse die Justiz das Fundament des Staates bleiben. (Beifall rechts und in der Mitte.)

Abg. Dr. Keller (DVP.) begrüßt die Er­klärungen des Regierungsvertreters, daß bie Un- abhängigkei t der Richter in Hessen von Amts wegen nicht angetastet werden solle. Der Kamps der Linken gegen eine angebliche Klassen­justiz beiweise, daß in Deutschland eine Klassen­justiz noch nicht vorhanden sei, wie sie die Sow­jets anwendeten. ä

Abg. Schül (Z.) hält angesichts ber Fälle Kür­ten unb Tetzner bie Anwenbung ber To­be s st r a f e für nettoenbig. Die Vorwürfe des Abgeordneten Rechtsanwaltes Sturmfels seien un­gerechtfertigt unb staatspolitisch unklug gewesen. Der Abfuhr, bie er dafür von oberster Stelle schon erhalten habe, brauche er nichts hinzuzufügen.

Abg. Dr. Werner (Rats.) erklärt, der Mut, mit dem der Ministerialdirektor seiner eigenen Partei bei ihrem Rufe nach einer Klassenjustiz widerspreche, verdiene bie Anerkennung des poli­tischen Gegners. Gerade ber Abgeordnete Sturm­fels sei als letzter berufen, den Richtern Partei­lichkeit vorzuwerfen; denn die Sozialdemokratie strebe boch selbst ganz offen nach Klassenjusttz.

Abg. Keller (Z.) weist ebenfäl!^ bie Vor­würfe bes sozialdemokratischen Sprechers zurück. Wenn Polittk in den Gerichtssaal getragen werbe, bann nicht durch bie Richter, sondern durch die Parteien unb bie Parteipresse.

Abg. Böhm (Dnl.) erklärte, nicht bie Straf­justiz allein, fonbern auch Urteile aus ber zivilent Rechtsprechung hätten zu ber Vertrauenskrise in ber Justiz beigetragen. Um die zahlreichen, leicht­fertigen Meineibe einzuschränken, sei eine stren­gere Belehrung über die Folgen des Falscheides notwendig.

Abg. Dr. Best (VRP.) sprach der Regierung Anerkennung aus für ihre Bemühungen, die Iustizpflege von Einseitigkeiten freizuhalten.

Abg. Reiber (Dem.) erklärt, bie Todesstrafe sei eines modernen Volkes und Staates unwür­dig. Die Tatsache sei nicht zu bestreiten, bah man auf allen Gebieten ber Justiz nach Reformen ver­lange.

gemütlich wohnen. Plötzlich glaubt man, mit dem Fahrstuhl zu weit nach oben gefahren zu sein. Man steht unter vielen Dächern, Schornsteine strecken fich kerzengerade durch biete unb dünne Ziegel, unb dicht daneben werben Blechverklei­dungen für Dächer empfohlen. Bunte Kacheln be­leben bas Dilb, auf Fußböden liegen Fliesen, unb nun ist ber Fußboden mit Gummi verkleidet. In einem ganz anderen Teil der Ausstellung, dort, wo Finnland seine Fortschritte im Bauwesen zeigt, kann man ebenfalls Gummiböden bewun­dern. Der finnische Vertreter erklärt, daß dieser Bodenbelag zwar doppelt Jo^teuer wie Linoleum fei; aber dafür ist er unverwüstlich, schluckt den Schatt, kann mit Wasser bearbeitet werden, wäh­rend man Linoleum bohnern muß ^lauter Vor­züge, bie ihn für Krankenhäuser, ^Großbetriebe unb reich« Leute empfehlenswert machen. .

Diese Ausstellung ist zu groß, als bah man alles ansehen könnte. Die Anlagen für Warrn- wass erversorgung läßt man links, die Einrichtungen für Entlüftung rechts liegen, bleibt einen Augenblick vor Zimrneranten- nen stehen, die einen ungestörten Radioempfang vermitteln sollen unb bewundert dann eine An­zahl Springbrunnen wird aber sofort belehrt, bah es gar keine Springbrunnen sind, sottdem Waschbecken für Fabriken, Schulen ober Asyle; fünf ober acht Leute können sich gleichzeitig waschen. In ber Mitte einer Halle steht ein mäch­tiges Relief, kleine Glasröhren ziehen sich bar- über, durch graues unb grünes Gelände: das ist bie Wasserversorgung von Groß-Berlin. Man muh sich ausruhen, das Gehirn kann dem Auge nicht mehr folgen. Also geht man hinaus auf das Freigelände und wird dort sofort von neuen Eindrücken überwältigt. Da stehen mäch­tige Krane, wie man sie sonst nur in großen Häfen sieht. Durch hübsche Gartenanlagen wan­dert man zu zwei Häusern, di« kupferrot in den Sonne glänzen. Wahrhaftig, sie find mit reinem Kupfer bekleidet und innen sind sie gekachelt. An­dere Häuser find ganz aus Glas, wieder an­dere, zu denen man weniger Zutrauen hat, aus Prehstroh, aus Müll und allen möglichen Ab­fallstoffen. Wohne in Müll! Es soll ganz sauber sein.

Zurück in bie größte Ausstellungshalle, deren Studium eigentlich allein einen Tag erfordert. Graphische Darstellungen hängen an den Wän­den, riete Zahlen bringen auf den Besucher ein, hier macht man Reklame für Grünflächen, dort für Verkehrsregelung, halb werden die Groß­städte beschimpft, weil sie den Menschen Licht,

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