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Oer Zustizetat vor dem Landtag
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Dies« Vorgänge werden die ohnehin vorhan- 'deire Spannung zwischen den gemäßigten republikanischen und radikalsozia- listischen Kabinettsmitgliedern noch wesentlich erhöhen. Cs ist nicht ausgeschlossen, daß dadurch auch das beabsichtigt« Zusammengehen der bürgerlichen und sozialistischen Republikaner mit gemeinsamen Listen für die Wahlen zur Rationalversammlung gefährdet wird.
er der öffentlichen Kritik im weitestgehenden Maße unterstehe.
Abg. Schreiber (StP.) halt es für nicht objektiv, einzelne Urteile hier zu Verallgemeinerungen zu benutzen. Die Uebersehung des juristischen Studiums erfordere schärfste Auslese. Die Gnadenpraxis des Ministeriums dürfe nicht au einer allgemeinen Begnadigung der Gesetzesübertreter werden.
Ministerialdirektor Dr. R e u r o t h erklärt: Die Tatsache, daß von links und rechts her von Klassenjustiz gesprochen werde, beweise, daß die Gerichte im allgemeinen auf der richtigen Bahn schritten. Für die politischen Urteile trügen die Schössen oder die Geschworenen mit die Verantwortung, und es wäre ungerecht zu behaupten, daß die Laienrichter nicht in der intensivsten Weife an der Wahrheitsfindung mitarbeiteten. Der Abgeordnete S t u r m f e l s habe bei seiner Kritik wichtige Feststellungen der Staatsanwaltschaft nicht gesagt. (Hört, hört! — Sturmfels ruft: „Unerhört! Sie fälschen jetzt." — Lärm links und rechts.) Sn vielen Fällen war der Rechtsanwalt Sturmfels der Gewährsmann des Abgeordneten Sturmfels. Auf seine.Vorstellungen habe ich schriftliche Vorstellungen gefordert, die der Abgeordnete Sturmfels nicht beigebracht hat.
Der Abgeordnete Sturmfels habe diele Richter namentlich angegriffen. Er müsse diese uw
nicht nachliehen. Die Erreichung dieses Zieles würde die Völker von einer schweren Steuerlast befreien.
2. „Die internationalen Verpflichtungen sind dem Betrage und den Bedingungen nach festgesetzt worden. Die Unantastbarkeit, solcher Verpflichtungen ist stets die Grundlage für den Bestand des internationalen Kredits und für die Ausbreitung von handel und Industrie. Indessen steht die Beachtung dieses wesentlichen Grundsatzes nicht!m Widerspruchzueiner unparteiischen Prüfung der Wirkungen dieser Verpflichtungen auf dem Welthandel, wenn veränderte wirtschaftliche Verhältnisse dies rechtfertigen. Eine solche Prüfung muh auf den Grundsätzen aufbauen, die die IHK. in früheren Konferenzen niedergelegt hat." Der letzte Sah nimmt Bezug auf frühere Entschliehungen der IHK., in denen eine wirtschaftliche und nicht eine politische Behandlung der Schuldenfrage gefordert wurde.
3. Der Innen- und Außenhandel müsse durch Beseitigung aller Hemmnisse gefördert werden. Sn den Zolltarifen dürften einzelne Völker nicht unbilligerweise unterschiedlich behandelt werdön. Aus- und Einfuhrverbote dürften nur gegen ein Dumping und« gegen andere unlautere Machenschaften angewandt werden. »Alle unberechtigten Beschränkungen seien zu beseitigen.
Hochfchutnachrichten-
Für die Dauer von drei Sahren wurden ernannt: Geheimrat Prof. Dr. Friedrich Meinecke in Berlin zum Vorsitzenden, Geheimrat Prof. Dr. H. Onden in Berlin zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden und Geheimrat Prof. Dr. Erich Brandenburg in Leipzig zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden der Historischen Reichskommifsion.
Professor Dr. Fritz von Wettstein an der Universität Göttingen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Universität München als Rachfolger des Geheimen Rates Karl von Goebel zum 1. Oktober 1931 angenommen und seine Ernennung zum etatsmäßigen ordentlichen Profestor in der Münchener Philosophischen Fakultät erhalten.
Der durch die Emeritierung des Geheimrat- Prof. R. Kautzsch an der Frankfurter Uni- versität erledigte Lehrstuhl der Kunstgeschichte ist dem Ordinarius Dr. HanS Santzen «H Freiburg i.Dr. angeboten worden.
Zeitung „ABC." an. Trotzdem wurde von der Menge immer wieder versucht, in das Gebäude der Zeitung einzudringen. Die dort unter- gebrachte Wache der Bürgergarde muhte verstärkt werden. Aus dem Volkshaus wurden von der Sozialdemokratischen Partei mit roten Armbinden versehene Ordnungsmänner entsandt, dce große Plakate durch die Stadt trugen, auf denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, Ruhe zu bewahren.
Was sagt die Internationale Handelskammer zur Wirtschastskrisis?
Lieberprüfung des ReparaiionS- und Schuldenproblems bei veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen.
einem großen Raum das schöne Regierungszen- trum von Cardiff: wer dagewesen ist, vermißt daneben das Elendsviertel vom Hafen. Londons Trabantenstädte waren einmal vorbildlich für die Gartenstadtbewegung, können aber heute mit unseren Siedlungen nicht mehr verglichen werden. Bon England nach Chile ist nur ein Schritt, und schon steht man vor dem vierzehnstöckigen Finanzministerium von Santiago. Sugoslawien renonte miert mit dem schönen, ehemals österreichischen Kurort Bled, wo sich im Sommer dK Königsfamilie aufhält. Dänemark zeigt auf 26 Tafeln Kopenhagen, und so verbindet jedes Land mit der Bauausstellung eine kräftige Reise Propaganda. Stallen sieht auf den Wandtafeln so modern aus, daß die Freunde der Antike und der Renaissance erschrecken. Sn der Mitte dieses Raumes steht ein großes Gipsmodell des Zentrums von Rom, mit dem Kolosseum, dem Forum, vielen Kirchen und Palästen. Ungarn zeigt die Geschichte Budapests in 30 Bildern. Der chinesische Pavillon ist vorläufig noch verhängt und trägt die Aufschrift: „Eintreten höflich verboten!" Guckt man hinter den Vorhang, so sieht man zwanzig Söhne des Himmels in eifriger Beratung: Schaustücke sind noch nicht vorhanden. Dafür ist sehr viel bei den Holländern und den Amerikanern zu sehen. Ein Rundgang durch diese Räume ist die bequemste und auch die billigste Art, eine Weltreise zu machen.
Washington, 9. Mai. (TU.) Die Vollversammlung der Snternationalen Handelskammer nahm am Samstag die große Haupt- ent sch lieh ung an, die sich mit der Wiederbelebung des Welthandels befaßt. Die Entschließung geht aus von der Feststellung, daß die jetzige Wirtschaftskrise, die durch die Folgen des Krieges noch verstärkt worden sei, eine Wiederholung von Ereignissen darstelle, gegen die die Welt von Zeit zu Zeit anzukämpfen habe. Die durch Ereignisse der beiden letzten Sahre verursachte Vertrauenskrise sei unberechtigt, angesichts der heilenden Kräfte in Handel und Finanz, ^die sich noch stets bewährt hätten und auch diesmal sicherlich ihre Wirksamkeit beweisen würden. Wirtschaftliche Rückschläge hätten immer wieder Verbesserungen der Methoden angeregt, heilsame Lehren gebracht und zu gesundem Fortschritt auf besserer Grundlage geführt. Die Erfahrung der Geschichte werde sich auch diesmal wiederholen.
Rach dieser Einleitung wendet sich die Erklärung den fünf Hauptfragen zu, die den Welthandel und die Wohlfahrt der Völker beeinflussen:
1. Der Krieg sei das größte Hindernis des sozial en und wirtschaftlichen Fortschritts. Die SHK. billige die Bemühungen der Regierungen, die Rüstungen soweit wie möglich zu senken, und dränge darauf, daß die Regierungen in diesen Bemühungen
Luft und Ruhe rauben, und dafür die Kleinsiedlungen empfohlen, bald rühmt man die Musteranlagen im neuen Berlin, im neuen Wien, und nur so viel steht fest: das Alte war schlecht, das Reue ist gut. Was kostet Berlin? Der»Ma- gistrat hat es ausgerechnet und ist auf die bescheidene Ziffer von 33 Milliarden Mark gekommen. 20 Milliarden sind die Gebäude wert, 7 Milliarden der Boden, 3 Milliarden die Werke, und 3 Milliarden die Waren. Die Menschen sind in dieser Bilanz nicht berücksichtigt. Auf großen Bildern wird gezeigt, wie nervenzerstörend es ist, täglich auf der Untergrundbahn, mit dem Omnibus oder auf der Straßenbahn lange Wege zurückzulegen. Sn der Zukunftsstadt muh die moderne Wohnung — Randbebauung, mit Garten anlagen und Spielplätzen — neben der modernen Fabrik liegen. Die Wege zur Arbeitsstätte sollen so kurz sein, daß man sie zu Fuß zurücklegen kann. Und diese Arbeitersiedlungen der Zukunft müssen fabrikmäßig, im Thpenbau, hergestellt werden, nicht im individuellen Hochbau. Ein anderes Wandbild zeigt eine verkümmerte Sugcnö, auf einem Hinterhof zwischen Müllkästen spielend, und daneben Kinder, die mit d-m Roller zwischen Automobilen auf der Derkehrsstraße Herumjagen. Und nun gegenüber das richtige Bild: das Planschbecken und die Spielwiese. Sn einem Seiten raum zeigt Frau Dr. Lüders die richtige Bewirtschaftung der Wohnung. Ein Hochhaus ohne Fahrstuhl ist eine Qual. Wer vier Treppen wohnt, leistet jährlich dieselbe Arbeit, als wenn er zwölfmal auf die Zugspitze steigen würde. Aehnlich drastisch ist der Fluch des langen Korridors gezeigt. Bügle sitzend, aber natürlich auf dem richtigen Stuhl, der dem Körper angemessen ist, und benutze beim Waschen einen Schemel, der das Bücken erspart! ,Sn einem andern Raum hängen Berechnungen von Oberregierungsrat Dr. Weber. 20 Prozent des Einkommens gelten als wirtschaftlich tragbare Miete. Welche Wohnungsgröhe kann man sich nun leisten? DaZ steht auf den Tajeln für jede Cinkommensklasfe, und daneben sind die Grundrisse für Wohnungen von 36 bis 90 Quadratmeter Grundfläche.
Ohne Rücksicht auf die Geographie liegt der Ausstellungsraum von Chile neben dem von China; auf dem Messegelände grenzt Estland an die Schweiz, Ungarn an Stalien. Ungewöhnlich berührt die kräftig betonte Aufschrift „Spanische Republik" in einem Raum, der vor allem die neuen Pläne von Madrid zeigt. Ein deutscher Professor hat sie entworfen. England zeigt in
Die Großstadt von übermorgen.
Oie deutsche Bauauüfiellung in Berlin.
Don Dr. Frih Ellmann.
Am 9. Mal wurde auf dem großen Messegelände in Derlin-Wltzleben die deutsche Bauausstellung eröffnet.
Um einen flüchtigen Ueberblid über die große Bauausstellung zu gewinnen, braucht man mindestens einen Tag. Wer sich jedoch gründlich darüber unterrichten will, wie die Städte der Zukunft aussehen werden, wer die Grundrisse der neuen Häuser studiert, die Fassaden vergleicht, die Baustoffe prüft, kann auch eine Woche auf dem Berliner Messegelände zubringen, und er wird jeden Tag auf den 1 30 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche neue wichtige Einzelheiten entdecken. Das Bild ist bunter als bei anderen Ausstellungen. Sn einer Halle stehen 20 oder 25 Wohntypen, Hauswürfel sind bizarr aufeinander geschichtet, eine Wendeltreppe aus Eisenbeton schwingt in einer verzerrten Spiral« nach oben. Cs ist ein Labyrinth von modernen Bauten, der Boden ist verschieden gepflastert, um den Sn- tereffenten Beispiele für di« Verwendung mehrerer Arten von Steinplatten zu bieten, und Berg« von viereckigen Rasenstücken türmen sich an den Wegen in dieser merkwürdigen Halle. Morgen oder übermorgen wird man die Rasenstücke aneinandergefügt haben. Dann wird der Besucher den Eindruck erhalten, daß neuerdings in überdachten Hallen nicht nur Häuser gebaut, sondern auch Grasflächen gezogen toerben. Schnell noch ein Blick in das Sauere eines Hauses am Ende der Halle: man sieht dicht nebeneinander eine Reihe von Operationszimmern für Zahnärzte und wendet fich mit Grauen vor der blitzenden Schönheit dieser Marterräume.
Fachleute mustern di« B a u st v f f e, die den feit vielen Sahrtausenden bewährten Ziegel verdrängen sollen. Große Platten, klein« Platten — der Laie kann wenig damit anfangen. Aber er bleibt an einem Stand stehen, wo er sich über das Unheil unterrichten kann, das der Haus- schwamm in unseren Häusern anrichtet. Sorgfältig eingerahmt hängen da alte Dielen, von einem dicken grauen Pilz überwuchert. Rur auf Holz gedeiht der Schwamm: darum baue mit Steinl Andererseits sieht das Sperrholz in einer ©onberabteilung sehr verlockend aus. Es ist herrlich gemasert, in allen Schattierungen poliert, eine Freude für Architekten und für Leute, di« gern
nähme der hessischen Staatsregre- rung und schließe mein persönliches herzlichstes Beileid ein. Viel zu früh ist Ihnen und uns allen dieser ausgezeichnete, vornehme Mensch genommen worden. Ich selbst fühlte mich mit ihm durch jahrelange gemeinsame Qlrbetteng- stens verbunden und schätzte ihn auberor- dentlich hoch. Sn weiten Kreisen wird der Tod Ihres Gatten tiefste Trauer auslösen. Das ganze Land wird dem hervorragenden Wirtscha ts ühre , dem sympathischen Politiker, dem Mann, der während schwerer Desahungszeiten in vorderster Reihe der Abwehrfrvnt stand, über den Tod hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Ich bitte, unsere aufrichtige Teilnahme auch den Ihrigen zu übermitteln."
Landtagsprüsdlent Delp richtete an die Witwe folgendes Telegramm: „Soeben erhalte ich die Rach richt von dem Hinscheiden Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls. Gestatten Sic, daß ich Ihnen und Ihrer Familie im Ramen des Landtags wie im eigenen Ramen meine herzlichste Teilnahme ausspreche. Während seiner fast zehnjährigen Zugehörigkeit zum Landtag hatte ich oft Gelegenheit, zu erfahren, welch' vornehmen Charakter Ihr Herr Gemahl besaß, und oft konnte ich beobachten, wie er durch die ihm eigene Art, den politischen Streit rein sachlich zu führen, sich die Hochachtung seiner Politik ch e n Freunde und Gegner erwarb. Seien Sie versichert, daß ich Ihrem Herrn Gemahl stets ein ehrendes Gedenken bewahren werbe."
Neue Unruhen in Madrid.
Schwere Zusammenstöße zwischen Radikal' republikancrn und Monarchisten.
Madrid, 10. Mai. (TU.) Bei einer Wahlpropagandafahrt der neu gegründeten Unabhängigen monarchischen Vereini - gung, zu deren Mitgliedern der Besitzer der größten Madrider Zeitung „ADC." gehört, kam es am Sonntag zu schwe» . ren Ausschreitungen. Sn vier Kraftwagen fuhren mehrere Herren dieser Vereinigung in den ersten Rachmittagsstunben durch die Hauptstraßen, wobei sie Hochrufe auf den König ausbrachten. Vereinzelte Republikaner nahmen dagegen Stellung, worauf sich eine Schläge- . r e i entwickelte, in deren Verlauf es zu einem mehrere Tausend Menschen umfassenden Auflauf kam. Schllehllech verbrannte bi« Menge die Autos der Monarchisten, verprügelte und verletzt« deren Führer, die von der Polizei im letzten Moment noch mit einem Gefängnisauto gerettet werden konntest. Als die wütende Menge bas Haus bet monarchistischen Vereinigung an- zünden wollte, griff bi« Dürgergarbe ein, die mit Pfeifen und Schreien empfangen wurde, der es aber schließlich doch gelang, die Anstürmenden abzudrängen. Darauf zog die Menge vor das Gebäude der Zei tun a „ABC", um dieses in Brand zu stecken. Auch hier griff die Dürger- garde ein, die die Zeitung zum Schutz beseht hatte. Es soll angeblich hierbei von den Polizei- truppen aus dem Gebäude des „ABC." geschossen und mehrere Personen verletzt worden fein. Um 18.30 Uhr ist bet Mabrlber Hauptplatz, die Puerta bei Sol, von vielen taufenden Demonstranten gefüll t, die vor dem dort befindlichen Innenministerium. gegen die Bürgergarbe protestiert und in „Rieber"- unb „Tod"-Rufe gegen den rechtsrepublikonischen Innenminister ausbricht.
In den Abendstunden durchzog eine ungeheure Menschenmenge protestierend bas Stadtinnere. . Die Transportarbeiter haben versucht, den Generalstreik auszurufen, worauf zahlreiche t Straßenbahnen den Verkehr elnstellten und die Autos sich zurückzogen, da die Menge sie mit 7 Gewalt an der Ausübung ihres Dienstes verhindert«. Ein Z e i t u n g s st a n d in bet Hauptstraße, bet der katholischen Zeitung „El Debate" gehört, wurde von den Demonstranten in Brandgesteckt. Der Innenminister versucht« persönlich, die Menge zu beruhigen. Cr hielt vom Balkon des Innenministeriums aus eine Ansprache und kündigte strengste Untersuchung der Vorgänge und Schliehun g der
WHP. Darmstadt, 8. Mai. Im Hessischen Landtag wurde am Freitag zur Beratung des Iustizetats übergegangen.
Abg von der Schmitt (K.) richtet heftige Angriffe gegen die Iustizpflege, die allein zum Schuhe der Interessen der herrschenden Klasse arbeite Die Rotverorbnung unterdrücke das auf- steigende Selbstbewuhtsein des Proletariats. Die Einseittgkeit in der Zeugenwertung bei Prozessen gegen Proletarier sei nicht mehr zu überbieten; über allem stehe der Polizisteneid. Die Kommunisten lehnten den Iustizetat ab.
Abg. Best (VRP.) beantragt, seine Anträge zum Rotariat bis zur Vorlage der Erhebungen des Ministeriums in den Ausschuß zurückzuverweisen. Um Arbeitskräfte zu sparen, sollte das Ministerium auf die regelmäßige Berichterstattung im Begnabigungsverfahre n verzichten und Staatsanwalt und Gerichts- vorsihenber, die mit bet Sache befaßt waren, bevollmächtigten, bei gleicher Meinung Gnadengesuche abzulehnen.
Abg. S t u r m f e l s (S.) stellt fest, bah im beut-. schen Klassenstaat auch Klassenjustiz, vielleicht unabsichtlich, geübt werbe. In letzter Zeit jeboch mehrten sich in zunehmenber Weise bie Tenbenzurteile zugunsten von rechtsgerichteten Friedensstörern. Das Urteil gegen Reff- Michelstadt, die Einstellung von Strafverfahren gegen Rationalsozialisten wegen der Ausschreitungen in Michelstadt, die Vorfälle von Oberram- stabt unb Dienheim lägen in dieser Richtung. (Zwischenruf: „Stellen Sie doch einen Mih- trauensantrag gegen Ihren Iusttzminlster!" Die Abgeordneten Ulrich (S.) unb Müller (Lbb.) werben wegen beleidigender Zwischenrufe zur Ordnung gerufen.) Angesichts der krassen Tenbenzurteile bet letzten Zeit müsse bas Begnadigungsrecht dem Justizministerium Vorbehalten bleiben.
Die Abstimmungen zum Jinanjelat
Die Ausschuhbeschlüsse werden durchweg betätigt. Die volksparteilichen Steuer- ermähigungsanträge werden zur Abstimmung nicht zugelassen. Der Lanb- bund« Antrag auf Herabsetzung der Grundsteuer wird mit 38 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, 2 Demokraten, des Zentrums und eines Volksrechtlers gegen 19 Stimmen der Dolkspartel, des Landbundes, der Deutschnationalen, eines Rationalsozialisten und eines Volksrechtlers abgelehnt. Abg. Schreiber (Staatsp.) enthielt sich der Stimme. Mehrere Abgeordnete blieben der Abstimmung fern. — Aus dem Fonds für Verkehrsverbindungen unb Flugwesen sott den oberhessischen Gemeinden Meiches, Köddingen und Helpershain für ihre jetzt eingestellten Pvstautolinien ein Zuschuß gewährt werden.
Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) erklärt, daß die im „Darmstädter Tagblatt" angedeuteten Kv- ali tivnswünsch e des Landbundes auf grundlosen Kombinationen beruhten. Der Landbund wolle sich ein halbes Jahr vor den Wahlen nicht mit einer Verantwortung belasten, wenn alles ins Wanken gerate.
.Abg. Dr. Wolf (fraktionslos) nimmt bie Richter gegen bie Vorwürfe ber Linken in Schutz. Angesichts ber großen Arbeitsüberlastung ließen die Gerichte bei Geringfügigkeiten größte Milbe walten, um Berufungen oder Einsprüche zu ver- meiben. In politischen Prozessen übe jeder Richter unb Staatsanwalt größte Unparteilichkeit, ba
begrünbeten Angriffe unb Verdächtigungen ganz entschieden zurückweisen. Auch in der Republik müsse die Justiz das Fundament des Staates bleiben. (Beifall rechts und in der Mitte.)
Abg. Dr. Keller (DVP.) begrüßt die Erklärungen des Regierungsvertreters, daß bie Un- abhängigkei t der Richter in Hessen von Amts wegen nicht angetastet werden solle. Der Kamps der Linken gegen eine angebliche Klassenjustiz beiweise, daß in Deutschland eine Klassenjustiz noch nicht vorhanden sei, wie sie die Sowjets anwendeten. ä
Abg. Schül (Z.) hält angesichts ber Fälle Kürten unb Tetzner bie Anwenbung ber Tobe s st r a f e für nettoenbig. Die Vorwürfe des Abgeordneten Rechtsanwaltes Sturmfels seien ungerechtfertigt unb staatspolitisch unklug gewesen. Der Abfuhr, bie er dafür von oberster Stelle schon erhalten habe, brauche er nichts hinzuzufügen.
Abg. Dr. Werner (Rats.) erklärt, der Mut, mit dem der Ministerialdirektor seiner eigenen Partei bei ihrem Rufe nach einer Klassenjustiz widerspreche, verdiene bie Anerkennung des politischen Gegners. Gerade ber Abgeordnete Sturmfels sei als letzter berufen, den Richtern Parteilichkeit vorzuwerfen; denn die Sozialdemokratie strebe boch selbst ganz offen nach Klassenjusttz.
Abg. Keller (Z.) weist ebenfäl!^ bie Vorwürfe bes sozialdemokratischen Sprechers zurück. Wenn Polittk in den Gerichtssaal getragen werbe, bann nicht durch bie Richter, sondern durch die Parteien unb bie Parteipresse.
Abg. Böhm (Dnl.) erklärte, nicht bie Strafjustiz allein, fonbern auch Urteile aus ber zivilent Rechtsprechung hätten zu ber Vertrauenskrise in ber Justiz beigetragen. Um die zahlreichen, leichtfertigen Meineibe einzuschränken, sei eine strengere Belehrung über die Folgen des Falscheides notwendig.
Abg. Dr. Best (VRP.) sprach der Regierung Anerkennung aus für ihre Bemühungen, die Iustizpflege von Einseitigkeiten freizuhalten.
Abg. Reiber (Dem.) erklärt, bie Todesstrafe sei eines modernen Volkes und Staates unwürdig. Die Tatsache sei nicht zu bestreiten, bah man auf allen Gebieten ber Justiz nach Reformen verlange.
gemütlich wohnen. Plötzlich glaubt man, mit dem Fahrstuhl zu weit nach oben gefahren zu sein. Man steht unter vielen Dächern, Schornsteine strecken fich kerzengerade durch biete unb dünne Ziegel, unb dicht daneben werben Blechverkleidungen für Dächer empfohlen. Bunte Kacheln beleben bas Dilb, auf Fußböden liegen Fliesen, unb nun ist ber Fußboden mit Gummi verkleidet. In einem ganz anderen Teil der Ausstellung, dort, wo Finnland seine Fortschritte im Bauwesen zeigt, kann man ebenfalls Gummiböden bewundern. Der finnische Vertreter erklärt, daß dieser Bodenbelag zwar doppelt Jo^teuer wie Linoleum fei; aber dafür ist er unverwüstlich, schluckt den Schatt, kann mit Wasser bearbeitet werden, während man Linoleum bohnern muß ^lauter Vorzüge, bie ihn für Krankenhäuser, ^Großbetriebe unb reich« Leute empfehlenswert machen. .
Diese Ausstellung ist zu groß, als bah man alles ansehen könnte. Die Anlagen für Warrn- wass erversorgung läßt man links, die Einrichtungen für Entlüftung rechts liegen, bleibt einen Augenblick vor Zimrneranten- nen stehen, die einen ungestörten Radioempfang vermitteln sollen unb bewundert dann eine Anzahl Springbrunnen — wird aber sofort belehrt, bah es gar keine Springbrunnen sind, sottdem Waschbecken für Fabriken, Schulen ober Asyle; fünf ober acht Leute können sich gleichzeitig waschen. In ber Mitte einer Halle steht ein mächtiges Relief, kleine Glasröhren ziehen sich bar- über, durch graues unb grünes Gelände: das ist bie Wasserversorgung von Groß-Berlin. Man muh sich ausruhen, das Gehirn kann dem Auge nicht mehr folgen. Also geht man hinaus auf das Freigelände — und wird dort sofort von neuen Eindrücken überwältigt. Da stehen mächtige Krane, wie man sie sonst nur in großen Häfen sieht. Durch hübsche Gartenanlagen wandert man zu zwei Häusern, di« kupferrot in den Sonne glänzen. Wahrhaftig, sie find mit reinem Kupfer bekleidet und innen sind sie gekachelt. Andere Häuser find ganz aus Glas, wieder andere, zu denen man weniger Zutrauen hat, aus Prehstroh, aus Müll und allen möglichen Abfallstoffen. Wohne in Müll! Es soll ganz sauber sein.
Zurück in bie größte Ausstellungshalle, deren Studium eigentlich allein einen Tag erfordert. Graphische Darstellungen hängen an den Wänden, riete Zahlen bringen auf den Besucher ein, hier macht man Reklame für Grünflächen, dort für Verkehrsregelung, halb werden die Großstädte beschimpft, weil sie den Menschen Licht,
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